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Interview: Gerhard Funabiki-Senz zum Plug-in Echograin Tranzwave

Der Entwickler hinter dem Fizmo-Plug-in

3. Februar 2024
INterview mit Gerhard Funabiki-Senz zum Plug-in Echograin Tranzwave

Interview mit Gerhard Funabiki-Senz zum Plug-in Echograin Tranzwave

Vor wenigen Tagen haben wir das Plug-in Tranzwave von Gerhard Funabiki-Senz vorgestellt und getestet. Nun legen wir noch ein Interview nach, um euch den sympathischen Programmierer und Synthesizer-Enthusiasten ein wenig vorzustellen. Viel Spaß.

Peter:
Wie kamst du darauf, den Ensoniq Fizmo in ein Plug-in umzuwandeln?

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Gerhard:
Das Projekt entstand während der Pandemie. Ein Bekannter hatte mir den Fizmo geliehen. Da ich immer wieder zwischen Wien und Tokyo pendele und deswegen meine Hardware-Instrumente nicht mitnehmen kann, habe ich begonnen, mich mit der Erstellung von Sample-Instrumenten zu beschäftigen. Am Anfang dachte ich eher daran, nur die Preset-Patches zu sampeln und habe mit einem Auto-Sampler auf Max Msp Basis experimentiert und mir danach Sample Robot zugelegt. Damit war es schnell möglich, Sample-Instrumente zu erstellen.
Es interessierte mich dann in weiterer Folge, ob es möglich ist, die Wavetables selbst zu sampeln, um dadurch noch mehr kreative Möglichkeiten der Klanggestaltung zu erhalten. Am Fizmo selbst war es nicht so intuitiv, an die reinen Wavetables heranzukommen und diese als Ausgangsbasis für eigene Patches zu verwenden. Zumal gab es bis dato kein Plug-in für den Fizmo, das eine direkte Manipulation der Transwaves ermöglichte. Daher wollte ich ein Instrument machen, das den Fizmo vereinfacht und die Wavetables in den Vordergrund stellt.

Gerhard Funabiki-Senz zum Software Synthesizer Tranzwave nach Ensoniq Fizmo

Peter:
Was macht den Fizmo so besonders?

Gerhard:
Der Fizmo ist ein äußerst komplexer Synthesizer, ausgestattet mit beeindruckend vielen Modulationsmöglichkeiten und acht Wavetable-Oszillatoren. Diese Features ermöglichen es, sehr vielschichtige Klanglandschaften zu erschaffen. Jedoch hat das wenig intuitive Benutzerinterface, das besonders für Einsteiger das Verständnis sowie die Bedienung des Synthesizers erschwert, den Fizmo vom kommerziellen Erfolg abgehalten. Ohne einen externen Editor, wie den Fauxmo, gestaltet sich die Programmierung des Synthesizers als ziemlich herausfordernd.
Gleichzeitig hat er aber diese 5 Fizmo Macro-Drehregler. Er ist dadurch ein Synthesizer, mit dem oft ‚happy accidents‘ passieren können. Er ist ein Synthesizer voller Überraschungen.

Peter:
Wie aufwändig war es, den Tranzwave zu programmieren?

Gerhard:
Für mich war dieses Projekt die Motivation, mich mehr mit der Kontakt Scripting Language und dem Kontakt Sampler selbst auseinanderzusetzen. Ich hatte nie wirklich eine Programmierer-Vergangenheit und daher habe ich etwas Zeit gebraucht, um die Grundkonzepte zu verstehen.  Die Scripting Language ist an sich nicht zu komplex, aber die Feinheiten zu meistern, war durchaus herausfordernd. Besondere Aufmerksamkeit schenkte ich der Benutzerfreundlichkeit und dem Mapping für den Machine-Controller.

Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit galt der Gestaltung des Interfaces, bei der ich mit dem Interface-Designer Deniz Örs zusammenarbeitete. Derzeit scheint es einen Trend zu geben, Interfaces übermäßig zu vereinfachen, um die Benutzer nicht zu überfordern. Ich zielte auf einen ausgewogenen Ansatz ab. Das Interface sollte intuitiv und nicht überladen sein, gleichzeitig aber alle Regler schnell erreichbar machen, um eine komplexe Klanggestaltung zu fördern und die Nutzer zur Entwicklung eigener Sounds anzuregen. Mein Ziel war es, mehr zu schaffen als einen einfachen Preset-Rompler

Peter:
Hast du dabei auf die originalen Schwingungsformen des Fizmo zurückgegriffen?

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Gerhard:
Das Herzstück von Tranzwave bilden die Transwaves bzw., die Wavetables des Ensoniq Fizmo. Ich habe mich bemüht, sie so akkurat wie möglich Frame für Frame zu sampeln und daraus die Wavetables zu rekonstruieren. Dies war ein langwieriger und teilweise nervenaufreibender Prozess, denn es ist notwendig, die Nulldurchgänge mit äußerster Präzision zu schneiden, um eine saubere Wavetable zu erhalten. Es war jedoch immer wieder eine große Freude, als die Wavetables schließlich fertig und spielbar waren. Ich finde es noch immer faszinierend, welche Klangvielfalt man aus den relativ kleinen Samples erhalten kann. Der Tranzwave Synthesizer hat nur eine Größe von 86 MB.

Peter:
Wie nah kommt der Sound des Plug-ins deiner Meinung nach an das Vorbild ran?

Gerhard:
Die Wavetables, die den Kernsound prägen, kommen aus meiner Perspektive dem Original sehr nahe. Trotz einiger kleiner, unvermeidlicher Abweichungen ist der charakteristische Klang des Fizmo unverkennbar vorhanden.
Ein Unterschied besteht darin, dass der Fizmo über doppelt so viele Wavetable-Oszillatoren verfügt wie Tranzwave und flexible Hüllkurven anstelle von ADSR-Envelopes verwendet. Zudem besitzt er einzigartige Effekte, die vom Ensoniq DP/Pro stammen und die ich nicht nachbilden konnte. Deswegen präsentiere ich Tranzwave lieber als ein vom Fizmo inspiriertes Instrument – um Enttäuschungen zu vermeiden, falls jemand einen exakten Klon erwartet.
Dank der Kontakt Engine bietet mein Tranzwave Synthesizer wiederum Möglichkeiten, die über die des Fizmo hinausgehen. Die Effekte, die Tranzwave mitbringt, sind vielfältig und beinhalten auch solche, die im Original zu finden sind, auch wenn sie in ihrer Klangfarbe variieren. Die Preset-Bank ‚Vintage‘, die Tranzwave beiliegt, umfasst Presets, die den Factory-Presets vom Fizmo nachempfunden worden sind.

Der Ensoniq Fizmo bei Gerhard im Studio

Peter
Hast du schon ein neues Projekt, einen neuen Synthesizer im Auge?

Gerhard:
Tranzwave markierte den Beginn meiner Firma ‚Echograin‘, die von nun an als Plattform für derartige Projekte dienen soll. Derzeit liegt mein Hauptaugenmerk auf dem Tranzwave Synthesizer, den ich kontinuierlich aktualisieren möchte. Das bevorstehende Update wird 14 neue Effekte umfassen und ich plane, die Palette der Preset-Sounds zu erweitern. Aktuell habe ich das Modulationslimit in Kontakt erreicht, was es mir vorerst nicht erlaubt, weitere Modulationsmöglichkeiten hinzuzufügen – ich hoffe allerdings, dass sich hier in Zukunft mehr Optionen eröffnen.

Ich bin durchaus motiviert, weitere Kontakt-Instrumente zu entwickeln, besonders wenn ich auf eine Lücke stoße, die ich interessant finde. Ich habe das Glück, in Japan immer wieder auf rare Synthesizer und Instrumente zu stoßen. Zudem interessiert mich die Möglichkeit, durch kreatives Sampling in Verbindung mit Audio- oder MIDI-Effekten spielbare Sample-Instrumente zu kreieren. Nebenbei arbeite ich derzeit an kleineren Max for Live Devices und spiele mit dem Gedanken, Sample-Packs mit Field-Recordings anzubieten.

Peter:
Wir bedanken uns für das INterview und wünschen dir viel Erfolg mit dem Tranzwave.

Gerhard:
Vielen Dank! Es war mir eine Ehre!

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Forum
  1. Profilbild
    Synchead

    Gerhard absolute Hochachtung. Bei einigen alten Synths gibt es die Möglichkeit die eproms aus dem Sockel zunehmen und direkt auszulesen.. Vielleicht sind die wavorms des fizmo bereits irgendwo im Netz …

    • Profilbild
      Echograin

      @Synchead Danke:)

      Ich habe sie bisher nicht gefunden. Auch wäre es in diesem Fall mit dem Copyright problematisch.

      • Profilbild
        Round Robin AHU

        @Echograin Herzlichen Glückwunsch zur TRANZWAVE Veröffentlichung. Ihnen ist ein hervorragend klingender und vor allem authentischer Fizmo Synthesizer gelungen. Besonders beeindruckt mich die Entstehungsgeschichte zu diesem Kontakt Instrument. Gibt es Pläne zu reinen VST/AU Umsetzung?

        • Profilbild
          Echograin

          @Round Robin Vielen Dank!
          Eine VST/AU Umsetzung ist leider im Moment nicht geplant, da es meine Kapazitäten nicht zulassen. Aber es sind definitv weitere Updates geplant.

  2. Profilbild
    Flowwater AHU

    Fragen an @echograin:

    1. Hast Du japanische Wurzeln? Das ist jetzt von mir aus dem Freien heraus orakelt, weil Dein Nachname so klingt. Oder bist Du mit einer Japanerin leiert?

    2. Ist das nicht ein Kulturschock, von Deutschland nach Japan und dann wieder zurück zu reisen? In meinem Fall würde ich vermutlich noch mehr in Videospielen ertrinken, als ich es ohnehin schon tue. 😁

    3. Machst Du auch aktiv Musik? Und wenn ja: Wo kann man Deine Musik hören? Der Hintergrund in dem Bild deutet ja darauf hin, dass da ein echt spannendes Studio schlummert. Ich meine in dem Bild direkt hinter Dir einen recht alten und recht geilen Synthesizer auszumachen.

    Ansonsten kann ich nur die Daumen drücken und Dir echt nur das Beste für Dich und Deine Firma Echograin wünschen. Wer eine Firma neu gründet – und sei es nur als »Ein-Mann-Unternehmen« – dem gehört mein voller Respekt. 🙂👍

    • Profilbild
      Echograin

      @Flowwater Vielen Dank für die Wünsche und die Plattform hier!

      Meine Frau ist Japanerin und ich bin fleißig am Japanisch lernen!
      Man gewöhnt sich an das Hin und Her. Die ersten Male war es schon ein kleiner Kulturschock.
      Tatsächlich habe ich mich in Tokio bei der Einführung der Switch von der omnipräsenten Werbung verführen lassen :)
      Ich mache unter anderem Musik unter dem Namen Prcls. Man findet mich auf allen gängigen Plattformen.

      Hier ist ein Musikvideo der japanischen Künstlerin En Kumagai.
      Für die Musik habe ich hauptsächlich den Jupiter 4 (den du, glaube ich, meinst) und das Space Echo verwendet, was ich in Ableton Live durch weitere Looper prozessiert habe. Alles in einem One Take.
      https://www.youtube.com/watch?v=uotbK31Jlaw

      Und ein eher schnelleres Stück, das auf Samples basiert. Auch hier ist der Jupiter 4 wieder im Einsatz :) Für das Video habe ich circa 2 Jahre Slow Motion Footage aus den japanischen Bahnen gefilmt:
      https://www.youtube.com/watch?v=1S_fqJpdpc8

      • Profilbild
        Flowwater AHU

        @Echograin Vielen lieben Dank für die ausführliche Antwort! Sehr spannend das alles.

        Und noch mal: Viel Glück und alle Daumen gedrückt für alle Deine Vorhaben. 🙂👍

    • Profilbild
      SynthUndMetal

      @Flowwater War auch neugierig und habe kurz dazu gegoogelt. Eine ziemlich beeindruckende Laufbahn, muss ich sagen. Sieht eher danach aus, als wenn Echograin ein weiteres sehr interessantes Projekt von ihm ist. Zu deinem Punkt 1. kann man dort ebenfalls was finden, gehört aber sicher nicht hier ins Forum. Bezüglich Videospielen wärst Du in Japan eventuell bereits ein Otaku 😂

  3. Profilbild
    Kazimoto

    Kuchenzeit! Kann man die Transwaves auch in Vital laden? Sind zwar nur 3 Oszillatoren aber dafür geht an vielen Stellen mehr.

    • Profilbild
      Echograin

      @Kazimoto Vital ist ein super Synthesizer. Die Wavetables die mit Tranzwave kommen sind nur mit Kontakt kompatibel.
      Wie bereits von Snychead erwähnt, vielleicht findet man Transwaves an anderen stellen, die man dann man für Vital aufbereiten kann.
      Mir war es wichtig, ein Paket zu machen, was erstmal nur den Fokus auf den Fizmo Transwaves hat und nicht innerhalb eines grösseren Soundsets untergeht.

  4. Profilbild
    swissdoc RED

    Passend zum Fizmo-Plug-In habe ich gestern im TV Film «Füür oder Flamme» des Schweizer Fernsehens von 2002 einen Fizmo entdeckt. Manuel Löwensberg spielt dort den Musiker und Pizza-Kurier Olaf Mettler. Im Film sieht man ihn mehrfach in seinem Homestudio an einer DAW arbeiten, später zieht er um und trägt den Fizmo durchs Bild. Sonst hat der Fizmo keine tragende Rolle. Manuel Löwensberg ist der Sohn des ehemaligen Bundesrates Moritz Leuenberger.

  5. Profilbild
    Filterpad AHU

    Mit Kontakt finde ich ganz praktisch. Dann braucht man schon mal nicht ne neue Betreibersoftware und hat das in Verbund mit dem anderen Gedöns von Native Instruments. Was diese (für mich persönlich klanglich nicht so gute) Native Instruments Play-Series anbetrifft, ist der Tranzwave geradezu der Ferrari unter den Fiats. Am besten die Plugins der Playserie in ein VST zusammenfügen und wieder vernünftige Softwaresynthesizer wie dieser für den Kontakt herstellen, anstatt die vielen dumpfen Klangwelten der Playserie ohne vernünftigen Eingriff in’s Synthese-Geschehen.

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