Test: JoMoX Alpha Base, Drumsynthesizer

30. April 2018

Es gibt ein Leben nach der TR-X0X

In Sachen Drummachines ist die Firma JoMoX um Jürgen Michaelis wahrlich kein Neuling mehr. Seit 1996 arbeitet Michaelis daran, den Puls für das Nachtleben vorzugeben – zunächst von Berlin, jetzt von Stahnsdorf aus. Dies führte schnell zur Etablierung von etlichen Neoklassikern wie beispielsweise der XBase 09 (1996), dem Kickdrum-Spezialisten MBase 01 (2004), den beiden Drummachines XBase 888 und 999 (2008) sowie dem analogen Membranmodellierer M.Brane 11 (2010). Berühmt sind die meisten JoMoX-Instrumente vor allem für ihren über jeden Zweifel erhabenen Kickdrum-Sound, mit dem sich in die Fußstapfen der TR-909 und 808 treten ließ, lange bevor sich Roland daranmachte, seine TR-Klassiker im digitalen ACB-Gewand wieder aufleben zu lassen. So ist JoMoX bis heute eine ungebrochene Autorität geblieben, wenn es um flatternde Hosenbeine geht. Dass es Michaelis dabei jedoch nicht einzig um die Bedienung von Retro-Phantasien ging, sondern um die genuine Weiterentwicklung von ehemals bewährten Drummachine-Formaten, macht der JoMoX Alpha Base Drumsynthesizer erneut deutlich.

 

JoMoX Alpha Base Hardware

Der Alpha Base Drumsynthesizer wird mit einem externen Netzteil samt Gerätekabel und einer 4 GB SD-Karte (FAT32-Format) für das Laden von Samples geliefert. Mit seinen 41 x 24 x 8 cm hinterlässt der Alpha Base einen üppigen Eindruck, der durch ein Gewicht von etwa 3,5 kg untermauert wird. Die Verarbeitungsqualität ist hervorragend. Sämtliche Tasten und Regler sitzen fest und das Gehäuse ist von äußerst solider Bauart.

Hinsichtlich der funktionalen Aufteilung schließt das Layout der Bedienoberfläche an die Modelle XBase 888 sowie 999 an, die wiederum in Teilen auf dem Design der klassischen Roland-Modelle TR-808 und TR-909 basierten. Am unteren Ende befinden sich elf graue Taster, mit denen sich die verschiedenen Instrumente bzw. Spuren auswählen lassen, darüber 16 Step-Sequencer-Tasten mit Zweitfunktion. Abgerundet wird der Sequencer-Bereich durch die Roland-typischen Notenskalierungsstreifen, Start- und Stopptasten sowie einer Taste, mit der man durch bis zu vier verschiedene Sequenzabschnitte schalten kann.

Auf der linken Seite befindet sich die sogenannte Encoder-Matrix: 4×4 Drehregler, die kontextabhängig für die Justierung sämtlicher Parameter zuständig sind. Zur Rechten befinden sich ein 2x 24 Zeichen großes Display, ein Dateneingaberad, Cursor- und Umschalttasten sowie Knöpfe für die Auswahl verschiedener Betriebsmodi. Darüber hinaus gibt es noch Tasten für den Wechsel von einzelnen Menüseiten sowie zur Anwahl von einzelnen Bänken und solche, die den Zugang zu globalen Parametern erlauben, wie beispielsweise den MIDI-Einstellungen. Schließlich dürfen natürlich Regler für die Gesamt- und Kopfhörerlautstärke sowie den Eingangspegel zur Aufnahme von Samples nicht fehlen.

Dies führt uns zur Rückseite. Hier befinden sich neben dem Netzschalter und dem Eingang für das Stromversorgungskabel ein USB-Eingang für die Verbindung mit einem Computer sowie MIDI In-, Out- und Thru-Buchsen, ein Steckplatz für eine SD-Karte und schließlich die Ein- und Ausgänge für die Audiosignale in Form von Klinkenbuchsen.

Zu den Ausgängen zählen ein Stereohauptausgang und acht individuelle Ausgänge für die analogen und hybriden Synthesizer-Stimmen. Legt man an den Einzelausgängen ein Kabel an, wird das entsprechende Signal von der Stereosumme des Hauptausgangs abgezogen. Für eingehende Signale steht ein Stereoeingang zur Verfügung, dessen rechten und linken Kanal man auch als separate Monoeingänge nutzen kann.

Die Instrumente des JoMoX Alpha Base

Die Besonderheit des Alpha Base wird in dessen Bezeichnung angedeutet. Dort heißt es nicht einfach nur „Drummachine“, sondern „Drumsynthesizer“. Entsprechend liefert der Alpha Base verschiedene Klangerzeuger: elf sogenannte Instrumente, die gewissermaßen arbeitsteilig zu verstehen sind.

Zunächst gibt es da eine vollanaloge und sehr durchsetzungsfähige Kickdrum. Sie ist ausgestattet mit einem AD-Hüllkurvengenerator für die Tonhöhe, mit dem sich vor allem 909-artige Kickdrums erzeugen lassen. Daneben gibt es Parameter für die Grundstimmung, die Ausklangphase und den Obertongehalt. Mithilfe des letzten Parameters lassen sich neben Kickdrums auch Pauken-ähnliche Klänge erzeugen. Das Timbre lässt sich überdies durch einen Rauschanteil und die Intensität der Pulsschwingungsform modifizieren, die in der Anschlagsphase ertönt.

Als zweiter Rauschgenerator ist beim JoMoX Alpha Base das sogenannte Metal Noise vertreten. Es lässt sich deaktivieren, als weißes Rauschen oder als eine von 126 Varianten metallischen Rauschens zuschalten. Außerdem verfügt dieses Modul über einen Equalizer, mit dem der Grundklang gefiltert werden kann, so man denn weichere Töne anstrebt, einen Kompressor und einen Gate-Parameter, mit dessen Hilfe sich die Länge des Trigger-Impulses festlegen lässt (0,1-15 ms).

Schließlich steht noch ein LFO für die Tonhöhenmodulation mit ganzen 64 Schwingungsformen bereit, zu denen unter anderem bipolare Sägezahn-, Dreieck-, Sinus- und Rechteckschwingungsformen zählen sowie Varianten derselben. Da die LFO-Schwingungsformen auf Samples basieren, kann man theoretisch auch eigens erzeugte Schwingungsformen mit einer Länge von 256 Samples im Raw-Format zu Modulationszwecken nutzen. Großartige Idee!

Der großzügig ausgestatteten Kickdrum folgt ein vollständiges MBrane-Modul, das den Lesern bereits seit dem M.Brane 11 bekannt sein dürfte. Mit seinen beiden Bandpassfilter-basierten Oszillatoren simuliert MBrane das sich wechselseitig beeinflussende Schwingungsverhalten zweier Membranen bzw. Trommelfelle. Bestimmen lassen sich hier die Grundfrequenz beider Filteroszillatoren, die Ausklangphase ihrer Selbstoszillation (Dampen), die Gesamtausklangphase, die Länge des Trigger-Impulses (Gate), die Lautstärke des Instruments und die Intensität der gegenseitigen Modulation beider Filteroszillatoren, die sich individuell von beiden Seiten her justieren lässt.

Für beide Filteroszillatoren stehen ein AD-Hüllkurvengenerator und ein LFO (erneut Sample-basiert mit 64 Schwingungsformen) für deren Tonhöhensteuerung zur Verfügung und jeweils ein metallischer Rauschgenerator mit der gleichen Funktionalität wie bei der Kickdrum. Für Snare-Drum-Zwecke lässt sich zur Signalsumme noch ein weiteres Rauschen hinzumischen, dessen Charakteristik sich ebenfalls modifizieren lässt. Damit bekommt man auch mit diesem Instrument ein zu komplexen Timbres fähigen Tongenerator an die Hand gegeben, der weit über die Möglichkeiten konventioneller Drum-Machine-Parameter hinausgeht. In der Praxis lassen sich hiermit nicht nur Snare Drums, Cow Bells, Toms und Bass Drums programmieren, sondern auch allerlei experimentelle Klänge.

Schaltplan des MBrane

Klangbeispiele
Forum
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    Wellenstrom  AHU

    Sehr potente Maschine. Bei dem Preis und dem Platz, der da noch wäre, hätte man das Display ggf. ’nen Tacken größer gestalten können.

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    falconi  RED

    In den Klangbeispielen klingt es so, als sei die Kick doppelt getriggert – null Schub, Flanging, nicht schön – und das beim Rhythm Composer mit der besten Kickdrum der Welt.
    Was war denn da los?

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    Wellenstrom  AHU

    Ja, ganz krass bei 2, 3 und 5….. hehehe, untighte Doublebass… hat auch schon wieder Stil. Sollte man aber wirklich nochmal überarbeiten.

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    AMAZONA Archiv

    Die Hardware ist ja schön, aber es geht nichts über die große Spark von Arturia für die es schon wieder ein kostenloses Update gibt und die klingt jetzt schon wieder nochmal besser. Bei dem Controller kann man den Computer der ihn ernährt gerne mal vergessen. Eben das beste aus 2 Welten. Ob mir jemals eine analoger klopfgeist hier einzieht bleibt weiterhin fraglich, auch wenn ich schon öfters mal über die jomox airbase 99 gestolpert bin hatte sie am Ende doch keine Chance. Achja und dieses Gerät hier ist mir einfach zu wertvoll für mich.

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    undertheecho

    Ich habe mich schon lange auf einen Testbericht zur Alpha Base gefreut. Also erst einmal vielen Dank für die Mühe und Zeit, die in diesem Bericht steckt.

    Leider muss ich sagen, dass sich dieser Bericht wie die Abschrift der wichtigsten Kapitel der Bedienungsanleitung liest. Gerade bei den JoMox Geräten interessiert es doch wie sich die Handhabung allgemein angefühlt im Vergleich zum Vorgängermodell. Es gab ja zahlreiche Beschwerden im Netz hinsichtlich des OS bzgl. der Vorgängermodelle. Darüber hinaus habe ich den Eindruck, dass der Autor bei den Soundbeispielen nicht selber Hand angelegt hat und nur die Preset-Sounds abgefeuert hat.

    Insgesamt hätte ich mir eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Gerät gewünscht ohne jetzt den Bericht von der Länge her zu sprengen. Es gibt ja zahlreiche AMAZONA Testberichte, die das ausgezeichnet unter Beweis gestellt haben.

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    Maxi  

    Ein hochattraktives Gerät, das so schnell nicht langweilig wird. Die Sache hat allerdings ihren Preis …

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    Son of MooG  AHU

    Diese Über-Drum-Machine war gar nicht auf meinem Schirm (zu teuer), aber der Artikel hat trotzdem Spaß gemacht. Schön, dass man damit auch selber samplen kann…

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    micromoog  AHU

    Eine Frage als Genre-Fremder, sind diese ganzen Doppeltrigger-alike Sounds in den Klangbeispielen Absicht oder kann es die Kiste nicht tighter? Das galoppiert mir alles zu „Drrr, Drrr, Brrr…“

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    martin stimming  

    Das hatten wir weiter oben schon – wir vermuten der beispiel-ersteller hat das so gewollt. Aus welchen gründen auch immer ;)
    Natürlich kann die tight sein.

    (Klugscheissermodus an:) flams und rolls kommen super wenn man sie um die viertel herum platziert, klassicherweise zB auf die letzte 16tel der zweiten zählzeit. So fangen grooves an zu rollen.
    (Und modus wieder aus. )

    Ich reagiere schon bei einem untighten bd transienten sehr ungehalten. Daher musste zB die vermona bd direkt wieder gehen. Da ich die mbase (und auch 888) sehr lange benutzt habe bin ich mir sicher dass dies hier wirklich am erschaffer liegt.

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    Mike Hiegemann  RED

    Liebe Leute: Ein Kurzer Kommentar zu den Klangbeispielen. Da ist wohl in der Tat ein nicht allzu tighter Doppeltrigger dank Latenz zu hören, den ich beim Einspielen, das sehr schnell gehen musste, nicht wahrgenommen habe – Asche auf mein Haupt. Ich selbst kann derzeit keine neuen Audiobeispiele aufnehmen, da das Testgerät wieder zurückgeschickt wurde. Wir werden uns aber um ein paar neue Beispiele kümmern. Bis dahin seien allen noch die einzelnen Klangbeispiele auf der JoMoX-Produktseite ans Herz gelegt und das folgende Video (auf dem Kanal gibt es noch viele mehr):

    https://www.youtube.com/watch?v=2nYwwkmcwLw

    Bitte vielmals um Entschuldigung,
    Mike

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      Flying C  

      Danke für die Auflösung des Rätsels, unter Zeitdruck kann’s ja schon mal eng werden ;) . Aufbau und technische Möglichkeiten wurden im Bericht hinreichend beschrieben, beim neuen Flaggschiff dieses Herstellers habe ich jedoch etwas mehr Details erhofft. Sei’s drum, „Ausnahmedrumcomputer“ finde ich sehr zutreffend.

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          Flying C  

          Wie z.B. das allgemeine Handling ist, wie geht der Workflow von der Hand, das OS wurde ja bereits in einem anderen Kommentar angesprochen.

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            Mike Hiegemann  RED

            Es geht alles recht gut von der Hand. Die Hardware fühlt sich durchgängig gut an, alles sehr wertig. In Sachen Workflow musste ich mich nur ein wenig an die Menüstruktur und die Matrix auf der linken Seite gewöhnen. Beim ersten Blick auf die Matrix denkt man möglicherweise zunächst, „oh Gott, was sollen all die Kürzel und Doppelbelegungen“. Das legt sich aber ziemlich schnell, da hier nichts willkürlich angeordnet oder übermäßig kompliziert ist. Was vermutlich am längsten dauert beim Schrauben ist das Blättern durch die einzelnen Menüseiten. Das kann man aber alles verinnerlichen, wenn man dieses Gerät regelmäßig nutzt.

  11. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Zurück zum Hersteller schicken? Früher durfte man doch als Tester sein Gerät behalten und dafür erwartete man natürlich auch einen entsprechend gefälliges Testergebnis. So gab es auch keinen Zeitdruck. Ihr müsst da mit den Herstellern besser verhandeln, dann habt ihr auch bald einen ganzen Stall voller Gerätschaften auf die ihr Stolz sein könnt. Hihi.

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    tomk  

    Irgendwie kickt mich nur nur Kickdrum … die HH find ich gar furchtbar. Mit Mbrane wurde ich auch nie so warm. Aber ein dickes Ei hat Jomox da gelegt, dass steht außer Frage!

    @ Mike
    Was ist denn ein Doppeltrigger dank Latenz, sowas ist mir in all den Jahren noch nie begegnet?

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