Velvet Box: Fender Rhodes E-Pianos von Mark I, II bis Vintage Vibe

1. Dezember 2018

Ein Special zur Rhodes-Legende

Ein Name, der Musikgeschichte geschrieben hat: das Rhodes Electric Piano

Vorwort der Redaktion:

Unsere Blue-Box-Serie rund um analoge Vintage-Synthesizer haben wir vor Jahren um die Green-Box-Serie erweitert, die sich den digitalen Vintage-Keyboards annahm. Mit der Black-Box-Serie gaben wir auch den Reportagen rund um Vintage-Drumcomputer einen Namen und dank der Gitarren-Redaktion gibt es mit ZEITMASCHINE inzwischen auch eine Serie für Vintage-Effektgeräte.

Wie ihr bereits ahnt, startet nun mit der Velvet-Box eine Vintage-Serie, die gezielt die fantastischen Keyboards und E-Orgeln der 60er und 70er Jahre beleuchtet. Den Anfang macht dabei Martin Andersson mit einer Story rund um Geschichte, Meachnik und Varianten des legendären Rhodes.

Viel Spaß,
Eure Vintage-Redaktion

The History Of Rhodes

Eigentlich war es als Klavierersatz gedacht. Nur klang es eben ganz anders als ein Klavier und manchem Pianisten krümmte es die Fingernägel beim Gedanken, auf diesem Instrument Bach oder Chopin zu interpretieren. Bis irgendwann in den 60er Jahren einige Musiker auf die Idee kamen, Soul und Jazz darauf zu spielen, woraus sich der Funk entwickelte. Der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Heute ist das RHODES E-PIANO nicht mehr aus der (Populär) Musik wegzudenken.

Rhodes Stage Mark 1

Die Anfänge der Fender Rhodes E-Pianos

Es begann mit einem Klavierlehrer, einem ziemlich erfolgreichen sogar, dessen Methodik berühmt und beliebt war und der in den 1940er Jahren den Auftrag bekam, verwundeten amerikanischen Soldaten im Krankenhaus das Pianospiel näherzubringen. Dazu brauchte es erst mal passende Instrumente, da Klaviere erstens zu groß und unhandlich waren und zweitens nicht in der gewünschten Menge zur Verfügung standen. Harold Rhodes, so hieß dieser umtriebige Klavierlehrer, wollte ein günstiges, einfaches und leichtes Klavier. Und so entwarf er kurzerhand ein kleines Piano, das aus alten Flugzeugteilen gebaut werden konnte und nannte es Army Air Corps Piano bzw. Xylette: ein akustisches Piano mit Metallstäben und einem Tonumfang von zweieinhalb Oktaven. Das Design überzeugte, zwischen 1942 und 45 wurden schätzungsweise 125 000 Xylettes gebaut. Dennoch hatte das Xylette natürlich seine Schwächen, unter anderem war es ziemlich leise. Im Krankenhaus wird dies niemanden gestört haben, aber allgemein betrachtet war es ein Makel. Eine mögliche Lösung dieses Problems lag in der damals eher neuen Technologie von Pickups.

Harold Rhodes mit einem seiner Air-Corps Pianos (Bild fenderrhodes.com)

Amerikanische GIs im (Rhodes) Piano Unterricht (rhodesmusic.com)

1946, 15 Jahre nach der Entwicklung der weltweit ersten E-Gitarre, präsentierte Harold Rhodes an der NAMM sein erstes E-Piano, das Rhodes Pre-Piano. Der Tonumfang betrug nun etwas mehr als drei Oktaven der mittleren Lage (38 Tasten). Zwecks Verstärkung der naturgemäß leisen Metallstäbe kam ein Piezo zum Einsatz, der Röhrenverstärker war im Gehäuse integriert.

Schaltplan des Rhodes Pre-Pianos: Original-Skizze von Harold Rhodes (fenderrhodes.com)

Kennzeichnend für das Pre-Piano ist die fest verbundene Sitzbank.

Geschwungenes Design, das die Formensprache der 50er Jahre vorwegnahm (fenderrhodes.com)

Das Rhodes Pre-Piano mit integriertem Röhrenverstärker (fenderrhodes.com)

Ein Gitarrenbauer bekundet Interesse

Auch das Pre-Piano richtete sich v. a. an Klavierschüler, doch der große Durchbruch wollte noch eine Weile auf sich warten lassen. Dies änderte sich erst, als Ende der 1950er Jahre ein gewisser Leo Fender eine Zusammenarbeit anbot. Dieser hatte den Gitarrenmarkt mit seiner Tele- und Stratocaster ordentlich durcheinander gewirbelt und bot dazu auch die passenden Verstärker an. Eigentlich arbeitete er an einem eigenen E-Piano, doch die Entwicklung kam nicht recht voran. Ein Zusammenschluss mit Harold Rhodes war der logische Schritt, gemeinsam gründeten sie die Firma „Fender Rhodes“.

Dass Fenders Name zuerst genannt wird, ist etwas irreführend, hatte doch Leo Fender nur am Rande an der Entwicklung mitgearbeitet. Wahrscheinlich war er einfach der bessere Geschäftsmann und konnte seine Interessen besser durchsetzen als der Klavierlehrer Harold Rhodes. So auch beim Piano Bass, der gegen Harolds Willen gebaut wurde. Leo Fender hatte das Potential eines Keyboard-Basses als Band-Instrument erkannt, nicht zuletzt um E-Gitarren zu begleiten. Es ist gewiss kein Zufall, dass der Tonumfang des Piano Bass genau dem Viersaiten E-Bass entspricht (Contra E bis C‘).
Der Sound war vielleicht etwas dünner als ein E-Bass, aber auf seine Weise interessant und mit der passenden Verstärkung auch durchsetzungsfähig. Ein Konzept, das unter anderem Ray Manzarek überzeugte, der als Keyboarder von The Doors auch die Rolle des Bassisten übernahm, während seine rechte Hand eine Vox Continental spielte.

Fender Rhodes Piano Bass: das erste Produkt der neuen Firma (fenderrhodes.com)

1963 folgte das Modell Celeste, das die mittlere Tonlage des Klaviers abdeckte, mit wahlweise drei oder vier Oktaven. Aus der Kombination von Celeste und Piano Bass resultierte schließlich ein Instrument, das den späteren (Fender) Rhodes Pianos schon sehr nahe kam. Anbei ein Katalogbild der Celeste und des Piano 61, einem frühen Rhodes E-Piano mit eigenem Verstärker, das in Kleinserie produziert wurde.

Aus dem Fender Rhodes Katalog von 1963 (fenderrhodes.com)

1965 übernimmt der CBS Konzern die Firma und die Karriere des Fender-Rhodes E-Pianos nimmt richtig Fahrt auf. Angeboten wurden verschiedene Modelle, stets in Kombination mit einem Verstärker. Diese Sparkle Silver-Top Models (1965 bis 1969) gelten heute als gesuchte Raritäten.

Das Stage Mark 1 Seventy Three

Fender Rhodes Stage Mark 1: Das Kultinstrument

1970 wurde das Stage Mark 1 präsentiert, das zur Ikone wurde. Das Keyboard war als Live-Instrument konzipiert, auf einen eigenen Verstärker hatte man konsequenterweise verzichtet. Die schräg angesetzten Beine stammten übrigens von der Fender Steel Guitar. Sie ließen sich mit wenigen Handgriffen abschrauben und samt Pedal im Deckel des Pianos verstauen, das praktischerweise im eigenen Flightcase verbaut war.  Mit etwa 60 kg war das Fender Rhodes Stage Mark 1 gewiss kein Leichtgewicht, leichter als eine Hammond war das Rhodes allemal, von einem Flügel ganz zu schweigen.
Ein Modell mit Verstärker wurde weiterhin angeboten, man nannte es Suitcase. Es bietet zusätzlich eine aktive Klangregelung sowie ein Tremolo, während das Stage vollständig passiv aufgebaut ist und lediglich zwei Regler bietet: Volume und Bass. Doch diese Einfachheit sollte kein Problem darstellen, im Gegenteil: Das Stage Piano setzte zu einem beispiellosen Siegeszug an.

Auch wenn sich das äußere Design kaum änderte, wurden über die Jahre unter der Haube einige wichtige Details verändert, beispielsweise bei den Hammerköpfen. Diese waren in den 60er Jahre aus Holz gefertigt und bekamen durch den harten Widerstand der Klangstäbe markante Rillen, was sich ungünstig auf den Klang auswirkte. Ab 1971 setzte man auf Neopren-Hammerköpfe. Auch die Klangstäbe wurden neu gestaltet, etwas dünner und leichter als zuvor und mit einer Neuerung: dank einer Verdrehung der Tonebars um 90 Grad sowie einer härteren Metalllegierung konnte das Schwingungsverhalten markant verbessert werden.

Rhodes Stage Mark 1

1972 wurde zum ersten Mal ein Fender Rhodes mit 88 Tasten vorgestellt. Was sich trivial anhört, war eine technische Herausforderung, da sich die ganz tiefen und hohen Register etwas anders verhalten als die übrigen Töne. Die Lösung war so simpel, dass es eine Zeit brauchte, bis man darauf kam: die tiefen Lagen brauchen keinerlei Tonebars, während die höchste Oktave mit speziellen Holz-Filz Hammerköpfen bestückt wurde für ein homogeneres Klangbild.

Die Geschichte nahm ihren Lauf, die Fender Rhodes Pianos hatten sich ihren festen Platz in der Musik erobert. Vor allem im damals neuen „Rock Jazz“ mit Protagonisten wie Herbie Hancock und Chick Corea war es nicht mehr wegzudenken.

Das Bedienpanel des Stage Mark 1 mit passivem Bass- und Volume-Regler. „Input“ ist eigentlich der Output des Instrumentes. Der kleine Kippschalter links wurde nachträglich eingebaut und schaltet den Ausgang stumm.

 

1975 folgte die formale Trennung von Fender und Rhodes und zwar nur was die Bezeichnung der Instrumente betraf. Beide Firmen blieben bei CBS, es ging in erster Linie darum, die beiden großen Namen auseinanderzuhalten und die unterschiedlichen Produktlinien nicht zu durchmischen. Von nun an hießen die Instrumente ausschließlich “Rhodes”, auch wenn umgangssprachlich bis heute eher von “Fender Rhodes” die Rede ist.

Technisch betrachtet hatte sich nichts geändert, man baute weiterhin die Modelle Suitcase und Stage in den beiden Größen. Parallel bot man weiterhin Instrumente für den Heim- und Schulgebrauch an. Das Modell KMC 1 war de facto ein Suitcase mit fest verbautem Verstärker in einem einteiligen Holzgehäuse. Harold Rhodes war weiterhin als Berater für CBS tätig, während Leo Fender das Unternehmen schon Anfang der 70er verlassen hatte, um mit Musicman eine weitere legendäre Firma zu gründen.

Fender Rhodes Mark 2

Im Laufe der 70er Jahre hatte sich der Keyboard-Markt stark verändert, von den ersten monophonen Synthesizern zu den polyphonen und programmierbaren Instrumenten. Die Bedürfnisse der Keyboarder wurden größer und vielfältiger, im Rock- und Pop-Bereich gab es kaum Musiker, die ausschließlich Rhodes spielten. Da war es kein unwichtiges Detail, dass das Mark 1 eine gewölbte Decke besaß und es somit nicht so leicht war, ein anderes Instrument draufzustellen. 1979 war die Zeit reif für eine äußerliche Neugestaltung des Rhodes Pianos, dieses Mal mit flacher Decke. Die „neuen“ Instrumente wurden Mark 2 genannt, wobei technisch alles beim alten blieb. Zumindest für das erste Jahr. 1980 begann man, statt der ursprünglichen Holztastatur Kunststoffklaviaturen zu verbauen, was zwar das Gewicht um ein paar Kilo reduzierte, jedoch nicht nach jedermanns Geschmack war. Außerdem wurde ein kleines Modell mit 54 Tasten der mittleren Lage präsentiert.

Ein Rhodes Stage Mark 2 Seventy Three (fenderrhodes.com)

Harold Rhodes überwacht die Produktion (1982, rhodesmusic.com)

Fender Rhodes Mark III – Das Ende naht

Anfang der 80er Jahre hatten sich die Zeiten merklich geändert, polyphone Synthesizer waren die Instrumente der Stunde, was den Mutterkonzern CBS veranlasste, die Rhodes E-Pianos moderner zu gestalten. Wie wir heute wissen, war dies nicht von Erfolg gekrönt. Das erste Modell dieser Art war das Mark 3 EK-10: ein Hybrid Instrument, basierend auf einem Mark 2 und einem simplen polyphonen Synthesizer mit zwei Oszillatoren, statischen Filtern und leider ohne LFO. Das EK-10 bot gewiss eine handvoll interessanter Klänge, konnte aber zu keinem Moment auch nur ansatzweise einem Prophet, Juno oder Polysix das Wasser reichen. Dazu war die die Klangsynthese zu simpel aufgebaut.

Ein eher misslungener Versuch, ein Rhodes mit einem Synthesizer zu paaren: das Rhodes Mark 3 EK-10 (fenderrhodes.com)

1982 folgte das nächste Rhodes Instrument, das zumindest fragwürdig war. CBS hatte damals die Firma ARP übernommen und deren polyphones Schlachtschiff Chroma unter dem Firmennamen Rhodes vermarktet, was bei eingefleischten Rhodes-Pianisten für Unverständnis und Verwirrung sorgte. Zudem wurde auch ein elektronisches Piano – ebenfalls aus dem Hause ARP – angeboten, das für sich alleine vielleicht ganz interessant klang, mit einem Rhodes E-Piano aber wenig bis gar nichts gemein hatte. Bis auf den Namen. Harold Rhodes, der damals immer noch als Berater für CBS tätig war, fühlte sich übergangen und protestierte in einem Brief an den damaligen Marketing Chef von CBS:
„There’s nothing wrong with the exposure of the 4 Voice, in whatever glowing terms would best describe its virtues, but to tie it to the skirt strings of the traditional Rhodes, and, while doing so, to publish deliberate untruths about its ability to create „distinctive Rhodes piano sound“ is counterproductive and damaging to both products.[…] This certainly drives a massive spike in the coffin of „our“ Rhodes.“

Das Rhodes (eigentlich ARP) Electronic Piano (fenderrhodes.com)

Rhodes Mark V

Vor allem der letzte Satz sollte sich bewahrheiten, die Tage der Rhodes E-Pianos waren gezählt. Die Entwicklung ging noch ein kleines Stück weiter und gipfelte 1984 im Mark V, dem letzten Glanzlicht der Rhodes Geschichte und je nach Perspektive Höhepunkt der Rhodes E-Pianos. Dazwischen gab es übrigens auch ein Mark IV, das jedoch nie über das Stadium eines Prototypen hinauskam.

Was war so besonders am Mark V? Am auffälligsten gewiss das Design, das, nun ja, Geschmacksache ist. Das Gehäuse war komplett aus Plastik gefertigt, was wiederum dem Gewicht zugute kam. An inneren Werten überzeugte v. a. die verbesserte Mechanik und eine sauber abgestimmte Holztastatur. Das „Stage 73 MIDI“ war das bis dato komplexeste Rhodes und bot eine aktive Klangregelung sowie MIDI Out mit mehreren Splitzonen. Erster und prominentester Nutzer war Chick Corea, der bis heute eines der insgesamt drei gebauten MIDI-Mark V spielt. Doch letzten Endes konnte auch dies den Untergang von Rhodes nicht mehr aufhalten, 1986 wurde die Produktion eingestellt.

Die passive Variante des Rhodes Mark 5 (fenderrhodes.com)

Rhodes Pianos konnten nicht mehr zu einem konkurrenzfähigen Preis angeboten werden, was weniger am Management lag, als vielmehr an den veränderten Bedingungen am Markt. Der wahre Grund für das Ende der Rhodes E-Pianos war simpel und hatte drei Zeichen: DX7. 1982 begann eine neue Ära der Keyboards und zum ersten Mal überhaupt gab es ein bezahlbares Instrument, das die meisten Sounds, die man im Studio und auf der Bühne brauchte, anschlagdynamisch war und dabei nicht einmal zwanzig Kilo wog. Aus heutiger Sicht kann man sich kaum vorstellen, welche Anziehungskraft der DX7 damals auf die Tastenspieler ausübte. Kein Wunder, dass Rhodes dasselbe Schicksal ereilte wie den großen (amerikanischen) Synthesizerfirmen.

Anfang der 90er gab es noch ein kurzes Revival in Form des MK80 und MK60: digitale Rhodes Pianos, gebaut von Roland, die sich die Markenrechte gesichert hatten. Diese zählten damals zu den besten digitalen Rhodes-Kopien und waren dennoch meilenweit vom Original entfernt. Kein Wunder, dass Harold Rhodes nicht sonderlich erfreut war. Ein weiteres Mal protestierte er vergeblich.

Die Neuzeit

Danach wurde es ruhiger um die Rhodes E-Pianos. Sie hatten sich ihren verdienten Platz in der Musikgeschichte gesichert, und gerade im Jazz, Funk und Soul kamen sie nie aus der Mode. Wer etwas auf sich hielt, kaufte sich auf dem Gebrauchtmarkt ein Stage Mark 1 oder 2 mit 73 Tasten, andere Modelle waren eher selten.

Harold Rhodes im Studio anno 1992 (rhodesmusic.com)

Irgendwann in der Mitte der Nullerjahre verbreitete sich die fast unglaubliche Meldung: ein neues Rhodes werde gebaut. Ein echtes, kein digitales Replikat. Dahinter stand die Rhodes Music Corporation, gegründet von einem gewissen Joseph A. Brandstetter, ein langjähriger Vertrauter von Harold Rhodes. Letzterer hatte sich schon 1997 die Markenrechte zurückgekauft, doch blieb es ihm vergönnt, seinen Traum eines neuen E-Pianos selbst noch zu erleben, er verstarb im Jahre 2000.
2007 wurde das neue Mark 7 auf der NAMM in verschiedenen Konfigurationen und Farben vorgestellt, von einfachen passiven Modellen („S-Serie“) bis zu MIDI-fizierten Instrumenten mit eingebauten Effekten. Passende Verstärker wurden auch gleich mit angeboten. Die Firma Rhodes war wieder da. Doch leider wich die anfängliche Euphorie einer gewissen Ernüchterung. Viele Musiker empfanden den Klang als zu sauber, beinahe steril, während das Design doch eher gewöhnungsbedürftig war. Außerdem wurde die Qualität der Tastatur bemängelt, in einigen Testberichten war sogar von „klebenden Tasten“ die Rede. Dabei kostete ein Mark 7 doppelt bis dreimal so viel wie ein Mark 1 oder 2 auf dem Gebrauchtmarkt. Gleichzeitig wurden digitale Rhodes-Klone immer besser, Nord Electro und Korg SV-1 setzten neue Maßstäbe bei viel geringeren Kosten und Gewicht.

Rhodes Mark 7

Anfang der 2010er Jahre hieß es dann, dass die Produktion eingestellt wurde. Im Internet ist die Firma weiterhin präsent, kaufen kann man die Instrumente hingegen nicht mehr. Und so war dies wahrscheinlich das letzte offizielle Modell der wunderbaren elektromechanischen Pianos von Harold Rhodes.

Das (vorerst) letzte Rhodes E-Piano: das Mark 7, hier die MIDI-Version in der Suitcase-Variante (rhodespiano.com)

Das Rhodes Mark 7 in der Version „A“ mit aktiver Klangregelung und Tremolo (rhodespiano.com)

Vintage Vibe E-Pianos aus New York

Doch die Geschichte nahm eine neue, ziemlich unerwartete Wendung, als 2011 die bis dato eher unbekannte Firma Vintage Vibe aus New York ein neues elektro-mechanisches Piano auf der NAMM präsentierte. Äußerlich sieht es zwar eher wie ein Wurlitzer aus, die inneren Werte zeigen jedoch klar in Richtung Rhodes mit nachgebauten Rhodes Klangstäben. Vintage Vibe war seit Jahren auf die Reparatur von Rhodes E-Pianos spezialisiert und hatte sich ein breites Wissen angeeignet, was sich in einem durch und durch überzeugenden Sound niederschlägt. Die Vintage Vibes sind exzellente Instrumente und in verschiedenen Größen, Farben und Ausstattungen (passiv und aktiv) erhältlich, sogar auch mit MIDI. Nebst einem wunderbaren Sound und einer perfekt eingestellten Mechanik überzeugen sie durch ihr vergleichsweise geringes Gewicht. Ein 73er Modell wiegt gerade mal 27 kg, was im Vergleich zu einem Rhodes mit 60 kg wie ein wahrgewordener Traum erscheint.

Erinnert äußerlich zwar an ein Wurlitzer, ist aber ein waschechter Rhodes-Klon: das Vintage Vibe aus New York (vintagevibe.com)

Technik und Mechanik

Die Mechanik des Rhodes ist eigentlich eine stark vereinfachte Flügelmechanik, deren Hämmer anstelle von Saiten Metallstäbe anschlagen. Diese klingen aber so leise, dass eine elektrische Verstärkung unabdingbar wurde. Denn einen Resonanzboden, eigentlich das klingende Herzstück eines jeden Klaviers und Flügels, besitzt das Rhodes nicht. Das wäre auch zu kompliziert gewesen, denn Resonanzböden brauchen besonderes Holz, viel handwerkliches Geschick sowie eine gewisse Mindestgröße, um gut zu klingen. Das einzige, was im Rhodes schwingt, sind die Klangstäbe, die über eine senkrechte Brücke mit den Tonebars verbunden sind. Zusammen ergeben sie eine freischwingende Konstruktion, ähnlich einer Stimmgabel. Man nennt sie auch „Rhodes Tuning Fork“. Somit ist das Rhodes ein sogenannter Selbstschwinger, auch Idiophon genannt, und steht physikalisch betrachtet dem Triangel näher als dem Klavier.
Die Besonderheit liegt nun darin, dass der Hammer den eher dünnen Klangstab (englisch Tine) anschlägt. Dessen Vibration überträgt sich auf den Tonebar, der viel massiver gebaut ist. Der Ton des Rhodes ist also eine Kombination der sehr kurzen Attack-Zeit des Klangstabes und der langen Sustainphase des eher trägen Tonebars.

Die Rhodes Tuning-Fork (fenderrhodes.com)

Die Rhodes „Tuning Fork“: Die Position der Feder unten rechts definiert die exakte Tonhöhe

Klaviatur: Einfach und ausdrucksstark

Jedem Klavierbauer und (klassischem) Pianisten würde das Blut in den Adern gefrieren beim Anblick der stark vereinfachten Mechanik eines Rhodes Pianos. Das simple Design sollte in erster Linie die Produktion vereinfachen und ist vom technischen Aufbau einer gewichteten Tastatur aktueller MIDI-Keyboards und Workstations unterlegen. Und dennoch wird jeder Rhodes-Spieler bestätigen, dass man auf einem echten Rhodes anders spielt und sich musikalisch lebendiger und präziser ausdrücken kann als auf jeder noch so ausgeklügelten MIDI-Tastatur mit Hammermechanik, die einen digitalen Klang ansteuert. Das Rhodes vermittelt dem Spieler ein taktiles Feedback – ein Vorteil der stark vereinfachten Mechanik. Man spürt den Anschlag und Widerstand der Klangstäbe und ist dem Klang näher als bei jeder noch so gelungenen Simulation. Ein subtiler, aber wichtiger Unterschied.

Verstärker

Technisch betrachtet sind E-Pianos das Pendant zur E-Gitarre und so liegt es auf der Hand, dass man zur Verstärkung meist auf die edlen Kisten der Gitarristen zurückgriff. Diese Ehre wurde vor allem zwei Verstärkern zuteil: Fender Twin Reverb und Roland Jazz Chorus. Einmal Röhre und einmal Transistor, die symbolisch für die beiden Extreme des Rhodes Klangbildes stehen. Ein klarer, präziser, filigraner und schwebender Sound des Roland Verstärkers auf der einen Seite und der bodenständige, leicht angezerrte Klang von Fender.
Und hie und da wurde ein Rhodes auch über eine Leslie Box gespielt. Das klingt natürlich kraftvoll und fett und ist dennoch ein Sound, der sich schnell abnutzt. Das starke Tremolo der Leslie hat die Tendenz, die natürliche Dynamik, sozusagen die Hüllkurve des Rhodes, zu überdecken und beinahe zu erdrücken. Bei einer Hammond ist dies leichter zu verkraften, da Orgeln ohnehin nur zwei Dynamikstufen kennen: Ton ein, Ton aus. Von Fußschwellern und beherztem Rumschieben an den Draw-Bars mal abgesehen. Kurz gesagt klingt ein Leslie am Rhodes spannend, jedoch wird man des Klanges schnell überdrüssig. Und bei ausgeschalteter Rotation macht sich der etwas blecherne Charakter des Leslies bemerkbar, mit eher schwachen Mitten.

Effekte

E-Pianos wurden immer gerne mit Effekten gespielt, meist bediente man sich bei der Saitenfraktion. Dedizierte E-Piano Effektgeräte sind praktisch inexistent. Dabei wäre dies gewiss eine sinnvolle Idee gewesen, da der Frequenzumfang wesentlich größer ist als auf der Gitarre. Hier eine unvollständige Liste, der bekanntesten und wichtigsten Effekte fürs Rhodes:

Equalizer

Beginnen wir mit dem Trivialen: eine der effektivsten Arten, den Klang eines Instrumentes zu beeinflussen, ist und bleibt ein Equalizer. Der Rhodes Klang ist in seiner Reinform reich an Obertönen und lässt sich in alle möglichen Richtungen verbiegen. Ein gut klingender Equalizer kann Wunder wirken und jedem noch so schlaffen Rhodes Klang auf die Sprünge helfen. Ob dieser graphisch oder parametrisch ausgelegt ist, ist erst mal Geschmackssache.

Filter

Für etwas drastischere Eingriffe bieten sich natürlich auch Filter an, meist als Tiefpassfilter ausgelegt. Steuert man Cutoff über ein Pedal und schraubt die Resonanz ein bisschen hoch, nennt man das Wah-Wah. Doch ist natürlich noch viel mehr möglich als die allzu bekannten und leider abgedroschenen Wah-Wah Sounds. Deshalb würde ich von dedizierten Wah-Wah Pedalen eher abraten. Ein gutes Filter-Pedal samt Schweller kann alles, was ein Wah-Wah auch kann und bietet darüber hinaus noch andere Möglichkeiten. Beispielsweise die Verbindung mit einem Envelope Follower, der aus der Amplitude eine Steuerspannung ableitet, die wiederum zur Steuerung von Filter-Cutoff verwendet wird. Das Filter folgt der eigenen Spielweise, die Cutoff-Frequent verhält sich analog zur Lautstärke. Somit erhöht sich die Dynamik des Instrumentes insgesamt, da leise Töne dumpf und laute hell klingen.
Interessant wäre auch eine reziproke Schaltung, die die Cutoff-Frequenz bei höherer Amplitude zurückschraubt. Die Dynamik würde allgemein etwas flacher, eine Art frequenzabhängiger Kompressor.

Modulationseffekte: Chorus, Tremolo und Phaser

Hier spielt die Musik. Modulationseffekte sind die wahrscheinlich wichtigsten Effekte, das ist das Terrain, wo das Rhodes seine wahren Stärken ausspielen kann. Warme, schwebende und schillernde Klänge aller Art, die dank des langen Sustains auch beinahe als Flächen gespielt werden können.
Am bekanntesten ist dabei das Tremolo des Suitcase Modells. Phaser und Chorus werden auch gerne eingesetzt. Mein persönlicher Favorit ist der SCF von TC-Electronics. Ein Chorus/Flanger-Pedal, das den Sound herrlich breit macht, ohne dabei zu eiern. Zudem ist es praktisch rauschfrei, was für das eher schwache Signal des Rhodes nicht irrelevant ist.

Der „Stereo Chorus Flanger“ von TC Electronics, ein de facto rauschfreies Effektpedal, das auch als Pre-Amp eine gute Figur macht

Verzerrer

Und was ist mit all den bei den Gitarristen so beliebten Overdrives, Distortions und Metallizern? Es mag erstaunen, aber sie kommen beim Rhodes eher selten zum Einsatz, da es bei entsprechender Justierung der Klangstäbe und Pickups problemlos in die Zerrung gespielt werden kann. Abgesehen davon bieten die meisten (Gitarren)-Verstärker zumindest leichte Verzerrer.
Ein weiterer wichtiger Grund, weshalb Verzerrer nur selten auf oder unter Rhodes Pianos zu finden sind, ist wohl, dass das Rhodes meistens von Pianisten gespielt wird, die am liebsten mit allen zehn Fingern irgendwelche krassen Akkorde in besonderen Voicings drücken (ich gehöre ja selbst auch zu dieser Fraktion), und da klingen Verzerrer einfach nur nach riesengroßem Klangmatsch. Für monophone und oktavierte Unisono-Linien könnte man sich hingegen durchaus ein verzerrtes Rhodes vorstellen, wenn man nicht gerade einen adäquaten Synthesizer zur Hand hat.

Sample oder echtes Rhodes?

Schon früh versuchte man, den charakteristischen Rhodes Sound zu klonen: DX7, D50, M1 … stets wurde ein „E-Piano“-Sound angeboten, der zwar irgendwie an ein Rhodes erinnerte, aber niemals ebenbürtig war. Dass auch eine unperfekte Kopie seinen Charme hat, wissen wir spätestens seit dem DX7, dessen E-Piano stilbildend für die Soul- und Pop-Musik der 80er wurde.
Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe hervorragender Rhodes Mark1 und Mark2 Samples und Softwares, die gewiss schon tausendfach in professionellen Aufnahmen eingesetzt wurden. Die Frage ist natürlich berechtigt, wer denn heute noch ein echtes Rhodes braucht und vor allem: wozu?
Jahrelang war ich der Meinung, dass ich angesichts der schönen Samples des Nord Stage auf mein Rhodes verzichten könnte. Ich war schon nah dran, mein Stage Mark 1 Seventy-Three, das ich mir im zarten Alter von siebzehn Jahren von meinem Ersparten zulegte, zu verkaufen.
Doch greift diese Sichtweise zu kurz.

Mit derselben Logik könnten wir auch alle Konzertflügel durch MIDI-Tastaturen, schnelle Rechner und speicherintensive Librarys ersetzen. Dennoch käme kein seriöser Pianist auf die Idee. Jedes Rhodes ist anders, jedes hat seine Eigenheiten, die sich in keiner Software abbilden lassen. Es sind gerade die technischen Unregelmäßigkeiten, das Unperfekte des simplen Designs, das diese Instrumente einzigartig macht. Beispielsweise die Tastatur, deren Anschlagdynamik von feinen, glockenhaften Klängen bis zur Verzerrung reicht. Die Dynamik ist erstaunlich hoch, auf einem Rhodes lässt sich problemlos von ppp bis fff praktisch der gesamte Dynamikbereich der klassischen Musik abdecken, sofern man dies denn überhaupt wünscht. Und hier liegt wohl der Hund begraben: für die Bedürfnisse der Pop- und Rockmusik, wo Dynamik ohnehin mittels Kompressoren auf ein Minimum reduziert wird, reichen die digitalen Simulationen und Samples meistens aus. Öffnet man hingegen das musikalische Spektrum etwas weiter in Richtung Jazz, Funk und Neue Musik, wird es kaum einen Pianisten geben, dem die Vorzüge eines echten Rhodes nicht auffallen würden.

Ein Mark 1 Seventy Three mit geöffnetem Deckel

Fender Rhodes gebraucht kaufen

Die Diskussion, welches denn das beste Rhodes sei, füllt ganze Internet-Foren, wobei sich der Erkenntnisgewinn in Grenzen hält, da die immer gleichen Argumente ausgetauscht werden. Immerhin sind sich die meisten Forumsschreiber darin einig, dass das Mark V „the greatest Rhodes ever“ sei. Mag sein. Ich kann diesbezüglich nicht mitreden, da ich noch nie das Vergnügen hatte, selbst auf einem zu spielen. Am verbreitetsten sind die Stage Mark 1 und Mark 2, jeweils mit 73 Tasten. Dabei gilt das Mark 1 meistens als das bessere und einige Spezialisten bieten sogar an, ein Mark 2 so zu tunen, „that it sounds like a Mark 1“.

Meine Meinung dazu? Na ja … ich kenne gute Mark 2 und schlechte Mark 1 und umgekehrt. Es kommt immer auf das individuelle Modell an und vor allem auf das Tuning. Wie das genau funktioniert, werde ich in einem weiteren Artikel beschreiben.
Bleibt noch die Klaviatur. Wie schon beschrieben, gibt es einige Mark 2 Modelle mit Plastik- statt Holztastatur, was sich eher nach Digital-Piano anfühlt als nach Klavier. Ob man sich daran stört, muss jeder selber entscheiden. Ich würde auf jeden Fall eine Holztastatur präferieren. Auf dem Gebrauchtmarkt sind die Preise in den letzten Jahren etwas angestiegen und bewegen sich heute zwischen 1500 und 2500 Euro für ein Stage Seventy-Three Mark 1 oder 2. Für alle anderen Modelle – also Eighty-Eight und Suitcase in beiden Größen – ist Geduld angesagt, sind sie doch nur sehr selten zu finden. Von den Ende 60er Sparkle-Top Modellen ganz zu schweigen. Wer den wirklich ultimativen Rhodes Sound sucht, kann sich auch die Vintage Vibes anschauen und macht dabei gewiss nichts falsch, sofern er die höheren Preise nicht scheut.

Piano Bass?

Ab und zu wird auch ein Piano Bass im Netz angeboten. So schön und sexy diese Instrumente sind, sollte man nicht vergessen, dass sie sich klanglich nicht von normalen Mark 1 und 2 unterscheiden. Man spart Platz und Gewicht, ansonsten ändert sich nichts. Der Tonumfang erstreckt sich über die untersten zweieinhalb Oktaven eines Seventy-Three, tiefere Töne bietet nur das Eighty-Eight.

Berühmte Fender Rhodes Musiker

Wer hat denn alles Rhodes gespielt? Wahrscheinlich wäre es einfacher zu fragen: Wer eigentlich nicht? Das Rhodes war in den 70er Jahren allgegenwärtig, es gab kaum einen Keyboarder, der nicht zumindest hie und da dem Rhodes die Ehre erwies. Ein paar Namen möchte ich herausgreifen:

Aretha Franklin hat in den 60ern ihre Songs auf einem Sparkle-Top Fender Rhodes komponiert und arrangiert. Auch Stevie Wonder spielte es oft und gerne, obwohl er vor allem für seinen markanten Clavinet Sound bekannt wurde („Superstition“!).

1972 legte ein brasilianischer Pianist ein epochales Album vor: Auf Prelude verschmolz Eumir Deodato (er heißt wirklich so) Rock, Funk und Jazz mit klassischer Musik (unter anderem „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss). Der Meister selbst spielt Rhodes, begleitet von einer über zwanzigköpfigen Band mit dem Prädikat: extrem groovig!

Ein großer Förderer des Rhodes ist auch der Trompeter Miles Davis. Er gilt als einer der innovativsten Musiker überhaupt, auf seinen über 80 Schallplatten hatte er immer wieder den Jazz neu erdacht und erfunden. Ende der 60er versammelte Miles zahlreiche junge und vor allem talentierte Musiker zu großen Sessions, die aufgezeichnet und geschnitten als Bitches Brew den Jazz Rock und die psychedelische Welle der 70er vorwegnahm. Ans Rhodes setzte er niemand Geringeren als Chick Corea, Herbie Hancock und Joe Zawinul. Diese galten damals als talentierte Pianisten mit überschaubarem Bekanntheitsgrad. Nicht zuletzt dank Miles Davis wurden alle zu gefeierten Stars des Jazz-Rock, Funk und Fusion.
Chick Corea pflegte einen eher feinen und glockigen Rhodes Sound, gut zu hören auf seinem Album Return to Forever (1972).
Bei Herbie Hancock war der Klang eher etwas mittenbetont und trockener. Berühmte Alben sind Headhunters (1973) und Mr. Hands (1980). Zu empfehlen ist dabei vor allem der Song Just around the Corner mit einem wunderbaren Rhodes Solo ab Minute 2:55.

Doch auch im eher traditionellen Jazz wurde das Rhodes eingesetzt, so beispielsweise vom Großmeister des Pianos Bill Evans, der auf dem Album From Left to Right dem Rhodes ein ehrwürdiges Denkmal setzte. Der Titel bezieht sich übrigens auf seine Spielweise: Mit der einen Hand spielte er ein Rhodes, mit der anderen einen Steinway.

Im zeitgenössischen elektronischen Jazz spielt das Rhodes weiterhin eine große Rolle, zu hören beispielsweise bei Nils Frahm. Schöne Aufnahmen gibt es auch vom norwegischen Pianisten Bugge Wesseltoft, ein Pionier im elektronischen Jazz. Ein hörenswerter Song mit Rhodes ist Change.

Das Fender Rhodes in Rock und Pop

Ray Manzarek von The Doors hatte ich ja schon erwähnt. Sein Spiel des Rhodes Piano Bass war stilprägend und revolutionär, da er gar nicht erst probierte, einen E-Bass zu imitieren, sondern Keyboard-typische Basslinien entwickelte. Zusammen mit seiner Vox Continental prägte er seinen ganz eigenen Sound, der zum Markenzeichen der Band wurde. Ab und zu spielte er auch beidhändig auf einem Suitcase oder Stage, am bekanntesten ist da bestimmt Riders on the Storm mit seinem Rhodes Intro mit viel Tremolo.

Auch Frank Zappa gehört in diese Liste. Zu empfehlen ist unter anderem das Album Waka/Jawaka (1972) mit George Duke am Rhodes.

Pink Floyd verewigte das Rhodes auf seinem Album Animals: Das Intro zu Sheep stellt einmal mehr Richard Wrights großes musikalische Verständnis unter Beweis.

Jamiroquai legte 1993 mit Emergency on Planet Earth ein herrlich funkig-grooviges Album vor, das nebst coolem Bläsersatz, Didgeridoo und einer super präzisen Rhythmusgruppe auch mit schönen Rhodes-Riffs überzeugt.

Fender Rhodes Klangbeispiele

Mein Rhodes ist momentan leicht verstimmt, kein Wunder, liegt doch die letzte Stimmung über zehn Jahre zurück. Dafür klingt es noch erstaunlich gut. Auch die Intonierung ist nicht mehr die beste, gerade die höheren Register tendieren zu einem härteren Klang. Wie dem auch sei, werde ich es in Bälde bei einem Fachmann stimmen und intonieren lassen. Die Klangbeispiele zeigen daher den aktuellen Ist-Zustand, der weit von einem perfekten Rhodes Klang entfernt ist und dennoch seinen Charme hat.

Als Interface diente ein Mackie Onyx 820i, das Rhodes wurde ohne externen Preamp direkt aufgezeichnet.

Klangbeispiel 1: Eine Chorus-Delay Orgie (TC Electronic SCF, Nova Delay und Hall of Fame)

Klangbeispiel 2: eine Art Ballade mit Chorus (zum Vergleich sind die ersten fünf Sekunden ohne Chorus aufgezeichnet). TC-Electronics SCF.

Klangbeispiel 3: Kleiner Jam zu einem Logic Funk Beat (mit leichtem Kompressor auf dem Rhodes)

Fazit

Die Tage des Rhodes sind noch lange nicht gezählt. Ursprünglich als Klavier-Ersatz gedacht, ist es natürlich weit mehr: ein ausdrucksstarkes Instrument, das Generationen von Musikern prägte und aus dem Soul, Funk und Jazz nicht mehr wegzudenken ist. Auch in anderen Stilen, von Hiphop über Rock bis Latin, hat es seine Spuren hinterlassen. Zusammen mit der Hammond Orgel und einigen Synthesizern gehört das Rhodes zu den wichtigsten Tasteninstrumenten des 20. Jahrhunderts. Digitale Simulationen gibt es in Hülle und Fülle, doch bestehen weiterhin Unterschiede zum Original.
Klang und Spielgefühl eines gut justierten Rhodes schlagen jedes Sample. Klar, das Gewicht ist ein Problem, aber ehrlich gesagt auch das einzige. Und während im Synthibereich die Diskussionen schon längst in feinstoffliche Sphären eingetreten sind und die Unterschiede zwischen Prophet-5 Rev.2.2 und Rev 2.3. erörtert werden, geben sich die meisten Keyboarder erstaunlich kompromissbereit, was den Sound eines Rhodes betrifft. Meistens ist man mit einem Nord Stage oder Korg SV-1 ganz zufrieden. Schade, dass wir Pianisten und Keyboarder nicht häufiger auf das Original setzen.

Ein Fender Rhodes fühlt sich im Gegensatz zu all den ach so tollen Stagepianos, Workstations und Super-Duper-Keyboards irgendwie doch ein bisschen lebendiger und organischer an. Gerade die kleinen technischen Mängel, das Unperfekte, die feinen Unterschiede zwischen den Tasten und Tönen – all das haucht diesem Instrument eine Seele ein, die man auf einem digitalen Instrument nie erleben wird.

Zum Schluss ein Aufruf in eigener Sache. Mit diesem Artikel beginnen wir eine neue Serie auf AMAZONA.de: Die Velvet Box widmet sich fortan elektromechanischen Keyboards, also E-Pianos, Clavinets, Orgeln, elektrischen Flügeln etc. Wer etwas in der Art besitzt und sich freuen würde, sein Instrument in einem Artikel verewigt zu sehen, möge uns Bescheid geben.

Außerdem möchten wir die besonderen Instrumente aus der DDR (Weltmeister Claviset, Vermona Orgeln etc.) beleuchten.

Plus

  • Sound
  • Spielgefühl
  • Optik

Minus

  • Gewicht

Preis

  • Gebrauchtmarktpreise für Stage 73 (Mark 1 und Mark 2): 1.500 bis 2.500 Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Starkstrom  

    Toller sehr umfangreicher Beitrag mit prima Klangbeispielen! Das war viel Arbeit – vielen Dank dafür!
    Zum Thema „Sample oder echtes Rhodes?“ würde ich sagen – es kommt drauf an….
    Wenn man Musik macht um der Musik willen – wenn also das akustische Erlebnis Dritter im Vordergrund steht – ja, dann kann man praktisch alle Instrumente durch Samples ersetzen – den Unterschied hören ohne Direktvergleich eh nur wenige….
    Wenn man aber aus „Liebe zum Instrument“ spielt und die oben angesprochenen technischen Unregelmäßigkeiten, Eigenheiten und vor allem die Dynamik genießt, wird man ganz sicher mit sample-basierter Klangerzeugung und einer Midi-Klaviatur nicht glücklich.
    Gerade bei meinem Wurlitzer 200A habe ich immer das Gefühl beim Spielen „in seinen Bann“ gezogen zu werden – ich vergesse die Welt um mich herum und die Improvisation sprudelt nur so aus mir heraus.

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      Martin Andersson  RED

      Danke für Deinen Kommentar. Du sprichst etwas sehr Wichtiges an: die „Liebe zum Instrument“, die meiner Meinung nach eine entscheidende Rolle für die Kreativität spielt. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, wie gut irgendwelche Samples sind; wenn mich ein Instrument nicht anspricht und ich mich nicht wirklich wohl darauf fühle, leidet auch die Musik selbst. Auf guten Instrumenten spielt man besser.

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    AMAZONA Archiv

    Schöne Reise in die Welt des Rhodes. Leider sind die Klangbeispiele zum Teil übel übersteuert.

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    costello  RED

    Superidee eine „Velvet Box“ aufzulegen! Und dann gleich mit so einem tollen Artikel einzusteigen. Klasse! Das Rhodes ist toll, ich hatte mich 1979 aber doch für ein Wurlitzer 200A entschieden. Es kling einfach „klavieriger“ als das glockig-jazzige Rhodes. Und klar – das Wurlitzer hatte diesen Supertrampklang ;-) Eigentlich war es auch ziemlich stabil, aber wenn man dann doch mal eine Klangzunge zerschossen hatte, war es ein ziemlicher Aufwand, das zu reparieren. Mit der Feile das überschüssige Metall abschmirgeln und zwischendurch immer wieder das Stimmgerät anschließen und die Tonhöhe kontrollieren. Hab’s verkauft, manchmal bedaure ich das.

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    falconi  RED

    Angenehm unaufgeregter, gut gewichteter und daher besonders lesbarer und informativer Beitrag zum Rhodes, danke.

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    Robocob11  

    Wunderbarer Bericht, aber ich greif lieber zu einer Hardware-Kopie. Die klingen heute genauso gut und sind weniger anfällig.

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    Son of MooG  AHU

    Sehr informativer Artikel; habe einiges dazugelernt. Auch schön, mal etwas über Deodato und Bugge Wesseltoft zu lesen; letzterer ist auch ein außergewöhnlicher Synthesist, der mit minimalem Equipment auskommt, wie auf diesem Clip zu sehen ist:
    http://www.....WKAqsLqidA

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        psv-ddv  AHU

        Das ist ok. Über Weihnachten ist eh genug los.
        Dann gehe ich also davon aus, ab Januar mein (noch zu kaufendes) Rhodes selber stimmen zu können. :)

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    MidiDino  AHU

    Auch ich freue mich sehr über den Artikel. Die Rhodes-Instrumente sind auch für mich fantastisch, ich setze allerdings keine Originale ein. Das RP-X von GEM hält einige Klänge bereit, die ich mit Vorliebe nutze, ebenso Pianoteq. Die Rhodesklänge sind übrigens auch in der Klassik nutzbar. Ich spielte für meine jüngste EP Stücke von F. Couperin mit Rhodesklängen ein.

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      Organist007  

      Ich finde das rpx auch recht gut, akustikklaviere und rhodes, welches allerdings nicht ganz so viel „balls“ hat. Für weichere rhodes klänge oder gepaart mit anderen sounds sehr brauchbar.

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    mdesign  

    schöner artikel, danke! ich hatte ende der 70er ein mark I. der runde deckel balancierte den minimoog nur so recht und schlecht. und der viel zu niedrige ausgangspegel wurde per nachgerüstetem batterie-vorverstärker aufgemotzt – vergass man nach der probe auszuschalten, war am nächsten tag die teure 9V-blockbatterie leer. die dynamik war eine herausforderung für jeden amp – ganz leise bis komplett übersteuert ging per anschlag. also ein extrem empfindliches instrument, das viel spielgefühl und technik einforderte. ich wurde diesem hohen anspruch leider nie wirklich gerecht, darum trennten sich unsere wege irgendwann zugunsten elektronischer keyboards. trotzdem – der rhodes-sound ist für mich immer noch inbegriff früher pop-musik, das spielgefühl der (manchmal etwas zu simplen und unexakten) hammermechanik unerreicht.

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      Martin Andersson  RED

      Danke für Deinen Kommentar, mdesign.
      Die große Dynamik hat gewiss auch ihre Schattenseiten. Hie und da nutze ich auch einen Kompressor, um die Dynamik etwas einzudämmen.

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    unifaun  

    Auch von mir ein großes Dankeschön für diesen toll recherchierten und geschriebenen Artikel.

    In meiner Jugendzeit spielten etliche Bands in unserer Gegend mit Rhodes Mark I plus Mini-Moog oben drauf.

    Unsere eigene Band hat sich – nur für die Auftritte – das Mark II einer Realschule ausgeliehen. Da stand überall in gelber Schablonenschrift „Stadt ****“ drauf. Aber das war ein tolles Teil.

    Ich spiele mittlerweile u. a. die Rhodes-Klänge aus der Nord-Piano-Library auf meinem Stage 3 compact sehr gerne. Bei den Dynamikstufen könnten sie da allerdings mal etwas „aufbohren“. Die Piano-Samples XL haben bis zu 200 MB (komprimiert), die Rhodes und Wurli max. nur 30 MB. Da geht noch was.

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    iggy_pop  AHU

    Ich liebe das Rhodes Mk. 1 — vor zwanzig Jahren war die Entscheidung, Wurlitzer 200 oder Rhodes 73 Mk. 1. Ich habe mich für ein (blind bzw. taub gekauftes) Mk. 1 entschieden und den Kauf bis heute nicht bereut — nur beim Mitschleppen zu Gigs.
    .
    Um dieses Übel zu umgehen, bin ich parallel auf das SV-1 73 ausgewichen, das ebenfalls ein hervorragendes Instrument ist.
    .

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    KeepCool

    Mich fasziniert der Rhodes Klang auch schon seit meiner Jugend. All die Jahre habe ich alles was an Hard- und Softwareemulationen auf den Markt kam sofort gekauft. Ja, das Zeug ist inzwischen richtig gut. Bis ich vor zwei Jahren mein erstes echtes Rhodes gekauft habe. Ein ’73er Mark I. Da wars um mich geschehen. Inzwischen habe ich 4 Stück und weitere werden folgen. Jedes hat einen ganz eigenen Charakter, den man durch Restauration, Voicing und Tuning herausarbeiten kann und muss. Keine noch so gute Emulation bringt die Faszination rüber, welche ein 45 Jahre altes Instrument auf den Musiker ausübt. Wer mal ne Stunde am echten Rhodes gesessen ist und dann an den Rechner sitzt, der merkt erst wie tot das alles ist. Ob es der Zuschauer hört? Wohl kaum.

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      Martin Andersson  RED

      Ob’s der Zuschauer hört? Ich würde eher sagen: der Zuschauer merkt sehr wohl, ob ein Musiker durch das Instrument inspiriert wird oder nicht.

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    Organist007  

    Vielen Dank für den tollen Bericht. Mark 1 war mein erstes „Bandinstrument“ und ich war mächtig stolz drauf. Später kam ein moog prodigy dazu samt delay.
    Heute nehm ich vorwiegend NE3 (10 kilogramm !) , kurzweil artis, GEM RPX oder das Gemini- modul von GSI.

    Seit einigen Jahren hab ich wieder ein Rhodes Mark 1, erstanden für 900Euronen im tollen Zustand.
    Für die nächsten Serien wünsvh ich mir einen Beitrag über fie FARFISA COMPACT !

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    fatzratz  

    Das Rhodes … ein Sound, der dringend erfunden werden müsste, wenn es ihn nicht schon gäbe … zu den ganz Großen am Rhodes zähle ich übrigens auch Joe Zawinul, der mit dem Rhodes und Effekten bemerkenswerte Sounds gebastelt hat …

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      fatzratz  

      wupps, steht ja auch im Artikel … lesen können wär toll … klasse geschrieben finde ich den übrigens :)

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    Markus Harsani  

    Hallo Martin,

    vielen Dank für den schönen Artikel – Wirklich ganz tolle Hintegrundinfos zu den Instrumenten !

    Ich habe auch noch ein Rhodes Mark II, aber leider gehört es mal ordentlich von einem Profi überholt. Meine Versuche das Ding zu stimmen sind besonders im Bereich der tiefen Tasten kläglich gescheitert ( Stimmgabeln prellen aneinander, etc. ). Unglaublich aber wahr : Habe das Rhodes 1998 damals von einem Hobby-Jazzmusiker in einem Topzustand für schlappe 700 DM (!) erworben.
    Es ist noch die Version ohne Plastiktasten –> Unfassbar Schwer !

    Auch ich verwende gerne die Arturia Emulationen, aber es geht einfach nichts über das Original !
    Für das Original sollte man zu Hause auf jeden Fall ordentlich Platz einplanen – Es ist in echt viel größer als auf den Bildern.

    Habe das Rhodes immer über einen Fender Twin Reverb + Schaller Tremolo und Crybaby Wahwah gespielt. Wahnsinn was das immer für tolle Bässe erzeugt hat und ganz zu schweigen von den sahnigen Tremolo Sounds in Verbindung mit dem Schaller Effektgerät und gehaltenem Sustainpedal.

    Es ist einfach ein Instrument dass einen in seinen Bann zieht – Auch ganz ohne Effektgeräte und auf einem cleanen Twin Reverb Verstärkerkanal… Instant Beautiness !

  15. Profilbild
    Son of MooG  AHU

    Kennt noch jemand das Rhodes-Intro von „Garden of Paradise“, dem ersten Stück auf dem „Rainbow Dome Musick“-Album von Steve Hillage? Wunderschönes Duett des Rhodes mit dem Arp 2600 von Miquette Giraudy…
    Auch Peter Baumann hat es bei Tangerine Dream verwendet (z.B. auf „Rubycon“); das Rhodes ist eben nicht nur für Soul und Fusion geeignet.

  16. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    1969 waren die Rhodes noch mit Tear drop Hämmern ausgestattet,die klingen dadurch weicher und in den Höhen angenehmer,das wurde zb. auf Bitches Brew verwendet

  17. Profilbild
    fritz808  

    gute idee, hier nun auch vintage-keyboards vorzustellen. freue mich schon auf weitere teile. was kommt als nächstes?

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