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Test: Slate Pro Audio Fox, 2-Kanal-Mikrofonvorverstärker

Mit 2 Schaltkreisen zu 4 Sounds!

10. Juni 2024
slate pro audio fox preamp mirkrofonvorverstärker test

Slate Pro Audio Fox, 2-Kanal-Mikrofonvorverstärker

Bei dem Slate Pro Audio Fox handelt es sich um einen zweikanaligen Mikrofonvorverstärker, bei dem die beiden Kanäle über je zwei unabhängige Schaltkreise verfügen, die bei Bedarf kombiniert werden können.

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Das Konzept des Preamps Slate Pro Audio Fox

Es gibt wohl keinen Tontechniker, der sich bei der Ausstattung seines Tonstudios nicht mindestens einmal gefragt hat, welchen Mikrofonvorverstärker er wählen soll. Das Gleiche ist auch Steven Slate während seiner Arbeit im Tonstudio des öfteren passiert, bei dem ihn Kollegen gefragt haben, ob sie denn nun in Richtung Neve, API oder Millennia gehen sollen. Seine Antwort war stets die gleiche, man möge sich alle verfügbaren Mikrofonverstärker zulegen und je nach Einsatzgebiet den für den jeweiligen Einsatzzweck optimalen auswählen.

Dass diese Antwort schon aus monetären Gründen nicht gerade auf große Gegenliebe stoßen würde, war abzusehen. Es steht allerdings auch außer Frage, dass je nach Einsatzgebiet, die eher warm und mit Saturisation ausgerichtete britische Abteilung deutliche Vorteile hat oder je nachdem, wenn man eine schnelle, neutrale Ansprache bevorzugt, man eher auf modernere Komponenten setzen möchte.

Slate Pro Audio Fox von vorne aufgenommen auf der Tischplatte gespiegelt

Slate Pro Audio Fox gespiegelt

Sich dessen bewusst, hat Steven Slate den Slate Pro Audio Fox konzipiert, einen zweikanaligen Mikrofonvorverstärker, bei dem jeder Kanal sich in seiner klanglichen Ausrichtung separat zwischen Vintage und Modern umschalten lässt.

Dessen aber nicht genug, kann man die beiden Kanäle auch noch kombinieren, bei dem man jeweils den Eingangs- und Ausgangsbereich zwischen Vintage und Modern umschalten kann, sodass letztendlich mit der Eingangs- und Ausgangsausrichtung „Vintage-Modern“ oder „Modern-Vintage“ nochmals eine große Bandbreite an Klängen erzeugt werden kann.

Steven Slate weist in seinem Reference Guide mehrfach darauf hin, wie wichtig ihm die Kombination der klanglich unterschiedlichen Ansätze waren, da er sonst laut eigenen Aussagen „nur einen weiteren normal klingenden Preamp“ geschaffen hätte.

Slate Pro Audio Fox im Profil aufgenommen auf der Tischplatte gespiegelt

Slate Pro Audio Fox Profil

Der Aufbau des Slate Pro Audio Fox

Bevor wir überhaupt nur ein einziges Wort über den Aufbau oder die Funktion des Slate Pro Audio Fox verlieren können, macht das in den USA entwickelte und auch dort gefertigte Produkt bereits durch sein Gewicht auf sich aufmerksam. Mit deutlich über 6 kg ist dieser Mikrofonverstärker das mit Abstand schwerste 1 HE Gerät, was mir in meinem Leben je untergekommen ist. Nicht einmal 1 HE Endstufen bringen dieses Gewicht auf die Waage. Dies spricht zum einen für die extrem massive Verarbeitung, aber auch über die ziemlich massive Elektronik, die verbaut sein muss.

Der Preamp wird ohne jegliche Gummifüße geliefert und ist ausschließlich für den Rack-Betrieb konzipiert. Aufgrund des hohen Gewichtes empfehle ich dringend entweder mit einer zusätzlichen Rack-Schiene hinten zu arbeiten bzw. durch einen entsprechenden Unterbau dafür zu sorgen, dass das Gewicht nicht ausschließlich auf den vorderen Rack-Flügeln aufliegt. Zudem entwickelt er eine ordentliche Abwärme, sodass darauf zu achten ist, dass gegebenenfalls oberhalb des Preamps eine Höheneinheit zur Abführung der Abwärme freigehalten wird.

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Vom Aufbau her besitzt der Slate Pro Audio Fox zwei identische Kanäle, die sowohl separat als auch in der sogenannten Combo-Schaltung nutzbar sind. Beide Kanäle verfügen über einen 12-fach gerasterten Gain-Regler, der ein Gain von bis zu 60 dB ermöglicht und einen stufenlosen Output-Regler. In Sachen Eingänge besitzt der Preamp auf der Vorderseite jeweils einen unsymmetrischen Klinkeneingang, auf der Rückseite dagegen vergoldete XLR-Eingänge. Im Bereich Ausgänge verfügt er auf der Rückseite zum einen über vergoldete XLR- als auch TRS-Ausgänge.

Jeweils 6 Minischalter verleihen den beiden Kanälen die nötige Flexibilität, als da wären ein PAD-Schalter, der das Eingangssignal bei Bedarf um 10 dB absenkt, ein Input-Schalter, der mittels einer grünen LED anzeigt, ob der unsymmetrische Klinkeneingang auf der Vorderseite oder der symmetrische Mikrofoneingang auf der Rückseite angesteuert wird. Zudem haben wir bei Bedarf einen Phasenlagewechsel von 180° und eine Phantomspeisung, die ebenfalls mit einer roten LED angezeigt wird.

Circuit-Sektion des Vorverstärkers

Die eigentliche Geheimwaffe verbirgt sich jedoch hinter zwei Minischaltern, die unter der Sektion CIRCUIT zusammengefasst sind. Es handelt sich dabei um die Schalter COMBO-NORMAL und VINTAGE-MODERN. Mittels dieser beiden Schalter können zwei völlig unabhängige diskrete Schaltkreise im Solid State Design aktiviert werden, die sich eher in Richtung VINTAGE im Stile eines 1073 NEVE oder aber in Richtung MODERN im Stile eines ULTRA HI-FI SOLID STATE PREAMPS orientieren. Durch diese außergewöhnlichen Kombinationsmöglichkeiten der beiden klanglich diametral angeordneten Schaltkreise, lassen sich erwartungsgemäß Kombinationen erzielen, die ein Single-Produkt aus einer einzelnen Stilistik nicht liefern kann. Dies trifft insbesondere auf die individuelle Verwendung den Eingangs- und Ausgangsbereichs der beiden Schaltkreise zu.

Den Abschluss bieten, auf der Vorderseite rechts außen, der übliche Netzschalter, auf der Rückseite hingegen die Kaltgerätebuchse sowie eine von außen zugänglicher Feinsicherung und ein Spannungswahlschalter, mit dem man zwischen 110 und 220 V Netzspannung wählen kann. Vielleicht wäre es ganz gut, hier einmal zeitnah auf 230 V aufzurüsten.

Optisch bietet der Hersteller eine geschmackvolle matt-glänzend abgesetzte Musterung auf der Front, die zugleich ein Alleinstellungsmerkmal für die gesamte Produktreihe darstellt.

Slate Pro Audio Fox von vorne aufgenommen preamp tonstudio

Slate Pro Audio Fox, Front

Der Slate Pro Audio Fox im Tonstudioeinsatz

Nicht nur aufgrund des hohen Gewichtes, sondern auch aufgrund der exzellenten Haptik vermittelt der Slate Pro Audio Fox ein sehr wertiges Gefühl. Alle Drehregler und alle Schalter haben einen angenehmen, schwergängigen Schaltvorgang, der die Arbeit mit dem Vorverstärker zu einer echten Freude macht.

Um die vier unterschiedlichen „Preset“-Vorgaben bezüglich Ein- und Ausgangsübertrager exakt vergleichen zu können, habe ich eine unbehandelte Gesangsaufnahme aus dem Studio genommen und diese durch die verschiedenen Einstellungen des Fox geschickt. Mir ist klar, dass dadurch die direkte Interaktion mit dem Mikrofon verloren geht, aber ich habe dies zugunsten des Direktvergleichs gewählt, da vier unterschiedliche Gesangsaufnahmen auch jeweils vier unterschiedliche dynamische und klangliche Effekte mit sich bringen würden, was eine Verfälschung des Ergebnisses nach sich ziehen würde.

slate pro audio fox preamp mirkrofonvorverstärker test

Vintage Preset

Fangen wir mit dem Vintage Preset an. In der Tat ist die Einstellung sehr geschmackvoll Richtung Neve und anderer britischer Kollegen gewählt. Es ist eine deutliche Sättigung im gesamten Signalweg wahrzunehmen und auch der klassische Mittenboost ist deutlich zu hören. Diese Einstellung eignet sich sehr gut für typische Rock-Vocals, bei denen es auch gerne mal etwas schmutziger zu Sachen gehen kann und bei denen die extrem feine Hochton-Abteilung nicht so gefragt ist wie ein durchsetzungsfähiger Mittenbereich.

Modern Preset

Ganz anders dagegen die Modern-Einstellung, bei der der Mittenbereich deutlich neutraler und entspannter gehandhabt wird, dafür aber der extrem feine Hochtonbereich ab ca. 5 kHz sehr schön gefeatured wird. Dieser sorgt dafür, dass sich gerade die „säuselnden“ Laute sehr schön durchsetzen und eine besonders feine Auflösung im Hochtonbereich zulassen. Diese Einstellung ist sehr geschmackvoll im Popbereich, wo es um eine breite, neutrale und sehr runde Auflösung geht.

Kombination beider Presets

Kommen wir nun zur Besonderheit des Slate Pro Audio Fox, die Kombination der beiden Übertragersysteme miteinander. Um es direkt vorneweg zu sagen, die beiden Einstellungen haben mich noch einmal deutlich mehr überzeugt als die Vintage- bzw. Modern-Einstellungen für sich alleine genommen. Die Kombination ergibt einen für sich genommen dichteren Sound, der sich sehr gut im Mix durchsetzt und der die beiden Stärken der jeweiligen Systeme miteinander verbindet.

Ich persönlich würde im Rock-Bereich zu der Einstellung Vintage im Eingangs- und Modern im Ausgangsbereich tendieren und für eine etwas populärere Auslegung den Modern-Bereich im Eingangs-Bereich und Vintage im Ausgangsbereich nutzen. Dies ist natürlich eine sehr persönliche Wahrnehmung, die je nach anliegendem Signal und Geschmack des Produzenten deutlich variieren kann. Unter dem Strich steht jedoch, dass die vier Preset-Möglichkeiten des Preamps in direkten Vergleich zwar sehr subtile Unterschiede gererieren, die aber dennoch deutlich wahrnehmbar sind und eine ungemeine Flexibilität zulassen, die sonst in der Tat nur mit mindestens zwei separaten Outgear-Produkten möglich wäre.

Letztendlich ergibt diese Flexibilität die Möglichkeit einen Mikrofonvorverstärker einzusparen und man aufgrund der Stereo-Auslegung sogar ein Stereo-Signal, wie z. B. die Overheads eines Drumsets, sehr schön übertragen kann bzw. zwei entsprechende Monosignale.

Slate Pro Audio Fox im Studioeinsatz mit Kopfhörer und MacBook

Slate Pro Audio Fox im Einsatz

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Fazit

Mit dem Slate Pro Audio Fox hat der amerikanische Hersteller einen sehr flexiblen Mikrofonvorverstärker in seinem Portfolio. Mit zwei unabhängigen Schaltkreisen schafft es der Preamp, sowohl klassisch britische Vintage Sounds als auch moderne HiFi-Sounds zu erzeugen, wobei der Clou des Systems in der Kombination der beiden Schaltkreise mittels frei wählbaren Ein- und Ausgangsverstärkern liegt. Aufgrund dieser Konstruktion kann man durch die entsprechende Flexibilität mindestens einen Outgear-Preamp einsparen, was sich sowohl in Sachen Platzansprüche als auch Finanzen bemerkbar macht.

Ein sehr guter Preamp, der über vier herausragende „Presets“ der speziellen Art verfügt. Unbedingt antesten.

Plus

  • Klang
  • Konzept
  • Verarbeitung
  • Made In USA

Preis

  • 2.690,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ollo AHU

    Also zumindest auf den Fotos sieht dieses Tribalmuster auf der Frontplatte sehr nervig aus, das bringt Unruhe rein und man kann die Beschriftung schlechter lesen. Und es sieht für meinen Geschmack halt auch einfach nur hässlich aus.

    • Profilbild
      CDRowell AHU

      @ollo Das gleiche unwohle Gefühl bekam ich auch unwillkürlich… 😢

      Wirkt es vielleicht vorm schwarzen Hintergrund für das Gehirn des Betrachters zu wenig strukturiert…😇

    • Profilbild
      MichBeck

      @ollo Das war beim dem „Dragon“ schon so schlimm. Slate scheint auf sowas zu stehen …

  2. Profilbild
    Faro

    Danke für den Test.

    Vielleicht bin ich ja altmodisch, aber ich brauche bei einem Preamp immer eine Pegelanzeige. Zumal ich mir für diesen Preis eher zwei leckere 500er Module kaufen würde. 😉

    • Profilbild
      ctrotzkowski

      @Faro …oh je, wie soll ein Hersteller nur für den Schnäppchenpreis auch noch Pegelanzeigen kalkulieren?
      :->

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