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Test: Solid State Logic SSL SiX, analoges Mischpult

29. Juli 2019

Kompaktes Mischpult mit vielen Features

solid state logic ssl six

Solid State Logic SSL SiX, analoges Mischpult

Das Solid State Logic SSL SiX ist ein wichtiges Gerät. Für den Hersteller, für seinen Ruf und für viele Kunden, die schon seit Jahren sehnsüchtig auf einen Entry-Mixer des Unternehmens warten, das mit 1969 das Geburtsjahr des Autors teilt und somit in das 50. Firmenjubiläum geht.

Wenn SSL einen neuen Mixer herausbringt, dann wird darüber diskutiert. Punkt. Denn in Fachkreisen ist dieser Hersteller für die meisten Mixing-Spezialisten die Referenz. Die Channel Strips sind durchdacht und klingen hervorragend. Man hält sich in der Regel an alle gängigen Standards und ist somit zu anderen Herstellern meist kompatibel. Dazu eine außerordentlich gute Verarbeitung und ein spitzenmäßiger Service.

Der Haken: Die Dinger sind teuer. Meist kosten einzelne Channel-Strips ab 800,- Euro aufwärts und so kann ein SSL Rack-Mixer schon ziemlich teuer werden. Für ein großes SSL Pult kann man sich auch einen gut ausgestatteten VW Golf kaufen.

Das haben wohl auch die Produktmanager bei SSL gemerkt und unterhalb des beliebten SSL X-Desk (16 Kanäle, knapp 3.000,- Euro) das neue SSL SiX platziert – für einen Solid State Logic Schnäppchenpreis von 1.399,- Euro. Dafür bekommt man bei SSL einen komplett symmetrisch ausgeführten 6-Kanal Mixer im Desktop-Design.

Und es kam wie es kommen musste: Die einschlägigen Foren sind voll von Kommentaren: Boah – viel zu teuer, 1.400 Tacken für 6 Kanäle, da bekomme ich bei Behringer ja gefühlte 300 Kanäle. Kann zu wenig, für wen soll das gut sein, klingt der wie die großen Brüder? Etc., etc.

SSL SiX: Das Produktmarketing

Aus Marketing Sicht darf ich sagen: Wenn ein Hersteller bei einem neuen Produkt so ein Echo hervorruft, dann hat er alles richtig gemacht. Nichts ist schlimmer als ein gutes, neues Produkt und keiner spricht darüber.

SSL-SiX_table

Auf meinem Studiotisch

Apropos Marketing: Die für den SiX angefertigten Videos sind erste Sahne und besonders das Einführungsvideo (am Ende des Tests zu finden) suggeriert einem, dass ich quasi eine Bigband wunderbar mit dem 6-Kanal Mixer im Griff habe. Leider sieht die Realität anders aus, denn faktisch wird dem nahezu fertig produzierten Stück eine Vocal-Spur und ein Drum Add-on hinzugefügt. Das wahre Leben ist – wie meist – doch ein wenig komplizierter, als einem das Marketing oft vorgaukeln möchte.

SSL SiX: Die Oberfläche des Mischpults

Also dann: Auspacken und die Oberfläche inspizieren. Mein erster Eindruck: sehr kompakt, solide, toll verarbeitet, aber total unübersichtlich. Noch mal, das ist mein ERSTER Eindruck – das darf sich gerne noch ändern. Der Synthesizer Arturia MatrixBrute erschlägt einen am Anfang auch, aber wenn man das zweite Mal hinguckt, dann erschließt sich das Design und man ist von der Genialität des Bedienkonzepts begeistert.

Beim SiX ist das nicht so einfach. Dadurch dass das Gerät sehr kompakt ist, sind die Channel-Strips mit Funktionen vollgestopft; ausgestattet mit vielen bunten Reglern und LEDs. Dem Auge fehlt sozusagen ein Ankerpunkt, von dem aus man das Konzept versteht. Immerhin: Die dünnen weißen Linien unterstützen dabei, die Strips und einzelnen Sektionen des SSL SiX zu verstehen.

Auf der linken Seite findet man zwei „Superanalogue“ Input-Kanäle und dann folgen zwei Stereo-Input-Channels: So kommt man auf die insgesamt sechs Eingangskanäle des SiX. Die jeweiligen Eingangsbuchsen findet man oben auf einem kleinen „Podest“. Für jeden der Monokanäle kann man zwischen XLR und Klinke wählen, zwischen HI-Z, Line, einem Highpass-Filter und der 48 V Phantompower-Speisung.

SSL-SiX_overhead

Vollgepackt mit Funktionen

Die beiden Stereokanäle sind einfach nur vier Klinkenbuchsen – fertig. Aber auch hier mit hilfreichen Funktionen: Wird beispielsweise nur der linke Eingang genutzt, erhält man ein Mono-Signal auf dem linken und rechten Kanal.

Rechts daneben der Kopfhörerausgang und dann – sehr lobenswert: Ein Talkback-Input – meist ein gutes Zeichen, dass der Hersteller es mit dem Mixer ernst meint. Beim SiX hat man dazu noch eine 48 V Unterstützung und einen Damping-Kompressor, der die Musik bei einem anliegenden Signal stummschaltet.

Dann ganz rechts auf dem Podest: Zwei externe Inputs in Form von 4 Klinkenbuchsen. Ein weiteres Zeichen, dass der SSL SiX nicht nur ein kleiner 6-Kanal Mixer ist, sondern auch über einen leistungsfähigen Summierer verfügt. Die beiden Inputs können zum Main-Mix aufsummiert werden und auf den Foldback-Outputs auf der Rückseite zugewiesen werden. Auf der Bedienoberfläche steht hierfür eine eigene Sektion bereit – übrigens inklusive des Talkback-Inputs.

SSL SiX: Die Channel-Strips

Die ziemlich vollgestopften Channel-Strips bieten auch viele Funktionen, die man in einfachen Mixern meist vergeblich sucht oder die dort nur rudimentär nutzbar sind:

1. Gain und Kompressor

So findet bei den Mono-Kanälen einen Gain-Regler mit 72 dB Umfang und daneben gleich einen One-Knob-Compressor, der erstmals seinem Namen auch gerecht wird. „Erstmals“, weil ich bisher nur an Mixern saß, die zu mir sagten: „Du, ich habe zwar einen Kompressor, aber ganz ehrlich: Schließ bitte was Gescheites an! Ich bin nur hier, um das Lastenbuch zu füllen!“ Bei diesen Strip-Kompressoren variiert Attack abhängig vom Eingangssignal zwischen 8 ms und 30 ms und Release liegt bei 300 ms. Der Ratio ist auf ein eher zurückhaltendes Verhältnis von 2:1 festgelegt. Mit dem Regler bestimmt man den Threshold, ab wann die Kompression eingreift und das Ergebnis ist ein sehr saftiges und stimmiges Eingreifen in den Pegel. Sehr gut. Die Stereokanäle können leider nicht komprimiert werden.

2. Channel EQ

Die 2-Kanal-Equalizer der Mono-Channels sind sehr praxisgerecht ausgelegt. Im Shelving-Modus regelt man hier die Frequenzen um 60 Hz und 3,5 kHz und bei der Variante „BELL“ werden die Frequenzen um 200 Hz und 5 kHz angepasst.

Das ist zwar ein kleines und feines Detail, nur: Kann man sich das beim Arbeiten mit dem SSL SiX merken? Es ist ja doch ein Unterschied, ob ich bei 200 Hz einen Buckel habe oder ab 60 Hz einen Kuhschwanz regle. Ich befürchte, dass man hier vielleicht zu detailverliebt war und am täglichen Einsatz „vorbei – engineert“ hat. Gut, mit einem ausgebildeten Gehör merkt man schnell, dass etwas nicht stimmt, aber wenn beim Druck auf die BELL-Taste die PA bei 200 Hz losbrüllt, dann ist der Lerneffekt auch ziemlich groß.

Wie schon beim Kompressor bleiben die EQs den Monokanälen vorbehalten.

SSL-SiX_RoutingPro

Die vielen Routing-Optionen des SiX

3. Channel Inserts

Hier geht es darum, externe Effekt-Prozessoren in das Klangbild einzubinden. Das kann alles von einem einfachen Gitarrenpedal bis hin zur Multiprozessing-Unit sein. Wie bei den großen SSL Konsolen ist auch beim SSL SiX der Send-Kanal immer aktiv und der Return muss individuell ausgewählt werden. Einen Haken hat die Sache aber: Channel-Inserts und Returns findet man auf der Rückseite des Mixers in Form eines 25-poligen D-Sub-Connectors. Die passenden Breakout-Kabel liegen aber nicht bei und müssen – leider – für sehr teures Geld erworben werden. Und dann ist bei der Verkabelung Konzentration und Dokumentation gefragt, damit man nicht im Dschungel der Inserts verloren geht.

Ach ja und eins habe ich vermisst: Die Stereo-Kanäle haben keine eigenen Inserts. Bei den guten Effekten vom Korg Kronos und dem Elektron Digitone in meinem Setup konnte ich das gut kaschieren, wer aber ein Stereo-Digital-Piano im Mix mit einem leichten Reverb untermalen möchte, kann das mit dem SiX so nicht realisieren. Ein Fauxpas – wenn auch kein großer.

4. Pan und Cue-Sends

Auch Features, die man auf einem einfachen analogen Mixer meist nicht findet: zwei Cue-Sends, jeweils mit Panning-Funktion. So kann man Monitor-Mixes erstellen, Effekt-Sends und auch Parallel-Processing im Studio. Beide Cue-Regler werden aus Pre-Fade/Post-Insert gefüttert, aber können auch auf Post-Fader aus dem Foldback-Master geschaltet werden.  Der Cue 1 Regler kann dazu noch zwischen dem Channel-Input und einem der Effekt-Returns auf dem D-Sub-Stecker geschaltet werden. Die Stereo-Kanäle verfügen ebenfalls über Cue-Sends und einer Panning-Funktion.

5. Channel Fader inklusive Pan/Bal

Der SSL SiX verfügt über lange 100 mm Fader, die auch aus den großen SSL Konsolen stammen. Eine 8-stellige LED-Anzeige, eine Muting-Option und die PFL (Pre Fader Listen) Funktion komplettieren den Channel-Strip. Es erklärt sich von selbst, dass die Monokanäle über eine Panning-Funktion verfügen und die Stereokanäle über eine Balance.

Dann hat man natürlich noch den Master-Fader, einen 100 mm Kanalfader zum Anpassen des Mix-Bus-Pegels mit externem Eingang und Cue-Summierung sowie symmetrischem Stereo-Insert-Punkt.

6. Der G-Serie SSL Bus-Compressor

Ja, richtig gelesen. Man hat es sogar geschafft, auf der Oberfläche noch eine abgespeckte Version des berühmten G Bus Compressors unterzubringen, der über einen Threshold- und einen Make-up-Regler verfügt – inklusive 5-stelliger LED-Kette. Dieser beruht in seinem Schaltungsdesign auf dem Kompressor in der legendären SL4000G Console aus dem Jahr 1989 – die heute noch in vielen bekannten Studios ihren Dienst tut. Ein feines Detail für Kenner.

SSL-SiX_BusComp

Der tolle G-Compressor des SSL SiX

SSL SiX: Die Anschlüsse des Mischpults

Neben den erwähnten Inputs auf dem Podest auf der Frontplatte bietet der SiX noch weitere Optionen auf der Rückseite des Gerätes. Neben dem Anschluss für das externe Netzteil sind hier die schon öfter genannten Foldback-Outputs, die DB25-Stecker für Send und Return der Effekte, Main- und Alternative-Monitoring-Buchsen im TRS- (Klinken) Format und dazu noch Main-L&R für die Monitore/PA.

SSL-SiX_rear

SSL SiX: Ein erster Zwischenbericht

Puh, man hat die kleine Kiste wirklich mit tollen Funktionen vollgestopft. Mit einem Querblick auf die einschlägigen Diskussionsforen wird klar: Den potenziellen Käufern mangelt es nicht an Funktionen. Ich habe hier auch lange nicht alle Features des SSL SiX beschrieben – das würde den Umfang eines Tests bei Weitem sprengen (an dieser Stelle verweise gerne auf das sehr gute englischsprachige Handbuch). Gerade beim Thema Routing ist das „Einsteigerpult“ von SSL ganz vorne dabei und bietet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Doch es beschleicht mich der Eindruck, dass man ein wenig zuviel wollte.

Wenn Sie mir bitte wieder ein Vergleich mit Synthesizern erlauben: Wenn Funktionen eines Synthesizers nur über ein tiefes Menü oder Tastenkombinationen erreicht werden, dann ist das immer etwas problematisch. Nicht für den Sounddesigner, der alle Zeit der Welt hat, sich durch das Handbuch zu fuchsen. Aber in einer hektischen Live-Situation können die vielen Optionen auch oft verwirren.

SSL-SiX_pix

Aber was wäre die Lösung? Na klar – ein größeres Gerät mit „One Knob per Function“ bauen oder ein Touch-Display mit guter Menüführung. Aber das würde den Sinn des SiX wieder konterkarieren. Und: Lieber habe ich diese Funktionen, auch wenn sie in komplexer Bedienung versteckt sind, als dass sie gar nicht vorhanden sind.

SSL SiX Mixer in der Praxis

Also dann, einfach über USB mit dem Rechner verbinden und … (an dieser Stelle bitte den Ton des ehrwürdigen „Zonk“ vorstellen). Nix da, das SiX ist ein rein analoges Mischpult ohne Audiokarte. Zum Betrieb am Rechner bzw. der DAW ist also ein Audiointerface notwendig. Das mag den einen oder anderen jetzt verwundern, aber letztlich ist es nur konsequent. Bei Solid State Logic konzentriert man sich auf das, was man kann: hochwertige Mixer und Konsolen. Wer sich mit Sample-Raten, Bits und Bytes rumschlagen möchte, der darf den SiX gerne an sein RME oder Apollo Audiointerface anschließen. Und wenn, dann bitte auch in dieser Qualitätsklasse, denn es ergibt definitiv keinen Sinn, einen Mixer dieser Qualität mit einem 100,- Euro Interface in Verbindung zu setzen.

Beim Anschluss an die Monitore und hochwertige Eingangsgeräte merkt man sofort, wessen Erbe hier im Spiel ist. Der Klang ist sofort da, auch wenn alle Regler brav in der 12 Uhr Position verharren. Eine Stratocaster über SM57 an einen VOX AC-15 angeschlossen, nur mit etwas Spring Reverb singt am SSL SiX ganz wunderbar. Eine Gibson Les Paul an derselben Combo mit mächtig Drive und Schub. Der Korg Kronos an den Stereo-Eingängen ist weiträumig und druckvoll – er wurde nur etwas mit dem G Compressor verfeinert.

Das Ganze verbunden mit dem Allen & Heath Qu-16, der als Audiointerface fungiert. Aufgenommen wird in Logic X in Stereo – ohne jegliche weitere Effekte. Meine Herren – der SSL klingt wirklich hervorragend:

Hier die Soundfiles:

Ohne irgendwelche Allüren werden die unterschiedlichen Gitarrensounds sauber und mit ordentlicher Dynamik im Raum platziert. Beim Soundfile vom Kronos spürt man das sanfte Eingreifen des G Bus Kompressors und gibt bei der Bassdrum schönen Schub von unten. Aus meiner Sicht hat der SiX wirklich ein tolles klangliches Potenzial und ist meiner Meinung nach für Online-Produktionen wie Podcasting oder YouTube overpowered. Der SiX ist wirklich für kleine Singer/Songwriter-Ensembles oder das hochwertige kleine Homestudio geeignet, um moderne und dynamische Produktionen zu machen.

SSL SiX: Konfigurationen

Die in den Videos von Solid State Logic vorgeschlagenen Konfigurationen (siehe Links) – nun ja – die kann man schon machen. Aber letztlich würde das jeweils in einer unendlichen Umsteck- und Konfigurationsorgie enden. Bei den genannten Beispielen wäre ein größeres Mischpult sicherlich wesentlich komfortabler. Selbst mit einer Patchbay würde man ohne die notwendige Disziplin schnell in einem Kabelsalat untergehen.

SSL-SiX: Kritische Worte

Wer einen Solid State Logic SiX Mixer mit einem Behringer Produkt vergleicht, wird hier nicht glücklich. Diese Produkte sind für völlig unterschiedliche Zielgruppen designt. Trotzdem empfinde ich die Ausstattung des SiX als etwas unausgewogen. Jede Menge Profi-Features, die man in einem 6-Kanal Mixer nicht wirklich nutzen würde und dafür fehlen manche Kleinigkeiten, die einem das Leben leichter machen. Warum nur ein 2-Band EQ? Und warum nur auf den Mono-Kanälen? Warum keine Inserts auf den Stereo-Kanälen? Diese hat man für meinen Geschmack etwas vernachlässigt. Vielleicht hätte es ein „SSL FouR“ mit vier der tollen Mono-Kanäle auch getan?

Ein externes Netzteil? Das kann man zwar verargumentieren (Einstrahlung etc.), aber muss das sein? Mixer müssen ein internes Power-Supply haben, Punkt.

Das Thema Übersichtlichkeit hat sich für mich nicht erledigt. Immer noch suchen meine Augen Halt bei dem bunten Leuchten und den vielen verstreuten Schaltern und Reglern. OK, sie sind zwar grundsätzlich schon „sinnvoll verstreut“, aber irgendwie habe ich das woanders schon besser gesehen. Außerdem sieht man die Beschriftung der Taster und Regler nur schlecht, wenn der Studiotisch etwas höher ist: Ab und an musste ich aufstehen, um die Beschriftungen zu lesen, die im Sitzen vom Knopf selber verdeckt werden.

SSL SiX: Im Klangvergleich

Ich habe in meinem kleinen Studio einen Allen & Heath QU16 und einen Behringer UFX 1204 stehen. Wie schlägt sich der SiX im Vergleich mit diesen doch sehr unterschiedlichen „Gegnern“? Um es kurz zu machen: Mit dem UFX macht er kurzen Prozess. Die Preamps im Behringer wirken im Vergleich gerade bei heißer Ansteuerung sehr schnell dicht und unübersichtlich. Im mittleren Verstärkungsbereich ist der Unterschied ebenfalls noch sehr deutlich. Auch wenn der Behringer noch auf den bewährten Midas Preamps basiert, ist der SiX in Sachen Räumlichkeit, Transparenz und Fundament weit überlegen.

Bei einem Mixer vom Kaliber des Allen & Heath sieht es schon anders aus und ich betone an der Stelle gerne, dass ich von A&H (leider ;-) ) nicht subventioniert werde. Es ist ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen. Mal hat man den Eindruck, der QU-16 kommt dynamischer und „snappier“ rüber, mal überzeugt die Ruhe im Klangbild des SiX. Wenn überhaupt, dann kann ich dem SiX einen hauchdünnen Vorsprung im High-Gain-Bereich (etwas mehr Headroom) attestieren, aber wir reden nicht von Qualitätssprüngen wie beim Behringer.

Vollkommen ebenbürtig sind übrigens die Preamps im von mir vor Kurzem getesteten Grace Design FELiX. Der hat zwar nur zwei Kanäle und liegt in Sachen Ausstattung weit hinter den anderen Kandidaten, aber klanglich ist er wirklich eine Wucht.

Fazit

Trotz der Unstimmigkeiten in der Bedienung lässt der Solid State Logic keinen Zweifel daran, dass er ein wirklich hervorragender Mixer ist. Konsequent ohne Audiointerface mit vielen Features, die man oft nur in weit höheren Preisregionen findet. Die Verarbeitung lässt nicht auf „Made in China“ schließen und SSL hat ja sowieso das Flair des Besonderen. Trotzdem stellt sich bei dem Gerät die Frage nach der Werthaftigkeit: 1.500,- Euro ist eine Menge Geld für ein 6-Kanal Mischpult.

Wenn ich ein Jazz-Quartett oder einen großen Chor aufnehmen möchte, brauche ich mehr Kanäle. Und kann (oder will) das Singer/Songwriter-Duo 1.500,- Euro für einen Mixer ausgeben? Trotzdem will ich für den SSL SiX das Urteil „sehr gut“ vergeben, denn genau das ist er auch. Mein Vater hat in diesem Zusammenhang immer einen schlauen Spruch parat: „Wer Mercedes fahren will, der muss für einen Mercedes bezahlen.“

Plus

  • sehr guter Klang
  • sehr gute Verarbeitung
  • hohe Flexibilität

Minus

  • wird im Betrieb sehr heiß
  • etwas unübersichtliche Oberfläche
  • kein EQ und Kompressor auf den Stereoeingängen
  • Aux Sends/Returns nur über D-Sub Connector erreichbar

Preis

  • Ladenpreis: 1.399,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Ted Raven  AHU

    Sicherlich ein großartiges Gerät und sein Geld wert. Ich habe nur Probleme mir besonders viele Anwendungsfälle für einen Sechs-Kanal-Mixer vorzustellen. Eine komplette Band mit Drums wird man damit nicht abmischen können. Schon gar nicht bei nur zwei Mono-Kanälen.

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann  RED

      Das stimmt sicher, aber für kleine Combos geht da schon was. Leider versucht der Hersteller einem zu vermitteln, dass es auch für eine Big Band geeignet ist, was am Einsatzzweck sicher vorbeigeht. ;-).
      Aber im richtigen Umfeld ist das schon ein sehr feines Gerät.

  2. Profilbild
    swift  

    „Für ein großes SSL Pult kann man sich auch einen gut ausgestatteten VW Golf kaufen.“

    Bleibt zu hoffen, dass das Pult ohne Schummelsoftware auskommt.

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann  RED

      Na daran hatte ich nicht gedacht. :-).
      Schummelsoftware beim Mixer? Man mixt den Track sehr mühsam zusammen, und raus kommt dann ein vom Kompressor totgedrücktes Stück? Aber nur im Proberaum :-)

  3. Profilbild
    MidiDino  AHU

    Ein ‚Mixer‘ wie für Leute geschaffen, die ihre Spuren separat aufnehmen können, ein ‚Mixer‘ nicht nur für Sänger und Liedermacher, sondern auch für Musiker / Komponisten, die Mixe von Audiofiles im Rechner produzieren wollen. Für digitale Instrumente aus dem Rechner gäbe es ebenfalls Anschlüsse (2x Stereo). Mir gefällt die Idee sehr, ein hochwertiges Teil für ein (kleines) Homestudio bereitzustellen :-)

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      Ted Raven  AHU

      MidiDino: „Mir gefällt die Idee sehr, ein hochwertiges Teil für ein (kleines) Homestudio bereitzustellen“
      Das muss dann aber schon ein extrem kleines Homestudio sein. Ich habe ein 24-Kanal-Pult und zwei Patchbays weil die 24 Kanäle schon lange nicht mehr ausreichen. Wem die sechs Kanäle auf Dauer ausreichen und bereit ist, 1400 € dafür auzugeben, kann mit dem SSL bestimmt glücklich werden. Für mein Homestudio ist es leider nichts.

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        MidiDino  AHU

        Wenn man gewohnt ist, einen Mixer als Mixer zu betrachten, dann ist das gebotene Teil mit Sicherheit eine Enttäuschung. Betrachtet man den gebotenen ‚Mixer‘ aber schlicht als Vorstufe zur Aufnahme an, nicht direkt für einen zu tätigenden Mix, dann kann dies bereits anders aussehen. Die beiden Monokanäle bieten sich für separat zu erledigendes Recording an, die zusätzlichen beiden Stereokanäle als Zugabe. Dabei ist es egal wieviele Spuren tatsächlich mit der Zeit aufgenommen werden. Der Mix erfolgt am Rechner.

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          Ted Raven  AHU

          Aber wenn ich die Mono-Kanäle als Vorstufe zur Aufnahme verwende kann ich ja auch immer nur zwei Kanäle gleichzeitig aufnehmen. Das wäre mir viel zu wenig. Dann würde die Aufnahme aller Spuren ja ewig dauern.

          • Profilbild
            MidiDino  AHU

            Es mag sein, dass eine Aufnahme bei Dir ewig dauern würde, wenn Du die beiden Monospuren als primäre Quelle nutzen würdest, bei mir allerdings nicht. Für ein Jazztrio reichen mir ca. 5-6 aufzunehmende doppelte Monospuren, für ein Solo-Piano zwei Monospuren, für ein Solo-Rhodes ebenfalls zwei. Wird eine Alt-Querflöte aufgenommen, die in ein kleines Kammerorchester eingebunden ist, dann sind in der Regel nicht mehr als zehn doppelte Monospuren erforderlich … Ich käme damit zurecht. Es hängt wahrscheinlich von der Musik ab, die man produzieren will.

  4. Profilbild
    #n3rd4l3r7  AHU

    Zufall? Heute Morgen beim aufstehen noch gedacht ich müsste mir mal das kleine SSL Pult ansehen. Und schon ist ein Testbericht (wenn auch ein ernüchternder) da.

    Klasse! Und danke für den tollen, fundierten und ungeschönten Testbericht!

  5. Profilbild
    malekmusic  

    Ich war Ehebruch 5 sehr interessiert an dem Teil, aber die Frequenz Auswahl beim eq hat mich davon abgehalten. Warum zum Geier 3.5k im shelf oder 5k als bell? Das ist komplett verrückt. Für shelf wären 12k oder 16k und für bell 8 bis 10k besser gewesen.

    Wie klingt denn nun der eq? Müsste eigentlich richtig beissend sein bei den hochmitten.

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann  RED

      Die Frequenzkurven der Filter sind grundsätzlich gut gewählt, aber auch mir waren die hohen Frequenzen zu niedrig gewählt. Bei bestimmten Instrumenten ist das noch OK (Akustische Gitarre, Männerstimme), aber grundsätzlich ist ein vorsichtiger Umgang mit den EQ Pegeln ratsam – eine E-Gitarre kann bei diesen Frequenzen sehr schnell kreischen.

  6. Profilbild
    zeitlos  

    „Auch wenn der Behringer noch auf den bewährten Midas Preamps …“
    Wäre mir neu, dass der Behringer UFX 1204 schon Midas-Mikrofonvorstufen hatte. Wo kann man das nachlesen?

  7. Profilbild
    Jörg Hoffmann  RED

    Vielleicht habe ich mich hier nicht genau ausgedrückt. Mein Wissenstand: Die UFX Serie war die erste Mixer-Serie nach dem Zukauf von Midas durch Behringer und dort hat man schon einiges an Midas Technik eingebaut und einiges von den alten MIDAS Preamps eingebaut. Vermarket wurden die dann aber als “ state-of-the-art XENYX Mic Preamps comparable to stand-alone boutique preamps with individual Phantom Power switches“.

    • Profilbild
      zeitlos  

      Das kann schon sein, dass da schon was von Midas drin war, denn in meinen Ohren klingt die UFX-Mikrofonvorstufen schon besser als alles, was Behringer vorher diesbezüglich vorzuweisen hatte, aber nicht so gut wie die X32 oder Air-Teile. Habe alle benutzt aber nie ein A/B/C-Vergleich gemacht. Live benutze ich immer noch gern das UFX-Mischpult, weil man so bequem mit nem Stick 16 Spuren aufnehmen kann.

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      Larifari  

      Die Midas Preamps / Technik wurde meines Wissens nach ab und nur bei der x Serie verbaut. Alle andere Pulte der Marke Behringer basieren auf der Ihrer eigenen „bewährten“ Technik.
      Auf GS gibts einiges an Vergleichen zu dem Thema

  8. Profilbild
    Larifari  

    Ich glaub hier ist ein Fehler unterlaufen. Die Preamps im Behringer Pult sind nicht von Midas sondern die alten Xenyx Preamps.

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann  RED

      Behringer hat Midas 2009 gekauft und ab dann begonnen, Midas Schaltungstechnik in die eigenen Produkte zu übernehmen. Einem Gearnews Artikel ist zu entnehmen, dass z.B. das Behringer X32 die Preamp Schaltungen vom Midas M32 übernommen haben, aber nicht die exakten Preamps eingebaut haben. Genauso hat es sich meines Wissens bei den späteren Behringer Xenyx Mixern verhalten (die UFX Serie ist 2013 erschienen) und es ist Know-How (also auch Schaltungsgrundlagen) aus den Midas Pulten in die Behringer Modelle eingeflossen. Darum habe ich ja auch geschrieben: „(…) der Behringer noch auf den bewährten Midas Preamps basiert(…)“.
      Aber eigentlich geht es hier ja um das SSL SiX….

  9. Profilbild
    rundreamer

    Ich muss bemerken, dass die Aussage: keine Sends auf den Stereoeingängen schlicht falsch ist.
    Es sind zwei Sends Cue1 und 2 vorhanden. Ansonsten gefiel mir die Rezension gut.

        • Profilbild
          Jörg Hoffmann  RED

          Ach jetzt sehr ich es. Oben steht es im Text richtig und unten falsch. Die Stereo Kanäle haben keine Inserts, was ich schade fand. Wie Du richtig schreibst: Sends sind da.
          Sorry, ich lasse das korrigieren.

  10. Profilbild
    rundreamer

    Nachdem ich alle Kommentare durchgelesen habe muss ich bemerken, dass es natürlich unterschiedliche Interessen und Ansatzweisen gibt, welchen Mixer man sich zulegt. Ich habe den Six mir nur wegen seines Klanges und der Bauweise zugelegt. Unübersichtlich ist er nicht. Zwei gute Preamps, zwei gute Kompressoren (eigentlich drei mit dem LMC) desweiteren zwei Stereo-Channels und zwei Stereozuspieler, obendrein ein sehr guter Monitor Controller, das alles separat gekauft würde auch nicht sehr viel billiger sein.

    • Profilbild
      Jörg Hoffmann  RED

      Der SSL SiX ist eine gute Entscheidung! Das Thema Übersichtlichkeit wird sich sicher über die Zeit erledigen, aber wenn man mehrere Mixer unter den fingern hat, dann gehört der SiX sicher nicht zu den Übersichtlichen. Trotzdem: Gratuliere zu deinem SSL!

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