Test: Allen & Heath Qu-16 Chrome Digitalmischpult

18. April 2014

Digitaler Wundermixer

Schon im November sollte ich den Allen & Heath Qu-16 Digitalmixer zum Testen erhalten. Anscheinend gehen die Dinger aber weg wie warme Semmeln, so war es schwierig, ein Testexemplar loszueisen. Nun hat es geklappt und neben dem Pult kommt auch noch die Allen & Heath AR2412 Stagebox und das ME-1 Monitor System mit angereist. Für alle drei Komponenten finden Sie auf AMAZONA.de entsprechende Testberichte:

Das Digitalmischpult Qu-16 im Überblick

Das Allen&Heath Qu-16 ist zurzeit das kleinste von Allen&Heath erhältliche Digitalpult. Es positioniert sich unterhalb der Serien iLive und GLD. Mit einer Breite von 44 cm ist es 19″ rackkompatibel. Die entsprechenden Einbauschienen sind optional zu erwerben. Die Tiefe beträgt 47,1 cm, hoch ist das gute Stück 18,6 cm. Recht futuristisch ist die Gehäuseform von der Seite betrachtet, hier hat Allen&Heath eine offene Struktur gewählt.

Der ganze Pultrahmen ist aus stabilem Stahlblech, die Seitendeckel auf widerstandsfähigem Plastik. Taster, Fader und Potis lassen sich sehr gut bedienen, das Ganze macht den Allen&Heath-typischen gut verarbeiteten Eindruck.

Ganz so klein, wie uns britisches Understatement glauben machen will, ist das Pult übrigens nicht, neben den 16 Monokanälen sind noch drei Stereokanäle vorhanden, andere Hersteller würden hier also eher von einem Qu-22 reden. Neben den Main-Ausgängen gibt es 10 Mix-Ausgänge, zusätzlich sind noch AES-, 2Track- und Alt-Ausgang zu zählen.

Die Eingänge sind mit 4-Band Klangregelung, HighPass Filter, Compressor, Gate und Delay gut ausgestattet, die Ausgänge besitzen neben dem parametrischen EQ noch einen 28-bändigen Graphic-EQ, der Compressor ist auch vorhanden und jeder Ausspielweg kann bis zu 170 ms verzögert werden. Vier Effektblöcke vervollständigen die Ausstattung. Zu bedienen ist der Mixer, neben den real vorliegenden Bedienelementen über einen gut reagierenden 800×480 Pixel großen Touchscreen, auch eine iPad App wird kostenfrei angeboten. Soweit die erste Übersicht, mehr im ausführlichen Testlauf.

Die Pultanschlüsse des Qu-16 Chrome

Die Rückseite des Qu-16 ist voll gepackt mit Buchsen. Da wären zuerst die 16 Mono-Eingangskanäle, die XLR-Buchsen für Mic- und symmetrische Klinken für Line-Signale bereitstellen. Die Stereoeingänge 17/18 und 19/20 finden über Klinkenbuchsen Zugang, bei Benutzung nur der linken Buchse ist das Signal mono zuzuordnen.

12 Ausgänge stehen als XLR zur Verfügung, zuerst natürlich der MAIN OUT, dann die MIX 1-4 als Monoausgänge und MIX 5-10 als Stereopaare. Zusätzlich gibt es noch den 2TR OUT, der das MAIN Signal führt, sowie ALT OUT und der digitale AES-Ausgang, deren Ausspielsignal gewählt werden kann.

Rückseitig kann noch das Talkback Mikrofon angeschlossen werden, eine Buchse für die Pultlampe fehlt ebenso wenig.

Eine USB 2.0 Verbindung mit einem Computer wird über eine USB-B-Buchse bewerkstelligt, hier fließen 24 Spuren zum Rechner und können auch wieder zu den Eingängen zurück gesendet werden. Somit ist das Qu-16 auch ein schickes 24-Spur Audiointerface, leider funktioniert das Ganze im Moment nur am Mac.

Über dSNAKE wird das Pult mit dem AR2412 oder dem ME-1 verbunden, NETWORK bietet eine 100 Mbit/s Ethernet Anbindung an Computer oder Router.

Netzschalter, Kaltgeräteanschluss und Sicherung befinden sich natürlich auch noch auf der Rückseite.

Drei weitere Buchsen sind rechts oben auf der Pultoberfläche zu finden. Da wäre zunächst der Eingang für Stereokanal 3 als Miniklinke. Ein weiterer USB-Anschluss, hier als QU-DRIVE bezeichnet, bietet die Möglichkeit, entweder den Main Out oder aber die ersten 18 Spuren des Pults auf eine dafür formatierte Festplatte aufzunehmen. Dies geschieht als 24 Bit, 48 kHz WAV-Files. Abspielen lassen sich die Spuren ebenso, für die Stereowiedergabe genügt auch ein USB-Stick mit WAV-Files.

Die letzte Buchse ist ein 6,3 mm Kopfhöreranschluss.

Die Pultoberfläche des A&H Qu-16

Wer schon einmal mit einer A&H Digitalkonsole gearbeitet hat, wird sich hier sofort zurecht finden, klar strukturiert präsentiert sich das Arbeitsgerät. Oben links befindet sich der Channel Strip, hier SUPER STRIP genannt.

Los geht es in der Eingangssektion mit Preamp und seinem Gain-Regler. Hier sind vier Einstellungen verfügbar, LOCAL stellt das Gain für die internen Eingänge des Pults ein, dSNK wird benutzt, wenn eine AR2412 angeschlossen ist, die dritte Einstellung betrifft eine digitale Signalzuspielung und wird über einen entsprechenden Taster in der Preamp Sektion ausgewählt. Hier wird zwischen dem Qu-DRIVE USB Port auf der Geräteoberseite und dem USB-B-Port auf der Rückseite unterschieden. Eine rote Peak-LED vervollständigt diesen Bereich. Das Display stellt die übrigen Parameter zur Verfügung. Da wären die 48V Phantomspeisung, Pad, Phase, Delay, Insert und Linking. Nicht konforme Auswahlen, wie z.B. Phantomspeisung auf den Stereoklinken-Eingängen, werden auch nicht angeboten.

Darunter sitzt das HighPass Filter, das mit einer Flankensteilheit von 12 dB operiert und von 20 Hz bis 2 kHz durchstimmbar ist. Mit dem IN-Taster wird die Funktion in den Signalweg geschaltet, der dann von seiner Status LED grün illuminiert wird.

Daneben nun die 4-Band Klangregelung. Alle vier Bänder sind vollparametrisch, bieten einen Pegelbereich von -15 dB bis +15 dB, die beiden äußeren lassen sich auch als Low Shelf bzw. High Shelf umschalten. Eine rote LED zeigt Übersteuerung an, wenn das Signal zu sehr angehoben wurde. Natürlich auch hier wieder der IN-Button.

Der EQ mit HPF ist hervorragend zu bedienen, da für jeden Parameter ein Poti zur Verfügung steht, der Touchscreen wird nur zur Übersicht über die Werte und die EQ-Kurve gebraucht. Klanglich lehnt sich der EQ deutlich an größeren Digitalpulten von Allen&Heath an, im besten Sinne neutral und kräftig zupackend. Was mir nicht glückt, ist den EQ schnell auf Neutralposition zurück zu setzen. Auch die Bedienungsanleitung hilft mir da nicht weiter. Also mal schnell beim Vertrieb nach gefragt und siehe da, es geht natürlich: RESET + IN-Button, dann ist der EQ wieder in Neutralstellung, genau so funktioniert es bei HPF, Gate und Comp auch. Mit RESET + SELECT werden diese Prozessoren für den gesamten Kanal zurückgesetzt.

Die nächsten beiden Einheiten GATE und COMP verfügen jeweils über einen Threshold-Regler, den IN-Taster und eine gelbe LED zur Betriebsanzeige. Der Compressor besitzt zusätzlich noch eine Clip-LED, da die Signalstärke angehoben werden kann. Alle anderen Werte der Dynamik-Prozessoren werden über das Touchdisplay eingegeben.

Für das Gate sind das DEPTH, ATTACK, HOLD und RELEASE. Pegel, Threshold und Depth werden grafisch dargestellt, so lässt sich schnell und bequem eine passende Einstellung finden. Mit 50 Mikrosekunden lässt sich der Attack rasend schnell einstellen, so dass auch perkussive Signale gut in den Griff zu bekommen sind.

Vollständig parametrisiert ist auch der Compressor. Neben dem Threshold wären das RATIO für die Kompressionsrate, GAIN zum Ausgleich des Pegels, ATTACK und RELEASE zur Einstellung der Hüllkurve. Dazu lässt sich noch HARD- und SOFT KNEE und vier verschiedene Compressor Typen anwählen. Für die beiden AUTO-Typen stehen Attack und Release logischerweise nicht zur Verfügung. Auch hier ist die grafische Kontrolle für Pegel und Kompression vorhanden, somit ist auch hier schnell und gut zu arbeiten. Klanglich bietet der Compressor viele Möglichkeiten, die beiden Manual Typen sind am universellsten, AUTO SLOW OPTO funktioniert sehr gut bei getragenen Gesangspassagen oder Streicherensembles, AUTO PUNCHBAG fügt dem Signal ein organisches Pumpen hinzu, welches gerne für Drumbeats eingesetzt wird. Hier gilt aber, ausprobieren und nehmen was gefällt.

Abgeschlossen wird die Einheit mit dem PAN-Regler, der seine Einstellung mittels eines 7-stelligen LED-Kranzes anzeigt. Das ist für live ausreichend, für Studioanwendungen hätte ich mir eine genauere Darstellung im Display gewünscht.

Auch die 12 Ausspielwege können auf vielfältige Eingriffsmöglichkeiten zugreifen. Hier vorhanden sind INSERT und DELAY, der parametrische EQ, der Compressor und ein 28-bandiger grafischer Equalizer.

Dieser wird über die Kanalfader eingestellt, der FADER FLIP schaltet vom tiefen Band auf die hohen Frequenzen um. Das ist recht einfach und übersichtlich zu bedienen, falls man in Touchscreen nicht mehr auf der GEQ Einstellung ist, wird die ausgewählte Bank immer noch in der kleinen Übersicht angezeigt und die Frequenzen sind an den Fadern angeschrieben. Etwas tricky wird es allerdings, falls man den internen Real Time Analyzer des Pults benutzen will, dann zeigt nämlich nichts mehr die gewählte Bank an, wir müssen uns also die Faderstellung merken. Ich bin nun kein großer Freund von Analyzern, ich höre lieber mit den Ohren als mit den Augen und bin da durch zahlreiche Monitorjobs auch entsprechend geschult, ich könnte mir aber vorstellen, dass eine übersichtlichere Verzahnung von GEQ und RTA für manchen Nutzer durchaus von Vorteil wäre.

Abzuhelfen ist hier natürlich mit der frei und kostenlos verfügbaren Qu-Pad, die iPad App zur Steuerung des Qu-16. Hier kann das Pult in vielen Funktionen ferngesteuert  werden und es ist eine schöne Übersichtsseite vorhanden, die Meters und RTA zusammenfasst.

Wo wir nun bei den Fadern angelangt sind, machen wir doch auch gleich hier weiter. Jedem der sechzehn 100 mm Kanalfader ist eine dreistellige LED-Aussteuerungsanzeige beigegeben. Darüber sitzt ein Button-Trio für MUTE, SELECT zur Anwahl und PAFL zum Vorhören. Die Buttons unterscheiden sich in Form und Farbe, für so manchen wird das etwas wirr aussehen, mir gefällt das Konzept, es lässt sich selbst in dunklen Clubs zuverlässig bedienen.

Am linken Rand sind den Select-Buttons noch PRE FADE und ASSIGN zugeordnet. Durch Drücken von PRE FADE bei gleichzeitiger Anwahl eines Pre Fade geschalteten Mixes leuchten alle SELECT-Buttons auf und können nun durch Anwahl in den Post Fade Modus gebracht werden. Durch Drücken des SELECT-Tasters im Master Strip geschieht dies für alle Input-Kanäle gleichzeitig. Mit der gleichen Verfahrensweise funktioniert das mit ASSIGN, hier wird der Kanal ganz aus dem Mix entfernt. Das ist eine ganz schicke Funktion, so kann z.B. zu Testzwecken mal kurz der Bass aus dem Drumfill des Schlagzeugers entfernt werden, ohne ihn auf allen Wegen komplett zu muten. ASSIGN ist auch auf den Main Out anwendbar.

Die Ein- und Ausgänge sind grundsätzlich über zwei Layers verteilt, so verwaltet Layer 1 die 16 Monoeingänge. Seine Anwahl wird durch eine grüne LED angezeigt. Die blaue LED steht für Layer 2, über ihn werden die Pegel der drei Stereoeingänge, der vier FX-Returns, die Sends für FX1+2 sowie die sieben Mix-Masters gesteuert.

Prinzipiell sind damit alle Kanäle abgedeckt, da der Master i.d.R. seinen eigenen siebzehnten Fader hat. Die großen A&H Konsolen haben hier aber die Möglichkeit des freien Kanalpatchings, dieses Feature wurde dem Qu-16 nicht mit gegeben. Wer aber dennoch eine eigene Zuordnung wählen möchte, hat im Setup die Möglichkeit, einen Custom Layer anzulegen. Das ist für manche Anwendungen ganz nützlich, schön, dass die Entwickler sich diese Möglichkeit ausgedacht haben.

Der MASTER STRIP besitzt erstmal dieselben Elemente wie die Kanäle, Fader, 3 LEDs und die drei Bedienbuttons. Dieser Kanal ist aber nicht nur für die Mastersumme verantwortlich, mit ihm werden auch die restlichen Ausspielwege bedient. Deshalb sitzt oberhalb des Faders der blaue LR-Button, daneben die Anwahlen für FX und die Mixe. So sind alle Ausgänge bequem über den Master Strip zu erreichen.

Was gibt es noch? Die vier SOFTKEYS wurden noch nicht erwähnt, sie lassen sich mit verschiedenen Funktionen, wie z.B. Aktivierung der Mute Gruppen, Tap Tempo des Delays, PAFL Clear und diverse Szenenverwaltungen belegen. Bei Aktivierung leuchten die Taster rot auf. Ausgesprochen gut gefallen mir der Druckpunkt und die Platzierung der Taster, hier dürfte niemand mal so aus Versehen dran kommen. Wer einmal an einem 01v versehentlich einen User Defined Key berührt hat und damit mitten in der Show die Szene wechselte, weiß von was ich rede…

Über den Softkeys sitzt der Lautstärkepoti des Alt Outs, daneben der Talkback-Taster. Dessen Ausgabe kann im Setup auf alle Mixe und den Master Out gegeben werden, vorhanden sind weiterhin ein HPF, Gain und 48V für Kondensatormikrofone.

Außer den schon beschriebenen Anschlüssen rechts oben finden sich hier noch die zwei 12-stelligen LED-Ketten zur Aussteuerung.

So, meine Lieben, das war zwar so nicht vor gesehen, aber die kleine Wunderkiste hat doch deutlich mehr auf der Pfanne, als es zuerst den Eindruck hatte, deshalb bin ich gezwungen, hier und an dieser Stelle einen typischen Cliffhanger zu produzieren und den zweiten Teil dieses Testberichts auf nächste Woche zu verschieben.

Schalten Sie also wieder ein, wenn es heißt: THE BRITISH INVASION STRIKES BACK oder so ähnlich …

Der Touchscreen des Digitalmixers

Das Display hat eine Auflösung von 800×480 Pixeln und ist trotz geringer Größe angenehm zu bedienen. Eine Kalibrierungsfunktion ist ebenso wie für die Fader vorhanden, wobei sich beide Komponenten bei meinem Testobjekt schon perfekt abgestimmt zeigen.

Unterhalb des Touchscreens befinden sich das Drehpoti zur Veränderung der ausgewählten Parameter, der FUNKTION-Taster, der für die meisten Seiten optionale Inhalte bereit hält und die Buttons COPY, PASTE und RESET. Diese werden zum Kopieren und Löschen von Kanalparametern, des kompletten Kanals oder auch für Scenes gebraucht.

Die Taster rechts neben dem Display sind unterteilt in die beiden Selected Screens PROCESSING und ROUTING und die vier restlichen HOME, FX, SCENES und SETUP.

PROCESSING stellt in der oberen Hälfte des Displays die verfügbaren Bearbeitungsblöcke des selektierten Inputs oder Outputs dar, in der unteren Hälfte  erscheinen die veränderbaren Parameter des jeweils ausgewählten Blocks. Bei den Inputkanälen erreicht man über den FUNKTION-Button noch die Seite zur Anwahl des gewünschten Eingangs.

Über ROUTING gerät man an sämtliche Einstellparameter der Ein- und Ausgänge, Mix- und FX-Sends und auf die Zuordnung der vier verfügbaren Mute-Groups. Eigentlich hätte ich ja auch die Eingangszuordnung der Input-Kanäle hier erwartet, die hat ja aber schon unter PROCESSING ihren Platz gefunden.

Die HOME-Seite erlaubt den direkten Zugriff auf die Mute Gruppen, hier kann bestimmt werden, eine Meters-Page ist zur schnellen Übersicht aller Pegel vorhanden, der RTA Analyzer zeigt den Frequenzgang des Main Outs oder des PAFL, die Qu-Drive Seite steuert Aufnahme und Wiedergabe der am entsprechenden USB-Ports angeschlossenen Festplatte.

Mit dem FX-Button gelangen wir an die vier Effekte. FX1 und FX2 sind Send-Effekte und können somit jedem Kanal anteilig zugemischt werden. FX3 und FX4 haben keinen eigenen FX Send, sie können aber auf einen freien Mix-Master geroutet werden und sind so auch als Bus-FX verfügbar. Alternativ können sie auch einfach einem Kanal zugeordnet werden, z.B. Chorus auf die Gitarre.

Die Effekte des Qu-16 Mischpults

Die Effekte sind den größeren Allen&Heath Pulten entnommen und klingen dem entsprechend gut.

Vorhanden ist ein Reverb, das unter derselben Oberfläche vier Modelle anbietet.: CLASSIC, HALL, ROOM und EMT PLATE. Leider ist nicht bei allen Programmnamen zu erkennen, welches Modell gewählt ist, hier hätte ich mir zur besseren Übersicht verschiedene grafische Oberflächen gewünscht. Die gängigen Parameter sind direkt zugänglich, im EXPERT-Mode ist eine genauere Programmierung möglich. Veränderungen als neues Programm zu speichern oder das bestehende Programm zu überschreiben, gelang mir nicht, die Einträge dafür sind zwar vorhanden, lassen sich aber nicht auswählen.

Mein Testobjekt läuft allerdings noch mit der Firmware 1.20, inzwischen ist auf der Musikmesse die 1.4 vorgestellt worden, die den Funktionsumfang nochmals deutlich steigert, mit der auch dieser Punkt ausgemerzt wird und die bei Veröffentlich dieses Tests bereits verfügbar sein dürfte. Am Ende diese Tests habe ich eine Übersicht der in der 1.4 neu hinzugenommenen Funktionen gehängt. Die Library bietet jedoch auch so eine große Anzahl gängiger Reverbs an, mit denen sich wirklich arbeiten lässt.

Als weiteren Hall bieten die Effekte das in den 80ern beliebte GATED VERB. Klingt ganz witzig, ob man es unbedingt braucht, keine Ahnung.

Deutlich gängiger und notwendiger ist dann wieder der DELAY-Effekt. Hier sind diverse Mono- und Stereo-Delays verfügbar, die Delay-Time kann getrennt für links und rechts bis jeweils 1,36 Sekunden eingestellt werden. TAP geht über das Display oder Softkey. Über LINK wird der Effekt mono geschaltet. Es gibt Filter für Input und Feedback, einen WIDTH-Regler und das zentrale FEEDBACK-Poti. Damit lassen sich eigentlich die meist gebräuchlichen Echo- und Delay-Effekte erzeugen.

Ganz groß wird das Thema Modulations-Effekte geschrieben. Ganze fünf Modelle, die sich klanglich wie optisch an klassische, meist in den 80ern beheimateten Hardware anlehnen, stehen bereit. Mit ADT, CHORUS, SYMPHONIC CHORUS, FLANGER und PHASER wird dieser Bereich umfassend und kompetent abgehandelt.

Mit der FX-Sektion dürfte eigentlich jeder Benutzer zufriedenstellend arbeiten können. Falls noch Wünsche offen bleiben sollten, kann über EMPTY RACK der persönliche Lieblingseffekt eingebunden werden. Zu begrüßen ist auch der parametrische EQ, der in den FX RETURNS verfügbar ist und den Programmen den letzten Feinschliff angedeihen lässt.

Eine kleine Herausforderung habe ich an die Effektprogrammierer noch: Da eine Vorliebe für Effektklänge der 80er Jahre nicht von der Hand zu weisen ist, wie wäre es demnächst noch mit einem Bouncy-Delay?

Der nächste Button ist SCENES. 100 Einträge sind hier möglich. Sie werden hier benannt, gespeichert, überschrieben und verwaltet, mit RESET MIX SETTINGS wird das Pult in seinen Ursprungszustand zurück versetzt.

Unter GLOBAL FILTER werden einzelne Parameter gesperrt, so dass sie beim Szenenwechsel nicht überschrieben werden, dasselbe kann in SAFES mit Inputs und Mixen gemacht werden.

Unter SETUP wird das Pult näher konfiguriert. Hier finden sich in der AUDIO-Page Einstellmöglichkeiten für die Vorhörfunktion, das Talkback, den Noise Generator, das Output Patching und die Output Zuordnung bei Verwendung des AR2412 und des ME-1.

Unter CONTROL lässt sich der Custom Layer und die SOFTKEYS konfigurieren und der MIDI-Kanal auswählen.

Bei USB DATA lassen sich Szenen, Librarys und Shows auf einen USB-Stick speichern und wieder aufrufen.

NETWORK stellt die Daten für eine Kommunikation per Router z.B. zu einem iPad mit der Steuersoftware Qu-Pad zur Verfügung.

UTILITY ist für die Diagnose, Kalibrierung des Touch Screens und der Fader, Formatierung einer USB-Festplatte und Aufspielung einer neuen Firmware-Version per USB zuständig.

Mit Halten des Setup-Tasters lässt sich durch Drehen des daneben liegenden Potis die Helligkeit von Display und LEDs einstellen, wieder ein sehr praktisches Feature, danke dafür.

Der Qu-16 Digitalmixer im Studio

Für den ersten Praxistest möchte ich das Allen&Heath Qu-16 als komfortables Audiointerface im Studio nutzen. Dafür wird es über die rückseitige USB 2 Schnittstelle mit meinem Mac verbunden. Bisher funktioniert dies auch nur auf der Apple Plattform, die Unterstützung für PC Systeme ist nun aber angekündigt und dürfte bald verfügbar sein.

Auf dem Mac läuft es aber völlig problemlos. Logic starten und das Pult wird ohne Treiberinstallation als Interface erkannt und kann entsprechend ausgewählt werden. Alle 22 Input-Kanäle des Pultes plus die Stereosumme lassen sich direkt in der DAW aufzeichnen. Abhören tue ich über den Main Out, ein zweites Boxenpaar kann ich am Alt Out anschließen. Die Monitorwege werden über die Mix Outs ins Multicore eingespeist und an die Headphone Amps der Musiker gegeben. Ich bin ja kein Freund von Hall auf dem Monitorweg, aber bitte schön, wenn der Sänger das so will, geht auch.

Vom Rechner zurück ins Pult ist natürlich auch kein Problem, die 22 Spuren wieder auf die Pulteingänge gelegt, dort gemischt und das Ergebnis als Stereosumme wieder in der DAW aufgezeichnet, funktioniert reibungslos. Oder aber der Mix geschieht in Logic und ich benutze das Qu-16 als Summierer. Auch kein Problem, dafür lassen sich immer zwei Monokanäle per Link als Stereokanal zusammen fassen. Also 6x stereo aus den Logic-Subgruppen raus, plus die vier wichtigen Solostimmen und Instrumente einzeln. Das Ganze dann über AES Out digital in den Finalizer, dort gemastert und wieder in den Rechner geschickt, voilà.

Fassen wir das kurz zusammen: Ein Audiointerface mit 22 Eingängen, 12 Ausgängen, ordentlich DSP Power, bequeme Bedienung mit Fadern, Potis und Touchscreen für unter 2000,- Euro ist eine Überlegung wert. Was fehlt ist eine höhere Auflösung als 48 kHz, wer das braucht, muss sich für seine Studiozentrale woanders umschauen.

Der Qu-16 Digitalmixer auf der Bühne

Für dieses Klientel könnte das Qu-16 aber als Livepult interessant sein. Das Pult ist 19″-fähig, mit 10 kg ein echtes Leichtgewicht, stabil verarbeitet, übersichtlich, auch in schummriger Umgebung gut zu bedienen. 22 Eingänge und neben dem Main Out sieben weitere Ausspielmöglichkeiten, drei davon in stereo, für Monitoring, Delaylines und Zonenbeschallung dürfte für viele Jobs ausreichen. Vier Effekte sind auch mit an Bord, wobei daran zu denken ist, dass zwei Mix Master benötigt werden, wenn alle Vier als Buseffekte genutzt werden.

Gerade live zeigt sich, dass die A&H Crew an alles gedacht hat, gut klingende Preamps, umfangreiche Klangregelung, Gate und Compressor, Delays in allen Ein- und Ausgängen, grafischer EQ in allen Ausgängen, vier Effekte, Musikeinspielungen über USB-Stick. Dazu zuweisbare Softkeys, Talkback und Lampenanschluss, Real Time Analyzer, da fehlt nichts.

Eine prima Option ist natürlich, jede Show ganz einfach mit dem Desk mitschneiden zu können. Dies kann entweder wie im Studio mit dem Rechner geschehen, über den Qu-Drive Anschluss geht das aber auch direkt auf Festplatte.

Allerdings kann der Qu-Drive nicht alle 22 Spuren aufnehmen, sondern ist auf die 16 Monoinputs und ein auswählbares Stereosignal beschränkt. Aufgezeichnet werden 48 kHz, 24-Bit WAV-Files, vielleicht wäre es eine Überlegung wert, auch einen 16-Bit Modus anzubieten, dann sollte es auch möglich sein, alle Inputs aufzuzeichnen.

Pro Recording wird ein neuer Ordner mit durchlaufender Nummerierung angelegt. Hier nochmals der Hinweis, dass die Festplatte für das Qu-16 formatiert werden muss und auch nur hier benutzt werden sollte. Das ist auch nur vernünftig, weniger gefällt mir, dass USB-Sticks, die zum Zuspielen oder zur Pausenmusik genutzt werden, ebenso zu formatieren sind. Mal eben den Stick mit den MP3 da rein tun und abspielen, funktioniert nicht.

Ein weiterer Punkt auf der „Schade eigentlich“-Liste ist, dass USB 2-Anschluss und Qu-Drive nicht parallel zu nutzen sind, das wäre für Live-Recordings perfekt, aufnehmen im Rechner mit gleichzeitiger Datensicherung auf Festplatte würde mein Sicherheitsdenken enorm befriedigen. Na ja, alles kann man halt nicht haben.

Das Allen&Heath Qu-16 mit Firmware 1.4 / 1.9

Inzwischen ist ganz frisch die neue 1.4 Firmware für das Pult erhältlich. Markus Sinsel, der Product Manager von Allen&Heath, hat mir folgende Liste mit Neuerungen und Verbesserungen geschickt:

  • Windows Treiber für das USB-Streaming
  • User-Verwaltung
  • verbesserte Benutzeroberfläche im Bildschirm
  • Recall Filter pro Szene
  • FX User-Librarys

Ab Firmware Version 1.9: Pro Factory Mikrofon Presets von Audio-Technica, Sennheiser und Shure, DAW Kontrolle für Windows, neue QU-Control App

Fazit

Das Allen&Heath Qu-16 ist ein 19″ Mixer mit 16 Mono- und 3 Stereoeingängen und umfangreicher Ausstattung. Verarbeitung und Funktionsumfang sind vorbildlich. Zudem ist Allen&Heath recht fix darin, das Produkt durch Firmware-Updates laufend zu verbessern.

Das kleine Arbeitstier fühlt sich im Studio wie auf der Bühne gleichsam wohl. On Stage bildet der Qu-16 zusammen mit dem AR2412 und dem ME-1 eine Kombi, die im Moment ihresgleichen sucht. Wäre ich Herr Lauda, ich würde meine Kappe ziehen.

Plus

  • Funktionsumfang
  • Preis/Leistung
  • Verarbeitung
  • Übersichtlichkeit
  • Studio und Stage tauglich

Minus

  • Qu-Drive nimmt nur 18 Spuren auf und spielt keine MP3 ab
  • weitere Kritikpunkte dürften sich mit neuer Firmware erledigt haben

Preis

  • 1.569,-€
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