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Test: Black Lion Audio Auteur mkIII, Mikrofonvorverstärker

Charakter-Preamp oder zahmer Löwe?

1. August 2022
black lion audio auteur mk3 test

Black Lion Audio Auteur mkIII, Mikrofonvorverstärker

Black Lion Audio Auteur mkIII im AMAZONA.de-Test. Mikrofonvorverstärker sind ein essenzieller Bestandteil der Aufnahmetechnik und werden dafür benötigt, das zumeist schwache elektrische Ausgangssignal von Mikrofonen zu verstärken und auf Arbeitspegel zu bringen. Selbst im Einstiegssegment bieten die allermeisten Audiointerfaces halbwegs ordentliche Mikrofonvorverstärker, neudeutsch auch Preamps genannt. Was man dabei natürlich nicht erwarten darf, sind überragende Audiowerte, hohe Verstärkungsfaktoren und vollmundiger Vintage-Klang. Dafür gibt es in allen Preisklassen spezialisierte Einzelgeräte, die unter Umständen für einen einzelnen Kanal schon mehrere Tausend Euro kosten.

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Wer mit dem Gedanken spielt, sich einen externen Preamp zuzulegen, erhofft sich daher auch eine hörbare Verbesserung zu seinem Standard-Preamp. Hier kommt Black Lion Audio ins Spiel und bietet mit dem Auteur mkIII einen zweikanaligen Mikrofonvorverstärker im halben Rack-Format an, der auch für Nicht-Profis im erschwinglichen Preisrahmen liegt.

Black Lion Audio ist in Chicago beheimatet und hat sich seit ihren Anfangstagen einen sehr guten Ruf im Modifizieren von Studiogeräten erarbeitet. Mittlerweile werden aber auch eigene Geräte wie Mikrofonvorverstärker, Audiointerfaces, Wandler und Power-Conditioner mit dem Attribut „Made in USA“ angeboten. Die Produktion des Auteur MkIII wurde jedoch nach China ausgelagert. Der Hersteller verspricht mit dem Auteur mkIII einen modernen, schnellen Grundklang, gepaart mit einem gewissen Vintage-Flair durch das Zusammenspiel mit dem Cinemag Ausgangsübertrager. In der Tat eilt vor allem Übertragern mit Eisenkern gern der Ruf des Vintage-Klangs voraus. Ob der Auteur mkIII den Spagat zwischen Vintage-Vergangenheit und Moderne schafft und dem ambitionierten Homerecordler einen hörbaren Mehrwert bringt, wird der nachfolgende Testbericht zeigen.

Black Lion Audio Auteur mkIII im Überblick

 

Black Lion Audio Auteur MkIII

Frontansicht

Der Auteur mkIII ist ein 2-kanaliger Mikrofonvorverstärker im 9,5 Zoll Format. Er wird mit 2 Rack-Blenden und passenden Schrauben geliefert damit man ihn bei Bedarf ins Rack schrauben kann. Die Eingangsstufe ist IC-basiert, wie von modernen Preamps gewohnt. Die Ausgangsstufe ist hingegen Übertrager-gekoppelt, so wie es bei Vorverstärkern alter Bauart üblich war und ist. Laut Hersteller soll das dem Auteur mkIII klanglich das Beste aus beiden Welten verleihen.

Die sehr schnelle Eingangsstufe liefert ein neutrales, hochauflösendes Signal. Der Ausgangsübertrager von Cine-Mag hat wiederum das Potenzial, das Signal je nach Eingangspegel ein wenig zu verrunden und ihm die Schärfe zu nehmen. Übertrager neigen je nach Bauart dazu, bei hohem Pegel in die Sättigung zu gehen, vor allem im Bassbereich. Dadurch entsteht ein leicht angedickter Klang, bei dem Tiefbässe leicht reduziert werden bei gleichzeitigem Anfetten des restlichen Bassbereichs. Auch der Transient, die charakteristische Einschwingphase eines Klanges, wird dabei leicht verrundet und entschärft. Der Übertrager des Auteur mkIII stammt nun vom amerikanischen Hersteller CineMag, während in der mkII-Variante noch Übertrager von Edcor verbaut waren. Neu hinzugekommen ist beim aktuellen Auteur außerdem ein Hi-Z-Eingang für den direkten Anschluss von E-Gitarren und E-Bässen. Die angegebene, maximale Verstärkung beträgt nunmehr 62 dB, was 3 dB weniger als beim Vorgänger ist. Weitere technische Daten konnte ich mangels einer Bedienungsanleitung für den Auteur mkIII leider nicht finden, bis auf den angegebenen Frequenzgang von 10 Hz-30 kHz.

Bedienung und Anschlüsse

 

Black Lion Audio Auteur MkIII

Bedienelemente

Auf der Frontplatte befinden sich pro Kanal ein Gain-Regler, ein Pad-Schalter, der das Eingangssignal um 10 dB abschwächt, ein Schalter zur Polaritäts-Umkehr und ein Schalter zur Aktivierung der 48 V Phantomspeisung. Am Gain-Regler fällt auf, dass die erste Hälfte des Regelbereiches das Eingangssignal laut Aufdruck nur um 10 dB erhöht. In der zweiten Hälfte des Regelbereiches tummeln sich also die restlichen 39 dB (das Gain-Minimum liegt bei 13 dB). Wie wir später sehen werden, hat das in der Praxis je nach Anwendung Vor- und Nachteile.
Auf der Fronplatte befinden sich auch die beiden Hi-Z-Eingänge, so dass man bei festem Rack-Einbau problemlos eine Gitarre einstöpseln kann. Der Ein/Ausschalter b efindet sich vorne rechts in Form eines kleinen Metallhebels.

 

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Black Lion Audio Auteur MkIII

Anschlüsse auf der Rückseite

Auf der Rückseite befinden sich die beiden XLR-Eingänge zum Anschluss von Mikrofonen. Die Anschlüsse sind stabil ausgeführt und fest mit dem Gehäuse verbunden, so dass kein Zug oder Druck auf die Platine im Inneren ausgeübt werden kann. Die Ausgänge sind platzsparend als symmetrische Klinken ausgeführt. Der Anschluss für das externe Netzteil gehört zu den Besseren seiner Art und ist ebenfalls mit dem Gehäuse verschraubt. Der Netzteilstecker lässt sich zwar nicht arretieren, er sitzt aber auch so sehr sicher in der Buchse. Das externe Netzteil selbst ist mittlerweile ein seltener Gast im Haushalt, nämlich ein 24 V Trafonetzteil, das 400 mA liefert. Dass wir es hier nicht mit einem Schaltnetzteil zu tun haben, macht sich nicht nur am ungewohnten Gewicht, sondern auch am deutlich vernehmbaren Trafobrummen bemerkbar. Und um hier keine Unklarheiten aufkommen zu lassen, das Netzteil selbst brummt, nicht der Vorverstärker. Im Testbericht zum Auteur Mk I hatte AMAZONA.de-Autor Armin Bauer noch das Fehlen von Gummifüßen und die zu nahe Platzierung des Pad-Schalters am Gain-Regler bemängelt. Beides hat sich im Auteur Mk III zum Positiven verändert.

Ein Blick in das Innere des Auteur mkIII

Black Lion Audio Auteur MkIII

Innenansicht

Nach dem Abschrauben des Gehäusedeckels offenbart sich eine Fülle an technischen Bauteilen, die manch anderer Hersteller in ein 19 Zoll Gerät doppelter Höhe einbauen würde. Zunächst fallen die zahlreichen Elkos auf, die sich neben den beiden CineMag Ausgangsübertragern mit der Typennummer CM-18313 tummeln. Zu den Daten des Übertragers habe ich direkt bei Cinemag nachgefragt und freundlicherweise eine umfassende Auskunft bekommen. Die vollständige Typennummer ist demnach CM-13813S, wobei das S für die Laminierung mit Stahl steht. Das klangliche Ziel beim Design des Übertragers war eine Anreicherung der Tiefmitten mit harmonischen Obertönen, ohne dass diese bis in den Hochton reichen und damit für eine harsche Hochtonwiedergabe sorgen. Genau diesen Punkt hatte AMAZONA.de-Autor Armin Bauer noch beim Auteur MkI bemängelt, der neue Übertrager aus dem Hause Cinemag sorgt jedoch dafür, dass der Hochtonbereich klar und unverzerrt bleibt.

Messdaten des Cinemag CM 18313S - FFT Spektrum

Messdaten des Cinemag CM 18313S – FFT Spektrum

 

Messdaten des Cinemag CM 18313S - harmonische Verzerrung

Messdaten des Cinemag CM 18313S – harmonische Verzerrung

Das sieht man auch gut in den dazugehörigen Test-Diagrammen. Im FFT-Spektrum zeigt sich, dass bei einem eingespielten 1 kHz Ton die hinzugefügten Obertöne die 10 kHz-Marke nicht überschreiten. Im Messdiagramm für die harmonischen Verzerrungen wird deutlich, dass der Übertrager mit steigendem Eingangspegel immer mehr harmonische Verzerrungen hinzufügt, was aber selbst bei Vollaussteuerung von +25 dBu bei 20 Hz nur 1 % harmonische Verzerrungen bedeutet. Die Anreicherung mit Obertönen sollte also stets subtil bleiben und niemals als hörbare Verzerrung auffallen.

Black Lion Audio Auteur MKIII

Black Lion Audio Auteur MKIII

Wie schlägt sich der Auteur mkIII im Tonstudio?

Praxistest mit dem Shure SM7

Praxistest mit dem Shure SM7B

Um dem Auteur mkIII auf den Zahn bzw. auf den Elko zu fühlen, habe ich zuerst mein Shure SM7 antreten lassen, da es selbst für ein Tauchspulenmikrofon einen geringen Ausgangspegel liefert und daher hohe Ansprüche an den Vorverstärker stellt. Das Shure SM7 ist nicht nur im Rundfunk, sondern auch bei Podcastern und YouTubern als Sprachmikrofon sehr beliebt, weshalb ich genau diesen Anwendungszweck getestet habe. Hier zeigt sich auch gleich der Nachteil bei der Auslegung des Gain-Reglers, denn mit dem SM7 bewegt man sich unweigerlich am oberen Ende der Gain-Skala und da machen wenige Millimeter sehr viel Pegel. Ohnehin musste ich den Auteur mkIII für eine ausreichend ausgesteuerte Sprachaufnahme mit dem SM7 voll aufdrehen und da offenbarte sich kurz vor Ende des Regelweges ein sprunghafter Pegelanstieg mit ebenso sprunghaftem Anstieg des Rauschens. Dieses Regelverhalten wurde schon beim Auteur Mk I bemängelt und ist in der Mk III-Variante weiterhin vorhanden. Zum Vergleich habe ich den gleichen Testdurchlauf mit dem internen Mikrofonvorverstärker meiner Motu 828x durchgeführt. Laut Datenblatt besitzt der Motu-Preamp 53 dB Gain, also nominal 9 dB weniger als der Auteur mkIII, was sich im Rahmen dessen bewegt, was die meisten Audiointerface-Preamps leisten. Hier hatte ich nun den ersten Überraschungsmoment, denn der Motu-Preamp schafft mit dem SM7 mehr Pegel und er rauscht bei der dafür nötigen hohen Verstärkung wesentlich weniger. Den Klang des Auteur mkIII bei voller Verstärkung würde ich im Vergleich als etwas matt und leblos bezeichnen, was nicht verwundert, da Preamps bei voller Verstärkung selten den besten Klang liefern.

Als zweites habe ich das Sennheiser MKH40, ein hochwertiges Kleinmembran-Kondensatormikrofon, am Auteur mkIII gestestet. Dieses Mikrofon ist das genaue Gegenteil des SM7, nämlich sehr pegelstark und hochauflösend bis in den Ultraschallbereich. Da ich gleich zwei MKH40 besitze, habe ich beide Mikrofone mit Klebeband zu einer Einheit verbunden, und sie in 20 cm Abstand vor dem Hals/Korpusübergang meiner Westerngitarre aufgestellt. Ein Mikrofonsplitter, wäre hier die bessere Lösung gewesen, stand mir aber leider nicht zur Verfügung. Eines der Mikrofone lief über den Auteur MKIII und das zweite zum Vergleich über den internen Preamp meines Interfaces.

Hört man beide Spuren bei gleichem Pegel nacheinander ab, dann sind die Unterschiede sehr subtil. Im Blindvergleich konnte ich dennoch beide Spuren treffsicher identifizieren. Der Hochtonbereich klingt beim Motu-Preamp eine Spur härter, manchmal fast schon etwas nervig, während die Höhen beim Auteur mkIII leicht entschärft werden. Es ist schwer zu beschreiben und klingt für mich so, als wären die Saiten-Anschläge bei der Aufnahme mit dem Auteur mkIII mehr mit dem Ton der Gitarre verbunden, während sie beim Motu-Preamp voneinander separiert erscheinen. Auch ist der Tiefmittenbereich schön angedickt, so dass der Klangkörper der Gitarre besser zur Geltung kommt. Das alles sind feine Nuancen, die nur über gute Monitore oder Kopfhörer wirklich hörbar sind, doch mir gefällt für diese Anwendung der Auteur mkIII klanglich besser. Hier kommt auch die Auslegung des Gain-Reglers positiv zum Tragen, denn bei geringer Verstärkung lässt sich der Pegel am Auteur mkIII sehr fein einstellen.

neu in der mkIII-Version des Auteur - HiZ

Neu in der mkIII-Version des Auteur – Hi-Z-Eingang

Den neu hinzugekommenen Hi-Z-Eingang habe ich wieder mit meinem Sandberg Basic Ken Taylor 5-Saiter Bass getestet und mit meiner Sansamp DI-Box verglichen. Ein klanglicher Unterschied ist nur schwer auszumachen und trotzdem konnte ich den Auteur Mk III im Blindvergleich ziemlich treffsicher heraushören. Die feinen Transienten des Bassklanges werden beim Auteur Mk III minimal klarer dargestellt und der tiefe Frequenzbereich scheint mir etwas gleichmäßiger im Volumen zu sein. Für Gitarren- und Bassaufnahmen ist der Auteur Mk III von Black Lion Audio definitiv empfehlenswert.

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Fazit

Der Auteur Mk III von Black Lion Audio ist ein gut verarbeiteter 2-kanaliger Mikrofonverstärker, der mit einem neutralen und gleichzeitig charakterstarken Verstärkungsverhalten glänzen kann. Der Hochton wird stets klar und unverzerrt verstärkt, während die Tiefmitten subtil mit harmonischen Obertönen angereichert werden. In Sachen maximaler Verstärkung fällt der Auteur Mk III leider hinter den Erwartungen und auch den Herstellerangaben zurück und zeigt dabei ein ungleichmäßiges Verstärkungsverhalten, bei dem am Ende des Regelweges viel Verstärkung und leider auch viel Rauschen hinzukommt. Das führt zusammen mit dem Trafobrummen des Netzteils zu Abzügen in der B-Note. Der kleine Vorverstärker von Black Lion Audio empfiehlt sich somit vor allem für Kondensatormikrofone und laute dynamische Mikrofone und weniger für leise Bändchen- oder Tauchspulenmikrofone. Auch als 2-Kanal DI Box ist er eine Empfehlung wert.

Plus

  • neutrales Klangbild
  • subtile Anreicherung der Tiefmitten mit harmonischen Obertönen
  • differenzierte Wiedergabe des Hochtonbereich, frei von harschen Klanganteilen
  • gute Verarbeitung
  • guter HiZ-Eingang

Minus

  • maximale Verstärkung unter Herstellerangabe
  • ungleichmäßiger Regelweg mit Pegelsprung am Ende
  • starker Rauschanstieg bei maximalem Gain
  • Netzteilbrummen

Preis

  • 498,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    Jörg Hoffmann RED

    Danke für den schönen Test. Ich hatte schon einige Black Lion Geräte in meinem Studio und war jedes Mal positiv überrascht. Die Geräte sind gut verarbeitet und klingen auch sehr gut. Allerdings scheint das Fehlen einer Betriebsanleitung bei denen eher ein Feature als ein Bug zu sein ;-).
    Viele Grüße, Jörg

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