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Interview: Producer Dominik Rivinius, Taylor Swift, Eminem, Alicia Keys

Ein deutscher Musikproduzent auf dem internationalen Musikmarkt

9. März 2024

Über Dom Rivinius, Musiker und Producer, der u. a. an Alben von Taylor Swift und Eminem mitgewirkt hat,  stolperte ich eigentlich durch einen Zufall. Ich suchte im Internet nach Mixing-Tutorials und stieß auf die Videos von „Mixing Night Audio“. Neugierig, wie ich bin, wollte ich wissen, wer die Leute hinter den Videos sind, stöberte ein bisschen herum und stieß dabei auf Dominik Rivinius, dessen Werdegang mich zugegebenermaßen ziemlich beeindruckt hat.

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Dom Rivinius Grammy Awards

Als Kind begann Dominik Rivinius mit dem Schlagzeugspielen. 2008 nahm er dann als 18-Jähriger mit seiner Band an Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ teil. Ihr damals leider nur mäßiger Erfolg dürfte allerdings nicht mit seinen Fähigkeiten als Drummer zusammenhängen, denn wer von uns kann schon von sich behaupten, dass seine Drum-Sounds auf einem mit 2 Grammys aufgezeichneten Album von Tylor Swift zu hören sind? Aber Dom Rivinius ist mehr als ein Drummer. Als er ist auch als Produzent und Mixing-Engineer unterwegs und so hatte der sympathische Wirbelwind aus dem beschaulichen St. Wendel auch bei Top-Produktionen von Eminem und Alicia Keys seine Finger mit im Spiel. Aktuell feiert er vor allem mit K-Pop-Produktionen große Erfolge. Wenn das nicht mal ein Grund ist, Dom Rivinius zum großen AMAZONA.de Interview zu bitten.

Vom heimischen Schlagzeug nach New York – Dom Rivinius über seine Anfänge

Sonja:
Wie bist du zur Musik gekommen?

Dom:
Mein musikalisches Elternhaus hat da definitiv geholfen, früh mit Musik und Instrumenten in Berührung zu kommen. So richtig fing dann aber alles an, als ich mit 10 Jahren angefangen habe, Schlagzeug zu lernen. Mit etwa 15 habe ich dann entschieden, dass das auch meine Karriere werden soll und so hat für mich von Anfang an festgestanden, dass ich Profimusiker werden will. Den Drummer-Weg habe ich dann auch bis in meine Zwanziger verfolgt, bevor ich mich dann gegen 2017 in Richtung Producer weiterentwickelt habe.

Dominik Rivinius Drummer

Früh übt sich, Dom Rivinius nahm schon als Kind die Drum-Sticks in die Hände

Sonja:
Nachdem du 2018 Ken Lewis bei einem Workshop in Berlin kennengelernt hast, bist du in Frühjahr 2020 für 3 Monate als sein Assistent in New York tätig gewesen. Wie kam es dazu und was waren die wichtigsten Erfahrungen, die du in dieser Zeit gemacht hast?

Dom:
Zwischen 2018 und 2020 hat sich unser Verhältnis immer weiter vertieft und wir haben an verschiedenen Sachen immer mal zusammengearbeitet. Ken hat mir über die Jahre hier und da kleine Aufträge zugeworfen, um herauszufinden, was ich so kann und wo meine Stärken liegen. Zu der Zeit habe ich meinen Lebensunterhalt aber noch als Drummer verdient. Anfang 2020 habe ich ihn dann angeschrieben und gesagt: “Hey, ich hab für März bis Mai keine Gigs angenommen. Wenn du mich brauchen kannst, komm ich in der Zeit zu dir und arbeite als dein Assistent.” Und dann meinte er nur: “Ja auf jeden Fall! Komm!” Natürlich muss man dazu sagen, dass sich unser Verhältnis dort organisch hin entwickelt hat. Einfach Random ins Blaue hinein würde ich eine solche Nachricht nicht schreiben, aber wenn die Vorgeschichte stimmt, dann lohnt es sich, proaktiv seine Hilfe anzubieten.

Sonja:
Über Ken Lewis kam letztlich auch deine Beteiligung an dem Album „Midnights“ von Taylor Swift zustande, für das du bei drei Songs die Drum-Parts eingespielt hast. Die meisten würden jetzt denken, dass du dafür in die USA geflogen bist und dort im Studio zusammen mit Taylor Swift und zahlreichen anderen Leuten deine Arbeit gemacht hast. Wie gestaltet sich sowas aber in der Realität? Wie und wo hast du die Drums tatsächlich aufgenommenen (zumal du sagst, dass dein Studio kein klassisches Recording-Studio ist)?

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Dom:
Absolut richtig! Das läuft heute alles remote, um Zeit und Ressourcen zu sparen. Ich habe meine Parts in meinem Studio (damals in Pirmasens) aufgenommen und verarbeitet. Taylor habe ich bis heute nie persönlich getroffen. Und wenn du nicht im engsten Kreativ-Kreis involviert bist (also Songwriter und Producer), dann ist das auch normal so. Und man muss kein wahnsinnig eingerichtetes Recording-Studio betreiben, um solche einzelnen Parts beizusteuern. Ich bin nicht auf Band-Recordings ausgerichtet, aber meine eigene Arbeit kann ich in meinem Studio problemlos erledigen, auch für solche Mammut-Projekte wie “Midnights”.

Sonja:
Welches Equipment hast du für die Aufnahmen für die Drum-Sounds von Taylor Swift verwendet?

Dom:
Aufgrund von Taylors’ Standing kann ich nicht wirklich viel über die Einzelheiten meiner konkreten Arbeit sagen. Aber in der Regel ist die Arbeit an solchen Projekten eine Mischung aus echten und programmierten Drums, also meistens eine Hybrid-Lösung. Und da gehe ich bei meinen Aufnahmen auch immer sehr spartanisch ran. Da es ja in der Pop-Welt normalerweise nie um ein komplettes Drum-Set geht, sondern eher um einzelne Parts, stelle ich ein oder zwei Shure SM57 auf, sodass sie den Sound meines Instruments insgesamt gut greifen und spiele dann die Parts ein, die das organische „Feel“ haben sollen. Wenn einzelne Teile etwas poliertere Qualität brauchen, nutze ich dafür mein Lewitt Großmembran-Mic. Über mein UAD Apollo Twin gehe ich dann direkt ohne zusätzliches Outboard-Gear in den Rechner.

Sonja:
Du warst auch an Produktionen von Eminem und Alica Keys beteiligt. Welche Parts hast du hier übernommen?

Dom:
Bei Eminem haben wir im Team zusammen den Orchesterpart des Songs “Alfred’s Theme” beigesteuert. Ich habe mich da insbesondere um die Brass- und Percussion-Teile gekümmert. Bei Alicia Keys’ Album “KEYS“ haben wir im Team an 7 Songs gearbeitet. Da waren die Rollen komplett quer durch den Garten verteilt. Von Bigband-Hits, über Drums und Orgel-Parts, über eine Rolle als Recording-Engineer, war da alles dabei!

Sonja:
Eines deiner Mottos lautet „Weniger ist mehr“. Kannst du uns das erklären?

Dom:
Das kommt auf den Kontext an. Ich habe mir in meiner musikalischen Laufbahn eine Sache sehr hart erarbeiten müssen: Als Instrumentalist arbeitet man jahrelang daran, technisch an seinem Instrument immer virtuoser und versierter zu werden. Das führt dazu, dass man völlig verlernt, den Impact in der Einfachheit wertzuschätzen. Ich habe das gar nicht mehr richtig wahrgenommen und fand alles langweilig, was keine komplexen Chord-Strukturen oder rhythmisch komplexe Parts hatte. Und das geht sehr vielen Musikern so, wenn sie in die Writer-/Producer-Welt eintreten. In dem Fall ist es enorm wichtig, dass man diesen Instinkt (wieder) entwickelt und die Schönheit in der Einfachheit sieht. In dem Fall ist also weniger oft wirklich mehr.

Dom Rivinius Producer

Producer Dom Rivinius über sein Equipment und Factory-Presets

Sonja:
Welches Equipment nutzt du in deinem Studio. Auf welches Device/Plug-in kannst du nicht verzichten?

Dom:
Ich bin sehr spärlich eingerichtet. Eins meiner Credos ist, dass man gute Musik mit wenigen Mitteln machen kann, wenn man sich die nötigen Fähigkeiten aneignet. Umgekehrt bringt das wildeste Setup nichts, wenn man noch nicht genug an seinen Skills gearbeitet hat. Ich arbeite mit einem Apollo Twin X als Interface, von dem ein 10 Zoll Presonus-Subwoofer und 2 ADAM A7X gespeist werden. Darüber hinaus habe ich noch ein 88 Tasten Master-Keyboard, ein Novation Launchpad für alles, was Drums und Percussions angeht und fürs Mixing noch einen iCon QCon Pro Controller mit 16 Fadern. Der Rest spielt sich bei mir komplett „In The Box“ ab.

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An Plug-ins fürs Produzieren kann ich neben den üblichen Verdächtigen wie Serum, Omni-Sphere, Trilian, der Arturia V Collection und einigen Native Instruments VSTs vor allem nicht auf Kreativ-Effekte verzichten. Das sind die Plug-ins, die mir helfen, langweilige Sounds spannend zu machen, wie z. B. ein XLN Audio RC-20, Waves Kaleidoscope, Mixing Night Audio GreenHAAS, Cableguys Shaperbox, Slate Storch Filter und solche Plug-ins, die mit ein paar Knöpfen spannende Sounds hervorbringen, auf die man selbst nicht kommen würde.

Kleine Side-Note: Aus genau dieser Philosophie heraus haben Ken und ich zusammen die Plug-in-Firma “Mixing Night Audio” gegründet, wo wir Producern, Beatmakern und Mixern Tools an die Hand geben, die intuitiv und kreativ sein sollen und nicht noch eine weitere Emulation eines bekannten Kompressors, von dem sowieso jeder schon 3 Modelle hat.

Producer im Studio

Auch wenn das Studio von Dom Rivinius kein Recording-Studio im klassischen Sinne ist, nimmt er hier bisweilen auch eigene Sounds auf

Sonja:
Was hältst du von Factory-Presets? Gibt es welche, die du genauso, wie sie sind, für deine Arbeit verwendest?

Dom:
Auf jeden Fall! Man muss aber wissen, wie man sie verwendet. Ich achte immer darauf, dass Factory-Presets nie die Haupt-Sounds meiner Produktionen darstellen. Da ist mir die Gefahr zu groß, dass jemand anders die gleichen Sounds benutzt und das am Ende für alle Beteiligten schlecht aussieht. Ich benutze Factory-Presets aber permanent, um z. B. die initiale Idee für eine Produktion zu finden. Da scrolle ich oft einfach Presets und spiele „random“ auf meinem Keyboard herum, was mir bei den jeweiligen Sounds in dem Moment gerade in den Kopf kommt. Sobald ich dann eine zündende Idee finde, schraube ich noch an dem Sound, bis ich einen uniquen Part habe, der nicht mehr bloß ein Factory-Preset ist.

Der Mix-Engineer über den perfekten Mix

Sonja:
Was braucht ein Mix, um gut zu klingen?

Dom:
Gute Balances. Ich würde sagen, dass das Balancing 70 % eines Mixes ausmacht, und erst danach kommen Effekte und kreatives Arbeiten. Wenn ein Mix nicht gut klingt, liegt es in der Regel daran, dass die Balancen nicht stimmen, und jemand dann versucht, diesen Fehler mit einer Unmenge an Plug-ins zu retten. Das funktioniert allerdings nicht, da der Fehler wie gesagt in den Balancen liegt.

Ein weiterer Punkt für „gute” Mixe ist meiner Meinung nach, nicht zu „safe“ zu mischen. Ich sehe oft, dass vor allem jüngere Mixer alles „richtig” und „glatt” mischen, aber dabei die eigentliche Aufgabe verfehlen: dass der Song emotional so stark wie möglich wirkt. Und das passiert oft durch „falsche” Moves. Manchmal braucht die Kick-Drum ein monströses Reverb und plötzlich ist der ganze Song auf einem ganz neuen Level. Manchmal müssen die Vocals für einen Takt verzerrt oder geflanged werden, um den Impact im darauffolgenden Refrain zu verstärken und so weiter und so fort. Was das genau bedeutet, das ist von Song zu Song völlig individuell.

Sonja:
Wie gehst du beim Mixing konkret vor? Kannst du uns deinen Workflow Step-by-Step erklären?

Dom:
Absolut. Ich kümmere mich zuerst um die Balancen. Meine Mix-Session fängt mit allen Federn auf inf an – also komplett runtergezogen. Dann loope ich in der Regel den aktivsten Teil des Songs und bringe nach und nach alle Elemente ein, sodass sie sich von den Balancen her zusammen richtig anfühlen – basierend auf den Emotionen, nicht an irgendwelchen künstlich ausgedachten Zahlenwerten. Das wiederhole ich erstmal bei allen Song-Parts, bis alle meine Fader im Song sind. Erst dann fange ich an, Fehler mit Plug-ins zu beheben und anschließend für emotional verstärkende Momente die Details auszuarbeiten. Das ist im Groben mein Mixing-Prozess. Natürlich dauert das in der Realität in etwa zwischen 5 und 10 Stunden, je nach Song.

Sonja:
Gibt es bei dir am Tag ein zeitliches Limit für deine Mixing-Sessions? Und wie hältst du deine Ohren frisch? Bei welcher Lautstärke mischt du und nutzt du Kopfhörer und/oder Boxen?

Dom:
Ich nutze zum Mischen meine A7X für 95 % der Mix-Session. Ab und zu schalte ich auf Kopfhörer, um kurz zu kontrollieren, dass ich noch alles objektiv beurteile und es auch auf Kopfhörern gut klingt. Vor allem Raumeffekte wie Reverb und Delay kann man auf Kopfhörern oft besser beurteilen. Ein zeitliches Limit habe ich grundsätzlich nicht, aber ich merke, dass ich häufige Pausen brauche, weil sonst sowohl meine Konzentration abnimmt als auch meine Fähigkeit, Änderungen effektiv zu beurteilen. 5-10 Minuten Unterbrechung, ein Glas Wasser und ein paar Schritte um den Block wirken hier bereits Wunder. Und wenn ich dann merke, dass an einem Tag nichts mehr geht, dann beende ich meine Session und gehe am nächsten Tag nochmal mit frischen Ohren an den letzten Schliff – sofern es keine harte Deadline gibt. In dem Fall muss man natürlich durchziehen, bis alles fertig ist.

Dom Rivinius mit Freund und Mentor Ken Lewis

Sonja:
Es gibt ja das Low-End-Problem beim Producing. Wie schaffst du es, dass ein Song sowohl auf den kleinen Boxen eines Küchenradios als auch auf den großen Boxen in einem Club gleichgut klingt?

Dom:
Ich bin ein absoluter Verfechter davon, dass man für ein gutes Low-End einen Subwoofer braucht. Viele Firmen werben damit, dass ihre Speaker oder Kopfhörer richtig tief gehen. Das Problem daran ist aber, dass sie nicht linear tief gehen und du rein physikalisch nicht alles genau hören kannst, was da unten abgeht. Dafür brauchst du einen Subwoofer und ich würde mindestens 10 Zoll, oder je nach Studiogröße auch 12 Zoll empfehlen.

Sobald das Setup (und der Raum) transparent wiedergeben, was in den Tiefen passiert, merkt man auch schnell, wenn da etwas nicht stimmt und alles etwas unordentlich klingt. Und in dem Moment ist es nur noch eine Frage der Bearbeitung, damit alle Elemente ihren Platz haben. Subtraktiver EQ ist hier meistens schon die Lösung. Um die Bässe auf kleinen Boxen trotzdem hörbar und vor allem fühlbar zu machen, hilft oft ein wenig Verzerrung oder ähnliche Mittel, um dem Bass mehr Präsenz in den Mitten zu verleihen. Deine Ohren halten sich dann an den Mitten fest und leiten dadurch automatisch die Bass-Anteile ab, was ohne die Mitten-Anteile so nicht einfach möglich wäre.

Sonja:
Du arbeitest ja in deinem Studio hauptsächlich digital. Gibt es ein analoges Gerät, auf das du nicht verzichten kannst?

Dom:
Nein, ich habe außer meinem Interface als absolute Notwendigkeit kein einziges Outboard-Gerät. Analoge Geräte haben für mein Empfinden vor allem einen Wert durch die haptische Arbeit. Sie führen dich zu anderen Ergebnissen als Maus-gesteuerte Plug-ins. Für mich rechtfertigt dieser Effekt allerdings einfach nicht den Anschaffungspreis und den Wartungsaufwand. Meine Arbeit als Producer kann ich wunderbar ohne Outboard erledigen. Man muss nur wissen, wie man die Dinge so zum Klingen bringt, dass sie Emotionen hervorrufen. Kein Hörer fragt sich am Ende, mit welchem Wandler Ed Sheerans Gitarre aufgenommen wurde oder ob Adeles Vocals durch einen analogen CL1B oder ein Plug-in komprimiert wurden oder beides. Es geht ums Ergebnis, nicht darum, wie man es erreicht.

Sonja:
Du hast mal gesagt, dass du dich selbst als Producer und Mix-Engineer bezeichnest, aber eigentlich kein Mastering machst. Magst du uns die Gründe hierfür erläutern?

Dom:
Die Gründe sind ganz einfach: Ich habe keine Ahnung vom Mastering. Ich habe enorm hohe Ansprüche an meine Arbeit und solange es Leute wie Chris Gehringer und Howie Weinberg gibt, denen ich meine Songs zum Mastern schicken kann, warum sollte ich es dann selbst machen und hinnehmen, dass es niemals so gut wird, als wenn es die Fachleute mit ihren Jahrzehnten Top-Level Erfahrung machen?

Beim Mixing und Producing sieht das anders aus. Meine Mixing-Skills habe ich bei Ken auf das notwendige Level entwickeln können und ich weiß durch ihn ganz genau, wie ich arbeiten muss, um internationale Top-Hits zum Klingen zu bringen – weil ich es monatelang mit eigenen Augen gesehen habe und von ihm Feedback zu meiner Arbeit erhalten habe. Und als Producer haben mir vor allem meine K-Pop-Placements irgendwann die Bestätigung gegeben, dass meine Arbeit auf dem Level ist, das die internationale Branche erwartet. Der Weg dahin waren aber natürlich auch einige Jahre des Lernens und auch der permanenten Frustration :D

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Sonja:
Was ist dein ultimativer Tipp fürs Mixing?

Dom:
„Get the balances right!“ (Und als Zweites: Greif nur dann zu einem Plug-in, wenn du einen Grund dafür hast! Weisheiten à la “Gitarren EQt man immer bei 700 Hz sind kein Grund – und außerdem auch völliger Unsinn!)

US-Markt und K-Pop: Dom Rivinius ist überall zu Hause

Sonja:
Was unterscheidet die Herangehensweise in den USA an einen Song von der Art und Weise, wie man in Deutschland einen Song bearbeitet?

Dom:
Da bin ich vermutlich nicht GANZ der Richtige, um diese Frage zu beantworten, weil ich in Deutschland ehrlich gesagt keine Ahnung habe. Ich bin voll auf K-Pop und den US-Markt fokussiert und habe in Deutschland quasi noch mit niemandem gearbeitet. Deshalb kann ich da nur aus Erzählungen die Unterschiede feststellen. Was ich aber beobachte ist, dass international eine andere Wertigkeit auf Details gelegt wird und dass mutige Schritte viel mehr willkommen sind. Da geht es immer ums „Neue Trends finden” und „Neue Konzepte entwickeln”, wohingegen ich auf dem deutschen Markt (gemessen daran, was das Radio die letzten 10 Jahre gespielt hat) eher das Gefühl habe, dass da Leute sitzen, die sagen: „Das hat schon mal gut funktioniert. Lass uns noch 10 Künstler rausbringen, die alle genau das gleiche machen.” Das ist natürlich etwas überspitzt dargestellt, aber diese Tendenz kann man eindeutig beobachten. Im K-Pop ist es genau das absolute Gegenteil. Wenn da ein Song zu sehr klingt wie ein vorheriger, wird er direkt abgelehnt, weil man sich dort konstant neu erfinden und neue Trends schaffen will.

Grammy Awards Taylor Swift

Sein bisher größter Erfolg: Die Drums von Dom Rivinius sind auf dem Album „Midnights“ von Taylor Swift zu hören, das bei den Grammy Awards richtig abgeräumt hat

Sonja:
Was fasziniert dich am K-Pop und inwiefern unterscheiden sich auch hier die Herangehensweise an einen Song und der gesamte Workflow von dem, was du in den USA kennengelernt hast?

Dom:
Der K-Pop-Markt ist für mich aus vielen Gründen absolut faszinierend. Zum einen ist für mich sowohl als Producer als auch als Konsument die Musik konkurrenzlos, was meinen persönlichen Geschmack angeht. Es gibt kaum etwas, das mich permanent so begeistert und mir auch bei meiner Arbeit so viel Spaß bereitet, wie in der K-Pop Welt mitzumischen. Auch die Kultur ist absolut fantastisch, weil dort eine viel engere Verbindung von Artists und Fans gelebt wird. Als ich mein 1. Single-Placement mit einem Major K-Pop-Artist hatte (U-Know – „Vuja De”) und darüber eine IG-Story gepostet habe, kamen daraufhin etwa 80 Nachrichten von K-Pop-Fans, die sich bei mir bedankt haben, dass ich ihren Lieblings-Künstler unterstütze und ihm „so einen tollen Song gegeben habe”.

Der K-Pop-Markt ist auch deshalb so spannend, weil er absolut zugänglich ist, wenn man gute Songs macht und weiß, wie die Branche funktioniert. Selbst ein ganz neuer Writer oder Producer kann die Lead-Single eines großen Acts landen, wenn der Song großartig ist. In anderen Branchen sind Connections viel wichtiger, weil man in der Regel mit den Artists zusammen im Raum die Songs schreibt. Die K-Pop-Welt hingegen funktioniert komplett als Pitch-Geschäft: Man schreibt und produziert Radio-fertige Songs, pitcht sie an die Labels und Gruppen und hin und wieder wird einer davon genommen.

Sonja:
Was ist dein ultimativer Tipp an alle, die es in der Musikbranche zu etwas bringen wollen?

Dom:
Da gibt es sehr viele Tipps, die man mit der Zeit auf seinem eigenen Weg aufschnappt. Wenn ich aber den einen wichtigsten Punkt in Worte fassen müsste, würde ich sagen: Es gibt schon Menschen, die dort sind, wo du hinwillst. Alles, was du tun musst, ist zu diesen Menschen mit der Zeit bedeutende Verbindungen aufzubauen und immer wieder selbst Initiative zu übernehmen. Wenn du das lange genug und oft genug tust, ist es beinahe unvermeidbar, dass sich irgendwann irgendwo deine individuelle Tür auftut.

Dom Rivinius im Studio

Ich habe außerdem exklusiv für AMAZONA.de Leser meine “ Top 10 Tipps für deinen Erfolg in der Musikindustrie” zusammengestellt für diejenigen, die das Thema weiter vertiefen wollen. Den Download kann man unter folgendem Link finden.

Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich bei Dom Rivinius für dieses wundervolle Interview und den super netten Kontakt.

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Forum
  1. Profilbild
    Filterpad AHU 1

    Ich bin fast besser ausgestattet, aber außer Kosten war bei mir bislang kein Cent im Plus. Warum schaffen es einige und andere nicht? Glück, Können? Ein typisch deutscher Neid meinerseits? Vielleicht! Und ja, natürlich habe ich versucht Kontakte zu knüpfen. Trotzdem schön das auch deutsche im hartumkämpften US-Markt mitmischen und Grüße gehen raus an Dom. Interessante Tatsache, dass man heutzutage nicht mehr unbedingt mit den Künstlern auf der ledernen Studiocouch sitzt. Eminem, Keys und Swift zu treffen wäre doch ne‘ nice Sache. Für mich zumindest.

    • Profilbild
      Dom Rivinius

      @Filterpad Hey Filterpad :)

      Cool, deine Gedanken zu lesen.

      Wenn du deine Frage „Warum schaffen es einige und andere nicht?“ wirklich ernst meinst, schick mir doch gern mal ne Email oder IG Nachricht. Ich helfe gern wo ich kann! Typisch deutscher Neid wäre es nur, wenn du es dabei belässt, dass „manche einfach Glück haben“ :) Ich kann dir nämlich Brief und Siegel drauf geben, dass da weitaus kontrollierbarere Aspekte eine Rolle spielen als bloßes Glück!

      Was das „Können“ angeht – natürlich musst du gut sein, sonst kriegst du ja gar keine Chance. Aber gut zu sein ist nichts besonderes, sondern absolute Voraussetzung. Niemand lobt dich, wenn du gut bist, aber es fällt definitiv direkt auf, wenn du nicht liefern kannst!

      Das Equipment entscheidet jedenfalls zu 0% darüber, ob man eine Karriere aufbauen kann oder nicht (vorausgesetzt natürlich du hast die absoluten Basics wie eine DAW und ein paar ordentliche Sounds). Solange du die Tools hast, die du brauchst, um Musik zu machen, die auf dem gewünschten Level mitspielen kann, fragt dich niemand, was für Tools du dafür benutzt hast.

      Meld dich gern, wenn du willst, und dann schauen wir weiter!

      Liebe Grüße!
      Dom

          • Profilbild
            Kazimoto

            @Dom Rivinius Fast. Natürlich gehört Mut und eine gewisse „was soll schon passieren“ Mentalität dazu. Ich glaube da fehlt es am meisten.
            Cool fand ich diese Passage:

            „Als Instrumentalist arbeitet man jahrelang daran, technisch an seinem Instrument immer virtuoser und versierter zu werden. Das führt dazu, dass man völlig verlernt, den Impact in der Einfachheit wertzuschätzen.“

            Jup! Oft hatte ich den Eindruck daß gute Musiker nicht erkannt haben was sie da für geile Sachen machen, während andere völlig ausgerastet sind.

            Viel Glück weiterhin und immer schön den Erfolg feiern, im kleinen wie im großen! 👍

            • Profilbild
              Dom Rivinius

              @Kazimoto Danke dir!

              Und ja, mit dem Thema habe ich am längsten zu kämpfen gehabt, bis ich schließlich wieder an dem Punkt war, wo ich endlich die Emotionen und nicht die technische Raffinesse entscheiden lassen konnte, was denn nun der richtige Ansatz für den jeweiligen Song ist.

              • Profilbild
                NDA

                @Dom Rivinius Die Thematik „Schönheit in der Einfachheit“ findet sich in vielen Disziplinen, egal ob Musik / Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft etc.
                Als „Spezialist“ ist das Hirn auf den jeweiligen Sachverhalt so „trainiert“, daß selbst komplexe Strukturen nach relativ kurzer Zeit einfach erscheinen – teils sogar ohne „Nachdenken“ zu müssen – aber nur für diejenigen, die es so vom täglichen Umgang und jahrelanger Übung selbst gewohnt sind. „Nicht-Spezialisten“ sind dagegen schnell „überfordert“ – und wenden sich oft nach kurzer Zeit ab. Das vor allem dann, wenn sich der Kopf auf zusätzliche, wichtigere Dinge konzentrieren muß. Gerade da hilft es, daß die graue Masse nicht mit unnötiger „Rechenarbeit“ beschäftigt wird.
                Die Kunst der „Einfachheit“ besteht vor allem darin, für ein breites (!) Publikum sowohl Komplexität zu reduzieren und wichtige Informationen auf den Punkt wie auch Emotion `rüber zu bringen – ob das jetzt in einem Song, Werbung, Unterricht oder sonstige Art der „Präsentation“ ist.
                Parallel dazu sollten die „Spezialisten“ anstreben (nicht nur in ihren Kreisen), die Grenzen weiter nach oben zu verschieben.

                Danke an Dom & Sonja für das Interview!

  2. Profilbild
    dflt

    danke für das spannende und vor allem sympathische interview! jetzt muss ich wohl doch endlich mal in eine taylor swift platte reinhören ;) hat sich irgendwie nie so bewusst ergeben, auch wenn ich 1-2 interviews mit jack antonoff sehr sympathisch-nerdig fand. ich glaube, der allgemeine trubel um ihre person hat mich immer etwas verschreckt 😅

    • Profilbild
      Dom Rivinius

      @dflt Jack Antonoff ist ein absolutes Genie. Ich habe keine Ahnung, wie er es schafft, dass alles, was er anfasst quasi Legendenstatus erreicht. Absolut beeindruckend und inspirierend, das zu beobachten!

      • Profilbild
        dflt

        @Dom Rivinius Das kann ich mittlerweile bestätigen. Mit Taylor Swift konnte ich persönlich jetzt nicht soo viel anfangen, aber die Bleachers-Alben (vor allem das neue und das erste) sind brillant und bisher meine Entdeckung des Jahres :)

  3. Profilbild
    Stratosphere AHU

    7 Steps To Prepare Your Song For Mixing auf Dom‘s Webseite.
    TOP 10 TIPPS für Deinen Erfolg in der Musikindustrie.
    Letzteres exklusiv für Amazona.de Leser gegen Einwurf einer Mailadresse.
    Warum so ein großes Geheimnis daraus machen ?
    Ganz ehrlich, ich habe kein gutes Gefühl dabei.
    Falls ich mich täuschen sollte, freue ich mich sehr über zukünftige Erfolgsnachrichten von Amazona.de Leser die nun in den Charts mitmischen 😊

    • Profilbild
      Dom Rivinius

      @Stratosphere Schade, dass es immer jemanden geben muss, der gut gemeinte Dinge negativ auslegt…

      Wie kann man denn ein so ausführliches Interview mit maximal transparenten Antworten lesen und dann davon reden, dass ich aus etwas ein „großes Geheimnis“ mache? Das macht doch keinen Sinn. Und der „Einwurf der Emailadresse“ ist vor allem deshalb notwendig, weil zu der „Top 10 Tipps“ PDF noch eine mehrtägige Email-Serie gehört, die auf einige der Punkte nochmal deutlich tiefer eingeht

      Ich hoffe, dass niemand erwartet, dass ich sie/ihn mit einer einzigen One-Page PDF berühmt mache, und das noch völlig kostenlos :D Das ist ja überhaupt nicht der Anspruch und auch nicht der Sinn der Sache. Wenn du das erwartest, verstehe ich natürlich deine Enttäuschung…

  4. Profilbild
    Sontopi

    Sympathischer Bursch, danke für das Interview.

    „Eins meiner Credos ist, dass man gute Musik mit wenigen Mitteln machen kann, wenn man sich die nötigen Fähigkeiten aneignet. Umgekehrt bringt das wildeste Setup nichts, wenn man noch nicht genug an seinen Skills gearbeitet hat.“

    Wenn ich meine Zeit mit Üben statt mit Gear-Recherche verbracht hätte, wäre ich wohl schon eine Mischung aus Bach und Hendrix. Aber mir fehlen nur noch 420 HP an Eurorack-Modulen und 15 Vintage Synthesizer, dann fange ich mit Musikmachen an. 😅

    • Profilbild
      Dom Rivinius

      @Sontopi Haha ja, das hast du mal genau auf den Punkt gebracht :D Sehr verbreitete Ansicht. Aber die Wahrheit ist: Wenn dein Mix nicht gut klingt, ist vermutlich nicht der Grund, dass dir noch der Analog 1176 in der Sammlung fehlt…da erzählen wir uns aber gerne mal solche Stories, damit wir uns nicht damit auseinandersetzen müssen, dass es an uns selbst liegt.

  5. Profilbild
    Sontopi

    „Das läuft heute alles remote, um Zeit und Ressourcen zu sparen.“

    Das erklärt wiederrum wie Taylor Swift zu ihrem Vermögen von 1.100.000.000 USD gekommen ist. 😀

  6. Profilbild
    TobyB RED

    Cooles Interview. Cooler Typ. Die Ansichten oder Einsichten zum deutschen Musikbiz unterschreibe ich mit.

  7. Profilbild
    paolostylo

    „Kein Hörer fragt sich am Ende, mit welchem Wandler Ed Sheerans Gitarre aufgenommen wurde oder ob Adeles Vocals durch einen analogen CL1B oder ein Plug-in komprimiert wurden oder beides. Es geht ums Ergebnis, nicht darum, wie man es erreicht.“
    Dom, Du sprichst mir aus der Seele!! 😀
    Vor mir stehen zwei 27-Zoll-Monitore, links und rechts Yamaha HS7, darunter ein Motu M4, auf dem Tisch ein NI Komplete S61 und darunter ein extrem potent ausgestatteter AMD mit so ziemlich jedem Plugin, welches es auf dem Markt gibt. Ob ich damit erfolgreich bin…? Eher medium…
    Aber ich bin fest davon überzeugt, das es NICHT am Equipment liegt…
    Danke für dieses super erfrischende und vor allem sympathische Interview!

    • Profilbild
      Dom Rivinius

      @paolostylo Danke dir :) Und das klingt doch nach nem super Setup! Damit kannst du definitiv großartige Musik machen :) Mein MIDI Keyboard ist sogar noch viel mehr basic, hab ein 88 Tasten M-Audio, das ansonsten keine weiteren Funktionen hat.

  8. Profilbild
    TONSTICH

    Super Interview, nicer Typ.
    Idee: Alle bisher von Amazona interviewte Producer müssen 100 Songs von zufällig ausgewählten Amazona-Mitgliedern bewerten. Daraus ergeben sich die Amazona-Charts. Jedes Jahr neu ; )
    Besten Gruß!

  9. Profilbild
    0gravity

    Danke für das tolle Interview.

    Da bringt einer ein paar wichtigen Aspekte der Musikproduktion hervorragend auf den Punkt.

    Besonders spannend fand ich die Infos zum K-Pop.
    Ich war vor über einem Jahr mit meiner Tochter im Urlaub und wir sind sehr viel Auto gefahren. Der Deal war, dass jeder abwechselnd für ca eine Stunde „seine“ Musik spielen durfte. Dabei habe ich dann Taylor Swift, Meghan Trainor und andere kennen gelernt. Alles toll gemacht, aber warm geworden bin ich damit nicht.
    Meine Tochter ist aber auch großer K-Pop Fan und bei manchen Stücken ist mir da echt die Kinnlade runtergefallen. Was da teilweise für ein Ideenreichtum und ausgefallene Breaks und Soundkombinationen in ein Popgewand gepackt werden finde ich echt beeindruckend.
    Die Lieblingsband meiner Tochter, die Straykids, schreiben und produzieren das wohl größtenteils selbst und schaffen es dann noch bei Liveauftritten zusätzlich zum Gesang eine komplexe dreiminütige Tanzchoreografie hinzulegen.
    Das ist zwar immer noch nicht wirklich meine musikalische Welt, aber meinen Respekt haben die allemal.

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