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Black Box: Jomox XBASE 09, Analog Drumcomputer

12. Dezember 2009

Die 909 aus Berlin

Jomox XBASE 09

Jomox XBASE 09

Seine Erfahrungen mit Reparaturen und Modifikationen von TR-909 Drummachines bewegten den studierten Elektrotechniker Jürgen Michaelis Mitte der 90er Jahre, die XBASE 09 zu entwickeln. Er gründete die Firma Jomox, und schon bald wurde aus seinem 909-Clone ein neuer Maßstab für fette, analoge Bassdrums. Zwar war die Anzahl der Instrumente im Gegensatz zum Original deutlich reduziert, dafür bot die XBASE dank kompletter MIDI-Steuerung aller Parameter via Step-Sequencer völlig neue Möglichkeiten, die berühmten TR-909 Sounds erklingen zu lassen.
Für den Status eines Vintage-Gerätes ist die kleine Trommelmaschine natürlich noch zu jung, da sie aber häufig auf dem Gebrauchtmarkt anzutreffen ist, wird sie hier nun als Youngtimer vorgestellt.

Ein erster Blick: Jomox XBase 09

Das Gehäuse der XBASE 09 fällt gegenüber dem Vorbild deutlich kleiner aus (33 cm Breite, 24 cm Tiefe und 7,5 cm Höhe) und bringt dabei rund vier Kilo auf die Waage. Durch die Kombination aus cremefarbigem Stahlblech, orangenfarbigen Streifen und dunklen Holzseitenteilen entsteht eine sehr schöne und warme Optik.
Insgesamt besitzt das Gerät drei monophone Instrumente. Die Bass- und Snaredrum verfügen über eine analoge Klangerzeugung, während die Hihat-Sektion auf 8-Bit Samples basiert. Zur Auswahl stehen closed und opened Hihat, Rimshot, Clap, Right und Crash, die natürlich allesamt aus der 909 stammen.
Ein globales White Noise speist sowohl die analogen Instrumente, kann aber auch im Hihat-Bereich separat editiert werden. Wie schon eingangs erwähnt, sind alle Parameter digital steuerbar, das heißt, sie können gesichert und via Step-Sequencer oder MIDI automatisiert werden. Für noch mehr Bewegung sorgen zwei LFOs, die sowohl frei als auch synchronisiert schwingen können.

Jomox XBASE 09

Das Herz der XBASE 09 besteht natürlich aus dem Lauflicht-Step-Sequencer, der wahlweise über die 16 Step-Taster oder in Echtzeit durch das Anschlagen der Instrumententaster programmiert wird. Zusätzlich bietet die sogenannte Ramp-Page drei MIDI-Tracks, mit denen externe Klangerzeuger steuerbar sind, wobei allerdings nur die Tonhöhe und Notenlänge editierbar ist. Der Step-Sequencer besitzt insgesamt 64 Pattern mit je 16 Steps, wobei die Länge eines Pattern von einem bis hin zu 256 Steps (entspricht einer Pattern-Bank) reichen kann.
Die Geschwindigkeit des Sequencers hat einen Umfang von 38 bis 292 BPM, als Skalierungen lassen sich 16tel, 32tel und 8tel und 16tel Triolen nutzen. Mit der Shuffle-Funktion kann einem Groove noch zusätzlich der letzte Schliff verpasst werden.
Mehrere Patterns lassen sich natürlich auch zu einem Song arrangieren, von denen die XBASE bis zu zehn speichert.
Grundsätzlich kann der Sequencer auf zwei verschieden Arten programmiert werden:
Klassisch wie bei einer 909 lassen sich im Perform-Modus Sequenzen mit zwei Anschlagsstärken erzeugen. Dabei dienen die 100 Factory- und 100 User-Soundbanks stets als Grundlage.
Der Pattern-Modus, eine der Besonderheiten der XBASE, ermöglicht das individuelle Speichern von Parameterwerten pro Step, so dass das Ergebnis dank reichlicher Modulationen wesentlich lebhafter und moderner klingt.
Selbstverständlich lässt der Drumcomputer sich auch über MIDI synchronisieren oder als reiner Expander nutzen.

Jomox XBASE 09

Klangerzeugung der XBASE 09

Die Bassdrum wurde mit den Parametern Tune, Pitch, Decay, Harmonics, Pulse, Noise, Attack und EQ ausgestattet. Via Tune und Pitch wird die Modulationsstärke des Pitch-Envelopes und der Grundton der Bassdrum eingestellt.
Das Obertonspektrum ist mit dem Harmonics-Poti regelbar, was dem Klang wesentlich mehr Härte gibt. Der Rausch- und Rechteckanteil, welcher in der Attackphase erklingt, wird mit den Reglern Noise und Puls bestimmt.
Auch die Snare der XBASE 09 verfügt über einen Envelope, der den zwei Oszillatoren und dem legendären Snappy-Rauschanteil Form verleiht.
Mit gleich zwei analogen Hüllkurven wurde die Hihat-Sektion ausgestattet, so dass die Länge von der geschlossenen und offenen Hihat separat bestimmbar ist. Des weiteren gibt es einen Tuning- und einen Volume-Regler, mit dem die Lautstärkeverhältnisse zwischen den Hihats eingestellt wird.

Jomox XBASE 09

Verarbeitung und Technik

Auf der Rückseite des Gehäuses befinden sich vier 6,3 mm Klinkenbuchsen, jeweils eine für jedes Instrument und ein Masterausgang. Sobald ein Instrument separat verkabelt wird, ist es über die Summe nicht mehr zu hören. Neben dem gängigen MIDI-Trio befindet sich ein Din-Sync-Ausgang, der regelrecht Ausschau nach alten, silbernen Roland Geräten hält. Mit Strom wird die XBASE über ein externes 12 V Netzteil versorgt, dessen Anschluss auch auf der Rückseite neben dem Ein- und Ausschalter liegt.

Das Frontpanel ist mit 23 Potis zur Klangreglung versehen, die äußerst griffig sind, einen gesunden Abstand zueinander haben und auch nach 10 Jahren Live-Betrieb noch wunderbar funktionieren. Gleiches gilt leider nicht für sämtliche Drucktaster, die über die Jahre hinweg immer schwergängiger werden und mit zunehmendem Kraftaufwand betätigt werden müssen. So ist es zum Beispiel ratsam, vor Gigs den Fingernagel am Daumen etwas wachsen zu lassen, damit die Taster im Gehäuse besser versenkt werden können. In diesem Punkt sind die großen weichen Taster der TR-909 doch vorteilhafter.
Eine der nervigsten Macken der XBASE sind willkürliche Parametersprünge, die leider bis zur letzten Betriebssystem-Version 2.09 nicht behoben werden konnten. So verändert sich schon mal das Tuning der Bassdrum, während an Decay geschraubt wird, oder eine Hihat, deren Lautstärke filigran gesteigert werden soll, springt bei der ersten Reglerbewegung komplett auf und sofort wieder zu. So wird ein Live-Auftritt zumindest nie langweilig, denn von Panikattacken bis hinzu unverhofften Improvisationen ist alles drin.

Soundunterschiede – Roland TR 909 vs. XBASE 09

Losgelöst von der Anzahl der Instrumente und den Möglichkeiten des Sequencers unterscheiden sich die Bass- und Snaredrum der XBASE 09 deutlich von denen der Roland  TR-909. Zwar können diese wunderbar nachempfunden werden, letztendlich bietet die XBASE 09 aber doch wesentlich mehr. So lassen sich zum Beispiel bei herunter gedrehtem Filter ebenso Bassdrums im Stil der TR 808 generieren. Und gerade der eben noch beschriebene Noise- und Pulsanteil in der Attackphase lässt den Klang regelrecht klatschen, wie es eine 909 nur mit einem aggressiv eingestellten Kompressor könnte.
Auch die Decay-Zeiten von Snare und Bass sind wesentlich länger als beim Original ausgelegt, wodurch ein Walkingbass ebenso realisierbar ist wie ein kompletter Noiese-Teppich der Snare.

Jomox XBASE 09

Die Jomox XBase 09 in der Praxis

Wie die meisten Grooveboxen mit Step-Sequencer bietet auch die XBASE 09 eine äußerst intuitive Bedienung. In Echtzeit Pattern zu erstellen, Sounds zu modulieren und zu steigern, lädt natürlich regelrecht zur Live-Darbietung elektronischer Musik ein.
Auch als Master in einem MIDI-Setup macht die XBASE 09 eine gute Figur, da der Sequencer unglaublich tight läuft und groovt.
Der klassische Perform-Modus gewährt stets einen Zugriff auf alle Parameter und ist somit für spontane Modulationen natürlich besser geeignet. Abgefahrenere Sequenzen lassen sich hingegen im Pattern-Modus editieren, wenn pro Step Parameterveränderungen gespeichert werden können. Beide Möglichkeiten haben ihre Vorzüge, letztendlich ist eine Frage der Arbeitsweise, welchen der zwei Modi man wählt.

Jomox XBASE 09
Klanglich ist vor allen Dingen nach wie vor die Bassdrum ein Garant für unglaublich fette Sounds, wobei Jomox inzwischen mit den neuen XBASE Modellen 888 und 999 bewiesen hat, dass das alles noch steigerbar ist.
Aber auch die Snare hat deutlich mehr Punch als das Vorbild. Noise-Fahnen können klopfend weich bis hin zu schneidend scharf erklingen, und tief gestimmte Snares lassen sich auch wunderbar als Tom-Ersatz benutzen.
Die Hihat-Sektion hat einen schönen crunchigen 8-Bit-Sound, der die Bass- und Snaredrum gut ergänzt, aber per Regel am Mischpult in den oberen Mitten etwas abgesenkt werden sollte.

YouTube Demo

Fazit

Auch heute ist die Jomox XBASE 09 noch immer eine günstige Alternative zur Roland TR 909. Der durchschnittliche Gebrauchtpreis liegt laut Syntacheles derzeit bei 399 Euro, was durchaus passabel ist.
In manchen Punkten, wie der begrenzten Anzahl an Instrumenten oder den kleineren und minderwertigeren Step-Tastern, müssen im Gegensatz zum Original Abstriche gemacht werden. Genauso biete die XBASE 09 aber auch jede Menge Vorzüge: Eine vielseitigere Klanggestaltung, kräftigerer Sound, komplette MIDI-Steuerung, größere Potis und den individuellen Step-Modus.

Weitere Berichte zu den neueren Jomox Produkten finden Sie im AMAZONA.de Archiv (siehe Verweise).

Plus

  • fette analoge Bassdrum
  • Sound
  • Step-Sequencer
  • äußerst intuitive Bedienung
  • hervorragendes Live-Tool
  • Verarbeitung

Minus

  • willkürliche Parametersprünge
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Loftone

    Die XBase 09 ist ein Geraet welches den Geist der Tr-Serie von Roland wiederspiegeln soll.
    Klanglich hat es nichts mit den Kultmaschinen 808 oder gar 909 gemeinsam.
    Dennoch hat es eine eigene angenehme Note und die fuer analoge „Drummaschines“ typische Lebendigkeit.

    Schwachpunkte sind folgende zu nennen.
    Zum einen die wackeligen Drehregler, die nicht immer auf die vollen Werte zwischen 0 und 127 kommen (es sei denn man steuert sie via Midi) zum anderen nervt der Umstand, dass lediglich die Kick und die Snare eigene Spuren sowie Einzelausgænge besitzen. Die Hihattens teilen sich eine Spur und Ausgang mit den Claps, Rims und sonstigen Sounds und koennen vom internen Lauflichtsequencer nicht gelayert werden.

    Als druckvoll wuerde ich die Kick und Snare in unbearbeiteten Zustand nicht bezeichnen wollen – eher holzig. Besonders gut gefallen mir die Noise-Sounds sowie Claps und ich bin froh, dass Hersteller wie Jomox ua. weitere Geraete dieser Art entwickeln und mit ihrer Preispolitik es einer breiten Masse zugaenglich machen

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    zu den spontan auftretenden parametersprüngen hätte ich gerne ein statement von j.m. dazu gehört. (ist das nur eine bestimmte serie, oder bei allen geräten zu beobachten?). bei meiner xbase ist mir dieses verhalten jedenfalls noch nicht aufgefallen.

    besonders gut gefällt mir aber die möglichkeit parameteränderungen aufzuzeichnen, ähnlich wie bei einer monomachine. damit kann man dann z.b. mit der bd ne melodie spielen.

  3. Profilbild
    Starkstrom  

    Willkürliche Parametersprünge macht meine XBase09 nicht. Auch die Tasten und Poties funktionieren auch nach jahrelangem einstauben nach wie vor 1A.

    Zusammen mit zBsp. einem Shruthi, einem Tubika und ein paar nachgeschalteten Effekten hat man bereits ein Klasse Techno Live-Setup!

    Für einen (derzeitigen) Gebrauchtpreis von ~ 400 Euro bekommt man einen der besten Drummies aller Zeiten! Man sollte allerdings darauf achten, dass er nicht zu sehr abgerockt ist und alle Poties und Taster auch funktionieren – also wie immer: am besten selbst abholen und vor dem Kauf antesten!

  4. Profilbild
    Starkstrom  

    Nachdem ich vor einigen Jahren die XBase999 gekauft hatte, wurde die 09 nicht mehr wirklich viel eingesetzt… Letzte Woche stand ein eventueller Tausch gegen einen Korg EX800 mit Hawk-Board (von mir für einen Bekannten modifiziert) an und ich kramte die XBase09 zum Testen hervor.

    Nach jahrelangem Nichtgebrauch musste ich nun feststellen, dass wohl die Pufferbatterie des Speichers leer ist. Als Bastler hat man ja bekanntermaßen immer ein paar Sockel und CR2032 im Haus – also war der Tausch der Batterie schnell erledigt….

    Danach hab ich sie komplett zurückgesetzt und bin nun dabei neue Pattern zu „Programmieren“.
    Das Kistchen macht immer noch extrem viel Spaß und ich persönlich komme mit keinem anderen Drummie schneller zu fertigen groovenden Drumloops.
    Sie mag recht limitiert sein, was die Anzahl der Instrumente angeht – aber ich denke genau dieser Umstand lässt einen sehr schnell sehr brauchbare Loops bauen.

  5. Profilbild
    Starkstrom  

    Klanglich kann sie absolut überzeugen. Von sehr soften langen Kicks bis zur „Schranzkick“, die Dir den Magen aus dem Bauch drückt ist da alles möglich. Die Snaredrum lässt sich sowohl zur tiefen Tom, zur Cowbell, bis hin zum Rim Shot verbiegen. Die Hihat-Spuren geben nicht ganz so viel Spielraum her, da man hier lediglich die Tonhöhe und das Decay einstellen kann – aber selbst das führt, je nach genutztem Sample, zu „spannenden“ Ergebnissen. Immerhin hat man 2 Decays – eins für das Open HiHat und eins fürs Closed HiHat….

    Willkürliche Parametersprünge macht meine XBase09 nicht. Auch die Tasten und Poties funktionieren selbst nach einigen Jahren ausgiebigem Spielen und davon gefolgtem jahrelangem Einstauben nach wie vor 1A.

    Zusammen mit zBsp. einem Shruthi, einem Tubika und ein paar nachgeschalteten Effekten hat man bereits ein Klasse Live-Setup!

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    Starkstrom  

    Übrigens: Falls die Poties die Einstellung „0“ oder „127“ nicht erreichen gibt es einen Trick: beim Drehen am entsprechenden Potie die „Accent“-Taste gedrückt halten – dann klappt das ;)

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