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Test: Universal Audio, 710 Twin-Finity, Mikrofonvorverstärker

Preamp mit Vintage-Flair

4. Dezember 2023
universal audio 710 twin finity test des Preamps

Universal Audio, 710 Twin-Finity, Mikrofonvorverstärker

Der ewige Kampf der Giganten, Transistor oder Röhre, stellt so manchen Tontechniker vor die Qual der Wahl. Es ist müßig, über besser oder schlechter zu debattieren, zumal in beiden Systemansätzen klanglich vom üblen Müll bis hin zur absoluten Spitzenklasse alles vertreten ist. Um dem Studiobetreiber je nach Einsatzgebiet nicht immer zwei Systeme an die Hand zu geben, hat Universal Audio mit dem 710 Twin-Finity (hübsche Wortschöpfung) einen Zwillingsverstärker konzipiert, mit dem man stufenlos zwischen den beiden Verstärker-Konzeptionen überblenden kann.

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Dabei beruft sich der Hersteller in Sachen Reputation auf den klangvollen Firmennamen, der in Zusammenhang mit verschiedenen Produkten jede Menge Anerkennung einfahren konnte. Vor knapp 60 Jahren von Bill Putnam Sr. gegründet, wurde die Firma von seinen Söhnen Jim und Bill Jr. 1999 erneut ins Leben gerufen. Bill Sr. zeichnete unter anderem für die Initialzündung bei den Legenden UREI und Studio Electronics verantwortlich und war maßgeblich bei der Entwicklung des Kompressors 1176 oder auch der Röhrenvorstufe 610 involviert.

universal audio 710 twin finity test des Preamps

Die Konstruktion des Universal Audio 710 Twin-Finity

Das knapp 2,4 kg schwere und 2 HE hohe Produkt wird in halber Rack-Breite von 9,5 Zoll ausgeliefert und kann mit externen Rack-Flügel somit zwei seiner Art oder vergleichbarer Produkte in einem Standard-Rack platzieren. Zum Lieferumfang von Universal Audio gehören demnach auch zwei sehr massive Rack-Flügel zwecks Rack-Montage. Im Gegenzug wurden an der Unterseite des Produktes keinerlei Gummifüße verbaut. Die gebürstete Stahlfrontplatte versprüht authentisches Vintage-Flair inklusive passender gelb beleuchtetem VU-Meter. Das in China gebaute Produkt ist sehr gut verarbeitet und vermittelt einen robusten Eindruck.

Erst ein Blick in das Innere des Gehäuses lässt erkennen, dass es sich um eine deutliche Erweiterung eines optisch eher Retro-gehaltenen Produktes handelt. Durch eine Signalführung über insgesamt drei Verstärkerstufen kann man nahtlos von klanglich reiner Transistortechnik über eine Anfettung bei einem Mischverhältnis von knapp 50:50 bis hin zur stark verdichteten und mit Sättigung gespickter Alltube-Röhrentechnik wählen. Dabei kann das Signal um bis zu 70 dB angehoben werden und somit auch sehr ausgangsschwachen Mikrofonen zum Beispiel aus dem Bändchenbereich unter die Arme greifen.

Das Produkt wurde sowohl für den symmetrischen als auch für den hochohmigen Betrieb konzipiert. Um beispielsweise einem E-Bass klanglich auf die Sprünge zu helfen, kann man den schlauerweise auf der Vorderseite platzierten Klinkeneingang benutzen, alle anderen Verbindungsstecker befinden sich auf der Rückseite des Gerätes. Sowohl Mikrofon- als auch Line In- und Line-Out-Stecker wurden als XLR ausgeführt, zudem kann der Mikrofoneingang über einen Kippschalter auf der Gehäusevorderseite mit 48 V Phantomspeisung beschickt werden. Ein Umstecken der Stecker ist nicht von Nöten, da die symmetrischen Buchsen bei Belegung des Hz-Eingangs automatisch deaktiviert werden.

universal audio 710 twin finity test des vintage preamps

Weitere Kippschalter erlauben eine PAD-Funktion von -15 dB, die Nutzung des Line- respektive des Mikrofoneingangs, einem Trittschallfilter bei 75 Hz und einer Phasenumkehrung. Eine Besonderheit stellt dabei der Output-Schalter rechts neben dem VU-Meter dar. Durch seine Betätigung kann man zwischen der Anzeige der Eingangssättigung oder aber dem Ausgangspegel umschalten. Dabei wurden messtechnisch bei -10 dB auf dem VU-Meter ca. 0,4 % an harmonischer Verzerrung, bei 0 dB ein ungefährer Wert von 1,2 % ermittelt. Mit einem Geräusch- und Fremdspannungsabstand von 80,6 und 78,2 dB für den Mikrofon- und 96,9 und 93,2 für den Line-Eingang kann der 710 Twin-Finity ebenfalls auf der ganzen Linie überzeugen. Zwei große Drehregler erlauben nunmehr den Grad des Aufholverstärkers und den endgültige Pegelabgabe zum Pult oder Wandler.

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universal audio 710 twin finity test des Preamps

Im Zentrum der Begierde liegt der Röhren-Preamp, der mit einer 12AX7 (ECC83) Vorstufenröhre aus slowakischer Fertigung ausgelegt wurde und in Class-A bei 310 V arbeitet. Auch hier werden Assoziationen zum 610 Channelstrip frei, wurde der Kanalzug doch mit gleicher Röhre betrieben. Um das Signal möglichst THD-frei zu halten, hat der Hersteller bewusst auf einen Transimpedanz-Transistor-Vorverstärker gesetzt und auf weitere Transformatoren verzichtet. Über den Blend-Regler kann nun stufenlos zwischen der Transistor- und der Röhrenstufe überblendet werden, was einen extreme Flexibilität ähnlich der Gain Station von Mitbewerber SPL generiert.

Der Universal Audio 710 Twin-Finity in der Praxis

Der Twin-Finity erklärt sich in Sachen Handhabung faktisch von alleine, alle Bedienungselemente sind einfach zu verstehen und zu handhaben. Einen Bedienungsfehler zu generieren, ist nahezu unmöglich. In Sachen Klang ist es im allgemeinen ja wünschenswert einen möglichst verfärbungsfreien Sound zu generieren, es sei denn, man möchte das Eigenleben eines Bauteils, wie zum Beispiel einer Röhre, mit in die Klanggestaltung übernehmen.

universal audio 710 twin finity test des Preamps

Hier kann Universal Audio nun sein Konzeption auf der ganzen Linie ausspielen. Während bei der reinen Transistorschaltung (Blendregler Linksanschlag) das Signal sehr neutral ohne die berüchtigten „Exciter-Funktionen“ einiger Konkurrenten daher kommt, kann man mit der stufenlosen Zumischung des Röhrenanteils den Klang einschneidend verändern.

Universal Audio 710 Twin-Finity
Universal Audio 710 Twin-Finity
Kundenbewertung:
(60)

Je nachdem welche Assoziation man beim Hörer generieren möchte, kann man zwischen den beiden Bauprinzipien wechseln. Knackiger Synthie-lastiger-Foster-Piano Sound der Achtziger? Kein Problem, Röhre raus, Transistor rein, alles mit schneller Ansprache und verfärbungsfreier Wiedergabe. Oder doch lieber Retro-Gitarren aus den Siebzigern oder den schmuddeligen Neunzigern? Anschlag rechts für maximale Sättigung und jede Menge „Schmutz“ im Signal lassen das Herz der Saitenfraktion schneller schlagen. Wobei wir es wirklich nur mit einer sehr subtilen Sättigung zu tun haben und einem sehr angenehm dezenten Oberwellen-Cut.

universal audio 710 twin finity test des vintage preamps

Bei einem ausgeglichenen Mischverhältnis von 50:50 halten sich beide Welten sehr schön in der Waage, man verfügt über die Spritzigkeit der Transistorvorstufe in der Ansprache, verbunden mit der Verdichtung und der Anreicherung der weichen Transienten der Röhrenstufe. Ein sehr interessantes Klangbild, was mir in dieser form bisher nur sehr selten begegnet ist. Für Vokalaufnahmen bleibt es dem persönlichen Geschmack und dem Organ des Künstlers überlassen, welche Klangvariante mehr Zuspruch erfährt. Das Schöne ist, man kann so lange drehen, bis die maximale Klangausbeute erreicht wird. Das spart Zeit, Nerven und Kabelgestecke.

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Fazit

Der 710 Twin-Finity von Universal Audio stößt mit seiner stufenlosen Überblendung zwischen Transistor- und Röhrensounds in eine Lücke, die nur von ganz wenigen Mitbewerbern besetzt wird. Durch die Verschmelzung beider Verstärkungsprinzipien erfährt das Produkt eine sehr hohe Flexibilität und kann von kristallklarem Transistorsound bis hin zu kräftiger Saturierung im Röhrenbereich die gesamte Klangpalette füllen. Mit dem Twin-Finity kann man definitiv einen Vorverstärker im Studio einsparen.

Plus

  • Sound
  • Konzeption
  • regelbare Sättigung
  • Verarbeitung

Preis

  • 999,- Euro
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