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Test: Modor DR-2, digitaler Drumcomputer & Synthesizer

15. Januar 2021

Boutique Drumsynth-Maschine aus Belgien

Test: Modor DR-2, digitaler Drumcomputer & Synthesizer

Test: Modor DR-2, digitaler Drumcomputer & Synthesizer

Der Modor DR-2 ist ein komplett digitaler Drum-Synthesizer mit 6 Instrumenten-Slots, die mit derzeit 15 verschiedenen Drum-Modellen bestückt werden können. Verknüpft mit dem 128-Live-Step-Sequencer liefert die belgische Boutique Hardware-Schmiede einen Drum-Boliden, der neben seiner optischen Größe auch mit inneren Features und vielseitigem Klang überzeugen möchte. Ob dies gelingt und für wen dieses Gerät geeignet ist, wird dieser Test zeigen. Immerhin befinden wir uns in der Creme-de-la-Creme-Preisklasse der Rhythmusmaschinen. So mancher Mitbewerber ist mit Sounds und Features nur so vollgestopft. Dementsprechend detailliert wird dieser Test ausfallen. Viel Spaß!

Die Firma Modor wurde durch den virtuell analogen Synth Modor NF-1 bekannt, der auch noch viele Jahre Verbesserungen in der Hardware und Software erfahren hat. Den Testbericht zur NF-1 findet man hier.

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Was ist drin im Modor DR-2

Neben dem DR-2 findet man ein englischsprachiges Handbuch im A4-Format, die Holzseitenteile, zwei Rack-Winkel für den Einbau in ein 19“-Rack, einige Modor-Aufkleber und eine gedruckte Karte, sozusagen einen Spickzettel, auf der die Parameter und Bedienungshilfen (Shortcuts) abgebildet sind. Die Echtholzseitenteile sind noch an das Gerät anzuschrauben, wenn man möchte, notwendig für die Stabilität sind sie nicht, denn die Gummifüße befinden sich am Gerät selbst. Tipp: Wer die Holzseiten befestigt, sollte daran noch kleine, selbstklebende Gummifüße anbringen, damit das Gerät nicht rutscht. Da die Rack-Winkel schon als Option gleich beiliegen, ist man für alle Veränderungen im Studio etc. gerüstet. Sehr schön! Für die Stromversorgung liegt ein kleines externes Netzteil bei, das einen nicht sehr langlebigen oder hochwertigen Eindruck vermittelt. Noch dazu ist das Kabel sehr kurz. Nicht so schön!

Test: Modor DR-2, digitaler Drumcomputer & Synthesizer

Alle Drum-Synth-Parameter im Überblick

Optischer Eindruck des Drumcomputers

Die Firma Modor hat ein sehr eigenständiges Design in Creme/Weiß und Grau. Das Gehäuse besteht aus aus massivem, dick lackierten Stahlblech, die Potikappen sind recht individuell gestaltet. Aufgeteilt in einzelne Segmente, sowohl an der Oberfläche als auch rundherum, erleichtert das die Bedienung der Potis. Die Beschriftung der Tasten und Bedienelemente ist super zu entziffern, auch bei schwachen Lichtverhältnissen. Ganz oben rechts findet man ein hintergrundbeleuchtetes grünes Display mit 2 Zeilen. Ich erinnere mich hier an die EMU-Geräte aus den 90er-Jahren! Ob das ausreicht, werden wir feststellen.

Haptischer Eindruck des Modor DR-2

Auch hier fühle ich mich in frühere Zeiten versetzt. Die Sequencer- und Drucktaster am Gerät sind identisch, auch der Druckpunkt ist der gleiche. Ein kleines „Klick“ ist nicht zu vernehmen, eher ein federndes dumpferes „Klack“. Mir scheint, dass man bewährte elektronische Komponenten verbaut hat und keine billigen Drucktaster.

Die Lautstärke-Fader der einzelnen Drum-Kanäle vermitteln ein etwas anderes Bild. Sie sind zwar straff beim Schieben, sitzen aber doch recht wackelig im Gehäuse. Das fühlt sich gerade nicht hochwertig oder langlebig an, wobei der technische Fader durchaus eine gute Qualität haben kann. Das lässt sich, ohne das Gerät zu öffnen, allerdings nicht feststellen. Weder die Fader noch die Potiachsen sind mit dem Gehäuse in irgendeiner Art und Weise verschraubt oder verbunden. Es sitzt zwar alles fest und stramm, aber es vermittelt doch ein zwiespältiges Gefühl – gerade bei dem Preis und gerade dem Hintergedanken, dass dieses Gerät so massiv gebaut ist, dass es förmlich nach Transport und Live-Einsatz bettelt. Die Regler haben allesamt einen schönen Drehwiderstand und sind nicht gerastert. Nur der BPM/SELECT-Regler hat eine Rasterung und ist als Endlosregler ausgeführt.

Modor_Dr-2_sideviewTest: Modor DR-2, digitaler Drumcomputer & Synthesizer

Anschlüsse des DR-2

Alle Anschlüsse sind auf der Rückseite etwas tiefer ins Gehäuse versetzt. Das obligatorische MIDI-Trio ist logischerweise genauso vorhanden wie ein Main-Out als getrennte Monoklinken (links und rechts). Die linke Buchse ist gleichzeitig der Anschluss für einen Kopfhörer, selbstverständlich in Stereo. Bei dieser Preisklasse sind eine Voraussetzung 6 Einzelausgänge, für jeden Drum-Kanal einen. Da jeder Kanal ebenso Kick wie Percussion sein kann, gibt es auch durchweg die Bezeichnung A-F. Wenn ein Signal einzeln abgegriffen wird, wird es aus der Stereosumme entfernt. Soweit ganz normal.

Doch jetzt kommt gleich eine Besonderheit: Die Ausgangsbuchsen sind nicht nur Ausgänge, sondern gleichzeitig als Inserts ausgeführt. Also Stereoklinken! Somit kann man je nach Lust und Laune Effektpedale oder jegliche andere Effektgeräte anschließen und das Signal wird wieder im DR-2 vor dem PAN-Regler eingeschleift. Ob das funktioniert und zwar auch lautstärkentechnisch, wird natürlich probiert. Doch dazu später mehr.

modor dr 2 drumcomputer test

Noch mal zur Orientierung

Ganz unten am Gerät befindet sich der klassische Lauflicht-Sequencer à la TR mit den darüber liegenden Funktionstasten zur Bedienung des selbigen. Der Fader- und Potiblock links außen dient der Lautstärkenjustierung der 6 Drumsounds und zur Veränderung eines definierten Parameters (DEF) pro Klang. Darüber sind die Schnellzugrifftasten für VELOCITY und RANDOM (Zufallsfunktion). Die mittlere Sektion mit den Drehpotis dient ausschließlich der Klangformung und der Wahl des Klanges.

Alles rund ums Display dient zu Sicherung und Wiederherstellung der Ergebnisse, auch die globalen Systemeinstellungen sind hier zu editieren. Das bewerkstelligen der BPM/SELECT- und der SWING/VALUE-Regler. Einen Ein- und Ausschaltknopf sieht man nicht, aber das erledigt der POWER/VOL-Regler gleich mit. Durch Drehen im Uhrzeigersinn geht der MODOR DR-2 an und durchläuft jedes Mal eine kurze Selbsttest-Routine.

Drum-Algorithmen

Es gibt derzeit 15 auswählbare Drum-Modelle im Betriebssystem, weitere sind bereits in der Umsetzung. Die Algorithmen sind allesamt auf Schlag- und Percussion-Elemente spezialisiert.

Um den geneigten Leser dieses Artikels bei Stange zu halten, sind hier schon die Klangbeispiele zu den einzelnen Schlaggewerken. Die Aufnahmen sind nicht geschnitten, sondern direkt durch Drehen an den Klangparametern live aufgenommen, um einen Eindruck der Vielseitigkeit zu erhalten. Wer mehr Zusammenhang von Bild und Ton haben möchte, dem steht am Ende des Artikels noch das Video zur Verfügung.

DIST BD: Eine aus Sinusschwingungen generierte Kickdrum, die zusätzlich parallel zum Sound noch eine filterbare Distortion-Einheit zur Verfügung stellt.

NOISE BD: Eine übersteuerte Dreieck-Kickdrum mit einem filterbaren NOISE ATTACK (Burst) SignalModor_DR-2_NoiseBD

SQUARE BD: Eine Rechteck-Kickdrum mit LOWPASS- und NOTCH-FilterModor_DR-2_SQR-BD

SNARE: Diese Engine nutzt 6 Sinus-FM-Oszillatoren mit einem „snappy“ NOISE BURST

Modor_DR-2_BasicSN

Als Beispielgrafik: Parameter der Basic-Snare

MARCHING SNARE: eine etwas „tightere“ Marching-Band Snaredrum

ANALOG SNARE: ein noch „elektronischer“ Snare-Algorithmus mit 2 übersteuerten Dreieckschwingungen und ebenfalls einem „snappy“ NOISE BURST

CLAPS: ein stark gefiltertes weißes Rauschsignal mit mehrfachem Trigger

HIHAT: Cymbal-Noise und weißes Rauschen von kurzem bis langem Decay. Es gibt mehrere verschiedene Cymbal-Spektren zur Auswahl.

RIDE CYMBAL: eine Kombination von Bandpass- und Highpass-Filtern, die auf den Ride-Sound angewendet werden. Dabei gibt es verschiedene Cymbal-Spektren zur Auswahl.

CRASH CYMBAL: eine Serie von 6 parallelen Bandpass-Filtern neben weißem Rauschen filtert auch den Cymbal-Klang. Dabei gibt es auch hier verschiedene Cymbal-Spektren zur Auswahl.

TOM: eine Kombination von 3 übersteuerten Dreieckoszillatoren, die mit einem gefilterten Rauschverhalten angereichert werden können

TENORDRUM: ganze 32 Sinusoszillatoren mit verschiedenem Tuning und verschiedenen Längen durchlaufen ein Notch-Filter. Auch hier stehen verschiedene Spektren zur Grundsound-Auswahl zur Verfügung.

RIMSHOT: 3 Sinusschwingungen laufen durch eine Übersteuerung und ein Hochpassfilter

RATTLE: ein kurzer Klicksound mit 2 Filtercutoffs und der Möglichkeit, diese mit einstellbarer Wiederholung zu triggern.

COWBELL: 18 gegenseitig verstimmte Sinusoszillatoren, die durch ein Lowpass-Filter laufen und einen zusätzlichen Noise-Click beinhalten

Anhand dieser Liste kann man erahnen, wie umfangreich die Soundauswahl ist. Die Bezeichnung des Soundnamens trifft nur den Kern dessen, da auch extrem abweichende Klangergebnisse möglich sind. Aus einem Rimshot kann schon mal eine Kickdrum werden.

An dieser Stelle noch mal die Erwähnung, dass die 6 zur Verfügung stehenden Slots (Kanäle) völlig frei mit Drum-Algorithmen bestückt werden können. Das Gerät kann also gleichzeitig Zeit 6 verschiedene Kicks oder auch nur 6 Click- und Zisch-Sounds bereitstellen. Was man erst auf dem zweiten Blick erfährt, ist folgendes: Pro Drum-Kanal können zwei unterschiedlich editierte Drumsounds der aktivierten Engine gespeichert und im Sequencer separat angesprochen werden. Es ist sozusagen nicht nur ein 6-Spur-Sequencer, sondern kann auf 12 Spuren verdoppelt werden. Hierfür gibt es die Tasten ɑ und ꞵ, um zwischen den unterschiedlich editierten Sounds pro Engine umzuschalten. Dann sieht man die aktivierten Steps im Sequencer. Kleiner Wermutstropfen: Am Sound kann nur ein Parameter verändert werden. Das ist trotzdem toll, denn auch nur ein Parameter reicht aus, um den Klang maßgeblich zu verändern. Diese Funktion kann ideal für HiHat-Spuren verwendet werden. Damit bekommt man perfekt offene und geschlossene Varianten in eine Sequenzspur.

Klangfindung und Gestaltung

Modor DR-2 Parameter Karte

Das Gestalten von Klängen ist relativ einfach. Obwohl es sich um ein digitales Gerät handelt, bedarf es nämlich keinerlei Menüschlacht. Für jeden Parameter gibt es einen Regler oder Knopf. Alles wird nach Gehör und seinen Klangvorstellungen mit wenigen Handgriffen eingestellt. Beim Bewegen jedes Reglers wird der Parameter im Display angezeigt. Die Schrittweite reicht von 0-128. Meist bleibt es jedoch bei der minimalen Information, denn nur wenige Regler haben eine direkte Bezeichnung im Display. Die X-, Y-, Z- und T-Regler tauchen nur als Buchstaben im Display auf und nicht mit ihren Funktionsbezeichnungen. Deswegen gewöhnt man sich schon nach kurzer Zeit ab, auf das Display zu schauen. Als Spickzettel ist eine gedruckte Karte der Schnellfunktionen und der Parameterbelegungen pro Drumsynth beigelegt.

Test: Modor DR-2, digitaler Drumcomputer & Synthesizer

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Spannend ist das „blinde“ Suchen nach Sounds allemal. Dafür geben die Parameterweiten einiges her. Die Namen der Drum-Algorithmen bieten nur einen Anhaltspunkt für die Klangformung. Die dann tatsächlich entspringenden Sounds können aber plötzlich auch einen ganz anderen Charakter haben. So ist es mir gelungen, eine wirklich gute trockene Kickdrum aus der Cowbell-Engine zu kitzeln. Man sieht also, dass es eine Spielwiese jenseits der allseits bekannten Drum- und Percussion-Bezeichnungen ist. Überraschungen sind somit vorprogrammiert.

Auch überraschend ist es, einen Regler zu bewegen, ohne eine Veränderung des Klanges zu erzielen, denn nicht alle Regler sind bei allen Engines belegt. Hier scheint mir noch Platz für spätere Funktions-Updates zu sein. Da die Engines durchweg ein anderes Ziel verfolgen, tappt man gelegentlich orientierungslos im Sound-Gefilde umher. Das Merken, wo welcher Parameter sich befindet und welche Veränderung er auslöst, fällt somit etwas schwer. Eine manuelle Wiederherstellung von Klangeinstellungen, ohne diese als Drumset zu speichern, ist ebenso, zumindest in der Kennenlernzeit, ungewohnt.

Ein Regler namens CURVE (Envelope Generator) befindet sich ganz unten rechts als letzte Station im Klanggestaltungsprozess. Auf diesen möchte ich gesondert eingehen, denn er ist meiner Meinung nach gestalterisch sehr dominant. Diesen durchläuft jeder Sound und er beeinflusst das Decay des geschaffenen Klanges. Im Prinzip sind es 5 verschiedene Ausklingstufen (Fade Outs). Bevor ich ins Detail gehe, kann man es so formulieren: Vom Synthsound zum Drumsound! Die 5 Decay-Stufen können durch Drehen smooth überblendet werden und nennen sich Linear, Squared Linear, Exponential, Squared Reciprocal und Reciprocal. Alles klar? Wer sich die Grafik anschaut, wird sagen: „Ach so! Das! Ja, kenne ich!“

Modor DR-2 Curve

Am Ende der Signalkette steht ein Panorama-Regler für jeden der Kanäle zur Verfügung. Der Main-Out ist schließlich in Stereo ausgeführt. Für jede Engine steht auch eine Random Funktion zur Verfügung. Damit lässt sich (leider) nur ein Parameter definieren, der sich zufällig ändert. Eine Definierung des Zufallsanteils lässt sich (bis jetzt) auch noch nirgends einstellen. Mildernde Umstände bieten allerdings die 6 zusätzlichen Potis oberhalb der Fader.

Diese DEF-Regler können, gerade für das Live-Schrauben ebenfalls mit einem Klangparameter definiert werden. Hier sogar mit einstellbarer Tiefe. Das kann gehörige Veränderungen in der Performance bringen, eben je nachdem, welcher Parameter damit verknüpft ist. Ein Wechsel der Parameter, sowohl bei der RANDOM als auch bei der DEF Funktion, geht sehr schnell. Ein Doppeltap auf den besagten Button und die Funktion löscht die Modulation. Mit einer erneuten Parameterwahl geht es dann in die nächste Runde. Damit kann man schon gehörige Veränderungen einläuten, ohne den programmierten Sound zu überschreiben.

Test: Modor DR-2, digitaler Drumcomputer & Synthesizer

Übrigens: In den Systemeinstellungen gibt es auch eine Menüauswahl, wie die Regler reagieren sollen, wenn die derzeitige Einstellung von dem gespeicherten Wert abweicht. Entweder springt er sofort bei Bewegung zu dem dargestellten Wert oder die Funktion greift erst, wenn der Wert mit der gespeicherten Einstellung übereinstimmt.

Der Sequencer

Es handelt sich um einen bis zu 64 Steps fähigen Lauflicht-Sequencer à la TR, bei dem auch die 32er Noten direkt eingegeben werden können. Die Pattern-Länge kann natürlich pro Pattern festgelegt werden. Es stehen 16, 32, 48 und 64 Schritte zur Verfügung. Eingangs habe ich erwähnt, dass es ein 128-Step-Sequencer ist! Wie das? Es ist auch möglich, die 32er Steps zu entfremden. Sprich, man halbiert das Tempo und schwupps bietet einem das Gerät 32 Steps direkt zur Bearbeitung. Das ergibt natürlich nur Sinn, wenn man auf die 32stel Noten musikalisch verzichten kann. Pro Drum-Kanal stehen 6 verschiedene Spuren im Lauflicht-Sequencer zur Verfügung: Trigger-Steps für Sound ɑ, Trigger-Steps für Sound ꞵ, eine für die REVERSE-Trigger, für die FLAM-Trigger, für den BREAK-Trigger und eine für den ACCENT-Trigger. Das ist schon recht umfangreich.

Summa summarum verwaltet das Gerät 36 Sequencer-Spuren. Die Länge der Sequenz ist natürlich in Echtzeit während des laufenden Betriebs zu verändern. Auch jede ungerade Länge ist so realisierbar. Das Laden von Patterns geht selbstverständlich auch im Live-Betrieb und das nicht nur über das Display-Menü, sondern auch über Shortcuts mit der PATTERN-Taste und über die Sequencer-Step-Tasten. Pattern-Speicher 1-16 sind z. B. über PATTERN + 1-16 + PAD 1-16 aufzurufen. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Das geht schnell von der Hand. Genau so wird es auch für die Drumsets und für die Songs praktiziert. Auch die SHIFT-Taste ist hilfreich beim Stummschalten von einzelnen Kanälen. Insgesamt ist es erfreulich, dass es (noch) keine allzu verschachtelten Menüs oder Unterebenen gibt. Das grün leuchtende Display benötigt man in der Regel fast nicht, nach einer kurzen Zeit beachtet man es auch nicht mehr. You hear what you do!

„Moment, da sind aber doch gar keine anschlagdynamischen Pads an dem Gerät!“

Korrekt! Das ist mir beim Testen sogar auch aufgefallen. Nein, im Ernst: Man vermisst sie nicht! Die Taster A-F unter den Lautstärke-Fadern sind nicht nur zur Kanalauswahl gedacht, damit können die „Noten“ manuell eingespielt werden. Simpel, aber effektiv! Das passt auch gut zum Konzept der Drum-Maschine, denn hier geht es nicht um gefühlvolle Nuancen, sondern um das Hämmern der Bolzen. Wer möchte, kann über externe Geräte per MIDI sein gewohntes Drumpad verwenden. Dann werden auch Velocity-Daten verarbeitet. Am Gerät selbst können die Accent- oder Velocity- Funktionen aber auch die Lautstärke pro Step „temperieren“, um Akzente in die Beats zu bekommen. Keine Sorge, das alles geht on-the-fly bei laufender Maschine. Die DR-2 hat hierzu verschiedene Modi im Play- oder Record-Betrieb. Sobald man die PLAY-Taste drückt, kann man auf die ausgewählten Sound-Steps setzen und programmieren. Drückt man die PLAY-Taste erneut, wechselt der Modus und man kann zusätzlich mit den Tasten A-F (Kanaltasten) direkt Finger-Drumming betreiben. Die Fingerakrobatik wird aber nicht aufgezeichnet, erst wenn man RECORD zusätzlich betätigt, bleiben die Fingerdrums im Sequencer gespeichert.

Modor_Dr-2-sequenzer

Alle Basisfunktionen, wie das Verändern des Tempos oder der Swing-Funktion sowie die Synchronisierung über MIDI mit externen Geräten, sind natürlich vorhanden und funktionieren. Ein analoger Clock In und Out als Monoklinke ist auf der Rückseite vorhanden. Die Integrierung in jegliche Umgebung ist somit gewährleistet.

Was ich schmerzlich vermisse, ist eine Zufallsfunktion, um die Sequencer-Spur zu füllen oder sie mit selbst verändernden Optionen zu versehen, bis hin zu völliger Zufälligkeit. Da es sich um ein voll digitales Gerät handelt, kann ich mir vorstellen, dass so etwas in Zukunft hinzugefügt wird. Die Tasten und das Umfeld sind vorhanden.

Alles mit MIDI

Die Modor-Maschine sendet und empfängt per MIDI -Controller-Daten der Potis. Eine Liste ist ergänzend im englischsprachigen Handbuch zu finden. Sysex-Dumps zur Datensicherung sind auch möglich, ebenso die üblichen Einstellungen wie Program-Changes etc. Wer die Klänge nicht am Gerät anrufen möchte, kann dies auch über einen anderweitigen MIDI-Controller machen. Velocity-Daten werden ebenso verarbeitet. Somit kann man auch anschlagdynamische Pads verwenden.

Die System-Updates werden per Sysex-Daten von einem Rechner übertragen. Hierzu benötigt man ein Tool namens MIDI-OX oder SendSX (Windows) und für Mac Sysex Librarian.

Der Speicher

Nein, damit ist kein Sample-Speicher gemeint, sondern der Speicher für die Eigenkreationen. Die selbsterstellten Drumsets können auf 64 Plätzen gesichert werden. Dazu gesellen sich 96 Pattern- und 32 Song-Speicherplätze. Ein Song beinhaltet nur die Angabe von Pattern-Verweisen und nicht die gesamten Patterns. Verändert man ein Pattern, so ändert sich dieses auch automatisch im Song-Modus. Muss man 2021 erwähnen, dass man auch die Drumsets und Patterns benennen kann? Ja, es ist leidlich, aber es geht.

Der Klang des Modor DR-2

Wenn ich es nicht wüsste, würde ich nicht vermuten, dass es sich um einen digitalen Sound-Generator handelt. Der Klang ist voluminös und rund und klingt auch total analog. Das muss so gesagt werden. Auch die Crashes, HiHats und andere Klicks und Zirps klingen nie harsch oder spitz. Mir sind keine digitalen Artefakte im Klang aufgefallen, egal ob extreme Einstellungen vorgenommen wurden oder ich mich tief oder ganz oben im Klangspektrum aufhielt. Egal, ob man langsam oder schnell einen Parameter verändert, verhält sich der Sound „analog“. Wer nach 909- und 808-Sounds sucht, wird diese auch herstellen können. Überhaupt auch alles andere, was einem in den Sinn kommt. Die Modor kann das und noch viel, viel mehr. Das sage ich mit reinem Gewissen. Ich betone, dieses Gerät ist frei in der Sound-Auswahl. Natürlich kann man auch versuchen, bekannte Sounds exakt nachzubilden. Für Anwender aber, die genau eine 606-Snare nachbauen wollen, ist die Modor nicht geschaffen. Das Konzept ist ein anderes. Für diese Art von Gebrauch eines Drumsound-Lieferanten gibt es unzählige Sample-basierte oder in der Anwendung schon fertig konfigurierte Geräte am Markt und das auch für wenige hundert Euro. Noch mal zurück zum Thema: Die Modor Dr-2 hat einen hervorragenden Klang und eine sehr gute Bandbreite. Daran gibt es nichts zu bemängeln.

Schattenseiten des DR-2

Natürlich gibt es auch Schattenseiten bei diesem Gerät, allerdings nicht, was den Klang anbelangt. Da wäre zum Beispiel, dass bei den kleinen Potis namens T und CURVE bei kräftigem Zulangen und Drehen von einem Ende zum anderen die Klemme im Inneren der Potiachse ein Spiel hat und sich weiter bewegt als sie soll. Die Potikappe sozusagen könnte ausleiern. Hier ist Vorsicht geboten.

Auch habe ich mehrfach versehentlich beim Drehen des CURVE-Reglers auf die Stopptaste gedrückt und den Sequencer aufgehalten. Das ist ein Zeichen dafür, dass die beiden Funktionen zu nahe aneinander liegen. Hier muss man aufpassen, denn verbessern lässt sich das nun nicht mehr.

Die Volume-Fader sitzen zwar straff im Regelweg, wackeln aber doch sehr von links nach rechts. Evtl. würde eine weitere Hardware-Revision in Zukunft Abhilfe schaffen. Zu Beginn wünscht man sich mehr visuelle Informationen in Form eines grafikfähigen Displays, denn das oldschoolige Display aus den Neunzigern bietet nur das Nötigste. Gerade weil dieses Gerät in einer höheren Preisklasse angesiedelt ist, auch wenn es sich um einen Boutique-Hersteller mit geringen Mengen handelt, würde man das trotzdem fast schon erwarten. Von Vorteil wären auch zumindest zweifarbige LEDs bei den 6 Kanälen gewesen, um den jeweils ausgewählten Kanal optisch anders darzustellen. Jetzt leuchtet die LED permanent rot und zugleich leuchtet sie auch noch schwächer auf, wenn der Sound getriggert wird. Da muss man schon zweimal hinschauen. Der Ordnung halber: Ein USB-Anschluss ist nicht vorhanden.

Wem es bis jetzt noch nicht aufgefallen ist: Über interne Effekte wurde bisher nichts geschrieben. Es gibt nämlich keine! Das ist in Anbetracht einer digitalen Struktur verwunderlich, gerade wenn man andere Produkte der Mitbewerber heranzieht. Eine Prozessorleistung für zumindest übliche Effekte sollte vorhanden sein. Welche Effekte und in welcher Qualität auch immer wären dabei vollkommen egal, sie würden das Gerät nochmals deutlich aufwerten und in der Anwendung kompakter machen. Man denke nur zum Beispiel an einen Bitcrusher, der in einer digitalen Klangstruktur wohl einer der einfachsten zu realisierenden Effekte sein dürfte. Man kann nur hoffen, dass hier noch etwas in zukünftigen Updates nachgeliefert wird.

Positives am DR-2

Der Sound und die Vielseitigkeit der Engines jenseits der üblichen Pfade sind ganz klar als positive Merkmale hervorzuheben. Die Direktheit der Editierung ohne großes Display ist dennoch ein Vorteil, obwohl ich es anfangs vermisst hatte. Der Anwender kann so sehr intuitiv vorgehen. In der Testphase konnte ich mich voll und ganz auf die Beats und Sounds konzentrieren und wurde nicht durch ein leuchtendes Display abgelenkt. Etwas ganz Neues sind die Einzelausgänge/Inserts, die externe Effekte einbinden können. Das schafft eine neue Spielwiese und lädt zusätzlich zum Experimentieren ein. Das funktioniert sehr gut, man sollte nur darauf achten, dass man am Effektgerät den Pegel regeln kann. Zum Zeitpunkt des Tests sind mir ein paar Bugs aufgefallen, die dem Hersteller gemeldet wurden. Diese sind bereits im nächsten Update, evtl. beim Lesen dieses Artikels bereits behoben. Für das nächste Update sind bereits folgende Funktionen eingeflossen: ein Euclidean-Pattern-Generator (somit hat sich die obige Kritik teilweise schon erledigt), die Verwendung der Tasten für die Patternlänge für Fills oder Variationen und ein Kompressor mit Sidechain-Funktion für jeden Kanal. Für ein zukünftiges Update sind eine neue Kickdrum für den harten Techno-Style und eine etwas dreckigere, nicht so realistische Cymbal in Arbeit. Man sieht, hier geht es Schlag auf Schlag weiter.

Tja, für wen eignet sich die Modor DR-2 denn nun? Für den Parameter schubsenden, detailverliebten VST-automationsumgebungsliebenden Musiker sicherlich nicht. Die Drum-Maschine mit 80er- und 90er-Flair in der Bedienung und Optik ist eher was für den Ich-schau-mal-was-ich-Tolles-damit-zimmern-kann-Typen oder In-meinem-Liveset-zeige-ich-den-Leuten-wo-der-Hammer-hängt-Typen und all diejenigen Leute, die das Besondere jenseits der großen Hersteller suchen und dabei auch auf die ein oder andere Spielerei „moderner Technik“ verzichten können. Bei der Modor DR-2 kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich auf die Wirkung der Klangergebnisse!

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Fazit

Optisch und Hardware-technisch etwas altbacken, aber mit großen Ambitionen und Tugenden kommt die Modor DR-2 ins Studio. Sie glänzt mit sehr gut klingendem Drum-Algorithmen, die einem niemals digital vorkommen, einem ausgereiften Sequencer mit schnellem Zugriff und der Freiheit, seine eigenen Klangkreationen mit wenigen Handgriffen von Grund auf selbst zu finden. Für wen die kleinen Mankos bei diesem Boutique-Gerät kein Mangel sind, der wird seine Freude daran haben und seinen Beats einen ganz eigenen Charakter geben können. Die DR-2 kommt eben nicht von der Stange. Daher steht meines Erachtens die Frage des Preises nicht im Mittelpunkt.

Plus

  • Grundklang
  • Klangflexibilität
  • einfache Bedienung
  • Update-Politik

Minus

  • keine internen Effekte
  • die Fader wackeln
  • Potibefestigung
  • Netzteilkabel zu kurz

Preis

  • 1.795,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    hein

    Was bedeutet eigentlich der Begriff „Boutique“ im Zusammenhang mit einem Synthesizer?

    • Profilbild
      freeldr77  

      Es bedeutet, dass ein kleiner Hersteller (oft ein 1-3 Mann Betrieb) innovative und hochwertige Geräte in kleiner Stückzahl produziert.
      Daraus resultieren dann leider auch oft recht hohe Preise, da keine richtige Massenproduktion stattfindet.

      • Profilbild
        S_Hennig  

        „Boutique“ bedeutet fachlich erst mal gar nix. Das ist nicht geschützt oder irgendwie definiert.
        Fender baut Boutique Verstärker, in meiner Straße öffnet dieses Jahr ein Boutique Hotel und so weiter. Zynisch: Boutique ist französisch für „teuer“.

        Vom Marketing her bedeutet es aber, dass die Investitionen nicht über die Stückzahl sondern über den Verkaufspreis herein geholt werden sollen. Das ist also eine Strategie der Preisfindung und des Marketings. Und das ergibt halt eher für kleine Unternehmen einen Sinn, die ihre Zielgruppe sehr genau kennen aber keinen wirklichen Durchgriff auf Produktionsmittel haben. Mordor wäre z.B. gar nicht in der Lage zu liefern, wenn Thomann mit einer Order von 5000 Stück bis Monatsende um die Ecke käme. Und es würde sich für Mordor auch nicht rechnen, sich auf solche Order vorzubereiten. Die müssen einfach anders planen und rechnen.

        Aber mit Herstellungsqualität oder mit der Betriebsgröße hat das nichts zu tun. Die Qualität muss heutzutage einfach immer stimmen, ob es sich um einen Tanzbär oder um einen Moog Voyager handelt.

  2. Profilbild
    MichBeck  

    Hmm… „optisch etwas altbacken„ finde ich den DR-2 jetzt nicht unbedingt. Gefällt mir sogar.

    Aber, ich bin Jahrgang 78 und selbst die TR909 ist für mich, vom Design her, immer noch ziemlich Future.

    …trotz rotem Zahlen-LED und, von einer damaligen Computertastatur entnommenen, Lauflichtprogrammierung. :D

  3. Profilbild
    Dalai Galama  

    Puh. In der gleichen Preisklasse wie die Jomox Alpha Base. Da gilt es, genau abzuwägen. Der Sound macht bei beiden an.

  4. Profilbild
    lightman  AHU

    Auf den ersten Hinhörer finde ich den Klang gut, aber unspektakulär. Als Modor damals mit ihrem ersten Synth angetreten sind, haben sie noch mit „proudly digital“ oder so ähnlich geworben und explizit darauf hingewiesen, daß sie die Ecken und Kanten der digitalen Basis dringelassen haben, um auch noisigere Sachen machen zu können.

    Bei der Drummachine hier hört man in den Klangbeispielen schon den einen oder anderen Ansatz dazu, aber mir scheint, daß man das Ding nicht so wirklich in den roten Bereich fahren kann, was ich schade finde, denn gerade dieser mit seinen Artefakten und „digitalem Abfall“ ist für mich klanglich oft ziemlich ergiebig.

    Naja, und dann ist da noch der Preis…

  5. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Ich finde den spitze! Glasklarer Sound und wenn mann die Audiofiles durchhört eine sehr weite Range innerhalb der Synthesetypen. Das Ding ist in Hardware einzigartig und wer lofi will kann es ja mit einem Amiga samplen. ;)

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