Test: the t.mix 20.12 Digitalmixer

6. Januar 2019

Ein-Fader-Konzept für Sparfüchse

Mit der hauseigenen Marke „the t.mix“ hat sich das Musikhaus Thomann eine breite Produktpalette zusammengestellt. Hierzu gesellen sich analoge sowie digitale Kleinst- sowie Klein- und Zonen-Mischer. DJ- und USB-kompatible Lösungen runden das Sortiment zusätzlich ab. Der the t.mix 20.12 ist neben dem großen Bruder „24.12“ am oberen Ende der Hausmarke angesiedelt. Für einen mittleren dreistelligen Kampfpreis wird hier ein Digipult mit umfangreichen Möglichkeiten angeboten. Ich darf hierbei überprüfen, was unser „Desktop-Bolide“ unter der Haube hat.

the t.mix 20.12 Digitalmixer

the t.mix 20.12 Digitalmixer

Hardfacts

  • 16 Mic/Line Kombi-Buchsen-Eingänge mit analogem Gain
  • 7″ Touchscreen
  • 1 Motorfader
  • 2×2-Kanal USB-Interface
  • 2 Stereo-Line-Eingänge
  • 2 interne Effekte
  • 8 Aux-Wege: 6,3 mm TRS-Klinke
  • 6 DCAs
  • Control-Room-Ausgang: 6,3 mm TRS-Klinke
  • Main Out: XLR
  • 2 Kopfhörerausgänge
  • Noise Gate und Kompressor
  • 4-Band parametrischer EQ pro Kanal
  • 24 Bit/48 kHz Sample Rate
  • Maße (B x H x T): 480 x 130 x 350 mm
  • Gewicht: 7,62 kg

Ausstattung

Zuerst darf ich anmerken, dass im Lieferumfang neben dem Kaltgerätekabel zwei Metallwinkel zur 19“-Montage beiliegen. Andere Hersteller schlagen hierfür gut und gerne schon mal extra auf. Eine Bedienungsanleitung findet man ausschließlich online, was aber in der heutigen Zeit durchaus verschmerzbar ist. Eine mögliche optionale Erweiterung findet man in Form eines Einbau-Slots. Vorgesehen ist hier die Möglichkeit, digitale Multitrack-Mitschnitte zu realisieren, höchstwahrscheinlich per USB-Schnittstelle. Des Weiteren fällt natürlich auf, dass der the t.mix 20.12 „nur“ einen Motorfader hat. Dieser ist frei anwählbar und trägt natürlich auch zur extrem fairen Preisgestaltung bei. Neben 24 Potis findet man noch insgesamt fünf Endlos-Drehregler zur Steuerung. Die unzähligen Taster auf der Mischpultoberfläche sind übrigens ausnahmslos zur besseren Übersicht beleuchtet.

Anschlusspanel des the t.mix 20.12

Anschlüsse und Konnektivität

Der the t.mix 20.12 ist in der Lage, stattliche 20 analoge Kanäle (16 Mic / 2×2 Line) plus USB-Stereo-In zu verarbeiten und diese auf insgesamt 12 Ausgangsbussen (Stereo-Master, 8x Aux, 2x FX) zu verteilen. Absolut überrascht hat mich die Tatsache, dass die ersten acht Kanäle mit Insert-Buchsen ausgestattet sind. Dies ist natürlich der analogen Gain-Steuerung geschuldet, aber bietet die Möglichkeit, zusätzliche Gerätschaften einzuschleifen.

Die RJ45-Buchse erlaubt den Anschluss eines externen Routers zur Fernsteuerung via iPad. Die Remote-App ist momentan nur Apple-Kunden vorbehalten. Positiv fallen die 16 symmetrischen Eingänge ins Gewicht, die komplett mit Combo-Buchsen versehen sind. Dahingegen sind die acht Aux-Ausgänge leider nur unsymmetrisch, wodurch sich längere Kabelwege nicht ergeben. Der 2×2 USB-In/Out kann ohne spezielle Treiber genutzt werden, in Windows wird hierbei ein universeller USB-CODEC installiert. Der zweite USB-Port installiert Windows-seitig einen COM-Treiber, dieser wird dann aller Wahrscheinlichkeit für Update- und Remote-Funktionen nutzbar sein.

Der Channelstrip des the t.mix 20.12

Das Herz eines jeden Mischpults sind natürlich die „Butter und Brot“-Funktionen, sprich Equalizer und Dynamik-Bearbeitung. Der the t.mix 20.12 hat EQ, Gate und Kompressor für alle 22 Eingänge parat. Besonders hat es mir der PEQ (vollparametrischer Equalizer) angetan. Funktional gesehen haben wir hier neben vier Bändern, die alle (!) Bell, Hi- und Lo-Shelf beherrschen noch zusätzlich eine umfangreichen Hi- und Lo-Cut-Option. Unglaubliche 20 Flankensteilheiten von 6 dB bis 48 dB pro Oktave stehen zur Verfügung. Das habe ich so bisher noch nicht gesehen, wobei die meisten Digitalpulte entweder eine beziehungsweise maximal drei oder vier Flankensteilheiten anbieten, Sachen gibt’s! Mit unserem „Klangverdreher“ lässt sich dann um bis zu 24 dB anheben oder absenken, damit kann man wirklich gut „equalizen“.

Die Dynamik-Abteilung des the t.mix 20.12 ist mit allen notwendigen Parametern ausgestattet. Der Kompressor arbeitet unauffällig sowie ohne Färbung und bietet darüber hinaus eine gute optische Kontrolle, so wie man es aus der „Plugin-Welt“ kennt. Das Noise-Gate funktioniert auch einwandfrei, beschränkt sich jedoch auf Standard-Parameter wie Threshold, Attack und Release. Die Reihenfolge des Channelstrips ist im übrigen Gate-Kompressor-Equalizer.

Die Eingangsempfindlichkeit der 16 Mic/Line-Eingänge wird analog und „händisch“ geregelt. Somit ist dies auch der einzige Parameter, der nicht in einer kompletten „Show-Preset“ gespeichert werden kann. Einzig schade ist, dass die  Gain-Regler keine sichtbare Orientierung bieten, hier könnte man bestimmt nachbessern.

Das Main-Mix-Fenster

Die Output Sektion

Ausgangsseitig bietet der the t.mix 20.12 neben dem obligaten Stereo-Out noch einen getrennt regelbaren Control-Room-Ausgang im 6,3 mm Klinkenformat an. Das empfiehlt unser Mischpult zudem als „externe Soundkarte“ für Studioanwendungen. Weiterhin haben wir zwei separat steuerbare Kopfhörerausgänge auf Vorder- und Rückseite. Die acht Aux-Wege lassen sich ausnahmslos Pre- oder Post-Fader konfigurieren. Jeder Aux-Weg hat einen parametrischen 4-Band und (!) grafischen 31-Band EQ, plus Lo- und Hi-Cut-Option, wie der Main-Out auch. Das heißt in der Konsequenz, man kann die Aux-Wege als Subgruppen konfigurieren. Der oder die jeweiligen Quellkanäle müssen lediglich den „Assign Channel to Main“ deaktivieren. Der jeweilige Aux-Weg wird dann im Post-Fader-Modus mit idealerweise 0 dB vom Quell-Kanal gespeist, bei Bedarf sogar im „Stereo-Link“, was dann aber zwei Aux-Wege benötigt. Mit diesem Subgruppen-Konzept kann man beispielsweise Gesänge effektiv doppelt komprimieren oder EQen, im Channel und in der Gruppe.

Das Bedien-Ensemble des the t.mix 20.12

Mix Tricks mit the t.mix 20.12

Neben dem reinen Beeinflussen des Klangs gibt es beim the t.mix 20.12 obendrauf noch ein paar Extras. Das Offensichtlichste sind die sechs DCAs (Digital Controlled Amplifier), mit denen sich beliebige Kanäle in der Lautstärke zusammenfassen lassen. Diese lassen sich darüber hinaus auch quasi als „Mute-Groups“ nutzen, um gemeinsam definierte Kanäle stummzuschalten. Der Master-Out sowie die acht Aux-Wege bieten noch die Möglichkeit, eine Verzögerung in Millisekunden einzustellen, um eventuelle Laufzeitunterschiede auszugleichen. Dies ist insbesondere bei sogenannten „Delay-Lines“ praktisch. Der Phasendreher darf natürlich auch nicht fehlen und die Phantomspeisung ist ohnehin nicht mehr verzichtbar.

Fernsteuerung

Wie oben schon angerissen, lässt sich das the t.mix 20.12 exklusiv per iOS-App plus externem Router fernbedienen. Der 20.12 wird im Musikhaus Thomann übrigens als Bundle mit Router angeboten. Ich habe zum Testen meinen Fritz 4040 WLAN-Router angeschlossen, um die Funktionalität zu testen. Mit den Standardeinstellungen konnte ich dann sofort klaglos loslegen. Die App heißt übrigens „TT2012“ und bietet die gleiche Oberfläche wie unser Touchscreen. Die Fernsteuerung läuft bidirektional, das heißt, Änderungen werden auf jeweils beiden Geräten gesendet und angezeigt. Leider findet man generell weiterführende Informationen nicht in der Bedienungsanleitung.

the t.mix 20.12 und die Fernsteuerung

the t.mix 20.12 in der Praxis

Mit dem the t.mix 20.12 kann man gemessen an Preis, Größe und Konzept schon eine ganze Menge anfangen. Ok, die Effekte sind vielleicht nicht weltklasse verdächtig, aber funktionieren im Kontext tadellos. Dafür haben wir einen feinen Channelstrip, der weitaus teurere Mitbewerber alt aussehen lässt. Vor allem ist es möglich, durch die zehn grafischen und parametrischen EQs in den Ausgängen eine optimale Raumanpassung vorzunehmen. Um nur ein Beispiel zu nennen, kann man mit dem GEQ störende Frequenzen schmalbandig herausdrehen und mit dem PEQ fehlende Bereiche breitbandig anheben.

Der Fader funktioniert gefühlt nahezu latenzfrei und nach zehn Minuten Einarbeitungszeit hat man das Bedienungsprozedere verstanden. Die Oberfläche mit zwar „nur“ einen Fader hat auch den Vorteil, genauer und schneller arbeiten zu können als nur auf einem Display. Trotzdem sehe ich den the t.mix 2012 eher auf der Bühne als davor. Zum einen, da es für die the t.mix Serie (noch?) keine digitale Stagebox gibt und zum anderen kann man sich durch die Fernbedienung analoge Multicores und dergleichen ersparen. Wie auch immer, der Anwender wird es entscheiden. Kleine Bands, Entertainer/DJs sowie Sprachanwendungen oder Festinstallationen haben hier eine echt preiswerte Möglichkeit, das digitale Komplettpaket mitzunehmen.

Fazit

One Fader fits all. Mit dem the t.mix 20.12 aus dem Hause Thomann hat man ein kleines Wunderwerkzeug zum Kampfpreis in der Tasche. Viele Inputs, viele Outputs, tolle Features. Das Ganze auf überschaubarem Raum mit Bedienungsplus durch den einsamen Fader. Für mich ganz klar eine Empfehlung an alle, die ein funktionles „Workhorse“ für Bühne, Übungsraum oder eventuell sogar Projektstudio brauchen. Ganz viele an der Praxis orientierte Funktionen und Optionen nicht zuletzt durch acht echte Aux-Wege. Alles läuft treiber- und installationsfrei, mit zukünftiger Mehrspur-Mitschnitt-Option, also Sparfüchse aufgepasst!

Plus

  • Bedienkonzept
  • Channelstrip, insbesondere EQ
  • 8 Aux/Sub-Wege
  • inklusive 19"-Winkel
  • Preis

Minus

  • Aux-Ausgänge nur unsymmetrisch
  • Bedienungsanleitung

Preis

  • Ladenpreis: 549,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    Coin  AHU

    Wie ist denn die Verarbeitung des Gerätes ?
    Es macht auf den Bildern leider keinen hochwertigen Eindruck.

    • Profilbild
      Michael Baum  RED

      Das würde ich nicht nach Bildern beurteilen, sondern eher nach einem Langzeit-Test, den wir aber aus Zeitgründen natürlich nicht bieten können ;-> Jedenfalls ist mir nichts negatives dahingehend ins Auge gesprungen, LG Michael

  2. Profilbild
    Emmbot  

    Ja warum nicht auch mal mit nur einem Fader. Also wenn man eh viel mit dem Tablet arbeite oder nicht oft nachregeln muss.

    Leider nur iOS, schade.

    • Profilbild
      Atarkid  AHU

      Versteh ich auch nicht. Vor allem, weil der preisbewusste Käufer doch eher bei Android zu finden sein wird… Also ich hab kein iPad.

      • Profilbild
        TobyB  RED

        Hallo und Guten Morgen Atarikid,

        du findest eher iOS Entwickler mit DSP Background als entsprechende Android Entwickler. Es gibt zwar mit Superpowered und JUCE SDKs und IDE. Nur muss die App ja konsistent unter mehr als einer Android Distribution laufen. Eigentlich würde ich erwarten, dass man so eine Box mittels Web Browser steuern könnte. Ich mein die App sieht ja nun auch aus wie ein aufgestülptes gespiegeltes HUI auf iOS.

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