Zeitmaschine: Lexicon PCM 70, Digitaler Effektprozessor (1985)

8. Mai 2021

Bezahlbarer Hall-Klassiker

Das Lexicon PCM 70 gilt heute als echter Klassiker unter den Hallgeräten. Als es 1985 eingeführt wurde, war es vor allem eine preiswerte Alternative zum berühmten Lexicon-Dreigestirn 224, 224X und 224XL. Den Preis für das 224XL gibt das Studio Magazin im Mai 1984 mit 37.000,- DM an. Zum Vergleich: Für diese Summe konnte man sich 1984 ein schickes Mercedes-Coupé 230 CE kaufen. Freilich ohne alle Extras, aber inklusive 14 % Ust. ab Werk. Das PCM70 soll damals „nur“ 7000,- DM gekostet haben.  Da hätten wir wiederum das Doppelte anlegen müssen, um einen VW Polo zu bekommen.

Platzsparend war das PCM 70 nebenbei auch noch: Es nahm nur eine Höheneinheit im Rack in Anspruch – bei einer allerdings stattlichen Einbautiefe von 35 cm.  Ein Blick auf die vier Höheneinheiten der 224-Reihe ließ einen dagegen gedanklich schon mal zu Opas altem Bruchband greifen. Aber obwohl das PCM 60 als „handliches“ Lexicon-Hallgerät mit nur einer HE schon etwas Vorarbeit geleistet hatte, scheinen das PCM 70 damals viele Zeitgenossen zunächst mal nicht ganz ernst genommen zu haben: „Als das Lexicon PCM 70 auf den Markt kam, sagten alle, das wäre kein echtes Lexicon. Und mag es auch kein 224X sein…so bietet es doch eine Kostprobe des Lexicon-Sounds.“ (Vintage Digital)

Und genau das – nämlich eine kleine Kostprobe – möchte ich hier auch geben. Übrigens: Beim Beispiel „Resonant Chords“ bilden Drumpattern die einzige Klangquelle. Was da nach Sequenzer klingt, kommt alles aus dem PCM 70.

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Der berühmte Lexicon-Hallsound in einem schlanken und ranken 19“-Gehäuse mit nur einer HE. (Foto: Costello)

Der Lexicon-Hall: Larger than Life

Für viele Musiker stellt eben dieser „Lexicon-Sound“ die Inkarnation eines Hall-Klangs überhaupt dar. Berühmt gemacht hat diesen Sound das „Lexicon 224 Digital Reverb“, das 1978 in die Läden kam. Typisch sind die langen Hallfahnen auf Vangelis Soundtrack zu Ridley Scotts dystopischen Science Fiction-Epos „Blade Runner“ aus dem Jahr 1979. Der Yamaha CS-80 ist da sozusagen nur die halbe Miete, den Rest erledigt das Reverb. Das Lexicon gewinnt mit Sicherheit nicht den ersten Preis, wenn es um realistische Hallräume geht. Lexicon klingt eigentlich immer „larger than life“. Der Hall ist etwas dunkel timbriert, warm, moduliert und lässt sich gut mischen, schmiegt er sich doch wunderbar um den Originalklang.

Als ich den Yamaha SY-1 hier vor einigen Jahren vorgestellt habe, waren auch zwei von Vangelis inspirierte Klangbeispiele dabei. Und da es gleichzeitig die ersten Aufnahmen waren, bei denen mein Lexicon PCM 70 zum Einsatz kam, habe ich „Rainy Day in Friedenau“ und – weiter unten – den „Klingenflitzer“ hier nochmal mit eingebunden.

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Die Mutter aller Lexicon-Hallgeräte: Das 224 (Foto mit freundlicher Genehmigung von psv-ddv)

Der Lexicon-Sound hat unzähligen Pop-Produktionen seinen Stempel aufgedrückt: Ob „Remain in Light“ (1980) von den Talking Heads, „Unforgettable Fire“ (1984) von U2, „So“ (1986) von Peter Gabriel , „Faith“ (1987) von George Michael oder „Ten Summoner Tales“ (1993) von Sting – immer ist ein Lexicon am Werkeln.

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Lexicon packte sein berühmtes Reverb-Programm „Concert Hall“ auch in das PCM 70. (Foto: Costello)

Immer leistungsfähiger, aber auch besser?

Über die Jahre entwickelte Lexicon die Hardware weiter und verfeinerte und veränderte die Algorithmen. Schon das 224X bot eine verbesserte Samplingrate von 34 kHz in Vergleich zu den 20 kHz des Ur-Lexicons. Das Lexicon 480L aus dem Jahr 1986 besaß einen Random-Algorithmus, der die Hallfahnen mit einer Zufallsmodulation versah. Das blaue Model 200 aus dem Jahr 1984 (nicht zu verwechseln mit dem späteren MX200) war ein Versuch, den Lexicon-Fans mit einem Kaufpreis von 15.000 DM ein etwas erschwinglicheres Angebot zu machen. Das Lexicon 960L stellte seine Algorithmen auch im 5.0 Surround-Format zur Verfügung, und die LARC II-Fernbedienung war nun mit einem farbigen TFT-Display und berührungsempfindlichen Motorfadern ausgestattet.  Das Modell 300 aus dem Jahr 1997 dagegen sollte die Reihe mit „high performance DSPs“ für die Erfordernisse moderner Studios kurz vor der Jahrtausendwende ertüchtigen – mit einer integrierten Effektautomation und Pitch-Effekten. Da hatte sich Lexicon ein wenig bei der Konkurrenz umgetan.

Lexicon PCM 70 – Der Lex-Sound mit Biss

Natürlich hat sich auch Lexicon über die Jahre dem Zeitgeschmack etwas angepasst. Auf das PCM 70 folgte das Lexicon PCM 80, 81, 90 und 91, das Thorsten Walter hier 2007 vorgestellt hat. Der leider viel zu früh verstorbene Kollege hatte 2018 auch das PCM 96 unter der Überschrift „Lexicons Hall-Flaggschiff“ besprochen.

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Das Lexicon PCM 96.

Schon da findet ihr in den Kommentaren eine Diskussion, die alle einschlägigen Foren bewegt: Spätere Geräte besitzen zwar noch mehr Möglichkeiten – sie klingen aber auch ein wenig beliebiger. Der dichte und warme Lexicon-Sound der 80er Jahre blieb irgendwann auf der Strecke. Wer diesen speziellen Vintage-Sound sucht, erwirbt – so Thorsten Walter 2018 – „ein altes intaktes PCM-70 wenn es Hardware sein und günstig sein soll. Das Teilchen haut mich mit seiner Tiefe, Wärme und dem Charakter auch heute immer noch um.“  In diesem Punkt herrscht in den Foren weitgehend Einigkeit: Das PCM 70 versprüht noch das gute alte Lexicon-Mojo: „Der 70er ist der Lex-Sound mit Biss…Er besitzt auch einen tollen Plattenhall“, meint „Elegentdrum“ auf Gearslutz (noch heißt das Forum ja so). Gerade auch in Abgrenzung zu den später erschienen Serien kann das PCM 70 punkten.

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Neben Concert Hall und den Rich Chamber-Programmen hat das Lexicon PCM 70 auch einen überzeugenden Plattenhall mit an Bord. (Foto: Costello)

„Fantastisch mit analogen Synthesizern“

Laut „Dirty Halo“ besitzt das PCM70 „diesen speziellen Charakter, der von den Modellen 80/81/90/91 und auch später nie wieder erreicht werden sollte.“  In die gleiche Kerbe haut „Africantigercow“ im Januar 2019: „Ich habe PCM 70, 80, 81, 90, 300 und 224 gehabt. Die einzigen, die übrig geblieben sind, sind das PCM 70 und das 224, weil sie etwas leisten, was die Plugins nicht drauf haben. Ich hatte sogar das PCM 70 verkauft, nur um es mir wieder zuzulegen, nachdem ich merkte, dass ich es vermisse…“

Der User „My Studio“ empfiehlt das Gerät speziell den Fans elektronischer Musik: „Das PCM 70 klingt fantastisch mit analogen Synthesizern…Ein Elka Synthex, Jupiter 8 oder CS-80 durch ein Lexicon PCM 70, 224 oder 480L ist einfach nice. Ich finde, die meisten modernen Hallgeräte klingen mit Vintage Synthesizern fürchterlich. Sie killen den Sound und lassen ihn glasig wirken.“

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Das Lexicon PCM 70 veredelt den Klang analoger Synthesizer. (Foto: Costello)

Laurie Anderson: Lexicon PCM 70 als Lieblingsspielzeug

Eine Künstlerin, die damals sofort das Potential des PCM 70 erkannt hat, ist Laurie Anderson. Sie hat den kleinen Lexicon-Hall 1986 auf ihrem vierten Album „Home of the Brave“ eingesetzt. Das Album ist der Soundtrack zu ihrem gleichnamigen Konzertfilm. Im Gespräch mit Music Technology erzählt Laurie Anderson im Juli 1987: „Das PCM 70 gehört zu meinem Lieblingsspielzeug; es hat so viele schöne Eigenschaften. Seine Rich Chamber-Einstellung ist ein wirklich warmer, schöner Sound. So konnte ich die gesamte Filmmusik mit nur diesem Setup machen und war sehr zufrieden damit.“

Stanley Clarke – Hi-Fi-Bass mit warmen Hall

Aber der Hall des PCM 70 veredelt nicht nicht nur Gesang und Keyboardklänge. Auch Starbassist Stanley Clarke ließ sich vom warmen Lexicon-Sound überzeugen: „Nun, die andere Sache, die ich benutze, ist das Lexicon PCM 70 Reverb. Ich mag Lexicon, weil es ein dunkel klingendes Reverb ist. Ich meine, er hat einen warmen Sound. Ich mag sowieso einen warmen Sound am Bass, vor allem was die Effekte angeht. Der Alembic-Bass ist so ein hi-fi klingender Bass. Er ist sehr aufgepumpt, sehr hoch. Es ist einfach ein sehr kraftvoller Sound, weißt du, eine Menge Spitzen, Peaks im Bass…Wenn man das mit dem weichen, warmen Hall kombiniert, hat das einen sehr schönen Effekt.“ (Guitar Center)

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Lexicon PCM 70: Stabiles Metallgehäuse und eine stattliche Tiefe von 35 cm. (Foto: Costello)

Lexicon PCM 70 – Wenn der Kritiker sprachlos ist

Was den PCM 70 Fans heutzutage selbstverständlich scheint, musste bei Markteinführung des Gerätes sich erstmal als Erkenntnis durchsetzen. Das tat es dann auch. Das Studio Magazin schwärmt im Dezember 1985: „Lexicon beweist uns sehr eindrucksvoll, dass es noch besser, noch preisgünstiger und noch kleiner geht.“ Nach einem kurzen Überblick über die wichtigsten Features schließt die Einleitung mit den Sätzen: „Die sich daraus ergebenden Effektmöglichkeiten sind so reichhaltig, so dass man sie in einem Tagestest überhaupt nicht erfassen kann. Ein Verkaufspreis von 7000 Mark und eine Signalqualität ohne Beanstandung tun ihr übriges dazu. Im Prinzip können wir den Testbericht hier beenden, denn das Gerät erzeugt im Tonstudio allgemeine Sprachlosigkeit.“ (Studio Magazin, Dezember 1985)

Tatsächlich folgt dann ein ausführlicher fünfseitiger Test. Aber ein solch vorweggenommenes Fazit las man damals im Studio Magazin auch nicht alle Tage. Der Stil der Zeitschrift galt eher als nüchtern sachlich und die Tester neigten nicht zu dem Geschwurbel, was seinerzeit in einigen anderen Musikermagazinen geboten wurde.

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Dieses Studio hat den Test bestanden: Es hat ein Lexicon PCM 70 im Rack. (Foto: Costello)

Lackmustest für die Studiobuchung

Tatsächlich erreichte das Lexicon PCM 70 eine so große Beliebtheit, dass Sound on Sound noch 1992 – also sieben Jahre nach der Einführung – dem Hallgerät einen langen „Hands on“-Artikel widmete. Der Tester freut sich, dass es im Zeitalter der Wegwerfprodukte immer noch Qualitätserzeugnisse gibt: „Das PCM70 ist, selbst im Vergleich zur modernen Konkurrenz, immer noch ein wunderbares Gerät. Eine Empfehlung nicht nur zum Kauf, sondern auch wenn sie ein Studio buchen wollen. Wird die Frage ‚Haben Sie ein Lexicon Lexicon PCM70?‘ bejaht, dann wissen Sie, dass das Studio, zumindest was das Effekt-Rack angeht, gut ausgestattet ist.“

Butch Vig und der Pelvisman

Und auch heute noch hat das Lexicon PCM 70 seine Fans. Etwa Butch Vig, der Bands wie Nirvana und The Smashing Pumpkins produziert hat. Vor allem ist Butch Vig  aber als Schlagzeuger der US-amerikanischen Alternative- und Hardrockband Garbage bekannt. Seine Meinung zum PCM 70:  „Mein Lieblings-Digitalhall. Ich hatte eine Reihe von selbst erstellten Presets, die ich immer wieder verwendet habe. Pelvisman‘ (benannt nach einem Song von Knerble Knerble) war ein riesiger, heller Hall-Sound mit viel Pre-Delay, und ‚Anti-Pelvis‘ war ein superschneller Gated-Snare-Sound, den ich bei einer Menge Sessions verwendet habe.“ (Reverb: Butch Vig’s 10 Essential Pieces for the Smart Studio Sounds)

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Das Lexicon PCM 70 kostete bei Markteinführung rund 7000,- DM, umgerechnet also knapp 3.600,- Euro. (Foto: Costello)

Damals zu teuer und zu hochgestochen

Als ich vor ein paar Jahren angefangen habe, wieder Vintage-Equipment zu kaufen, stieß ich dabei auf die gleichen Geräte, die mir in den 80er Jahren von eloquenten Verkäufern angedient wurden. Und die ich mir damals beim besten Willen nicht leisten konnte. Eines dieser Effektgeräte war das Lexicon PCM 70. Die Hall- und Effektprogramme klangen großartig. Die seinerzeit einmaligen MIDI-Steuermöglichkeiten des Lexicon PCM 70 hätte ich freilich allenfalls mit dem DX-7 ausreizen können. Die Hallstärke beispielsweise über die Anschlagslautstärke zu kontrollieren, kam mir doch sehr sophisticated vor. Für die aufgerufenen 7000 DM hatte ich damals einen gebrauchten OB-Xa in voller Ausbaustufe, inklusive Midifizierung sowie eine SCI Drumtraks mit Linn-Sounds erworben. Irgendwie stimmten da für mich die Relationen nicht mehr. Weshalb ich dann ja damals auch beim hier bereits vorgestellten Yamaha SPX90 und dem Alesis Midiverb gelandet bin.

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Nicht immer ist die neueste Software auch die gefragte: Beim Lexicon PCM 70 schwören viele auf 2.0 (Foto: Costello)

Auf die Software-Version kommt es an

Als das Lexicon PCM 70 vor einigen Jahren für ein paar hundert Euro angeboten wurde, konnte ich nicht widerstehen. Kaum hatte ich es aus einem Impuls heraus gekauft, begann schon die Zitterpartie. Ich begann mich in diversen Foren einzulesen – und stellte fest, dass es beim PCM 70 anscheinend entscheidend auf die richtige Software-Version ankommt. 2.0 ist die Version, die Hall-Liebhaber in Verzücken setzt. Die spätere 3.0 dagegen liefert zwar einen zusätzlichen Inverse-Room-Algorithmus, den tatsächlich viele Nutzer schmerzlich vermisst hatten.  Aber leider wurden bei dieser Gelegenheit auch die Programme überarbeitet – und die neuen Presets lassen viele kalt. Mit fiebrigen Händen rief ich ebay-Angebote für Chips auf, die die alte Software enthalten und für gerne mal 100 Euro und mehr verlangt wurde. Es gibt wohl kaum zweites Gerät auf dem Markt, bei dem ein „Downgrade“ so gefragt ist. Eine Rückfrage beim Verkäufer des PCM 70 sorgte dann für Entwarnung: „Ne, ne, sei mal unbesorgt. Mein Gerät läuft auf 2.0. Das ‚Tiled Room‘-Preset, auf das alle so scharf sind, ist dabei.“

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Für manche die halbe Miete beim PCM 70: Das Programm „Tiled Room“ (Foto: Costello)

Hallklassiker „Tiled Room“

Der „geflieste Raum“ ist eine Legende, es kommt in unzähligen Foreneinträgen vor. Und es überschattet ein wenig die anderen Vorzüge des Geräts. Auf Gearslutz schreibt User McDingus im Juni 2011 zum PCM 70: „Klingt super. Meistens werden sie jetzt auf ‚Tiled Room‘ eingestellt, seit die Bricastis da sind. Dieses Preset ist einfach der Hammer und wurde bisher von nichts übertroffen.“ Und im PA-Forum beschreibt ein anderer User das Entsetzen des Mixers, falls das Lexicon die „falsche“ Software anzeigt: „Und falls beim Einschalten ‚Version 3.0‘ im Display erscheint: bloß nichts anmerken lassen. Auch wenn klar ist, dass die Effektplanung für diesen Abend streng genommen zunächst einmal als gescheitert angesehen werden muss. Wo parkt jetzt eigentlich der Bus mit dem 4HE Notrack?“

Im Klangbeispiel wird der „Tiled Room“ zunächst eher subtil und später recht plakativ eingesetzt.

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Klassisch schlicht: Die Frontseite des Lexicon PCM 70 bietet eine relativ puristisches Bedienkonzept. (Foto: Costello)

Lexicon PCM 70 – Im Zeichen des Minimalismus

Die Frontseite des PCM 70 ist eher dürftig bestückt. Schon der Tester von Electronics & Music Maker (März 1986) stellte bei Erscheinen des Geräts ernüchtert fest: „Für eine Box, die so viel kann, hat das PCM 70 allerdings relativ wenige Bedienelemente“. Es gibt eine LED-Kette, um die Aussteuerung des Effektgerätes zu kontrollieren. Damit korrelliert ein Input-Knopf, mit dem die Eingangslautstärke geregelt wird. Rechts schließt sich das Display an. Es gibt Auskunft über das jeweils aufgerufene Programm oder die jeweiligen Parameter, die verändert werden können. Zum Navigieren durch Programme und ihre Parameter stehen ein großer gerasteter Encoder (Soft Knob), mit Pfeilen versehene Up-Down-Tasten und ein numerisches Tastenfeld (0 bis 9) zur Verfügung. Die Verarbeitungsqualität des Lexicon ist über jeden Zweifel erhaben: Bei meinem Exemplar prellt kein einziger Taster und der Encoder läuft einwandfrei. Bewegen wir uns auf dem Frontpanel von links nach rechts, folgen vier weitere Tasten.

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Die Aussteuerung des Lexicon PCM 70. (Foto: Costello)

Programm- und Registermodus

„PGM“ steht natürlich für Programm. Eine kleine LED-Lampe im Taster informiert uns, wenn wir den Programm-Modus gewählt haben. Durch die Auf-Abtaster suche ich eine Effektgruppe aus, um dann durch Eingabe der Programmnummer über das Zahlenfeld ein spezifisches Preset auszuwählen. Ganz ähnlich wie wir es beim von mir schon vorgestellten Yamaha SPX90 gesehen haben, muss auch beim Lexicon erst die Load-Taste gedrückt werden, um das Preset scharfzustellen. Eine weitere Taste versetzt das Gerät in den Bypass-Modus. Die vierte und letzte Taste schließlich bringt uns in den sogenannten „Register Mode“. Eine etwas gewöhnungsbedürftige Wortschöpfung, hinter der sich  die User- oder Anwenderspeicherplätze verbergen.  Hier können 50 eigene Variationen der Effekt-Programme abgelegt werden. Die können auch mit eigenen Namen versehen werden, was aber ziemlich umständlich ist. Das Handbuch braucht eine Dreiviertel-Seite, um die Namensvergabe zu erklären.  Na klar, den Einschalter ganz rechts auf dem Frontpanel wollen wir auch nicht vergessen. Eine eigene „Edit“-Taste gibt es übrigens nicht:  Ist weder der Programm- noch der Register-Mode aktiviert, dann befindet sich das PCM 70 automatisch im Editiermodus und gibt uns mit kryptischen Kürzeln à la R RFL DB oder RTL Stop lustige kleine Rätsel auf.

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Wenn das grüne Licht an ist, dann befindet sich das Lexicon PCM 70 im Programm-Modus. Drücken wir die Taste, können wir die Programme editieren. Wichtig: Ein gewähltes Programm muss immer durch Betätigung der „Load“-Taste scharfgestellt werden. (Foto: Costello)

Lexicon PCM 70 – Matrix Reloaded

Wer zum Beispiel vom Yamaha SPX90 kommt, muss sich bei der Organisation der Presets etwas umstellen. Beim Yamaha werden beim Durchsteppen die einzelnen Programme hintereinander angezeigt. Also zum Beispiel „Hall“, „Room“, Plate“ und  „Vocal“. Beim PCM 70 sind die Programme als Matrix organisiert. Es gibt eine „Row“ mit einem übergeordneten Effektprogramm. Und innerhalb dieser „Reihe“ verschiedene Spalten mit Abwandlungen dieses Programms. Das startet mit Reihe 0, die Variationen des Themas „Chorus & Echo“ bietet. Unter 0.0 finden wir „Chorus“, unter 0.1 „Chorus Echoes“, 0.2 „Echo Flange“  und so weiter bis 0.9. Wobei ich mit dem Programmnamen „Corseneco BPM“ erstmal nicht viel anfangen konnte. Reihe 1 stellt uns Multiband Delays zur Verfügung, Reihe 2 “Res Chords“, in Reihe 3 gibt’s die beliebten „Concert Hall“-Programme, Reihe 4  wartet mit „Rich Chambers“ auf (unter 4.2 findet sich der schon erwähnte „Tiled Room“) und Reihe 5 verwöhnt den Hall-Gourmet mit „Rich Plates“. Auf den hinteren Plätzen befinden sich „MIDI-Effekte“ (Reihe 6) und „Controll-Programme“ (Reihe 7).

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Manchmal endet das Aufrufen eines Programms auch mit dieser Meldung. Das PCM 70 schaltet dann aber automatisch zum nächsten verfügbaren Programm um. (Foto: Costello)

Not available – Wenn die Programmkombi ins Leere führt

Das ist wie gesagt ein wenig anderes organisiert, als wir es von anderen Effektgeräten kennen. Doch wenn wir das Organisationsprinzip des PCM 70 einmal verstanden haben, lässt sich damit gut arbeiten. Mit den Up- und Downtasten wählen wir die jeweils nächste Zeile im Display an – oder besser die „Row“ um in der Lexicon-Nomenklatur zu bleiben. Mit den numerischen Tastern bewegen wir uns in der Horizontale und suchen das jeweilige Unterprogramm 0-9 aus. Das kann schon mal mit einer handfesten Enttäuschung enden. Bei den Concert Hall-Programmen ergibt schon die Kombination 3.3 eine Niete. Hier – wie bei allen folgenden Programmen der Reihe – meldet das Display: „not available“.

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Übersicht über die Presets des PCM 70 (Rev. 2)

Und so kommen wir am Ende gerade mal auf 26 Presets (oder 31, wenn wir die Reihe mit den MIDI-Effekten mitzählen). Im „Registermodus“ (Anwenderspeicher) meldet das Display übrigens „Unused“, wenn wir einen noch nicht belegten Speicherplatz aufrufen. Ich finde, das hat Roland etwas benutzerfreundlicher organisiert, indem sie beim SRV 2000 auf den freiprogrammierbaren Speicherplätzen Variationen ihrer Hallprogramme abgelegt haben. So hat man von Anfang eine größere Auswahl und kann dann gezielt einzelne Programme abändern und speichern. Aber da hatte Lexicon vermutlich einen professionelleren Anspruch. Nach dem Motto: Unsere Kunden geben sich ohnehin nicht mit Presets zufrieden.

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Wer das Lexicon PCM 70 das erste Mal anschaltet, erlebt eine Überraschung: Auf dem ersten Programmplatz überhaupt liegt nicht etwa das berühmte „Concert Hall“-Programm, sondern ein Chorus. (Foto: Costello)

Lexicon PCM 70 – Ein Multieffektgerät mit Hallprogrammen

Lexicon hat sein PCM 70 bewusst nicht Reverb getauft, sondern „Digital Effects Processor“. Es handelt sich also um ein Multieffektgerät. Und wer sich nach dem ersten Einschalten und einigen Fehlversuchen (bedingt durch die nicht gerade intuitiv gestaltete Bedienung) endlich zu den Programmen vorgearbeitet hat, wird vielleicht erstmal enttäuscht sein. Eben weil es in den vorderen Reihen keinen Hall gibt. Das ist wohl historisch zu erklären. Auch das 224XL besitzt Chorus- und Multidelay-Programme. Für die Nutzer war es immer etwas frustrierend, dass sie auf die Kernkompetenz des 224XL – fantastischer Hall – verzichten mussten, wenn sie von diesen Spezialprogrammen Gebrauch machen wollten. Deshalb soll Paul McCartney sechs und mehr 224XL für jeweils einen einzigen Mix angemietet haben, wie Curtis Schwartz in seiner PCM 70-Review schreibt. (International Musician and Recording World , Februar 1982)

Das PCM 70 war also vermutlich nicht nur als preiswertes Hallgerät, sondern auch als „Entlastungs-Effektgerät“ für Studios und Nutzer des 224XL konzipiert.

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Die Delay-Sounds des Lexicon PCM 70 sind vorzüglich und bieten durch die Multitaps rhythmische Raffinesse. (Foto: Costello)

Die Chorus- und Echoprogramme – 6 Delays in einem Gerät

Die Chorus- und Echo-Programme bieten zwei Delaylinien mit 432-Millisekunden Verzögerung. Das besondere sind sechs „Taps“, also Möglichkeiten, das Delay abzugreifen. Jedes Delay besitzt seinen eigenen Parametersatz für den Pegel, Feedback, Chorus (inklusive der Wellenformen und Effektintensität), Panorama und natürlich die Delay Time. Die erzeugten Chorus- und Flanger-Effekte sind durchaus subtil und hervorragend geeignet, Vocals, Gitarren oder Keyboards zusätzliches Leben einzuhauchen.

Die Multiband-Delay-Programme haben ähnliche Parameter wie die Chorus- und Echoprogramme, liefern aber mit 936 Millisekunden eine mehr als doppelt solange Verzögerung. Das macht sie zu geeigneten Kandidaten für klassische Repeat-Echos. Jedes der sechs Echo-Linien verfügt über eigene Low und High Cut-Filtern. Besonders interessant: Neben Millisekunden können in den Unterprogrammen alternativ auch „Beats per Minute“ eingestellt werden. Ein großer Vorteil bei der Arbeit mit Sequenzern und Drummachines.

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Die Parameter-Matrix für die Chorus- und Echoprogramme. Lexicon hat sich Mühe gegeben, in einem „Two Minute Tutorial“ einige grundlegende Funktionen des PCM 70 anschaulich zu erklären.

Kreisende Delay-Sounds für David Gilmour

Ein Fan der Echoprogramme war früher Pink Floyd-Gitarrist David Gilmour, berichtet sein langjähriger Gitarrentechniker Phil Taylor in einem Interview mit Guitar World: „Er benutzt auch einen Lexicon PCM 70, um die kreisförmigen Delay-Sounds zu speichern, die man in Songs wie ‚Shine On‘ und ‚Time‘ hört. Da es über eine Multi-Tap-Funktion verfügt, kann es ziemlich genau die Art von Echo duplizieren, die Dave früher mit seinem alten Binson-Echogerät erzielte. Ein t.c. electronic 2290 ist sein primäres Delay – es ist das, was er für die meisten Dinge benutzt.“ (Welcome to the Machines)

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Auf die „Resonant Chords“-Programme war Lexicon seinerzeit sehr stolz. (Foto: Costello)

Resonant Chords – Wenn der Drumcomputer Banjo spielt

Besonders stolz war Lexicon damals auf die „Resonant Chord“-Programme, die zuerst im 224XL vorgestellt wurden. Es handelt sich um spezielle Kammfilter-Effekte, die – und das ist das eigentlich besondere – in musikalisch sinnvollen Intervallen gestimmt sind. Auf jeder der sechs Delay-Linien wird eine eigene Resonanz erzeugt. Dabei können Pegel, Tonhöhe, Resonanz, Pre-Delay, die Position im Stereo-Panorama, der Feedback-Pegel und eine Hochfrequenzabsenkung, separat für den linken und rechten Kanal, geregelt werden. Es ist auf diese Weise möglich, mit einem Drumcomputer Arpeggien zu erzeugen. Ja – ein einzelner Schlag auf die Snare kann harmonisch aufgefächert werden.

Der Effekt funktioniert besonders gut bei Percussion-Instrumenten. Bei Synthesizern und Gitarren ist die Wirkung nicht ganz so stark. Das lässt sich anhand des dritten Beispiels überprüfen, wo ich an einer Stelle einen metallisch-glockigen Klang verwende. Lexicon spricht hier von „bestimmten Tönen, die ätherisch im Hintergrund auftauchen“.  „Diese Programme zeichnen das PCM 70 als ‚digitalen Echtzeit-Resynthesizer‘ aus“, schwärmt Mark Badger in seinem Test in Sound on Sound im Dezember 1987.

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Was wirklich großartig am Lexicon PCM 70 ist: die Möglichkeit, Effekte per BPM genau mit Drummaschinen und Sequenzern zu synchronisieren. (Foto: Costello)

Die günstige Alternative zum Übervater 224?

So faszinierend die „resonanten Akkorde“ damals gewesen sein müssen – heute interessiert mich als PCM 70-Anwender in allererster Linie die gebotene Qualität der Hall-Programme. Die Namen „Concert Hall“, „Rich Chamber“ oder „Rich Plate“ wecken natürlich sofort die süßesten Assoziationen an die große 224-Reihe. Und tatsächlich wird das PCM 70 gerne als günstige Alternative zum berühmten Lexicon 224 bzw 224 X genannt. So schreibt Matthias Fuchs 2007 in Sound & Recording: „Der Grund für die bis heute andauernde Beliebtheit liegt sicher nicht zuletzt darin begründet, dass man dem PCM 70 (und natürlich seinem großen Bruder, dem 480 L) den ‚klassischen‘ Lexicon-Sound des ‚Übervaters“ 224 attestiert.“

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Das PCM 70 basiert auf entschärften Algorithmen des 224 bzw. 224X (Foto mit freundlicher Genehmigung von psv-ddv)

Entwarnung an 224X-Besitzer

Hier gab aber seinerzeit das Studio Magazin Entwarnung: „Zwar sind die Programme des PCM aus denen des 224 X abgeleitet, klingen auch ähnlich, haben ähnliche Parameter-Beeinflussungsmöglichkeiten, doch stellt man deutlich fest, dass zwei unterschiedliche Rechner am Werk sind. Eine Konkurrenz für das 224 X aus dem eigenen Lager gibt es also nicht.“  Für den nun vielleicht etwas ernüchterten PCM 70-Käufer wird gleich ein Bonbon nachgeschoben: „Da die Programme des PCM 70 allerdings aus gleicher Software-Feder stammen und vermutlich ‚nur‘ an die geringere Rechnerkapazität des PCM 70 angepasst wurden, kann man hinsichtlich der Signalqualität einiges erwarten, was sich im Verlaufe des Tests auch bewahrheitete.“ Da hatte jemand ein wahrhaft salomonisches Urteilsvermögen.

Lexicon PCM 70 – Der Lexichip

Beim PCM 70 setzte Lexicon erstmalig „customized chips“ ein. Zwei dieser „Lexichips“ übernahmen den größten Teil der Audiobearbeitung. (vergl. Sound & Recording) Auf der Seite von Studio Repair gibt es dazu ein Foto mit einem Blick in das PCM 70 von Karl Bartos. Die hübsche Bildüberschrift: „this is the place where Lexicon’s algorithms are forged into silicon…“ Für die Analog/Digital-Wandlung setzte Lexicon auf Burr-Brown 16-Bit-Konverter.

Der Frequenzgang des Lexicon PCM 70 reicht bis 15 kHz, was für einen klaren und sauberen Nachhall sorgt mit dem Lexicon-typischen weichen Klangcharakter. Da scheppert und klingelt nichts. Der von Lexicon selbstbewusst mit 80 dB angegebene Dynamikumfang kam den Testern des Studio Magazins freilich etwas zu hoch gegriffen vor. Ihre Messungen ergaben 68 dB oder besser bei den Hallprogrammen, respektive 72 dB oder besser bei den Effekten.

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Für viele wohl heute noch der Hauptgrund, ein PCM 70 zu erwerben: die legendären Lexicon-Hallprogramme. (Foto: Costello)

Lexicon PCM 70 – Die Hallprogramme

Die Concert Hall-Programme bieten einen vergleichsweise natürlich klingenden Hall und vermitteln ein starkes Gefühl von Räumlichkeit. Die Rückwurfdichte der Hallreflexionen ist eher gering. Der Concert Hall ist die ideale Wahl für Orchester-Musik oder elegische Synthesizerlinien à la Vangelis. Er ist auch bestens geeignet, die verschiedenen Spuren eines Mixes in einen musikalischen Kontext zu stellen. Es sind subtilste Eingriffsmöglichkeiten in den Hall möglich. Die Konzert-Hall-Programme können auch mit einem Chorus zur Modulation der Hallfahne versehen werden. Den kompletten Parametersatz für die Hall-Programme habe ich weiter unten beschrieben.

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Die Rich Chamber-Programme des Lexicon PCM 70 stehen hoch im Kurs. „Ein wirklich warmer, schöner Sound“, urteilte Laurie Anderson. (Foto: Costello)

Die „Rich Chamber“-Programme reproduzieren die Hallcharakteristik kleinerer Räume. Die Reflexionen bauen sich schnell auf, insgesamt ist der Klang etwas höhenbetont.  Auf eine stärkere Färbung der abklingenden Hallfahne wurde verzichtet. Die Rich Chamber-Programme sind angenehm unaufdringlich und empfehlen sich für viele Anwendungen – vor allem auch für die Verhallung von Stimmen. Hier finden wir aber auch den berühmten „Tiled Room“, der Drums gut zu Gesicht steht.

Die „Rich Plates“ sind von der Klangfärbung eher hell, mit einer relativ hohen Anfangsstreuung und einer charakteristischen Färbung. Das alles macht sie zu hervorragenden Kandidaten, um perkussives Klangmaterial zu bearbeiten.

Die Software-Version 2.0 bietet Gated Reverb und auch „Infinite Reverb“ – also „unendlichen Hall“ an. Allerdings keinen „Reverse Hall“ – der kam erst ab Revision 3.0 dazu.

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Das Lexicon PCM 70 bietet auch „unendlichen Hall“ (Foto: Costello)

Lexicon PCM 70 – Im Parameter-Dschungel

Das Lexicon PCM-70 bietet 50 Speicherplätze, die der Nutzer mit eigenen Schöpfungen füllen kann. Und da ihm hierfür eine riesige Anzahl von rund 70 (!) verschiedenen Parametern zur Verfügung steht, wird es mit dem PCM-70 garantiert nicht schnell langweilig. Da mögen dem einen oder anderen Hallfetischisten heilige Schauer den Rücken hinunterrieseln, ob der dargebotenen Fülle. Und andere – wie mich – das gelinde Entsetzen packen. Hier gilt für die Entwickler wirklich der Satz „Wie man es macht, macht man es falsch“.

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Mit dem Soft Knob navigiert man durch den Parameter-Dschungel. (Foto: Costello)

Mach hin, die Band will essen gehen!

Beim Yamaha SPX90 konnte ich milde herablassend die sehr übersichtliche Parametisierung belächeln. Die allerdings jederzeit selbsterklärend war. Beim PCM 70 komme ich angesichts meist kryptischer Abkürzungen nicht ohne vertieftes Handbuch-Studium aus. Das Roland SRV-2000 scheint hier einen – wenigstens für mich – guten Mittelweg gefunden zu haben: Eine ausreichende Parametisierung, die unmittelbar zugänglich ist. Und dazu ein separat anwählbares „Further Level“, das weitere verfeinerte Einstellungsmöglichkeiten anbietet.

Für den Livegebrauch muss es ohnehin schnell und einfach gehen, wie ein User im PA-Forum berichtet: „Denn so sieht’s ja meistens tatsächlich aus: ‚Plate‘ oder ‚Vocal 2‘? ‚Gymnasium‘ oder ‚Concert Hall‘? Könnte man nicht auch aus ‚Rich Plate‘ was Schönes basteln? Egal. Mach hin, die Band will essen gehen.“

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„Gymnasium“ gehört zu den bekannten Hallprogrammen des Lexicon PCM 70. (Foto: Costello)

Die Hallparameter – Oder: Wie vergraule ich zuverlässig meine Leser

Um zu zeigen, dass ich nicht übertreibe, habe ich hier beispielhaft die zwei Dutzend Parameter zur Feinjustierung der Hallprogramme einmal zusammengetragen. Natürlich nicht als stupide Auflistung, sondern mit entsprechenden Anmerkungen. Ihr müsst die Parameter ja nicht alle benutzen. Aber kennen solltet ihr sie schon. Ganz ehrlich: Wer darauf keinen Bock hat, für den ist das PCM 70 vielleicht doch das falsche Gerät ;)

Attack: Soll der Sound förmlich explodieren, oder sich lieber allmählich aufbauen? Attack regelt, wie heiß die erste Reaktion auf ein Eingangssignal ausfällt. Genau gesagt die ersten 50 Millisekunden.

Report Lexicon PCM 70 Multieffektgerät

Lexicon ist dafür bekannt, dass die Hallfahnen auch moduliert werden können. (Foto: Costello)

Chorusing: Bringt ein Zufallselement in die Verzögerungszeiten, gibt dem Klang über Modulationen Fülle und soll ihn weniger metallisch erscheinen lassen. Eher in homöopathischen Dosen einzusetzen, da es andernfalls zu hörbaren Tonhöhenschwankungen kommt.

Decay Optimization: Das ist ein Parameter, der schon vom Lexicon 224 und 224x bekannt ist: In Abhängigkeit vom Eingangspegel wird die Programm-Charakteristik geändert, um das Ausklingen des Halls natürlicher zu gestalten. Fair warning: Wenn der Hall zu knacksen beginnt, lieber ausstellen.

Definition: Dieser Parameter ist eigentlich das Gegenstück zu „Attack“: Er steuert die Hall-Charakteristik beim Ausklang. Ein hoch gewählter Wert führt zu abgehackten Ergebnissen, eher niedrig angesetzt erreichen wir „distinct, repetitive echo trails“, wie es verheißungsvoll im Handbuch heißt.

Diffusion: Dieser Parameter steuert die Dichte der Echos. Ein Parameter, den Billigheimer wie das Yamaha SPX90 zum Beispiel nicht anbieten, wohl aber das Rev7.

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Das Lexicon PCM 70 ist sicher nicht unterparametisiert. Da sind Makros wie zum Beispiel Delay Master eine Hilfe. (Foto: Costello)

Mit Makros durch die Parameter-Flut navigieren

DLY MST (Delay Master): Wirkt gleichzeitig auf die Verzögerungszeiten aller frühen Reflexionen ein. Solche Makros (vergleiche auch etwas weiter unten „Level Master“) erleichtern die Arbeit mit dem PCM 70 ungemein.

Gate: Bestimmt die Zeitverzögerung, bevor der Nachhall abrupt abgestoppt wird (Gated Reverb).

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Selbstverständlich bietet das Lexicon PCM 70 auch „Gated Reverb“, ohne den in den 80er kein Hallgerät anzutreten wagte. Reverse Reverb bietet allerdings erst Rev 3.0. (Foto: Costello)

HC (High Frequency Cut-Off):   Ein 6dB/Oktave-Tiefpass-Filter, der hohe Frequenzen bedämpft, um einen natürlicheren Hall zu erzielen.

L RFL DB (Left Early Reflection Levels): Ja, jetzt müssen wir uns mit den Abkürzungen schon auskennen: Hier kann der Pegel der einzelnen frühen Reflexionen im linken Kanal eingestellt werden. Unter der selbsterklärenden Bezeichnung R RFL DB  gibt’s das Ganze  dann noch mal für den rechten Kanal.

L RFL MS (Left Early Delay Time): Hier wird für die frühen Reflexionen die Verzögerungszeit  in Millisekunden  (dafür steht MS) programmiert.  Auch hier nicht den rechten Kanal vergessen. Der entsprechende Parameter heißt R RFL MS.

LVL MST (Level Master): Ein weiteres Makro: Es ermöglicht das gleichzeitige Ändern der Pegel der frühen Reflexionen, ohne das Verhältnis zwischen den einzelnen Reflexionen zu verändern.

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Beim Einschleifen in einen Mixer wälhlt man ein Mixverhältnis von 100 % „wet signal“. (Foto: Costello)

Mix: Regelt das Verhältnis von trockenem und verarbeitetem Signal. Wenn das PCM-70 in einen Mischer eingeschleift wird, sollte der Wert auf 100% „wet“ eingestellt sein. Wird das Lexicon hinter ein Instrument gehängt, empfiehlt sich ein Wert zwischen 45-65%.

PDelay (Predelay): Hier justieren wir die Zeit zwischen dem Eingangssignal und dem Einsetzen des Nachhalls.

Reverb Time: Bin ich froh, dass es bei einem so ausgefuchsten Gerät auch einen Parameter gibt, den ich ohne Tonmeisterstudium verstehe – die Nachhallzeit!!!

RT HC (Reverberation Time High Frequency Cut-Off): Legt die Frequenz fest, oberhalb derer Klänge zunehmend schneller abklingen. Dazu gibt es noch RT Low als Spezialist für die tiefen Frequenzen, und RT Mid, weil wir die Mitten auch nicht stiefmütterlich behandeln wollen.

Lexicon_PCM70_Gymnasium

Das Lexicon PCM 70 leidet nicht unter zu wenigen Parametern. Und manchmal wecken die kryptischen Abkürzungen lustige Assoziationen. (Foto: Costello)

RTL Stop – Und was ist mit SAT1 und Pro7?

RTL Stop: Das ist keine Initiative, die sich für die Einstellung von Privatfernsehsendern einsetzt. Die Abkürzung steht für Low-frequency stopped Reverberation Time. Die Hallstopzeiten für tiefe und mittlere Frequenzen (RTM Stop) verfeinern die Gated Reverb-Effekte und erlauben eine individuelle Steuerung der Nachhallfrequenzen.

Room Size: Kleine Butze oder Kölner Dom. Hier wählen wir die Raumgröße, die längste Abmessung in Metern.

Xover (Cross Over Frequency): Damit stellen wir die Frequenz ein, bei der der Übergang von der Nachhallzeit für tiefe Frequenzen zur Nachhallzeit für mittlere Frequenzen erfolgt. Solche Feinheiten mit Akribie zu justieren – hier trennt sich die Spreu vom Weizen, der schnöde Presetnutzer vom wahren Connaisseur :)

Report Lexicon PCM 70

Der Lexicon MRC – MIDI Remote Controller (Foto: Timm Brockmann)

Lexicon MRC – MIDI Remote Controller

Eine Erwähnung wert ist die MIDI-Kontrollbox MRC, die ich freilich selbst nicht besitze und deshalb auch nicht getestet habe. Deshalb darf ich euch den Artikel von Timm Brockmann ans Herz legen, der sich den Controller im Zusammenhang mit den Lexicon-Geräten LXP-1 und LXP-5 angesehen hat. Mit vier Slidern und vier Tastern können verschiedene Effekt-Parameter live getweakt werden. Unterstützung bietet dabei das zweizeilige Display, das Übersicht über vier verschiedene Parameter gibt.

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MIDI-Out in MIDI-In: Die MIDI-Fernbedienung MRC und das Lexicon PCM 70 sind schnell verbunden. Der MRC lässt sich übrigens auch mit einem Yamaha DX-7 verwenden.

Für das PCM 70 können 32 Setups gespeichert werden, von denen zehn Favoriten auf Performance-Speicherplätzen abgelegt werden können. Wichtig ist, dass die Box nur mit einem PCM 70 funktioniert, das mindestens Rev 2 besitzt. Da sich Rev 2.0 und 3.0 beim Lexicon PCM 70 recht stark in den Preset-Programmen unterscheiden, wirkt sich auch auf die Arbeit mit dem MRC aus. Das MRC-Handbuch spricht von „signifikanten Unterschieden im Verhalten“. Die Latenzwerte des MRC bezeichnet Timm Brockmann als akzeptabel.

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Das Lexicon PCM 70 bietet nur einen Eingang. Wie zu erwarten, gibt es Fußtaster für Bypass und Presetumschaltung. (Foto: Costello)

Lexicon PCM 70 – Die Anschlüsse

An dieser Stelle bietet es sich an, uns die Rückseite des Lexicon PCM 70 anzusehen. Links an der Rückseite befindet sich die Buchse für das separate Stromkabel. Auf der rechten Seite liegen ein einzelner Audioeingang und zwei Ausgänge – alles als Klinkenanschlüsse ausgeführt. Der Verzicht auf XLR-Buchsen und Stereoeingänge zeigt, dass das PCM 70 von Lexicon als Budget-Gerät betrachtet wurde. Es gibt allerdings – sowohl für den Eingang, wie für die Ausgänge – eine Möglichkeit die Empfindlichkeit einzustellen: -20 dB und +4 dB stehen zur Auswahl.  Neben dem Audioeingang befinden sich zwei Eingänge für Fußschalter: Mit einem wird das Gerät in den Bypass versetzt, mit dem anderen können die Presets weitergeschaltet werden. In der Mitte prangt das MIDI-Trio In, Thru und Out. Und darunter zeigt eine Beschriftung, dass es damit etwas besonderes auf sich hat: LEXICON DYNAMIC MIDI. Und damit sind wir bei einem Feature angelangt, welches das PCM 70 als Effektgerät damals einzigartig gemacht hat: Dynamisches MIDI.

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Das MIDI-Trio wurde von Lexicon mit der verheißungsvollen Unterschrift Dynamic MIDI versehen. (Foto: Costello)

Lexicon PCM 70 – Dynamisches MIDI

Dynamisches MIDI erlöst das Effektgerät aus der Sphäre schnöder Programmwechselbefehle. Es erlaubt in Echtzeit die Kontrolle von bis zu zehn verschiedenen Parametern eines ausgewählten Programmes durch einen Synthesizer oder anderen MIDI-Controller. Dabei können die Bedienelemente frei zugeordnet werden: Es ist also zum Beispiel möglich, über das Modulationsrad des Synthesizers das Panorama eines Effektklangs zu verändern. Mit dem Pitch-Rad die Resonanz Chords zu beeinflussen. Oder mittels einer abschlagsdynamischen Tastatur die Nachhallzeit zu steuern. Der Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt. Im Beispiel habe ich per Mod-Rad einen E-Pianoklang mit endlosem Hall versehen, über den ich mit einem Piano-Sound weiterspiele.

Was 1986 bahnbrechend war, ist im Licht der Automatisierungsmöglichkeiten einer modernen DAW, die den nuanciertesten  Einsatz von Effekten zu jedem Zeitpunkt in einem Song erlauben, vielleicht keine „unique selling proposition“ mehr. Auch die „Resonant Chords“ wären heute kein vorrangiges Argument für mich für den Erwerb eines Lexicon PCM 70. Es ist tatsächlich dieser wunderbar warme Lexicon-Hall, den man jenseits der teuren Legenden der Firma nirgends wird billiger finden können. Und Plug-ins stellen keine wirkliche Alternative dar. Alan Wilder hat das Lexicon PCM 70 mit seinem Projekt Recoil 2006 auf SubHuman eingesetzt. Sound & Recording zitiert ihn mit den Worten: „Hall stammt fast ausschließlich aus meinem alten PCM 70. Ich finde, es gibt bisher kaum wirklich befriedigende Hall-Plug-ins, zumindest standen mir keine zur Verfügung. Wir haben immer das PCM 70 genommen, die Aufnahmen hinterher ein wenig ,gereinigt‘, und das klang gut!“

Lexicon PCM 70 – Music never dies

Was fehlt noch? Richtig! Bisher hatten wir noch kein Beispiel mit Stimme, deshalb an dieser Stelle der obligatorische Costello-Song.  „Music never dies“ setzt eine Reihe von PCM 70-Effekten ein. Die Stimme wurde mit dem „Rich Chamber“-Programm verhallt und das Schlagzeug in den „Tiled Room“ gestellt. Auf den Gitarren liegt ein Echo, das auf 120 BPM eingestellt wurde. Das E-Grand Piano bekam einen Hauch „Concert Hall“, der „Small Room“ verleiht im Background dem Prophet 5  und der Chorus-Echoeffekt der Akustik-Gitarre etwas Räumlichkeit.

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Immer noch eine klare Empfehlung: das Lexicon PCM 70. (Foto: Costello)

 

 

 

 

 

Fazit

Das Fazit kann ich dieses Mal kurz halten: Das Lexicon PCM 70 ist eine qualitativ hochwertige und bezahlbare Alternative zu den altehrwürdigen Lexicon-Hallklassikern. Während diese nie wirklich billig waren und inzwischen für mehrere tausend Euro angeboten werden, ist das PCM immer noch erschwinglich. Dass es intuitiv und einfach zu bedienen wäre, wird wohl niemand ernsthaft behaupten. Wer seinen eigenen Hall-Sound kreieren möchte, der muss sich schon in die Matrix begeben. Und hoffen, dass er nicht zweimal hintereinander die selbe Katze sieht. Hall-Plug-ins können eine Menge Prozessorleistung fressen. Dem lässt sich mit dem Lexicon PCM 70 wunderbar entgegenwirken – und es klingt auch noch besser. Es gibt viele digitale Effektgeräte aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhundert. Manche davon mögen heute obsolet geworden sein. Das PCM 70 ist dagegen immer noch eine lohnende Anschaffung –  dreieinhalb Jahrzehnte nach seiner Markteinführung.

Plus

  • Klassischer Lexicon-Hall
  • weitreichende Parametisierung
  • Ausgefuchste MIDI-Steuerung

Minus

  • Bedienung nicht sehr intuitiv
  • Mono-Eingang

Preis

  • 700 - 800,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    rotomtom

    Hallo costello, wunderbarer Artikel, vielen Dank :)!
    Frage: das PCM 91 hat ebenfalls ein Preset Namens „0.9 Tiled Room“. Ist das vergleichbar mit dem beschriebenen Preset des PCM 70 mit OS 2.0?
    Beste Grüße

    • Profilbild
      costello  RED

      Hallo rorotom, danke für Dein nettes Feedback. Zu Deiner Frage lautet die Antwort „Jein“ Lexicon schreibt selber in einem Prospekt zu den Produkten PCM 81/91: „We have also included updated versions of classic Lexicon effects such as Tiled Room and Concert Hall.“ Das PCM 91 ist ja ein Monstergerät mit 450 Presets und lässt das PCM 70 an Vielfalt sicher arm aussehen. Da gibt es ja eigene Programme für ein Fender Rhodes oder Gitarren, während das PCM 70 da eher ein ungeschliffener Diamant ist, mit nur ein Handvoll Presets, die man sich selbst zurechttweaken muss für die jeweilige Anwendung. Ich habe – weil ich die verschiedenen Hallgeräte von Lexicon leider nicht selbst vergleichen kann – sehr ausführlich aus Gearslutz und anderen Foren zitiert, wo User diesen Vergleich ziehen konnten, weil sie diese Geräte selbst nebeneinander besessen haben. Und da scheint es so zu sein, obwohl auch bei den neueren Geräten grundsätzlich auf die bekannten Algorithmen zurückgegriffen wurde, dass dem Klang am Ende etwas von der Wärme und Dichte des PCM 70 fehlte. Allerdings wurde mir von einem früheren Amazona-User, der sich mit Hallgeräten ähnlich gut auskennt wie unser swissdoc auch das PCM 80/81 ans Herz gelegt. Das wäre also vielleicht nochmal eine Sünde wert.

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        swissdoc  RED

        PCM80 ist schick und bietet im Wesentlichen die Algorithmen des PCM70, allerdings hat Lexicon in keinem Gerät 1:1 identischen Code drinnen, man will dem Kunden ja etwas neues verkaufen. Das PCM80 bietet leider einen eher langweiligen Hall, die Modulationen sind nicht so charmant.

        Wer Interesse und die nötige Zeit hat, lese sich durch den Thread bei den ehemaligen Schlampen „Lexicon reverbs: a brief bestiary“
        https://bit.ly/2R7qeFt

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          costello  RED

          Hi Swissdoc, gut dass Du „ehemalig“ schreibst, jetzt sehe ich es auch: Die haben sich inzwischen tatsächlich umbenannt in Gearspace. Als ich Anfang April die Zitate zusammensuchte, war es noch der alte Name, der sich auch oben in meinem Text findet. Da bitte ich um Nachsicht :)

    • Profilbild
      ach herrjemine  

      Hallo rototom, zu Deiner Frage ein klares Nein.
      Das PCM90/91 klingt grundsätzlich etwas anders als die klassischen Lexicon Hallgeräte, da es ebenso wie später das PCM96 und das „PCM Native bundle“ den Versuch der Firma Lexicon darstellt sich von den Algorithmen des Dr. David Griesinger unabhängig zu machen. Die Forschungsarbeit von Dr. Griesinger bildete beginnend beim Lexicon 224 die Grundlage für den klassischen Lexicon Hallklang und fand Ihren finalen Höhepunkt im Lexicon 960L bzw. den auf dieser hardware basierenden „LARES“ Systemen zweiter Generation zur Unterstützung der Raumakustik von Konzerthäusern.

  2. Profilbild
    Anthony Rother  AHU

    Hi Costello,
    ein super toller Artikel. Eine schöne Reise durch alle Informationsquellen mit schönen Zitaten, schönen Bildern und tollen Soundbeispielen.

    Bin jetzt so inspiriert und werde sofort ins Studio gehen :-)
    Was fehlt? Im moment fehlt mir eine PCM70 …hahaha :-)
    Wenigstens mal bei Kleinanzeigen schauen.
    Vielen Dank für deinen tollen Artikel.

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      AMAZONA Archiv

      Hohl dir das nightsky…das beste was ich kenne..das Lexikon 300 larc .hat keine Chance…nur meine Meinung..lg

    • Profilbild
      costello  RED

      Vielen Dank Anthony! Ich wünsche Dir eine inspirierende Zeit im Studio. Und das PCM 70 ist tatsächlich toll. Ich könnte mir vorstellen, dass Du auch mit den „Resonant Chords“-Programmen etwas anzufangen wüsstest :)

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        Anthony Rother  AHU

        Danke.
        Resonant Chords kenne ich aus meinem Eventide H8000 und war jetzt sehr erstaunt das dieser Algorithmus im Original aus dem PCM70 ist.

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    AMAZONA Archiv

    Nein..das 91 ist ein gutes Plug in .das 60er 70er Leben…nur meine Meinung..lg…

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    Jante Loven  

    Gratulation zu diesem tollen Test. Ich habe selbst ein PCM 70 mit der 2.0 Firmware (haha ;) und kann alle Eindrücke nur bestätigen.
    Ich war schon öfter kurz davor es zu verkaufen, aber es sitzt weiter in meinem Rack und lächelt mich freudig an, obwohl ich es nur noch sehr selten benutze – meist nur um dem Sänger einen Hall auf seinen Kopfhörermix zu geben :(

    Ich arbeite auf der Klangerzeuger-Seite fast nur noch ITB und mir ist es einfach zu viel Aufwand, das PCM 70 in den DAW-Workflow einzubinden.

    • Profilbild
      costello  RED

      Danke Jante Loven! Ein PCM 70 für den Kopfhörer-Mix benutzen – das klingt ja fast schon nach Gnadenbrot für so ein schönes Teil. Aber ich kann absolut nachvollziehen, was Du meinst. Ich habe in meiner Wohnzimmer-Studioecke bisher noch keinen überzeugenden Workflow für die Einbindung meiner Effektgeräte gefunden und bin vor jedem Report immer am Umräumen und Umstöpseln. Aber der Klang von 80er Jahre-Outboard ist (meist) schon sehr schön.

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      TobyB  RED

      Hallo Jante, so schwierig ist das nun nicht. https://bit.ly/2RAEBSG , der härteste Teil dürfte das Setup sein. Mein Setup sieht ähnlich aus, nur arbeite ich mit Motu und 2 Macs und iPad. Was man in diesem Setup auch mache ist an geeigneter Stelle mit verschiedenen Kompressoren arbeiten, was z.B der Dynamik eines PCM 70 sehr gut tut. Flexibilität gibt es dann ganz oldschool mit Patchbays. Hier ist dann systematisches Arbeiten Pflicht oder ein Setup für alles. Für mich funktioniert das sehr gut, so kann gleichzeitig den Multirack roh in die DAW spielen und hab den Rough Mix in der anderen DAW. Wenn ich nicht rumschlampe hab ich so in einer Session alles im Kasten und muss dann nur noch den Rough Mix fertigstellen. Wo ich dann nur noch EQing, Dynamik und Broadcast ready gemacht wird. Zeitlich ist für mich wesentlich aufwändiger die unterschiedlichen LUFS der Digitalportale richtig zu bedienen.

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        costello  RED

        Schöner Link Toby, zur dort gestellten rhetorischen Frage “ Schon mal ein professionelles Studio mit 24 mal Lexicon 480L gesehen? Nein!“ möchte ich allerdings Paul McCartney anführen, der scheint mit einem halben Dutzend 224 bewaffnet ja schon in die Richtung marschiert zu sein :)

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          TobyB  RED

          Hat jemand schon mal Paul McCartney im Tonstudio gesehen? :-D Auf der anderen Seite, auf Arte TV lief die Tage eine Doku über Kate Bush, die hatte 3 AMS Reverbs und mehr als 4 Distressoren hinter sich im Rack ganz unten dann der Fairlight. Da bevorzuge ich doch auf dieser Webseite, in der Kategorie Famous Racks, das Modell Hugh Padgham. Allzuviel fehlt mir da nicht mehr ;-) Den Boss Super Chorus CE300 an der Stelle im Rack macht Sinn. Eben so wie zum Ende die Roland Quadriga durch LA-2A und WA76. Und mit Yamaha dezent Wasabi geben. Ich würd es so machen ;-)

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        Jante Loven  

        Danke für den link. Das hat mich tatsächlich auf ein paar neue Idee gebracht. Ich benutze als Audiointerface das RME Fireface UFX+, da könnte ich tatsächlich das Lexicon direkt einbinden.
        Als externen Effekt in Ableton finde ich das immer mit großen Einbußen im Workflow verbunden.

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          TobyB  RED

          Hallo Jante, externe FX sind in Ableton wie Kreuzweh. Ich habe zwar Ableton, komme aber mit der Akai Force besser klar. Für mich integriert sich das besser in den Workflow. Und von Logic, Mainstage und Garageband kriegt man mich nicht mehr los, wenn es um den Mixdown oder Vorproduktion geht.

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    Analog Twin  

    Wahnsinnig toll, die Begeisterung und ‚Liebe‘ für dieses Gerät ist in diesem ausführlichen Artikel in jedem Satz zu spüren.
    So kann das gerne weiter gehen, ein schöner Start in den Tag mit AMAZONA, danke!

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      costello  RED

      Danke Analog Twin, wenn etwas von meiner Begeisterung für das PCM 70 rübergekommen ist, freut mich das sehr. Das ist ein Effektgerät, das – wenn man bereit ist ein bisschen Zeit fürs Tweaken dranzugeben – wirklich eine absolute Empfehlung ist :)

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    iggy_pop  AHU

    Es würde mich brennend interessieren, ob das PCM70 für die Hallräume auf „Within the Realm of a Dying Sun“ von Dead Can Dance verantwortlich zeichnet, oder ob das doch ein 224 war.

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    Herr_Melin  

    Großartig, danke – SO müssen gute Fachartikel geschrieben sein! Und tatsächlich suche ich seit Jahrzehnten nach einem ähnlichen Hall. Jetzt weiß ich, worauf ich sparen muss ;-)

    Was mich allerdings wundert: ich meine, das sind dich bloß Algorithmen. Wieso kann man die nicht nehmen und in modernere Effektgeräte implantieren? Das sind doch keine Schaltungen mit ihren analogen Unwägbarkeiten, sondern Rechenvorschriften. Da sollte es doch egal sein, ob die ein Steinzeit-Chip abarbeitet oder ein moderner Signalprozessor? Hab ich nie verstanden.

    • Profilbild
      ach herrjemine  

      Das ist ein sehr komplexes Thema. Ich versuche das mal stark vereinfacht zu beantworten.

      1. Die alte Hardware nutzt im allgemeinen keine CPU zur Berechnung sondern ein Netzwerk von spezialisieren Einzelprozessoren, und Logikbausteinen. Das führt zu anderem Timingverhalten und anderen Rundungen/Fehlern bei der Berechnung der Echtzeitaufgaben.

      2. Die Algorithmen lassen sich aus oben genanntem Grund nicht 1:1 auf eine moderne CPU portieren.

      3. Die originalen Quellcodes der Algorithmen sind teilweise nicht mehr auffindbar (Lexicon) und lassen sich nicht oder nur mit immensem Aufwand aus den alten Geräten extrahieren.

      4. Die alten Wandler und Analogstufen erzeugen im Zusammenhang (Taktung) mit den Schwächen/Stärken der spezifischen Rechenhardware einen eigenen Klang.

      • Profilbild
        ach herrjemine  


        5. Die Algorithmen wurden damals von der Creme de la Chreme aus Forschung und Militärtechnologie (MIT, Silicon Valley, BEL Labs, etc. ) in Zusammenarbeit mit hochbezahlten Profis aus der Musikindustrie entwickelt und genau auf die Klangeigenschaften der Hardware abgestimmt.

        Heute ist die Musikindustrie nicht mehr in der Lage die Umsätze für solche Entwicklungsarbeiten zu generieren. Solch hochkarätige Mitarbeiter gehen heute zu Google Tesla oder Apple…

        Ich hoffe das erklärt zumindest im Ansatz warum es so schwer wenn nicht gar unmöglich ist frühe Digitaltechnik mit modernen Mitteln zu emulieren.

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      costello  RED

      Vielen Dank für das nette Feedback! Tja, das „Mojo“ alter digitaler Effektgeräte – darum ranken sich viele Legenden. Es scheint aber eben nicht nur um die Algorithmen zu gehen, sondern auch um die Signalverarbeitung, das Zusammenspiel mit der Hardware. Die meist nicht allzu hoch auflösenden Wandler, Einschränkungen im Frequenzgang, musikalisch wertvolle Übersteuerung der Eingangsstufe. Das PCM 70 kommt ja schon höher, als die damals meist nur erreichten 12 kHz. Und wandelt immerhin schon mit 16 Bit. Später wurde da immer wieder eine Schippe draufgelegt, was den Klang sauberer und klarer macht, aber eben auch weniger warm.

  8. Profilbild
    nativeVS  AHU

    Waere da nicht das relativ hohe eigenrauschen wuerde ich immer zwei PCM70 auf der normalen mietliste haben: eines fuer Chamber und eines fuer Plate.
    Irgendwie kommt nichts an den charakter des alten (und fuers PCM70 vereinfachten) Chamber algorithmus ran, mit dem man meiner meinung nach perfekt jedes instrument bei dem das mikro vielleicht etwas naeher sein muss als man moechte wieder nach hinten ruecken kann.
    Gut, die moderneren Lexicon Plates haben auch etwas, aber man muss dann vorher schon etwas de-essen wenn man das mit den hoehen so uebertreibt wie ich.

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      costello  RED

      Hi nativeVS, ein gewisses Grundrauschen des PCM 70 ist nicht zu leugnen, das konnte ich auch in den Klangbeispielen nicht wegbügeln. Ich sage mal, wenn der Song erstmal läuft, dann spielt es keine große Rolle mehr. Bei Intros und leisen Stellen muss man dann einen Kompromiss finden und mit dem Noise Gate etwas dagegenhalten.

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        iggy_pop  AHU

        Ich würde nicht mit einem Noisegate arbeiten, da das Hallfahnen öfter mal ungewollt abschneidet.

        Meine erste Wahl für rauschende Hallfahnen ist das RSP Hush 2000 von Anno Dunnemals — einmal eingestellt, liegt es am Hall an wie ein Handschuh. Da flattert allenfalls was in den letzten drei Sekunden von 20.

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              costello  RED

              Glückwunsch! Ich habe ein Drawmer Dual Gate, aber so ganz richtig beherrsche ich es noch nicht.

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            iggy_pop  AHU

            Gemessen am damaligen Neupreis sind 119 Euro auf alle Fälle ein Schnäppchen — es produziert auch keine komischen Artefakte wie Denoiser Plug-Ins im Computer.

            Peter hat’s da schon ganz richtig gemacht.

            Standardeinstellung im Filter: 10 Uhr, 12 Uhr, 2 Uhr. Expander unangetastet (also alle Regler links auf Anschlag). Sollte auch mit langen Hallfahnen funktionieren (ggf. nachregeln und anpassen).

            Der Behringer SNR-2000 war eine Look-a-like des RSP Hush, flatterte aber immer irgendwie.

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        nativeVS  AHU

        Live wuerde ich das normalerweise muessig am pult automatisieren (send und return level), braucht aber leider zeit und das risiko das man etwas falsch macht.
        So was in richtung EMT Noise Filter ist da eher was ich mit dynamischen EQs hin und wieder auf den returns versucht habe, aber da hat man dann in den uebergangs bereichen immer probleme, also geht es dann doch immer wieder auf gezielte mute und level automation zurueck.

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            nativeVS  AHU

            Ich weiss jetzt nicht bei wie vielen verleihen ich ein GML9550 so ohne weiteres bekomme; ich glaube ich bleibe dabei zu automatisieren oder auf ein spaeteres Lexicon geraet (mit AES3) zurueckzugreifen.
            Vielleicht sollte ich das mal irgendwann witzeshalber auf die liste setzen und mich auf die rueckmail freuen.

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    TobyB  RED

    Ich hab keine Superlative mehr… Ich hab den PCM 70 ja nun auch noch nicht so lange und mir die Version 2 Eproms aus Edinburgh kommen lassen. Das besondere am PCM 70 sind die Räume die man zaubern kann. Und was noch für das PCM 70 es verträgt sich wunderbar mit Eventide Space, SRV2000. Oder mit Boss SE. Die Soundbeispiele sind wieder mal aufgefuchst. Von Vangelis über Depeche Mode nach Pink Floyd muss man erstmal hinbekommen. Beim nächsten amazona.de Synthevent müssen wir zusammen jammen, Vincent macht den Bass :-D Ich leg Teppiche oder mach Arpeggios ;-) Rainy Day in Friedenau und Music never dies sind Klasse! Danke.

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      costello  RED

      Hi Toby, hab‘ lieben Dank! Also auf die Jam-Session freue ich mich schon :) Dann hast Du also Dein PCM 70 „downgegradet“. Konntest Du Dir denn vorher die 3.0-Sounds mal anhören? So schlimm können die doch eigentlich gar nicht sein, wenn wir vom fehlenden „Fliesenraum“ mal absehen. Ich fände den direkten Vergleich ja mal spannend. „Räume zaubern“ trifft es wirklich. Und ihn im Verbund mit dem Roland SRV2000 und anderen Effektgeräten einsetzen – das muss ich auch unbedingt mal ausprobieren.

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        TobyB  RED

        Danichfür, Ich hab den PCM mit der Version 1.0 und 3.01 erhalten. Und fand 3.01 ok. Allerdings hatte der Vorbesitzer die Italo de Angelis Presets drin. Die muss man mögen. Ich hab dann über Analogue Solutions Tom den Tipp bekommen, mal bei Andersound in Edinburgh anzufen. Und ein paar Tag später kamen die Chips. Der Fliesenraum ist schon ein Nonplus Ultra. Man bekommt so halt einen schönen kompakten Mix, wenn von Mono zu Stereo prozessiere. Und als Instrumenteneffekt. Ich pick mal das Preset Old Saw vom Pro3, Filterattack auf 81 und dann rein in den Fliesenraum. Was man ja bei dir bei Single Delay OB1 Lead, Klingenflitzer(sehr geil, Lass das mal in dein Hirn sickern) hört. Er ist nicht der beste aller MultiFX aber die Räume die da entstehen passen. Falls du schon einen 2600er hast, egal ob Korg oder Behringer, der mag auch PCM70 Sound ;-)

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          costello  RED

          Die Italo de Angelis-Presets wären doch eine eigene Besprechung wert :) Ja, den Tiled Room haben sie gut hinbekommen, den kann man auch sehr zurückhaltend einsetzen und er gibt Drums und anderen Instrumenten doch ein schönes räumliches Gefühl. Ach der 2600 – tja den Behringer höre ich mir auf alle Fälle mal an, wenn Musikhaus-Besuche wieder unbeschwert möglich sind.Ich bin ja momentan ganz beim Klavier – im Banne des Nord Grand. Beim Lamb lies down-Intro (Rich Chamber) ahnt man es schon, dass meine ungeübten Pfoten langsam aus der Winterstarre erwachen ;)

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            TobyB  RED

            Italo de Angelis hat noch mehr als PCM 70 Presets gemacht. Seine Presets tragen recht dick auf und gehen in Richtung Maximum. Underwater ist lässig, 4 Stimmiger Chorus mit Stereo Delay / Echo. Kommt gut bei knackigen percussiven Sounds. Ich will dir jetzt aber keinen 2600 andrehen ;-) Aber der und das Behringer System 100 kommen schon gut. Wobei ich beim 2600 auch erst mal die Dronenautomatik hatte, weil ich vergessen hatte wie die Regler stehen müssen damit nichts dront ;-)

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        falconi  RED

        Es handelt sich um ein programmierbares Effektgerät mit MIDI-Schnittstelle.
        Im Zweifel wählt man also das letztständige – um den Algorithmus „Inverse Room“ erweiterte“, möglicherweise auch leicht bereinigte (nur Vermutung) – OS 3.1 mit den dazugehörigen Presets. Und in die User-Speicher (PCM-Sprech „Register“) dumpt man sich die Presets des OS 2.0. (mit 3.2 „Tiled Room“). Geht, steht so neben mir. Andersrum funktioniert natürlich auch, aber dann gibt’s halt keinen „Inverse Room“.
        Natürlich ist es noch erkenntnisreicher, sich eigene Effektprogramme zu erstellen. Manchmal ist es dann auch gar nicht mehr so wichtig, auf welcher Maschine man das tut.

        Die hier aufgegriffenen Beiträge bei Gearslutz stammen offenbar überwiegend von Menschen, die den Unterschied zwischen Algorithmus und Preset nicht kennen, keinen MIDI-Dump ausführen können und zu faul sind, selber Effektprogramm zu erstellen, gleichzeitig aber das technisch weiter fortgeschrittene PCM90/91 für seinen „gläsernen“ Klang kritisieren. Dem sie freilich gnadenlos ausgeliefert sind, weil sie auch dieses – erheblich komplexere – Hallgerät nicht bedienen können.
        Eines muss ihnen aber lassen: Reichweite haben sie!

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          costello  RED

          Hallo Falconi, ich denke hier geht es ja letztlich auch um Geschmacksfragen. Es geht im Kern um einen spezifischen 80er Jahre-Sound, nahe am 224. Auch Thorsten Walter hat da eine klare Empfehlung für das PCM 70 ausgesprochen. Ich persönlich würde deshalb auch nicht Gearslutz-Usern, die die verschiedenen Lexicon-Geräte nebeneinander genutzt haben, und das PCM 70 bevorzugen, Ahnungslosigkeit oder Faulheit unterstellen. Ich denke, dass bei einem 91 mit seinen 450 Presets viel eher die Gefahr besteht, dass man sich nicht mehr der Mühe unterzieht, eigene Effektprogramme zu programmieren.

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        falconi  RED

        Für Einsteiger:
        Ich finde auch, dass ein PCM70 ein angenehmen, unaufdringlichen Hall erzeugt, der sich gut mit der Quelle verbindet, besser als der Hall vieler Plug-Ins und manch andere Hardware-Hallgeräte, die ich kenne. Wenn ich aber ohne Plug-Ins auskommen müsste, würde ich viel lieber ein PCM80/81/90/91 oder neuere Geräte von Lexicon (und anderen Herstellern) benutzen wollen, die auch geil klingen, deutlich mehr drauf haben und nominell später vom Zerfall bedroht sind.

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    wolftarkin  AHU

    Kleine Korrektur zum zweiten Abschnitt: ’79 hat Ridley Scott noch Alien promotet.
    Blade Runner kam erst ’82.
    Zum Glück geht zurückblättern per Tastendruck. Costello, kannst du dich nicht mal kürzer fassen?
    Ne, Spass, bloss nicht. ;-)

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      costello  RED

      Hi Wolftarkin, danke für die Richtigstellung beim Erscheinungsjahr von Blade Runner :) Ich glaube die Länge ist auch immer themenabhängig, wenn ich hier mal das süße kleine Alex von Lexicon vorstelle, brauche ich bestimmt ein paar Zeichen weniger ;)

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    swissdoc  RED

    Vielen Dank für den Test und die wunderbaren Klangbeispiele. Fast hast Du mich auf die Jagt nach einem Exemplar getrieben, aber ich bin mit anderen Lexicon-Kisten schon recht gut bestückt. So richtig günstig sind die PCM70 hier im Lande auch nie geworden oder gewesen.
     
    Mein erstes Lexicon war ein PCM80 und es hat mich nicht so recht vom Hocker gerissen. Nun war ich von meinem ersten Multi-Effekt (einem Sony HR-MP5) aber auch schon recht verwöhnt (was ich damals noch nicht wusste). Ein Dynacord DRP20 hat dann fürs erste die klanglichen Welten des fast Wölkchenhalls abgedeckt, bis dann später mit 224 und Model 200 klanglich das Ziel erreicht war. Das 300er ist nett, hat aber keine Chance gegen die 200/224. Einzig das AKG kommt noch mit.

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      costello  RED

      Danke swissdoc! Wenn Du ein 200 und ein 224 besitzt, erübrigt sich das PCM 70 natürlich :) Das Modell 200 steht bei einem befreundeten Musiker, der bei mir im gleichen Haus wohnt. Er schätzt es sehr. Ich finde den direkten Zugriff auf Predelay, Hall und Raumgröße gut, ebenso Streuung, Nachhallzeitverlauf und Roll Off. Scheint mehr „hands on“ zu sein. Stand aber wohl immer im Schatten der „großen“ Geräte.

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        swissdoc  RED

        Das Model 200 soll auf dem 224X oder 224XL basieren, so steht es im Netz irgendwo geschrieben. Also im Vergleich zum 224 mit verbesserter Bandbreite (wobei es ja manchmal einfach nur muffeln muss). Die Bedienung ist easy (wobei das beim 224 auch kein Problem ist und man hat eine Remote) und dank der vielen Displays sehr intuitiv und direkt. Rich Plate ist mein Liebling auf Synths. Nett auch die leichte Färbung durch die Übertrager im Ausgang, die hat das 224 aber auch.

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          spookyman  

          Mein Lexicon Model 200 ist auch mein lieblings Reverb. Für ein 224 hat es leider (noch) nicht gereicht…Die Bedienung ist wahrlich sehr angenehm und schnell.

          Was ich auch schätze, ist, dass man es sehr typisch einsetzen kann, fast übertrieben mit extremen Einstellungen und sehr langen Hallzeiten, die fast automatisch diese Vangelis-Konotation mit sich bringen. Auf der anderen Seite geht es bei deutlich geringeren Einstellungen fast vergessen. Man merkt einfach etwas, wenn man das Modell 200 kurz bypasst. Und genau in diesen Momenten merkt man, dass das Lexicon Model 200 ein hervorragendes Reverb ist.

          @costello: vielen Dank für diesen Bericht, sehr gründlich, recherchiert, mit vielen fundierten Beispielen und mit viel Herz geschrieben.

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            costello  RED

            Danke spookyman, also das 200er muss hier irgendwann auch noch unbedingt vorgestellt werden. Es sieht ja auch noch gut aus :)

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    dflt  

    und wieder setzt direkt das gas ein! wie bei allen berichten zu 19“ effektgeräten aus den 80ern und 90ern… warum gibts das heute nicht mehr so… alles nur noch desktop -geräte.

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      costello  RED

      Hi dflt, das Lesen von Zeitmaschine-Reportagen erfolgt immer auf eigenes Risiko, für Nebenwirkungen wie plötzlich auftretendes GAS kann die Redaktion keine Verantwortung übernehmen :) Ja, diese Geräte haben nun mal einen speziellen Reiz, dem man sich nur schwer entziehen kann. Die Reihe kann vielleicht helfen, die ein oder zwei Geräte rauszufiltern, die besonders gut zur eigenen Musik passen.

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    Son of MooG  AHU

    1985 waren 7000,-DM für ein Multi-FX bei meinen Mitteln reine Phantasie; heutige Preise bei ebay ( wenn mal ein PCM 70 angeboten wird) sind da eher im ‚bezahlbaren‘ Bereich. Der Name Lexicon war damals ein Synonym für edlen Digtal-Reverb.
    Meine beiden Digitech RP150 & RP155 von 2007 bzw. 2009 tragen stolz ihr Lexicon-Logo; die Reverbs sind auch gar nicht schlecht. Allerdings gab es ja mit dem MX200 und MX300 schon seit 2005 extrem preiswerte Lexicon Multi-FX…

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      iggy_pop  AHU

      Nicht zu vergessen, das MPX-1 (und das eher auf die Klampfenfraktion abzielende MPX-2).

      Allerdings ist bei diesen Geräten die Bedienung nicht wirklich lustig — ich reite zwangsläufig auf den Presets rum, weil der Einstieg in die Effektstruktur immer irgendwie unübersichtlich ist.

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          iggy_pop  AHU

          Mich auch.

          Das will was heißen, denn ich habe auch ein Sony DPS-R7, M7 und D7 — die sind mit bis zu 320 Parametern pro Algorithmus nicht wirklich übersichtlich, aber irgendwie zugänglicher als das MPX-1.

          Man kommt da auch gar nicht auf den Gedanken, an irgendwas rumschrauben zu wollen — Hallzeit oder Delaylänge anpassen, fertig.

          Bis man beim MPX-1 diesen Punkt erreicht hat, liegen die Haare schon nicht mehr richtig.

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            swellkoerper  AHU

            Sehr erleichternd, dass es anderen auch so geht. Ich habe meine Unfähigkeit ein MPX-1 zu programmieren immer irgendwelchen Aufmerksamkeitsdefiziten zugeschrieben.

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        Son of MooG  AHU

        Das MX200 lässt sich sehr leicht bedienen; die beiden FX-Blöcke bieten jeweils eigene Regler. Der direkte Zugang war für mich auch ein starkes Kaufargument…

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    micromoog  AHU

    Erstmal herzlichen Glückwunsch zu dem tollen – und wie immer mit viel Herzblut geschrieben – Artikel.

    Wenn sich hier schon mal die Hall-Gourmets versammelt haben, was ist denn aktuell auf dem Markt in der Budget Klasse (bis 1000€) an Geräten empfehlenswert, welche sich mit dem PCM70-Hall oder gar dem des 224 vergleichen lassen?

    Oder gibt es dafür explizit nur Vintage?

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      costello  RED

      Danke micromoog! Die heutigen legitimen Nachfolger der Vintage-Geräte sind Bricasti, Lexicon PCM 96 und Eventide H8000 – alle unbezahlbar. Ich würde mir als moderne Alternative heute vor allem Bodentreter ansehen. Die sind ja den alten 19“-Geräten mehr als ebenbürtig. Strymon (ich habe zum Beispiel das Big Sky), Eventide, Neunaber – da gibt’s ja einige tolle Hallgeräte. Oto Bam hat swissdoc hier mal explizit empfohlen, wenn einem der 70/80er-Klang in modernem Gewand zusagt. Aber sicher haben hier andere User noch ganz spezifische Empfehlungen.

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        micromoog  AHU

        Danke schon mal für das schnelle Feedback.
        Habe hier SPX-900 (weniger der Hall Burner, aber je nach Grundmaterial schon brauchbar), Lexicon MPX-550/110 und Quadraverb.

        Ich muss zugeben, dass ich die Plates vom Quadraverb anno 1989 von allen vorhanden am organischten finde.
        Somit verwende ich den gerne als Haupthall, der Profi lacht sich jetzt wohl schlapp ;)
        Aber der beschnittene Frequenzgang sowie die 14bit kommen meiner 80ies-Hallvorstellung schon nahe, es dürfte aber noch eine eleganteres Sahnehäubchen sein.
        Der MPX Hall ist objektiv schon ok, für meinen Geschmack aber eher ein gesichtsloser Millieniumshall.

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          swellkoerper  AHU

          Die MPXe sind in ihren Algorithmen schon arg beschränkt, insbesondere fehlen die schönen Modulationen im Reverb-Tail. Ich hübsche mein 550er daher gerne etwas auf, in dem ich nur reine Hallprogramme lade und eine andere billige FX-Kiste dahinterhänge, die ein klein wenig Chorus dazu würzt.

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          costello  RED

          Da lacht niemand, das Quadraverb hat einen sehr guten Ruf. Ich habe das Midiverb II, das halt nur Presets bietet, aber auch einige sehr schöne Effekte liefert (Bloom). Werde ich hier auch mal vorstellen :)

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      swissdoc  RED

      Der Hallgeräte-Markt ist im Umbruch, wie es scheint. Es gibt kistenweise Desktop-Units, die mich aber (von Ausnahmen abgesehen) eher in die Flucht treiben und dann eher High-End als Rack (also für Erwachsene). Im Bereich der Desktop-Units ist der OTO BAM sicher noch ein gute Tipp und das UAD Pedal mit 224 und EMT Plate ist sicher auch eine Sünde wert.
       
      Sonst eher Youngtimer, konkret fallen mir da ein: Yamaha SPX2000, TC Reverb 4000 und das V-Verb von Behringer. Die ersten beiden liegen etwas über EUR 1000 und das V-Verb macht sich auch schon rar. Klanglich aber nicht so nah dran wie die von oben. Aber mit EMT 250 Emulation im Reverb 4000 kann man auch schon Spass haben.

      Weitere Tipps sind noch Dynacord DRP20 und Rocktron Intellifex oder Intelliverb. Da sind wir aber tief im Vintage-Bereich.

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        micromoog  AHU

        Danke Georg,
        OTO BAM ist schon länger auf meiner Liste, leider zZt überall (in D) vergriffen, der nächste Bunch soll Mitte des Jahres kommen.

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