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Test: Audeze MM-100, magnetostatischer Studiokopfhörer

Studiokopfhörer mit 90 mm Planartreibern

20. November 2023
audeze mm 100 test des studiokopfhörers

Audeze MM-100, magnetostatischer Studiokopfhörer

Der US-amerikanische Hersteller Audeze ist kein Unbekannter, wenn man von hochwertigen Kopfhörern spricht. Im Sommer 2023 wurde bekannt, dass Sony Interactive, also der Konzernteil um die PlayStation herum, Audeze übernimmt. Und dies aus nachvollziehbaren Gründen, denn Gamer und 3D-Audio scheint man als neue Zielgruppe zu sehen. Natürlich auch hier in der gehobenen Preisklasse. Das Audeze LCD-GX Gaming-Headset liegt bei rund 1.100,- Euro, das 3D-taugliche und drahtlose Maxwell kostet rund ein Drittel davon, hebt sich preislich dennoch deutlich von seinen Mitbewerbern aus dem Gaming-Spektrum ab. Für knapp 500,- Euro ist unser heutiger Testkandidat Audeze MM-100 zu haben. Diesen haben wir uns näher für euch angeschaut.

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Die Technik hinter dem Audeze MM-100

Audeze MM-100 Außenkappen

Die Spezialität von Audeze und somit auch beim Audeze MM-100 sind die eigens konstruierten Planar-Magnettreiber. Hierbei stellt die mit einem Draht beschichtete Schwingspulenmembran ein Teil des Magnetfeldes dar, die sich zwischen zwei Permanentmagneten bewegt und dadurch den Schall über die ganze Fläche gleichmäßig verteilt. Geringe Masse und hohe Flussdichte sollen für ein transparentes und homogenes Klangbild über das gesamte Frequenzspektrum hinweg sorgen. „Das Studio zum Mitnehmen“ ist nicht übertrieben.

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Insgesamt ein Konzept, das theoretisch mehr Vorteile als konventionelle Tauchspulenmagnete bietet, das steht außer Frage. Aber wer unsere Kopfhörertests kennt, weiß auch, dass es gerade im Preisbereich bis um 500,- Euro viele gute und bewährte Produkte gibt. Mich persönlich macht skeptisch, wenn eine vormals teuer verkaufte Technologie plötzlich im unteren bis mittleren Preisbereich zu finden ist und wie beim Audeze MM-100 im Gegensatz zum größeren und seit Jahren bewährten Audeze MM-500 für derzeit rund ein Viertel des Preises erhältlich ist. Außerdem will ich anmerken, dass meine Erfahrungen mit Planarmagnetischen Treibern bislang nicht die Besten waren.

Ich denke da beispielsweise an den MrSpeakers AEON Flow Closed-Back zurück. Leise, energiehungrig, doppelt so teuer und schwer, das Ding hat mir nicht gefallen und ist ein gutes Beispiel dafür, dass Theorie und Marketing nicht zwingend mit der Praxis übereinstimmen müssen.

Der erste Eindruck zum Audeze MM-100

Der Audeze MM-100 ist zwar mit knapp 500 g auch kein Leichtgewicht, sitzt aber trotz seiner Gewichtsverteilung durch die großen Ohrmuscheln gut und sicher auf dem Kopf auf, aber nicht zu straff. Die ledernen und austauschbaren Ohrpolster mit darunter liegenden Gelkissen passen sich an die individuelle Kopfform an und dichten gut ab.

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audeze mm 100 test kopfhörer tonstudio

Auch sonst bietet der Audeze MM-100 einige Besonderheiten gegenüber anderen Kopfhörern. So gibt es keine herkömmliche Kopfbandverstellung. Genau genommen kann man das lederne Band über dem Kopf mittels einer Verschraubung links und rechts leicht in insgesamt fünf Positionen verstellen, den Rest erledigt das zusätzlich gepolsterte, flexible Kopfband aus Federstahl. Die Ultra-Thin Uniforce-Membranen kommen aus den Spitzenmodellen zum Einsatz, ebenso die in einem patentierten Array angeordneten Neodym-Magneten. Wie auch schon beim MM-500 als Topmodell dieser Serie, war der mehrfache Grammy-Gewinner und Mastering-Engineer Manny Marroquin bei der Entwicklung mit beteiligt, so dass man auch beim Audeze MM-100 viel von dem vorfindet, was der Mastering-Bolide MM-500 mitbringt.

Beim Design allerdings orientiert man sich weniger bieder am Maxwell-Headset. Genau genommen kann man den Audeze MM-100 nicht nur als Budget-Modell sehen, sondern er wurde speziell an die Zielgruppe Mix und Mastering angepasst.

Wie wird der Audeze MM-100 geliefert?

Audeze MM-100 Kabel

Geliefert wird der Audeze MM-100 in einem schicken Karton samt steckbarem Kabel mit großer Klinke, ein Reduzieradapter liegt bei. Das relativ dünne und gedrillte Kabel ist ausreichend lang und einseitig steckbar, während es beim MM-500 eine beidseitige Kabelführung gibt. Der Träger kann beim Audeze MM-100 entscheiden, ob er den linken oder rechten Mini-Klinkenanschluss seitlich an der Ohrmuschel verwenden möchte. Richtig herum sitzt der Hörer dann, wenn diese Buchsen mehr nach vorne zeigen.

Zum Transportieren liegt ein Samtbeutel mit aufgedrucktem Logo und Kordelzug bei. Der Kopfhörer fühlt sich leichter als gedacht an, was auch der Materialwahl geschuldet ist. Die Gondeln bestehen aus Aluminium und die Außenkappen sind aus leichtem Karbon gefertigt. Weiterhin finden wir zwei Karten mit Link zur Anleitung und eine mit Seriennummer und einer Unterschrift desjenigen Mitarbeiters, der die Endkontrolle vorgenommen hat, Mercedes AMG lässt grüßen.

Audeze MM-100 flach

Schauen wir auf die Innenseite der Ohrmuscheln, finden wir wie auch beim MM-500 Waveguides, die die Schallverteilung optimieren sollen. Um wirklich zu wissen und zu verstehen, ob und was das bringt, müsste man den Audeze MM-100 zerlegen.

Interessanter sind die technischen Daten. Die Impedanz mit für dieses Konzept äußerst geringen 17 Ohm und der Frequenzgang von 20 Hz bis 25 kHz bei einem maximalen Schalldruck von 100 dB SPL (@ 1 kHz) bei einer Empfindlichkeit von 98 dB/1mW. Nein, leise ist er keineswegs und läuft sogar am Kopfhörerausgang eines handelsüblichen Notebooks ohne Probleme. Für den Mobilbetrieb allerdings wäre eine kleine Klinke am Kabel sicher praktischer bezogen auf die Zugentlastung gewesen. Eine Verstärkung von 250 mW wird empfohlen.

Der Audeze MM-100 in der Tonstudiopraxis

Audeze MM-100 Tasche

Erinnere ich mich zurück an meinen Sennheiser HD 800, der Referenzkopfhörer schlechthin mit unhandlich hoher Impedanz, zeigt Audeze, wie man es besser macht. Ich erwähnte ja schon, dass er sich auch gut an schwächeren Kopfhörerausgängen betreiben lässt. Dabei ist die Handhabung sehr einfach und er lässt sich Dank der drehbaren Ohrmuscheln auch sehr flach zusammenlegen.

Weil es keine großartigen Einstellungen gibt, braucht man ihn nur aufzusetzen und erfreut sich an einem transparenten und gut durchgezeichneten Klangbild. So musste er sich im Vergleich mit dem AKG K812, Beyerdynamic DT 1990 Pro und T5 3rd Edition beweisen, wobei letzterer ein geschlossenes Modell ist. Die Bauweise des Audeze MM-100 ist offen, wobei ich tendenziell eher halboffen behaupten möchte, er kommt hier dem DT 1990 Pro am nächsten und lässt genug, aber nicht zu viele Außengeräusche durch.

Die Frage, die mir persönlich doch sehr wichtig war, in wieweit der Audeze MM-100 konventionelle Kopfhörer überflügeln könnte. Immerhin ist er auch preislich dem DT 1990 Pro sehr nahe, der allerdings mit wechselbaren Ohrpolstern und zwei Anschlusskabeln sowie einem passendem Case ausgeliefert wird. Am Ende war ich zugegeben etwas überrascht, aber es sei verraten: Hätte ich keine der oben genannten Alternativen, läge der Audeze MM-100 sicher irgendwo im Warenkorb. Mal sehen, sollte es die Lottofee gut mit mir meinen, würde ich mir glatt mal einen LCD-5 aus Neugier zulegen, aber der Audeze MM-100 stellt mich schon sehr zufrieden.

Wie klingt der Audeze MM-100?

Um es direkt auf den Punkt zu bringen: fantastisch. Meine Vorbehalte gegenüber Planartreibern konnte der Audeze MM-100 vollends ausräumen. Viel mehr stellte sich für mich die Frage, warum ein MM-500 oder gar ein LCD-5 deutlich teurer sind bzw. was sie klanglich noch besser können.

Im Großen und Ganzen kann man den Charakter des Audeze MM-100 als ziemlich organisch und neutral bezeichnen, mit einer leichten und unaufgeregten Überbetonung im Mittenbereich. Diese leichte Einfärbung sorgt für mehr Präsenz der so sensiblen Mitten, was den Vorteil beim Abmischen von Vocals bringt. Die Dosierung ist so gut gewählt, dass man nicht das Gefühl hat, dass dadurch die Neutralität gestört würde. Hinzu kommt der Umstand, dass Bässe nicht überbetont werden, auch die Höhen klingen sehr seidig und abgerundet. Alles in allem könnte man den Audeze MM-100 einige Klassen höher vermuten. Hätte es den Audeze MM-100 schon 2012 schon gegeben, hätte ich damals den Sennheiser HD 800 vermutlich links liegen gelassen – im Laufe der Zeit hat mir dieser nämlich immer weniger gefallen. Im direkten Vergleich zeigt sich aber auch, dass die Tesla-Technologie von Beyerdynamic zwar konventionell, aber nicht schlechter funktioniert. Rückblickend frage ich mich ernsthaft, was die Tester dazu veranlasst hat, dem HD-800 die absolute Referenzklasse auf Elektrostaten-Niveau zuzubilligen.

Audeze-MM-100-Side-White test des studiokopfhörer

Aber zurück zum Audeze MM-100, den es offenbar auch mit weißen Außenkappen gibt. Beim längeren Einhören mit verschiedenen Alben aller Stilrichtungen hat sich im Vergleich gezeigt, dass Planarmagneten nicht per se besser sein müssen. So macht mein AKG K812 bei manchen Tracks eine bessere Figur, besonders bei weiblichen Stimmen gefielen mir allerdings die leicht präsenteren Mitten beim Audeze MM-100 etwas besser. Bässe kann er übrigens auch, wenn sie vorhanden sind, er trägt aber nie dick auf, während er im Hochtonbereich nie spitz oder harsch klingt. Im Vergleich zum DT 1990 Pro klingt er hier deutlich zurückhaltender und weniger überspitzt, löst aber trotzdem gut auf.

Ganz bewegend hat er ein Stück präsentiert, das nicht besser in unsere Zeit passen könnte; die „Friedenshymne“ von Meike Garden. Sie kennt man als Maxi Garden mit ihrer Mutter, Grand Prix 1988 in Dublin. Weil sie mir über ein Interview im Sommer zurück ins Bewusstsein kam, hatte ich natürlich neben den damaligen auch aktuelle Produktionen in meinem Archiv. Besonders hier konnte man wirklich jeden Atemzug und Herzschlag regelrecht spüren und das schreibe ich als jemand, der von lyrischer Klangschwurbelei wenig hält.

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Audeze MM-100
Audeze MM-100
Kundenbewertung:
(4)

Auch was Bühne und Schnelligkeit angeht, kann der Audeze MM-100 positiv überzeugen. Egal ob beim aktuellen Album der Rolling Stones oder bei den Aufnahmen von Winfried Bönig an der Orgel im Dom zu Köln. Bezüglich der Phasenlage heißt es, dass Magnetostaten hier im Vorteil seien, aber diesbezügliche Fehler machen meine konventionellen Kopfhörer nach meiner Erfahrung nicht. Auch was die Schnelligkeit angeht, kann der AKG K 812 hier durchaus mithalten, es sind eben verschiedene technische Konzepte.

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Fazit

Ein magnetostatischer Kopfhörer für unter 500,- Euro von Audeze ist schon eine Ansage. Der Audeze MM-100 klingt edel und trotz seines relativ geringen Preises richtig teuer. Bei der geringen Impedanz macht er selbst direkt am Notebook eine gute Figur und ist per se nicht besser, aber anders als seine konventionellen Mitbewerber. Mixen und mastern bei der schnellen Treiberansprache ist ebenso eine Freude, wie beim reinen Musikhören. Generell gilt: Kopfhörer sind je nach Einsatzzweck und Anatomie individuell zu bewerten, von daher sind meine Eindrücke natürlich rein subjektiv. Den perfekten Kopfhörer gibt es genauso wenig, wie das perfekte Gehör.

Plus

  • günstiger Magnetostat
  • bequemer Sitz
  • sehr detailgenau
  • gute Verarbeitung mit Tragebeutel
  • flach zusammenlegbar

Minus

  • große Klinke am Kabel für den Mobilbetrieb vielleicht etwas unhandlich

Preis

  • 489,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    SoundForger2000

    Sehr interessant. Danke für den Test !

    Im Preissegment in dem Audeze tätig ist, wirklich ein absolutes Schnäppchen dieser Hörer.
    Ich habe mal einen LCD-5 gehört. Definitiv einer der besten Hörer die ich je hören konnte. Und ich habe mich bis zum Sennheiser ORPHEUS hochgehört. ;-)

    Mit Preisen im 4-stelligen Bereich habe ich freilich so meine Schwierigkeiten, da ich – im Gegensatz zur Industrie – den Terminus „Preisleistungsverhältnis“ sowohl kenne, als auch berücksichtige. Audeze agiert in Preisregionen der HiFi-Welt in der Preise schon fast egal sind. Da gilt alles unter 1000€ als billig und kaum zu gebrauchen.

    Jenen hier sollte ich dann wohl wirklich mal hören.
    Interessant wäre ein Vergleich an verschiedenen Amps um die Auswirkungen der mit 17Ohm doch äußerst niedrigen Impedanz zu checken.
    Ich sehe gerade, in „God’s own country“ RRP nur 399 Dollar.

    • Profilbild
      Stephan Merk RED

      @Filterpad Also Schwitzen konnte ich auch nach längerem Tragen nicht feststellen. Hierfür tragen sicher die offenen Außenkappen positiv zu bei.

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