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Tourbericht: Beatles Revival Band 2023, Musik, Equipment, Interview

Weltberühmte Hits perfekt interpretiert

26. Oktober 2023
 Beatles Revival Band Mitglieder

Oli (von links), Claus und Chris sind die Frontleute der Beatles Revival Band

Kein Geringerer als Ringo Starr von den Beatles bot der Band 500.000 DM, damit sie ihre Instrumente wieder einpacken und die damalige Plattenfirma der Fab Four wollte die Verwendung des Namens wegen „arglistiger Täuschung der Fans“ gerichtlich verbieten lassen. Was war passiert? Vier Musiker aus Hessen sind 1976 nach Auflösung der echten Beatles als „The Beatles Revival Band“ in die Rollen der vier weltberühmten Gesichter aus Liverpool geschlüpft und brachten mit ihren Auftritten Zuhörer und Fachpresse ins Schwärmen. Das ging sogar so weit, dass das Jugendmagazin BRAVO erklärte, die Beatles Revival Band könne die Beatles-Hits live vermutlich besser spielen als John, Paul, George und Ringo selber. Was für ein Lob!

Nach über 3.000 Konzerten und mehr als 100 TV-Auftritten reiht sich auch heute noch eine Show an die andere im Tourplan der hessischen Band. Allerdings längst nicht mehr in der Gründungsbesetzung. Aktuell besteht die Formation der Beatles Revival Band aus Claus Fischer (George Harrison), Oliver Bick (Paul McCartney), Chris Tucker (John Lennon), Peter Zettl (Ringo Starr) – und dem Keyboarder Fritz Heieck.

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 Beatles Revival Band auf der Bühne

Performen auf der Bühne richtig gut: The Beatles Revival Band

Zum Usinger Laurentius Markt (Herbst 2023) machte die Band im Hochtaunuskreis halt. Für mich als Usinger Bürger Grund genug, für das Musiker-Magazin AMAZONA.de den überragenden Auftritt im großen Festzelt zu verfolgen. Dabei konnte ich das Equipment der fünf Musiker in Augenschein nehmen, die Beschallungsanlage näher betrachten und mit den symphatischen Bandmitgliedern ausführliche Gespräche führen.

Der Usinger Laurentius Markt mit der dazugehörigen Laurentius Kerb ist das größte Volksfest im Usinger Land und ein Besuchermagnet. Jahr für Jahr ziehen an den Festtagen Besucher aus vielen umliegenden Regionen in die über 1200 Jahre alte „Buchfinkenstadt“ Usingen im südhessischen Hochtaunuskreis.

Equipment der Band vorgestellt

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Palmer Pocket Amp MK2 Guitar Preamp
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Einige Stunden vor dem Auftritt der Beatles Revival Band bin ich bereits unterwegs in Richtung Festzelt. Als ich dem Ort des Geschehens näher komme, sind bekannte Klänge zu hören, die immer wieder unterbrochen werden. Die Band ist mitten im Soundcheck, das Zelt ist zu dieser Zeit für die Öffentlichkeit geschlossen – nicht für mich. Geduldig warte ich ab. Nach dem Soundcheck und bis zum Auftritt der Vorgruppe bleibt mir genügend Zeit, auf der Bühne das Equipment der Musiker näher zu betrachten.

Die Bühne der Beatles Revival Band

Gute PA und gute Lichtanlage: Bühne der Beatles Revival Band im Usinger Festzelt

Am Mischpult steht Florian Hausmann, Inhaber der Firma P.A.L. Showtechnik in Nidda (Hessen). Er ist an diesem Abend für den Sound der Bands verantwortlich, schließlich gibt es noch eine lokale Vorgruppe. Florian ist mit mehreren Mitarbeitern vor Ort, einer von ihnen ist Dominik Berkhahn, der die Lichtinszenierung in den Händen hat.

Claus Fischer verkörpert George Harrison und spielt hauptsächlich eine Gretsch Country Gentleman, eine Epiphone Casino und eine 12-saitige Rickenbacker. Als Bodeneffekte nutzt er Overdrive, Verzerrer, Chorus und ein Delay. Zur Zeit spielt er direkt ins Pult, wie er mir verrät, und zwar über den Palmer Pocket Amp MK2. „Man wird ja nicht jünger und ein alter Vox AC30 ist nicht unbedingt rückenschonend“, lacht Claus.

verschiedene Gitarren und Bässe

Das Handwerkszeug von Oli und Claus

Und Claus weiter: „Der Palmer Pocket Amp ist nicht digital, sondern analog und klingt richtig gut. Mit Palmer sind wir seit jeher verbunden, da Martin Schmitz damals unsere Vox Verstärker gewartet hat. So gehörten wir schon immer mit zu den Ersten, die die neuesten Palmer Produkte hatten. Zum Beispiel den legendären Speaker-Simulator mit Power-Load. Keith Richards hatte einen, Eddy van Halen hatte einen und wir natürlich auch.“

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Valeton Dapper Mini 4 Effect Strip
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zwei Bodeneffekte

Links im Bild: Palmer Pocket Amp MK 2

Chris Tucker hat in der Band die Rolle von John Lennon übernommen. Um den Originalsound der Beatles so gut wie möglich zu transportieren, ist es für Chris wichtig, sich möglichst nahe am Originalequipment von John Lennon zu orientieren.

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Chris: „Für die Songs der frühen Schaffensphase der Beatles benutze ich eine Rickenbacker 350, wie John Lennons Rickenbacker 325, allerdings mit Standardmensur. Für die späteren Songs spiele ich entweder eine Epiphone Casino Coupe, mit einem etwas kleineren Korpus als die normale Epiphone Casino wie sie John Lennon spielte, oder eine Epiphone ES339, da sie in der Live-Situation weniger kopplungsanfällig ist. Als Akustikgitarre benutze ich eine Epiphone EJ-160E John Lennon Signature. Mein Amp ist normalerweise ein alter VOX AC30 von 1964, allerdings benutzen wir in letzter Zeit aus logistischen Gründen auch immer öfter Palmer Pocket Amps, die den Frequenzgang eines Verstärkers hervorragend nachbilden können und über DI-Output direkt ins Pult gehen.“

Zwei der Gitarren, die Chris auf der Bühne einsetzt

Das satte Fundament und die tiefen Töne der Band liefert Oliver Bick aka Paul McCartney. Wie es sich für den passenden Sound gehört, spielt Oliver einen alten Höfner Beatles Bass und einen 73er Rickenbacker 4001. Oliver: „Einfach deshalb, weil es am originalsten klingt, wenn ich die Original-Instrumente benutze.“

Bassist Oli

Oliver mit seinem Höfner Bass

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Höfner HCT-500/1-SB Contemporary
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Fehlt noch Peter Zettl, der als Ringo Starr für das perfekte Timing an den Drums sorgt. Peter benutzt zwar die gleichen Trommelgrößen wie Ringo, spielt aber nicht Ludwig, sondern ein Set von Sonor Drums.

Peter: „Mit Sonor habe ich einen Deal und spiele die auch schon mein ganzes Trommlerleben lang. Mein Set, ein Sonorlite Maserbirke aus den 80ern mit gekürzten Kesseln, ist mit Ringos Originalfinish bezogen – Black Oyster. Es sieht also ziemlich genau so aus wie das Original. Die Becken, die ich bei der Revival Band benutze, sind Paiste 16″ 2002 Black Big Beat HiHat und ein 18“  und 20“ Becken aus derselben Serie. Die passen vom Sound wunderbar. Paiste spiele ich auch schon mein ganzes Leben lang und habe auch seit vielen Jahren einen Deal mit ihnen.“

Ein Schlagzeug

Das Drumset von Peter

Und da gibt es doch noch einen, ja klar, Fritz Heieck. Er unterstützt die Band mit Keys und Vocals. Ursprünglich war Fritz Produzent für die Gruppe, seit 2006 steht, beziehungsweise sitzt er als festes Bandmitglied auf der Bühne. „Ich wurde gefragt, ob ich ab und zu als Keyboarder aushelfen kann, daraus ist mittlerweile ein steady Job geworden“, klärt mich Fritz auf.

Ein Keyboard

Der Arbeitsplatz von Fritz

Fritz: „Ich spiele derzeit ein Arturia KeyLab 88 Masterkeyboard, einen Grand Piano XXL Expander von V3Sound und ein Macbook Pro mit Native Instruments Kontakt. Der Kontakt-Sampler bietet mir die Möglichkeit, für jeden Song die authentischen Sounds und Samples zusammenzustellen und auf meine 88 Tasten zu verteilen, wobei bei manchen Stücken der späteren Beatles-Ära bis zu acht verschiedene Sounds zum Einsatz kommen, natürlich alle live gespielt.“

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Gitarrist mit Gitarre

Claus mit seiner 12-saitigen Rickenbacker

Musik der Beatles begeistert auch Jüngere

Bis zum „Doors Open“ ist es nicht mehr lange, draußen vor dem großen Festzelt versammeln sich die Gäste. Wer jetzt denkt, die Musik der Beatles sei nur etwas für ältere Semester, der irrt gewaltig. Am Abend hat sich auch die Jugend im Zelt breitgemacht, um den Auftritt der Revival Band zu feiern.

Nach der Support-Band ist die Vorfreude des Publikums deutlich zu spüren. Dann platzt der Knoten und die Beatles Revival Band eröffnet mit A Hard Day’s Night. Schlag auf Schlag geht es weiter mit den weltberühmten Hits der Fab Four wie Please Please Me, From Me to You, You Can’t Do That und If I Needed Someone. Wie in den Anfangsjahren der echten Liverpooler aus den 60ern stehen die vier Alter Egos stilecht gekleidet auf der Bühne. Dazu gehören dunkle Anzüge, weiße Hemden und schmale Kravatten.

 Beatles Revival Band

Das erste Set der Beatles Revival Band erweckt die älteren Songs der Fab Four zum Leben

Die Musik im ersten Set, das sich an den frühen Live-Aufritten der Beatles orientiert, ist gitarrenlastig und mit perfektem mehrstimmigen Gesang. Von daher ist für Fritz an den Tasten noch nicht viel zu tun. Da gibt es einzelne Töne bei Eight Days a Week zu spielen, hier und da mal ein Tambourin oder die Cowbell. Act Naturally ist seitens des Gesangs logischerweise Aufgabe von Drummer Peter. Und komplett auf seine Sticks verzichtet Peter, wenn er mit den Händen den Kuschel Song And I Love Her begleitet.

Keyboarder Fritz

Zu Beginn des Konzerts liefert Keyboarder Fritz hauptsächlich die Sahnehäubchen der Songs

Das letzte Stück im ersten Set ist eins der meist gecoverten Lieder überhaupt, verkündet Chris dem begeisterten Publikum, dann verschwinden er, Peter und Claus. Zurück auf der Bühne bleiben Oli und Fritz, als mit Yesterday im Kuschelrock-Stil das erste Finale des Abends eingeläutet wird.

Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band

 Beatles Revival Band in farbigen Outfits

Jetzt kommt in der Kleidung mehr Farbe ins Spiel

Nach einer kurzen „Umziehpause“ wird es farbenfroh. Die Musiker tragen nun die entsprechenen Outfits, die die meisten bestimmt vom Titelbild des Beatles Album Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band kennen. Damit wird die spätere Phase der Beatles eingeläutet, die vor allem die Studioaufnahmen betrifft. Als Opener gibt es With a Little Help From My Friends – die Zuschauer gehen direkt wieder voll mit. Lucy In The Sky With Diamonds, Penny Lane oder Come Together sind weitere Ohrwürmer, die das Publikum wie auch im ersten Set mit gebührendem Applaus honoriert.

Begeistertes Publikum

Das Publikum ist sichtlich begeistert vom Auftritt der Beatles Revival Band

Als B-Seite des Nummer-1-Hits Hello, Goodbye bekannt ist I Am the Walrus. Hier gibt es einen Ausflug in die Moderne. Chris bereitet das Publikum vor: „Was wäre, wenn John Lennon noch leben würde und er diesen Song beim Glastonbury Festival performen würde.“ Gesagt, getan, der Kapuzenpulli kommt zum Einsatz, Chris klettert über die Absperrung beim Publikum und nimmt bei diesem Titel singend ein Bad in der Menge. Am Ende sind es Lieder wie Get Back, Sgt. Pepper/The End und als Zugaben Yellow Submarine und Hey Jude, die den Auftritt der Beatles Revival Band in Usingen zu einem nachhaltigen Erlebnis für das zahlreiche Publikum werden lassen.

Chris von der Beatles Revival Band beim Publikum

Chris mach einen Ausflug in die Neuzeit

Noch in der Nacht fährt die Band an den Tegernsee, wo die fünf Musiker tags drauf bei der Firmenfeier einer bekannten Werbeagentur mit ihren perfekten Interpretationen der Beatles sicher ein weiteres Mal begeistern werden.

Interview mit den Musikern der Beatles Revival Band

Peter Ludl: Ihr seid bereits seit 47 Jahren unterwegs. Wie schafft man es, dass eine Band so lange Bestand hat? Da hat es doch bestimmt viele Wechsel gegeben? Gab es markante Krisen?

Claus: Letztlich haben wir unser langes Bestehen der Tatsache zu verdanken, dass es uns gelungen ist, alte Fans zu behalten und neue Fans dazuzugewinnen. Das funktioniert aber nur, wenn man die Qualität hält. Es gab diverse Wechsel. Ich selbst bin seit 1983 ununterbrochen dabei. Eine Krise hatten wir, als Gregor, der seit 1980 die Rolle von John Lennon inne hatte, krank wurde. Danach hat es Christian, den Drummer, erwischt. Das war ein harte Zeit. Robby hat irgendwann entschieden, in Rente zu gehen, da seine Stimme der Beanspruchung als McCartney nicht mehr gewachsen war. Ich hatte aber das Glück, Oli und Chris zu finden. Fritz ist ohnehin ein Geschenk Gottes.

ein Sänger

Oli: Eine Band über lange Zeit zusammenzuhalten, ist sehr schwierig, selbst die Beatles gab es ja nur relativ kurze Zeit. Im Grunde sind wir jetzt die dritte Formation. Geeignete Nachfolger zu finden, ist sehr schwierig, da man für jede Position einen Spezialisten braucht. Beispielsweise muss die Besetzung des Paul McCartney nicht nur Bass spielen und singen können, sondern vor allem auch beides gleichzeitig. Das ist bei den Basslines von Macca nicht so einfach. Zudem braucht er auch eine hohe, klare Stimme.

Peter Ludl: Was zeichnet euch als Tribute-Band ganz besonders aus?

Claus: Das Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir die erste Revival Band überhaupt waren. Sozusagen die Pioniere des Revival. In den 90ern tauchten plötzlich weitere Bands auf, die sich auf eine einzige Band spezialisiert hatten. Vorher gab es nur uns, die Strandjungs und eine Glenn Miller-Revival Band. Seit 1978 gab es zudem in den USA ein Beatles-Musical. Die haben von uns durch den englischen Melody Maker erfahren. Und wie die Amerikaner so sind, wollten sie natürlich noch einen obendrauf setzen. Sie hatten vorher versucht, die Kollegen der Ur-Besetzung zu rekrutieren, die das aber abgelehnt haben, schon allein, weil man die Band trennen wollte, um das Musical an zwei Orten gleichzeitig aufführen zu können. Das hat den Jungs nicht geschmeckt. Außerdem verstand sich die BRB immer als „richtige“ Band, der es um die Musik ging und nicht darum, so zu tun, als sei man die Beatles. Das war eher eine Interpretation der Medien.

Oli: Die meisten Tribute-Bands versuchen, nicht nur so zu klingen wie die Originale, sie versuchen auch so auszusehen. Das war nie unser Ding. Klar haben wir die bunten Sgt. Pepper-Kostüme an, de facto war die BRB auch hier Vorreiter, aber wir machen uns keine Pilzkopffrisuren oder versuchen bei Ansagen so zu sprechen wie die Originale. Wir sind nach wie vor wir selbst und haben dadurch eine unvergleichbare Fannähe. Nicht umsonst hatte die Beatles Revival Band immer auch ihre eigenen Fanclubs. Eine große Zeitung hat mal geschrieben, wir seien das zweitbeste Original. Das wollen wir auch bleiben.

Peter Ludl: Nach welchen Kriterien habt ihr euch die jeweiligen Rollen in der Band ausgesucht / zugeteilt?

Claus: Ausschließlich aufgrund der musikalischen Fähigkeiten. Allein jemand zu finden, der singt und gleichzeitig Bass spielt, ist nicht gerade leicht. Viele Titel haben die Beatlles ja nie live performt. Allein Penny Lane ist eine echte Herausforderung. Der Schlagzeuger muss ebenfalls singen können. Bei mir, als echter George-Fan, war es natürlich naheliegend, dass ich mich für diese Position beworben habe. Wichtig ist natürlich, dass die Stimmfarbe passt. Einen Joe Cocker als Lennon einzusetzen, würde nicht wirklich funktionieren.

Oli: In der Regel waren das die Instrumente. Peter (Ringo) kann keinen Paul machen logischerweise. Bei Chris (John) und mir (Paul) ist es aber auch eine Frage der Attitüde, das passt einfach zu den Songs, so wie es ist.

Peter Ludl: Was sind eure musikalischen Backgrounds? Studium der Musik? Autodidakt? Gezwungen worden (zwinker smiley)?

Claus: Meine Mutter hat immer Musik gehört. Ich habe auf Badezimmerhockern dazu getrommelt. Eine klassische Win-Win-Situation. Ich hatte was zu tun und sie konnte ihre Dinge erledigen. Dadurch habe ich ein sehr gutes Timing entwickelt und wollte eigentlich Schlagzeuger werden. Es war aber kein Geld da. So habe ich mir dann für 27,50 DM bei Hertie eine Gitarre gekauft. Mein Vater, der früher selbst Musiker war, hat mir Unterricht gegeben.

Fritz: Klassisches Musikhochschulstudium mit Kontrabass und Klavier.

Oli: Chris und ich sind Autodidakten. Keiner von uns kann Noten lesen oder hat eine musikalische Ausbildung. Wir haben uns da immer auf unser Gehör verlassen. Im Grunde passt das zu den Beatles auch ganz gut, denn die hatten ja auch keine klassische Ausbildung.

Peter: Ich habe das Konservatorium besucht, mit Schwerpunkt Schlagzeug.

Peter Ludl: Kommt ihr alle aus der Region Rhein-Main?

Claus: Geboren wurde ich in Bonn, lebe aber schon ewig im Rhein-Main-Gebiet.

Fritz: Ich lebe ca. 80 km südlich von Frankfurt im Odenwald.

Oli: Chris ist Engländer, wohnt aber jetzt in Frankfurt, so wie Peter auch. Ich bin gebürtiger Frankfurter und lebe heute in Sachsenhausen. Bei einer Frankfurter Band sollte immer ein echter Frankfurter Bub dabei sein. :-D

Peter Ludl: Spielt ihr Shows rund um den Globus oder gibt es Schwerpunkte?

Claus: Wir sind in ganz Europa unterwegs. Schwerpunkt sind natürlich Deutschland, Österreich, Schweiz.

Peter Ludl: Ihr hattet schon mehr als 3.000 Konzerte. Was ist euch dabei unvergesslich geblieben?

Claus: Mein persönliches Highlight war ein Konzert im Rahmen von „Rhein in Flammen“ in Bonn, meiner Heimatstadt, vor 30.000 Zuschauern. Wir waren richtig gut drauf an dem Tag und kamen dementsprechend gut an. Olympiastadium Moskau war auch toll. Wenngleich es auch traurig war zu sehen, in welcher Armut die Menschen dort lebten. Und diese Schäferhunde, die die Leute in Schach halten sollten. Das war nicht so schön.

Oli: Selbstverständlich gibt es Highlights. Zum Beispiel die Konzerte in der Commerzbank-Arena in Frankfurt oder in London. Oder unser Rooftop-Konzert im Frankfurter Bahnhofsviertel. Das sind Dinge, die hängenbleiben. Aber auch Momente mit Fans, wenn Leute bei „Let It Be“ anfangen zu weinen z. B. – oder wenn 1.000 Gäste in der Hamburger Fabrik „Yesterday“ mitsingen. Sowas vergisst man nicht.

Peter Ludl: Was ist das Lustigste, das euch bei einem Auftritt passiert ist?

Oli: Oh, da gibt es viele Storys … lustig ist es bei uns eigentlich immer, vor allem Backstage. Wir haben viel Spaß zusammen. Da gibt es einige gute Insider, die aber hier keiner verstehen wird… Um eine Story zu nennen: Claus hatte mal einen totalen Black-Out beim Gitarrensolo von „And I Love Her“ und hat dann ein Chuck Berry Solo darauf improvisiert. Wenn es gut gewesen wäre, dann wäre es nur halb lustig. Aber es war auch noch in der falschen Tonart. :-D

Claus: Das war nicht lustig. Du bist gefeuert! (Wütend Smiley)

Peter Ludl: Gab es schon richtig heftige Pannen vor oder während eines Auftritts?

Claus: Ist schon ewig her. Damals gab es noch keine LED-Beleuchtung. Irgendwo, irgendwann im Sommer. Es war dermaßen heiß und die Scheinwerfer standen so nah am Drummer, dass er bewußlos vom Schlagzeugpodest gefallen ist. Er ist aber wieder zu sich gekommen und hat weitergemacht. Wir sind relativ hart im Nehmen. :-D

Eine wirklich gravierende Panne gab es in München vor einem Auftritt. Es hat so heftig geregnet, dass das Bühnendach eingestürzt ist. Zum Glück war niemand auf der Bühne. Das hätte Tote gegeben. Es war eine sehr große Bühne. Das Ganze passierte ironischerweise auf dem Gelände der Allianz Versicherung.

Oli: Pannen sind meistens technischer Natur. Gegen Mikrofonausfälle ist niemand gefeit.

Peter Ludl: Warum arbeitet ihr lieber mit Wedges als mit In-Ear Monitoring?

Claus: Ich behänge mich nicht gerne mit Technik. Ohne In-Ears fühle ich mich freier. Zur Not geht es auch mit, aber nur wenn es sein muss.

Oli: Wahrscheinlich hauptsächlich aus Gewohnheit. Als wir mit Live-Streams angefangen haben, mussten wir auch mit In-Ear spielen. Das war klasse, aber wir bleiben dann doch lieber bei den guten alten Wedges. Man spürt einfach mehr von allem, als über Kopfhörer. Da kann man sich schnell abgeschottet fühlen.

Peter Ludl: Welche besonderen Anforderungen stellt ihr an das FoH-Mixing und das Monitoring?

Claus: Dass die Leute ihr Handwerk verstehen und ein musikalisches Gehör haben. Ansonsten würde ich uns als recht anspruchslos bezeichnen. Als ich mit Musik angefangen hatte, gab es überhaupt keine Monitore und der Sound, bis auf den Gesang, kam von der Bühne.

Oli: Besondere Anforderungen haben wir nicht. In der Regel sollte das FoH wissen, worum es bei den Beatles geht und meistens ist das sogar der Fall. Man weiß schnell, ob sich ein Mixer vorbereitet hat oder nicht, wenn die Frage kommt: „Wer ist denn euer Leadsänger?“ Den gab es bei den Beatles nämlich nicht. Da waren alle gleichberechtigte Sänger.

Peter Ludl: Wie häufig wird nach so vielen Jahren Bühnenerfahrung noch geprobt?

Oli: Wir proben eigentlich nicht mehr, es sei denn, wir haben mal ein Special-Programm im Gepäck, z. B. zum 50-jährigen Jubiläum von „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, da haben wir die komplette Platte gespielt. Mussten also proben. In der Regel will das Publikum aber die Hits hören und da ist es schon schwierig, überhaupt ein 2 ½ Stunden Programm zu machen, da es viel mehr Hits gibt. Die sitzen aber bei uns nach so langer Zeit.

Peter Ludl: Wie übt ihr mehrstimmigen Gesang ein?

Oli: Man muss natürlich genau hinhören, wer da was singt, im Original. Die Stimmen werden dann nach der Rolle verteilt. Grundsätzlich weiß eigentlich vor der Probe jeder, was er zu singen hat. Dann wird es nur noch rund geschliffen.

Peter Ludl: Wie bereitet ihr euch üblicherweise auf die Aufritte vor?

Claus: Es gibt eine kleine Zeremonie. Wir stellen uns im Kreis auf und motivieren uns für eine gute Show.

Oli: Musikalisch fast gar nicht. Ich singe mich manchmal ein bisschen warm auf der Fahrt. Im Grunde haben wir es gerne ruhig und entspannt im Backstage vor der Show.

Peter Ludl: Claus, was ist für dich das Besondere am Gitarrenspiel von George Harrison?

Claus: Die Soli von George kann man alle auch singen, da es sich immer um kleine Melodien handelt. Er hat sehr musikalisch gespielt. Es ging immer um den Song.

Peter Ludl: Chris, was ist für dich das Besondere am Gitarrenspiel von John Lennon?

Chris: Die aggressive, treibende Spielweise von John Lennon war schon immer ein faszinierendes Element. Allerdings war es zu Beginn für mich eine ganz schöne Umstellung, da ich von Natur aus eher der „laid back“ Spieler war.

Peter Ludl: Oliver, was ist das Besondere an der Art, wie Paul McCartney den Bass spielt?

Oliver: Paul war kein Bassist, er war eigentlich Gitarrist und sah den Bass als Melodieinstrument. Dadurch entstanden fantastische Basslines wie z. B. bei „Something“ oder „Come Together“. Die große Herausforderung ist es, das gleichzeitig zu spielen und zu singen.

Peter Ludl: Peter, was schätzt du an der Art und Weise, wie Ringo das Schlagzeug spielt.

Peter: Ringo ist der King of Pop. Er spielt immer für den Song und die Musik und hat so viele coole Grooves kreiert, wie niemand sonst in der Pop/Rock-Historie. So was wie „In my Life“, „Come Together“ oder „Ticket to Ride“ muss man sich erst mal einfallen lassen, um nur drei Beispiele zu nennen! Für mich ist Ringo in erster Linie ein großartiger MUSIKER, dessen Instrument halt das Schlagzeug ist.

Peter Ludl: Ein besonderes Merkmal eurer Shows ist die authentische Kostümierung. Wer hat die angefertigt?

Claus: Die Sgt. Pepper-Anzüge haben wir in Frankfurt bei der Kostümschneiderei Jansen anfertigen lassen. Die schwarzen und grauen Anzüge bei Molls Kleiderfabrik nahe Aschaffenburg.

Peter Ludl: Gibt es neben der Beatles Revival Band noch weitere musikalische Projekte?

Claus: Ich schreibe eigene Songs und betätige mich hier und da als Produzent. Das Gleiche gilt für Chris.

Peter arbeitet als Schlagzeuger noch für andere Künstler, wie zum Beispiel „Der W“.

Fritz: Die Musik der Beatles ist unsere gemeinsame Leidenschaft, wobei jeder von uns musikalisch auch noch anderweitig unterwegs ist. Das geht von Klassik, Jazz, Rock bis hin zu Metal. Ich bin darüber hinaus auch als Musikproduzent tätig und habe ein eigenes Label.

Oli: Ja, wir haben alle noch unsere „Side-Projects“ mit eigener Musik. Außerdem spiele ich noch bei KISSIN‘ TIME, einer Kiss-Tribute-Band aus Kassel.

Peter Ludl: Welche Bands oder Interpreten inspirieren euch neben den Beatles?

Claus: Außer Schlager höre ich so ziemlich jede Art von Musik. Inspiriert werde ich von dem, was mir gefällt.

Oli: Wir hören alle sehr unterschiedliche Sachen. Ich bin ein riesen „Norah Jones“ Fan. Chris mag „Noel Gallagher’s Highflying Birds“ und Peter AC/DC & U2. Fritz liebt Jazz.

Peter Ludl: Welche Ratschläge habt ihr für Coverbands parat, die sich an die Musik der Beatles wagen?

Claus: Tragt keine Perücken und klebt euch keine Bärte an. (Zwinker Smiley) Bleibt ihr selbst.

Peter Ludl: Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Claus: Die aktuelle Tour geht noch bis Ende September. Das steht zunächst mal im Fokus. Danach sehen wir weiter. Tomorrow never knows! Wahrscheinlich werden wir aber wieder ins Studio gehen und ein paar Sachen aufnehmen. Im Dezember stehen dann unsere obligatorischen Weihnachtsgigs im Südbahnhof und in der Hamburger Fabrik an.

Peter Ludl: Last Words?

Claus: … and in the end the love you take is equal to the love you make. Das ist so!

Peter Ludl: Vielen Dank für die offenen Worte und alles musikalisch Gute für die Zukunft der Band.

Beschallung und Lichtanlage beim Liveauftritt der Beatles Revival Band

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Midas M32 Live
Midas M32 Live
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(40)

Tontechniker Florian mixt die Beatles Revival Band auf einer Midas M32 Live. Dieses Digitalmischpult bietet 32 XLR-Eingänge mit Midas Preamps, 16 XLR-Ausgänge, 25 Mix-Busse, 8 DCA- und 6 Mute-Gruppen sowie 8 Stereoeffekte. Somit sind zahlreiche Optionen für den optimalen Sound gegeben.

Tontechniker neben Mischpult

Tontechniker Florian an der Midas M32 Live

Der Arbeitsplatz von Dominik für die Lichtsteuerung ist an diesem Abend hauptsächlich Road Hog 4 von High End Systems. Mit diesem Pult sind vier Universen (DMX/ArtNet) steuerbar und der 21,5“ Touchscreen ist groß genug, um alle Fixtures gut im Blick zu haben.

Feines Equipment auch für die Lichtsteuerung

Für die Publikumsbeschallung gibt es neben einigen Near Fills 2x 6 Seeburg Galeo Line Array Elemente. Vier Seeburg G Sub 1802 sorgen mit ihren jeweils zwei 18“ Hochleistungssubwoofern für klar definierten Tiefgang. Sechs Bühnenmonitore von PL Audio mit 15“ Koaxialsystemen versorgen die Musiker mit den gewünschten Einspielungen. Elf Crown Amps der iTech Serie liefern insgesamt satte 30 kW.

PA Beschallungsanlage

Linke Seite der Seeburg PA

Im Bereich der Beleuchtung hat das Technik Team verschiedene Lampen von Clay Paky, acht Eurolite Washlights und sechs Iridium Stage LED-Strahler in Warm-weiß montiert. Zusätzliche Lichtstimmungen bieten eine Reihe klassischer PAR64 Strahler, vier 2 Light Blinder, ein Tour Hazer, zwei Eurolite Vertikal Nebler, zwei Atomic Strobos und acht Eurolite LED Multi Fluter.

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Forum
  1. Profilbild
    Pauline

    Lieber Herr Ludl, was für ein treffender und liebevoll geschriebener Artikel!
    Ich hatte einen Kloß im Hals, als ich die Stelle gelesen habe, wie Sie den Anfang des Konzertes beschreiben, wie der „Knoten platzt“ und der Abend mit „A Hard Day’s Night“ eröffnet wird!
    Uns geht es jedes Mal ebenso. Dann weiß man, jetzt folgen drei Stunden ungetrübter Freude und wunderbarer Musik mit unseren Freunden der Beatmusik.

    Für jemanden wie uns, die die Beatles nie selbst live erleben konnten, ist die BRB ein Geschenk.
    Sie halten die Beatles mit so viel Leidenschaft, Liebe, Spaß und Können am Leben, teilen ihre Kunst mit uns und das so grundsympathisch, nahbar und authentisch.

    Ich wurde mal gefragt, wie ich mich entscheiden würde, wenn ich die Möglichkeit hätte, die Beatles ein Mal live zu sehen und dafür aber nie mehr die Beatles Revival Band.
    Ich entscheide mich für die BRB, für Claus, Chris, Oli, Peter und Fritz.

    Die Beatles Revival Band ist wirklich das zweitbeste Original.
    Und die Bandmitglieder sind einfach tolle Menschen!

  2. Profilbild
    Archivicious

    Habe die damalige Inkarnation der Band vor gefühlt 35 Jahren mal in der Eishalle Moers gesehen. Damals hatten sie sogar einen Linkshänder als Bassisten 🙂 So weit kann man die Authentizität treiben, wenn man will 😉

  3. Profilbild
    ukm

    Wir hatten in den 90ern mal die Gelegenheit, u. a. als Vorband einer „Beatles Double Group“ (wenn ich mich recht erinnere aus Österreich) auzutreten. Die waren auch sehr gut. Headliner waren dann die „Tremeloes“.
    Ich kann gut nachvollziehen, dass man sich dafür begeistern kann.

  4. Profilbild
    FH-BRB

    Toller Artikel, lieber Peter, vielen Dank dafür. Als ältestes – und an Dienstjahren zweitältestes – Bandmitglied hat für mich deine Rezension nochmal die (oft sehr bewegten) vergangenen Jahre Revue passieren lassen und meine Vorfreude auf alles was da noch kommt neu entfacht !

  5. Profilbild
    Penelope

    Lieber Herr Ludl,
    als großer Beatles-Fan kann ich nur zustimmen! Die Beatles Revival Band schafft es immer wieder, ihr Publikum auf eine Zeitreise in die 60er-Jahre mitzunehmen. Und das mit ihrem ganz eigenen Charme.
    Wir haben die BRB schon mehrmals im Kubana in Siegburg gesehen, da entsteht so eine wunderbare Cavern Club – Atmosphäre. Ihre Interaktion mit dem Publikum ist wirklich einmalig und man merkt ihnen die Spielfreude und Liebe zu dieser Musik und Zeit richtig an.
    Obwohl wir die Band schon einige Zeit kennen, fand ich es jetzt besonders interessant, so viel über die Hintergründe zu erfahren und über die Musikinstrumente und Technik.
    Und nur weil Fritz Heieck dabei ist, können so fantastische Stücke wie Penny Lane oder Sgt. Pepper so authentisch gespielt werden!
    Einfach toll.
    Freunde der Beatmusik, wir freuen uns auf ein Wiedersehen und -hören!!!

  6. Profilbild
    Saskia

    Was für ein interessanter und kurzweiliger Artikel über eine tolle Band mit super Musikern, die jedes Konzert mit ihrem Können und ihrer Spielfreude zu einem besonderen Erlebnis machen!
    Und darüber hinaus auch noch unglaublich sympatisch sind.
    Da steigt die Vorfreude auf das nächste Konzert!

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