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Test: Midas MR18, Digitalmischpult

21. November 2019

Digitalmixer für alle

midas mr18

Midas MR18, Digitalmischpult

Midas MR18 – irgendwie kommt mir der Name des neuesten Testobjekts verdächtig bekannt vor. Und richtig: Das Midas MR18 Digitalpult im Stagebox-Format ist verwandt mit dem Behringer XR18 und wird unter dem Midas-Label vertrieben. Wir kennen das auch von der X32-Plattform und dem dafür erhältlichen Zubehör. Als ehemaliger Besitzer des Behringer XR18 bin ich natürlich gespannt, ob es Unterschiede gibt.

Midas MR18 – einfach anders

Es sei vorweg genommen, dass Kenner des Behringer XR18 weite Teile dieses Testberichts überspringen können. Die Unterschiede beziehen sich nämlich nur auf die Vorverstärker. Auf der Software-Seite unterscheiden sich die Produkte nicht.

Das Midas MR18 ist ein sogenanntes Stagebox-Mischpult. Äußerlich sieht es aus wie eine Stagebox und wird auch wie eine Stagebox auf der Bühne platziert. Bis auf einen Regler für die Kopfhörerlautstärke kommt es komplett ohne relevante Bedienelemente aus. Die Bedienung erfolgt per App für MacOS oder Windows. Auch Linux wird unterstützt – ein günstiger Raspberry Pi Computer für 35,- Euro genügt. Das ist schon mal sehr vorbildlich und wird die Bastler unter den Musikern freuen. Doch auch die Bedienung per Tablet kommt nicht zu kurz, denn es stehen Apps für iOS und Android zur Verfügung.

midas mr18

Auf der Hardware-Seite finden wir 16 analoge XLR/Klinke Combo-Eingänge, die das Signal für die Midas Pro Mikrofonvorverstärker entgegennehmen. Die Kanäle 17 und 18 sind mit Klinkenbuchsen ausgestattet, so dass hier zum Beispiel ein Keyboard oder ein anderer Zuspieler angeschlossen werden kann. Raus geht es auf 6 Aux-Ausgängen und zwei Main-Ausgängen (alle XLR). Der Kopfhöreranschluss ist erfreulicherweise als 6,3 mm Klinke ausgeführt.

Doch damit nicht genug: MIDI Ein- und Ausgänge im DIN-Format und ein USB-Anschluss vervollständigen die Ausstattung. Das Midas MR18 ist nämlich auch ein 18×18 Audiointerface mit MIDI. Weil Personal Monitoring „in“ ist, verfügt auch das Midas MR18 über die hauseigene Ultranet-Schnittstelle. Über diese können Musiker mit Behringer Powerplay P16-M Personal Mixern ihren eigenen 16-Kanal Mix erstellen. Schade, dass es keine AES50-Schnittstelle wie bei der X32/M32-Plattform gibt. So hätte man nämlich den Midas MR18 bei einem späteren Umstieg auch als Stagebox an den größeren Mischpulten einsetzen können. Nun gut, man kann halt nicht alles haben.

Den Abschluss bildet der interne WLAN Access Point. Eine ausklappbare Antenne soll den drahtlosen Zugang gestatten. Per Remote Ethernet Port dürfen aber auch eigene Router angeschlossen werden oder Laptops sich direkt mit dem Midas MR18 verbinden. Auch der drahtlose Zugang zu einem bestehenden WLAN-Netz ist möglich. Das Mischpult arbeitet dann als WLAN Client. Ein kleiner Schalter ist für die Auswahl des gewünschten Netzwerkzugangs zuständig. Alles Weitere wird per App eingestellt.

Midas MR18-Test-Anschlüsse

Die Anschlüsse des Midas MR18

Damit das Midas MR18 nicht auf dem Boden hin und her rutscht, sind die Seitenteile des Quaders aus Gummi gefertigt. Möchte man das Pult lieber in einem Rack unterbringen, entfernt man diese und schraubt stattdessen die mitgelieferten Rack-Winkel an. An der rechten Seite finden wir den Netzschalter sowie den Anschluss für das Netzkabel.

Midas MR18-Test-Netzschalter

Leider ist der Netzschalter seitlich angebracht und verschwindet beim Rack-Einbau hinter den Rack-Winkeln

Die interne Signalverarbeitung des Midas MR18 geschieht mit 40 Bit Fließkomma-Berechnung. Es gibt vier Effektprozessor-Slots, die mit Effekten bestückt werden können. Neben den 18 Eingängen stehen 8 Busse zur Verfügung. Die Effekte entstammen der X32/M32 Serie.

Midas MR18 – Bedienung per Software

Da das Midas MR18 keinerlei Bedienelemente besitzt, ist das Software Design von großer Bedeutung. Anzumerken ist, dass die App für Mac/PC/Linux optisch nicht zu einhundert Prozent identisch mit der iPad/Android-App ist. Das ist auch gut so, denn ein Tablet erfordert aufgrund der Touch-Bedienung eben auch ein etwas anderes Design. Das Design der Mac/PC-Software ähnelt sehr stark der vom M32/X32 bekannten App. So ist der Umstieg von einem System auf das andere überhaupt kein Problem.

midas mr18

Schön ist, dass die Laptop-App „Floating Windows“ erlaubt. So lässt sich beispielsweise der RTA immer im Blick behalten, Busse oder DCA Gruppen in ein eigenes Fenster auslagern und so weiter. Das geht mit der Tablet-App natürlich nicht. Auch zwei „User“-Fenster lassen sich beliebig aus allen Ein- und Ausgangsbussen zusammenstellen.

Die Software ist sehr logisch aufgebaut. Im Prinzip sieht sie aus wie ein analoges Mischpult. Jeder Kanalzug verfügt oben über Gain, +48 Volt Phantomspeisung, Polaritätumkehr und Link. Gain lässt sich direkt einstellen. Klickt man auf eines der übrigen Symbole, öffnet sich die entsprechende Detailansicht, um die Anpassungen vorzunehmen. Das ist prima gelöst, sieht man so doch auf den ersten Blick schon in der Miniaturansicht des Kanalzugs, was eingestellt ist. Zum Editieren jedoch öffnet sich dann die vergrößerte Detailansicht. Darunter folgen die Send-Pegel für die sechs Busse und vier Effekt-Wege. Auch hier sieht man erneut sofort, was Sache ist. Wie schon die Vorverstärkung lässt sich auch der Send-Pegel direkt mit der Maus im Kanalzug einstellen. Es gibt aber auch noch zwei weitere Wege dafür, wie wir später sehen werden. Es folgt die Kennlinie des Gates, die EQ-Kurve sowie die Kennlinie des Kompressors. Klickt man darauf, öffnen sich erneut die entsprechenden Detailansichten. Den Abschluss bilden Pan (direkt editierbar), der Scribble Strip, der Solo-Button sowie der Kanal-Fader. Unterhalb des Kanal-Faders lässt sich über vier kleine Quadrate der Kanal einer der vier Mute-Gruppen zuweisen. Es folgen nun noch Mute-Schalter und Kanalnummer.

Midas MR18-Test-Mixer

Der Hauptbildschirm gleicht vom Aufbau her einem analogen Mischpult

Eine weitere Möglichkeit, die Einstellungen eines Kanalzugs zu bearbeiten, ist, diesen zunächst zu selektieren und dann über die Reiter am oberen Bildschirmrand direkt die entsprechenden Detailseiten aufzurufen. Hier findet man dann auch unter Umständen noch Parameter, die sonst nicht zugänglich wären. Dazu gehört zum Beispiel die Auswahl des Channel Inputs (physikalischer Eingang oder USB), der USB Trim, Low Cut, Channel Insert, Auto Mix Zuweisung, DCA Gruppenzuweisung, Main LR Routing und so weiter. Es hat durchaus Vorteile, dass beide Wege zum Ziel führen. Die direkte Bearbeitung einiger Parameter in der Mischpultansicht kann nämlich auch ohne vorherige Kanalselektion erfolgen. Das beschleunigt die Arbeit ungemein.

Midas MR18-Test-Channel

Alles Wichtige im Überblick

Richtig klasse ist, dass wie beim X32/M32 die physikalischen Eingänge und USB-Returns frei einem Kanalzug zugeordnet werden können. Das verhindert unnötiges Umstecken, möchte man das Mischpult reorganisieren.

Midas MR18-Test-Input

Die wichtigsten Einstellungen zu Beginn des Kanalzugs

Die Insert-Effekte des Midas MR18 sind ebenfalls den großen Brüdern entnommen und richtig gut parametrisiert. So kann das Gate auch als Ducker oder Expander genutzt werden, der Key-Eingang des Sidechain-Filters ist frei wählbar, die Gain-Envelope besteht aus Attack, Hold und Release und wird ebenso wie das Sidechain-Filter grafisch dargestellt. Beim Sidechain-Filter lässt sich sowohl der Filtertyp (Low Cut und Peak mit verschiedener Güte) als auch die Frequenz einstellen. Vier Presets für Kick, Snare, Acoustic und Vocal bieten eine gute Grundlage für die häufigsten Bearbeitungen.

Midas MR18-Test-Noisegate

Das Noise Gate verfügt über eine Vielzahl an Parametern

Da der Kompressor ähnliche Funktionen zur Verfügung stellt, überspringen wir zunächst die EQ-Stufe. Zusätzlich zu den Funktionen des Gates finden wir hier einen Auto-Time Button für das automatische Regeln der Ansprech-/Abklingzeit. Die Kennlinie lässt sich zwischen linearer und logarithmischer Arbeitsweise umschalten und der Kompressor kann im Peak- oder RMS-Modus seinen Dienst versehen. Sechs verschiedene Knee-Varianten ermöglichen einen weicheren Übergang von unkomprimiertem zu komprimiertem Signal. Der Kompressor kann auch auf Expanding geschaltet werden und beherrscht auch parallele Kompression  mit freier Einstellung des Mix-Parameters. So darf es auch mal heftig zur Sache gehen und das stark komprimierte Signal dem unkomprimierten Signal zugemischt werden. Erneut gibt es vier Presets für Kick, Snare, Bass und Vocals.

Midas MR18-Test-Kompressor

Der Kompressor lässt keine Wünsche offen

Beim EQ handelt es sich um einen parametrischen Vierband-EQ. Auch der eingangs erwähnte Low Cut ist hier noch einmal zugänglich. Die EQ-Kurve wird grafisch dargestellt und die vier Bänder verfügen über „Anfasser“. Durch Anfassen und Ziehen lässt sich die Frequenz sowie die Verstärkung/Abschwächung einstellen. Hält man das Trackpad am Laptop gedrückt, lässt sich mit zwei Fingern die Filtergüte verändern (zumindest in der Version auf meinem MacBook Pro). Eine Tabelle unterhalb der EQ-Kurve zeigt die entsprechenden numerischen Werte an.

Midas MR18-Test-EQ

Der EQ bietet genügend Bänder und lässt sich per Maus und auf dem Tablet sehr gut bedienen. Encoder vermisst man nicht

Bus-Haltestelle

Unter dem Sends-Tab kann der Send-Pegel des selektierten Kanals zu den einzelnen Bussen und Effekt-Wegen eingestellt werden. Außerdem lässt sich für jeden einzelnen Bus und jeden einzelnen Kanalzug der Abgriff einstellen: Input, Pre EQ, Post EQ, Pre Fader, Post Fader und für die sechs Busse auch Subgroup. Das ist komfortabel und ist dieser Preisklasse einzigartig. Über Fader lässt sich nun der Send-Pegel bequem einstellen (Möglichkeit 2).

Midas MR18-Test-Sends

Sends-Seite für den Kanalzug. Jeder Send lässt sich hinsichtlich des Signalabgriffs großzügig konfigurieren

Main Bus Sektion des Midas MR18

Unter dem Main-Tab finden wir schließlich alle Einstellungen, die den Main-Bus betreffen. Ein großer Panorama-Regler verschiebt das Signal von der Stereo-Mitte zu den Seiten. Per LR-Button entscheiden wir, ob das Signal auf dem Main-Bus zu hören sein soll oder eben nicht. Für die vier DCA- und Mute-Gruppen lässt sich hier die Zuweisung vornehmen und auch die Zuordnung und Gewichtung zu einer Auto Mix-Gruppe des Dugan Auto Mix-Algorithmus erfolgt hier. Dieser ist besonders bei Konferenzen hilfreich, wenn mehrere Sprecher ihr jeweils eigenes Mikrofon nutzen. Der Mikrofonpegel wird dann vollkommen automatisch geregelt, so dass immer nur die Mikrofone „offen“ sind, in die gerade gesprochen wird.

Midas MR18-Test-Main

DCA- und Mute-Gruppen-Zuweisungen auf der Main LR-Seite

Wie klingen die Effekte des Digitalpults?

Vier Effekt-Slots wollen mit einer Auswahl aus dem reichhaltigen Effektmenü bestückt werden. Dort findet man wirklich alles. Die Effekte sind an bekannte Hardware-Vertreter der digitalen und analogen Welt angelehnt. Von Lexikon 480L über Yamaha SPX bis hin zu Emulationen alter Röhren-EQs ist alles mit dabei. Auch Dimensional Chorus, Flanger, Phaser, Pitch Shifter, Exciter, Octaver, Wave Designer, Guitar Amps und vieles mehr finden sich unter den vielen Effekten. Schade, dass es nur vier Slots gibt, die leider auch für die Kanal-Inserts herhalten müssen. Erneut muss man sich an den Preis erinnern, um nicht übermütig zu werden. Hier gibt es schon so viel mehr als bei anderen Mitbewerbern selbst in höheren Preisklassen. Für Delay-Effekte steht ein Tap-Button zur Verfügung. Den Abschluss bildet die Meter-Seite mit einem Überblick über alle Pegel.

Midas MR18-Test-FX

Die Effekte stammen aus der X32/M32-Serie und sind umfangreich parametrisiert. Vier Effekt-Slots lassen sich damit bestücken.

Scribble Strips

Wer schon mal an einem Digitalpult von Midas oder Behringer gestanden hat, kennt sie: die Scribble Strips. Das sind ursprünglich kleine LED-Displays, die eine Beschriftung und farbige Kodierung der einzelnen Kanalzüge erlauben. Weg mit dem Klebeband für die Beschriftung, das immer das Pult mit Kleberändern versaut. Natürlich besitzt auch das Midas MR18 virtuelle Scribble Strips. Klickt man zum Beispiel am MacBook bei gedrückter Command-Taste auf das Beschriftungsfeld eines Kanals, lässt sich dieser entweder durch Auswahl von Presets beschriften oder auch frei. Natürlich kann man hier auch die Farbe zuweisen. Das schafft Übersicht. Auch die Busse und Effektwege lassen sich benennen und farbig kodieren.

midas mr18

Master Bereich des MR18

Der Master-Bereich eines analogen Pults befindet sich bei kleineren Pulten in der Regel rechts oder bei größeren Pulten in der Mitte. Bei unserem virtuellen Software-Pult ist der Master-Bereich rechts angeordnet. Hier sind die DCA-Gruppen zu finden, werden die Busse und FX-Wege ausgewählt, befindet sich der Master Fader und auch weitere wichtige Systemfunktionen. Auch der Master-Kanal lässt sich mit einem EQ bestücken sowie einem Kompressor. Gleiches gilt für die Busse. Ebenfalls hier zu finden ist die Szenenverwaltung. Wie es sich für ein Digitalpult gehört, sind alle Einstellungen speicherbar. Sehr einfach lässt sich das über die Snapshot-Funktion bewerkstelligen. Auch Copy und Paste gehört zu den hier anzutreffenden Werkzeugen.

Midas MR18-Test-Meters

Die Metering-Seite zeigt alle Ein- und Ausgangspegel im Überblick an

Routing

Sehr umfangreich sind die Routing-Möglichkeiten des Midas MR18. Hier kann man sich unter Umständen ordentlich verzetteln, wenn man nicht aufpasst. Alle Ein- und Ausgänge sind in einer zweidimensionalen Matrix angeordnet. Hier können nun Eingänge, Ausgänge, USB-Sends, Ultranet-Signale, Aux Outs und Main Outs gepatcht werden. Netterweise hat Midas die Möglichkeit vorgesehen, Routings zu speichern und zu laden. So kann man, sollte man sich verfahren haben, einfach ein Standard-Routing laden, ohne gleich eine komplette Szene laden zu müssen, die dann wieder alles überschreibt.

Midas MR18-Test-Routing

Das Routing-Menü des Midas MR18

Sends on Fader

Kommen wir zur dritten Möglichkeit, Send-Pegel auf den Bussen und Effektwegen einzustellen: Sends on Fader. Auch diese Funktion kennt man von den meisten Digitalpulten. Aktiviert man die „Sends on Fader“-Funktion, werden alle Kanal-Fader zu Send-Fadern für ihren jeweiligen Kanal. So kann der Mix auf einem Bus oder Effektweg genauso eingestellt werden wie der FoH-Mix. Das ist sehr praktisch, birgt aber auch die Gefahr, dass man versehentlich im falschen Modus ist und einen Mix verstellt, den man gar nicht bearbeiten wollte. Die Software des Midas MR18 besitzt deshalb die Möglichkeit, die einzelnen Busse und Effektwege farbig zu kodieren. Gibt man beispielsweise den Bussen die Farbe Rot, werden auch alle Umrandungen der Fader rot, sobald man einen Bus-Mix bearbeitet. So fällt eher auf, wenn man sich im „Sends on Fader“-Modus befindet.

Midas MR18-Test-Sends

Wählt man einen Bus an, können die Send-Pegel über die Kanal-Fader eingestellt werden (Sends On Fader)

Midas MR18 im Tonstudio

Aufgrund der guten Qualität der Preamps lässt sich das Midas MR18 auch als luxuriöses Interface im Studio einsetzen. Bei 16 Mikrofoneingängen, acht XLR-Ausgängen und einem weiteren Paar Line-Eingängen dürften kaum Wünsche offen bleiben. Schön ist, dass man den Monitor-Ausgang (Kopfhörerausgang) sehr frei konfigurieren kann. Dieser kann das Main LR-Signal führen, PFL Solo, AFL Solo, Aux, USB 17/18 und alle Busse. Somit kann man diesen auch als weiteren Bus zweckentfremden. Die MIDI-Schnittstelle ist zudem eine willkommene Zugabe für Keyboarder, die im Studio und auch auf der Bühne mit Software-Instrumenten arbeiten und nicht nur Masterkeyboards mit USB-Anschluss nutzen.

Midas MR18 und X-Touch

Wer doch lieber Fader als Pixel schubst, greift zum Behringer X-Touch Controller. Dieser lässt sich per Ethernet mit dem Midas MR18 verbinden und kontrolliert sämtliche Systemfunktionen. Auch die Scribble Strips des X-Touch Controllers führen die in der Software eingestellten Namen. So bekommt man echte Motor-Fader, LED-Displays, Buttons und Encoder. Für den X-Touch Controller gibt es von Drittanbietern Overlays für die Bedienelemente, damit man weiß, welche Funktion des Midas MR18 oder eines M32 Rack oder X32 Rack sich hinter welchem Bedienelement verbirgt. Das alles läuft sehr stabil und schon nach kurzer Eingewöhnung hat man das Gefühl, an einem echten Digitalpult zu sitzen.

WLAN

Aus der Erfahrung mit dem Behringer Pendant und nun auch im Testzeitraum mit dem Midas MR18 lässt sich sagen, dass es keine gute Idee ist, mit dem eingebauten WLAN Access Point zu arbeiten. Die Verbindung reißt ständig ab und muss neu aufgebaut werden. Schon kleinste Störungen  machen sich bemerkbar. Auch die Reichweite ist nicht sonderlich hoch. Insbesondere, wenn dann noch Kabel die Antenne verdecken, gibt es Probleme. Besser ist es, einen externen Router anzuschließen oder gleich den Laptop per Ethernetkabel mit dem Midas MR18 zu verbinden. So bleibt die Verbindung dauerhaft stabil.

Zum Abschluss: Messergebnisse

Natürlich hat mich die Performance der Midas Pro Vorverstärker interessiert. Über die Vor- und Nachteile gegenüber den in den Behringer-Varianten eingesetzten „Designed by Midas“-Vorverstärkern wird in Foren seit Langem diskutiert. Es soll Leute geben, die sich zwar ein Behringer X32 kaufen, dieses aber nur mit einer Midas Stagebox betreiben, um in den Genuss der Midas Preamps zu kommen. Da ich kein XR18 mehr besitze und ich mir nicht sicher sein kann, dass die X32 Vorverstärker identisch zu denen des XR18 sind, habe ich zumindest einige Messungen mit Fuzzmeasure vorgenommen. Gemessen wurde vom Eingang zum Ausgang.

Midas MR18-Test-Messaufbau

Messung im Looptest mit Fuzzmeasure vom Eingang zum Ausgang

Midas MR18-Test-Frequenzgang

Die Wandler sind äußerst linear. Für die kleine Anhebung oberhalb von 4 kHz muss man schon stark hineinzoomen

Midas MR18-Test-THD

Die Messung der harmonischen Verzerrungen des Midas MR18 zeigen durchweg gute Werte

Das Midas MR18 leistet sich hierbei keine Schwäche. Zoomt man in Fuzzmeasure weit in die Messung hinein, erkennt man eine leichte und sanft ansteigende Anhebung ab ca. 4 kHz. Diese beträgt aber selbst an ihrem Maximum noch nicht einmal +0,2 Dezibel, so dass sie zu vernachlässigen ist. Auch die Verzerrungswerte (THD) sind einwandfrei. Hier gibt es nichts zu meckern.

midas mr18

Fazit

Viel Digitalpult fürs Geld und wenig Platzbedarf, das ist das Fazit, das sich ziehen lässt. Für 649 Euro bekommt man ein Midas-Produkt, welches nicht nur „Designed by Midas“ ist, sondern eben „Made by Midas“. In meinem Test des Behringer XR18 habe ich damals bemängelt, dass der Netzschalter beim Rackeinbau nicht zugänglich ist. Daran hat sich auch bei der Midas-Variante nichts geändert.

Notieren wir das also als einzigen Minuspunkt und freuen uns über die vielen positiven Dinge, die uns das Midas MR18 beschert. Wer etwas Geld sparen möchte, greift zur Schwester Behringer XR18, die bis auf die Vorverstärker identisch ist und aktuell 404,- Euro kostet.

Wer mehr benötigt oder später ausbauen möchte, kauft besser das Behringer X32 Rack für 749,- Euro. Per AES ließen sich hier später die besseren Midas Preamps in Form einer Stagebox nachrüsten, sofern man das denn will und für nötig hält.

Plus

  • gute Verarbeitung
  • tolle Klangqualität
  • viele Funktionen der X32/M32 Serie
  • gute Effekte
  • MIDI I/O
  • Ultranet
  • integriertes 18/18 USB-Interface
  • vielseitige Routing-Möglichkeiten

Minus

  • Netzschalter nach Rack-Einbau nicht zugänglich

Preis

  • 649,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Monoteur  

    Der Unterschied zu den Behringer und Midas ist in Studioumgebungen auf jeden Fall hörbar, aber ich bezweifele, ob man das auch Live hört.
    Seit iOS 13 kann man aber Behringer und Midas Mixern nicht mehr vom iPad steuern, weil die App bei den kleinsten Editversuchen abstürzt. Laut Behringer Support soll da jemand daran arbeiten, aber wie viele Monate muss man eine App überarbeiten, damit sie unter iOS 13 funktioniert?

    • Profilbild
      Joerg  

      Nennt mich altbacken, vergreist oder einen Steinzeitmenschen, aber ich kann mit all diesen digitalen Mixern und ihren Bedienungskonzepten nichts anfangen. Nicht, dass ich die kategorisch ablehne; habe einige Geräte sozusagen vorab „studiert“ (Bedienungsanleitungen, Youtube etc. – will ja nicht wie der Eskimo übern Ölofen reden…), aber ich brauch Regler, will ziehen direkt und dann ein Ergebnis hören.
      Und nicht erst durch Menüs scrollen, am Gerät oder PC, Tablet oder gar (noch schlimmer) Handy und hoffen, dass die Verbindung hält und die Software steht wie eine Eins während des Betriebes.
      Ich weiß ja, es gibt einige Vorteile (aber beider Welten !), die derjenige, der sie in Anspruch nimmt, nicht mehr missen will bei den Digitalen
      Aber dennoch: ich brauchs direkt. Ohne anschliessen, lernen und hoffen….

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Hi,
      ich habe den Test mit iOS13 gemacht. Keine Abstürze! Was aber zu verzeichnen ist, das war aber damals bei meinem XR18 auch schon so, ist ein häufiger Verlust der WLAN-Verbindung, egal ob per internem oder externem Router. Stellt man aber die Verbindung zu einem Rechner per Cat5 her, läuft alles stabil. Das könnte natürlich auch mit iOS13 zusammenhängen. Ich bin aber sowieso eher der Freund von festen Verbindungen, wenn ich schon keine Bedienelemente mehr habe. Und richtig cool ist halt die Arbeit mit MR18 und X-Touch. Der X-Touch hängt auch an meinem X32 Rack.

  2. Profilbild
    camarillobrillo  

    Schade, dass ein direkter Vergleich zum XR18 nicht möglich war. Ich selbst hatte beim Wechsel vom XR18 auf das MR18 im April 2017 ein paar Tage beide Geräte und konnte da ganz gut vergleichen. Aufgefallen ist dabei das bei hohem Gain deutlich geringere Rauschen der MR18 Preamps im Vergleich zu den XR18 Preamps. Das war hör- und messbar.
    Unbestritten, weil auch dokumentiert, ist der höhere Ausgangspegel des MR18. Bei gleicher Ausgangsfadereinstellung kommt also mehr Signal aus dem MR18 als aus dem XR18. Das wiederum machte sich in meiner gesamten Signalkette ebenfalls deutlich bemerkbar, nämlich wieder durch hörbar geringeres Rauschen bei gleicher Lautststärke.
    Gibt es auch einen *klanglichen* Unterschied? Vom Bauchgefühl her ja, belegen kann ich das allerdings nicht ;-)
    Ein weiterer Punkt ist, das den Midas Pro Preamps auf den Pro Konsolen nachgesagt wird, dass sie sehr angenehm klingen, wenn sie in Richtung Sättigung gefahren werden. Die großen Konsolen können daher den analogen Gain und zusätzlich einen digitalen Trim getrennt von einander einstellen. Letzteres geht beim MR18 nicht, kann aber ggf. mit einem DCA simuliert werden. Bestätigen kann ich aber, dass ich nahe der Sättigung einige Synthklänge sehr angenehm aufhübschen konnte. Ob das mit dem XR18 genau so funktioniert hätte, weiß ich allerdings nicht, da mein XR18 dann schon verkauft war.

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Leider habe ich beim damaligen Test des XR18 keine Messungen gemacht. Hätte das sehr gerne mal verglichen.

  3. Profilbild
    camarillobrillo  

    Traurig macht allerdings die Update-Politik beim MR18: Es wurde nach Markteinführung nur ein einziges Bugfix-Update geliefert, das zwei Kleinstprobleme löst.
    Die früher bereits als möglich angedeuteten funktionalen Updates sind in den letzten 2,5 Jahren ausgeblieben. Gesprochen wurde da von Behringer-Seite von Output-Delay und evtl. ein Feedbackkiller oder gar Matrixbusse. Alles Funktionen, die gerade auch in Hinblick auf die mittlerweile größere Konkurrenz z.B. durch die Ui-Mixer als zeitgemäße Basisfeatures angesehen werden können. Die Output-Delays haben die Behringer-Entwickler nach eigener Aussage bereits vor langer implementiert. Es fehlt „lediglich“ an Resourcen, um die Apps anzupassen…

    Neue FX Plugins, die laut Behringer/Midas-Werbung schon für das XR18 und später dann für das MR18 in Aussicht gestellt wurden und weiterhin werden, hat es seit Markteinführung des XR18 in 2015 weder für das XR18 noch das MR18 gegeben.

    Ich fürchte also, dass das MR18 in keiner Weise mehr weiter gepflegt wird. Eine Kaufentscheidung zu Gunsten des MR18 fiele mir daher aktuell schwer (und ich mag die Dinger, habe sogar 2 davon…).

    Vermutlich haben die sich einfach zu sehr auf die Synthesizer fokussiert ;-)

    • Profilbild
      Markus Galla  RED

      Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass da noch was kommt. Niemand hätte mit dem 4.0 Update für das X32 direkt zur Vorstellung von Wing gerechnet. Und beim X32 wurden seit 2.0 ja auch eher Bugs korrigiert. Es könnte also sein, dass da noch was kommt. Was man eventuell überlegen muss, ist, ob sich ein Kauf des MR18 lohnt, weil das besser ausgestattete X32 Rack in unmittelbarer Nähe ist. Natürlich mit anderen Vorverstärkern, aber: Man könnte ja später eine Midas-Stagebox dranhängen, wenn man ohnehin das Pult per AES50 erweitern möchte.

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        camarillobrillo  

        Ja, richtig. Ich denke, dass ein X32 Rack in fast allen Fällen die bessere Wahl wäre. Nur wenn wirklich sicher ist, dass die Kanäle des MR18 reichen und es auch um das Gewicht im Rack geht – wie bei mir – würde ich das MR18 vorziehen.
        Bei den aktuellen Preisen fiele es mir allerdings auch schwer, den Aufpreis gegenüber dem XR18 zu rechtfertigen. Da bin ich froh, das ich meine MR18s noch gekauft habe, als die Differenz bei nur ein paar Euros lag ;-)

      • Profilbild
        camarillobrillo  

        Achso, zu den Updates: Ich *hoffe* natürlich auch, dass nach dem 4.0 Update des X/M32 nun etwas für das XR/MR18 kommt. Ich *glaube* nur nicht daran ;-)

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