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Test: DOCtron IMC 500,API500 Mastering-Kompressor und Equalizer

Instant Mastering Chain im API-Format

5. Februar 2024
doctron martin stimming api500 vorschau

DOCtron IMC 500,API500 Mastering-Kompressor und Equalizer

Die DOCtron IMC 500 Mastering-Chain ist die API 500-Variante des Martin Stimming DOCtron IMC, der bereits vom Kollegen Jörg Hoffmann vor zwei Jahren ausgiebig gefeiert wurde. „Suchtgefahr“, „geil“, „Gänsehaut garantiert“ sind einige der Attribute und Aussagen, die der Kollege Hoffmann dem DOCtron IMC 5 zugeschrieben hat. Da wir das Rad nicht neu erfinden müssen, schauen wir uns in diesem Test an, welche Chancen das bekannte Design im neuen Format für unser Tonstudio bringt. Los geht’s.

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Martin Stimming/DOCtron

Hinter dem Hersteller DOCtron verbergen sich der Künstler Martin Stimming, bekannt unter seinem Künstlernamen Stimming, und Michael Schneider alias DOCtron. Wer nun glaubt, dass wir es hier mit einer globalen Mega-Company aus einer Weltmetropole zu tun haben, irrt gewaltig. Das „Headquarter“ liegt in 91717 Wassertrüdingen in Bayern. Hier findet man hinter Bäumen und Hecken versteckt ein Wohnhaus. Nun sind bekanntlich die genialsten Erfindungen in eben solch einem „Ambiente“ entstanden – sprich in Garagen und Kellern. Man denke nur an Steve Jobs und Steve Wozniak. Und in der Tat muss ich beim Anblick der beiden Fotos auf Seite 4 der Betriebsanleitung schmunzeln und fühle mich in die Zeit der 1970er zurückversetzt. Das Bild des Visionärs und des Tüftlers gemeinsam in der Garage mit Lötkolben und dem Mainboard der Elektronik, die den Startschuss für eines der erfolgreichsten Unternehmen der Welt werden sollte, geht mir sofort durch den Kopf. So in etwa stelle ich mir die Zusammenarbeit von Stimming und Schneider vor.

DOCtron IMC – die Idee

Martin Stimming macht elektronische Musik. House, Techno, Funk wird zur Symbiose Funk-House – so umschreibt Apple Music die Musik von Stimming. Ich höre mir einige Titel von Stimming auf Apple Music an und sofort groovt es und die Bass-Drum drückt ungemein auf meiner Studioabhöre. Obwohl es sich um elektronische Musik handelt, fällt mir der dynamisch klingende Mix des ersten Songs UNA PENA (Original) auf. Die Instrumente setzen wie für diese Art von Musik typisch nach und nach ein. Der pulsierende und tiefe Bass, die knochentrockene Bass-Drum, Claps, diverse perkussive Instrumente, Sound-Effekte und dann schließlich die Stimme von Violeta Parra und immer wieder Bläser. Zwischendurch ist eine sehr natürlich klingende Snare-Drum zu hören, die so gar nicht elektronisch klingt. Möchte man alle Elemente dieses Titels aufzählen, hätte man eine Mammutaufgabe vor sich.

DOCtron IMC 500 Kompressor EQ Mastering

Der zweite Titel „Prepare“ beginnt mit Regengeräuschen auf dem rechten Lautsprecher und einem „Blubbern“ auf dem linken Lautsprecher, bevor dann das erste Instrument einsetzt, Akkorde und Thema spielt und schließlich erneut der Drumcomputer. Erneut bleibt alles äußerst durchsichtig, trotzdem „in the face“ und druckvoll.

Martin Stimming ist bekannt für seine Live-Auftritte. Wie in diesem musikalischen Genre üblich, sind gemischte Acts aus DJs und Künstlern, die ihre Musik live erzeugen, an der Tagesordnung. Den in der Regel auf maximale Lautheit getrimmten Sound einer Studioproduktion auf der Bühne zu erreichen und sich gegen einen DJ, der fertig gemasterte Tracks abfeuert, durchzusetzen, ist ein großes Problem für EDM Live-Acts. Damit der Groove aber das Publikum erreicht und animiert, ist es unbedingt erforderlich, den Druck und Schub eines gemasterten Tracks zu erreichen. Zwar bieten moderne Digitalpulte in der Regel Brickwall-Limiter, mit denen sich die Summe sprichwörtlich an die Wand fahren lässt, der diffizile Sound eines Martin Stimming ist dann aber ruiniert. Das folgende Video gibt einen sehr schönen Eindruck der Musik Stimmings:

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Die Lösung fand Martin Stimming in Tüftler Michael Schneider und der Konzeption des DOCtron IMC – der Instant Mastering Chain. Diese sollte es erlauben, den Stimming Sound live zu erzeugen – maximaler Druck, maximale Klarheit, Wärme und all das ohne Abstriche. Dass dieses Experiment gelungen ist, könnt ihr im Testbericht des Kollegen Jörg Hoffmann nachlesen. Der DOCtron IMC ist dabei als echtes Live-Equipment schön klein und leicht konzipiert. Ein- und Ausgänge sind als TRS-Klinkenbuchsen ausgeführt. Das DOCtron IMC 500 API-Modul bringt nun den DOCtron IMC in ein Studioumfeld.

doctron-mastering-instant-chain imc

DOCtron IMC 500 Instant Mastering Chain

Das DOCtron IMC 500 API-Modul belegt im API500-Rack zwei Slots. Als Stereogerät ausgeführt, sind das natürlich zwei Platinen mit zwei Kontaktleisten, die in die Slots des Racks eingeschoben werden müssen. Nun lassen sich die Anschlüsse des Racks nutzen, die in der Regel als symmetrische XLR-Buchsen ausgeführt sind. Die nun komplett symmetrierten Ein- und Ausgänge liefern einen um 3 dB höheren Headroom als der IMC-5. In der Bedienungsanleitung wird außerdem vorgeschlagen, den IMC 500 anstelle einer DI-Box zu verwenden. Optimiert wurde auch die True-Bypass-Funktion durch einen neuen Schaltkreis. Weggefallen ist aufgrund des API500-Formats der externe Sidechain sowie der Kopfhörerausgang. Neu hinzugekommen ist hingegen ein Bus-Connector-System mit 14 Pins, um die zukünftige IMC-EXP Erweiterung und andere Module anzuschließen.

DOCtron IMC 500 Kompressor EQ Mastering Modul

Vor dem Einbau: das DOCtron IMC 500 API-Modul

Bedienelemente: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Aufgrund des anderen Formfaktors lässt sich das DOCtron IMC 500-Modul meines Erachtens deutlich besser bedienen als das DOCtron IMC, da hier die Regler in nur einer Reihe untereinander angeordnet sind. Das ist aber sicherlich eine Geschmacksfrage. Von oben nach unten sind das Input, Low EQ, High EQ, Threshold, Drive, Output. Sie sind außerdem schön griffig. Die gerasterten Regler für Ratio, Attack und Release sind auf der linken Seite untergebracht. In ihrer Mitte befinden sich jeweils der beleuchtete Druckschalter für Active/Bypass, EQ On/Off und FF/FB (Feed Forward, Feedback). Diese Schalter reagieren mit einem gut hörbaren Klicken, lösen leicht aus und leuchten schön rot. Die gerasterten Regler hätten ruhig etwas mehr Tiefe vertragen können, um sich leichter drehen zu lassen. Bei meinen recht schlanken Fingern funktioniert das noch gut, bei dickeren Fingern könnte das problematischer werden. Aber das ist Meckern auf sehr hohem Niveau!

DOCtron IMC 500 Kompressor EQ Mastering API-Rack

Das DOCtron IMC 500 Modul belegt zwei Slots im Rack

Funktionsweise & Bedienung des DOCtron IMC 500

Input schwächt das Eingangssignal im Bereich von -10 dB bis 0 dB ab. Der Low EQ liegt bei 60 Hz, der High EQ bei 12 kHz mit einem Gain von ±14 dB. Threshold definiert die Einsatzschwelle des Kompressors und reicht von +20 dB (aus) bis -20 dB. Drive regelt, wie heiß der Lundahl LL1539 Ausgangsübertrager in die Sättigung gefahren wird. Der Bereich reicht von „off“, „soft“ über „max“ bis „nuts?“. Letzteres kommt einem Distortion-Effekt gleich. Mit dem Output-Regler holt man das Signal wieder zurück auf einen angemessenen Pegel und bestimmt, wie stark die „Färbung“ durch den Übertrager sein soll.

DOCtron IMC 500 Kompressor EQ Mastering Modul Platine Übertrager

Gut sichtbar: der Lundahl Übertrager

Der Ratio-Regler bestimmt das Verhältnis zwischen dem nicht komprimierten und dem komprimierten Signal. Zur Auswahl stehen 1:1.5 bis 1:10. Die Attack-Zeiten reichen von 0.1 bis 30 ms und bestimmen, wie schnell der Kompressor reagiert. Release ist das Gegenstück und definiert, wie lange der Kompressor benötigt, um den Pegel wieder auf das normale Niveau zu erhöhen. Zur Auswahl stehen 1, 3, 6, 1,2 und „Auto“. Etwas verwundert bin ich über die aufgedruckte Reihenfolge der Release-Zeit in Sekunden und den Aufdruck „1,2“. Im Auto-Modus wählt der Kompressor die Release-Zeit programmabhängig.

Ungewöhnlich  ist auch, dass es sich hier um gerasterte Endlosregler handelt mit mehr Rasterungen als Wahlmöglichkeiten. Dreht man den Regler über die letzte aufgedruckte Position hinaus, bleibt der dort angegebene Maximalwert so lange bestehen, bis wieder die 12-Uhr-Position erreicht wird. In der Bedienungsanleitung wird das Verhalten entsprechend am Beispiel des Ratio-Reglers beschrieben: Dessen Positionen sind 1,5 – 2 – 4 –10 – 10 – 10 – 10 – 10. Danach ist eine volle Umdrehung erreicht und man beginnt wieder bei 1,5.

DOCtron IMC-500
DOCtron IMC-500
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(1)

Interessant ist der FF/FB-Schalter. Hiermit lässt sich die Arbeitsweise des Kompressors bestimmen: Feed Forward (FF) und Feedback (FB) sind zwei unterschiedliche Positionen der Detektorschaltung. Im Feedback-Modus sitzt die Detektorschaltung hinter dem VCA. Das führt zu einem musikalischeren Ergebnis. Ein Klassiker mit Feedback-Detektorschaltung ist der 1176 Limiter. Im Feed-Forward-Modus befindet sich die Detektorschaltung vor dem VCA. Es bietet sich an, mit beiden Einstellungen zu experimentieren. Nicht jeder Kompressor ermöglicht es, die Position der Detektorschaltung auszuwählen.

DOCtron IMC 500 Kompressor EQ Mastering Bedienelemente

Bedienelemente des DOCtron IMC 500 Moduls

Praxiseinsatz des API500-Moduls

Ich habe mir vor meinem eigenen Test den Testbericht des Kollegen noch einmal durchgelesen. Alles zum DOCtron IMC Gesagte kann auch hier unterstrichen werden. Die Regler sollten vorsichtig bewegt werden, denn schon kleine Reglerbewegungen vollziehen bisweilen drastische Veränderungen. Verzerrungen sind die Folge. Diese können aber auch gewollt sein. Du entscheidest. Es benötigt Zeit, mit dem Gerät richtig warm zu werden. Wer hier einen „normalen“ Kompressor erwartet, irrt gewaltig. Man sollte auch die Denkweise, die man sonst beim Einstellen eines Kompressors an den Tag legt, eher vergessen. Wir haben es hier nicht mit einem gewöhnlichen VCA-Kompressor mit zusätzlichem 2-Band-EQ und Sättigungsschaltung zu tun. Hier ist kein wildes Geschraube angesagt, sondern sehr feinfühliges Einstellen der Regler. Alles reagiert hier miteinander, kann aber auch gegeneinander spielen.

DOCtron IMC 500 Kompressor EQ Mastering Doppelplatine Stereo

Doppelplatine für Stereobearbeitung

Ich habe für den Test meinen Demo-Song wieder ausgegraben, den ich für den Vergleichstest der FM-Plug-ins vor einiger Zeit erstellt hatte. Diesen habe ich durch den DOCtron IMC 500 geschickt und das Ergebnis wieder aufgenommen. Alle vier Takte habe ich den Kompressor eingeschaltet und vier Takte später wieder auf Bypass. Das funktioniert wunderbar knackfrei. So hört man schön den Unterschied: Die Lautheit wird gesteigert, der Pegel verändert sich kaum. Ich habe Bässe und Höhen mit dem EQ angehoben, damit man sich einen Eindruck vom Klang des EQs machen kann. Die im Originalmix ohnehin schon präsenten Höhen sind jetzt etwas zu stark vertreten, aber so gewinnt man einen guten Eindruck, was der EQ kann.

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Fazit

Mit dem DOCtron IMC 500 Kompressor erhält man die perfekte Alternative zum DOCtron IMC für das Tonstudio oder die Lunchbox zum Mitnehmen. Es ist kein einfaches Set & Forget-Tool, sondern ein Arbeitsgerät, mit dem man sich länger beschäftigen muss. Vielleicht ist deshalb auch die Produktbezeichnung „Instant Mastering Chain“ irreführend, denn das Wort „instant“ („sofort“, „sofortig“, „augenblicklich“) suggeriert, dass das Gerät eben aus dem Stand gut bis sehr gute Mastering-Ergebnisse liefert. Genau das ist aber nicht der Fall, da schon kleine Reglerbewegungen drastische Veränderungen bewirken können. Passt man nicht höllisch auf, endet das in einem verzerrten Klang. Hören, hören und noch mehr hören ist hier angesagt, denn nach wie vor fehlt eine optische Anzeige. Offensichtlich hat man das erkannt und bietet den noch fehlenden Sidechain und auch ein VU-Meter für das API-Rack zukünftig mit dem IMC-EXP Modul als Option an. Wer das nicht benötigt und bereits ein API-Rack besitzt, freut sich vor allem über den Preis, denn mit knapp 1.500,- Euro ist der DOCtron IMC 500 wesentlich günstiger als der IMC, der das Doppelte kostet. Damit ist endlich ein erstklassiges Preis-Leistungs-Verhältnis gegeben, das der IMC 5 in meinen Augen nicht besaß.

Plus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Klang
  • FF/FB-Schaltung
  • knackfreier Bypass
  • erweiterungsfähig

Minus

  • kein Meter

Preis

  • 1.499,- Euro
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