Test: Yamaha 01V96i Digitalmischpult

25. Mai 2018

01V96 nun mit i-Tüpfelchen

Das neue Yamaha 01V96 Digitalmischpult mit dem Kürzel „i“ ist ein Upgrade der bekannten Konsole 01V96 VCM. Im Vergleich zum Yamaha 01V96 VCM bietet das neue Yamaha 01V96i überarbeitete Preamps, neue VCM-Effekte und  eine neue USB 2.0 Schnittstelle. Die USB 2.0 Schnittstelle ermöglicht die gleichzeitige Aufnahme und Wiedergabe von bis zu 16 Audiospuren mit einer Auflösung von 24-Bit/96 kHz. Dazu wird eine DAW (PC/Mac) mit entsprechender Software benötigt. Und damit es direkt losgehen kann, liegt Cubase AI für PC und Mac in der Version 6.0.3 dem Mixer bei. Mittels Editor-Software, die über die Yamaha Website heruntergeladen wird, kann das Pult außerdem fernbedient werden. Im Mixer gespeicherte Einstellungen können archiviert werden, und es können sogar Einstellungen vorbereitet werden, selbst wenn das Pult gerade mal nicht greifbar ist. Tatsächlich ist aber auch der Testberichte (HIER KLICKEN) zur ersten Version des Yamaha 01V96 weiterhin interessant, da viele Basis-Merkmale auch in der i-Version enthalten und von uns getestet wurden.

Übersicht zum Yamaha 01V96i

Als Sonderzubehör ist ein 19-Zoll Einbaukit erhältlich, sodass das 01V96i für die Arbeit im Studio wie unter Livebedingungen gleichermaßen geeignet ist. Die Abmessungen betragen 148 x 436 x 548 mm (H x B x T), das Gewicht ist 14 kg.

Im Testeinsatz

Die AD/DA Wandler arbeiten mit 24-Bit bei interner Berechnung mit 32-Bit. Und damit beim Einsatz von Effekten keine Qualitätsverluste durch Heruntersampeln zu erwarten sind, ermöglichen die vier eingebauten Effektprozessoren (bei Verwendung von zweien gleichzeitig) Verarbeitung mit 96 kHz. Vier gleichzeitig verwendete Effekte arbeiten dann mit 24bit/44,1/48kHz.

Die bereits aus dem Vorgängermodell bekannten VCM-Effekte stehen auch hier zur Verfügung. Sie werden über die Aux-Wege angesprochen oder als Insert genutzt. Im Channel Strip (Eingangskanäle) sind verschiedene Kompressoren und EQs möglich, die analogen Geräten aus den 70er Jahren nachempfunden sind. Neu hinzugekommen sind Simulationen von unterschiedlichen Tonbandmaschinen (Master Strip). Hier werden sogar verschiedene Eigenschaften von BASF- oder Ampex-Bändern nachempfunden. Ebenso neu beim 01V96i sind Vintage Bodentreter, welche die Klangeigenschaften legendärer Phaser aus den 70er Jahren reproduzieren (Vintage Stomp-Boxes). Und zu guter Letzt sorgen REV-X Algorithmen für Hallräume allererster Güte. Die Effekte, zu denen natürlich auch Echos, Chorus und Co. gehören, lassen sich in vielen Parametern individuell bearbeiten und können abgespeichert werden. Ein großer Fundus an bereits vorprogrammierten Einstellungen sorgt beispielsweise in der EQ-Library für vorbereitete Sounds sogar von einzelnen Schlagzeugtrommeln, Gitarren, Bässen oder Gesang.

Anschluss gesucht

Bis zu 24 analoge Eingänge (16 + 8) stehen (mit optionaler AD-Karte, 8 Eingangskanäle) bereit. Insgesamt gibt es 40 Mix-Kanäle (32 Mono- und 4 Stereo). Das Mischpult hat 8 Busse und 8 Aux-Wege. Auf der analogen Eingangsseite gibt es 12 XLR-, 16 Line- (Klinke) und 2 Cinch-Eingänge. Ausgangsseitig stehen 2 Cinch-, 2 Monitor- (Klinke) und 4 Omni-Ausgänge (Klinke) zur Verfügung. Masterausgänge für die Summensignale finden sich als gängige XLR-Buchsen.

Die Anschlüsse auf der Rückseite des Ymaha 01V96i

Die 12 Mono-Eingänge (XLR) haben alle Inserts. Phantompower für die XLR-Buchsen steht schaltbar in drei Gruppen zur Verfügung: CH 1-4, CH 5-8, CH 9-12. Hinweis: Sollten mehr als 24 analoge Eingänge bzw. mehr analoge Mikrofonvorverstärker benötigt werden, lässt sich über die integrierte ADAT-Schnittstelle (8x In/Out) ein weiteres Analog-Digital- bzw. Digital-Analog-Interface anschließen.

Auf der digitalen Ebene gibt es optische Ein- und Ausgänge für Signale im ADAT-Format. Für digitale Zuspieler oder digitale 2-Spur Aufnahmen finden sich die beiden Coaxial-Buchsen 2TR IN / 2TR OUT. BNC-Buchsen ermöglichen Word Clock IN / OUT. Externe MIDI-Geräte werden über In, Out oder Thru verkabelt.

Optionale Mini-YGDAI-Platinen (Yamaha General Digital Audio Interface) zur Erweiterung können im rückseitigen Slot-Schacht installiert werden. Es stehen AD/DA-Platinen und Platinen mit Digital-Ein-/Ausgängen in mehreren Formaten (AES/EBU, ADAT und Tascam) zur Verfügung.

Analoge Eingänge mit Pad-Tastern und Gain-Reglern

Die Kanalzüge des Yamaha 01V96i

Das 01V96i hat 16 Kanal-/Motorfader (100 mm) und einen Stereo Master-Fader. Die Kanalfader arbeiten auf vier Ebenen und werden im Layer-Feld den physikalischen Kanälen zugeordnet: Eingangskanäle 1-16 und 17-32, Master (8 Aux und 8 Busse) oder Remote. Im Remote-Modus wird zum Beispiel die DAW Software bedient oder es können externe MIDI-Geräte gesteuert werden.

In jedem Mono-Kanalzug gibt es einen PAD-Taster. Damit wird das Eingangssignal um 20 dB abgeschwächt. Der analoge Gain-Drehregler stellt die Eingangsverstärkung ein. Sie reicht von -16 dB bis -60 dB (PAD nicht aktiviert) und von +4 dB bis -40 dB (PAD aktiviert). Signal-Dioden leuchten, wenn das Eingangssignal mehr als -34 dB beträgt. Warnt die PEAK-Anzeige im Eingangsbereich dauerhaft, sollte der Pegel reduziert werden, da ansonsten unschöne Verzerrungen auftreten. Die Stereo-Eingänge (Klinke) 13/14 und 15/16 bieten jeweils zwei getrennte Gain-Regler. Digitale 2TR IN-Signale können wahlweise auf den Stereo-Kanalzug 15/16 gelegt werden.

Stereo-Eingänge mit getrennten Gain-Reglern

Die Eingangskanäle bieten eine vollparametrische 4-Band Klangregelung, die in vier Gruppen eingeteilt ist: Low, Low-Mid, High-Mid, High. Einstellbar sind Gain (-18 dB bis +18 dB), Frequenz und Güte (Q) des ausgewählten Frequenzbandes. Häufig benötigte EQ-Einstellungen können abgespeichert werden (siehe EQ-Speicher weiter vorn im Text).

Vollparametrischer 4-Band-EQ und Jog Wheel

Bei diesem Pult lässt sich fast frei bestimmen, welche Ein- und Ausgänge den Kanälen zugeordnet werden sollen, was eine tolle Sache ist, denn damit hat man im Routing vielfältige Möglichkeiten. In der Grundeinstellung sind die Input-Buchsen 1-16 mit den Eingangskanälen 1-16 verbunden; die ADAT IN-Kanäle 1-8 gehen auf die Eingangskanäle 17-24; die Slot-Kanäle 1-8 sind den Eingangskanälen 25-32 zugeordnet; Ausgang 1-2 der internen Effektprozessoren 1-4 gehen auf die ST IN-Kanäle 1-4.

Die Steuerzentrale

Monochrom Display als zentrales Kontrolle-Instrument

Zentral angeordnet findet sich ein zweifarbiges 320 x 240 Punkte großes LC-Display. Aber ohne dieses Display ist die Bedienung des Pultes praktisch nicht möglich. Bis auf eine Ausnahme! Sehr komfortabel wird die Arbeit im Editor-Modus über den Computer. Das grafische Interface zeigt alle Einstellungen in hervorragender Wiedergabequalität und wertet die Arbeit mit dem Pult um ein Vielfaches auf.

Display Access-Tasten rufen die Einstellungen im Monitor auf

Die User Defined Keys 1 bis 8 lassen jeweils eine von über 160 Funktionen zuordnen. Sie fungieren sozusagen als Kurzbefehlstasten und dienen der Arbeitserleichterung beim Abrufen gewünschter Parameter, ohne den „Umweg“ über das Display zu gehen. Aktuelle Einstellungen sämtlicher Mischparameter, Einstellungen der internen Effektprozessoren und das Routing können im Szenenspeicher (99 Speicherplätze) festgehalten werden. So ist es beispielsweise möglich, Einstellungen für den Proberaum zu erhalten. Bands, die während eines Auftritts in verschiedenen Besetzungen spielen, lassen sich blitzschnell neu abmischen oder die sorgsam ausgetüftelten Einstellungen für die Studioarbeit sind nicht verloren.

Bei Bedarf können zwei 01V96i-Konsolen zusammengeschaltet (kaskadiert) werden. Dann sind 24 Mikrofoneingänge verfügbar und sage und schreibe 80 Mischkanäle. Wer Vertonungen in Mehrkanal-Technik braucht, wird ebenfalls nicht enttäuscht und freut sich bestimmt über die Surround-Modi 5.1 oder 6.1.

User Defined Keys ermöglichen schnellen Zugriff

Die Kommunikation mit meinem Rechner (Windows 7) funktionierte ohne Probleme. Das Pult arbeitete ausgezeichnet mit der Software Cubase zusammen.

Der Umgang mit digitalen Mischpulten verlangt immer eine gewisse Einarbeitungszeit. Die beiliegende deutsche Bedienungsanleitung gibt nicht nur detaillierte Auskünfte über die technischen Spezifikationen, sondern veranschaulicht auch recht gut die Arbeitsweise mit dem 01V96i Digitalmischpult. Viele Grafiken unterstützen den verständlich geschriebenen Text. Wer lieber auf dem Computer lesen möchte, legt einfach die mitgelieferte CD mit dem Referenzhandbuch im PDF-Format ein.

Fazit

Mit der USB 2.0 Schnittstelle hat das 01V96i ein Update erhalten, das die Flexibilität der Konsole enorm erweitert und Aufnahme und Wiedergabe von bis zu 16 simultanen Spuren in 24-Bit/96 kHz ermöglicht. Der kompakte, digitale Mischer ist für die Live-Umgebung ebenso gut geeignet, wie für die Studioarbeit. DAW-Unterstützung und mitgelieferte Software Cubase AI sind weitere Pluspunkte. Tolle DSP-Effekte in bekannter Yamaha VCM-Technologie mit allerlei Presets modellieren die Schaltungstechnik etlicher Originale und machen Outboard-Equipment in vielen Fällen überflüssig. Reichen die 24 Eingänge (16x analog + 8x digital) nicht aus, lässt sich dank optionaler Erweiterungskarten das Mischpult flexibel den eigenen Bedürfnissen zu jedem Zeitpunkt anpassen. Für mich ist der Yamaha Digitalmixer 01V96i eine klare Empfehlung.

Plus

  • USB 2.0 Schnittstelle (16 in / 16 out)
  • mitgelieferte Software Cubase AI
  • DAW Unterstützung
  • DSP-Effekte
  • flexibles Routing
  • Erweiterungsmöglichkeiten
  • Word Clock

Minus

  • kein USB-Kabel im Lieferumfang
  • kleiner Monitor, monochrom

Preis

  • 1.839,-€ (Stand 2.2019)
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