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Test: Midas Compressor Limiter 522, API500-Kompressor und Limiter

Günstiger Allround-Kompressor für die Lunchbox

24. November 2023
Midas Compressor Limiter 522, API500-Kompressor und Limiter

Midas Compressor Limiter 522, API500-Kompressor und Limiter

Kompressoren werden bisweilen geradezu mythische Fähigkeiten zugeschrieben. Oft hört man davon, wie bestimmte Modelle den Klang veredeln, Punch erzeugen, die Höhen abrunden oder cremig klingen. Manch Rentner unter den Kompressoren wird dabei verehrt wie der Heilige Gral. Doch die vorrangige Aufgabe eines Kompressors ist eigentlich eine ganz andere: unauffällig zu sein. Und genau das ist der Midas 500 Series Compressor Limiter 522, der gerade vor mir steht.

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Midas

Eigentlich hat schon der Name Midas bei vielen Technikern ehrfürchtige Blicke ausgelöst. Unter dem Namen Midas Amplification fertigten Jeff Byers und Charles Brooke in den frühen 70ern in London E-Gitarrenverstärker in der nun angesagten Transistortechnik. Midas Amplification hatte seinen Sitz damals direkt neben Martin Audio, die PA-Lautsprecher fertigten. So war es eine logische Konsequenz, dass beide Firmen ihr Know-how zusammenlegten und aufeinander abgestimmte modulare PA-Systeme anboten. Die damals noch sehr rudimentären PA-Systeme waren Jeff Byers ein Dorn im Auge. Er fasste den Entschluss, ein Mischpult zu entwickeln. Dies war der Startschuss zur ersten Midas Konsole mit integriertem Verstärker.

Den Durchbruch erzielte MIDAS mit dem MIDAS PR-System, einem modularen Mischpult. Dieses sorgte 1974 für den guten Ton während der Supertramp „Crime of the Century“-Tour. Zur damaligen Zeit war Clair Brothers eine der führenden Rental Compaies und betreute so ziemlich alle Superstars der 70er und frühen 80er. Die Kooperation mit Clair Brothers führte zu einer rasend schnellen Verbreitung der Midas Mischpultkonsolen und von nun an kam eigentlich kein FoH- oder Monitorarbeitsplatz mehr ohne Midas Konsolen aus. Mit der Midas XL Konsole sollte ein neuer Industriestandard gesetzt werden, was zwar auch gelang, aber gleichzeitig den Konzert in finanzielle Schwierigkeiten brachte. Die Übernahme durch das ebenfalls fest im Sattel des PA-Business sitzenden Unternehmen Klark Teknik. Gemeinsam entwickelte man die XL-Plattform weiter und führte sie zum Erfolg. Die analogen Mischpulte von Midas zählen bis heute zu den besten Touring-Pulten. Natürlich ging auch die sich rasant entwickelnde Digitaltechnik an Midas nicht vorbei, doch waren es vorwiegend die analogen Produkte, die für den Erfolg der Firma verantwortlich waren. Seit 2009 gehören Klark Teknik und damit auch Midas zu Music Tribe und seitdem gehören Preamps „designed by Midas“ fest zu den Produkten von Behringer und viele Produkte werden gleichermaßen unter dem Midas wie Behringer Label veröffentlicht.

Midas Compressor Limiter 522 – 500 Serie

Das API 500-Format ging auch an Midas nicht vorbei. Modulare Systeme gehörten schon immer zum Portfolio von Midas und somit ist es nur logisch, dass man auch das „Lunchbox“-Format bedient. Zur Serie im blauen Gewand gehören außerdem der 500 Series Parametric Equalizer 512 sowie der Microphone Preamplifier 502.

Midas 500 Serie RenderingEine Sonderstellung nimmt der Microphone Amplifier 501 ein, der ein anderes Design besitzt und auch preislich mit über 11.000,- Euro in einer ganz anderen Region angesiedelt ist.

Die blauen Geräte der Midas 500 Serie sind allesamt sehr erschwinglich und eher im Low-Cost-Bereich zu Hause. Der Preis der drei Module bewegt sich im Bereich von 193,- Euro bis 229,- Euro. Passend dazu gibt es mit der Midas Legend L6 und Midas Legend L10 zwei passende Racks für sechs beziehungsweise 10 Module. Geliefert wird der Kompressor übrigens in einer stabilen Holzkiste.

Ausstattung des Midas Compressor Limiter 522

Der Midas Compressor Limiter 522 liegt mittlerweile in der Version V2 vor. Die Ausstattung ist die eines typischen VCA-Kompressors:

  • Threshold zur Einstellung der Einsatzschwelle des Kompressors (-50 dB bis +25 dB)
  • Ratio für das Kompressionsverhältnis (1:1 bis unendlich für Limiting)
  • Attack für die Ansprechzeit des Kompressors (0,1 ms bis 20 ms)
  • Release für die Rücklaufzeit des Kompressors (50 ms bis 2 s)
  • Gain für die Aufholverstärkung (0 dB bis 18 dB)
Midas Compressor Limiter 522 Front

Midas Compressor Limiter 522 Front

Wenig außergewöhnlich sind außerdem die Umschaltung von Hard Knee auf Soft Knee, um einen weicheren Übergang zwischen nichtkomprimiertem und komprimiertem Signal zu schaffen. Die Auto-Funktion regelt die Attack- und Release-Zeit automatisch in Abhängigkeit vom Eingangssignal. Der Kompressor lässt sich per True Relay Hardware Bypass aus dem Signalweg entfernen. Für das Metering stehen ein Gain Reduction Meter mit 10 Segmenten (2 dB bis 20 dB in 2 dB-Schritten) und ein Level Meter für das Ausgangssignal mit 6 Segmenten (-30 dBu bis +20 dBu in 10 dB-Schritten) zur Verfügung.

Sidechain High Pass Filter

Ein gängiges Problem ist das Ansprechverhalten von Kompressoren bei kräftigen Bässen. Insbesondere Einsteiger erleben das beim ersten Kontakt mit einem Kompressor, wenn sie zum Beispiel einen kompletten Mix bearbeiten: die Bass Drum oder der E-Bass sorgen für starke Signaleinbrüche, weil sie häufiger den Threshold überschreiten und der Kompressor zu arbeiten beginnt. Doch auch beim Bearbeiten von bassstarken Einzelsignalen kommt es zu einem ähnlichen Phänomen. Dieses Verhalten des Kompressors macht sich dann insbesondere bei schnellen Attack- und Release-Zeiten als „Pumpen“ bemerkbar.

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Midas Compressor Limiter 522 schräg

Entgegenwirken kann man diesem Effekt, indem man die Bässe aus dem Detector-Schaltkreis des Kompressors entfernt. Der Kompressor leitet normalerweise das Signal für seine Steuerung aus dem Eingangssignal ab. Nutzt man hier stattdessen ein anderes Signal, ändert sich das Verhalten des Kompressors. Im Fachjargon heißt dieser vom zu komprimierenden Signal unabhängige Signalweg für das Steuersignal Sidechain. Im Fall des Midas Compressor Limiter 522 wird das Sidechain-Signal aus dem Eingangssignal gewonnen, darauf ein High Pass Filter mit einer Grenzfrequenz von 200 Hz und einer Flankensteilheit von 12 dB/Oktave angewendet und als Steuersignal dem Kompressor zugeführt.

Das Ergebnis: Der Kompressor „hört“ die Signalspitzen unterhalb von 200 Hz nicht mehr und reagiert demzufolge auch nicht auf sie. Im zu komprimierenden Eingangssignal selbst sind die Frequenzen unterhalb von 200 Hz aber sehr wohl noch enthalten. Sie wirken sich nur nicht mehr auf die Kompression aus.

Midas 522: Presence Control

Bento Rack mit API-500 Geräten

Midas Compressor Limiter 522 im Test

Ein anderes „Problem“ von Kompression ist der manchmal bei stärkerer Kompression gedämpft wirkende Höhenbereich. Je nach Einstellung des Kompressors wirkt das komprimierte Signal matt. Erneut entsteht dieser Effekt durch das lineare Kompressionsverhalten eines Kompressors, bei dem alle Frequenzbereiche gleichermaßen komprimiert werden.

Eine Anhebung der Höhen nach der Kompression ist nur bedingt zielführend, denn dann würden auch die Höhen angehoben, wenn das Signal gerade unterhalb des Threshold liegt, also gar nicht komprimiert wird. Außerdem erhöht eine Anhebung der Höhen und oberen Mitten am EQ nach der Kompression das Rauschen, das durch die Arbeit des Kompressors ohnehin schon angehoben wird. Zur Erinnerung: Ein Kompressor senkt laute Signalspitzen ab und hebt leise Signalanteile im Pegel an – also auch das eventuell vorhandene Rauschen.

Midas Compressor Limiter 522, API500-Kompressor und Limiter test

Eine Anhebung von Mitten und Höhen vor der Kompression führt auch nicht zum gewünschten Ergebnis, denn dann würde der Kompressor verstärkt auf diese angehobenen Signalanteile reagieren.

Entgegenwirken könnte man diesem Effekt mit einem Multiband-Kompressor, mit dem sich Bässe, Mitten und Höhen getrennt voneinander mit komplett unterschiedlichen Einstellungen komprimieren lassen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der Midas Compressor Limiter 522 mit dem Presence Control-Regler.

Ist dieser komplett zugedreht, arbeitet der Kompressor mit einem linearen Frequenzgang. Dreht man den Regler auf, werden Frequenzen um 5 kHz sehr breitbandig (4 Oktaven) geboostet. Dies geschieht nach dem Abzweig des Signals für die Detector-Schaltung. Das Eingangssignal mit dem Boost wird dann gleichzeitig dem VCA zugeführt und parallel dazu am VCA vorbei, wo es am Ende mit dem komprimierten Signal gemischt wird. In der Summe führt das zu einer Auffrischung der oberen Mitten und Höhen, je weiter der Threshold-Regler aufgedreht ist. Da aber dieser Höhen-Boost im Detector-Zweig nicht vorhanden ist, reagiert der Kompressor darauf nicht so stark wie er es tun würde, hätte man die Filterung vor dem Detector-Abzweig vorgenommen.

Im Prinzip wird somit zwar der hinzugeführte Höhenanteil komprimiert, aber durch die Art der Schaltung weniger stark als der Rest des Eingangssignals. Man könnte also sagen, dass hier mit verschiedenen Ratios für die Kompression gearbeitet wird, wie es auch bei einem Multiband-Kompressor der Fall wäre. Zwar haben wir hier nicht komplett getrennte Kompressoren für jedes einzelne Band, aber einen ähnlichen Effekt.

Praxiseinsatz des Midas 522 Kompressor im Tonstudio

Geliefert wird das Midas 500 Series Compressor Limiter 522 Modul in einer Holzschachtel. Die Installation ist spielend einfach: Das Modul auspacken und bei ausgeschaltetem Netzteil (!) ins Rack schieben, sodass das Modul in den Multipin-Anschluss des Racks einrastet. Anschließend wird das Modul mit zwei Schrauben gesichert, fertig.

Möchte man direkt Mikrofonsignale mit dem 522 Modul bearbeiten, ist die Position zum Beispiel nach dem Midas Microphone Preamplifier 502 richtig. Ob man nun ein EQ-Modul vor oder nach dem Kompressor einsetzt, hängt vom Anwendungsbereich ab. In den meisten Fällen wäre die Position des Kompressors zwischen Mikrofon-Preamp und EQ die beste Wahl.

Midas Compressor Limiter 522 im Einsatz

Praxistest mit Drums

Wie klingt der Midas 522?

Der Midas 522 ist kein Klangmacher. Er ist vielmehr ein Allzweck-Kompressor für das Erzeugen gleichmäßiger Signale, um später den Mix zu vereinfachen. Zwar kann man ihn durch extreme Einstellungen auch zum Pumpen bringen, aber für klangbestimmende Kompression oder Effektkompression ist er eher nicht gedacht. Durch das Presence-Filter eignet er sich sehr gut für Akustikgitarren, cleane E-Gitarren oder hochfrequente Percussion-Instrumente. Auch für die Kompression von Gesang ist er natürlich geeignet, wobei hier viele Anwender Kompressoren im Stil eines 1176 oder LA2A vorziehen werden, die deutlicher ins Klanggeschehen eingreifen. Gleiches gilt auch für Bass-Sounds. Für das Komprimieren einer Bass Drum hingegen finde ich den Midas Compressor Limiter 522 durch das High Pass Filter im Sidechain durchaus geeignet.

Midas Compressor Limiter 522 V2
Midas Compressor Limiter 522 V2
Kundenbewertung:
(10)

Leider gibt es keine Möglichkeit der Stereoverknüpfung oder zumindest gerasterte Potis, sodass das Bearbeiten von Stereosignalen ausfällt oder zumindest erschwert wird.

Für das Klangbeispiel habe ich einen noch nicht gemischten Drum Track durch den Midas Kompressor geschickt – natürlich leider nur monophon. Ich habe dann in Echtzeit an den Reglern gespielt und zwischendurch den Kompressor immer mal wieder aus dem Signalweg entfernt. Gestartet habe ich ohne das Sidechain-Filter und ohne Presence. Achtet mal auf die Bass Drum und die HiHat. Insbesondere das Presence-Filter macht sich deutlich bemerkbar, wenn ich es aufdrehe. Dennoch drängt es sich nicht so unangenehm auf wie ein EQ, den man auf den Gesamtmix legt. Schön ist, dass der True Bypass absolut knackfrei arbeitet.

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Fazit

Der Midas 500 Series Compressor Limiter 522 ist ein guter Allround-Kompressor, der vor allem auch durch den günstigen Preis auffällt. Er macht überall dort eine gute Figur, wo auch andere bekannte Vertreter der VCA-Fraktion wie der DBX 266 eingesetzt werden. Er ist kein Klangmacher, sondern eher ein technisches Tool, um Signale gleichmäßiger zu gestalten und somit später den Mix zu vereinfachen. Man könnte ihn zum Beispiel auch gut mit typischen Klangmachern kombinieren, um mit dem Midas Compressor Limiter 522 erste Signalspitzen mit einer sanften Kompression abzufangen und im Anschluss mit einer stärkeren Kompression eines 1176 Style-Kompressors zu bearbeiten. Auch als Vocal Limiter für die Produktion von Podcasts oder YouTube Videos ist er gut geeignet und verhindert wirkungsvoll, dass Signalspitzen zu Verzerrungen führen. Der günstige Preis von gerade einmal 193,- Euro empfiehlt den Midas 500 Series Compressor Limiter 522 schon geradezu als Einstieg in die Welt der API 500-Module oder aber als Zweitkompressor.

Plus

  • Preis
  • vielfältig einsetzbar
  • Verarbeitung
  • inklusive Holzkiste

Minus

  • kein Stereobetrieb möglich

Preis

  • 193,- Euro
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Klangbeispiele
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