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Vintage-Analog: Hohner Clavinet D6 (1971)

Funkiest keyboard alive!

9. September 2023

Das Hohner Clavinet D6 ist der Inbegriff von Funkyness. Der Song, der die Spielweise des Clavinets wie kein anderer definiert hat, ist Superstition von Stevie Wonder. Superstition wurde 1972 auf Talking Book veröffentlicht und war damals zugleich die Hauptsingle des Albums.

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In den USA wurde die Funkhymne ein Nummer-1 Hit und 2004 nahm das Rolling Stone Magazin Superstition in die Liste der 500 besten Songs aller Zeiten auf. Das berühmte Clavinet-Riff, über das Wonder im Overdub-Verfahren noch zwei weitere raffinierte Rhythmuslinien legt, hat er übrigens auf dem Vorläufer des D6 gespielt – dem Clavinet C. Zusammen mit dem Moogbass und den von Steve Madaio und Trevor Laurence beigesteuerten Bläserlicks entwickelt Superstition einen unglaublichen Groove, bei dem niemand stillsitzen kann. Die Drums spielte Multiinstrumentalist Wonder übrigens auch selbst ein.

Reportage: Hohner Clavinet D6

Obwohl es mehrere Clavinet-Modelle gab, wurde das D6 zum Synonym für die ganze Gattung (Foto: Peter Grandl)

Die Mona Lisa des Clavinet-Spiels

Stevie Wonder hatte das Clavinet schon früh eingesetzt: auf seinem For Once in My Life-Album, das 1968 bei Motown Records erschien. Zu hören ist das Clavinet etwa bei Shoo-Be-Doo-Be-Doo-Da Day und I Don’t Know Why. In dem Song You Met Your Match kündigen sich schon diese stakkatoartigen Linien an, die das Clavinet so berühmt machen sollten. Auf YouTube gibt es eine eine hinreißende Aufnahme von You Met Your Match aus einer Ed Sullivan-Show von 1968.

Aber erst auf Superstition sollte Wonder die ultimative Formel für sein atemberaubendes Clavinetspiel finden: „In der Welt des Clavinets ist der Song von Wonders Album Talking Book die Mona Lisa, Arc de Triomphe und die Große Pyramide von Gizeh in einem“, schreibt Jim Allen in seinem Essay über die Geschichte des Clavinets. Hier ein Liveauftritt von Stevie Wonder vom 2. Juli 2005 beim Live 8-Konzert im Benjamin Franklin Parkway in Philadelphia. Und natürlich spielt Steve Wonder ein originales Hohner Clavinet – hier das D6 – und keine Workstation.

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Das D6 – die Gitarre unter den Keyboards

In den 70er- und 80er-Jahren war das Clavinet D6 bei vielen Keyboardern Standard. Meist lag es auf der Hammondorgel oder einem Fender Rhodes auf. Mit der Hammond-Orgel teilt das Clavinet das Schicksal, dass es eigentlich für „ernste“, also klassische Musik gedacht war. Erfunden hat es der deutsche Ingenieur Ernst Zacharias. Dieser wollte eigentlich ein elektrisches Clavichord schaffen. Von der angepeilten Zielgruppe freundlich ignoriert, sollte das Clavinet bald seinen Siegeszug in Funk, Soul und Rock antreten.

Bei Young Europeans verzahnen sich ein cleanes Clavinet und eins, das über ein Big Muff und ein Cry Baby-Wah-Wah läuft.  Zunächst die beiden einzelnen Clavinet-Sounds,  dann der Mix der beiden Spuren und schließlich das Zusammenspiel mit E-Gitarre und Bass.

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Anders als beim Rhodes oder Wurlitzer, bei denen dünne Zinken bzw. Klangzungen angeschlagen werden, besitzt das Clavinet Saiten, die seitlich gespannt sind und über zwei Pickups abgenommen werden.

Reportage: Hohner Clavinet D6

Blick ins Instrument auf die Saiten, einen der beiden Pickups und ein paar Kabel. (Foto: Peter Grandl)

Näher kommt man als Tastenspieler nicht an den Sound einer E-Gitarre heran. Über eine Amp-Simulation und einen Big Muff klingt das schon sehr gut.

Der australische Musiker Lachy Doley hat das auf die Spitze getrieben, indem er sein Clavinet mit einem Stahlbügel modifiziert hat. Mit diesem Whammy Bar, einem Wah-Wah-Pedal und einer ordentlichen Verzerrung kann Doley den Clavinet-Sound wie ein Gitarrist modulieren. Mit Joel Burton am Bass und dem Drummer Jackie Barnes interpretiert er Voodoo Child. An diesem furiosen Spiel hätte wohl auch Jimi Hendrix seine Freude gehabt. Vielleicht ein Fehler, dieses Video schon so früh hier einzubinden, denn noch spektakulärer wird es schwerlich. Wobei ein subtilerer Einsatz des Clavinets mir auf Dauer noch mehr zusagt.

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Clavinet D6 – die Pickup-Schalter

Das Hohner D6 ist das klassische Clavinet. Es hatte eine Reihe von Vorläufern und zwei Nachfolger. Von diesen soll später noch die Rede sein. Auch wenn zum Beispiel das Modell L super rar (und sicher die erste Wahl für Keith Emerson Fans) ist und das E7 mit besserer Abschirmung und Road-Tauglichkeit punkten kann: Das eigentliche Instrument der Begierde ist das D6.

Links neben der Tastatur befinden sich die Wippschalter für die Pickups, die Klangfarbe und der Lautstärkeregler (Foto: Peter Grandl)

Die Tastatur des Clavinet D6 besitzt einen Spielbereich von 5 Oktaven – genau gesagt 60 Tasten (F1-E3). Links neben der Tastatur befinden sich mehrere Wippschalter. Die A/B und C/D-Schalter korrespondieren mit zwei elektromagnetischen Pickups: A ist der Neck- oder Rhythm-Pickup und B der Bridge-Pickup. Hören wir uns das mal an, die vier Beispiele sind komplett trocken aufgenommen. Clavinet pur also, bei den anderen  Klangbeispielen habe ich Effekte eingesetzt und auch immer ein bisschen Lexicon-Hall (PCM70) dazugemischt.

Der C/D-Schalter erlaubt in der Stellung C ein Umschalten zwischen den beiden Pickups. Welcher erklingt, wird mit dem A/B-Schalter bestimmt. Befindet sich die C/D-Wippe in der D-Position, werden beide Pickups parallelgeschaltet. Der A/B-Schalter bestimmt nun, ob die Pickups in Phase (Stellung A) oder gegenphasig (Stellung B) erklingen. Hier kommt es zu Überlagerungen und Auslöschungen, die sehr interessant klingen.

Clavinet D6 – EQ-Schalter und Mute-Regler

Ergänzt werden die beiden Pickup-Schalter durch die vier fest definierten EQ-Schaltungen Brilliant, Treble, Medium und Soft. Sie erlauben eine einfache Bass/Höhen-Kontrolle. Ganz wichtig: Mindestens einer dieser Schalter muss gedrückt sein, damit man einen Ton hört.

Was irgendwie nicht so bekannt ist – außer natürlich bei denjenigen, die selber ein Clavinet besitzen – die Schalter können alle beliebig kombiniert werden und verändern auch nachhaltig die Klangfarbe. Und da wird schon klar, dass die begrenzte Auswahl an Clavinet-Sounds, die Workstations liefern, nicht mal die Spitze des Eisbergs erwischen.

Unterhalb dieser Wipptaster befindet sich noch ein großer runder Knopf: Mit ihm wird das Instrument eingeschaltet und die Lautstärke geregelt.

Als erstes Instrument aus der Clavinet-Reihe erhielt das D6 einen Mute-Regler (Foto: Peter Grandl)

Rechts von der Tastatur befindet sich ein Schieberegler, mit dem die Saiten gedämpft werden. Schiebt man diesen Mute-Regler nach oben, wird der Ton stumpfer, aber auch kürzer und perkussiver.

Diesen Effekt nutzte etwa Greg Phillinganes auf Michael Jacksons Nummer-1-Hit Don’t Stop ’Til You Get Enough. Gregs Clavinet bildet mit den von David Williams und Marlo Henderson gespielten Gitarren ein dichtes rhythmisches Geflecht. Im Video freilich ist allein Michael Jackson zu sehen.

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Ansonsten ist an einem Hohner Clavinet D6 eigentlich nicht viel dran. Auf der Rückseite befindet sich ein Monoausgang und eine mit „6 volt only“ beschriftete Buchse, die den Netzbetrieb des Instruments ermöglicht. Wahlweise kann das Clavinet aber auch über eine 9 Volt Batterie betrieben werden.

Reportage: Hohner Clavinet D6

Die Rückseite des Clavinets mit dem Monoausgang und der Buchse für einen 9 Volt Adapter (Foto: Peter Grandl)

Die obere Abdeckplatte des Clavinets besitzt eine Fräsung für den Notenständer. Der Deckel kann aufgeklappt werden, um an die hier deponierten, etwas spirrligen Beine für das Clavinet zu gelangen. Wie es so schön in der Gebrauchsanweisung heißt: „Die Schutztasche mit den vier Stahlrohrbeinen kann an einer Lasche herausgezogen werden.“ Das war damals alles sehr praktisch durchdacht bei Hohner. Unterhalb der Tastatur gelang man an die Stimmwirbel, für die Hohner einen eigenen Stimmschlüssel mitlieferte. Die Besonderheit besteht darin, dass die zu stimmende Saite etwa eine Oktave links von der dazugehörigen Taste liegt. Das Handbuch empfiehlt „unnötiges Hin- und Herdrehen“ zu vermeiden, da die Saiten nur relativ schwach gespannt sind.

Praktisch: Unter der Abdeckplatte ist Stauraum für die vier Beine des Clavinets und ein Anschlusskabel (Foto: Peter Grandl)

Clavinet D6 – die Kunst des Umgarnens

Reißt trotzdem mal eine Saite „durch einen Materialfehler oder unvernünftiges Stimmen“, macht man Bekanntschaft mit einer echten Eigentümlichkeit des Clavinets: dem Wollgeflecht. „Das Garn im Clavinet spielt eine extrem wichtige Rolle für die Funktion des Instruments“, klärt uns Clavinet-Enthusiast Aaron Kipness auf, der die Website Clavinet.com betreibt und auch Ersatzteile liefert. „Wir bekommen viele Fragen, ob es jemals ein Sustain-Pedal für das Clavinet gab und die Antwort ist NEIN. Warum eigentlich? Wegen des Garns. Ohne dieses Garn würde jede einzelne Note des Clavinets beim Anschlagen ewig nachklingen.“

Der Prozess des Umgarnens der Saiten ist nur sehr schwer zu beschreiben. Mir kam dabei nur der Gedanke, dass ich wohl falsch lag, als ich das Auswechseln einer Klangzunge beim Wurlitzer E-Piano schon als Vorstufe zur Hölle empfand. Schaut euch einfach mal das folgende Video an. Das hat ja schon meditative Qualitäten. Oder erinnert ans Stricken: zwei links, zwei rechts, eine fallen lassen.

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Clavinet D6 – Die Klangerzeugung

Da wir uns inzwischen in die Eingeweide des Clavinet vorgearbeitet haben, schauen wir uns doch auch das Funktionsprinzip der Klangerzeugung etwas näher an. Unter jeder Taste befindet sich ein kleiner Bolzen (Tangente). Wenn eine Taste angeschlagen wird, drückt der Bolzen die Saite auf einen Amboss. Je stärker der Anschlag, desto stärker die Auslenkung der Saite. Wird die Taste wieder losgelassen, sorgt die links vom Amboss eingezeichnete wollene Dämpferumwicklung dafür, dass die Saitenschwingung sofort gedämpft wird.

Funktionsprinzip des Clavinets: 1: Stimmmechanik; 2: Dämpferumwicklung; 3: Tangente; 4: Amboss; 5: Taste; 6: Saite; 7: Tonabnehmer; 8: Saitenhalter (Grafiknutzung mit freundlicher Genehmigung von Sioux, public domain Wikipedia Clavinet)

Am anderen Ende der Saite befindet sich der Tonabnehmer. „Die Saiten rufen im Tonabnehmer eine magnetische Flussänderung hervor, die ihrerseits eine Spannung induziert“, heißt es im D6 Handbuch. Da dieses Signal relativ schwach ist, nutzt Hohner einen speziellen Übertrager. Im D6 befindet sich ein kleiner silberner Zylinder, der das Herzstück des Clavinet-Klangs bildet: „Es handelt sich um einen hochwertigen Mikrofoneingangsübertrager von Beyer Dynamics für den Einsatz in Studioanwendungen“, ist auf der Seite von Clavinet.com zu lesen.

Gart Hudson spielt das Clavinet über ein Wah-Wah

Ein wichtiger Meilenstein für Aufnahmen, bei denen ein Clavinet einsetzt wird, ist Up On Cripple Creek aus dem Jahr 1969. Der Song befindet sich auf dem zweiten Album der kanadisch-US-amerikanischen Gruppe The Band.  All Music-Rezensent Bill Janovitz lobt den New Orleans Grooove des Stückes und seine „leichte und eingängige“ Melodie.  Dabei erwähnt er besonders das Clavinet-Spiel des Multiinstrumentalisten Garth Hudson, dessen Stil „untraditionell und funky“ sei. Robbie Robertson, damals Gitarrist bei The Band und Komponist des Songs erzählt im Interview mit udiscovermusic: „Up On Cripple Creek ist auch deshalb bemerkenswert, weil es ein Hohner Clavinet enthält, das mit einem Wah-Wah-Pedal gespielt wird. Das von Garth Hudson gespielte Riff ist nach jedem Refrain des Songs zu hören – und setzte einen Trend, der in den 70er-Jahren in vielen Bereichen der Funk-Musik fortgesetzt wurde.“

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Clavinet D6: Immer her mit den Effekten!

Clavinet und Wah-Wah – das ist ein echter Klassiker. Clavinet-Spezialist Christian Frentzen empfiehlt zum Beispiel das Dunlop Cry Baby. Und ich bin diesem Fingerzeig gerne gefolgt.

Andere schwören auf das Cry Baby Bass, was aber den Klang etwas dumpfer macht. Alternativ könnte auch ein Envelope-Follower-Filter für Auto-Wah-Effekte zum Einsatz kommen. In der Folgezeit nach Garth Hudsons „Urknall“ wurde praktisch jedes neue Effektgerät, das auf den Markt kam, hinter das Clavinet gehängt.

Neben einem Wah-Wah-Pedal verträgt sich der drahtige und perkussive Clavinet-Klang auch wunderbar mit Phasern und Flangern:

Man kann das D6 aber auch durch Echo- und Hallgeräte jagen, über ein Leslie schicken und auch Fuzz-Boxen (Big Muff) und Verzerrer einsetzen. Hier zwei Beispiele, die mit dem Strymon Big Sky realisiert wurden. In beiden Fällen wurde auch die integrierte Speaker-Emulation des Hallgeräts genutzt.

Ein schöner Chorus, wie etwa mein Boss CE-1, kommt immer gut. Ebenso das Roland Dimension D. Ähnlich wie das Rhodes wird das Clavinet sehr gerne über einen Gitarrenamp mit Röhren gespielt, wie den Fender Twin Reverb. Wo sich das wegen der Nachbarn verbietet, hilft natürlich auch eine gute Amp-Simulation. Die Kombination D6 über Roland Space Echo RE-201, Dimension D und Amp-Simulation ist in den folgenden beiden Beispielen zu hören. Im zweiten Beispiel (kurzes Echo) habe ich den Speed-Regler des Space Echos genutzt, um einen leichten Slide-Effekt zu simulieren.

Ernst Zacharias mit einem Clavinet L (Foto mit freundlicher Genehmigung des Eboardmuseums in Klagenfurt)

Ernst Zacharias – Erfinder des Clavinets

Ausgedacht hat sich das alles der deutsche Ingenieur Ernst Zacharias, der ein halbes Jahrhundert in den Diensten des deutschen Musikinstrumentenherstellers Hohner stand. Ernst Zacharias wurde am 21. Juni 1924 in Neumünster in Schleswig-Holstein geboren. Seine Mutter spielte Harmonium und der Sohn sollte das Orgelspiel erlernen. Noch lieber kümmerte er sich aber um seine diversen Projekte. Mit 24 Jahren baute er seine erste Röhrenorgel zusammen. Nach dem 2. Weltkrieg machte er eine Ausbildung an der Ingenieurschule in Kiel. Eine Zeit lang arbeitete er als Fernmeldeingenieur bei der deutschen Bundespost. Doch das Erfinder-Gen ließ ihn nicht los. In den 50er-Jahren ergab sich eine freie Mitarbeit bei Hohner. 1954 zog er dann mit der Familie nach Trossingen, wo sich der Stammsitz des Unternehmens befand. Am Anfang wurde er von den Vorgesetzten noch aufgezogen, wie „hart arbeitend“ doch die Schwaben seien. Ob er als Nordlicht da wohl mithalten könnte. Aber sehr bald wurde Zacharias in der Firma Daniel Düsentrieb genannt. Und das war nicht respektlos gemeint. Er hat über 50 Patente angemeldet, zumeist für Hohner.

Reportage: Hohner Clavinet D6)

Das Hohner D6: Ein Patent Made in Germany (Foto: Peter Grandl)

Ernst Zacharias: Auch das Hohner Pianet stammt von ihm

Elektrisierte Tasteninstrumente hatten es Zacharias besonders angetan: Das erste – das Cembalet – stammt aus dem Jahr 1958. Es folgte 1962 das Hohner Pianet, das ebenfalls eine musikalische Ikone ist. Auf einem Hohner Pianet haben The Beatles I am the Walrus gespielt und Led Zeppelin Misty Mountain Hop. Tony Banks hat das Pianet durch eine Fuzz-Box gejagt und sich mit dem Gitarristen Steve Hackett bei Genesis regelrechte Duelle geliefert. 1964 erschien dann das erste Clavinet. Das Guitaret war eine Art elektrischer Kalimba, später sollten u. a. noch das Electra-Piano, das Claviola (ein dynamisch spielbares Blasinstrument mit Tasten), die Electra-Melodica und der Stimmboy dazukommen. Letzterer leistete gute Dienste, wenn es galt, ein Clavinet durchzustimmen. Als Ernst Zacharias 65 wurde und eigentlich in Rente hätte gehen können, wollte er weiter für Hohner tätig sein. Als die Firma ihm das verwehrte, arbeitete er eine Zeit lang für den italienischen Orgelbauer Bontempi. Gerne hätten die Italiener Zacharias ganz nach Ancona geholt, aber aus familiären Gründen zog es ihn nach einem Jahr wieder nach Trossingen zurück. Dort hatte hatte er nun doch noch Gelegenheit, mehrere Jahre für Hohner zu arbeiten. So richtig happy wurde er da aber nicht mehr. Im Gespräch mit Huw Rees von Sound on Sound ärgerte er sich über die „Kaufmannsleute“-Mentalität des Hohner Managements und ihre damalige „Swinging Hohner“-Marketingkampagne. Als Zacharias sich schließlich mit nur schmaler Rente in ein Seniorenheim zurückzog, diente das Schlafzimmer des kleinen Apartments weiter als „Bastelstube“. Ein unglaublich vielseitiger Mensch, dessen Patentanmeldungen übrigens auch ein Fahrrad, ein Flugzeug  und eine Pendeluhr umfassen. Am 6. Juli 2020 ist Ernst Zacharias im Alter von 96 Jahren gestorben. Die Funk- und Popmusik verdankt ihm sehr viel.

Reportage: Hohner Clavinet D6

Das Hohner Clavinet verfügt über 60 Tasten. Hier gut zu erkennen: Der Mittelschlitz, der Halt für den Notenständer bot. (Foto: Peter Grandl)

Hohner Clavinet – eigentlich als elektrisches Clavichord gedacht

Das Clavinet hatte Ernst Zacharias ursprünglich – ich erwähnte es bereits – als elektrischen Ersatz für ein Clavichord konzipiert. Überraschend ist das nicht. Ernst Zacharias erzählte Sound on Sound: „Alles begann mit meiner großen Liebe für Bach.“ In seinem Apartment befand sich ein erstklassig erhaltenes Clavinet L und auf dem Notenständer lagen die zweistimmigen Inventionen von Bach.

Als kleinen Eindruck, wie das klingen kann, hier Bachs Präludium E-Dur, BWV 854 aus dem Wohltemperierten Klavier. Der Tonumfang des Clavinet erzwingt manchmal kleine Anpassungen. So musste in Takt 18 die Stimme in der linken Hand transponiert werden:

Beim Clavichord handelt es sich um eines der ältesten Tasteninstrumente überhaupt – der Name taucht erstmalig im Jahr 1396 auf. Das älteste erhaltene Clavichord stammt aus dem jahr 1543 und steht heute im Musikinstrumentenmuseum in Leipzig. Der Klang ist ausgesprochen intim und zart. Im Unterschied zum Cembalo, bei dem die Saiten mit Kielen gezupft werden, schlagen beim Clacichord sogenannte Tangenten mit Metallplättchen gegen die Saiten. Der Ton ist viel schwächer als bei einem Cembalo oder gar einem Hammerklavier. Dafür ist die Klanggestaltung aber besonders feinfühlig.

Clavichord – Ein Renaissanceinstrument mit Aftertouch

Insbesondere besaß das Clavichord Aftertouch. Durch verstärkten Druck auf eine bereits angeschlagene Taste konnte eine Art Vibrato ausgelöst werden – auch Bebung genannt. In Johann Georg Sulzers Enzyklopädie Allgemeine Theorie der Schönen Künste von 1771 lesen wir dazu: „Die Bebung eines Tones ist eine überaus schnelle Abwechslung der Höhe und Tiefe, wie auch der Stärke und Schwäche desselben, während seiner Dauer, wodurch er, ohne seine Natur zu verlieren, etwas mannigfaltiges bekommt…Bey der Bebung der Töne wechselt das stärkere und schwächere, das höhere und tiefere mit solcher Schnelligkeit ab, daß die Abwechslung selbst nicht deutlich wird, und dieses giebt dem Tone etwas sanftes, und gleichsam wellenförmiges.“ Hier war das Clavichord im Vergleich zum Cembalo eindeutig im Vorteil. Ich zitiere noch mal Johann Georg Sulzer: „Dieses ist eine der Ursachen, warum eine Melodie auf einem Clavier, dessen Sayten durch Federn geschnellt werden, niemals so sanft kann gespielt werden, als auf der Violin oder auf der Flöte, welche den Tönen die Bebung geben kann.“

Reportage: Hohner Clavinet D6

Johann Sebastian Bach oder Stevie Wonder? Das Clavinet wurde etwas anders eingesetzt, als sich das der Erfinder und die Firma Hohner zunächst vorgestellt hatten. (Foto: Peter Grandl)

„Das Clavinet D6 erlaubt ein sehr gesangvolles Spiel“

Und so hatte dann die herstellende Firma Hohner auch ursprünglich einen ganz anderen Musikerkreis im Auge gehabt. In der Betriebsanleitung können wir es nachlesen: „Mit dem Hohner-Clavinet…kann ein großer Teil der Klaviermusik gespielt werden, angefangen bei Lauten und Orgelmusik des 14. Jahrhunderts über die gesamte Klaviermusik des Barock bis zur Klassik. Auch für einen Teil der romantischen Klaviermusik ist das Hohner-Clavinet D6 geeignet, weil man den Ton vom Tastenanschlag her mit seiner Lautstärke gestalten kann.“ Und dann folgt ein Satz, den man zweimal liest, weil er so hübsch ist: „Das Clavinet D6 erlaubt ein sehr gesangvolles Spiel.“ Immerhin: Auf einer Promotion-CD für ihr brandneues Instrument bringt Hohner genau dazu die passenden Musikbeispiele. Von Bachs 2. Präludium c-moll aus dem Wohltemperierten Klavier (von Klavierschülern auch die „Nähmaschine“ genannt) bis zu Robert Schumanns Wiegenlied.

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So richtig ernstgenommen wurde das Clavinet von den Klassikmusikern allerdings nicht. Kann ich mir Musik von Couperin, Bach oder Händel noch auf dem Clavinet vorstellen – einen Romantiker wie Schumann würde ich darauf eher nicht interpretieren wollen.

 Auch für Beatmusik geeignet

Auch bei Hohner hatten die Vertriebsleute schnell mitbekommen, dass die Meriten des Instruments wohl auf einem anderen Gebiet lagen: „Andererseits ist es möglich, Einzeltönen scharfe Akzente zu erteilen. Dadurch wird es dem Jazz-Pianisten zu einem willkommenen Instrument. Beatmusik lässt sich auf dem Clavinet D6 hervorragend interpretieren, vorausgesetzt, dass man einen ausreichend großen Verstärker verwendet, aber selbstverständlich auch jede andere Art von Tanz- und Unterhaltungsmusik.“

Der Erfinder des Hohner Clavinets Ernst Zacharias mit Gert Prix, dem Gründer und Leiter des Eboardmuseums. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Eboardmuseums in Klagenfurt)

Ernst Zacharias hat der Erfolg seines Instruments nicht überrascht. Den Hohner-Ingenieuren sei klar gewesen, dass das Instrument auch in einem Bandkontext sehr gut funktionieren würde. Die Bedienungsanleitung zum D6 schmückt nicht umsonst ein Foto der James Last Band. Außerdem sei der Vertrieb der Firma in den USA ganz gut aufgestellt gewesen. Trotzdem wurden nur an die 36.000 Clavinets gebaut. Nicht allzu viel, gemessen etwa an den rund 250.000 Fender Rhodes-Pianos.

Das Hohner Clavinet I (Foto mit freundlicher Genehmigung des Eboardmuseums in Klagenfurt)

Die Clavinet-Modelle I und II

Das Clavinet I aus dem Jahr 1964 kommt im Design noch sehr „möbelmäßig“ rüber. Es besaß einen Transistorverstärker und einen eingebauten Lautsprecher und wandte sich an den ambitionierten Hausmusiker. Dem wurde dazu geraten, für einen noch volleren Klang das Clavinet an ein Rundfunkgerät anzuschließen. Alternativ empfahl Hohner den hauseigenen Orgaphon-Verstärker. Der vom D6 bekannte Mute-Regler fehlt. Es gibt ein Batteriefach für vier Monozellen und lediglich zwei Kippschalter für die Wahl der Klangfarbe. Es existiert auch eine Variante: Das Clavinet II musste von vornherein mit einem externen Verstärker betrieben werden und war so für Bands das Instrument der Wahl. Das Hohner-Manual zum Clavinet I und II hat auch noch einen guten Tipp parat: „Soll mit dem Clavinet lautstarke Beat-Musik gemacht werden, ist die Verstärkerleistung entsprechend höher zu wählen.“

Der Song Let Go of You Girl erschien 1967 auf dem ersten Album der New Yorker Band The Left Banke. Aufgrund des Erscheinungsjahr wurde das Lied mit Sicherheit auf dem Clavinet I eingespielt. Es gilt als der wohl erste Auftritt eines Clavinets auf Schallplatte. The Left Banke sind Vertreter der kurzlebigen Musikrichtung Baroque Pop. Bandgründer und Keyboarder Michael Brown setzt das Clavinet hier eher konventionell ein. Und wenn es dabei geblieben wäre, dann – so fürchte ich – wäre das Instrument wohl bald wieder in der Versenkung verschwunden.

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Das Clavinet C

Das Hohner Clavinet C kam 1968 auf den Markt. Dieses Mal legte sich Hohner richtig ins Zeug für die Klientel der Beat- und Soulmusiker: Mit weißem Panel und mit rotem Tolex bespannten Seitenteilen sieht es schön poppig aus. Der Hersteller spricht von einem „dramatic styling“. Die Pickups besitzen beim Modell C jeweils zwei Magnete, was dem Instrument einen eigenen Klang gibt. Und wir erinnern uns: Das Clavinet C ist das Instrument, auf dem Stevie Wonder Superstition eingespielt hat.

Das Hohner Clavinet C (Foto mit freundlicher Genehmigung des Eboardmuseums in Klagenfurt)

Das Clavinet L – das Instrument für Keith Emerson und Friedrich Gulda

Ebenfalls 1968 erschien das Clavinet L – offensichtlich der Versuch, das Clavichord auch äußerlich stärker an historische Vorbilder anzupassen. Es besitzt eine Trapezform und invertierte Tasten – die weißen Tasten sind also schwarz. In seiner völligen Schlichtheit ist es ein echter Designklassiker. Links oberhalb der Tastatur ist im Panel der Lautsprecher integriert.

 

Das Hohner Clavinet L (Foto mit freundlicher Genehmigung des Eboardmuseums in Klagenfurt)

Lautstärkeregler und Pickup-Schalter wurden an den Geräteboden verbannt. Das Clavinet L ist heute ultrarar und wenn doch mal eines auftaucht, dann ist es entsprechend teuer. Auf der Website des Eboardmuseums in Klagenfurt, das sich einer kompletten Clavinet-Sammlung rühmen darf, lesen wir über einen prominenten Nutzer, den „Beethoven-Weltstar Friedrich Gulda: Gemeinsam mit seiner Partnerin umtanzte er so ein Clavinet L ausschweifend. NACKT!!! Aber das passt dann ja irgendwie auch wieder zum barocken Design dieses wunderbaren Instruments …“

Beim Hohner Clavinet L ist der Lautstärkeregler und  Pickup-Schalter ganz dezent am Geräteboden untergebracht. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Eboardmuseums in Klagenfurt)

Ein weiterer Fan des Clavinet L war Keith Emerson. Auf der Live-Platte Pictures at an Exhibition von 1971 spielt Keith Emerson als Zugabe Nut Rocker – eine Bearbeitung von Tschaikowskis drittem Ballet Nussknacker. Hier eine Live-Darbietung vom 4. Dezember 1970 aus Zürich. Emerson zeigt, dass sich das Clavinet auch in einem Rockkontext gut verwenden lässt: Keine Spur von Grand Plie und Tutu – dieser Nussknacker geht in die Vollen.

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Im Besitz der Tastronauten befindet sich eine sehr außergewöhnliche Variante des Clavinet L. Es soll von einem Mitarbeiter von Ernst Zacharias montiert worden sein. Auffallend ist, dass es keine invertierten Tasten besitzt und die Kippschalter für die Klangregelung alle auf dem linken Panel liegen, so dass man sich unwillkürlich an ein asymmetrisches D6 erinnert fühlt. Die Kippschalter tragen hier noch nicht die später übliche Aufschrift, sondern Bezeichnungen wie „Hochton ab“, womit wohl die Beschneidung der oberen Frequenzen gemeint ist.

Reportage: Hohner Clavinet D6

Das D6 gilt als Klassiker der Clavinet-Reihe (Foto: Peter Grandl)

Clavinet D6 – Ein Klassiker, der (be)rauscht

Der absolute Klassiker aber sollte der 1971 ausgelieferte Nachfolger – das Clavinet D6 – werden. Der Look ist großartig und es besitzt vielfältige Eingriffsmöglichkeiten in den Klang. Neben den vier Equalizer-Schaltern, die ja alle miteinander beliebig kombiniert werden können, besitzt es auch erstmalig den Dämpfer-Regler. Nicht die große Stärke des Clavinet D6 ist die Abschirmung. Es hat schlicht keine. So brummt ein D6 gerne mal vernehmlich und man sollte es nie in der Nähe des Verstärkers stehen haben. Und am besten über Batterien betreiben, weil auch dadurch die Nebengeräusche reduziert werden. Die Tastronauten haben auf ihrer Website dazu eine hübsche Anekdote beizutragen. Als sie das Clavinet von der Kölner Band BAP erstanden, pappte direkt neben dem Volume-Schalter ein Zettel: „Bei Nichtbenutzung Volume-Regler auf 0, kapiert?!“

Das Hohner Clavinet D6 wird beim Transport durch einen stabilen Deckel geschützt (Foto: Costello)

Clavinet E7 – Ein Clavinet für den Road-Alltag

Und das ist wohl einer der Gründe, warum das 1977 erschienene Clavinet E7 durchaus seine Fans hat. Allemal unter Tontechnikern, denen die Brummgeräusche des D6 ein Dorn im Auge sind. Den Schönheitspreis gewinnt das E7 im schlichten schwarzen Tolexgewand vielleicht nicht. Aber die Abschirmung ist viel besser und das E7 verfügt über ein zusätzliches Noise-Filter im Schaltkreis. Die Kippschalter sind auf den oberen Teil des Panels gewandert, es gibt einen separaten Stromschalter und der runde Lautstärke-Potentiometer hat sich in einen Slider verwandelt. Das E7 ist auch für den harten Roadalltag ungleich besser geeignet als die Vorläufermodelle. Das schöne Holzfurnier des D6 muss unterwegs auf Tour schon sehr gut geschützt werden, sonst sieht es bald ziemlich abgeschrappelt aus. Das E7 wird nebenbei bemerkt auch oft ein bisschen günstiger angeboten, als ein D6. Vom Clavinet-Model L mal ganz abgesehen.

Hohner Duo – Kombination aus Clavinet und Pianet

Schließlich packte Hohner die beiden absoluten Keyboardschlager von Ernst Zacharias zusammen unter eine Haube. Das Hohner Duo kombiniert Clavinet und Pianet. Es ist deshalb entsprechend schwer. Das Duo bietet neben den Einzelsounds auch die Möglichkeit, das Keyboard in verschiedene Clavinet/Pianet-Kombinationen zu splitten. Beide Instrumente können zusammen erklingen oder wechselseitig auf Bass und Diskant gelegt werden. Es gibt noch eine vierte Kombination, bei der im Bass das Pianet allein zu hören ist und im oberen Tastaturbereich Clavinet und Pianet gemeinsam. Was in der Theorie nach dem großartigsten Instrument überhaupt klingt, ist es in der Praxis nicht ganz. Das ultraleichte Spielgefühl des Clavinet bleibt ein wenig auf der Strecke, weil die Pianetzungen immer mitgespielt werden.

In Kombination mit diversen Effektgeräten klingt das Hohner Clavinet D6 immer wieder neu und überraschend (Foto: Costello)

Clavinet D6: Das Ende der Ära

Irgendwann kam dann das Clavinet ein wenig aus der Mode. Zuerst lieferten die Polysynthesizer ganz hübsche Clavinet-ähnliche Sounds – zwar nicht anschlagsdynamisch, aber doch sehr reizvoll. Und dann kam  der DX7: same old story. Das war ein Game-Changer auf ganzer Linie, der viele analoge und elektromechanische Instrumente alt aussehen ließ. Die Clavinet-Sounds des DX7 waren wirklich nett und vor allem dynamisch spielbar. Und als die großen Keyboardhalden dann langsam auf zwei, maximal drei Instrumente zusammenschrumpften, dachten  nicht wenige Clavinet-Spieler: Brauch ich nicht mehr, kann weg. Im Vergleich zum Rhodes ist das Clavinet zwar ein Leichtgewicht: Im Transportzustand mit Deckel kommt es auf 36 kg. Aber auch die wollen getragen werden. In einer Zeit, als Hohner den Support langsam einstellte und es noch kein gutes Angebot an Ersatzteilen gab, bedeutete das tatsächlich das Ende mancher dieser Geräte. Sie waren buchstäblich runtergerockt und landeten teilweise im Müllcontainer.

Clavinet D6: Ein One Trick Pony?

Auch heute denken nicht wenige Musiker, das Hohner D6 sei ein One Trick Pony. Dessen Sound eigentlich nur für Funk- und Soul-Musik taugt. Das zweite Vorurteil: Wird dieser spezielle drahtige Klang wirklich einmal für eine Produktion benötigt, liefert ihn die nächstbeste Workstation. Letzterer Punkt stimmt – bedingt. Tatsächlich ist von allen elektromechanischen Instrumenten das Clavinet wohl am schwierigsten nachzubilden. Die meisten Workstations bieten zwar eine Handvoll D 6-Klänge an – gerne mit Phaser oder Wahwah garniert. Sie schaffen es in der Regel aber nicht einmal, alle Pickup-Stellungen mit den verschiedenen Equalizer-Schaltungen des Clavinets abzubilden. Und der Dämpfer des D6 ist ein Feature, das regelmäßig völlig unterschlagen wird. Ein weiteres Problem kommt dazu: Die Tastatur des Clavinets ist ultraleicht und ermöglicht dadurch eine ganz besondere Spielweise. Man braucht eine Taste  eigentlich nur fest anzusehen und schon erklingt ein Ton. Die gewichteten Tastaturen meiner Kurzweil-Workstation oder meines Nord Grand vermitteln dieses Spielgefühl natürlich nicht einmal im Ansatz.

Reportage: Hohner Clavinet D6

Das Spektrum des D6 ist weiter, als manchmal vermutet wird (Foto: Peter Grandl)

Clavinet D6 – Nicht auf Soul und Funk beschränkt

Und was die angebliche Beschränkung auf Soul und Funk angeht: Bei mir war es gar nicht Stevie Wonder, durch den ich auf das Hohner Clavinet D 6 aufmerksam wurde. Anfang der 70er-Jahre war ich noch ganz auf Progrock-Bands wie Genesis, Emerson, Lake & Palmer und Pink Floyd eingeschworen. Und da wurde ich gleich doppelt fündig: Nicht bei Genesis. Tony Banks hat zwar ein Pianet, aber kein Clavinet gespielt. Wohl aber Keith Emerson, wie wir oben schon gesehen haben. Und Rick Wright ebenso. Auf dem Pink Floyd Album Wish You were here von 1975 spielt Rick Wright auf Have a Cigar sparsame, aber höchst wirkungsvolle Licks auf einem Clavinet D6 , die die Akkorde auf dem Wurlitzer 200 A unterstützen. Und auch Led Zeppelin mochten auf den einzigartigen Clavinet-Sound nicht verzichten.

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Led Zeppelin: Trampled under foot

Im Jahr 1975 erschien Led Zeppelins epochales Doppelalbum Physical Grafitti. Der Song Trampled under foot hat eine sehr prominente Clavinet-Linie, gespielt von John Paul Jones. Tatsächlich liefert der Song wohl Led Zeppelins größtmögliche Annäherung an Funk-Musik. Jimmy Page spielte seine Gitarre über ein Wahwah-Pedal und es ist überliefert, dass alle sehr hart proben mussten, um das Zusammenspiel der Band bei dem Pseudofunkriff zu perfektionieren. John Paul Jones nennt auch explizit Stevie Wonders Superstition als Vorbild für Trampled under foot. Auf Physical Grafitti hat das Clavinet D6 noch zwei weitere Auftritte: Auf Custard Pie klingt es wie eine Rhythmusgitarre und bei In the Light wird es in den Breaks eingesetzt, wo der Klang einem Spinett schon recht nahekommt.

Meister des Clavinet D6: Michael Keck von Mothers Finest

Etwas später entdeckte ich in einem dicken Plastikschuber, in dem mein Bruder seine Musiksingles aufbewahrte, eine Scheibe von Mothers Finest von 1977, die mich komplett weggeblasen hat: Baby Love von Mother’s Finest. Natürlich lebt der Song vor allem auch von der Wahnsinnsstimme von Joyce „Baby Jean“ Kennedy. Aber auch die Keyboards sind beeindruckend. Schon das Intro, das Michael Keck auf dem Oberheim spielt, klingt unglaublich fett. Und dann legt er auf dem Clavinet D6 los. Mother’s Finest wurden in Europa erst richtig bekannt durch einen Auftritt  am 4. März 1977 beim legendären Rockpalast in der Essener Grugahalle.

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Mother’s Finest-Keyboarder Michael Keck war übrigens so besessen von dem D 6-Sound, dass ihm ausgerechnet am späten Samstagnachmittag einfiel, dass er noch ein zusätzliches  D6 kaufen wollte. Nach dem Motto: Wenn man schon mal in Old Germany unterwegs ist. Die Rockpalast-Veranstalter gerieten daraufhin mächtig ins Rotieren: „Wir haben telefoniert und telefoniert und als sich keine andere Möglichkeit ergab, doch noch eins vor dem Gig zu bekommen, haben wir mit Michael Keck einen Termin für montags bei Hohner in Köln (Verkaufsvertretung West) ausgemacht. Doch noch bevor es richtig in den Sonntag hinein ging… mussten die Mother’s Finest schon wieder los. Mit Adressenaustausch und jede Menge hochheiliger Versprechen aber mussten wir beteuern, dass wir bei der nächsten Gelegenheit Michael Keck mit zu Hohner nehmen würden.“ Rockpalastarchiv

Reportage: Hohner Clavinet D6

Objekt der Begierde: So günstig und in so gutem Erhaltungszustand wird ein Clavinet D6 nur selten angeboten. (Foto: Peter Grandl)

Das Hohner Clavinet D6 heute: Teuer und wartungsintensiv

Heute ist der Kauf eines Hohner Clavinets eine teure und auch unsichere Angelegenheit. Manche Instrumente werden mit dem freundlichen Hinweis angeboten, dass sie vor Inbetriebnahme gewartet werden sollten. Das sollte man sich gut überlegen, denn das ist – um mit Theodor Fontane zu sprechen – „ein weites Feld“.  Es reicht von alten Hammertipps, die die Konsistenz von Kaugummi angenommen haben, bis zu Haarrissen in den Pickups, die schlimmstenfalls zum Komplettausfall führen können. Dabei muss einem als Käufer klar sein, dass die Restaurierung eines Clavinets ein mühseliges und kostspieliges Unterfangen ist. Immerhin werden heute wieder Ersatzteile angeboten. Aber ehrlich gesagt will ich ein neuerworbenes Instrument sofort spielen können und es nicht erst mehrere Wochen oder gar Monate in die Fachwerkstatt geben.

Reportage: Hohner Clavinet D6

Zu einer möglich Wartung des D6 gehört auch der Austausch gerissener oder oxydierter Saiten (Foto: Peter Grandl)

Für Clavinets, die gut in Schuss sind, werden allerdings auch happige Preise aufgerufen. Was ja auch verständlich ist, hat doch ein D6 mittlerweile 50 Jahre auf dem Buckel. Die Preise für elektromechanische Instrumente haben inzwischen alle ordentlich zugelegt. Wobei wir uns noch einmal vor Augen halten müssen, dass auf ein produziertes Clavinet sieben Rhodes-Pianos kommen. Andererseits ist die Nachfrage nach E-Pianos größer als nach Clavinets, was die Preisunterschiede wieder etwas relativiert. Für ein gut erhaltenes Clavinet, bei dem alle wichtigen Arbeiten durchgeführt wurden, sind um die 3.000,- bis 3.500,- Euro zu veranschlagen. Die Preisspanne geht aber bis über 5.000,- Euro. Das gilt für das Hohner D6, das E7 bewegt sich im Preisrahmen meist etwas niedriger. Wer auf den Holz-Look verzichten kann, trifft mit dem technisch aufgewerteten E7 eine sehr gute Wahl.

Reportage: Hohner Clavinet D6

The real thing: Nichts reicht an ein originales Clavinet D6 heran (Foto: Peter Grandl)

Mein Hohner Clavinet D6

Diese Story begann mit dem etwas weiter oben abgebildeten Foto, das ein Clavinet im Schaufenster einer Musikalienhandlung irgendwo in Bayern zeigt. Das Bild hatte mir AMAZONA.de Chefredakteur Peter Grandl zugeschickt. Er hätte ein paar schöne Bilder gemacht. Ob ich nicht Lust hätte, etwas darüber zu schreiben. Und da hat Peter bei mir absolut einen Nerv getroffen. Das Clavinet D6 ist das Instrument, das ich früher gerne gespielt hätte, worauf ich aber zugunsten eines Wurlitzer 200A verzichtet habe. Ein E-Piano ist halt doch noch vielseitiger einsetzbar. Da ich ungern über Instrumente schreibe, die ich nicht selbst ausprobieren kann, habe ich mich auf die Suche gemacht.

Mit einem Hohner Clavinet ist Spielspaß garantiert! (Foto: Philipp Uhlig)

Und hatte Glück: Das Dolby Atmos-Studio Sounddub in der Nähe von Jüterbog bot ein D6 an, was bei Turnlab in Antwerpen generalüberholt worden war. Zum sehr fairen Preis inklusive Transport zu mir nach Hause. Dabei ergab sich ein supernetter Kontakt mit den Studiobetreibern Daniel Knoll und Markus Wegmann, die auch tief in das Thema KI  und Musik eingedrungen sind. Daraus hat sich ein eigenes Interview ergeben. Manche Instrumentenkäufe sind tatsächlich echte Sternstunden. Als ich dann die vier Beine eingedreht hatte und es mit etwas Mühe aufgerichtet und mit meinem Mischpult verbunden hatte, vergaß ich für mehrere Stunden Zeit und Raum. Wie in Platos berühmten Höhlengleichnis kam es mir vor, dass ich in Bezug auf das Clavinet die ganze Zeit nur den Schatten auf der Felswand gesehen habe, aber nicht die Wirklichkeit.  Wie hatte ich die ganzen Jahre zuvor ohne ein Hohner Clavinet D6 auskommen können?

Und ich spiele darauf absolut nicht nur Funk-Musik. Die verzerrte „E-Gitarre“ ist natürlich das Clavinet über Amp-Simulation, sowohl Gitarre als auch Keyboardsound profitieren vom Dimension D und dem Lexicon PCM 70. Der Synthesizer ist ein Moog Prodigy und der Chorsound kommt vom Mellotron Micro.

 

Jetzt hoffe ich nur, dass ich nicht irgendwann von AMAZONA.de einen Auftrag für einen „Jupiter-8-Revisited“-Artikel bekomme. Dann lässt mich meine Familie garantiert unter Kuratel stellen …

Zum Schluss ein absoluter Clavinet-Hit: Ike & Tina Turners unverwüstliches  Nut Bush City Limits, hier ein Auftritt vom November 1973:

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Fazit

Der deutsche Ingenieur Ernst Zacharias landete mit seinem elektromechanischen Clavinet einen großen Wurf. Unendlich viele Klassiker aus Funk, Soul und Rock wären ohne den Clavinet-Sound undenkbar. Dabei ist das Hohner Clavinet aber – im Gegensatz etwa zum Fender Rhodes Piano – ein wenig in Vergessenheit geraten. Wird dieser spezielle Sound benötigt, greifen viele heute auf  Software oder Presets in ihrer Workstation zurück. Das ist schade, denn so können sie nur auf einen Bruchteil der unzähligen Klangmöglichkeiten nutzen. Die meist nur wenigen Sample-Klänge in den Workstations werden jedenfalls dem D6 in keiner Weise gerecht. Zumal der ultraleichte Anschlag zu einem ganz speziellen Spielgefühl führt. Vor allem auch im Zusammenspiel mit diversen Bodentretern lebt der drahtige Clavinet-Klang auf. Ich setze das Instrument gerne auch genreuntypisch ein: für filigrane Klänge, die an Akustikgitarren erinnern. Im Zusammenhang mit dem Mute-Regler lassen sich schöne Funkgitarren emulierten. Mit Amp und Fuzz-Box wird das D6 zur E-Gitarre, wobei ich nicht soweit gehen werde, mir eine Whammy Bar einzubauen. Das Clavinet hat inzwischen einen Stammplatz in meinem Keyboardset. Manche Träume brauchen halt 40 Jahre, um wahr zu werden.

Plus

  • ikonischer Klang
  • Spielspaß garantiert
  • klassisches Design Made in Germany
  • Sammlerstück und Wertanlage

Minus

  • mangelhafte Abschirmung beim D6
  • aufwändige Wartung

Preis

  • Clavinet I von 5.300 bis 6.500,- Euro
  • Clavinet D6 von ca. 3000,- bis 5.500,- Euro
  • Clavinet E7 von 3.000,- bis 4.000,- Euro
  • Clavinet Duo von 3.500,- bis 4.000,- Euro
  • Für die Modelle C und L liegen keine aktuellen
  • Vergleichszahlen vor
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    herw RED

    😈 ELP Nutrocker: Und Emmerson war doch ein Boogie Woogie Spieler😎

    Lieber costello,
    immer wieder freue ich mich über deine umfangreichen, spielfreudigen, informativen, sehr langen Artikel. Das ist nicht nur eine Mehr-Tage-Lektüre, niemals langweilig und ich höre dir gerne zu. Deine eigenen akustischen „Kabinettstückchen”, die du locker aus dem Ärmel schüttelst, wie auch die Auswahl deiner externen Videos sind immer wieder hervorragend.

    herw

    PS: Lachy Doleys Version von Jimi Hendrix‘ Voodoo Child ist natürlich ebenfalls erste Sahne.

    • Profilbild
      Organist007 AHU

      @herw lachy Doley ist sowieso ein Sonderfall, da er in das D6 einen Vibratohebel eingebaut hat.
      Für mich einer der besten Organisten/D6 spieler und eine Mörderstimme.

  2. Profilbild
    Glenn

    Auch bei mir ist es so, dass ich mich sehr gefreut habe, wieder einmal einen Deiner super Artikel zu lesen. Ich musste mir dazu sofort Jon Lords „Bouree“ von seinem Sarabande-Album anhören, wo mit dem Clavinet das Thema zum ersten Mal erklingt. Obwohl ich mir nie ganz sicher bin, ob es wirklich ein Clavinet ist. Vielleicht kannst Du mir da weiterhelfen!
    Nochmals vielen Dank für den Artikel!

    Glenn

    • Profilbild
      costello RED

      @Glenn Danke Glenn! Klaus Rausch hat in seinem Jon Lord-Artikel auf amazona.de auch das Equipment aufgelistet. Da ist das D6 dabei. Was aber auch sein kann, dass Jon für Spinettartige Klänge das RMI Electra Piano verwandte, das Jon via Tastaturkontakte über seine Hammond C3 steuern konnte.

    • Profilbild
      TobyB RED

      @vssmnn Bei Night Fever ist definitiv kein Clavinet am Start. Wo du aber super ein Clavinet hören kannst, „Nights on Broadway“ schön mit Moog Bass, Piano.

  3. Profilbild
    moogist

    Vielen Dank für diesen tollen Bericht! Das Clavinet wird wohl – neben einem Wurlitzer Piano und einer Hammond B3 – ein unerfüllbarer Traum bleiben. Da behilft man sich dann eben mit den ganz ordentlichen Ersatz-Sounds eines Nord-Electro… Lachy Doley als Whammy Bar-Clavinet Spieler wurde oben schon erwähnt. Ich möchte allen hier noch Bobby Sparks ans Herz legen, der ebenfalls ein Clavinet mit Whammy Bar und Zerre spielt. Das hier verlinkte Video zeigt ihn mitten in der Corona-Zeit, als alle Clubs zu waren und er buchstäblich im Vorgarten gespielt hat.
    https://www.youtube.com/watch?v=TPMeLoMv0aU

    Am Clavinet fasziniert mich der akustische Aspekt des Instruments, welches dem Spieler ermöglicht, authentische Ghost-Notes zu spielen (tonlose perkussive Anschläge). Dieser holländische Keyboarder beherrscht das meisterhaft:
    https://www.youtube.com/watch?v=UBROdpQn4uM

    • Profilbild
      costello RED

      @moogist Danke moogist! Auch für die beiden tollen Links: die Sache mit den Ghostnotes ist wirklich Wahnsinn, toll gespielt. Zeigt nochmal, dass alle klanglichen Facetten des Clavinets mit Software oder Workstations schwer abzubilden sind. Wobei so ein Nord schon gute Dienste leistet, die elektromechanischen Kandidaten abzudecken..

  4. Profilbild
    iggy_pop AHU

    „Das Riff“ ist das, worauf man fährt; „der Riff“ ist das, worauf man abfährt.

    Laut korrekter englischer Rechtschreibung sollte es eigentlich „funkiness“ sein.

    Warum Jim Allen ausgerechnet die dämlich dreinblickende Mona Lisa heranziehen mußte zum Vergleich, wird auf immer sein sahniges Geheimnis bleiben.

    Zitat: „Der australische Musiker Lachy Doley hat das auf die Spitze getrieben, indem er sein Clavinet mit einem Stahlbügel modifiziert hat. Mit diesem Whammy Bar, einem Wah-Wah-Pedal und einer ordentlichen Verzerrung kann Doley den Clavinet-Sound wie ein Gitarrist modulieren. “

    Das sollte doch wohl die Castlebar-Modifikation sein, die ebenfalls von George Duke verwendet wurde — dieser Pumpenschwengel oben auf dem Clavinet.

    Der schönste Clavinet-Sound ist immer noch bei Vangelis auf „L’apocalypse des animaux“ zu hören — Binson Echorec und Clavinet sind in Kombination einfach unschlagbar.

    • Profilbild
      costello RED

      @iggy_pop Hi iggy, ob „der“ oder „das“ Riff korrekt ist, scheint mir nicht entschieden zu sein. Bei funkiness magst Du recht haben, da hat mich wohl die KI im Stich gelassen 😉

      • Profilbild
        iggy_pop AHU

        @costello Laut Duden geht beides („der/das Riff – Akkordfolge“); der Eindeutigkeit halber gebe ich als misogyner Schwanzträger dem Maskulinum hier den Vorzug.

        Damit sich die intellektuell und emotional Zukurzgekommenen nicht düpiert fühlen, können wir uns natürlich auch auf „Riff*In“ einigen: Dieser Riff ist sowas von „in“ und jener Riff ist sowas von „out“.

        Oder so.

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Eine harte Woche und kurze Nacht. Morgens schon das Bedürfnis nach dem Whiskey im Schrank zu greifen, ein kurzer Blick aufs Mobiltelefon. Ein neuer Costello ist da. 😎👍

    • Profilbild
      herw RED

      Mir graust es, wenn ich lese, dass jemand diese wunderbaren Artiklel über das Mobiltelfon liest.
      Ich kann’s nicht.

  6. Profilbild
    tcjs

    Herzlichen Dank für diesen ausführlichen Artikel zu einem großartigen Instrument!
    Wie immer ein großes Lesevergnügen, danke Costello!😀
    Was mich noch interessieren würde:
    hat hier schon jemand Erfahrung mit dem Vibanet von Vintage Vibe gemacht und könnte darüber berichten?

  7. Profilbild
    Ragutini

    Sehr lesenswerter Artikel, der Erinnerungen weckt. Vielen Dank!
    „Von der angepeilten Zielgruppe freundlich ignoriert, sollte das Clavinet bald seinen Siegeszug in Funk, Soul und Rock antreten.“
    Anfang der 70er gehörte ich zwar nicht zur Zielgruppe und war eher auf Rock fixiert, aber „freundlich ignoriert“, um es nett zu sagen, hatte ich das neu auf den Markt gekommene Instrument auch.
    Im Musikhaus Neufeldt in Marburg standen damals Rhodes, Wurlitzer und das Clavinet zum Anspielen quasi nebeneinander. Leisten konnte ich mir keines davon und ich stand voll auf den Klang des Rhodes. Das Wurlitzer blieb dahinter schon ein ganzes Stück zurück, aber den Klang des Clavinet fand ich ziemlich enttäuschend. Vermutlich mangels Kreativität, um zu erkennen, was man aus diesem dünnen Klang zwischen Zither und Cembalo herausholen kann. Bis Stevie Wonder mich eines Besseren belehrt hat. :-)

    • Profilbild
      costello RED

      @Ragutini Danke Ragutini! Die Eindrücke, die Du damals in Marburg gewonnen hast, kann ich durchaus nachvollziehen. So ein Clavinet pur kann etwas nüchtern klingen und bei einigen Pickup-EQ-Kombinationen auch durchaus etwas spirrelig. Hängt man einen Amp und ein paar Effekte dahinter, dann geht plötzlich die Post ab.

      • Profilbild
        iggy_pop AHU

        @costello Oh ja, das stimmt.

        Ich erinnere mich an meine erste Begegnung mit einem Clavinet, Frühjahr 1989 in Hamburg: Kennt noch jemand das Hochhaus eingangs der Reeperbahn, Nähe Millerntorplatz, in welchem im Erdgeschoß ein großes Musikgeschäft zu finden war? Die hatten in einer großen Schauvitrine neben einem Yamaha SK50 auch ein Clavinet D6, das ich mal antesten durfte.

        Der dünne, drahtige Sound war so überhaupt nicht meins.

        Heute ärgere ich mich über meine jugendliche Ignoranz.

      • Profilbild
        Easyflow

        @costello Vielen Dank für diese umfangreiche Abhandlung!

        Zum ersten Mal faszinierte mich das Instrument als Kind. Wußte zwar nicht was ich da hörte, aber es war etwas Besonderes. Bei den Eltern gab es die LP Ballade pour Adeline von Richard Clayderman. Und darauf befindet sich der Titel Black Deal. Paßt so gar nicht zum Titelstück. Mehrspuriges Clavinet mit Synth. Hier ist der Link:

        https://youtu.be/aqqElwWsSM0?si=zHS_vHnBOomh1AM8

  8. Profilbild
    Eibensang

    Großartiger Artikel über ein großartiges Instrument! Sehr schöne und ausführliche Hintergrundinfos, danke! Ich hatte das Vergnügen, als junger Rocksänger ein original D6 live in Aktion zu erleben – der (ebenfalls blutjunge) Keyboarder meiner Band hatte 1981 eins auf seinem Fender Rhodes stehen. Für unser Repertoire war das D6 nur in einem einzigen Song wichtig, in den Breaks vom Refrain – dort aber unverzichtbar. Ich verliebte mich in den Klang (trotz Spannungen in der Band, die nicht funky war – der Typ an den Tasten am Allerwenigsten), aber entdeckte meine wirkliche Liebe zu funky Lines, Rhythmen, Sounds und Feel erst später, dafür umso.

    Bei heutigen Aufnahmen muss ich mit der Emulation in meinem Klimpi (Yamaha Reface CP) vorlieb nehmen. Kein Vergleich mit dem Original, von dessen Klang- und Zugriffsvariationen ganz zu schwelgen, aber deutlich gelungener und variationsfreudiger als manches lieblose Workstation-Preset oder Gratis-Plugin. (Ich brauch es natürlich nur für gelegentliche knackige Knurr-Lines im perkussiven Hintergrund – nicht für Bühneneinsatz, ich bin kein Keyboarder.)

    Der Artikel informiert umfassend, ist unterhaltsam und die Klangbeispiele sagen alles. Ich glaube, ich bookmarke mir mal den Link – ich wurde schon öfter nach der Herkunft von D6-Sound gefragt von Leuten (die nicht selber musizieren), denen der geile Klang auffiel, ohne ihn zuordnen zu können.

    • Profilbild
      costello RED

      @Eibensang Danke Eibensang für das Superfeedback! Ich freue mich, wenn Du den Artikel noch ein bisschen unter die Leute bringst. Ernst Zacharias und sein tolles Instrument haben es verdient. 🙂

    • Profilbild
      costello RED

      @Tyrell Danke Peter! Du hast mit Deinem Foto den Anstoß gegeben und ich bin sehr dankbar, dass ich so nochmal auf dieses tolle Instrument aufmerksam wurde. 🙂

  9. Profilbild
    TobyB RED

    Das hat Dude Qualität! Ein super Spaziergang durch den Garten der Popgeschichte. Vorne angefangen beim Art Rock zum Übergang zum Stadionrock. Ich dachte ich höre Simple Minds irgendwo zwischen Empires and Dance und New Gold Dream. Dann Bowie. Ich sing immer noch Fame. Hinüber zum funky Lick. Ganz großes Kino. 😎

    • Profilbild
      costello RED

      @TobyB Danke Toby! Musikalische Anleihen von Simple Minds bis Bowie wieder einwandfrei identifiziert, wobei Du meine Vorlieben inzwischen eh alle kennst. 🙂

  10. Profilbild
    ukm

    In den 80ern habe ich mal ein D6 spielen dürfen, das mir ein Kollege, den ich in der Band in seiner Reservistenzeit vertreten habe, zur Verfügung gestellt hat. Das habe ich in recht guter Erinnerung. Wenn man damals schon gewusst hätte, dass dann 40 Jahre Sample-Kram kommen, hätte man die Instrumente noch mehr geschätzt.

  11. Profilbild
    moontrain

    Vielen herzlichen Dank für diesen besonders informativen und unterhaltsamen Artikel! Tatsächlich bin ich von Kindesbeinen an mit einem – wie ich jetzt gelernt habe – sehr seltenen Clavinet l im Wohnzimmer aufgewachsen, das meine Mutter 1968 auf der Hamburger Verbrauchermesse „Du und Deine Welt“ gekauft hatte. Sie war wohl von der Vorführung vor Ort so beeindruckt, dass sie es spontan mitgenommen hat… dann konnte sie es allerdings zuhause nicht gleichermaßen kunstvoll bedienen und verlieh es deshalb zeitweise immer wieder an interessierte Freunde, aber selbst die wollten es seinerzeit nicht einmal geschenkt haben. Stevie Wonder war ihnen wohl nicht geläufig… Jetzt wird es aber Zeit, dass ich es nach vielen Jahren und Umzügen mal wieder aus seinem Dornröschenschlaf im Keller befreie!

    • Profilbild
      costello RED

      @moontrain Hi moontrain, da hast Du einen echten Schatz im Keller. Ich hoffe, der ist schön trocken, damit nichts korridiert ist.

  12. Profilbild
    moinho AHU 1

    Irgendwann lagen mal im Internet (mindestens halb-, ich glaub sogar ganz legal) Multitracks von wichtigen Songs rum. So auch „Superstition“ als 16-Spur. Spur eins bis acht: Clavinet.

    • Profilbild
      costello RED

      @swift Na, ich würde sagen Saiten über Pickups. Clavinet-Experte Christian Frentzen zeigt in einem Video, wie er – nachdem er auf der rechten Seite die Saiten freigelegt hat – diese sogar mit Plektrum oder den Fingern spielt. So ein Whammy Bar fürs Bending für noch authentischere Gitarrenklänge ist dagegen schon ein größerer Eingriff. Vermutlich muss man da auch öfter man nachstimmen.

  13. Profilbild
    Tai AHU

    Ich habe ja oft genug was über meine Vorliebe für PlugIns gesagt. Genau hier halte ich auch eine Emulation für ziemlich schwierig. Die Impro von dem Holländer?, (der mit den Ghistnotes) zeigt das. Da spielt mMn. der mechanische Teil von elektromechanisch die entscheidende Rolle. Ja, guter Artikel, Costello.

    • Profilbild
      TobyB RED

      @Tai Ich für meinen Teil finde die Logic und Garageband Clavs sehr gelungen. Damit kann man schon gut was machen. Und wenn es zu digital klingt, dreht man halt eine analoge Ehrenrunde.

  14. Profilbild
    mdesign AHU

    interessanter artikel, wieder einiges gelernt. und nachdenklich geworden: ich hatte anfang der 80er einige zeit ein D6, das dann gehen musste, um einen korg polysix zu finanzieren. ich kann mich nicht erinnern, dass da beine drin waren. vielleicht habe ich aber auch nie aufgeklappt und nachgesehen?

  15. Profilbild
    Martin Andersson RED

    Danke für den schönen und interessanten Bericht. Und eine gute Motivation, mein Clavichord wieder zu stimmen.
    Ein eigenes Clavinet besitze ich leider nicht, konnte aber schon mehrere anspielen, auch ein Hohner Duo, das mir persönlich am besten gefällt. Mit Pickups und Effkekten kann ein Clavichord (fast) so funky wie in Clavinet klingen. Ein Problem sind aber Feedbacks. Bisher habe ich mich noch nicht damit auf die Bühne getraut.

  16. Profilbild
    sadCyrano

    Hallo Costello,

    irgendwie wird man bei Deinem Beitrag ein wenig wehmütig, dass heute fast alles nur noch digital existiert. Was hat man sich früher gefreut, wenn man sich nach jahrelangem Sparen einen MiniMoog leisten konnte, den man auch wirklich anfassen konnte und der sogar gerochen hat… Ganz toller Bericht, schon eher eine Liebeserklärung ;-)

  17. Profilbild
    steme

    Der einzigartige Klaus Wunderlich veroeffentlichte 1977 ein Doppelalbum „Dream Melodies“ mit 24 Titeln die allesamt nur mit Electra Piano T, Clavinet D6 und Hohner String-Melody (sowie Schlagzeug) aufgenommen wurden.
    Das ist zur Abwechslung mal kein Jazz, Blues oder Rock sondern einfach nur beste Unterhaltungsmusik (wie man damals so sagte). Sounds und Spielweise sind absolut hoerenswert und beeindruckt mich heute noch.

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