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Test: Polyend Tracker Mini, portabler Sequencer & Sampler

Polyend macht seinen Tracker mobil

3. November 2023

Test: Polyend Tracker Mini, portabler Sequencer und Sampler

Der polnische Hersteller Polyend ist bekannt für innovative Instrumente. Auf dem ersten Produkt, dem Drum-Roboter ‚Perc’, folgten zwei MIDI-Step-Sequencer mit MIDI-/CV-Konverter, ein Synthesizer in Kooperation mit Dreadbox, diverse Eurorack-Module, eine Groovebox und ein Hardware-Sequencer mit Tracker-Software. Letzterer, mit dem selbsterklärenden Namen ‚Tracker‘, hat nun Nachwuchs bekommen. Der neue Tracker Mini ist allerdings nicht nur einfach eine portable Version des Trackers, sondern wurde auch an einigen Stellen aufgerüstet.

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Gemeinsamkeiten von Tracker und Tracker Mini:

  • Step-Sequencer (bis zu 256 Patterns mit 128 Steps) im Tracker-Stil
  • Song-Arranger (bis zu 8 Spuren)
  • umfangreiche Audio- und MIDI-Effekte
  • integrierter Sampler mit Sample-Editor
  • Wavetable-Synthesizer (kompatibel zu Ableton Wave und Serum)
  • Granular-Synthesizer
  • LP/HP/BP-Filter

Unterschiede/Erweiterungen zum Tracker:

  • integriertes Mikrofon
  • Stereo-Sampling (16 Bit, 44 kHz)
  • Sample-Speicher bis zu 8 Minuten (bei Mono, beim Tracker waren es nur 2 Minuten)
  • verbesserter Audio-Signalweg
  • USB-Schnittstelle übertragt neben MIDI nun auch Audio
  • integrierter Akku mit bis zu 8 Stunden Laufzeit

Dafür gibt es beim Tracker Mini das USB-Radio nicht mehr und auch das Jog-Wheel musste sich verabschieden.

Immer einsatzbereit: Der Tracker Mini von Polyend

Was ist eine Tracker-Software?

Kurz zur Erläuterung für all diejenigen, die mit dem Tracker-Prinzip noch nicht vertraut sind: Tracker entstanden Ende der 80er-Jahre und wurden zuerst hauptsächlich eingesetzt, um Musik für Computerspiele zu erstellen. In den 1990er- und 2000er-Jahren fanden diese aber immer mehr Einzug in Heimstudios. Vor allem in der Drum&Bass-Szene waren sie sehr beliebt.

Ein Tracker ist nichts anderes als ein schrittbasierter Sequencer für (damals sehr kurze) Samples, jedoch nicht mit einem Verlauf von links nach rechts, wie wir es von den meisten Hardware-Sequencern oder unserer DAW gewohnt sind, sondern von oben nach unten. Für jeden Schritt hat man hier, je nach Tracker-Software, die Option, ein Sample zu laden mit entsprechendem Notenwert, Anschlagsstärke und oftmals noch 1-2 Effekten. Das war’s auch schon. Vor allem die Option, Effekte schrittbasiert zu programmieren, ist jedoch etwas, was so einen Tracker für viele reizvoll macht. Wenn wir uns das direkt mal anhand des Tracker Mini anschauen, sieht das wie folgt aus:

Von diesen Schritten stehen dann pro Pattern 128 zur Verfügung. Damals war es natürlich noch total schick, Samples digital am Computer in Tonhöhe und Geschwindigkeit zu manipulieren und diese noch mit Effekten zu versehen. Warum also heute noch mühsam, seine Songidee in einem Tracker zu programmieren, wo doch heutzutage mit einer DAW, einem MIDI-Keyboard und zahlreichen anderen Helfern alles schneller geht? Nun, jeder der mal mit einer Tracker-Software gearbeitet hat und Freude an der Arbeitsweise hatte, wird es nachvollziehen können. Es ist einfach ein gänzlich anderer Workflow und man kommt so auf Ergebnisse, die in der DAW wahrscheinlich anders klingen oder teilweise dann doch mehr Zeit in Anspruch nehmen würden. Nicht umsonst gibt es auch heute noch Hersteller, die sich dem Tracker-Prinzip widmen, wie z. B. Renoise mit Redux als Software oder XOR Electronics mit dem Eurorack-Modul Nerdseq, die ebenfalls schon einen Tracker in Hardware verpackt haben.

Der Pattern-Editor des Tracker Mini

Fakten zum Polyend Tracker Mini

Der Name des Tracker Mini ist bei den Maßen 13 x 17 x 2,1 cm und einem Gewicht von 350 g wirklich passend. Polyend verschickt das kleine Baby in einem schicken und hochwertigem Case. Dazu gibt es alles, was man zum Loslegen braucht: USB-Netzteil, USB-C-Kabel mit 2 m Länge, Audioadapter, 16 GB Micro-SD-Karte und ein Minijack zu MIDI-DIN-Adapter (TRS auf Typ B).

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Dazu gibt es zwei Handbücher in ausgedruckter Form, ein sehr umfangreiches (302 Seiten) mit allen Details und eine abgespeckte Essentials-Version zum schnellen Einstieg. Trotz seines geringen Gewichts fühlt sich der Tracker Mini stabil und robust an. Die 32 Bedienknöpfe unter dem Display machen keine unangenehmen Geräusche und haben eine sehr angenehme Haptik. Das LC-Display fällt mit 5 Zoll natürlich deutlich kleiner als beim Tracker aus, aber immer meiner Meinung nach noch groß genug.

Im Lieferumfang befindet sich alles, was man braucht

Anschlüsse des Polyend Tracker Mini

Die Ein- und Ausgänge des Polyend Tracker Mini sind sehr übersichtlich und bieten alles, was man benötigt. An der Unterseite stehen ein Line-Out mit 3,5 mm Stereoklinke für Kopfhörer, ein Line-In mit 3,5 mm Monoklinke, so wie ein MIDI-Ein- und -Ausgang mit ebenfalls 3,5 mm Klinke zur Verfügung. Oberhalb befindet sich ein MicroSD-Karten-Slot und ein USB-C-Anschluss. Letzter kann wie bereits erwähnt neben MIDI auch Audio übertragen und dient nebenbei zum Aufladen des integrierten Akkus. Spielt man seine Spuren über USB aus, stehen 12 Stereokanäle zur Verfügung.

Unten findet man alle nötigen Ein- und Ausgänge

Polyend Tracker: Wie ein großer Gameboy

Hält man den Tracker Mini in der Hand, fühlt es sich an, als ob man einen großen Gameboy spielen würde und kein Musikinstrument. Für das mobile Prinzip und die Programmierung in die Tracker Software finde ich das aber sehr angenehm. Mit der linken Hand navigiert man sich über das kreuzartige Bedienfeld nach oben, unten, links und rechts und selektiert mit dem mittleren Knopf. Die rechte Hand nutzt man dementsprechend für die Menü- bzw. Auswahltaster. In der Regel funktioniert das einwandfrei, an manchen Stellen muss man dann aber etwas ungünstig die Hände kreuzen, möchte man eine Auswahl tätigen, die eine Tastenkombination erfordert. Hier wären seitliche Taster vielleicht eine sinnvolle Ergänzung, vor allem für die Shift-Taste. Die vier Function-Buttons, die mittig unten angeordnet sind, sind den Menü-Fenstern Pattern, Instrument Parameters, Sample Playback und Master zugewiesen. Mit Shift kommt man ebenso zu den Menü-Fenstern für Song, Sample Loader, File (zum Speichern oder Erstellen eines neuen Projects) und Configuration. Es lassen sich aber auch manuell die Fenster Perform, Games, Sample Editor und Sample Recorder zuweisen. Beschäftigt sich man etwas intensiver mit dem Tracker Mini, fühlt sich die zuerst recht komplexe Navigation nach einigen Tagen schon wesentlich einfacher an.

Die Bedienelemente des Tracker Mini

Der Tracker Mini von Polyend als Herzstück

Der Tracker, also der Sequencer, umfasst bis zu 8 Spuren in bis zu 256 Patterns mit jeweils bis zu 128 Steps pro Song. Von den 8 Spuren lassen sich im Pattern-Mode immer nur 4 gleichzeitig anzeigen. Es ist natürlich möglich, Patterns zu kopieren, aber auch zu expandieren (zwischen jedem Step wird ein leerer hinzugefügt), zu ‚shrinken‘ (also komprimieren, jeder zweite Step wird gelöscht) und vertikal zu invertieren. Außerdem lässt sich innerhalb eines Patterns auch duplizieren, sprich aus einer 16-Schritt-Sequenz wird dann eine 32-Schritt-Sequenz. Die Anzahl der Spuren scheint zuerst als Einschränkung, da man seine Samples bzw. Instrumente aber frei auf allen Spuren programmieren kann, klingen die Ergebnisse oft wesentlich umfangreicher.

Bevor man loslegt, müssen aber für jeden Song die gewünschten Samples importiert werden. Diese sollten bedacht ausgewählt sein, vor allem, wenn man mit den Random-Funktionen der FX-Schritte arbeiten möchte. Bis zu 48 Samples pro Song sind hier möglich, wobei es auch ein Format für Multi-Samples mit mehreren Slices gibt. Die Samples können im weiteren Verlauf stets ausgetauscht und erweitert werden. Jeder Schritt im Sequencer hat die klassische Tracker-Funktion, MIDI-Note, Instrument (Sample) und zwei Effekte zu programmieren. Ein Sample klingt dann solange aus, bis ein neues Sample in der Spur getriggert wird oder es einen Off-Befehl erhält, die Effekte sind auch hörbar, wenn kein Trigger erfolgt. Hat man beispielsweise einen Flächensound, der seinen Trigger auf der 1 hat, kann man auch für die Schritte danach das Signal mit Effekten bearbeiten, je nachdem wie lange es eben ausklingt.

Es gibt 39 Schritt-Effekte wie z. B. Volume, Tune, Arp, Roll (in verschiedenen Variatonen), Bitcrusher usw. Alle aufzulisten und zu erläutern, würde den Rahmen sprengen, im Handbuch sind sie aber ausführlich beschrieben. Vor allem aber das Tuning sticht für mich heraus, im möglichen Bereich von 4 Oktaven klang das ausnahmslos gut. Pro Track können die Samples allerdings nicht überlappen und werden abgeschnitten, sobald ein Trigger eines neuen Samples erfolgt. Polyphonie ist ebenfalls nicht möglich, somit bräuchte man für einen 5-stimmigen Akkord eben 5 Spuren (die Funktion MIDI-Chord ist für den Arpeggiator vorgesehen). Ist man mit dem Tracker-Prinzip nicht vertraut, erscheint einem generell das Programmieren sicher zuerst einmal mühsam und umständlich, jedoch führen die schrittbasierten Effekte und die Pattern-Funktionen wie Copy, Expand und Shrink auch sehr schnell zu Ergebnissen, die in einer DAW nur mit relativ viel Aufwand zu bewerkstelligen wären. Das Tempo hat einen Bereich von 40 bpm bis zu 800 bpm.

Der Pattern-Editor des Tracker Mini

Sampling mit dem Polyend Tracker Mini

Der Sampler ist relativ einfach gestrickt und lässt sich dafür aber auch genauso einfach bedienen. Erkannt werden Samples mit 16, 24 und 32 Bit mit 44,1 kHz. Im Menü findet man bezüglich Samples vier verschiedene Optionen:

  • Sample Playback – Start- und Endpunkt sowie Playback-Modus
  • Sample Loader: zum Laden der Samples in ein Instrument (pro Song)
  • Sample Editor: verschiedene Audioeffekte und Timestretch
  • Sample Recorder: zum Aufnehmen über das interne Mikrofon oder Line-In

Für die importierten oder aufgenommenen Samples gibt es die Option, den Start- und Endpunkt zu wählen, diesen zu croppen (Auswahl beschneiden) und zu slicen (Schnittpunkte setzen). Im Auto-Slice-Modus werden Nullpunkte erfasst und Slices gesetzt. Dies funktioniert oft ganz gut, häufig muss man aber etwas nacharbeiten. Setzt man die Slices dann manuell, wird ein erkannter Transient durch einen grünen Slice-Marker sichtbar gemacht (sofern ‚Snap to Zero‘ aktiviert ist) und mit der Select-Taste lässt sich jedes Slice auch schnell abhören. Eine Anti-Aliasing-Funktion gibt es nebenbei bemerkt ebenfalls, die man auch deaktivieren kann, um seinen Songs eventuell einen Lo-Fi-Charakter zu verleihen. Außerdem lassen sich die Samples vorwärts, rückwarts, im Ping-Pong-Modus und als 1-Shot abspielen. Auch wichtige Modulationsquellen wie ein LFO und eine Hüllkurve stehen zur Verfügung. Diese lassen sich für Lautstärke, Panning, Filter, Wavetable Position, Granular-Position und das Feintuning nutzen. Im Sample-Editor gibt es auch noch mal etwas andere Effekte und Tools als im Pattern-Menü: Normalizer, Crop, Reverse, Amplifier, Overdrive, Bitcrusher, Delay, Chorus, Flanger, Equalizer, Limiter, Kompressor, Wavetable Smoother, Timestretch Beat, Timestretch Note, Fade In und Fade Out stehen hier zur Auswahl. Das Sample lässt sich hierbei beliebig oft mit den genannten Effekten bearbeiten. Samples per Timestretch zu bearbeiten, kann dann etwas Zeit in Anspruch nehmen, je nach Länge und Modifikation des Samples. Über die Exportfunktion ist es übrigens auch möglich, die PTI-Instrumente (Multi-Samples) als Wav-Dateien zu exportieren.

Polyend Tracker Mini
Polyend Tracker Mini
Kundenbewertung:
(9)

Möchte man eigene Samples aufnehmen, funktioniert das über den Line-In oder das interne Mikrofon. Die Qualität des Mikrofons ist keineswegs schlecht, man sollte hier dennoch nicht zu viel erwarten. Wie bei einem üblichen Field-Recorder, hört man schnell Griffgeräusche und auch das Betätigen der Aufnahmefunktion wird aufgenommen, sollte man keinen Pre-Roll eingestellt haben. Für den Einsatzzweck ist das Mikrofon aber absolut ausreichend und potentielle Störgeräusche können ja im Sampler auch einfach ausgegrenzt werden. Möchte man etwas zum Songtempo einspielen, steht auch ein Metronom mit Taktangabe und Lautstärke zur Verfügung.

Samples können einfach geschnitten werden, um verschiedene Slices zu triggern

Die Wavetable- & Granular-Synthesizer

Mit dem Tracker Mini lässt sich aus jedem Sample auch ein Wavetable- und Granular-Synthesizer erstellen. Für die Wavetable lässt sich die Position und Größe bzw. Länge festlegen und über das Modulationsmenü lässt sich auch wahlweise ein LFO oder eine Hüllkurve an den Positionsparameter schicken. Polyend liefert bereits einige Wavetables im Mono- und Stereoformat mit.

Den Tracker Mini als Wavetable-Synthesizer nutzen? Kein Problem!

Als Granular-Sampler genutzt hat man Zugriff auf die Parameter Position, Länge, Shape (Hüllkurve) und die Laufrichtung des Grains. Als Hüllkurve lässt sich zwischen Triangel, Rechteck sowie Gauss (ähnlich zu einer Sinuskurve) und als Loop-Funktion zwischen Forward, Reverse und Ping-Pong wählen. Auch hier lässt sich natürlich die Postion über die Modulationsquellen kontrollieren.

Auch Granular-Sampling beherrscht der Tracker Mini und …

… zur Modulation stehen für verschiedene Ziele eine Hüllkurve und ein LFO bereit

Die Mixer- & Master-Sektion

Die Mixer-Sektion ist in zwei Fenster unterteilt. Im Track-Mixer lassen sich die 8 Einzelspuren im Pegel bearbeiten und stummschalten. Im globalen Mixer hat man Zugriff auf Pegel und Mute für Delay, Reverb, Dry Mix, Line In, sowie Line Delay und Line Reverb. Die Rasterung zur Pegeleinstellung ist relativ grob und ungleich. Pegelt man nach unten ist die geringste Absenkung zuerst 0,3 dB und danach fortlaufend 0,42 dB. Pegelt man nach oben, beträgt die Rasterung 0,54 dB.

Die Mixer-Ansicht des Tracker Mini

Im Master-Menü lassen sich Einstellungen für die globale Lautstärke, Reverb, Delay, Limiter und EQ vornehmen. Der Limiter hat übrigens auch eine Sidechain-Funktion und liegt allerdings nicht als letztes in der Kette, sondern noch vor dem EQ. Der Equalizer besitzt 5 fixe Bänder, die sich lediglich im Pegel verändern lassen. Auch hier gibt es eine ungewöhnliche Rasterung von 0,24 dB.  Außerdem kann man zwischen Hard Clip, Soft Clip, Saturate, Overdrive und Drive+ zur Sättigung wählen. Darüber hinaus gibt es einen Bass-Boost von bis zu 5 dB bei 80 Hz und eine Space-Funktion, die das Stereobild verbreitern kann. Die Space-Funktion klingt in vielen Fällen wirklich gut, kann aber auch schnell zu einer unschönen Verzerrung führen.

In der Master-Sektion lässt sich jeder Song noch mal aufplustern

Song- & Performance-Mode des Polyend Tracker

Im Song-Modus können die erstellten Patterns ganz einfach arrangiert werden. Hierfür stehen 255 Slots für jeweils ein Pattern bereit. Das Ganze funktioniert sehr umstandslos und geht leicht von der Hand. Änderungen der Patterns werden direkt übernommen und es lassen sich auch Spuren im Song-Mode umarrangieren

Die erstellten Patterns lassen sich schnell zu einem Song arrangieren

Im Performance-Modus lassen sich, wie der Name schon verrät, Punch-In-Effekte für die Live-Performance erzeugen. Hierfür gibt es 12 Slots für 21 auswählbare Effekte. Diese 12 Slots lassen sich wahlweise für jede Spur aktivieren. Das Programmieren der Performance-Effekte ist erst einmal etwas ungewöhnlich, hat man aber alles nach Bedarf eingestellt so kann auch aus einem einzigen Pattern einen ganzen Song arrangieren. Anders als beim Tracker, hat der Tracker Mini jedoch keine Pads, um die Effekte auszulösen, weshalb ich hierfür zu einem externen MIDI-Controller rate. Toll wäre es, wenn man die Performance-Effekte auch wie eine einfache Automation aufzeichnen könnte, soll aber gar nicht als Kritikpunkt verstanden werden. Allerdings fehlt mir hier die Option, Feedback und Rate des Delays zu ändern.

Man hat die Option, den ganzen Song oder Stems als WAV-File und ebenso das komplette Pattern oder dessen Stems zu exportieren. Auch die Samples lassen sich noch mal alle exportieren. Das bietet sich natürlich an, um komplette Sessions zum Remixen oder zum Ausarbeiten in der DAW zu sichern. Exportiert man die Stems eines Songs, bekommt man 10 Dateien: alle 8 Einzelspuren (auch wenn sie leer sind), die Send Reverb und Send Delay beinhalten. Nur stummgeschaltete Tracks werden nicht exportiert. Als Format liegt das Ergebnis dann immer in Stereo, 16 Bit PCM WAV-Files mit einer Auflösung von 44,1 kHz vor. Hier fände ich es vorteilhaft, wenn man einfach seine Spuren für den Export auswählen könnte und auch das die Bezeichnung der Spuren übernommen wird.

Für mehr Live-Action: Der Performance Modus

Die MIDI-Optionen des Tracker Mini

Der Tracker Mini sendet und empfängt MIDI-Daten entweder via USB oder MIDI. Clock, Transport, Noten und MIDI-CC können rein- als auch rausgeschickt werden und Program-Changes schafft er ebenfalls zu senden. Möchte man den Tracker Mini mit einem MIDI-Keyboard ansteuern, müssen die MIDI-CC-Befehle dementsprechend konfiguriert werden. Generell ist MIDI nicht unbedingt eine Stärke des Tracker Minis. Die Einstellungen für verschiedene Geräte anzupassen, kann schnell etwas nervig werden.

An manchen Stellen etwas umständlich, aber alles, was man braucht: Die MIDI-Optionen

Gesamtkonzept

Ein Sample-basierter Sequencer klingt in erster Linie erst einmal so wie die Samples, mit denen man ihn füttert. Dann kommt es vor allem auf die Ver- und Bearbeitungsschritte an und hier hat Polyend meiner Meinung nach alles richtig gemacht. Die Effekte klingen allesamt absolut brauchbar – vor allem die Send-Effekte empfand ich als sehr gut – und es lässt sich alles so ausproduzieren, dass man entweder seine Stems zum Mischen oder sogar direkt seinen fertigen Song exportieren kann. Mit dem Tracker ist jedenfalls alles möglich, wie auch die mitgelieferten Demo-Songs von einigen recht bekannten Produzenten ausdrücklich beweisen. Für die eigens erstellten Beispiele habe ich versucht, die typischen Anwendungsgebiete eines Trackers zu nutzen: Einen zerpflückten Drumbreak, etwas mit jeder Menge Glitch und einen Ambient-Song. Um noch die Mikrofon-Funktion zu zeigen, habe ich auch einen kleinen Drumloop aus Küchengeräuschen erstellt. Die Beispiele sind nicht nachbearbeitet, lediglich die Demosongs habe ich etwas in der Länge gekürzt.


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Fazit

Der Tracker Mini hat für mich ein durchdachtes und stimmiges Konzept, vielleicht sogar noch mehr als sein größerer Vorgänger. Natürlich ersetzt er einem nicht die DAW, das soll aber auch gar nicht das Ziel sein. Deshalb ist meiner Meinung nach eine mobile Tracker-Version auch total sinnvoll. Durch die Arbeitsweise wird man aus seiner Komfortzone geholt und es entstehen neue, frische Ergebnisse. Für mich hat der Tracker Mini absolutes Suchtpotential und dadurch, dass man ihn im Park, in der Bahn, auf dem Sofa und sonst wo nutzen kann, gibt es auch keine Gefahr für Entzugserscheinungen.

Plus

  • Export von Einzelspuren, Samples und Patterns
  • viel Speicherplatz für Samples in unterschiedlichen Formaten
  • kreatives Arbeiten
  • mobiler Einsatz
  • USB überträgt auch Audio

Minus

  • pegeln in 0,1 dB Schritten nicht möglich
  • Tastenkombinationen manchmal umständlich
  • Preis

Preis

  • 699,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
      • Profilbild
        Numitron AHU

        @Herr Mikrobi ich hab vor einigen Monaten eine Bass Station II verkauft, und siehe da wer kommt? Herr bad Gear persönlich! War echt nett und hat mich sehr gefreut. :-)

    • Profilbild
      der.marder

      @Karpo72 Das Wichtigste an diesem Test finde ich den Hinweis auf „Bad Gear“! Das kannte ich noch gar nicht – aber ich find es mega – danke 😀

  1. Profilbild
    mfk AHU

    Das Gerät ist ein handlich und leicht programmierbar mit gutem Klang und einer beeindruckend langen Akkulaufleistung.
    Die umfangreiche Instrumentenerstellung und der vorbildliche Sampleeditor sind super!
    Es wird gut verpackt geliefert, enthält eine kurze gedruckte Anleitung sowie nützliches Zubehör wie einen USB-SD-Adapter, verschiedene Stromadapter und mehr.

    Die Kopfhörerbuchse vorne fand ich störend und die samtige Beschichtung wird sich im Laufe der Zeit verändern – Siehe Elektron-Taster.
    Die Beschränkung auf nur zwei speziell einstellbare Parameter pro Step empfinde ich als unzureichend. Allerdings lassen sich einfach neue Instrumente mit anderen Eigenschaften programmieren und bei Bedarf einsetzen.
    Es gibt also einen Workaround.
    Die MIDI-Übertragung von Noten von einem Stepsequenzer ist nicht 1zu1 möglich, aber die Noteneingabe funktioniert ebenso gut wie der Einsatz als Synth.
    Insgesamt sind Tracker-Konzepte schwerfällig und unübersichtlich.
    Um zumindest ersteres in den Griff zu bekommen hat sich der Hersteller viele gute Sachen ausgedacht. Das ist wirklich vorbildlich.
    Als einziges Gerät auf einer einsamen Insel, für eine Zugfahrt oder in einer geheimer Abstellkammer neben dem Büro macht es sich wirklich gut.

    Ich hatte ein gutes Wochenende damit – aber für mehr hat es leider nicht gereicht.

    Die Spiele sind übrigens eher doof.

    Danke für den ausführlichen Testbericht!

    Danke für den Testbericht!

  2. Profilbild
    Tomtom AHU

    Als alter Amiga Nutzer hab ich das Tracker Konzept mal echt geliebt. Aber heutzutage ist mir die Bedienung zu umständlich und unmusikalisch. Und als kleines mobiles Device auch zu fummelig. Nichtsdestotrotz vielen Dank für den Testbericht! 👍

  3. Profilbild
    8-VOICE AHU

    „ein Line-In mit 3,5 mm Monoklinke“ dann ist Stereosampling doch nicht möglich? Nur Stereo Samples Import? Möchte ev. Stereosynths mit EFX recorden, welche mit int. Sequencer gespielt werden.

    • Profilbild
      mfk AHU

      @8-VOICE :
      Stereo Line In
      Stereo Line/Headphones Out
      MIDI In
      MIDI Out
      USB-C

      sagt der Herrsteller.

    • Profilbild
      Jens Hecht RED

      @8-VOICE yep, natürlich Stereo – und selbstverständlich auch UKW- statt USB-Radio…kann ich mir im Nachhinein auch nicht erklären weshalb mir das nicht aufgefallen bzw. ist. Sorry dafür!

  4. Profilbild
    Anjin Sun

    Als wer in der heutigen Zeit diesem uralt Tracker Konzept etwas abgewinnen kann … der muss schon nen Fetisch für „uninnovativ“ haben 🤭. Ich konnte damit noch nie etwas anfangen. Für den genannten Preis bekommt man schon ein ordentliches IPad, wenn man unbedingt mobil musizieren will. Ich nutze ja diese „mobile“ Zeit immer um Musik zu hören, mich für´s Studio zu inspirieren.

  5. Profilbild
    agenturkarlsruhe

    Ein entsprechendes Gerät für einen mobilen Einsatz hat wohl jeder von uns in seiner Hosentasche dabei, ein Mobiltelefon kann auch sehr nützlich sein wenn man bestimmte Software in Betracht ziehen würde. XLN Life von XLN Audio bietet hier eine brandneue und interessante VST Lösung die nahtlos mit der dafür entworfen App im WLAN zusammen arbeiten kann. Für diesen Einsatz würde ich jedem die günstigen Fulaim X5 Mikrofone mit einer sehr guten Rauschunterdrückung ans Herz legen. Anbei der Link von XLN Audio Life. Das Leben ist schön teuer genug und kann doch viel einfacher sein.

    https://youtu.be/PGDkOgpOdFA?si=G20yRae1gwQX2Qg3

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