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Test: Bela.io Gliss, Eurorack Touch Sensitive Controller

Ein funktionsreicher Touch-Sensitive-Controller

1. November 2023
Test: Bela.io Gliss, Eurorack Touch Sensitive Controller

Test: Bela.io Gliss, Eurorack Touch Sensitive Controller

Die kleine englische Firma Bela.io stellt Open-Source-Hardware-Systeme mit eigener Software her, wobei die Produktpalette auch Zubehör und Eurorack-Module enthält. Eines dieser Module ist Gliss, ein neuer Touch Sensitive Controller fürs Eurorack. Genauer gesagt ist es eine Mischung aus druckempfindlichem Touch-Controller und Bewegungsrekorder.

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Es liegt in der Natur eines modularen Synthesizers, Signale durch Dreh-, Schieberegler oder Schalter zu steuern. Bela möchte mit Gliss die physische, menschliche Geste – wie eben beim Spielen eines Instruments – mit ins Spiel bringen. Die Finanzierung von Gliss wurde über Crowdfunding erzielt und Bela erreichte dabei das Fünffache des ursprünglichen Ziels – die Nachfrage scheint also groß und macht neugierig. So unscheinbar es auch aussieht, Gliss ist ein wohldurchdachtes Modul und hat wesentlich mehr Funktionen als es auf den ersten Blick scheint – immerhin umfasst das Handbuch mit 49 Seiten auch mehr, als man vielleicht zuerst erwartet.

Bela Gliss im Eurorack

Etwas unscheinbar im Rack, bietet Gliss zahlreiche Funktionen

Schmal, flach und schick

Bela Gliss sieht nicht sonderlich spektakulär, aber schick aus. Das Modul hat eine Breite von 4 TE, eine Tiefe von 27 mm und einen Stromverbrauch von 150 mA bei +12 V und 30 mA bei -12 V. In- und Outputs verarbeiten Signale von -5 V bis zu +10 V, sind aber auch nach eigenem Bedarf über das Menü konfigurierbar. Das Panel ist schwarz mit weißer Schrift, wobei das goldene Touch-Strip natürlich die größte Fläche einnimmt. Eine mittlerweile recht verbreitete, aber auch schicke und stilsichere Optik, wie ich finde. Im Lieferumfang befinden sich neben Schrauben mit Unterlegscheiben auch ein zweites Frontpanel, um Gliss um 180° zu drehen, sollte man die Ein- und Ausgänge in seinem System lieber unten statt oben haben. Es gibt lediglich 3 Patch-Buchsen und einen Druckknopf. Das erwähnte Handbuch liegt online im PDF-Format vor und lässt sich über die gekennzeichneten Faltlinien auch zu einem kleinen Heftchen falten, möchte man es doch lieber ausdrucken.

Bela Gliss Gehäuse

Gliss in der Seiten- und Rückansicht

Die Hauptfunktionen des Bela Gliss

Bela Gliss verwendet einen aufnehmbaren Berührungssensor, der die Gestensteuerung aufzeichnen und übertragen kann. Dabei werden zwei Signale erzeugt: Eines, das der Position des Fingers und eines, das der Intensität der Berührung folgt. Diese Gestik lässt sich bis zu 60 Sekunden aufzeichnen und loopen. Somit lassen sich komplexe Schwingungsformen als LFO verwenden oder per Trigger auch als Hüllkurve. Auch kann Gliss als Scale-, Offset- oder Visualisierungs-Tool dienen. Zudem kann die Abspielgeschwindigkeit verändert werden und zwar bis weit in den Audiobereich, was Gliss auch zu einem graphischen Oszillator macht. Im Split-Mode ist es sogar als chromatisches 5-Tasten-Keyboard oder als Step-Sequencer nutzbar. Im Prinzip gibt es vier verschiedene Modi, die alle nach eigenem Geschmack eingestellt werden können:

  • Control: für bewegungsgesteuerte CV- und Gate-Signale
  • Record: Bewegungen werden aufgezeichnet und im Loop abgespielt
  • Signal: zur Visualisierung und zum Skalieren, Verschieben und Glätten eines Signals
  • Notes: nutzbar als chromatisches, expressives 5-Tasten-Keyboard oder als Step-Sequencer

Das Touch Strip kann, je nach Modus, einzelne aber auch mehrere Berührungen erkennen. Eine erhöhte Druckstärke führt zu einem höheren und eine leichtere folglich zu einem schwächerem Spannungssignal. Für das visuelle Feedback wurden 23 LEDs verbaut, somit gelingt die Navigierung durch das Menü dann doch relativ gut.

Der einsame Druckknopf bringt alle nötigen Funktionen mit sich: zur Aufnahmebereitschaft, als Trigger für aufgenommene Gesten und zum Aufrufen und Navigieren des Menüs. Für den Bedienknopf gibt es drei Farben als visuelles Feedback.

Es gibt einen Input für Gate- und CV-Signale und zwei Outputs, die individuell eingestellt und somit an andere Module im System angepasst werden können. Die beiden Ausgänge kommen im Dual-Modus zur vollen Geltung, indem am oberen Ausgang die obere Position und Druckstärke ausgegeben wird und am unteren Ausgang dementsprechend die untere Position und Druckstärke.

Bela Gliss Druckstärke

Auch die Druckstärke wird visualisert

Gliss im Detail

Das Einsatzgebiet für Bela Gliss ist genauso umfangreich wie die Funktionen des kleinen Moduls. Für die Live-Performance fand ich es beispielsweise extrem angenehm, Bewegungen aufzuzeichnen und durch eine weitere Berührung diese sofort zu überschreiben. Auch als loopbare Hüllkurve funktionert Gliss ganz gut, im Dual-Slider-Modus sind sogar zwei unterschiedliche Hüllkurven mit simultanem Trigger möglich. In der Praxis ergibt sich hier eine AR- oder eine ASR-Hüllkurve. Auch einen Latch-Modus gibt es für verschiedene Anwendungszwecke und ist für beide Ausgänge unterschiedlich konfigurierbar. Jede Bewegung lässt sich frei loopen oder zu einem Clock-Signal synchronisieren. Aber nicht nur das, es lassen sich auch mehrere Gesten aufnehmen und als Sequenz abspielen. Befindet man sich im Aufnahmemodus, wird aus Gliss wahlweise sogar ein Wavetable-Oszillator (hier lässt sich die Abspielgeschwindigkeit erhöhen) oder ein Waveshaper. Der Signal-Mode dient dazu, CV- oder Audiosignale zu verarbeiten, die sich skalieren und/oder versetzen lassen. Auch hier kommen wieder beide Ausgänge zum Einsatz und spielen, je nach Konfiguration, das bearbeitete Signal, ein invertiertes oder eine Hüllkurve aus. Hier lässt sich das Input-Signal auch visualisieren. Für CV-Signale wird Gliss somit zu einer Art Oszilloskop und für Audiosignale zu einem VU-Meter.

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Links: Die Menüansicht, Rechts: Bela Gliss als VU-Meter 

Eine weitere Funktion in diesem Modus ist das Clipping, dfas ebenfalls für CV- und Audiosignale anwendbar ist. Je nach Eingangssignal hat man dann dementsprechend einen Verstärkungs- oder Verzerrungseffekt. Im letzen Modus, genannt ‚Notes‘, wird Gliss zu einem Touch-Keyboard mit Vibrato (drücken) und Glissando (sliden) oder einem Sequencer. Als Sequencer genutzt, kann man zwischen einer und bis zu fünf Noten wählen und für jeden Schritt gibt es sogar die Optionen Mute, Skip und Hold. Das Ganze lässt sich natürlich auch quantisieren. Apropos, möchte man Gliss zur Skalierung einsetzen, so ist das Touchstrip in 1 V Schritten quantisiert.

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Fazit

Bela Gliss hat viele attraktive Punkte, die zum Kauf verleiten: Es ist schmal, günstig und funktionsreich. Auch die Verarbeitung macht einen soliden Eindruck. In den ersten Tagen sollte man immer das Handbuch griffbereit haben, da die Menüführung zu Beginn etwas schwer einzuprägen ist. Ansonsten ist das Modul meiner Meinung nach vor allem in kleineren Systemen sinnvoll und bietet einen absoluten Mehrwert, selbst wenn man nicht alle Funktionen nutzt. Hat man den nötigen Platz, könnte man sogar überlegen, sich mehr als nur eine Einheit zuzulegen. In Zukunft soll es hierfür dann auch eine Chaining-Funktion geben. Selbstverständlich muss man bei so einem kleinen Modul mit so vielen Möglichkeiten recht viel „Menue-Diving“ betreiben. Ich bin davon zwar kein Freund, wenn man aber Preis, Größe und Funktion betrachtet, sehe ich das nicht als Kritikpunkt. Bela lädt im Handbuch übrigens auch zum Hacken ein und ich denke, wer bei dem Thema aufhorcht, sollte sich generell mal auf deren Homepage umschauen.

Plus

  • günstiger Preis
  • viele Funktionen

Preis

  • 155,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Aleph

    Bestimmt ein tolles Teil, aber Ihr hättet ruhig das LS1 Lightstrip des italienischen Herstellers Soundmachines als ursprűngliche Inspiration erwähnen können, welches leider nicht mehr gebaut wird, aber gebraucht immer noch zu bekommen ist und neu weniger als die Hälfte gekostet hat, auch drehbar ist und ohne Menu-Tauchen zu bedienen ist. Leider lässt die Neuauflage mit vier Kanälen schon Jahre auf sich warten…

    • Profilbild
      norisknofun

      @Aleph Das LS1 ist noch zu bekommen. Seit kurzem ist es sogar bei Thomann gelistet. (Und noch ein paar andere Soundmachines Module…)

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