Test: the t.mix DM 20, Digitalmischpult

18. August 2017

Smart mischen

Unter der Hausmarke the t.mix vertreibt das Musikhaus Thomann vorwiegend günstige Kleinmixer. Mit dem t.mix DM 20 ist nun zum ersten Mal auch ein Digitalmischpult erhältlich. Wie sich die Neuvorstellung schlägt, werden wir auf den folgenden Seiten sehen.

the t.mix DM20

Erstkontakt

Natürlich schraubt da nun nicht die Technikabteilung in Burgebrach den DM 20 zusammen, sondern er wurde wie üblich in Asien eingekauft und entsprechend umgelabelt. Tatsächlich steckt der chinesische Hersteller Soundking hinter der Entwicklung. Dieser bietet das Pult auch unter derselben Typenbezeichnung an. Hier in Deutschland ist das Original nur über den Umweg über einen Versender aus der Slowakei zu beziehen, allerdings zu einem deutlich höheren Preis als das the t.mix Pendant.

Thomann versucht den Hersteller erst gar nicht zu verbergen, so taucht direkt beim Einschalten kurz das Soundking Logo auf, bevor der the t.mix Schriftzug erscheint.

Das Hersteller Logo

Hier verharrt der Bildschirm allerdings unverhältnismäßig lange, ganze 47 Sekunden (Hand gestoppt) vergehen, bis das Pult betriebsbereit ist. Das ist eindeutig zu lang.

Eine iPod App ist zur Steuerung verfügbar, soll hier aber explizit nicht getestet werden, da sich das DM20 durch die haptischen Bedienelemente bewusst von den rein Tablet gesteuerten Lösungen abheben möchte.

In- und Outputs, Verarbeitung

Fangen wir zunächst mit Materialien und Verarbeitung an. Die Pultoberfläche besteht aus dunkelgrauem Kunststoff, die Unterschale aus demselben Werkstoff ist silbern eingefärbt. Die Stromversorgung erfolgt extern, das zugehörige 12 Volt Netzteil kann durch einen Kabelclip vor dem Herausrutschen gesichert werden.

Der 7“ Touchscreen des t.mix DM 20 bietet eine Auflösung von 1024 x 600 Bildpunkten. Er lässt sich entweder flach in die Oberfläche integrieren oder um ca. 20° hochklappen.

Klappbares Display

Die Plastikteile des t.mix DM 20 machen nicht den hochwertigsten Eindruck, gerade der Unterbau hätte durchaus gerne aus Stahlblech gefertigt werden dürfen.

Bedient wird das t.mix DM 20 über den Touchscreen und ein großes gerastertes Endlospoti, das allerdings einen etwas schwammigen Eindruck hinterlässt. Deutlich besser schneiden hier die 100 mm Alps Motorfader und die gummierten, hintergrundbeleuchteten Taster ab.

Die Bedienoberfläche

Auch die Ein- und Ausgangsbuchsen weisen eine gute Qualität auf, hier wurden vorwiegend Komponenten des Herstellers Neutrik verbaut.

12 Mikrofoneingänge sind beim t.mix DM 20 vorhanden, wobei die Inputs 9 – 12 mit Kombibuchsen arbeiten. Hier können also auch Instrumente per Klinke angeschlossen werden, eine Hi-Z Funktion gibt es allerdings nicht. Die restlichen Kanäle verteilen sich auf 4 Stereoeingänge, 2 analoge Paare, S/PDIF und USB auf der digitalen Seite, 20 Inputs also insgesamt.

Zugänge auf der Oberseite

Auch bei den Ausgängen des t.mix DM 20 wurde nicht gespart. 8 analoge XLRs sind vorhanden, hier können die Busse und der Main Out frei zugewiesen werden. Ein Monitor Out Klinkenpaar und der Kopfhörerausgang führen das Main- oder wahlweise das PFL-Signal. Digital bietet des DM 20 einen parallelen S/PDIF- und AES/EBU-Ausgang und den USB Out. Hierauf können alle Stereoausgänge geroutet werden. Ein zweiter USB-Steckplatz ist schon ab Werk mit einem WiFi-Stick bestückt.

Alle Eingänge, Kopfhörerausgang mit Lautstärkepoti und die digitalen Anbindungen sind auf der Oberseite gut zugänglich, auf der Rückseite sind die XLR-Ausgänge und der Monitorausgang gelandet.

Ein Wort noch zur beiliegenden Bedienungsanleitung des t.mix DM 20. Die informiert auf 36 DIN A5 Seiten recht genau und gut gegliedert über das Produkt, ist aber nur in Englisch verfügbar. Online hat Thomann inzwischen auch eine deutsche Anleitung bereitgestellt, sehr gut.


Inputs 

Beginnen wir hier mit den Inputs. Die Bearbeitungen sind in fünf Blöcke gegliedert. Block 1 ist die Input Stage Subpage. Hier wird für die Monokanäle das Gain von -20 bis +50 dB eingestellt, ein Phasendreher ist auch vorhanden. Es folgt ein Delay bis 200 ms und ein durchstimmbarer Low Cut. Mit Insert kann eines der acht verfügbaren Effektmodule eingefügt werden.

Die Input Stage Subpage

In den Stereokanälen nennt sich das Gain Trim und arbeitet von -20 bis +20 dB. Die Verzögerungsfunktion entfällt, vorhanden sind der Low Cut und die Insert-Möglichkeit. Auch die Phasendrehung eines Kanals ist möglich, flankiert von der Summierung, die ein Monosignal erzeugt.

Die nächste Einheit, die EQ Subpage, besteht aus einem 4-Band EQ. Er ist vollparametrisch als Glockenfilter ausgelegt, eine Schaltung der äußeren Bänder als Kuhschwanz ist nicht möglich. Für den tiefen Bereich ist das zu vernachlässigen, es ist ja immerhin ein Low Cut vorhanden, für die Höhen wäre das aber schon schön gewesen.

EQ Subpage

Block 3 bietet pro Kanal eine vollständig parametrisierte Gate- und Kompressor-Einheit und nennt sich folgerichtig Dynamics Subpage. Beide Prozessoren sind separat einzuschalten, zusätzlich ist ein zentraler Bypass vorhanden.

Es folgt die Bus Send Subpage. Hier wird das Signal auf acht Busse geleitet. Die ersten vier sind mono, die Busse 5 – 8 sind stereo ausgelegt und bieten einen Panoramaregler. Jeder Bus ist PreFader oder PostFader schaltbar und das pro Input-Kanal. Die Busse werden für Monitor oder Effektzuweisung benutzt. Dafür können sie jeweils zwei der zur Verfügung stehenden Prozessoren einschleifen.

Die Bus Send Subpage

Die Output Stage Subpage bietet mit Kanalfader, Solo und Mute drei Funktionen, die auch bequem direkt haptisch am Kanal erreichbar sind. Das Meter löst natürlich genauer auf als die LED-Anzeige neben dem Kanalfader, aber mit acht LEDs lässt sich da auch gut arbeiten. Allein die Panoramaregelung ist nur hier zu realisieren, ansonsten hätte man sich diese Unterseite glatt sparen können.

Die Output Stage Subpage

Die Kanäle 1 – 8 und 9 – 20 lassen sich über Auswahl-Buttons auf die acht Motorfader legen.

Busse

Die dritte Bank des t.mix DM 20 ist den acht Bussen vorbehalten. Die ersten vier Busse sind mono ausgelegt, die nächsten vier arbeiten in Stereo. Jeder Bus bietet zwei Slots für die Effektmodule und den aus den Inputs bekannten Vierband-EQ. Pro Eingangskanal lassen sich nun die Busse getrennt ansprechen und sogar jeweils separat pre oder post schalten. Auch eine Zumischung zur Stereosumme ist möglich. Zusätzlich lassen sich die vier Monobusse auch wieder zu den Stereobussen schicken. Die beiden digitalen Stereoeingänge lassen sich übrigens nur auf die Stereobusse routen. Verwirrt? Nun, zusätzlich muss man auch pro Kanal immer darauf achten, dass die gewünschten Busse auch aktiviert sind.

Auch die Busse bieten eine Ausgangsseite, sie entspricht in Form und Funktionsumfang der Output Stage Subpage der Eingänge.

Die Busse lassen sich auf die Ausgänge patchen. Als Default-Einstellung sind Out 1 – 4 mit den Monobussen belegt, 5 und  6 bedienen den Stereobus 5, Out 7/8 und die digitalen liefern das Summensignal. Auf drei Custom-Plätzen lassen sich hier auch eigene Belegungen abspeichern.


Sends

Die vierte Belegung der acht Motorfader erfolgt über den Sends Button. Ist einer der beiden Eingangsblöcke ausgewählt, kann ein Eingangskanal mit Select ausgewählt werden, nun wird Sends gedrückt und die Fader stehen für die Buspegel zur Verfügung. Das ist recht praktisch, so ist pro Eingang z.B. schnell ein Monitorsignal eingestellt, ohne über Touchscreen und Encoder-Poti gehen zu müssen.


Output

Die Seite des Masterausgangs wird durch Drücken des Select Buttons neben dem zugehörigen Fader erreicht. Hier finden sich zwei Insert Möglichkeiten und wieder der 4-Band EQ.

Darunter werden die Fader-Einstellungen aller Ein- und Ausgänge angezeigt. Der dritte Block informiert über Fader, Panorama, Solo und Mute des Main Outs und beinhaltet natürlich auch eine Pegelanzeige.

Einen Großteil des Displays nimmt die Pegelmessung ein, die alle Ein- und Ausgänge übersichtlich darstellt.


Verwaltung

Nun befinden wir uns in den Setup-Seiten, die über den entsprechenden Button aufgerufen werden. Hier treffen wir auf Infos über die Systemversion und Seriennummer, die evtl. vergebene IP-Adresse und den Szenenname. Ausgewählt werden kann die Sample Rate, die Werteanzeige der Delay Unit und die Helligkeit des Displays. Auch auf der Setup Page finden sich die Weiterleitung zur Maintenance Page für einige Verwaltungsaufgaben und die Einstellung der Wi-Fi Verbindung.

Überraschend ist eine Crossover-Funktion. Hier kann der Bus 8 dazu benutzt werden, den Bassanteil der Summe auszugeben. Die Frequenz kann von 40 bis 300 Hz gewählt werden und arbeitet mit einer Steilheit von 24 dB/Oktave. Gleichzeitig lässt sich die Summe von den Bassanteilen befreien, auch hier ist das Filter im selben Frequenzbereich durchstimmbar.

Auf der Patch Page werden die Ausgänge zugeordnet. Neben dem nicht veränderbaren Default Mode sind hier die drei Custom-Einstellungen anzulegen.

Die Patch Page

Forum
  1. Profilbild
    Ralph Schloter  

    Danke Armin für deinen schönen Test. Ich dachte erst du hättest die technischen Daten unterschlagen, aber beim Blick ins Manual habe ich gesehen, dass dort nicht die geringsten Angaben über Frequenzgang, Rauschabstand oder gar Jitter zu finden sind. Da hilft wirklich nur ausprobieren und im Zweifel zurückschicken.

  2. Profilbild
    philbmc

    Im November 2018 kam eine Android App raus – seit gestern 6.6.2019 – ein Update mit kleineren Verbesserungen. Endlich kann man den Mixer nun auch unter Android per Tablet steuern/mischen…

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