Gary Moore: Seine Gitarren, AMPs, Effekte und seine Musik

16. Januar 2021

Gary Moore: Seine Gitarren, seine Musik, sein Leben.

Gary Moore 1979 bei einem Konzert in London (© Shutterstock)

Kaum ein anderer Gitarrist litt so sehr an der Gitarre und beim Singen wie er. Und wie sollte man sich in diesen Punkten auch mit einer nordirischen Seele, wie sie im Bilderbuch steht, messen können? Gary William Moore war wohl einer der großen Bluesmusiker der 90er-Jahre, der sein Genre auch an eine breite Masse vermitteln konnte und hat sich dabei auch noch um den Hardrock verdient gemacht. Spätestens seit seinem Bluespop-Welthit „Still got the Blues“, dessen Melodie wahrscheinlich schon jedem einmal in den Ohren fest hing, hat er sich einen Platz in unserer Reihe Gitarristen, die Geschichte mach(t)en redlich verdient.

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Gary Moores frühen Jahre und Anfänge

Gary Moore kam im April des Jahres 1952 in der nordirischen Hauptstadt Belfast zur Welt und wuchs in einer relativ großen Familie aus der Mittelschicht auf. Zusammen mit seinen vier Geschwistern wuchs er in der Hafenstadt auf, bis seine Familie zu seiner Teenagerzeit immer weitere Zerrüttung erfuhr. Bereits mit sechzehn hielt er die Verhältnisse in seiner mehr kaputten als intakten Familie nicht mehr aus und verließ sein Elternhaus, um nach Dublin zu ziehen. Schon Mitte der sechziger Jahre war er wie viele Jugendlicher seiner Zeit auf Musiker wie Elvis Presley oder die Beatles aufmerksam geworden und wie für viele andere auch, war das Aufkommen und der Musik von Jimi Hendrix eine Zäsur in seinem Leben, die bei ihm gemeinsam mit vielen anderen Altersgenossen sein Interesse an der Gitarre erweckte. Mit zwölf oder dreizehn Jahren machte er die ersten Gehversuche an der Gitarre und der damals noch vergleichsweise jungen E-Gitarre. Schon schnell stellte sich heraus, dass er ein besonderes Händchen für jene sechs Saiten hatte, die schon bald darauf für ihn die Welt bedeuten sollten.

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Dublin und der musikalische Aufstieg

In Dublin angekommen, verdingte sich Moore erst einmal als Straßenmusiker und spielte in Pubs und Bars. Auch Ende der Sechziger war das kein leichtes Auskommen, zumal er immer noch minderjährig war und es als solcher sehr schwer hatte. Im Jahr 1970 trat er dann dem Trio Skid Row bei, das vor allem für ihren Power-Rock’n’Roll bekannt wurde. Schon kurz nach seinem Beitritt zu der Band wurde das Plattenlabel CBS auf die jungen Wilden aufmerksam und binnen Jahresfrist veröffentlichten die drei Jungs zwei Alben gemeinsam mit CBS. Moore, der des musikalischen Anspruches und des Sounds von Skid Row schnell überdrüssig wurde, verlies nach den beiden Veröffentlichungen die Band und widmete sich anderen Projekten, wie der die Folkrock-Band Dr. Strangely Strange und der Gary Moore Band, in der er erstmals sang. Das erste und zugleich letzte Album der Band war ein Flop und so bestand die Band nicht lange. Sie löste sich auf und Gary Moore trat mit Mitte zwanzig und im Jahre 1974 der Band Thin Lizzy bei, die damals schon ihren Durchbruch mit der Neuinterpretation des irischen Volksliedes “Whiskey in the Jar“ feiern konnten.

Besonders in dieser frühen Zeit verband ihn eine enge Freundschaft mit dem Fleetwood Mac Frontmann und Gitarristen Peter Green, der für ihn ein wichtiger musikalischer Mentor und Einfluss auf sein Gitarrenspiel und seine Entwicklung war. Ihn ehrte er viele Jahre später mit einem Tribute Album, das unter dem Namen Blues for Greeny erschien. Auch Phil Lynott, mit dem er schon in den Anfangszeiten in Dublin gemeinsam Musik machte, verband ihn, was auch seine Wechsel zu Thin Lizzy erklärt, deren Frontmann und Bassist Lynott schließlich war.

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Die Solokarriere des Gary Moore

Auch mit Thin Lizzy hielt er es nicht lange aus und verließ seine Mitmusiker schon bald wieder, um sich verstärkt als Studiomusiker zu verdingen. Doch immer wieder zog es den noch immer jungen Ausnahmegitarristen als Gastmusiker auf die Bühne und er wirkte in zahlreichen, teilweise noch heute in Erinnerung gebliebenen Rockbands mit. Schon ein Jahr nach seinem Ausstieg von Thin Lizzy begründete er mit anderen heutigen Größen der Musikgeschichte, darunter dem Bassisten Neil Murray und der Band Colloseum II. Mit dieser bewegten sich die Musiker eher in Richtung Jazz und Jazzrock als dem Blues. Auch diese Formation löste sich knapp drei Jahre nach ihrer Gründung wieder auf und die Studiokarriere Moores ging weiter. In dieser Zeit veröffentlichte er mit Parisienne Walkways seine erste erfolgreiche Solosingle, die ihn auch einem etwas breiteren Publikum bekannt machte.

Dem Studiodasein wohl etwas überdrüssig geworden, entschied er sich bald darauf wieder, Thin Lizzy beizutreten, und mit ihnen auf Tour zu gehen. Doch auch diese Liaison hielt mal wieder kein ganzes Jahr durch und das Projekt mit einem Mitmusiker aus eben jener Band war auch kein Erfolg

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Rock …

In dieser ganzen Zeit hatte er sich aber als Gitarrenvirtuose einen Namen machen können. Weitere Soloprojekte waren daher auch eher auf ihn zugeschnitten und er schien auch seinen Stil gefunden zu haben. Das Album Corridors of Power, das im Jahr 1982 erschien, war ein lupenreines Heavy-Metal Album und auch die nachfolgenden Alben sollten dieser Stilrichtung weitestgehend verhaftet bleiben. Auch konnte Moore es in diesem Genre und als Solokünstler erstmals überhaupt zu einigem Ruhm bringen. Seine darauf folgenden Alben Victims of the Future und Run for Cover aus den Jahren 1983 und 1985 liefen nicht nur im Radio rauf und runter, sondern konnten sich auch in der Szene einen Namen machen und etablierten Moores Ruf als angesehener Gitarrist, der es mit dem härteren Genre aufnehmen und diese vorantreiben konnte.

Weiterhin arbeitete er mit Weggefährten aus den ersten Jahren musikalisch zusammen, so auch mit dem Mitte der Achtziger verstorbenen Phil Lynott. Aber auch mit anderen Größen seiner Zeit arbeitete er insbesondere in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre zusammen. So wirkte er unter anderen mit Ozzy Osbourne auf einigen seiner Alben mit. Durch die Musik äußerte er sich auch immer wieder zu politischen Themen und vor allem zum Nordirland-Konflikt, der zum Großteil ja auch sein Alltagsleben bestimmte.

… und Blues

Einer noch breiteren Masse dürfte Moore aber mit seinem Schaffen zu Anfang der neunziger Jahre bekannt geworden sein. Auch heute noch ist diese Ära wohl am meisten im Gedächtnis an den großen Gitarristen hängen geblieben. Das liegt wohl nicht zuletzt an das im Jahr 1990 erschienene Album Still got the Blues und dessen Titeltrack liegen, der ein wahrer Welthit wurde und seine später Karriere maßgeblich beeinflussen sollte. Wie der Name des Albums schon vermuten ließe, war Moore Anfang der Neunziger vom Hard- in den Bluesrock gewechselt und eben jener Song sollte durch seine unvergessliche Hook und dem virtuosen Solo ein moderner Klassiker des Genres werden.

Gary Moore 2008 bei einem Live-Konzert (© Shutterstock)

Ausgerechnet …

… um diesen Song gab es jedoch Streit mit dem Bassisten Jürgen Winter, der angab, die Melodie mit seiner Krautrockband Jud’s Gallery Anfang der Siebziger geschrieben und aufgenommen zu haben. Das unveröffentlichte Lied sollte Moore für seinen Superhit kopiert haben. Nachdem Winter vor Gericht Recht bekommen hatte, konnte Moore die Rechte an dem durch einen Vergleich jedoch behalten.

Auf diesem Album und auch auf seinem nächsten Blues Album konnte Gary Moore sich die Unterstützung anderer Größen des Genres wie Albert King und B.B. King sichern und auch Ex-Beatle George Harrison hatte bei seinem Blues Debüt wohl die Finger im Spiel. Unter dem Namen BBM bildete er eine neue Band, in der auch zwei frühere Cream Mitglieder (nicht Eric Clapton) mitwirkten.

Es sollten zahlreich Soloalben folgen, die alle mehr oder weniger dem Blues verhaftet blieben, bis er sich mit A different Beat in eher experimentelle Musikgefilde mit modernen Popeinflüssen wagte, bevor er mit The Power of Blues 2003 wieder zurück zu seinem Erfolgsgenre fand. Darin und im darauf folgenden Album wurde sein Stil immer weniger rockig und insgesamt langsamer und sanfter und sein letztes Album von 2009, Bad for You Baby, wurde für den Blues Music Award nominiert.

Völlig unerwartet starb Gary More am 6. Februar 2011  im Schlaf an einem Herzinfarkt im Alter von 58 Jahren in Estepona, Spanien. Das für dasselbe Jahr geplante Album konnte er jedoch wegen seines frühen Todes nicht mehr fertigstellen. Sein Grab liegt an der Südküste Englands auf dem St Margaret Churchyard in Rottingdean nahe Brighton.

Gary Moore (Fleetwood Mac): Seine Gitarren, seine Musik

Sein Erfolgsalbum, das ihn weltberühmt machte

Stil und Einflüsse

Gary Moore wurde in erster Linie für seine kraftvollen und virtuosen Bluessoli und seine technische Versiertheit auf der Gitarre bekannt, sieht man einmal von seinem Talent als Komponist ab. Da passt es auch, dass er einen der ersten und vielleicht wichtigsten E-Gitarrenvirtuosen, nämlich Jimi Hendrix, als einen seiner wichtigsten Einflüsse nannte. Das war zu der Zeit, in der sich Moore anfing, sich für Musik zu interessieren. Wahrscheinlich nichts Außergewöhnliches, war Hendrix doch gerade dabei, die Rockmusik und die E-Gitarre als Instrument völlig zu revolutionieren. Und so sind auch in seinem stark verzerrten, oft mit Fuzz-Pedalen bereicherter Sound durchaus Einflüsse von Hendrix erkennbar, auch wenn natürlich stilistisch nicht viel an die Verbindung erinnert.

Sein zweiter großer Einfluss war sein musikalischer Weggefährte und Freund Peter Green, den er mit einem Album ehrte. Ein wirkliches Wiedererkennungsmerkmal sind seine sehr sustainreichen, lange gehaltenen Bendings und das zwischenzeitliche immer wieder abgedämpften Strumming zwischen den einzelnen Tönen, mit denen er Akzente setzte. Oftmals wechselten sehr kurze und schnelle Läufe sich mit den sehr lange gehaltenen und mit Vibrato versetzen Tönen seiner Melodien ab.

Das Equipment von Gary Moore

Moore hatte nie eine dauerhafte Liaison mit einer bestimmten Gitarre oder einem bestimmten Hersteller gepflegt. Er spielte im Grunde immer das, was ihm gerade den Sound lieferte, den er gerade suchte. Obwohl er Linkshänder war, erlernte er die Spielweise wie ein Rechtshänder und war so nie auf Sondermodelle angewiesen, die vor rund dreißig Jahren wohl noch schwerer zu finden waren als heute.

So fanden allerlei Gitarren und Gitarrentypen den Weg in sein Setup, es mit ihm ins Studio oder auf die Bühne. Ein Gitarrentyp, der wohl sehr eng mit seinem typischen Sound seiner späteren Zeit verbunden war und mit dem er doch immer etwas öfter zu sehen war, war die Les Paul von Gibson. Mit dem druckvollen Humbucker-Sound und der schieren Masse an Holz, die eine Les Paul bieten kann, kam es auch zu seinem sustainreichen und stets mittig druckvollen Sound. Er soll für lange Zeit eine 59er Les Paul Standard gespielt haben, die er von Peter Green kaufte. Ebenfalls soll er in dieser Zeit eine 52er Les Paul mit schwarzen P90 Pickups und der unverwechselbaren Stoptails der frühen Paulas.

Gary Moore (Fleetwood Mac): Seine Gitarren, seine Musik

— Gary Moore 59er Les Paul aus der aktuellen Gibson Collection —

Auch das „gitarristische Gegenstück“ zur Paula, die Fender Stratocaster, fand immer mal wieder in die Hände des Bluesmeisters. So vor allem in seinen frühen Jahren, aber auch auf verschiedenen Studioaufnahmen und vor allem in seiner Hardrock-Zeit konnte er sich für deren bissigen und klaren Sound begeistern. Eine der ersten „Strats“, mit denen Moore des Öfteren spielte, nutzte er während seines zweiten Engagements mit Thin Lizzy Ende der 70er Jahre. Die 1970er Fender Stratocaster, die vermutlich von ihm selbst modifiziert wurde, konnte nicht nur mit einem selbst gemachten Pickguard auftrumpfen, sondern hatte statt der Singlecoils auch zwei Humbucker verbaut. Sie war also eine der frühen Superstrats, die man sich eben damals noch selber bauen musste.

Doch auch normale Stratocaster verschmähte Gary Moore keineswegs, wie man an der lachsfarbenen 61er Fender Stratocaster „Salmon Pink“ erkennen konnte, die er vor allem in späteren Jahren immer wieder auf Tour und auch im Studio gespielt hatte. Sie war, im Gegensatz zu den verbastelten Dingern aus den Siebzigern, recht standardmäßig, dafür aber mit deutliche Gebrauchsspuren, Schrammen und Scheuerstellen versehen. Was würde man auch anderes von einem Bluesgitarristen erwarten? Fender brachten ihm zu Ehren auch ein Relic Gary Moore Modell heraus, bei dem die Schäden am Original detailgetreu nachgebildet wurden. Inklusive der sicherlich polarisierenden Lackfarbe.

Gary Moore (Fleetwood Mac): Seine Gitarren, seine Musik

Fender Gary Moore Tribute Stratocaster

Gerade in dieser Zeit kamen dabei des Öfteren Superstrats der Marke Charvel zum Einsatz. Vor allem mit Gitarren der San Dimas Serie und eines derer Modelle mit lediglich einem Humbucker in der Stegposition und einem Floyd-Rose-Vibratosystem. Was in den 80ern halt so zur Grundausstattung eines Guitarheroes gehörte, war auch für Gary Moore eine nicht unbeträchtliche Zeit das Non-Plus-Ultra und so sah man ihn Mitte des schrillen Jahrzehnts immer wieder mit dieser Gitarre auf den Bühnen der Welt.

Gary Moore (Fleetwood Mac): Seine Gitarren, seine Musik

Vor allem die weiße Charvel San Dimas hatte es ihm angetan – man findet sie aber kaum noch mit nur einem Humbucker

Auch Ibanez, die vor allem in den Achtzigern und Neunzigern mit ihren zahlreichen Innovationen und ihren neuartigen Superstrat-Modellen für Furore sorgten, statteten Moore mit ein paar Klampfen aus. Dabei kamen aber vor allen Dingen die Roadstar Modelle zum Einsatz, die etwas gediegener und daher etwas mehr für Blues und Bluesrock geeignet waren.

Gary Moore (Fleetwood Mac): Seine Gitarren, seine Musik

Die Roadstar Serie von Ibanez war in den Achtzigern das Bindeglied zu den später noch mehr aufgepimpten Superstrats

Für die klassischen Rock-Passagen musste jedoch etwas mit ein wenig mehr Präsenz her. Da waren Gitarren wie die Hamer Vector oder die ziemlich baugleiche Flying V von Gibson zum Einsatz. Die machten vor allem auch optisch klar, in welche Richtung die Musik gehen würde und zählten, ähnlich wie die frühen Superstrats, zur Grundausstattung eines Rockstars in den späten siebziger und frühen achtziger Jahren.

Gary Moore (Fleetwood Mac): Seine Gitarren, seine Musik

Mehr Hardrock geht kaum – Hamer Vector

Neben diesen Gitarren war Gary Moore auch mit Gitarren von Paul Reed Smith und vor allem einer Vielzahl an unterschiedlichen Gibson Modellen von der Melody Maker bis zur Thunderbolt zu sehen. Eine der bizarrsten Gitarren dürfte dabei aber die Synth Axe gewesen sein. Was aussah wie eine vorher zerstörte und dann dürftig und unvollständig wieder zusammengeklebte E-Gitarre, war ein wahres Prestigeprojekt in Sachen MIDI-Controller, das Mitte der Achtziger von verschiedenen Herstellern produziert wurde. Die Idee dabei war, das Spielgefühl einer Gitarre zu bieten und damit verschiedenste MIDI-Geräte anzusteuern.

Die Saiten konnten wie bei einer normalen Gitarre gespielt werden, sogar Tappings, Bendings und Hammer-ons waren möglich. Dazu kamen noch eine ganze Reihe Zusatzfunktionen. Neben Moore spielten auch Lee Foster und Al Di Meola die inzwischen beinahe vergessen Synth Axe, die wegen der enormen Kosten und der etwas unausgereiften Technik irgendwann eingestampft wurde.

Gary Moore (Fleetwood Mac): Seine Gitarren, seine Musik

Bizarr und ihrer Zeit voraus – die Synth Axe

Die Verstärker des Gary Moore

Bei Verstärkern war Gary Moore schon etwas beständiger unterwegs als bei der Auswahl seiner Gitarren. So nutze er über seine ganze Karriere hinweg fast ausschließlich Marshall Amps. Zu Anfang seiner Karriere 1969 und 1970 spielte er jedoch laut Überlieferungen noch einen Hiwatt Custom 100, einen einkanaligen Amp aus britischer Produktion, der damals schon zum Robustesten gehörte, was man sich vorstellen konnte.

Gary Moore (Fleetwood Mac): Seine Gitarren, seine Musik

Hiwatt Custom 100

Schon kurz darauf in der Zeit mit Thin Lizzy spielte er des Öfteren einige Verstärker der Marke Peavey, bevor er mit dem 59 Superlead seinen ersten Marshall auf der Bühne und im Studio spielte. Dieser Amp sollte seine lange anhaltende Liebe zu den Amps der Marke Marshall begründen, auf die er während seiner Karriere immer wieder zurückgriff.

-- 59' Marshall Super Lead --

— ’59 Marshall Super Lead —

Zwischendurch spielte Moore in der Zeit mit Colloseum II noch des Öfteren einen VOX AC30, den er vor allem für seine Crunchsounds schätzte. Zwar kam dieser später nicht mehr in seinem Live-Setup zum Einsatz, allerdings soll er auf der einen oder anderen Platte noch für die Rhythmusgitarre eingesetzt worden sein.

-- Britischer Klassiker - der Vox AC30 --

— Britischer Klassiker – der Vox AC30 —

Es folgte eine ganze Reihe an verschiedenen Marshall Verstärkern, die er immer wieder im Wechsel über die nächsten fast dreißig Jahre spielen sollte. Darunter sowohl ab Mitte der Neunziger solche Hardrock-Maschinen wie den JCM 2000 Dual Super Lead 100, der zu seiner Zeit einer der heißesten Amps für Leadgitarristen war und die nötige Power für Stadionrock und große Bühnen lieferte. In den achtziger Jahren verwendete er des Öfteren Verstärker des Typs Marshall JTM45 Reissue auf der Bühne, die dem Klang der Super Leads sehr nahe kamen, allerdings etwas weniger Power hatten und ein wenig amerikanischer klangen.

-- Rockmonstrum JCM 2000 DSL 100 von Marshall --

— Rockmonstrum JCM 2000 DSL 100 von Marshall —

Der 1962 Bluesbreaker Reissue kommt dem JTM45 klanglich sehr nahe und rangierte ebenfalls fast in der Fender-Liga mit satten, warmen Blues-Sounds, die weniger an die rauen Brit-Amps von der Insel erinnerten. Der Bluesbreaker war sogar optisch ein wenig an die Amerikaner angelehnt und begleitete Moore vor allem in den frühen Neunzigern immer mal wieder auf Tour.

Zum Ende seiner Hardrock-Zeit war Gary des Öfteren mit einem Soldano SLO100 unterwegs, der ein wenig mehr Richtung Heavy Metal und wirklich hartem Rock ging. Soldano Amps sind für etwas böseren und kompromissloseren High-Gain-Sound bekannt und das war es, was Gary vor allem in den späten Achtzigern brauchte.

-- Soldano SLO100 --

— Soldano SLO100 —

Effekte und Verzerrer

Angesichts der beachtlichen Anzahl an Verstärkern und Gitarren, die Gary Moore im Laufe seiner Karriere spielte und mit denen er seinen Sound schuf, fällt die Auswahl an Effekten und Verzerren, auf die er für seine Musik zurückgriff, ebenfalls recht beachtlich aus. Viel Effekthascherei war jedoch meisten nicht in seinem Sound und so beschränkte er sich auf die Fähigkeiten seiner Verstärker und seiner Hände für die einzelnen Sounds und setzte Effekte nur für das Nötigste ein. Zur Sicherheit war aber immer alles dabei, was man eben so brauchen konnte.

Für die Verzerrung, die Moore auch in seiner Blueszeit noch sehr reichlich und prominent einsetzte, nutzte er verschiedene Verzerrerpedale, manchmal auch gleichzeitig. Eines der Wichtigsten dürfte das Marshall Guv’nor gewesen sein, das für seinen fetten und cremigen Bluessound ab Anfang der Neunziger verantwortlich war.

-- Marshall The Guv'nor --

— Marshall The Guv’nor —

Und auch der Klassiker unter den Verzerren, der Ibanez Tubescreamer, durfte die ganze Zeit über in seinem Setup nicht fehlen. Es ist wohl eines der am meist verbreiteten Verzerrerpedale und bis heute für seinen kompakten und kräftigen Sound beliebt und bekannt.

-- Eine Klasse für sich: Ibanez Tube Screamer TS9 --

— Eine Klasse für sich: der Ibanez Tube Screamer TS9 —

Einen beinahe ebenso hohen Status dürfte das DS-1 von BOSS erreicht haben, das Gary seit den 80ern und bis zuletzt in der Signalkette hatte. Auch hierbei ist der Sound unverkennbar und altbewährt.

-- Boss DS-1 Distortion --

— Boss DS-1 Distortion —

Doch auch fast alle anderen Pedale und Effekte von BOSS schafften es auf das Pedalboard Moores. Unter ihnen das CE-2 Chorus Pedal, das DM-2 Delay, der OC-2 Octaver, der BF-2 Flanger sowie zuletzt auch das BOSS FRV-1 ’63 Fender Reverb Pedal, das den klassischen Spring-Reverb der alten Fender-Amps nachbildet.

-- BOSS Fender FRV-1 --

— BOSS Fender FRV-1 —

In Sachen Effekte war Gary Moore vor allem in den späteren Jahren dem Hersteller T-Rex ziemlich verbunden. Mehrere der Boutique-Effektpedale aus Dänemark soll Moore stets in seinem Setup gehabt haben und er schätzte sie für ihre Zuverlässigkeit und den qualitativen Vintage-Sound. So fanden sich in seinem Setup sowohl der T-Rex Moller Overdrive als auch der Luxury Drive und der Twister Chorus/Flanger Live und auch im Studio wieder.

-- Dänischer Edeleffekt: T-Rex The Twister --

— Dänischer Edeleffekt: T-Rex The Twister —

Doch nicht nur die klassischen Effekte wurden von Gary Moore genutzt. Seitdem Mitte der neunziger Jahre das Amp-Modeling und digitale Multieffektgeräte immer mehr an Beliebtheit und Bedeutung gewinnen konnten, war auch Gary an der Technik interessiert und so fanden sich seit dem Jahr 2000 auch immer mal wieder Vorverstärker von Line6 in seinem Signalweg sowie das fast schon legendäre DL4 Delay-Pedal.

-- Line6 DL4 --

— Line6 DL4 —

Forum
  1. Profilbild
    janschneider  

    Öh, ich glaube, die eine Bildunterschrift bedarf einer Korrektur: “ Gary Moore 2018 bei einem Live-Konzert”. Eher nicht 2018 ;)

    Der allererste Tonträger in meinem Leben, den ich selbst besaß, war tatsächlich Gary Moores “Wild Frontier”, mit ca 13 Jahren als Musik-Kassette vom ersparten gekauft. Ein Album, welches von der Produktion her nicht so richtig gut gealtert ist, aber damals einen enormen EIndruck auf mich gemacht hat. Vielfach habe ich erst gar nicht begriffen, dass die Klänge von einer E-Gitarre kamen…
    Und da waren auch ein paar wirklich gute Songs auf dem Album, die auch heute noch Bestand hätten, so man sie denn von der ziemlich cheesigen Achtziger-Jahre-Produktion mit Drumcomputer und Synthesizer befreien würde. Das wurde beim folgenden Album dann besser.
    Mit dem Bluesrock-Gedöns der späten Jahre hat er mich dann aber verloren.

  2. Profilbild
    TobyB  RED

    Sehr schön geschrieben! Der Spirit von Moore und Lynott lebt in Dublin immer noch. Das fängt damit an das man beide als Streetart auf Telefonhäuschen und Schaltkästen verewigt hat. Wenn man sich in Rathmines tummelt, findet um den Portobello Quai im 500 Meter Radius vier Gitarren Läden und zwei weitere mit gebrauchtem Gear und DJ und Synthie Equipment. Bei Sound Gear und Some Neck Guitars hängen dann diverse Vintage Schätzchen und Promis an der Wand. Und in der Vitrine findet man diverse Effektpedale von gestern bis heute. Da die Leute dort auch als Techniker für diverse Bands arbeiten, ist die Chance sehr gross jemanden zu treffen den man kennt. Ich würde die Kreditkarte o.ä allerdings zu Hause lassen oder ein Limit draufsetzen. Sonst kommt man mit einem Rhodes heim.

  3. Profilbild
    Dalai Galama  

    Viel Info über einen interessanten Musiker in einem unterdurchschnittlich formulierten Artikel. Es hat etwas Mühe gekostet, sich durch die Holprigkeiten und orthografischen Fallstricke zu kämpfen. Trotzdem danke.

  4. Profilbild
    justme  

    Schöne und informative Erinnerung an einen tollen Musiker. Vielen Dank !
    Fand es weder unterdurchschnittlich noch holprig zu lesen – bin aber sicher
    auch zu einfach gestrickt, bekenne ich mich z.B. nach wie vor dazu, dass
    bei „echten Bluesern“ als zu kommerzielle verschriene
    „Still got the blues“-Album herausragend zu finden…

    • Profilbild
      Joerg  

      Die „echten Blueser“ haben halt nie den Erfolg eines Gary Moore kosten dürfen.
      Die haben sich ewig die Finger verbogen und daher nur die üblen Grundgefühle Neid und Eifersucht übrig.
      Gary Moore war ein „echter Künstler“ auf der Gitarre – wenn man den Faden so beibehalten möchte.
      Einer der universellsten und komplettesten Gitarristen seiner Zeit.

  5. Profilbild
    ErrJott  

    … nur zur Ergänzung und weil das allzu gerne vergessen wird: Auch auf 2 Studioalben von „Mädchen-Sänger“ Greg Lake (Ex King Crimson / Emerson Lake & Palmer) Anfang der Achtziger zu hören und auf einem Wahnsinns-Live-Mitschnitt (Greg Lake – Live In Concert – King Biscuit Flower Hour), einer heftigen, energiegeladenen Lehrstunde in Sachen Live-Gig. Aber das wurde damals alles verrissen, wollte von den Blechohren-Kritikern keiner mehr hören… Und das Publikum war wohl auch eher mit VoKuHiLa Schmalzfrisuren und geschmacklosen Klamotten beschäftigt…

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