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Angus Young: Seine Gitarren, seine Musik

17. April 2011

The Story of Angus Young

Angus Young

Angus Young

Rote Gibson SG, Schuluniform und auf einem Bein quer über die Bühne, wer kennt ihn nicht?

Diese rhetorische Frage verdient eine ebenso rhetorische Antwort: keiner. Denn die Rede ist natürlich von Angus Young, dem Lead-Gitarristen und Langzeitmitglied der australischen Rock-Band AC/DC. Kaum eine anderer Gitarrist hat mit seinem unverwechselbaren Stil und der ekstatischen Bühnenperformance so viel Aufmerksamkeit erregt, und der Heavymetaller mit Kultstatus ist mittlerweile so bekannt, dass man ihn allgemein hin schon an seiner Silhouette auf T-Shirts und Postern erkennt.

Geboren wurde er als Angus McKinnon Young am 31. März 1955 im schottischen Glasgow als jüngstes von acht Kindern. Die Familie McKinnon Young wanderte jedoch aufgrund der prekären Arbeitsmarktlage in Schottland um 1963 nach Sydney, Australien, aus. Seine Geschwister, ebenfalls musikalisch aktiv, machten ihn bereits in dieser Zeit mit Musikern wie Elvis, Chuck Berry und Louis Armstrong bekannt, und hier war es auch, wo der junge Angus die ersten musikalischen Versuche auf einem mit sechs Saiten bespanntem Banjo machte. Später übte und improvisierte er auf der alten Gitarre seines älteren Bruders und kaufte sich bald darauf eine Gibson SG. Diesem Modell ist er praktisch in seiner ganzen Karriere treu geblieben, und sie gilt nach wie vor als eines seiner wichtigsten Markenzeichen.

Wie viele andere Musiker auch fing er bald darauf an, in der Garage des Elternhauses mit Freunden Musik zu machen. Nichts war ihm in dieser Zeit wichtiger als das tägliche Üben mit seinen Freunden, und so kam es, dass er stets direkt nach der Schule mitsamt seiner Schuluniform in der Garage verschwand, ohne sich vorher umzuziehen. Im Alter von fünfzehn Jahren schloss er die Schule ab, begann eine Lehre in einer Druckerei und verdiente nebenbei Geld, um sich sein eigenes Gitarren-Equipment leisten zu können. Mit seiner damaligen Band „Tantrum“ machte er auf sich aufmerksam, indem er sich auch bei den Auftritten in Schuluniform zeigte, und wenn er über die Bühne springend und tollend einmal stolperte und fiel, spielte er unbeirrt weiter und entwickelte so zwei weitere Erkennungsmerkmale, die ihn bis heute begleiten.

Angus Young 2

1973 gründete sein Bruder Malcolm dann die Band AC/DC. Der Name der Band ist wohl seiner Schwester Margret zu verdanken, die die Bezeichnung für Wechselstrom/Gleichstrom einer Nähmaschine hierfür entliehen haben soll. Später wurde der jüngere Bruder Angus dann Lead-Gitarrist der Band. Nachdem der Sänger Dave Evans 1974 Durch Bon Scott ersetzt wurde, gelangen der Band die ersten kommerziellen Erfolge. Nach dem Debüt-Album „High Voltage“ und einer Reihe weiterer Alben erschien 1979 das weltweit sehr erfolgreiche Album „Highway to Hell“. Vor allem die wilden Auftritte der Band, bei denen Angus mit Feuerwerkskörpern im Rucksack auf den Schultern des über die Bühne rennenden Sängers Bon Scott Gitarre spielte, machten sie bald bekannt, und sie verkörperten mit ihrer harten, eingängigen Musik und den martialischen Texten für viele den Inbegriff des Heavy Metal.

Nach dem Tode Bon Scotts im Jahr 1980 stand die Band kurz vor der Auflösung, bis man Brian Johnson als neuen Sänger gewinnen konnte und mit ihm zusammen (das bis heute kommerziell erfolgreichste Album) Back in Black veröffentlichte.

Bei ständig wechselnden Besetzungen sind Young und Johnson der Band bis heute erhalten geblieben, und die Band ist bis heute ausgesprochen erfolgreich sowie international bekannt. Und vor allem der unverkennbare Klang der „Young’schen Gitarre“ dürfte diesen Erfolg erst möglich gemacht haben.

Angus Young Highway to Hell

Angus Young – sein Stil

Besonders komplexe Arrangements und spannungsreiche Melodien sind sicherlich kein Markenzeichen der australischen Heavy-Metaler. Es handelt sich wohl eher um soliden und besonders eingängigen Rock mit vielen Einflüssen aus dem Blues und dem Rock’n’Roll. Verzerrte Powerchords, stetige Basslines, Schlagzeug im Vier Viertel-Takt und ein Gesang, der bei jedem klassischen Sänger schon vom Hören Stimmbandentzündungen nach sich zieht. Man kann über diese Kombination und damit über AC/DC sagen was man will, aber unbestritten ist, dass sie seit 1975 mit ihrem Konzept fast unverändert erfolgreich sind und kein Ende in Sicht ist. Mit ihrem unverwechselbaren Stil haben sie sich eine Treue und enthusiastische Fangemeinde nicht nur unter Harley-Fahrern aufgebaut und sind bis heute eine der kommerziell erfolgreichsten Bands überhaupt. Und auch in der Fachpresse ist ihr Name und besonders der Name Angus Young immer wieder in den höheren Platzierungen der Rangliste der einflussreichsten Künstler zu sehen.

Auf die zahlreiche Kritik aus der Musikwelt an der Einfachheit der Songs und dem seit Jahrzehnten unveränderten Rezept für ihre Musik antwortete Hauptsongwriter Angus Young nur: „To us, the simpler a song is, the better, ‚cause it’s more in line with what the person on the street is.(…) it’s just Rock and Roll.“ Damit trifft er wohl genau das, womit seine Fangemeinde zu begeistern ist und was die Band so erfolgreich machte.

Der individuelle Stil von Angus Young wird vor allem durch den immer stark angezerrten Klang seiner Gitarre und die fast ausschließliche Verwendung von Powerchords und offenen Akkorden geprägt. Die von ihm gespielten Riffs sind meist sehr eingängige, repetitive Muster, die sehr vordergründig und als tragendes Element in den Songs auftauchen. Wie zum Beispiel sehr gut zu hören in den Liedern „T.N.T“ und „Highway to Hell“.

Des weiteren ist Angus Young für den ausgiebigen Gebrauch von Hammer On/Pull Off-Licks bekannt, die er oftmals in seinen Soli sowie im Intro von beispielsweise „Thunderstruck“ einfließen lässt. Die in fast jedem Lied obligatorisch vorkommenden Soli sind von mehr oder weniger schnell gespielten Pentatonik-Skalen geprägt und erinnern stark an Blues und Blues-Rock sowie an Rock’n’Roll.

Sein Stil wird häufig als unsauber und ebenfalls sehr simpel kritisiert, doch auch hierfür wird er von vielen verehrt, und die vollkommen ekstatischen Auftritte, bei denen er sich während dem Spielen am Boden liegend im Kreis dreht, über die Bühne rennt und den „Duckwalk“ vorführt suggerieren, dass er auf jeden Fall viel Spaß beim Spielen hat. Und ist nicht gerade das oftmals ausschlaggebend für gute Musik?

Wie Angus Young selber angab, gehören unter anderem Künstler wie Chuck Berry und Freddy King zu seinen Einflüssen.

Angus Young AC/DC

Über vier Jahrzehnte blieb er seinem Stil treu

Angus Young – das Equipment

Seine Gitarre(n)

Wie jeder erfolgreiche Musiker besitzt sicher auch Angus Young eine Vielzahl an Gitarren und könnte sicherlich aus einem reichhaltigen Fundus an Saiteninstrumenten für seine Auftritte wählen. Doch schon seit seiner Jugend ist er der Gibson SG treu ergeben. Sie gehört von jeher zu dem, was einem in den Kopf schießt, wenn man seinen Namen hört. Wie oben erwähnt, war schon seine erste eigene E-Gitarre eine SG, und seither spielte er durch seine gesamte Karriere hindurch originale oder modifizierte Versionen, bei denen er die Hardware auswechselte oder die Tonabnehmer untereinander vertauschte. Bis Gibson anbot, für Young ein Signature-Modell nach dessen Wünschen und Vorstellungen zu entwickeln. Als Basis diente hierfür selbstverständlich die Gibson SG, die mit einem eigens für Angus gewickelten Pickup an der Stegposition und an der Halsposition mit einem ’57 Classic-Humbucker bestückt wurde. Eine Zeit lang spielte Young Auch eine SG mit Maestro Vibratosystem, stieg aber aufgrund der fehlenden Stimmstabilität bald wieder auf eine feste Brücke um. Außer der Pickup-Bestückung weist das Signature-Modell lediglich einige kosmetische Veränderungen auf, wie zum Beispiel Gravuren und ein verändertes Schlagbrett. Ansonsten ist die Gitarre weitestgehend identisch mit dem Originalmodell.

-- Die Gibson SG Angus Young Signature-Gitarre --

Die Gibson SG Angus Young Signature-Gitarre

Eine zweite Signature-Gitarre wurde erst vor wenigen Jahren vorgestellt und unterscheidet sich neben den Seymour Duncan Pearly Gates Humbuckern und dem aus Ebenholz gefertigten Griffbrett besonders durch den sehr dünnen Ahornhals vom Original.

Auch wenn diese Gitarren mit und für ihn entwickelt wurden, spielt er seine Signature-Modelle mittlerweile nicht mehr selbst auf der Bühne und ist wieder zu den ursprünglichen Modellen der SG-Serie zurückgekehrt. Seine bevorzugte Saitenstärke liegt bei 09-42.

Amps und Effekte

Sein schon länger bevorzugtes Verstärkermodell ist ein Marshall Röhren-Verstärker des Typs Super Lead Plexi in Kombination mit  4×12″-Boxen, doch auch mit andere Verstärkern der Marken Orange, Mesa Boogie und Wizard experimentierte er bereits. Seinen bevorzugten Klang entwickelter er schon sehr früh durch das Testen unterschiedlicher Röhrentypen in einem Marshall JTM45. Bei den AC/DC-Auftritten ist meist eine Vielzahl von Boxen hinter ihm aufgetürmt, was das martialische Heavymetal-Image zu unterstreichen vermag. Purist wie er ist, lehnt er die Verwendung weiterer Effekte und Klangmodulationen komplett ab und spielt ausschließlich über den Verstärker. Effekt-Pedale sind also kein Muss für weltweiten und langanhaltenden Erfolg!

Forum
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    iltis30  

    Ergänzung: Young spielt beileibe nicht immer nur eine SG, sondern hat auch ein Signature-Modell von Gretsch, das er auch immer wieder spielte.

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    Sokrates  

    Ich habe jetzt bei Edeka einen AC/DC Rotwein entdeckt. Die Flasche in rot/schwarz gehalten, ein Bild von Angus mit zwei Hörnern ist auf dem Etikett abgebildet und der Wein heißt „Highway to Hell“.

    Es ist ein Chardonnay. Ich glaube, das ist eine gute Sorte. Es gibt noch einen ACDC Weißwein.

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    Atarkid  AHU

    Angus Young als „Heavymetaller“ zu bezeichnen zeugt doch sehr von mangelnder Kompetenz. AC/DC haben ihre Wurzeln im Rhythm & Blues. Das wurde einfach nur ein bißchen agressiver gespielt. Im Lauf der Zeit etwas zum simplen „Riff-Rock“ abgewandert, haben sie in den letzten Jahren wieder viel bluesiges Material zum Besten gegeben.
    Und auch wenn Angus mehr im Rampenlich steht, ist es doch sein Bruder der im Kern für den AC/DC Sound verantwortlich ist….

    Zur Gretsch. Das ist Malcolm Young’s Ding ^^

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      Spoonful

      bin schon seit ewigen Zeiten AC/DC-Fan und erinnere mich noch sehr gut daran,als sie mitte der 70’er von diversen „Musikmagazinen“ in die Punkrock-Schublade gesteckt wurden. LACHHAFT !!!!

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      JM4

      Ende 70er/Anfang 80er wurde AC/DC von den gängigen Musikmagazinen tatsächlich unter Heavy Metal gehandelt. Wir verstehen halt heute etwas anderes darunter; und ganz klar ist AC/DC im Grunde eine laute Bluesband. Aber geil :-)

  4. Profilbild
    santiago

    interessant finde ich dass es jimi hendrix nicht in die liste geschafft hat….. wo dieser doch wohl einige der genannten in der liste sicherlich mehr als nur beeinflusst hat.

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      tilmann.seifert  RED

      Hallo santiago,

      Hendrix haben wir natuerlich nicht vergessen und werden ihn bald in die Reihe aufnehemen.

      Gruss,
      Tilmann

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      gaffer  AHU

      Der ältere Bruder der Youngs war auch ziemlich erfolgreich: Friday on my mind mit den Easybeats, später mit Flash and the Pan (Hey St. Peter) und als Komponist zusammen mit Vanda

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