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Test: Telefunken TF39 Copperhead Deluxe, Röhren-Großmembranmikrofon

Ein Mikrofon zum Verlieben

16. Februar 2024
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Telefunken TF39 Copperhead Deluxe, Röhren-Großmembranmikrofon

Das Telefunken TF39 gehört zu der neuesten Serie von Großmembran-Kondensatormikrofonen des US-amerikanischen Unternehmens Telefunken Elektroakustik. Telefunken? US-amerikanisch? Wer jetzt sein ergrautes Haupt kratzt und an der geistigen Gesundheit des Autors zweifelt – genau für SIE ist dieser Test geschrieben. Und für alle, bei denen zu einem guten Produkt auch guter Name gehört. Oder für … ach lassen wir das. Der Test wird sehr interessant, denn wir finden heraus, wie sich das mit dem Namen „Telefunken“ verhält und warum knappe 1.900,- Euro für dieses Mikrofon nicht zu viel ist. Ich freue mich darauf!

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History Time

Die Firma Telefunken Elektroakustik hat mit der ehrwürdigen Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie m.b.H. (seit 1903) oder der Telefunken GmbH (ab 1955) nur noch den Namen gemein. Die im Jahre 2001 gegründete Firma begründete auf dem Versuch eines gewissen Mr. Toni Fishmann, sein altes ELA M 251E Mikrofon zu reparieren.

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Telefunken ELA M251E

Die Ersatzteilversorgung war kompliziert, aber die Nachfrage war groß. Dazu hat Telefunken auch einen strahlenden Markenwert. So entschied man sich, die Namensrechte zu kaufen und unter dem modifizierten Brand Restaurierungsteile für die alten Vintage-Mikrofone zu entwickeln und anzubieten.
Basierend auf der Technologie der Urahnen, wurde nach dem 251E auch das C12 und das U47 nach Originalspezifikationen gebaut und schließlich eine eigene Telefunken Mikrofonlinie: Die RFT-Serie, wobei die Abkürzung für „Rundfunk und Fernmeldetechnik“ steht.

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Aktuell bietet Telefunken Elektroakustik fünf verschiedene Mikrofon-Linien an. Die Großmembran-Mikros findet man in der Diamond Serie, die den Schwerpunkt auf den Neuauflagen der Vintage Mics legt und die Alchemy Serie mit den neuen TF-Mikrofonen.

Ausstattung und Verarbeitung des Telefunken TF39 Copperhead Deluxe

Wertig sieht es aus, das neue Telefunken mit seinem schwarzen Body und dem kupferfarbenen Mikrofonkorb und dem unteren Ring. Das Telefunken-Logo, wie bekannt in Form eines Diamanten, sieht edel auf dem 650 g schweren Mikrofon aus.

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Die Kapsel ist vom Typ TK67S mit zentraler Kontaktierung und als Röhrenkondensator-Mikrofon wird es von einer NOS GE 5654W Vakuumröhre betrieben. Im Gegensatz zum ansonsten baugleichen TF29 Copperhead kann das TF39 über das externe Netzteil in drei Richtcharakteristiken umgeschaltete werden: Niere, Acht oder Kugel. Als Ausgangsübertrager hat man einen hochwertigen Lundahl LL 1935 gewählt. Alles in allem eine sehr luxuriöse Ausstattung und auch technisch nach Datenblatt vom Allerfeinsten:
Nur 7 dBA Eigenrauschen, eine hohe Empfindlichkeit von 17 mV/Pa (± 1dB), ein Frequenzbereich von 20 Hz bis 20 kHz, weniger als 3 % Verzerrung (THD bei 1kHz und 1Pa) – hier lässt Telefunken keinen Platz für Kritik. Der Frequenzgang zeigt bei Nierencharakteristik einen leichten 2 dB Boost bei 200 – 250 Hz und ab 2,5 kHz haben wir ebenfalls eine Anhebung um ca. 3 dB. Das lässt auf einen sonoren und klaren Klang schließen.

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Das gesamte Paket kommt in einer Hartschalentasche und Formelementen für das Mikrofon, das externe Netzteil, das 5-polige Kabel (wegen der umschaltbaren Charakteristik), eine Spinne, Ersatzgummis, ein Ledertäschchen und einer Mikrofonhalterung ohne Spinne. Wenn man den Fußring abschraubt, dann zeigt sich die Technik des Mikrofons, die ebenfalls sehr sauber gefertigt ist. Die Platinen, die Röhre und der Übertrager finden auf einem stabilen Metallrahmen halt.

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Auch ansonsten sind die Lackierung, die Kabelqualität und die Stabilität der Spinne über jeden Zweifel erhaben: Auch im Vergleich zur etablierten deutschen Konkurrenz aus Berlin oder den beiden Österreichern von Austrian Audio oder Lewitt fällt das TF39 nicht ab, was durchaus als Kompliment gewertet werden darf.

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Das Telefunken TF39 Copperhead Deluxe in der Praxis

In meinem Setup darf sich das Telefunken TF39 gegen mein Lewitt LCT640 TS (839,- Euro) behaupten. Beide Mikrofone sind mit dem brandneuen SSL Pure Drive Quad verbunden, der wiederum über ADAT 96 kHz am Apollo X6 von Universal Audio hängt. Natürlich vergleichen wir hier Äpfel mit Bio Äpfeln, denn der Preisunterscheid ist schon groß (937,- Euro zum Lewitt), aber so kann man in den Klangbeispielen auch feststellen, wie gering die qualitativen Unterschiede zwischen modernen Großmembranmikrofonen sind. Wie so oft zahlt man für die obersten 5 % verhältnismäßig viel Aufpreis, aber man darf nicht vergessen, dass ein Künstler auch anders reagiert, wenn er ein Top-Mikrofon mit dem Markennamen „Telefunken“ vor dem Mund hat, als wenn es ein Klon oder Budget-Mikro ist – was bei Lewitt natürlich nicht der Fall ist.

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TF39 im Vergleich mit Lewitt 640 und sE4100

Beim Test habe ich dem TF39 erst einmal ca. 30 Minuten Aufwärmzeit gegönnt und es hängt auch kopfüber über dem Vergleichskandidaten. Dies wird bei Röhrenmikrofonen gerne gemacht, denn so kann die Wärme, die die Röhre erzeugt, nach oben abziehen und durchwandert nicht die Membran, was zu einer Klangveränderung führen kann. Nach einigen Vergleichen habe ich beim SSL Pure Drive Quad den Preamp Drive Type „Asymmetric Drive“ (grün) gewählt, bei dem die harmonischen Verzerrungen betont werden und dies in einem etwas wärmerer Klang resultiert. Dazu habe ich bei den Sprachbeispielen einen Low-Cut bei 60 Hz gesetzt, um tieffrequentes Rumpeln auszublenden.

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Klangbeispiel: Stimme

In meinem Klangbeispiel mit Stimme habe ich in ca. 20 cm Abstand einen Text aus Peter Grandls Buch „Höllenfeuer“ gelesen (Buchempfehlung!!!). Die Mikrofone sind vor dem sE Electronics RF-X Reflexionsfilter montiert, um Raumeinflüsse weitgehend zu eliminieren. Die Pegel wurden am SSL Preamp angeglichen. Aufgenommen wurde mit UAD LUNA ohne weitere Effekte. Die Mikrofone hatten im Klangbeispiel zuerst Nierencharakteristik. In den Beispielen 2 und 3 habe ich die Charakteristika Kugel und Acht demonstriert:

Was fällt auf? Nun, das Lewitt ist einen Hauch mittenbetonter und transparenter, während das Telefunken TF39 einen angenehmen, warmen Bauch formt. Ich klinge mit dem österreichischen Mikrofon ein wenig gehetzt und mit dem TF39 sehr laid back und entspannt.
Beim Klangbeispiel mit der Kugelcharakteristik verliert das Telefunken etwas den nonchalanten Mood und tönt fast schon brummig, während das Lewitt hier weiterhin transparent und etwas natürlicher klingt. Hier würde ich am Preamp besser eine weniger runde Charakteristik vorziehen.

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Bei der Acht wiederum ein anderes Bild: Das Lewitt sehr detailverliebt und fast zu exakt, so dass man sich unweigerlich mehr auf den Klang der Stimme konzentriert. Das Telefunken trifft hier die Balance zwischen Präzision und Distanz besser: Man mag den sandingen Wind im syrischen Dorf förmlich spüren. Im Lewitt kann man ihn sich „nur“ vorstellen.

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Telefunken TF39
Telefunken TF39
Kundenbewertung:
(4)

Klangbeispiel Gitarre

Im gleichen Setting habe ich ein paar einfache Akkorde auf meiner akustischen Gitarre gespielt – mit Plektron, damit die Anschläge härter kommen und für einen Mikrofonvergleich die Unterscheide deutlicher zum Tragen kommen. In diesem Beispiel habe ich nur mit Nierencharakteristik und ohne Low-Cut aufgenommen:

Und? Das Telefunken ist ein sehr feindynamisch auflösendes Mikrofon ohne nervigen Röhrencharakter. Es schreit nicht: Hey, ich habe eine Vakuumröhre und so muss ich auch klingen. Man spürt die zusätzlichen Verzerrungen im Vergleich zum Lewitt und mag sich mehr den Harmonien hingeben. Das österreichische LCT 640TS hingegen teilt mehr über die klanglichen Details mit: Transienten und Sustain, Feindynamik und die Tatsache, dass allmählich neue Saiten fällig sind – das alles bringt das Lewitt klarer zum Vorschein.

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Conclusio

Lohnt sich der Aufpreis zum Telefunken? Ist es das bessere Mikrofon im Vergleich. Ich denke, hier werden die Meinungen auseinandergehen, zumal die rohen Aufnahmen üblicherweise noch ihren Weg durch Kompressoren, Equalizer und Effekte finden müssen. Meine Aufgabe, Ihnen verehrte Leser, den Klang von Preamps, Reverbs und DA-Wandlern näherzubringen, kann ich definitiv mit dem Lewitt besser erfüllen.

Der klare, transparente und dynamische Klang und die sensationelle Feinzeichnung prädestinieren dieses Mikrofon nach wie vor zu einem perfekten Arbeitsmittel in meinem Studio.
Für Gesang, klassische Instrumente und den Bereich, in dem Gefühl über Technik steht, wäre das Telefunken ganz klar mein Favorit. Diese Gelassenheit und dieses harmonische Spektrum ist sehr ausgeprägt und es trifft für meinen Geschmack genau diesen Punkt zwischen a) „ich bin ein Röhrenmikrofon“ und b) „ist doch scheissegal, was ich bin – hör einfach zu!“ Dazu diese schöne Optik mit den kupferfarbenen Akzenten und die insgesamt tolle Verarbeitung. In dieses Mikrofon kann man sich wahrlich verlieben!

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Fazit

Ein Mikrofon zum Verlieben – so mein Fazit zu diesem Test des Telefunken TF39 Copperhead Deluxe. Es ist ein sehr emotionales Mikrofon mit starkem Akzent auf den Harmonien, der Stimmung und der Bedeutung des Songs. Faktisch fangen andere Mikrofone mehr Details ein und geben einem Tontechniker mehr „Futter“ zum Arbeiten – Kompressor, EQ, Effekte … Die Aufnahme mit dem Telefunken führt dazu, dass man sich einen Moment zurücklehnt, durchatmet und vielleicht einen Hauch Reverb dazugibt – mehr nicht. Dazu haben wir auch ganz nüchterne Argumente: sehr hochwertige Verarbeitung, schöne Details und einen gut klingenden Namen.
Für viele mag das TF39 einfach nur ein sehr gutes Röhrenmikrofon sein – für andere das One-and-Only. Sehr gut, mit starker Tendenz nach oben. Well done!

Plus

  • sehr schöner, warmer und nuancierter Klang
  • sehr gute Verarbeitung
  • flexibel einsetzbar mit drei Richtcharakteristik
  • angemessener Preis

Preis

  • 1.899,- Euro
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