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Test: Modor DR-2 Firmware OS010, digitaler Drumsynthesizer

Digitaler Klopfgeist mit analoger Bedienung

25. August 2023
modor dr 2 test

Modor DR-2 Firmware OS010, digitaler Drumsynthesizer

Wir haben uns den MODOR DR-2 noch einmal ins Testlabor geholt. Nach unserem letzten Test vor zweieinhalb Jahren mit der damaligen Firmware in der Auslieferungsversion hat sich bei dem Testprobanden dermaßen viel getan, dass sich hier ein zweiter prüfender Blick auf jeden Fall lohnt. Ich empfehle an dieser Stelle ausdrücklich, sich noch einmal den letzten Test zu Gemüte zu führen, der von meinem sehr geschätzten Autorenkollegen [P]-Head verfasst wurde, denn alle in diesem Test genannten positiven Aspekte zur grundlegenden Bedienung und dem wirklich tollen Sound des MODOR DR-2 unterschreibe ich zu 100 %.

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MODOR DR-2 Herstellerbild seitliche Ansicht von links

In diesem Test wird es also nicht um die grundlegende Bedienung des MODOR DR-2 gehen, denn da hat sich im Grunde nichts geändert, sondern eher um die vielen Neuerungen, die seit dem damaligen Test in das Gerät Einzug gehalten haben. Wir wollen darüber hinaus in diesem neuen Test herausfinden, ob sich von Seiten des Herstellers auch der Kritikpunkte angenommen wurde und vielleicht sogar Features, die im damaligen Test gewünscht wurden, den Weg in den MODOR DR-2 gefunden haben. Natürlich werfe ich auch einen prüfenden Blick auf die allgemeine Produktqualität und vergleiche die Aussagen dazu aus dem damaligen Test mit meinen persönlichen Empfindungen. Bevor es aber hier ans Eingemachte geht, sollten wir noch einmal klären, was der MODOR DR-2 eigentlich ist.

Was ist der MODOR DR-2?

Der in Belgien hergestellte MODOR DR-2 ist ein digitaler Drumsynthesizer mit sehr eigenständigem Sound, dessen Klangerzeugung auf speziell auf ihn abgestimmten DSP-Algorithmen basiert. Diese werden in die sechs vorhandenen Instrumenten-Slots geladen und stellen dann an den Reglern zwölf speziell auf den jeweiligen Algorithmus abgestimmte Parameter zur Klangformung bereit.

MODOR DR-2 Userbild Ansicht von vorn

Die sechs Instrumente können dann durch einen trickreichen 6-Spur-Sequencer mit bis zu 128 Steps befeuert werden, der zudem viele live-taugliche Features, wie Parameter-Locks, Reverse-Mode, Accent, Flam, Shuffle und Zufallsfunktionen mitbringt.

MODOR DR-2 Herstellerbild SL Rückseite Anschlüsse

Die enorme Feature-Liste bietet als weitere Höhepunkte: Polyrhythmic Clocks, den Euclidean Pattern-Generator, eine umfangreiche MIDI-Implementation und eine flexible Insert-Schaltung für die Einzelausgänge, durch die das Einschleifen von Effektgeräten möglich wird.

Der MODOR DR-2 wird ausgepackt

Das Paket ist schwer, mit anderen Worten sehr schwer und man merkt sofort: Hier kommt ein richtiger Bolide, etwas zum Anfassen, kein Plastikbomber. Sofort ist es da, das Gefühl von echter Wertigkeit. Aus der Umverpackung, die mit Kunstschaumeinlagen ausgelegt, ein sicheres Transportieren des Gerätes ermöglicht, schält sich der MODOR DR-2 mit einem Kampfgewicht von satten 6 kg.

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MODOR DR-2 Userbild ausgepackt Verpackungsinhalt

Das massive Gehäuse mit einer Breite von 440 mm und einer Höhe von 267 mm (6 U im 19 Zoll Rack) sowie einer Maximaltiefe von 80 mm will erst einmal auf den Tisch gestemmt werden, wo es Dank des ordentlichen Eigengewichtes und den vier Gummifüßen an der Unterseite auch bombenfest und rutschsicher steht.

Verarbeitungsqualität des MODOR DR-2

Die perfekt verarbeitete und mit fast nicht sichtbaren Spaltmaßen an die schwarze Gehäusewanne angepasste Frontplatte wurde mit einem gleichmäßig aufgetragenen Farbauftrag in hübschem Cremeweiß überzogen.

MODOR DR-2 Userbild Ansicht seitlich geringe Spaltmaße

Die große Bedienoberfläche ist durch visuelle Abgrenzungen und auch durch die clevere Anordnung der Bedienelemente sinnvoll in Arbeitsbereiche unterteilt und lässt ein sehr ergonomisches Arbeiten am MODOR DR-2 zu. Im ersten Test las ich dazu von [P]-Head: „Auch habe ich mehrfach versehentlich beim Drehen des CURVE-Reglers auf die Stopptaste gedrückt und den Sequencer aufgehalten. Das ist ein Zeichen dafür, dass die beiden Funktionen zu nahe aneinander liegen. Hier muss man aufpassen, denn verbessern lässt sich das nun nicht mehr.“ Okay, das ist mir im Testlauf auch zweimal passiert, aber wenn man das weiß, sollte es kein Problem mehr sein.

MODOR DR-2 Userbild Stoptaste und Regler zu nah

Im ersten Test monierte mein geschätzter Autorenkollege [P]-Head auch die wackligen Fader. Da habe ich doch auch gleich noch einmal genauer hingeschaut: Also bei meinem Testprobanden konnte ich da zwar ein kleines Spiel über die Fader-Kappen erfühlen, aber da ist sonst nichts, was man nicht auch von anderen Geräten mit solchen Fadern kennt. Die Fader selbst liefen im Regelweg dann aber butterweich mit einem sehr angenehmen Widerstand.

MODOR DR-2 Userbild Desktop Arbeitsplatz

Auch bemerkte ich bei meinem Testgerät kein Spiel der Potikappen an den Enden des Regelweges, wie es Kollege [P]-Head in seinem Test für die „kleinen Potis namens T und CURVE bei kräftigem Zulangen und Drehen von einem Ende zum anderen“ verspürte. Also ist auch hier alles in Ordnung oder eben gefixt.

Ein weiterer Kritikpunkt betraf das zu kurze Netzkabel für den Stromanschluss. Also ich hatte mit den gemessenen 135 cm Länge keine Probleme, aber ich habe den MODOR DR-2 auch als Desktop-Gerät genutzt und da befand sich in der Nähe gleich eine Steckdose. Für mich fließt das Thema deshalb nicht in die Bewertung ein. Mit dem nun vorhandenen Längenmaß kann sich jetzt jeder selbst ausrechnen, ob das Kabel für ihn zu kurz ist.

MODOR DR-2 Userbild Potikappen

Die hübschen und sehr griffigen Potikappen habe ich so auch noch nicht gesehen und scheinen keine Stangenware zu sein. Hier wurde aber anscheinend nachgebessert und so steht auch auf der Folie in der Verpackung: „Upgraded UV resistent knob kaps“. Durch die unterschiedlichen Größen der Potikappen ist zudem ein langes, hand- und fingerfreundliches, sprich, ermüdungsfreies Arbeiten möglich. Die Potis selbst lassen sich bei einem leichten Widerstand im sehr gut aufgelösten Regelweg perfekt bedienen.

Was mir dabei auch aufgefallen ist, ist dass die digitale Klangerzeugung und auch die Anzeige im Display ohne jede Verzögerung auf Eingaben der Bedienelemente reagierte, was für eine sehr gute Programmierung spricht. Mitunter hatte ich das Gefühl, an einem analogen Gerät zu sitzen und von daher störte mich auch das kleine Display überhaupt nicht. Nach einer kurzen Einarbeitungszeit konnte ich die sehr gut beschreibende Bedienungsanleitung zur Seite legen und fand auf der gut strukturierten Bedienoberfläche ganz intuitiv den richtigen Parameter.

MODOR DR-2 Userbild Bedienoberfläche

Alles in allem macht die Bedienoberfläche einen aufgeräumten und sehr modernen Eindruck und doch hat sie durch die gefühlt altbackenen Bedienelemente, wie die dicken Fader und die coolen Drucktaster einen gewissen Vintage-Charme. Irgendwie fühlt man sich an das Steuerpult eines uralten Umspannwerkes zurückversetzt. Mir hat dieses Flair auf Anhieb richtig gut gefallen und das Klackern der Drucktaster löste in mir stets ein warmes Gefühl aus Erinnerungen an alte Zeiten aus. Dafür geht mein Daumen aber mal ganz weit hoch – dicke Pluspunkte!

Vorangegangene Update-Historie zum MODOR DR-2

Die bemerkenswert gute Update-Politik von MODOR, die sich auch schon bei unserem Test zum MODOR NF-1 zeigte, setzt sich selbstredend auch beim MODOR DR-2 fort und so arbeitete sich die Firmware innerhalb von zweieinhalb Jahren mittlerweile auf die Version OS010 hoch. Wir werden jetzt gemeinsam eine kleine Zeitreise durch die Update-Historie des MODOR DR-2 absolvieren und dabei erarbeiten, was sich in dieser Zeit unter der Haube des digitalen Klopfgeistes getan hat.

MODOR DR-2 Herstellerbild seitliche Ansicht

Wie schon in der Einleitung geschrieben, fand der damalige Test im Januar 2021 mit der ersten Firmware OS001 statt, was damit dem Erstauslieferungszustand des MODOR DR-2 entsprach. Schon einen Monat später, Ende Februar, gab es mit der Firmware OS002 ein erstes umfangreiches Update. Die erste große Neuerung war dabei ein Kompressor und zwar pro Instrumentenspur! Der Kompressor verfügt über Einstellungen für Threshold und Attack. Die Release-Zeit ist dabei Drum-tauglich auf ca. 100 ms voreingestellt, das Kompressionsverhältnis liegt bei 8:1. Der Kompressor verfügt auch über die beliebte Sidechain-Funktion, wobei jeder andere Drum-Kanal als Sidechain-Eingang ausgewählt werden kann. Dieses neue, sehr gelungene Feature, sorgt für mehr Punch in den Kanälen, aber auch für mehr Luft zwischen den Instrumenten, Stichwort: Ducking.

MODOR DR-2 Userbild Fadersektion

Des Weiteren gab es mit diesem Update eine Gain-Funktion pro Instrument für den Lautstärkeabgleich zwischen den Instrumentenkanälen untereinander. Weiterhin wurden beim Sequencer unterschiedliche Schrittlängen eingeführt, was uns mit diesem Update in den kreativen Bereich der Polymetrik beamt. Clever ist auch, dass nun bisher nicht verwendete Pattern-Teile für Variationen oder Fill-ins verwendet werden können. Über die Ausgangsbuchse CLOCK OUT auf der Rückseite des MODOR DR-2 können nun wahlweise auch Drum-Trigger ausgegeben werden, was die Möglichkeiten zur Synchronisation von externen Geräten erweitert.

Das absolute Highlight in diesem Update ist für mich aber der Euklidische Pattern-Generator mit bis zu 64 Schritten. Mit wenigen Bedienelementen kann man sich hier am DR-2 heftig groovende Patterns zusammenschrauben. Das ist mit der kinderleichten Bedienung des Generators per Drucktaster und Potidreh eine endlose Spielwiese mit absoluter Spaßgarantie! In Verbindung mit der guten Update-Politik ist erwähnenswert, dass es zu jedem großen Update auch ein einführendes Video von Marcel Belmans (dem kreativen Kopf hinter MODOR) gibt, in dem dann anschaulich alle neuen Features gezeigt werden.

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Das nächste Update, also Firmware OS003, war faktisch nur ein kleines Bugfixing für OS002, bei dem zwei Fehler behoben wurden. Ein Fehler verhinderte das Mitladen des Sidechain-Routings des Kompressors beim Laden eines Preset-Drumsets, der andere vermasselte die Synchronisierung bei etwa 76 BPM.

Das nächste Update auf die Firmware OS004 brachte kleinere Optimierungen der Algorithmen und der Bedienschritte. So verfügt nun jedes Instrument über eine kurze AMP-Hüllkurve, mit der man das Attack regeln kann. Damit kann man nun die manchmal lästigen „Klick“-Geräusche zu Beginn eines Sounds reduzieren. Ein Problem mit Phasing wurde ebenfalls behoben, das die Situation betraf, wenn zwei Instrumente Geräuschquellen enthielten und gemeinsam abgespielt wurden. Seit Firmware OS004 gibt es nun auch die Möglichkeit, nur ein einzelnes Instrument anstelle eines ganzen Drumsets in den Speicher zu laden. Auch die Slave-Synchronisierung mit einer externen Quelle wurde weiter verbessert und stabilisiert. Die Parameternamen werden nun bei Bedienung der X-, Y-, Z- und T-Regler angezeigt. Die Bedienung des Euklidischen Pattern-Generators wurde noch einmal leicht überarbeitet und ist mit den Tasten SHIFT+REV nun deutlich leichter zugänglich.

Ende Mai 2022 erhielt der MODOR DR-2 dann sein nächstes Update mit Firmware OS005. Mit diesem Update hielten zwei neue Drum-Modelle Einzug (STRING BD und Glass BOTTLE) und jeder Instrumentenkanal bekam einen Overdrive-Effekt und ein Tilt-Filter spendiert. An dieser Stelle sei gesagt: Das Tilt-Filter ist jetzt nicht unbedingt spektakulär, also nicht wie ein modulierbares, resonantes 24 dB Filter, es ist eher ein nützliches Werkzeug, um jedem Instrument frequenzmäßig einen bestimmten Platz im Mix zu geben.

Herstellerbild Tilt Filter Schema

Darüber hinaus gab es dann noch eine ganze Menge neuer Shortcuts und Optimierungen für die Bedienung des MODOR DR-2. Auch hier gibt es wieder das Feature-Video zum besprochenen Update.

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Kurze Zeit später folgte dann die Firmware OS006. Hier gab es nur ein paar Fehlerbehebungen für das letzte Update und eine Optimierung der Parameterabfrage.

Mit dem nächsten Update OS007 gab es dann wieder eine sehr interessante Erweiterung im MODOR DR-2. Mit diesem Update erlernte der Drumsynthesizer Parameter-Locks und bekam einen verbesserten Bootloader spendiert. Die Parameter-Locks können verwendet werden, um Veränderungen von Syntheseparametern innerhalb eines Drum-Patterns zu programmieren. Hier wird dann auf einem Step ein Parameter der Klangerzeugung geändert und dann an dieser Stelle im Pattern auch wieder ausgegeben. Das ergibt in der Praxis dann noch deutlich lebendigere Patterns und ist in der Bedienung auch sehr einfach gelöst: Einfach den entsprechenden Step gedrückt halten, Parameter einstellen – fertig. Der geänderte Parameter kehrt dann im nächsten Step wieder auf den Ausgangszustand zurück.

MODOR DR-2 Userbild Sequenzer

Welch grandiose Spielwiese sich hiermit auftut, ahnt man, wenn man bedenkt, dass dieses Feature nicht auf einen Parameter beschränkt ist, sondern beliebig viele verschiede Parameteränderungen auf einem einzelnen Step geschichtet werden können. Und als ob das noch nicht genug wäre, folgt die Steigerung, dass dieses Feature auch nicht unbedingt auf den genauen Step festgelegt ist und man den Parameter Lock beispielsweise auch auf die Ausklingphase eines Instrumentes, also einen oder zwei Steps später legen und damit dessen Klang just in diesem Moment verbiegen kann.

Kleiner Tipp am Rande: Mit den Bassdrum-Modellen lassen sich per Parameter-Lock auf Pitch nun auch tonale Bässe spielen. Dazu zeigt das Display dann auch den exakten Notenwert an: Clever gelöst! Mit den Parameter-Locks erfährt die belgische Krachmaschine auf jeden Fall eine deutliche Aufwertung und kann nun dynamischer denn je klingen: Sehr cooles Feature! Auch hierfür gibt es wieder ein schönes Erklärbärvideo von Marcel.

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Das nächste Update behob mit der Firmware OS008 nur einen kleinen Fehler in dem mit OS007 neu eingeführten Bootloader-System, sodass wir uns ohne Umschweife der Firmware OS009 aus dem April dieses Jahres widmen können.

Und dieses Update hatte es dann auch wieder in sich! Zunächst gab es wieder ein paar kleinere Verbesserungen: Das Laden und Speichern von Patterns und Drumsets erfolgt nun im Hintergrund und stört damit den Sequencer und die Synchronisation beim Abspielen nicht mehr. Man kann jetzt auch einzelne Steps einschließlich der Parameter-Locks kopieren und wieder einfügen. Das funktioniert über den auszuwählenden Step mit Taste 1 bis 16 + die Taste REC für das Kopieren des Steps und für das Einfügen muss man dann einfach die Ziel-Step-Taste + die Taste PLAY drücken. Ein Instrumentenfokus wurde eingeführt, bei dem die Regler und Bedienelemente beim Fingerdrumming auf das ausgewählte Instrument fokussiert bleiben. Es gibt nun MIDI-NRPN-Empfang für alle Parameter, die bisher noch keinen explizit zugeordneten MIDI-Control-Change-Parameter hatten. Hier dazu die entsprechende Auflistung:

Herstellerbild MIDI NRPN reception

Bei einigen langsam anklingenden Drum-Sounds konnten Unterschiede in der Lautstärke oder auch Verzerrungen durch Akzente, Geschwindigkeitsänderungen oder Parameter-Locks zu unerwünschten digitalen Klicks führen, diese wurden mit dem Update entfernt.

Und jetzt kommt der Knaller des Updates. Bitte lieber [P]-Head: Gib mir doch bitte mal die Lottozahlen für diese Woche durch. Ich zitiere wieder aus deinem damaligen Test: „Was ich schmerzlich vermisse, ist eine Zufallsfunktion, um die Sequenzer-Spur zu füllen oder sie mit selbst verändernden Optionen zu versehen, bis hin zu völliger Zufälligkeit. Da es sich um ein voll digitales Gerät handelt, kann ich mir vorstellen, dass so etwas in Zukunft hinzugefügt wird. Die Tasten und das Umfeld sind vorhanden.“

Userbild Taster Random

Und da ist die gewünschte Funktion auch schon! Es wurden mit dem Update OS009 einige vielseitige Wahrscheinlichkeits- und Zufallsoptionen eingeführt, mit denen der Sequencer zufällig und in Echtzeit ständig wechselnde Drum-Hits und Akzente zu den schon programmierten Steps hinzufügen und/oder auch entfernen kann. Das geht von gelegentlichen kleinen Variationen bis hin zu vollständig zufällig live generierten Unvorhersehbarkeiten. Krasses Feature, das aber auch zeigt, dass MODOR die Nutzerwünsche erhört.

Ein neues Snaredrum-Modell mit Namen Electro SN hielt als Krönung ebenfalls Einzug mit dem neuen Update. Auch hier gibt es wieder ein schönes Video zu den neuen Features.

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Das neueste Update OS010 für den MODOR DR-2

Nun steht also das neueste Update OS010 von Ende Juli dieses Jahres im Ring und bringt auch wieder einen ordentlichen Mehrwert mit. Man kann nun die Lautstärke für den Klicksound, speziell bei Bassdrums, aber auch bei einigen anderen Modellen anpassen. Bei bestimmten Einstellungen, besonders bei Sounds mit kurzen Tonhöhenhüllkurven und wenigen Obertönen, kann das anfängliche Klickgeräusch möglicherweise störend wirken. Mit diesem Parameter kann man es nun reduzieren oder auch ganz entfernen. Erreichbar ist diese Anpassung über die Tastenkombination SHIFT+AMP CURVE.

MODOR DR-2 Userbild Display OS010

Das Update OS002 brachte damals die Polymetric und mit dem neuesten Update hält nun auch die Polyrhythmik in den MODOR DR-2 Einzug. Dieses Feature wurde in Zusammenarbeit mit dem in Berlin lebenden kanadischen Künstler für elektronische Musik und Mute Records Act Nicolas Bougaïeff entwickelt. Nicolas Bougaïeff verwendet in seinen Tracks häufig polyrhythmische Strukturen, indem er Takte oder musikalische Phrasen verschiedener Instrumente in unterschiedlich viele Schritte unterteilt. Er hatte das Gefühl, dass es bei Hardware-Sequencern und Drum-Machines in diese Richtung nur recht begrenzte Möglichkeiten gibt und so stellte er bei MODOR die Anfrage: „Ist das möglich?“

Laut MODOR war es eine ziemliche Herausforderung, dieses Feature zu implementieren, aber das Ergebnis ist es wirklich wert! Das Ganze funktioniert vereinfacht gesprochen so: Der MODOR DR-2 verfügt über eine Haupt-Clock und nun zusätzlich über zwei Poly-Clocks α und β. Die beiden Poly-Clocks beziehen sich dabei auf die reguläre Haupt-Clock in einem bestimmten Verhältnis N:M. Die Poly-Clocks machen dabei N Schritte in der Zeit, in der die Haupt-Clock M Schritte macht. Die Poly-Clocks werden dabei im Verhältnis zur Haupt-Clock über die Zeit gestretcht. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt uns Marcel auch dieses mal wieder in einem anschaulichen Video.

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Die neuen Sound-Modelle des MODOR DR-2

Da im ersten Test auch die Sound-Modelle des MODOR DR-2 genauer beleuchtet wurden, möchte ich dem in diesem Test nicht nachstehen und in den nachfolgenden Abschnitten die neuen Sound-Modelle der vergangenen Updates noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. An dieser Stelle lohnt sich der Blick auf die Auflistung der aktuell implementierten Drum-Modelle.

MODOR DR-2 Herstellerbild Modell Parameters

Das neue Bassdrum-Modell: String BD

Das Update OS005 brachte mit dem String BD ein viertes Bassdrum-Modell in den MODOR DR-2. Dieses Modell verfügt über eine Oszillatorsektion mit einem Drive- und Asymmetrie-Parameter sowie eine „String-Sound“-Sektion, um zusätzlich zum Oszillator-Sound einen summenden Klang zu erzeugen.

Herstellerbild Modell Schema StringBD

Der Oszillatorbereich ist dem des Noise BD-Modells nicht unähnlich, weist jedoch hier einen wichtigen Unterschied auf: den Asymmetrie-Faktor. Der Oszillator erzeugt wieder Dreieckschwingungen, die mit einer sanften Sättigung abgeschnitten werden. Dabei werden die Kanten abrundet und der Anteil harmonischer Höhen reduziert. Der Dreieckoszillator kann jedoch auch asymmetrisch ausgeführt werden, wodurch ein gewisser Anteil gleichmäßiger Harmonischer im Klang entsteht.

Der Parameter Asymmetrie steuert also den Anteil der geraden Harmonischen im Klang, während der Parameter Drive die ungeraden Harmonischen steuert.

Ein neues Percussion-Modell: Glass Bottle

Dieses Modell aus dem Update OS005 imitiert das Geräusch, das entsteht, wenn man mit einem Stock auf eine Glasflasche schlägt.

Herstellerbild Modell Schema GlassBottle

Durch das Spielen mit den Pitch- und Z-Parametern kann eine große Bandbreite an Sounds erzeugt werden, die weit über den realistischen Glasflaschenklang hinausgeht.

Durch programmierte Parameter- Locks über Pitch ist es hier tatsächlich auch möglich, auf dem zusammengeschraubten Flaschensounds Melodien zu spielen.

Das neue Snare-Modell: Electro SN

Der Name deutet es schon an. Dieses Modell aus dem Update OS009 erweitert die Möglichkeiten des MODOR DR-2 um die Erzeugung von elektronischen Snaredrums.

Herstellerbild Modell Schema ELECTRO SN

Zur Klangerzeugung werden hierbei zwei Sinusoszillatoren verwendet, die in der Tonhöhe eine Oktave voneinander entfernt sind und mit dem Parameter Balance im Verhältnis der Lautstärke zueinander regelbar sind. Um den Ton der Snaredrum auszulösen, werden diese Oszillatoren mit einem Impuls angeregt. Die Pulslänge kann dabei variiert werden. Für typische Snare-Sounds sorgt zusätzlich noch ein hochpassgefiltertes Rauschen.

Die Parameter sind hier in ihren Bereichen sehr weit gewählt, sodass auch die für elektronische Musikstile typischen Zapp-Sounds möglich sind.

Abschließend bleibt zu sagen, dass die neuen Sound-Modelle eine echte Bereicherung darstellen und die mit dem MODOR DR-2 zu erzielende Sound-Ausbeute drastisch erhöhen. Man darf hier wirklich gespannt sein, was da noch so an neuen Modellen kommt.

Welche Alternativen gibt es zum MODOR DR-2?

Einige Drumsynthesizer hatte ich ja selbst schon im Test und sehe hier beispielsweise den auch von mir getesteten VERMONA DRM1 MKIV mit im Ring. Als analoger Drumsynthesizer bietet dieser sogar acht Instrumente und damit zwei Instrumente mehr. Geboten wird hier ebenfalls eine umfangreiche Klangformung mit eigenständigem Charakter und auch die flexibel schaltbaren Einzelausgänge. Dafür muss man hier aber Abstriche in der MIDI-Steuerung machen, die beim Vermona DRM1 wirklich nur sehr rudimentär vorhanden ist. Und klar: Hier fehlt natürlich auch der Sequencer. Trotzdem ist der VERMONA DRM1 MKIV, selbst in der Trigger-Version gegen den MODOR DR-2 preislich gesehen schon fast ein Schnäppchen.

Userbild im Homestudio

Auf der anderen Seite der preislichen Fahnenstange steht das ebenfalls von mir getestete Abrisskommando SOMA PULSAR-23. Hier bekommt man zwar nur vier Instrumente, dafür aber eine unvergleichlich offene Klangbearbeitung eines ebenfalls sehr eigenständigen Gerätes mit Sequencer und flexibler Patch-Matrix sowie internen Effekten.

Schaut man mal auf die direkten, auch bei uns schon getesteten Mitbewerber, wie Elektron Analog Rytm MKII (Hybride Klangerzeugung, 12 Tracks, 8 Stimmen, Effekte, Sequencer mit Parameter-Locks, vollständige MIDI-Implementation), Jomox Alpha Base (11 Instrumente, Sequencer, Echo- und Halleffekte) oder den Erica Synths Pérkons HD-01 mit ähnlicher Feature-Liste, aber nur 4 Stimmen, sieht man, dass der MODOR DR-2 in ähnlichen Preisregionen beheimatet ist. Von daher denke ich, dass der aufgerufene Preis mit der nun enorm gewachsenen Feature-Liste als durchaus fair einzuordnen ist.

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Fazit

Durch die vielen kleinen und großen Neuerungen in den Updates seit der Einführung hat die Feature-Liste des MODOR DR-2 enorm zugelegt und versorgt den geneigten Nutzer mit vielen Tools und neuen Sounds, die dessen Kreativität ordentlich befeuern. Da auch einige kritische Themen aus dem ersten Test behoben wurden und sogar Wünsche unseres damaligen Testers in die Feature-Liste Einzug hielten, levelt der hübsche belgische Klopfgeist in meinen Augen und Ohren auf eine „sehr gute Bewertung“ auf.

Schauen wir doch noch einmal auf die Zutaten des MODOR DR-2: Ein Instrument mit eigenständigem, durchsetzungsfähigem, richtig gutem Klang und individuellem Charakter, eine riesige Feature-Liste mit Spaßgarantie, eine schnörkellose, leicht zugängliche und ergonomische Bedienung, dazu eine wertige Verarbeitung mit moderner Optik, die doch irgendwie Vintage-Charme versprüht und nicht zu vergessen, dass es ja nur geringe Stückzahlen von ihm geben wird. Na, klingelt es? Das sind doch die Zutaten, aus denen Kultgeräte entstehen – oder? Wenn mich mein Blick in die Glaskugel nicht trügt, dann wird man in einigen Jahren auf dem Gebrauchtmarkt wohl deutlich mehr für dieses großartige und wertige Instrument zahlen müssen.

Ich hatte in der Testphase enorm viel Spaß mit dem belgischen Krachmacher: Antesten empfohlen!

Plus

  • eigenständiger, sehr guter Klang
  • individueller Charakter
  • riesige Feature-Liste
  • Klangflexibilität
  • schnörkellose, leicht zugängliche und ergonomische Bedienung
  • wertige Verarbeitung mit moderner Optik
  • Vintage-Charme
  • enormer Spaßfaktor
  • Update-Politik

Minus

  • keine internen Effekte

Preis

  • 1.749,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Anthony Rother AHU

    Der DR-2 gehört zur Champions League aktueller und Neu kaufbarer Drum Computer / Drum Synthesizer.
    Schön das der DR-2 hier nochmal so schön ausführlich vorgestellt wird.

    Der P-Head Test und sein YouTube Video haben mich dazu gebracht die Maschine zu kaufen.

    • Profilbild
      Dirk E. aka Xsample RED

      @Anthony Rother Danke Anthony. Champions League triffts genau, ein wirklich tolles Gerät. Wenn ich mir nicht kurz vorher den Arp Odyssey FS als Selbstbau-Kit gekauft hätte, wäre der hübsche Klopfgeist sicher gleich bei mir geblieben. Aber aufgeschoben, ist ja nicht aufgehoben. Ich kann mir vorstellen, dass es cool ist, wenn die Maschine mit den Updates wächst und man merkt, dass da so viele tolle Sachen nach dem Kauf noch implementiert werden.

  2. Profilbild
    xtront

    Der Test unterstreicht auch meine durchweg positiven Eindrücke, die ich seit einigen Monaten mit dem DR-2 daheim sammeln kann. Die Varianten innerhalb einer Spur, die sich allein durch Velocity, Beta, Reverse und Parameterlocks erzeugen lassen sind phänomenal!

    Was ich mir noch wünschen würde wäre ein Classic/Extended Mode wie bei der Machinedrum, das man einfach ein Drumkit mit dem Pattern speichert und abspielt oder das Drumkit übergeordnet verwendet.

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