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Test: Fredenstein MicPre SE, API500, Mikrofonvorverstärker

API-500 Preamp zum Discounter Preis?

11. August 2023
fredenstein artistic micpre se test

Fredenstein MicPre SE, API500, Mikrofonvorverstärker

Die Artistic Serie von Fredenstein hat zwei Neuzugänge bekommen: Der Artistic MicPre SE und ein passender Kompressor (Comp SE) – beide im beliebten API 500 Format. Mit der Artistic Reihe möchte der deutsch-taiwanesische Hersteller im preissensiblen Bereich unter 300,- Euro wildern und der hier vorgestellte MicPre SE kostet sogar nur 99,- Euro. Dabei geizt das Modul nicht mit Ausstattung und Klang – so der Hersteller. Da API 500 Geräte meistens deutlich teurer sind, macht uns das Artistic Modul neugierig. Also dann: Gehen wir es an!

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Fredenstein: Deutschland und Taiwan united

Fredenstein, das Audiounternehmen von Gründer und CEO Fred Schuckert ist gern gesehen bei AAMZONA.de. Insbesondere die hochwertigen API 500 Module und Lunchboxes haben bei uns immer gut abgeschnitten.

Fredenstein_MicPre-SE_CEO

Fred Schuckert, Head of Fredenstein

Die Mischung aus deutschem Know-how und sehr professioneller Fertigung in Taiwan ist offensichtlich eine gelungene Kombination. Auch die 19 Zoll Geräte, wie der Ende 2022 bei uns getestete Mikrofonvorverstärker F200, haben einen guten Ruf unter Toningenieuren. Neben einer sehr verbraucherfreundlichen Preisgestaltung setzt man auf aktuelle Technik und eigenständige Designs und man lehnt sich nur in geringen Maße an die großen Vintage-Vorbilder an. Alles in allem ein sehr lobenswerter Ansatz und so hat man sich eine sehr komfortable Nische im umkämpften Studiomarkt geschaffen.

Die Artistic Serie von Fredenstein umfasst aktuell fünf Module im API-500 Format: Den hier getesteten MicPre SE für 99,- Euro, den MicPre Plus für 219,- Euro, den Artistic EQ für 249,- Euro, den Artistic Comp Plus für 229,- Euro und den Artistic Leveler für 299,- Euro. In Kürze verfügbar ist der Artistic Comp SE (Preis bisher noch nicht bekannt), den ich ebenfalls testen darf – auch in Kombination mit dem MicPre SE. Auf dieses Duo bin ich sehr gespannt.

Fredenstein Artistic MicPre SE: Die Ausstattung

Das Modul im API 500 Format benötigt einen Einschub in der Lunchbox und integriert sich mit seinem schlichten, schwarzen Design unauffällig im neuen Bento 2 Pure Analog Gehäuse, das mir der Hersteller samt Erweiterungsbox Bento 2 Extension freundlicherweise zum Test zur Verfügung gestellt hat.

Fredenstein_MicPre-SE_Ext

Die kompakten Module-Carrier bieten Platz für je zwei Module und sind so optimal für die Artistic Reihe geeignet. Das Bento 2 Pure Analog ermöglicht durch Schalter auf der Rückseite das Daisy-Chaining von Slot 1 zu Slot 2, beim Einsatz von zwei identischen Kompressormodulen können diese auch zu einem Stereo-Pärchen verbunden (Comp Bus) werden. Die Extension-Lunchbox wird mit einem mitgelieferten Kabel verbunden und erweitert das System auf insgesamt vier API 500 Module.

Das Artistic MicPre SE Modul basiert nicht auf bestehenden oder Vintage-Schaltkreisen, sondern es wurden neue Schaltkreise in SMT-Technik eingesetzt. Ein diskreter Operationsverstärker (OPA2) agiert dabei als Herz des MicPre SE.

Fredenstein_MicPre-SE_Front

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Schauen wir uns die Front des Fredenstein-Moduls an: Auffällig ist die 8-teilige LED-Kette mit fünf grünen, zwei gelben und einer roten LED zur Gain-Kontrolle. Dabei wird der Bereich von -30 dB bis +20 dB abgedeckt. Der Gain-Regler umfasst 20 – 65 dB mit einem griffigen, nicht gerasterten Regler und darunter liegen vier beleuchtete Schalter:

  • POL dreht die Polarität des Signals um 180 Grad: eine blaue LED zeigt die Aktivierung
  • PAD senkt das Signal um 20 dB ab: eine orange LED leuchtet bei Aktivierung
  • Low Cut schneidet die Frequenzen unterhalb von 120 Hz ab: Diese LED leuchtet weiß
  • P48 aktiviert die 48 V Phantomspeisung mit roter Kontroll-LED

Darunter ein HI-Z Eingang mit 2 MOhm Eingangsimpedanz für den Anschuss beispielsweise einer elektrischen Gitarre.

Die technischen Daten des MicPre SE im Überblick:

  • Frequency Response : 20 Hz – 20,000 Hz, +/- 1 dB
  • Distortion : < 0,02% at +4 dBu output level
  • Input Noise : < -127 dB “ Input Impedance : > 1500 Ohms
  • DI Impedance : 2 MOhms
  • Max. Input Level : + 24 dBu, Pad activated
  • Max Input Level DI : + 18 dBu balanced or unbalanced
  • Output Impedance : 600 Ohms
  • Max. Output Level : + 26 dBu
  • Input Attenuator : – 20 dB (switchable)

Wie lässt sich der Fredenstein Artistic MicPre SE im Tonstudio einsetzen?

Wie bei allen API-500 Modulen ohne geschlossenem Gehäuse (boxed Design) ist beim Einbau etwas Vorsicht geboten, damit man nicht versehentlich die Bauteile auf der Platine zerstört. Aber einmal in der stabilen Lunchbox Bento 2 Pure Analog eingeschraubt, spielt der MicPre SE überraschend frisch auf. Verbunden mit dem Universal Apollo X6 im Line-Modus, bei dem die internen Vorverstärker umgangen werden, werden Stimmen hell und gut verständlich wiedergegeben. Das von mir verwendete Lewitt LCT 140 Air spielt schon in der Flat-Einstellung sehr klar und transparent. Hier das Klangbeispiel mit meiner Stimme:

Somit passen der Fredenstein API-500 Verstärker und das Kleinmembran-Kondensatormikrofon von Lewitt sehr gut zusammen – auch preislich (128,- Euro).

Anders das Lewitt LCT 640 TS, das mit 839,- Euro schon in einer anderen Liga spielt: Hier merkt man, dass das Mikrofon noch Luft nach oben hat, während der MicPre in der Dynamik an seine Grenzen kommt:

Natürlich werden wohl nur wenige ein höherpreisiges Mikrofon an einen 99,- Euro Preamp hängen und so ist das sehr verbreitete Shure SM58 ein weiterer möglicher Mitspieler: Tendenziell arm an Höhen und sehr unempfindlich, benötigt es einiges an „Dampf“, um seine Qualitäten zu zeigen. Hier punktet der Fredenstein Amp ebenfalls durch seine helle Abstimmung – aber der „Dampf“ des Preamps reicht nicht aus, um das Shure dynamisch und frisch auszusteuern. Selbst bei voll aufgedrehtem Gain-Regler kommt das Signal nur sehr leise aus dem Preamp:

Jetzt noch ein ein paar einfache Akkorde mit einer akustischen Gitarre, aufgenommen über das Lewitt LCT 140 AIR in Flat-Einstellung:

Insbesondere die leisen Töne habe ich feindynamisch schon deutlich vielschichtiger gehört, was sicher auch an der etwas „groben“ Transientenwiedergabe liegt. Beim Anschlag einer Gitarrensaite mit dem Plektrum wirkt der Übergang zum Ausklang etwas derb und hart. Im Bassbereich ergibt sich ein durchwachsenes Ergebnis. Tief und mit ausreichend Kontur spielt der Preamp dynamisch etwas verhalten: Dem Verstärker scheint bei kräftigen, energiereichen Impulsen aber etwas die Puste auszugehen. Eine stark gerissene Basssaite mag nicht so recht aus den Speakern zu drücken.

Abschließend noch ein Klangbeispiel mit einer Fender Telecaster direkt am DI Eingang des Fredenstein MicPre SE:

Der DI-Eingang auf der Front deaktiviert den rückseitigen Mic-Input, wobei ich den HI-Z nur zum Proben oder Demos empfehlen würde. Denn man hat den Eindruck, dass die „plucky“ gespielte A-Moll-Pentatonik meiner Telecaster Thinline (am Bridge-Pickup) etwas gelangweilt wiedergegeben wird und ein farbenfrohes, dynamisches Klangerlebnis darf man auch nicht erwarten. Zu wenig Oberwellen, zu schwach im Bass: Hier liefern viele Audiointerfaces deutlich besser ab.

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Fredenstein Artistic MicPre SE
Fredenstein Artistic MicPre SE
Kundenbewertung:
(4)

ABER: Relativiert man das Gehörte auf den überaus günstigen Kaufpreis, dann darf man aber nicht meckern. Im Vergleich zu vielen günstigen Mischpulten der unteren Preisregion kann sich der Preamp durchaus hören lassen, zumal das Modul erfreulich rauscharm spielt.

Kurz noch ein Wort zu den kleinen Bento Lunchboxes: Im Vergleich zu den größeren Fredenstein Modellen kann man hier zwar keinen Insert/Aux auf der Rückseite abgreifen, aber dafür benötigt man auch keinen zweiten Stromanschluss, denn die Extension-Box wird über das Verbindungskabel mit Strom versorgt.

Fredenstein_MicPre-SE_Bento_back

Leider ist die Kombination aus Bento 2 Pure Analog und der Extension-Box recht teuer: Beide zusammen reißen ein Loch von knapp 500,- Euro in den Geldbeutel – ein Bento 6S mit sechs Slots kostet nur 339,- Euro inklusive AUX-Input und Output-Buchsen. Hier sollte man gut kalkulieren, ob einem das kompakte Format die Investition Wert ist.

Fredenstein_MicPre-SE_Bento6S-back

Rückseite des Bento6S mit AUX-Buchsen

Conclusio

Es ist nicht fair, den Fredenstein MicPre SE mit einem Superanalogue Kanal des SSL SiX Analogmischpultes oder den fantastischen Mikrofonvorverstärkern in den Universal Audio Apollos zu vergleichen. Wer aber preisgünstig in die API 500 Welt einsteigen möchte und einen bodenständigen Mikrofonverstärker sucht, der darf sich das Modul gerne ansehen – insbesondere in Kombination mit der charmanten Lunchbox Bento 2 PA. Dieses gefällt durch sein kompaktes Design und die Erweiterbarkeit um zwei weitere Module im Extension-Modul.

In Kürze können wir uns dieses Set zusammen mit einem weiteren neuen Kompressor-Modul aus der Fredenstein Artistic Serie ansehen und -hören. Freuen Sie sich darauf: Gute Qualität zu einem bezahlbaren Preis ist gerade im API-500 Format nicht so häufig anzutreffen.

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Fazit

Ein Mikrofonvorverstärker im API-500 Format für unter 100,- Euro? Das ist sogar im reichhaltigen Sortiment der Musikhäuser ein Novum: Mit 99,- Euro bietet Fredenstein ein gut verarbeitetes Verstärkermodul mit allen wichtigen Bedienelementen und gutem Klang. Zusammen mit den neuen 2-Slot Lunchboxen Bento 2 Pure Analog und Bento-Extension bietet der deutsch-taiwanesische Hersteller einen kleinen Einstieg in die Welt der meist hochpreisigen API 500 Module. Vorsicht ist nur bei unempfindlichen Mikrofonen geboten, denn die Gain-Reserve des MicPre SE reicht für dafür nicht aus.

Plus

  • sehr preisgünstig
  • preisbezogen guter Klang
  • ordentliche Ausstattung

Minus

  • Gain-Reserve könnte größer sein
  • DI-Input könnte besser klingen

Preis

  • 99,- Euro
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