Test: Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III, E-Gitarre

15. September 2020

Guns n' Weiß ...

Wie sich die Zeiten in Sachen Signature-Instrumente doch ändern. War es früher bei den Herstellern üblich, nur an ausgewählte Szenegrößen oder handwerkliche Ausnahmetalente ein maßgeschneidertes Instrument auszuliefern, begegnet man heutzutage geradezu einer Flut von Signature-Modellen, bei denen man kaum noch die Übersicht behalten kann. Während man früher die Sondermodelle bewusst hochpreisig ansetzte, um das gleiche Modell mit einer reduzierteren Ausstattung und Fertigung in Asien auch als ein bezahlbares Modell mit zu bewerben, bewegen sich heutige Signature-Modelle zumeist von vornherein in moderaten Preisregionen, wenngleich aktuelle Endorser-Namen nicht mehr unbedingt die Zugkraft früherer Zeiten haben. Mit Schecter befindet sich ein sehr Endorser-freundlicher Hersteller in der Szene, welcher in seiner über 160 Künstler umfassenden Datenbank auch einen YouTuber namens Keith Merrow führt, dessen aktuelles Modell Schecter Keith Merrow KM-6 Mk-III Hybrid uns hier zum Test vorliegt.

Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III Test

Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III – Front

Wer ist Keith Merrow?

Man möge mir verzeihen, wenn meine Prioritäten in Sachen Künstlerwahrnehmung immer noch im Band/Live-Bereich liegen und ich mir durchaus bewusst bin, dass der eine oder andere YouTuber mir kein Begriff ist, aber dafür gibt es ja das Internet. Wikipedia gab leider nicht viel her, aber laut Google handelt es sich bei dem Amerikaner um einen Studiomusiker, welcher auch in verschiedenen YouTube Videos in einigen Clinics zu hören ist, wie er seine Instrumentalsongs zu entsprechenden Backingtracks spielt.

Dabei liegt sein Fokus auf der siebensaitigen Gitarre, welche sehr häufig noch mal um 2 Halbtöne entweder komplett auf A oder auf Drop A heruntergestimmt wurde. Hier ein Beispielvideo:

Das im Video zu sehende Instrument gibt es nun auch in einer sechssaitigen Variation, welche in dem „Snowblind“ Finish erst dieses Jahr auf den Markt kam.

Die Konstruktion der Schecter Keith Merrow KM-6 Mk-III Hybrid

Offensichtlich haben sich die Schecter Leute den alten Spruch „If You Wear Black, You Have To Play White“ zu Herzen genommen und dem Instrument ein Finish verpasst, welches kaum schöner auf die farbigen Scheinwerfer einer Bühne ansprechen könnte. Wenngleich das weiße Finish mit schwarzem Binding dem einen oder anderen nicht „Metal“ genug sein dürfte, euer Lichttechniker wird die Farbe lieben. Was an der Schecter Keith Merrow KM-6 Mk-III Hybrid nun genau „Hybrid“ ist, konnte ich leider nicht herausfinden, weder wurde ein Piezo-Pickup im Steg verbaut, noch besitzt die Gitarre andere Features, welche sie zu einem gewissen Prozentanteil in eine andere Instrumentengruppe befördert.

Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III Test

Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III – Rückseite

Insgesamt würde man die Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III am ehesten in der Abteilung Powerstrat 2.0 ansiedeln, 2.0 aufgrund des fehlenden Vibratosystems, welches meist bei einer Powerstrat vorzufinden ist. Ich persönlich finde die Abwandlung zur vibratofreien Version hin zum maximalen Sustain sehr angenehm, da sie auch meinem persönlichen Spielstil deutlich näher kommt als die Floyd Rose Abteilung.

Generell hat man auf den ersten Eindruck das Gefühl, eine Ibanez Gitarre in den Händen zu halten, wobei insbesondere die beiden sehr spitzen Cutaways sehr stark an den Konkurrenten erinnern. Allerdings nur solange, bis der Blick sich zur Kopfplatte hochgearbeitet hat, bei dem die typische 3 / 3 Schecter Kopfplatte den Hersteller eindeutig identifiziert. Die Hardware des Instruments ist komplett in Schwarz gehalten und bietet an der Kopfplatte 6 Locking Mechaniken aus eigener Fertigung, im Brückenbereich ein Hipshot-Hardtail mit einer String-Thru-Body-Konstruktion, welche zusätzlich für ein Maximum an Sustain sorgen soll.

In Sachen Holzkonstruktion setzt auch Schecter einmal mehr auf die aktuell sehr angesagte Neck-Thru-Variante, was dem Schwingungs- und Sustain-Verhalten in der Regel sehr zugute kommt. Der durchgehende Hals besteht aus Ahorn, der angesetzte Korpusanteil aus Mahagoni. Ein interessantes Detail befindet sich auf der Halsrückseite zwischen dem Sattel und dem 19. Bund. Im Gegensatz zur Hochglanzlackierung, welche außerhalb dieses Bereichs aufgetragen wurde, besteht dieser Bereich aus mattem, dezent aufgerautem Finish, welches das zuweilen „klebrige“ Gefühl einer Hochglanzlackierung mindern soll. Inwieweit dieser Bereich dann unter Umständen auch schneller verschmutzt, wird die Zeit zeigen. Geliefert wird die Gitarre ohne Koffer, sondern nur in einer einfachen Pappverpackung. Schade, dass bei einem Instrument von ca. 1.700 Euro nicht mal mehr ein Gigbag, geschweige denn ein Koffer im Lieferumfang enthalten ist.

Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III Test

Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III – Pickups

Das in Korea gefertigte Instrument besitzt 24 X-Jumbo Bünde, welche mit seitlich angeordneten Dots markiert werden. Seitlich bietet das Instrument Slide-Dot-Markers, welche bei Dunkelheit in einem dezenten Grün fluoreszieren. Immer wieder eine schöne Detaillösung, wenngleich der Effekt nur sehr dezent zu bemerken und nicht mit leuchtenden LEDs zu vergleichen ist. Das Griffbrett verwendet einen 12”-16” Compound-Radius, auch eine sehr beliebte und sinnvolle Praxislösung.

Die Firma Fishman hat Keith Merrow ebenfalls einen Custom-Pickup generiert, welcher den Namen Fishman Fluence Keith Merrow Humbucker trägt und sowohl im Bridge- als auch im Neck-Bereich verbaut wurde. Der Pickup ist aktiv, die nötige Batterie befindet sich hinter einer Klappe auf der Rückseite des Korpus. Der Pickup bietet nicht wie viele andere Fishman Pickups die Möglichkeit einer klanglichen Umschaltung zwischen zwei Charakteren, sondern ist auf einen Typ festgelegt. Geschaltet wird mit einem 3-Wege-Schalter, eine Möglichkeit des Coil-Splittings etc. gibt es nicht.

Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III Test

Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III – Headstock

Die Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III in der Praxis

Nimmt man das Instrument das erste Mal in die Hand, ist man von der allgemeinen Haptik sehr angetan. Die Gitarre ist sehr darauf bedacht, es einem so einfach wie möglich zu machen. Das Shaping ist dezent, aber angemessen und auch die Bespielbarkeit ist hinauf bis zum 24. Bund aufgrund des sehr ausladenden Cutaways sehr gut.

Überhaupt wirkt das gesamte Instrument sehr ergonomisch. Nicht eine Ecke, Kante oder Wölbung, welche den direkten Zugang zum Instrument erschwert oder gar verhindert. Obwohl der Hals laut Hersteller in einem „Ultra Thin“ ausgeführt wurde, lässt das „C“-Shaping noch genügend Masse zurück, um nicht in die Regionen extrem dünner Hälse anderer Hersteller abzudriften.

Kommen wir nun zum Klang des Instruments. Interessanterweise verfügt die mir vorliegende Hybrid-Ausführung nicht über den bei anderen Modellen dieses Instrumentes verbauten Voicing-Schalter der Pickups, will heißen, es gibt nur die 3 verschiedenen über den Dreiwegschalter angebotenen Sounds im typischen Les Paul Stil. Dabei fällt auf, dass der Halstonabnehmer zwar nicht in Singlecoil geschaltet wird, aber durch seine Positionierung insbesondere bei cleanen Sounds aufgrund der 24 Bünde und durch seine Konstruktion deutlich weniger Bässe bzw. weniger „Mulm“ abgibt, als man es von vielen anderen Halstonabnehmern her kennt. Er verliert durch seine Positionierung zwar auch einen Hauch Charakter, den er unter dem 24. Bund erfahren würde, aber bekanntermaßen ist dies alles reine Geschmacksache.

Wechselt man in den Crunch-Bereich, fällt auf, dass die Pickups trotz ihrer aktiven Ausrichtung einen recht hohen dynamischen Anteil beibehalten. Insbesondere der Bridge-Pickup besitzt einen kräftigen Höhenanteil und „beißt“ ganz ordentlich zu, wenn es um entsprechende Rhythmuspassagen geht. Allem Anschein nach hat Fishman hier primär die „Vintage“-Schaltung seiner Pickups als Basis genommen und nicht so stark in Richtung „Modern“ geschielt.

Dieser Klangcharakter wird ebenfalls beibehalten, sobald man in den Lead-Bereich wechselt. Auch hier bleibt der „passive“ Klangeindruck lange erhalten und geht nicht so stark in die Kompression, wie man es z. B. von den klassischen EMGs her kennt. Diese Ausrichtung verspricht bessere Durchsetzungskraft, aber auch etwas weniger Druck im Mittenbereich.

Im High-Gain-Bereich können die Pickups nunmehr ihre eigentlichen Stärken komplett ausspielen. Wenngleich hoch komprimiert, bleibt das Klangbild immer noch durchsichtig und schafft es, einen guten Sweet-Spot zwischen maximalem Druck und genügend Saitentrennung zu finden. Man erkennt sofort, dass das Instrument speziell für diesen Musikbereich entworfen wurde. Inwieweit die „Tanzmusikerlackierung“ diesem Ansinnen entgegensteht, muss jeder für sich selber entscheiden.

Die Klangbeispiele wurden im Übrigen mit einem Engl Savage II, einem Marshall 412er Cabinet mit Celestion G12 75T und 2 Stück Shure SM 57 erstellt.

Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III Test

Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III im Studio

Fazit

Mit der Schecter Keith Merrow KM-6 MK-III führt der koreanische Hersteller ein sehr praxisnahes und hochwertiges Instrument in seinen Reihen. Die Gitarre verfügt über vielerlei Detaillösungen, welche von einer intensiven Auseinandersetzung mit verschiedenen Spielsituationen her rühren.

Wer über genügend „Cojones“ verfügt, ein nahezu komplett weißes Instrument auf der Bühne zu spielen und seinen Fokus im Heavy-Rock respektive Metal sucht, sollte die Gitarre auf jeden Fall einmal antesten.

Plus

  • Verarbeitung
  • Detaillösungen
  • Klang

Minus

  • kein Gigbag oder Koffer im Lieferumfang

Preis

  • ca. 1.700 Euro
Klangbeispiele
Forum

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