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Test: Audeze MM-500, Planar-magnetischer Studiokopfhörer

Nur mit Kopfhörer abmischen? Absolut!

30. September 2022
audeze mm500 test

Audeze MM-500, Planar-magnetischer Studiokopfhörer

Der Audeze MM-500 bietet Klang in Studioqualität und stellt somit die nächste Leistungsstufe im Bereich Pro-Audio dar. Hmm, so ein Satz ist schon ein sehr selbstbewusstes Statement. Auf der Website des deutschen Vertriebs Mega Audio finden sich viele Superlative über den neuen Top Star Studiokopfhörer der kalifornischen Kopfhörerschmiede Audeze, die übrigens „Odyssee“ ausgesprochen wird. Ob der MM-500 uns in eine klangliche Odyssee bringt (ich bewerbe mich hiermit zum Wortwitz des Monats) oder dem Mitbewerbern zeigt, wer die Referenz in Sachen Studiokopfhörer baut, das lesen Sie hier.

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Ein paar Grundlagen zum Audeze MM-500

Audeze_MM-500_transparent

Wenn Sie beim Begriff „Planar Magnetisch“ die Stirn runzeln, dann ist Ihnen vielleicht der Ausdruck „Magnetostatisch“ geläufiger. Nun, am Ende ist es immer dasselbe: Wir haben Strom, eine Schwingspule und ein Magnetfeld. Und je nachdem, ob die Membran in einem elektrostatischen Feld, einem magnetischen Feld oder eine Membran befestigt an eine Schwingspule in einem Magnetfeld: Heraus kommt ein Ton. Je nachdem, wen man fragt, haben alle Techniken im Kopfhörerbau ihre Argumente: Elektrostaten haben eine extrem leichte Membran, dynamische Treiber einen starken Antrieb und Magnetostaten haben einen linearen Impedanzverlauf und sind für den Verstärker leicht zu handeln.

Audeze_MM-500_Planartreiber

Wie bei vielen Herstellern ist die verbaute Technik mit schön klingenden Marketingausdrücken garniert. Mein Favorit: Fluxor Magnet Array – dies beschreibt bei Audeze die Formgebung der Magneten, die die „Ultra Thin Uniforce“ Membran kontrolliert. Ein Problem der Magnetostaten ist nämlich, dass die Magnete dem Schall gerne im Weg stehen. Und bei Audeze hat man sich viele Gedanken gemacht, um diesen Effekt zu minimieren.

Die Technik

Audeze_MM-500_sidef

Optisch sieht man dem MM-500 nicht an, dass man es hier mit der Krönung des Kopfhörerbaus bei Audeze zu tun hat. Der 495 g schwere Hörer kommt in schlichtem Schwarz mit großen Ohrmuscheln. Vom Bauprinzip ist es ein ohrumschließender, offener Kopfhörer. Messtechnisch gibt sich das gute Stück keine Blöße:

  • Membranfläche: 90 mm
  • Max. SPL: <130 dB
  • Frequency response: 5 Hz – 50 kHz
  • THD (Total Harmonic Distortion): <0,1 % @ 100 dB SPL, 1 kHz
  • Sensitivity: 100 dB/1mW
  • Impedanz: 18 Ohm
  • Max power handling: 5 W RMS
  • Min recommended power: >100 mW
  • Recommended power level: >250 mW

Der letzte Wert ist interessant, aber auch typisch für planar-magnetische Kopfhörer: Sie haben einen schwachen Wirkungsgrad und benötigen viel Power. Auf der anderen Seite haben wir prinzipbedingt einen sehr linearen Impedanzschrieb.

Audeze_MM-500_treiber

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Der Kopfhörerverstärker muss zwar keine komplexen Lasten stemmen, aber dafür sollte er Saft haben. An einem USB-2 betriebenen Audiointerface hat so ein Kopfhörer also nichts zu suchen. Idealerweise sollte ein externer Kopfhörerverstärker zur Verfügung stehen.

Audeze_MM-500_kiste-top

Das Kopfhörerkabel ist beidseitig gesteckt und die isolierten Leitungen sind ohne weitere Ummantelung verdrillt und wirken dadurch etwas provisorisch.

Audeze_MM-500_kabel

In der Praxis konnte ich aber keine Nachteile feststellen – dazu später mehr. Die Verbindung zum Verstärker wird über 6,3 mm Klinkenstecker hergestellt.

Audeze_MM-500_nano

Die recht massive und stabile Höhenverstellung erinnert mich an Kopfhörerradios aus den 70ern und 80er, denn die Stangen, an denen der Bügel befestigt ist, haben etwas von Antennen.

Audeze_MM-500_opener

Die Ohrpolster sind aus Leder gefertigt und austauschbar, die Ohrmuscheln sind groß und umschließen auch große Ohren. Im Inneren sieht man die Leiterbahnen des Membranantriebs und von außen ist das für Audeze typische „A“ im Gitter zu erkennen. Die Verarbeitung ist durchweg superb, hier gibt es nichts zu meckern.

Audeze_MM-500_Mechanik

Der Audeze MM-500 in der Tonstudiopraxis

Abgesehen von der etwas eigenen Optik sind die Anpassungsmöglichkeiten des MM-500 sehr gut und tatsächlich haben diverse Testhörer den Audeze als sehr bequem empfunden, wenn auch der Anpressdruck etwas schwächer sein könnte.

Audeze_MM-500_side

Die Lederpolster passen sehr gut und insgesamt wirkt der Hörer sehr leicht. Wie bei vielen großen Kopfhörer merkt man nach einiger Zeit des Hörens schon eine Erwärmung der Ohren und man braucht dann wieder ein paar Minuten „free air“, um weiterarbeiten zu können. Das ist aber eine sehr subjektive Wahrnehmung und führt nicht zu Punktabzug. Wie erwähnt stört das gedrillte Kabel nicht und es ist auch wenig empfindlich gegen Trittschall. Zum Transport kommt der Kopfhörer in einem sehr stabilen und hochwertigen Köfferchen – sehr schön.

Audeze_MM-500_kiste

Wie verhält sich der MM-500 am Kopfhörerverstärker?

An meinem SSL SiX Mischpult funktioniert der Audeze sehr gut und kraftvoll – ebenso wie an dem sehr guten Kopfhörer-Amp des Universal Audio Apollo X6. Ein Vergleich mit dem USB-2 betriebenen Zoom AMS-44 hingegen zeigt das Befürchtete in hohem Ausmaß, denn hier fehlt alles: Transparenz, Dynamik, Bass. Dafür benötigt man keine Goldohren: Es ist nicht nur Blasphemie, sondern auch technisch sehr (!) ungünstig, so eine Kombination hören zu wollen.

Wie klingt der Audeze MM-500?

Nach etwas Einspielzeit begann ich den Audeze zunächst mit Hi-Res Audio Stücken von Qobuz zu füttern und … irgendwie sprang der Funke nicht über. Kein WOW oder „Wahnsinn“. Keine Begeisterung über die tolle Transparenz oder die Details. Viel Lärm um nichts? So leicht gebe ich nicht auf. Audeze kann Kopfhörer bauen, also habe ich mir die Zeit genommen. Und mit jeder Minute und mit jeder Stunde mit dem Audeze MM-500 kam ich dem Geheimnis näher. Nein, das ist kein Beats by Dr. Dre oder ein effektheischender Kopfhörer. Das Fantastische am Audeze ist seine völlige Zurückhaltung und Lässigkeit. Ich höre die Musik, so wie sie aufgenommen wurde – der Klangcharakter des Audeze ist praktisch nicht vorhanden. Leise, intime Aufnahmen klingen leise und intim, Orchester sind groß und gewaltig. Eine Stimme ist dünn oder voluminös – so wie es der Interpret kann oder die Technik vorgibt.

Der Einfluss von Manny Mannoquin

Manny Marroquin

Ein wichtiges Detail habe ich bisher nicht genannt, nämlich dass der 11-fache Grammy Gewinner Manny Marroquin den Charakter des MM-500 mitgestaltet hat und so das Nr.1 Album „Mr. Morale & The Big Steppers“ von Kendrick Lamar mit diesem Kopfhörer abgemischt hat.

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Ich dachte: Na ja, ein weiterer Toningenieur, der für Marketingzwecke seinen Namen hergegeben hat. Nein, ganz und gar nicht. Mr. Manny Marroquin versteht nämlich sein Handwerk außerordentlich gut und wenn so ein Ausnahmetechniker ein gesamtes Album praktisch ohne Freifeld-Monitore zum Abmischen nutzt, die weltweit Nummer 1 Status bekommen hat, dann bedeutet das schon etwas.

Audeze_MM-500_vergleich

Im Vergleich mit dem Apple AirPods Max

Also dann eben US-Rap, und von den vielen Show Rappern hebt sich Mr. Lamar durch technische Spitzenklasse und wirklich wertvolle Texte von der Masse positiv ab. Eben diese Platte „Mr. Morale & The Big Steppers“ mit dem Audeze MM-500 ist schon alleine Grund, diesen Kopfhörer zu kaufen. Die Big Steppers knallen derart mit ihren Stepschuhen, dass man unwillkürlich erschrickt und die Klangvielfalt, die schnellen aber präzisen Lyrics und die große Abwechslung lassen einen mach dem Ausklingen des letzten Songs schon etwas sprachlos – und tief beeindruckt – zurück.

Audeze_MM-500_kopfband

Vielleicht kann ein Focal Clear MG Professional dies ansatzweise so rüberbringen, aber für sich gesehen ist dies schon ein Erlebnis. Noch mal: Der Kopfhörer tritt dabei komplett in den Hintergrund und jede Reglerbewegung am Mixer, jeder Atemzug und jede Synthesizer-Nuance werden genau so wiedergegeben, wie sich Manny Marroquin („MM“) das vorgestellt hat.
Ich will nun nicht von einer Produktion auf das gesamte Produkt schließen, denn auch die Uhren bei „Time“ (Pink Floyd) oder eine gute Aufnahme des Canon in D-Dur von Pachelbel sind ein Genuss mit dem Audeze.

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So erübrigt sich fast ein Kommentar zu seiner Eignung beim Mischen und Mastern. Ich selber bevorzuge gerne die Monitore und höre nur zur Kontrolle über Kopfhörer ab. Aber ich verstehe den Ansatz beim Audeze MM-500 gut und kann mir vorstellen, dass man damit auch komplett produzieren kann, was das höchste Lob für einen Studiokopfhörer darstellt.

Gibt es Kritik?

Es ist sehr schwer, einen Kopfhörer zu kritisieren, wenn man den Eindruck gewonnen hat, dass das Produkt praktisch keinen Eigenklang aufweist. Ich würde dies nicht als Kritik sehen, sondern eher als Eigenschaft: Der MM-500 gehört zu den Vertretern, die tendenziell „im Kopf“ abbilden und nicht virtuell vor dem Hörer projizieren. Die Bühne bei Live-Aufnahmen ist meist sehr nah und nicht so weiträumig, wie das bei Kopfhörern mit angewinkelten Chassis häufig wahrzunehmen ist. Wenn ich aber den bevorzugten Einsatzzweck des Audeze berücksichtige, dann ergibt es schon mehr Sinn, geringste Pegelabstufungen so direkt wie möglich wahrzunehmen.

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Fazit

Der Audeze MM-500 ist ein ganz besonderes Stück Technik. Praktisch ohne eigene Charakteristik, findet man keine spektakulären Bässe oder außerordentliche Transparenz. Nein, der Audeze verschwindet als Wiedergabegerät im Hintergrund und gibt die Musik und die Klänge extrem natürlich und authentisch wieder. Nimmt man sich die Zeit für diesen Kopfhörer, dann versteht man, dass sogar ein 11-facher Grammy-Gewinner ein Nummer 1 Album mit diesem Kopfhörer abgemischt hat. Ja, der Audeze MM-500 ist sehr teuer, aber Verarbeitung und Klang sind sehr, sehr gut und so kann ich den Audeze uneingeschränkt empfehlen.

Plus

  • Klang extrem neutral und natürlich
  • sehr gute Verarbeitung
  • sehr guter Transportkoffer

Minus

  • Kopfhörerkabel wirkt etwas fragil

Preis

  • 2.099,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    wolftarkin AHU

    Beim Hersteller steht: „I rely on my MM-500 as much as the main monitors in my studio“
    Das relativiert die Aussagen doch etwas.

    • Profilbild
      Llisa

      Allerdings. Ein Kopfhörer ist sicher ein nützliches Tool aber kein Ersatz für ein gutes Monitoring.

    • Profilbild
      ronv

      Vielleicht auch interessant, um seine Aussagen ein wenig besser einordnen zu können: Manny Marroquin ist seit Juni 2022 „Head of Professional Products“ bei Audeeze.

  2. Profilbild
    eikendrup

    Der MM-500 gehört zu den Vertretern, die tendenziell „im Kopf“ abbilden:
    Da interessiert mich doch sehr, wie er sich dann bei binauralem Material verhält?

  3. Profilbild
    Xevantris

    Die wirken mega spannend nur der Preis hat es ziemlich in sich. So einfach mal bestellen fällt da wohl erstmal aus. 😅

  4. Profilbild
    Dalai Galama

    Danke für den tollen Artikel. Beim Lesen habe ich in Gedanken schon das Teil bestellt und mir überlegt, ob meine Kopfhörer-Amps dafür ausreichen. Bis ich dann den Preis entdeckte…

  5. Profilbild
    MidiDino AHU

    Berücksichtigt man, womit die Käufer i.d.R. hören, wäre der GAS-Fetish völlig übertrieben, zumal in Zeiten einer Gas-Krise – der musste jetzt sein ;-) Ich höre seit Jahren mit einem AKG 702 meine Produkte ab. (https://www.amazona.de/test-akg-k702/)
    Übrigens sind nicht nur die Ausstattungen von Studies unterschiedlich, auch die Gehöre der dort Arbeitenden.
    Es ließe sich in der GAS-Krise überlegen, worauf es an einer Schnitstelle zwiischen Musiker und Publikum wirklich ankommt … – sieht man mal von der musikalischen Struktur ab.

    Der Text wurde von der Redaktion wegen eines politischen Statements bearbeitet.

    • Profilbild
      Kazimoto AHU

      Ganz ehrlich, ich verstehe daß du mit Sprache gespielt hast. Das hat wiederum Hr. Matten getriggert. Bitte das Kriegsbeil begraben oder am besten alles löschen. Wir wollen im Kommentarbereich ja keine idiologischen Auseinandersetzungen. 😉

  6. Profilbild
    louM

    Hallo Jörg,
    danke für den super Bericht!
    Wäre auch ein Apollo Twin X ausreichend oder muss es zwingend ein X6 sein?

    Twin X specs:

    Frequency Response 20 Hz – 20 kHz, ±0.1 dB
    Dynamic range 124 dB (A–weighted)
    Total Harmonic Distortion + Noise – 98 dB (1 kHz @ -1 dBFS)

    Maximum Output Power (into 300 ohm load)
    96 mW RMS

    Würde mich auf auf ein Feedback freuen,
    Grüsse
    Lou

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann RED

      Hallo Lou, natürlich geht ein Twin auch – ich habe auch einen TWIN X Quad hier und der hat ja auch schon einen verbesserten Kopfhörerverstärker eingebaut der ganz ausgezeichnet klingt. Das ist auch eine tolle Kombi!
      Gruß, Jörg

  7. Profilbild
    tschawo22

    Schade das du wenig auf den Vergleich zum hochgelobten Focal Clear MG Pro eingegangen bist. Den hattest du ja in deinem anderen Testbericht als Meisterwerk bezeichnet.. Ist der Focal für dich nach wie vor das Maß aller Dinge oder schlägt ihn nun der MM500?
    Wäre schön wenn du dann vielleicht doch noch auf einen Vergleich angehen magst

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