width=

Jason Becker: Seine Gitarren, seine Musik

9. August 2015

The Story of Jason Becker

Jason Eli Becker galt Ende der Achtzigerjahre als einer der besten Gitarristen der Welt und als eines der musikalischen Wunderkinder des 20. Jahrhunderts. In einem Alter, in dem sich viele Gitarristen erstmals die Frage nach einer professionellen Laufbahn stellen, hatte Jason Becker die Grenzen des Möglichen auf seinem Instrument schon nachhaltig ausgeweitet. Seine beispiellose Karriere wurde auch durch eine fatale Diagnose am gefühlten Anfang seines Werdeganges zwar eingeschränkt, aber keinesfalls beendet. Ein guter Grund dafür ihn, in unsere Serie der Gitarristen aufzunehmen, die glücklicherweise immer noch Geschichte machen.

12_JasonBecker_Promo

— Jason Becker mit seiner Carvin „Blueye“ DC200 —

Leben & Karriere

Jason kam bereits im Alter von fünf Jahren mit der Gitarre in Berührung und war nach Angaben seines Vaters seither nicht mehr von derselben zu trennen. Der 1969 in Richmond, Kalifornien, geborene Jason lernte weitestgehend Autodidakt, unterstützt von seinem Vater und seinem Onkel, die beide ebenfalls Gitarre spielen. Vor allem die Musik von Bob Dylan, Eric Clapton, Eddie van Halen und Jeff Beck sollen ihn in diesen ersten Jahren beeinflusst und inspiriert haben. Mit zwölf Jahren soll er bereits ein Meister der technischen und musikalischen Aspekte an der Gitarre gewesen sein. Eine der ersten Videoaufnahmen zeigt ihn mit einer Interpretation von “Blackstar” von Yngwie Malmsteen auf einer Talentshow an der Kennedy High School, die er mit eher mäßigem Erfolg abschloss.

Wie viele andere Gitarristen des neoclassical Metal auch, beschäftigte sich Becker viel mit barocker Musik und insbesondere mit dem Violinisten Niccolò Paganini, dessen Stücke er für die Gitarre adaptierte und später in seinen Kompositionen zitierte. Während seiner Schulzeit lernte er den späteren Megadeth-Gitarristen Marty Friedmann kennen, mit dem zusammen er im Alter von 16 Jahren die Metalband Cacophony mit gründete, die von Mike Varney produziert wurde. Das 1987 erschienene Debütalbum Speedmetal Symphony und die anschließende Tour waren vor allem in Europa und Japan sehr erfolgreich. Vor allem aber setzten die beiden Ausnahmegitarristen mit ihren technischen Fähigkeiten und musikalischen Finessen einen Meilenstein im Metal der späten Achtzigerjahre.

Becker wurde vor allem auch durch seine Kunststücke an der Gitarre (gleichzeitiges Spielen von Gitarre und Jojo) und die immer wieder in die Auftritte eingestreuten Solokompositionen bekannt. Nach dem 1988 erschienen zweiten Album Go Off! verließ Becker 1989 Cacophony, um sich verstärkt auf seine Solokarriere konzentrieren zu können. Das erste Album Perpetual Burn, das bereits 1988 erschien, wurde zwar kein kommerziell durchschlagender Erfolg, den Eindruck den der damals 19-jährige Ausnahmegitarrist damit allerdings in der Musikwelt hinterließ, ist bis heute deutlich.

PerpetualBurn

— Jasons erstes Soloalbum: Perpetual Burn —

Nicht nur die offensichtliche Virtuosität Beckers, sondern auch die enorme Vielseitigkeit seiner Kompositionen und die verschiedenen, mit traumwandlerischer Sicherheit eingesetzten Stilmittel trafen bei Kritikern und Fans gleichermaßen auf Begeisterung. Jason emanzipierte sich damit auch von der Cacophony Ära, deren noch viel deutlicher und stringenter im Metal verankert war, während sein erstes Soloalbum zwar noch im Genre blieb, zugleich aber wesentlich symphonischer und weniger aggressiv klingt. Dieses sollte auch sein einziges, von ihm eingespieltes Soloalbum bleiben.

Im Alter von 20 Jahren übernahm Becker für Steve Vai die Stelle des Leadgitarristen in der David Lee Roth Band, mit der zusammen er das Album A Little Ain’t Enough einspielte, wobei er für seine Arbeit auf dem Album vom Guitar Magazine als bester neuer Gitarrist ausgezeichnet wurde. Schon während der Aufnahmen für das Album klagte Becker über Probleme beim Gitarrenspielen und Bewegungseinschränkungen seines linken Beines. Kurz darauf wurde er mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS), einer Krankheit des motorischen Nervensystems, diagnostiziert. Die Lebenserwartung des jungen Musikers benannten die Ärzte mit drei bis fünf Jahren. Schon bei den Aufnahmen und Tourvorbereitungen war Becker stark eingeschränkt und spielte die letzten Sessions mit dünneren Saiten ein. Auf der im Jahr 1991 folgenden Tour der David Lee Roth Band konnte Jason schon nicht mehr teilnehmen und wurde durch Joe Holmes vertreten.

Auch wenn die Lähmung seines Körpers und schließlich auch seines Gesichtes schnelle voranschritt und er das Gitarrespielen schon bald ganz aufgeben musste, ist Jason Becker gut 25 Jahre nach der Diagnose noch immer am leben. Er kommuniziert über Augenbewegungen mit seiner Umwelt und komponiert mit Hilfe eines Computers, seiner Freunde und Familie weiterhin Musik. So erschien bereits im Jahr 1996 das Album Perspective, auf dem Musiker wie Michael Lee, Steve Perry, der San Francisco Girls Chorus und Bobby McFerrins Voicestra von Becker komponierte Stücke interpretieren.

Jason Becker ist mittlerweile an den Rollstuhl gefesselt, komponiert aber weiterhin Musik.

— Jason Becker ist mittlerweile an den Rollstuhl gefesselt, komponiert aber weiterhin Musik —

Während er das Album komponierte, musste er immer häufiger auf Keyboards umsteigen, weil er nicht mehr beide Hände benutzen konnte und bald schon war es ihm nur noch am Computer möglich, Instrumente zu spielen. Die Berry Jams, bestehend aus Rasberry Jams (1999) und Blackberry Jams (2003), enthielten alte Demoaufnahmen und alternative Versionen seiner Lieder. 2008 erschien dann das mit vielen berühmten Gastmusikern wie Steve Vai, Joe Satriani, Steve Hunter und Marty Friedman besetzte Album Collection. Neben drei neuen Kompositionen beinhaltet das Album auch alte Stücke und Originalaufnahmen von Becker und neu abgemischte Stücke seines ersten Soloalbums. Der 2012 erschienene Dokumentarfilm Jason Becker : Not Dead Yet enthält Interviews mit ihm, seiner Familie und Musikern, die von Jason beeinflusst wurden. Im letzten Album wurde ebenfalls ein Buch über sein Leben und seine Karriere angekündigt.

Stil & Technik

Obwohl Jason Becker in vielen Stilrichtungen und Spieltechniken sehr versiert war, wurde er vor allem für seinen „shred“ bekannt und anfangs vor allem mit seinen Interpretationen der Stücke des Violinisten Nicolò Paganini, die von sehr schnellen Stakkati und Legati und insgesamt sehr flüssigen Melodieläufen geprägt sind. Eben diese Eigenschaften finden sich auch in Beckers Spiel wieder. Ein sehr sauber ausgeführtes alternate Picking über lange Passagen, immer wieder ergänzt von kurzen und schnellen Legatopassagen, aber auch lang gezogenen Tönen mit einem deutlichen, zu seiner Zeit unter Guitar-Heroes aber kaum vermeidbarer Einsatz des Vibratiohebels, machten sein Spiel unverwechselbar und spätestens bei den Tapping-Einlagen mit großen Slides des tappenden Fingers war klar, wer hier an den sechs Saiten zauberte.

07_JasonBecker_Promo

— Becker mit seiner Peavey Numbers Guitar —

Wofür Becker aber vor allem bewundert wurde, sind seine perfekt gespielten Sweeping-Arpeggien, mit denen er immer wieder Soli aber auch Leadlines würzte und die wohl sein unverkennbarstes Markenzeichen darstellten. Ganze Songs komponierte er ausschließlich für diese Technik sowie das Stück Serrana, das nicht nur eines seiner beliebten Bühnenkunststücke bei Auftritten mit Cacophony war, sondern vielen Gitarristen, die sich mit Sweeping auseinandersetzen, auch der Gipfel derselben bedeutet.

Dabei bevorzugte Becker größtenteils einen sehr spitzen und klaren Gitarrenklang, der sich nicht gerade zum Kaschieren von Fehlern eignete, dabei aber auch jede Nuance seines Spiels hören lies.

Equipment

Die erste Gitarre, der Jason Töne entlockte, soll eine Franciscan Acoustic gewesen sein, die er ziemlich lange spielte, bis sie von einer Takamine ersetzt wurde und er mit einer Fender Musicmaster auf die E-Gitarre umstieg. Dieser folgte wenig später eine Fender Stratocaster, genauer eine 82er oder 83er Dan Smith mit einem DiMarzio Steve Morse Humbucker in der Brückenposition.

Die erste Stratocaster, mit der Speedmetal Symphony aufgenommen wurde

— Die erste Stratocaster, mit der Cacophonys „Speedmetal Symphony“ aufgenommen wurde —

Mit dieser Gitarre nahm Jason das gesamte Speedmetal Symphony Album auf. Nach ihrem ersten Album bot die Firma Hurricane den beiden Gitarristen einen Endorsement-Vertrag an und seine berühmte weiße Hurricane Moridira LTD.2 mit schwarzem Pickguard wurde sein neues Arbeitstier, sowohl für Konzerte als auch die Aufnahmen für sein Soloalbum Perpetual Burn. Diese japanische Stratocaster Kopie verfügte eine HSS-Bestückung mit hauseigenen Pickups, ein 22 Bünde umfassendes Palisandergriffbrett und eine spezielles FloydRose Vibratosystem, das die Ballends der Saiten zur Befestigung an der Brücke nutzte.

Bald darauf wurde Jason von Carvin Guitars eines ihrer Modelle zur Verfügung gestellt. Die DC200 war mit einem Ahornbody und Neck-through Ahornhals, einem Rosewood Griffbrett und deinem FloydRose ähnlichem Vibratosystem mit Rollsatteln ausgestattet. Das „Purple Pearl“ genannte Finish der Gitarre gefiel Jason jedoch so wenig, dass er die Gitarre auf der ersten Cacophony Tour mit einer Vielzahl an Stickern beklebte, was von Carvin mit leichtem Zähneknirschen akzeptiert werden musste.

Danach stieg Jason auf eine andere Carvin DC200 mit geflammter Ahorndecke, blauem Finish und Ahorngriffbrett um. Die von ihm liebevoll „Bluey“ genannte Gitarre wurde für seine restliche Karriere als Gitarrist sein Hauptinstrument und nach eigenen Angaben absoluter Liebling. Beide DC200 hatten separate Output-Buchsen, um die beide Pickups getrennt voneinander abnehmen und über verschiedene Verstärker spielen lassen.

Jason-Becker-JB200C-900a

— Carvin DC200 als Jason Becker Tribute Modell JB200 —

Eine dritte DC200 wurde von Jasons Vater Gary, einem Hobbykünstler, mit Paintbrush verziert, aber leider nie von Jason gespielt, da er zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr dazu in der Lage war.

Forum
  1. Profilbild
    Kittieyo  

    speedmetal ist was für fette „white trash ich sitze mit meiner methsüchtigen mutti im trailerpark“ kinder.

    bester gitarrist ever:

    Rowland S Howard !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    instrument war ne fender jaguar afaik.

    heroin ist eine bitch :(

    okay, kevin shields und viele andere dreampop und schuhgaser sollte man nicht vergessen

Kommentar erstellen

Die AMAZONA.de-Kommentarfunktion ist Ihr Forum um sich persönlich zu den Inhalten der Artikel auszutauschen. Sich daraus ergebende Diskussionen sollten höflich und sachlich geführt werden. Haben Sie eigene Erfahrungen mit einem Produkt gemacht, stellen Sie diese bitte über die Funktion Leser-Story erstellen ein. Für persönliche Nachrichten verwenden Sie bitte die Nachrichtenfunktion im Profil.