Ein File-Format für alle DAWs?
„Ich habe hier ein Projekt, da gefällt mir der Mix noch nicht so. Kannst du das mal checken? – Klar, schick mir doch eben deine Studio One-Projektdaten rüber, dann schau ich mir das mal in meinem Bitwig an!“ Was vor kurzem noch nach wilder Utopie klang, soll jetzt möglich sein. Denn Bitwig hat zusammen mit Presonus ein DAW-übergreifendes Dateiformat entwickelt, mit dem es möglich sein soll, Projekte DAW-übergreifend auszutauschen. Auch Steinberg ist mit Cubase mittlerweile auf den Zug aufgesprungen. Ob das in der Praxis wirklich funktioniert, haben wir für euch herausgefunden.
Inhaltsverzeichnis
- DAWproject – die Voraussetzungen
- Was ist das DAWproject?
- Erklärte Ziele des DAWprojects
- Intermezzo: Das Beispiel CLAP
- Was halten die anderen DAW-Produzenten von DAWproject?
- Statements von Bitwig und Presonus
- Ein Blick zurück: Austausch von DAW-Projekten
- DAWproject: Das alles funktioniert schon (meistens)
- Steinberg Cubase: der offiziell Dritte im Bunde
- DAWproject: Der aktuelle Praxistest
- DAWproject: Plug-ins
- DAWproject: Audio
- DAWproject: Songs
- DAWproject: Built-in-Devices
- DAWproject: Automatisierung
- DAWproject: Mixereinstellungen und Spureffekte
- Unzip DAWproject
DAWproject – die Voraussetzungen
Stand heute funktioniert der Dateiaustausch mit Bitwig ab Version 5.0.8 und mit Studio One ab Version 6.5. Steinberg schließlich kam mit etwas Verspätung mit der Cubase-Version 14 dazu. Was genau ist das DAWproject File Format? Gab es da früher schon Vergleichbares? Wie funktioniert das? Was sagen andere DAW-Produzenten dazu, und auch: Was sagen Bitwig und Presonus über die Zukunft dieses Projekts?
Eine Bemerkung voran: Insgesamt soll der folgende Artikel kein groß angelegter Test sein, in dem ich alle Details des neuen File-Formats auf Herz und Nieren teste, sondern eine Übersicht – und der Bericht über eine erste Kontaktaufnahme in der Praxis.
Was ist das DAWproject?
DAWproject ist ein kostenloses (also frei von Lizenzgebühren) und auch offenes Dateiformat, um Projektdaten zwischen verschiedenen DAWs auszutauschen. Genauer: Ein Container, der Audio-, Noten- und Plug-in-Daten zusammen mit der als XML-Daten dargestellten Projekt- und Metadatenstruktur enthält. Heißt: alle Informationen zu Zeit, Spuren und Kanälen sowie alle Audio-, Noten- und Automatisierungsdaten sowie die Zustände der in einer Datei verwendeten Plug-ins.
Gespeichert wird mit der Dateiendung „.dawproject“, aktuell ist zum Zeitpunkt dieses Artikels die Version 1.0. Interessierte Entwickler und Benutzer können sich alle dazu benötigten Informationen und Files in Github.com herunterladen. Dort heißt es in den Lizenzbestimmungen – die übrigens schon 2020 verfasst wurden:
„Permission is herebygranted, free of charge, to any person obtaining a copy of this software and associated documentation files (the “Software”), to deal in the Software without restriction, including without limitation the rights to use, copy, modify, merge, publish, distribute, sublicense, and/or sell copies of the Software, and to permit persons to whom the Software is furnished to do so…“
Erklärte Ziele des DAWprojects
Folgende Benutzerdaten eines Projekts/Songs in eine einzige Datei zu packen:
- Audio timeline data
- Note timeline data
- Note expression data
- Automation timeline data
- Audio data (eingebettet oder referenziert)
- Plugin states (immer eingebettet)
- Das Projekt sollte in der Lage sein, so viele vom Benutzer erstellte Daten wie möglich aufzunehmen/zu bewahren
- Das Format sollte in der Lage sein, die Spur- und Timeline-Strukturen der exportierenden DAW so darzustellen, wie sie sind, wobei es dem Importeur überlassen bleibt, diese Daten zu verwenden und sie nach Bedarf zu reduzieren.
- leicht zu implementieren
- basierend auf etablierten offenen Standards
- Sprachunabhängig
- offen und kostenlos
DAWproject ist so konzipiert, dass es sich an zukünftige Anforderungen anpassen lässt und unabhängig von Unterschieden im Funktionsumfang verschiedener Programme kompatibel bleibt.
Zu den „Nicht-Zielen“ gehört es, das Dateiformat zu einem nativen Dateiformat einer DAW zu machen, die Leistung zu optimieren oder Nicht-Sitzungsdaten (non session data) wie Preferences oder GUI-Einstellungen zu speichern. Bitwig und Presonus haben jeweils eigens eine Website eingerichtet, auf der sie die technischen Feinheiten und Möglichkeiten von DAWproject erläutern.
Intermezzo: Das Beispiel CLAP
Bereits im letzten Jahr hatte Bitwig an einem vereinfachten Standard gearbeitet. Allerdings ging es da nicht um ein DAW-Format, sondern um einen neuen Plug-in-Standard. Der wurde CLAP getauft, was für Clever Audio Plugin API steht. Sieben Jahre lang hatte Bitwig – zusammen mit U-he – an dem neuen Format gearbeitet, das dann im Sommer 2022 in der Version 1.0 veröffentlicht wurde.
Anders als die proprietären bekannten Formate wie VST oder AU – die zudem auch lizenzpflichtig sind – ist CLAP Open Source Standard. Was ja gleich mehrere Vorteile mit sich bringt: Die Entwickler-Community kann sich beteiligen und Überraschungen wie das von Steinberg beschlossene Ende von VST2 oder Änderungen am VST3-Standard im Alleingang werden nicht vorkommen. Aber auch technisch hat CLAP einiges zu bieten. So werden zum Beispiel mehrere Prozessorkerne von Plug-ins und DAWs besser genutzt und Plug-in-Librarys aufgrund von Metadaten schneller gescannt, auch ist die Parameter-Modulation/Automation besser.
Im Gegensatz zu ersten Versuchen mit einem Open-Source-Standard für Plug-ins – wie LADSPA und LV2, die nur auf der Linux-Schiene Beachtung fanden – scheint CLAP bisher größeren Anklang zu finden. So listet U-he auf seiner Website eine ganze Reihe von Unternehmen und Projekte auf, die CLAP inzwischen schon eingebaut haben (neben Bitwig und U-he sind das noch das Multitrack Studio, Surge Synth Team und Chowdhurry Team) bzw. die CLAP bereits zumindest für ihre Host- und Plug-in-Software evaluieren. Hier reicht die Liste von Arturia und Avid über Cockos und Image-Line bis hin zu Presonus. Dass Steinberg eher weniger Interesse daran zeigt, ist wenig verwunderlich, allerdings ist auch Apple da nicht mit im Boot. So bleibt weiter abzuwarten, wie weit CLAP am Ende angenommen wird, doch dies sind Ansätze, die Hoffnung machen. Wie es scheint, ist zumindest ein Teil der Branche durchaus offen für Open-Source-Projekte.
Was halten die anderen DAW-Produzenten von DAWproject?
Ich hatte natürlich zum Start des DAWProjects Ende 2023 herumgefragt, um in Erfahrung zu bringen, ob irgendwann auch andere DAWs mit zum DAWproject-Kreis gehören werden. Das Echo war interessant, aber auch zwiespältig.
So erklärte Supportmanager Felix Tilmann von Magix:
”Ja wir planen in Zukunft das .daw-Format mit Samplitude und Sequoia zu unterstützen. Genauere Informationen dazu habe ich zum aktuellen Zeitpunkt leider noch nicht.“ Und auch Tracktion (Waveform) kann sich eine Beteiligung am DAWproject durchaus vorstellen: “We are familiar with it – and may get involved – we do see great value in assisting users with using multiple DAW’s as its much more common these days”. Acoustica (Mixcraft) zeigt zwar Interesse, hat aber aktuell noch nichts Konkretes in Planung: „We are not planning to support it at this time… but it is interesting”. Und während sich die Reason Studios nicht in die Karten schauen lassen möchten („I’m afraid we cannot comment on future development plans“), war man sich bei MOTU (Digital Performer) an offizieller Stelle anscheinend nicht sicher, will die Angelegenheit aber an die Entwickler weitergeben („At this time, I don’t have any information about DP being part of this cross-DAW file format. However, I will pass this along to our development team so they can look further into it.”).
Apple schließlich erklärte lapidar, dass aktuelle oder zukünftige Projekte anderer Hersteller grundsätzlich nicht kommentiert werden. Von allen anderen Angefragten gab es keine Rückmeldung.
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Statements von Bitwig und Presonus
Wie soll es weitergehen? Das hatte ich Ende 2023 Bitwig und Presonus gefragt. Hier die damalige Antwort von Presonus:
„Wir arbeiten kontinuierlich weiter an der Integration von DAWproject und der Einbindung neuer Features. Das wird automatisch in kommende Studio One Updates eingehen. Ein wichtiges Thema ist für uns die Einbindung der Studio One Plug-ins.“
Nun, schaut man sich die Release-Notes der Versionen an, die seitdem erschienen sind, so ist die Ergebnislage eher mau. Einzig in der Version 7.01 vom 20. November 2024 wird das DAWProject-Fileformat noch einmal kurz am Rande erwähnt: „Improved DAWproject compatibility“ – heißt es da. Das war es aber auch schon.
Von Bitwig kam damals dieses Statement:
„Wir haben gutes Feedback von den ersten NutzerInnen der Version 1.0 von DAWproject erhalten. Aktuell arbeiten wir an Maintenance Sachen: Bug fixes, kleinere Verbesserungen und Verfeinerungen des Standards. Neben weiteren DAWs ist das Datenformat auch für Partner aus dem iOS/Android Bereich sowie für Hardwarehersteller (Produkte wie Akai Pro MPC, NI Maschine….) interessant. Wir hoffen, bald Neuigkeiten aus diesen Bereichen teilen zu können. Besonders toll: Es gibt jetzt schon Initiativen aus der Open Source Community wie zum Beispiel dieser Project Converter, der den Import/Export einer DAWproject Datei zu Reaper ermöglicht. Wir freuen sehr über die positive Resonanz und die tollen Gespräche, die wir mit diversen Partnern zum Thema DAWproject geführt haben. More soon!“
Während die „diversen Partner“ mit Ausnahme von Steinberg in Bezug auf das DAWProject bisher nicht aktiv geworden sind, ist zumindest Bitwig in der Folgezeit weiterhin tätig gewesen, wobei es allerdings fast ausschließlich um Fixes im Detail ging. So wurde zum Beispiel der Import der Audio-Expressions repariert oder Arranger Cue Markers gefixt. Auch werden jetzt Kommentare für Tracks und Scenes unterstützt. Hier ein Blick auf die letzten Release-Notes des Bitwig Studios:
Bitwig Studio 5.1.3 [released 02 February 2024]
- DAWproject: Arranger Cue markers are now properly imported
Changes in Bitwig Studio 5.2.4 [released 13 September 2024]
- DAWproject: Support enable state for Sends & Clips
- DAWproject: Support comments for Tracks & Scenes
- DAWproject: Cue markers defined in seconds now import correctly
Bitwig Studio 5.3.2 [released 28 February 2025]
- DAWproject: Automation points with time defined as seconds are now imported correctly
Ein Blick zurück: Austausch von DAW-Projekten
Wollte man bisher Daten DAW-übergreifend austauschen, so blieben nur die Formate MIDI, AAF (Advanced Authoring Format), OMF (Open Media Framework, auch schon mal als Open Music Format bezeichnet) und die Stems. Wobei das natürlich immer mit großen Einschränkungen einher ging. Mit diesen Formaten kann man MIDI-Noten (auf niedriger Ebene), Audio-Clips, Time-Formate, Mixer-Einstellungen, Fades, Marker oder ein wenig Automation übertragen. Zum einen aber eben nicht alles mit jedem Format (MIDI kann z. B. kein Audio, AAF nur Audio, aber keine Noten), zum anderen häufig auch eingeschränkt: AAF kann beispielsweise Volume- und Panning-Automationsparameter übergeben, MIDI dagegen Tempo oder Time-Signatures. Es ist – gleichgültig, welches der genannten Formate man wählt – eben eine unvollständige und meist auch recht arbeits- und zeitaufwändige Notlösung.
DAWproject: Das alles funktioniert schon (meistens)
Bitwig und Presonus haben eine Liste veröffentlicht, auf der verzeichnet ist, was aktuell (Stand: November 2023) vom DAWproject alles unterstützt wird. Hierzu gehören:
Zeitformat:
- Sekunden und Beats
Audio:
- Audio-Events/Clips
- Fades
- Crossfades
- Amplitude
- Pan
- Time Warping
- Transponieren
Automatisierung:
- Tempo
- Taktart
- MIDI-Meldungen
- Lautstärke
- Pan
- Mute
- Sends
- Plugin-Parameter
- integrierte Geräteparameter
Anmerkungen
- Notizen
- Notizausdrücke
Plug-ins
- Speichert den vollständigen Plug-in-Status und die Automatisierung von Parametern (VST2, VST3, AU (in Kürze), CLAP)
Built-in-Devices
- Generic EQ
- Generic Compressor
- Generic Gate
- Generic Limiter
Clip-Launcher
- Clips
- Scenes
Steinberg Cubase: der offiziell Dritte im Bunde
Vorab: “Offiziell Dritter“, weil es ja zu Reaper einen Converter („Project Converter“) gibt, mit dem sich ebenfalls DAWProject-Files Im- und exportieren lassen. Der aber stammt nicht vom Reaper-Produzenten Cockos, sondern von Jürgen Moßgraber, ist also auf private Initiative hin entwickelt worden. Zu finden ist der sowohl auf GitHub () als auch auf der Seite des Entwicklers.
Es wurde seit dem Start des DAWProject viel gemutmaßt über Steinberg in den Foren. „Wäre ja schön, wenn die mitmachen würden“, aber genauso oft „Steinberg doch nicht – die kochen doch lieber ihr eigenes Süppchen, siehe VST“.
Dann, zum Release der Version 14, war die Katze aus dem Sack: „We are excited to introduce support for DAWproject files in Cubase 14.“ Und weiter heißt es in der Ankündigung von Steinberg: „We collaborated closely with the Bitwig team to integrate DAWproject support in Cubase, and we’re thrilled about the benefits this will bring to customers working across multiple DAWs.” Zu Beginn gibt es in der Ehe von DAWProject und Cubase aber noch einige Unstimmigkeiten, wie Steinberg einräumt: „While automation and crossfades are not fully supported in this initial Cubase 14 release, we plan to expand these features in upcoming maintenance updates.” Und tatsächlich ist da in den folgenden kleinen Updates bis zur Version 14.0.30 schon einiges an Bewegung zu beobachten:
Version 14.0.10 (4. Dezember 2024)
- Track colors of effect and group tracks are now properly exported.
- Time signatures are now imported with correct values.
- Audio files are now imported at full length without truncation.
- Video offset settings are now exported correctly.
- Track Mute states now remain consistent across all track types when importing Projects.
- Projects with audio files containing UTF-8 characters in the file names are now imported correctly.
- Event offsets are now imported accurately.
Version 14.0.30 (4. Juni 2025)
- Compressor settings in the Channel Strip now remain intact after reactivating a project.
- Channel Strip effects are now transferred more reliably between projects.
Wenn Steinberg in dem Tempo weitermacht, dürften sie bald der Spitzenreiter des DAWProjects-Trio sein.
DAWproject: Der aktuelle Praxistest
Den Praxistest von Ende 2023 habe ich jetzt erweitert und zusätzlich auch den Austausch mit Cubase, Studio One und Bitwig getestet. Zum Einsatz kamen die Versionen Cubase 14.0.30, Studio One 7.2 und Bitwig 5.2.7.
Alle drei DAWs sind auf demselben Windows-11-Rechner installiert, sämtliche Plug-ins und Audiodateien befinden sich auf den von den DAWs vorgeschlagenen Plätzen.
Natürlich habe ich nun nicht jeden Aspekt der DAWproject-Files detailliert und einzeln und dann auch noch in jeweils alle drei Richtungen überprüft. Hier aber mal die Sachen, die mir im Laufe einiger Testtage aufgefallen sind. Und es kann auch gut sein, dass andere Tester da, je nach Ausgangslage, zu anderen Ergebnissen kommen.
In Studio One konvertiert man sein laufendes Projekt in DAWproject hier:
-> Datei
-> Konvertieren zu …
-> DAWprojekt-Datei
Das aktuelle Projekt und dessen Name wird dabei nicht überschrieben, sondern bleibt auch nach dem Speichern im .dawproject-Format weiter bestehen.
In Bitwig findet das hier statt:
-> Datei
-> Projekt konvertieren
Auch hier bleibt der unkonvertierte Projektname erhalten. Während Presonus beim Punkt „Konvertieren“ noch andere Möglichkeiten anbietet (AAF-Datei, Capture Session, MIDI-Datei, Open TL, ZIP-Datei), beschränkt sich Bitwig an dieser Stelle auf das DAWproject.
In Cubase 14 findet die Konvertierung direkt beim Import/Export statt. Und zwar hier:
- Datei
- Importieren/Exportieren
- DAWproject
DAWproject: Plug-ins
Mein erster Versuch gilt (natürlich) den Plug-ins, ist das doch ein Alleinstellungsmerkmal des neuen Formats. Wichtig dabei ist natürlich, dass ihr in allen beteiligten DAWs die identischen Speicherorte für eure VST-Plug-ins eintragt, damit die auch zuverlässig gefunden werden – die Werks-Einträge unterscheiden sich da unter Umständen.
In meinem Fall hat das alles zwar funktioniert, weil ich ja alle beteiligten DAWs auf einem Rechner habe, und somit auch alle Plug-ins allen drei DAWs zur Verfügung stehen. Beim Austausch mit verschiedenen Beteiligten an unterschiedlichen Standorten ist allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass da tatsächlich alle sämtliche verwendete Plug-ins besitzen und auch noch an identischen Speicherorten haben, vermutlich eher gering.
In Bitwig kam es noch richtig an …
DAWproject: Audio
Audiofiles werden in DAWproject zusammengepackt und mit übertragen. Probleme gab es einmal, als ein Audiofile mit Copy/Paste vervielfältigt wurde: Dann erschien in der Ziel-DAW nur das Ausgangsfile, warum auch immer. In anderen Situationen funktionierte es tadellos. Automationskurven (z. B. Volume und Pan) wurden übernommen, nicht aber Fades, Crossfades oder Pitch-Änderungen, die ich in Studio One innerhalb der WAV-Dateien vorgenommen hatte – die sind in Bitwig unter den Tisch gefallen.
Cubase übernimmt zwar die Audiofiles ebenfalls, spielte eines im Test aber in der falschen Tonhöhe ab (was mit Bitwig nicht passiert). Vermutlich lag es da an einer unterschiedlichen Samplerate (obwohl das nicht passieren sollte).
DAWproject: Songs
Songs werden mit Taktart und Tempo übertragen, auch die Track-Bezeichnungen, Farben und die Reihenfolge der Tracks werden übernommen. Änderungen in den Global Tracks bezüglich Tempo, Taktart oder Tonart werden aber immer noch nicht ausgeführt oder angezeigt, weder im Studio One noch in Cubase oder in Bitwig. Oder besser: Das ist mir nicht gelungen.
DAWproject: Built-in-Devices
Die werden mit allen Parametern übertragen, das funktioniert tatsächlich sehr zuverlässig. Ich habe da jetzt nicht alle Effekte etc. durchprobiert, aber die, mit denen ich das getestet hatte, funktionierten und tauchten an den richtigen Stellen als Inserts mit allen Einstellungen wieder auf.
DAWproject: Automatisierung
Track-Automatisierungen wie Volume, Modulation oder Panning werden von Bitwig fehlerfrei übernommen. Cubase hingegen hatte Volume- oder Panning-Informationen auf der Track-Automationsspur gekonnt ignoriert.
Was nicht funktioniert hat: Einfach mal einen der Bitwig Demosongs zu konvertieren. Der kam zwar grafisch auf Studio One anscheinend perfekt an, akustisch aber nur bruchstückhaft. Vermutlich mussten da noch Pfade korrigiert werden – oder es wurden Bitwig spezifische Loops etc. genutzt. In anderen Fällen wieder (beim Versuch, größere Studio One-Songs in Bitwig zu laden) wurde ich zwei Mal von einem „Invalid CEN header“ gestoppt, der das Projekt an der Öffnung hinderte. Wie auch immer der zustande gekommen sein mag. Bei vielen anderen Songs wiederum gab es gar keine Probleme.
DAWproject: Mixereinstellungen und Spureffekte
Die Mixereinstellungen wie Fader oder Panning werden akkurat übernommen. Bei den Effekten hingegen gibt es in der Praxis das gleiche Problem wie bei den Plug-ins: Da müssen halt alle Beteiligten auch alle verwendeten Effekte auf der Platte haben. Ist das der Fall, klappt das problemlos, inklusiver sämtlicher Parameterwerte.
Unzip DAWproject
Die DAWproject-Files können übrigens mit jedem handelsüblich Zip-Programm entpackt werden. Dort finden sich dann die zwei Verzeichnisse „audio“, das die Samples enthält und „plugins“.
Außerdem gibt es noch zwei .xml – Dateien, nämlich metadata.xml und project.xml. Letztere kann – je nach Songgröße – schon mal einen Umfang von einigen tausend Zeilen haben.




















































Spannendes Thema! Mich wunderte schon bei der aktuellsten Cubase-Version das Konvertieren bzw. Exportieren einer Cubase-Datei. Da dachte ich mir: Was um alles in der Welt kann man damit machen? Dank des Artikels weiß ich jetzt Bescheid. Noch sind es die Anfänge, aber das wird mit Sicherheit immer ausgereifter werden. MIDI, Audio und Mixer leuchten mir ein, aber wirklich interessant wird es bei den Softwaresynthesizern und internen (pro DAW) Effekt-Plugins. Man kann ja – auch wenn ich es noch nie versucht habe – Preset-Dateien verschicken. Das muss jetzt zwangsläufig integriert werden, sodass möglichst keine Verluste entstehen. Richtig knifflig wird es dann, wenn Kollege B diesen Softwaresynthesizer gar nicht besitzt!
Was ich mir auch noch gut vorstellen könnte, ist, dass beim Export eines Projekts automatisch alles in Audio umgewandelt wird – also direkt beim Abschicken. Studio One und Cubase gehen technisch wie optisch in etwa denselben Weg. Aber Cubase ↔ Ableton oder natürlich Logic werden noch richtig große Herausforderungen. Es wird eine spannende Sache werden.
@Filterpad Die Herausforderungen bleiben erstmal bestehen, stimmt. Bei der Fülle an Formaten und Arbeitsweisen wird sich wohl noch länger das schon erlernte letztendlich durchsetzen, weils bekannt ist. So werden wir noch einige Jahrzehnte das Herumschieben von STEMS üben.
Besonders gefällt mir der Umfang der Standarisierungsziele.
Inzwischen sollte es bei unterschiedlichen Betriebssystemen mit gleicher DAW entspannter geworden sein, oder? – Da habe ich vor Jahren aufgegeben, Win zu MAC und anders herum probieren zu wollen. Es war nur Generve. Läuft das inzwischen gut?
Daran zu denken habe ich keine Sekunde mehr verschwendet.
Momentan bin ich noch bei STEMS und es läuft problemlos…😇
Das Projekt ist gut gemeint und mag in Nischen eine Chance haben, z.B. innerhalb einer Plattformwelt wie Windows, für die es zwar mehrere DAWs gibt, wo aber jeder dieselben Plugins im selbem Format hat.
@bluebell Hallo bluebell,
die verschiedenen Pluginformate sollten nicht so das Problem sein, weil ein Plugin ja dieselben Parameter hat, egal ob es AAX, AU oder VST ist.
Dass hier vstpreset-Dateien vorkommen, legt natürlich das Format fest, aber man könnte sich durchaus ein formatübergreifendes Austauschformat für Pluginparameter überlegen: das sollte nicht so schwer sein.
Viel problematischer halte ich aber, dass DAWs sehr unterschiedliche Konzepte haben. Reaper beispielsweise kann auf einer Spur MIDI-, Audio- und Videoobjekte haben, die Spuren können Hierarchien bilden und man hat auch sogenannte Automationsobjekte, die dieselbe Automation an verschiedenen Stellen eines Projekts anwenden.
Sicher kann man das für andere DAWs irgendwie flachklopfen, aber man verliert dann halt diese Metainformation.
Wenn man das Design des Austauschformats professionell angehen will, braucht man ein Konzeptmodell einer idealen DAW. Spezialitäten der realen DAWs müssen dann intelligent in dieses Modell abgebildet werden.
Ich finde also den Ansatz prinzipiell nützlich. Aber ich glaube, dass bei einer Übernahme eines komplexen Projekts viele Dinge verloren gehen. Die im Artikel geäußerte Hoffnung, ein Projekt kollaborativ in mehreren DAWs bearbeiten zu können, halte ich für komplett unrealistisch.
Und wenn der Austauschstandard quasi vorgibt, was eine DAW können soll, dann können sich die Produkte nicht mehr durch unterschiedliche Ansätze differenzieren.
Das ist ähnlich wie bei MS Office und LibreOffice: oberflächlich sind sie sehr ähnlich, wenn man Spezialdinge nutzt, aber sehr verschieden.
Gruß
Fredi
„Invalid CEN header“ passiert wenn in Dateinamen Sonderzeichen enthalten sind (in deinem Fall vermutlich Umlaute). Da wird dann Murks in das ZIP geschrieben. Ich dachte das wäre mittlerweile gefixt, anscheinend aber nicht…
Die Frage, die sich mir bei so einen Standardisierung stellt, ist: Braucht es so etwas?
Ich für mich kann das so beantworten, dass ich schon gerne ein Projekt in eine andere DAW mit allen Einstellungen der PlugIns übernehmen können wollen würde. Einfach in die Zukunft gedacht … die Lieblings-DAW gibt es vielleicht nicht mehr (Firma pleite gegangen) und dann wäre es schon schön, wenn man noch mal alte Projekte in einer anderen DAW öffnen könnte.
Was ich nicht soooo brauche: Das wirklich alles ganz exakt genau so wie in meiner alten DAW abgespielt wird. Da stünde glaube ich auch elementar den Innovationen und Workflows der jeweiligen DAWs entgegen. Man stelle sich eine ausgefuchste Modulation im Grid von Bitwig oder mit Max/MSP in Ableton Live vor … und das soll dann in Reaper oder in Tracktion funktionieren? Nee, brauche ich nicht. Ich freue mich dann lieber darüber, dass sich Entwickler irgend einer DAW wieder etwas Neues haben einfallen lassen, was einfach cool ist … ohne dabei auf Kompatibilität zu achten.
Schlussendlich machen viele von uns auch »Kunst« und da muss nicht immer der Workflow 100%ig genau abgebildet werden können.
@Flowwater Kann ich genau so bestätigen. Ich verschiebe aktuell viele Projekte von Studio One zu Bitwig und es klappt relativ gut. Da dass sowieso nur Songskizzen sind, mal mehr oder weniger weit ausgearbeitet, reicht mir die Übertragung vollkommen aus. Meine Send-Effekte musste ich nochmal neu basteln und auch neu pegeln, was den Songs bisher aber eher gut tat. Nur Automationen werden aktuell nicht übernommen, dass ist das einzige Manko für mich. Bisher wurden sogar (fast) immer auch die Stock-Plug-ins ersetzt. Es geht definitiv viiiiiiel schneller als wenn man Audio und MIDI exportieren müsste, Instrumente und Effekte neu laden, etc. – sofern man den Song eben nicht 1:1 rekonstruieren möchte.
Wenn man etwas weiter denkt sehe ich hier definitiv Bedarf. Ich habe schon häufiger mit Künstlern gearbeitet die andere DAWs nutzen und mal abgesehen von der Zeitersparnis könnte man hier noch tiefer in die Projekte eintauchen. Man bleibt einfach flexibler, wenn es denn irgendwann mal richtig gut funktioniert. Vielleicht ersetzt es ja sogar irgendwann auch AAF/OMF/MXF (vielleicht auch schon zu weit gedacht).
@Jens Hecht 👍🙂
Zu Clap: wird auch von den meisten Full Bucket Music PlugIns unterstützt.
Ich tausche mit zwei anderen Musikern Logic Files. Alle gleiche Rechner und das gleiche Programm. Aber schon da muss Disziplin herrschen. Keine Drittanbieter PlugIns, kommt mir entgegen. Aber der eine will nicht auf Omnisphere verzichten, da kommen dann Audiodateien, etwas das mir gar nicht gefällt.
Das Interesse an einem Austauschformat dürfte am häufigsten bei kleinen Firmen vorkommen. Sagen wir mal Waveform, nur als ein Beispiel. Ein Waveform User kann nicht davon ausgehen, dass er, wenn er einen Song in seinem Format verschickt, der Empfänger auch diese DAW hat. Für mich funktioniert es nach wie vor am besten, wenn ich einzelne Tracks weitergebe. Die MIDIdateien als MIDIdateien leben lasse und Audio natürlich als Audio.
Es scheint so, als wenn es langsam eine Entwicklung gibt, aber, daß man 1:1 die Songs in jeder DAW öffnen kann, wird so schnell nicht funktionieren. Nichtmal Studio One schafft es die eigenen Projekt Files versionsübergreifend in der richtigen Konfiguration zu öffnen.
Ich hab schon seit Jahren Probleme alte Song wirklich funktionierend in neuen Versionen zu öffnen. Da werde jetzt einige sagen, daß funktioniert doch, aber der Schein trügt. Es scheint sich zwar zu öffnen, aber dann stimmen intern die plugin Latenzkompensationen in Bussen nicht mehr, sodaß der Bus in sich nicht mehr phasenkohärent arbeitet oder Sends senden nicht mehr in den richtigen Pan Einstellungen oder komische Bugs in alten Templates, die, wenn man sie mit einen „frischen“ Templates erstellt, bugfrei sind usw.
Also da gibts noch viel zu tun.
Interessant. Bisher habe ich von allen Seiten die Info erhalten, DAWproject könne kein MIDI und man müsse MIDI-Spuren als MIDI-Datei exportieren. Hier erfahre ich, dass DAWproject sehrwohl MIDI exportieren kann. Das klingt vielversprechend, so es denn von allen unterstützt würde. Cakewalk/Bandlab weigert sich beharrlich, über DAWproject auch nur zu sprechen und ignoriert alle diesbezüglichen Fragen.
Hauptsache ist erstmals das Audio und Mididateien im Projekt an der selben Stelle sind, das dürfte ja auch gut machbar sein. Automationen und Plugins wären dann natürlich das Optimum, damit ein Projekt komplett gleich in verschiedenen DAWs ist.
Und ich will endlich CLAP in Cubase haben, auch wenn das Konkurrenz zu VST3 ist.
Ich sehe das für Jahre noch nicht realistisch einsetzbar. Unterschiedliche Plattformen und Versionen von Betriebssystemen, PlugIns, Instrumenten, DAWs, usw. Kaum überschaubar, was alles schief gehen kann.
Das größe Problem wird sein, wenn Samples aus mittlerweile sehr umfangreichen Bibliotheken verwendet werden. Die beiden Systeme, die ein Projekt untereinander tauschen, müssten defacto in allem identisch sein, um alle Probleme weitgehend auszuräumen. Das gibt es im Alltag wohl kaum.
Sinnvoll erscheint mir bis dahin eine Kombination aus guter Audio 1:1 Übertragung mit z.B. Audiomovers (Gutes Internet ist Voraussetzung) und dem Teilen der Bildschirme mittels Zoom oder vergleichbarem. Das funktioniert für Kooperationen gut und die Systeme können unterschiedlich sein.
Alles wird man damit aber auch nicht abdecken können.