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Test: Source Audio SA 252 Atlas Compressor, Effektgerät

19. Juni 2022

Legendäre Kompressoren fürs Pedalboard

Die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau ist ja doch irgendwie eine Utopie. Viele Hersteller versuchen, Alleskönner zu bauen. Einiges kommt dem schon sehr nahe, anderes ist weit davon entfernt. Durchaus spannend sind Multieffektgeräte, die allerdings nicht verschiedene Effekte anbieten, sondern „nur“ mehrere Varianten des gleichen „Basis-„Effekts integriert haben. Man kennt das von beispielsweise Reverbs, die dann Spring-, Plate-, Digitalhall etc. verbaut bekommen haben. Die im Jahre 2005 von Roger Smith und Jesse Remignanti gegründete US-amerikanische, in Boston, Massachusetts ansässige Effektpedal Company Source Audio entwickelte ein Kompressor-Pedal, das digital verschiedene Kompressortypen simuliert, ähnlich einem Plug-in in der DAW. Was WAVES und UAD schon lange im Plug-in-Format verkaufen, packt Source Audio nun in ein Standard-Effektpedal-Chassis. So lassen sich Klassiker der Kompressorhistorie nun im Live-Betrieb ohne großen Aufwand verwenden. Let’s check out the Source Audio SA 252 ALTAS Compressor.

UNBOXING – Source Audio SA 252 ATLAS Compressor, Effektgerät

Der ATLAS Compressor kommt im schwarzen Karton der „ONE SERIES“ sehr schick, aber schlicht daher. Beigelegt ist dem Karton neben dem schmucken Pedal eine in deutscher Sprache verfasste „Schnellstartkarte“, die die Funktionen und Benutzeroberfläche kurz erklärt sowie auf den für Mac, Windows, iOS und Android verfügbaren Editor hinweist sowie ein USB-Kabel, Netzteil (cool), 1/8″ auf 1/4″ Adapterkabel für Euro-Mobile-App-Verbindung, anklebbare Füßchen. Ein ausführliches User Manual gibt es online zum Einsehen und Download.

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Let’s check what’s inside …

 

SPECS & FACTS – Source Audio SA 252 ATLAS Compressor, Effektgerät

Das 114 x 70 x 51 mm (L x B x H) messende und im gebürsteten eloxierten Aluminiumgehäuse gebauten Pedal hat auf seiner Benutzeroberfläche lediglich vier Potis, einen Three-Way-Dip-Switch und einen On/Off-Fußschalter samt Status-LED. Auf der rechten Seite befinden sich die Inputs 1 und 2, auf der linken Seite die Outputs 1 und 2. Sieht man sich die Stirnseite des Pedals genauer an, findet man neben dem obligatorischen 9 V Input für die mitgelieferte Stromversorgung oder den Anschluss ans auf dem Pedalboard verbaute Multinetzteil einen Micro-USB-Port sowie einen (mysteriösen) „Control Input“ Miniklinken-Input (zum Anschluss eines Expressionpedals, das bis zu vier Parameter steuern kann) sowie ALT-Button zur Auswahl der Doppelbelegung einiger Potis. Die vier Potis auf der Frontseite des Pedals sind wie folgt belegt:

  • Threshold 
  • Ratio/Tone
  • Blend/Attack
  • Output/Release

Der 3-Wege-DIP-Switch hat die Positionen:

  • Studio
  • Optical
  • Dual

Es stehen allerdings sechs Typen an Kompressoren zur Verfügung:

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  • 1) Optical Rack: Dieser basiert auf dem legendären 19″-Studio-Kompressor LA2A aus den frühen 60er-Jahren. Ein optischer Kompressor, der aufgrund seines technischen Aufbaus einen sehr smoothen Attack hat und sich gut für gestrummte Gitarren oder Arpeggi sowie Akustikgitarre eignet.
  • 2) Studio 76: Basiert natürlich auf DER Studiolegende schlechthin, dem 1176 Kompressor. Ein Solid-State-FET-Compressor aus den frühen 70ern. Dieser zeichnet sich durch seine extrem schnellen Attackierten und entsprechend seine gute Reaktivität aus. Gut geeignet daher für Country-Picking, Slap-Bass oder Slide-Guitar.
  • 3) Cubic Zirconia: Auch ein optischer Kompressor. Dieser unterscheidet sich zum LA2A darin, dass er statt des Elektrolumineszentpanel eine LED verwendet, oft verwendet in Effektpedalen. Dieser optische Kompresser reagiert schneller (sowohl Attack als auch Release) und eignet sich hervorragend für funky Gitarren.
  • 4) Studio Snap ist ein sehr aggressive VCA-Kompressor, der sowohl auf Peaks als auch RMS („Root Mean Square“), also die durchschnittliche Lautstärke des Input-Signals reagiert
  • 5 & 6) Dual Band: Hier arbeiten zwei im ATLAS enthaltene Kompressoren in verschiedenen Modi: in Serie, parallel oder gemischt via Crossfade. Der Dual-Band arbeitet im Band-Split-Modus, sprich: Ein Kompressor bearbeitet alle Frequenzen unter 333 Hz, der andere alles darüber.

Sehr praktisch ist, dass der ATLAS einen Gitarren- und einen Bass-Modus anbietet. So werden die Kompressoren intern auf das gewünschte Input-Signal abgestimmt.

Die Potis auf der Benutzeroberfläche regeln folgende Parameter:

  • Threshold  ist der Schwellwert, ab dem der Kompressor eingreift. Je niedriger dieser Wert eingestellt wird, umso stärker greift der Kompressor ein. Der Einstellbereich variiert je nach Kompressortyp
  • Ratio regelt das Verhältnis, in dem der Kompressor arbeitet. Also wie stark komprimiert wird, nach Überschreiten des Thresholds. Höhere Werte generieren eine stärkere Kompression.
  • Blend ist für das Mischverhältnis zwischen Dry-Signal und Wet-Signal verantwortlich. Sehr praktisch, wenn man das Originalsignal nicht verlieren möchte, aber quasi parallel beigemischt etwas Kompression haben will. Links ist hierbei 100 % Wert, rechts ist 100 % dry. Im Dual-Modus regelt der Blend das Verhältnis zwischen den beiden Bändern unter 333 Hz und über 333 Hz.
  • Output regelt die Ausgangslautstärke hinter dem Blend von -24 dB bis +24 dB.

Um die weiteren Optionen verwenden zu können, muss der (mysteriöse) Control-Knopf gedrückt werden:

  • Make up ist einfach der Make-up-Gain, um die „verlorengegangene“ Lautstärke der Komprimierung auszugleichen.
  • Tone – hebt die Höhen an oder senkt diese ab.
  • ATK – der Attack regelt, wie schnell der Kompressor nach einem Peak herunterregelt.
  • REL – der Release lässt einstellen, wie lange das Signal abgesenkt bleiben soll.

ATLAS Comp_right side

 

ATLAS Comp_left side

Genug am Pedal geschraubt, mal sehen, was der Editor so kann. USB-Kabel und Rechner gezückt und los gehts …

DIGITAL EDITOR – Source Audio SA 252 ATLAS Compressor, Effektgerät

Die kostenlose, für iOS und Mac, aber auch Windows und Android verfügbare Editor-Software lässt noch weitaus mehr Funktionen zu:

  • (durch minimale, nicht spürbare geschaltete Latenz ermöglichte) Look-Ahead-Kompression
  • Soft-Knee-Control
  • optionaler Auto-Make-up-Gain
  • Dual Compression Signal Routing
  • 8-Band Graphic EQ (Bänder: 62, 125, 250, 500, 1k, 2k, 4k, 8k)
  • 3-Band parametrischer EQ
  • flexible Belegung der Potis
  • Side Chain High- und Low-Pass-Signal Erkennung
  • Factory-Presets
  • Universal-Bypass – zwischen analog-gebuffertem oder Relais-geschaltetem True-Bypass wählbar

Die App arbeitet entweder im 2-Richtungen-System über MIDI über USB oder im 1-Weg-Modus über die Audiobuchse des Smartphones (via TRS-Kabel am Input 2).

ATLAS Comp Editor Software

PRAXISTEST: Handling – Source Audio SA 252 ATLAS Compressor, Effektgerät

Wenn man bereit ist, sich einmal mit dem Gerät auseinanderzusetzen, dann läuft der Workflow recht schnell sehr gut. Sucht man Plug&Play-Pedale, ist der ATLAS eher die falsche Wahl. Das Editieren über die Onboard-Benutzeroberfläche ist etwas gewöhnungsbedürftig durch die Doppelbelegung einiger Potis.

Dagegen ist das Setup im Editor ein Kinderspiel. Die übersichtliche Aufteilung der Blöcke schafft einen sehr angenehmen Workflow. Großer Vorteil für alle Bastler und Soundfreaks, die zu Hause alles vorbereiten und akribisch an allen Details feilen wollen, bevor sie in den Proberaum gehen.

Toll ist auch die Möglichkeit, 128 Presets zu speichern und das Pedal via MIDI PC und CC zu steuern. Hierfür wäre eine Standard-MIDI-In-Buchse am Pedal ohne MIDI über USB noch das letzte Sahnehäubchen.

PRAXISTEST: Sounds – Source Audio SA252 ATLAS Compressor, Effektgerät

Die nachfolgenden Klangbeispiele demonstrieren ein paar exemplarische Sounds dieses sehr umfangreichen Kompressor-Effektgeräts. In den ersten fünf Beispielen wurde jeweils ein Riff zuerst mit ausgeschaltetem Kompressor und dann nacheinander durch die Werkseinstellungen von Studio, Optical und Dual geschickt. Hier hört man (am besten mit Kopfhörern), wie die unterschiedlichen Kompressortypen arbeiten und klingen.

In den Beispielen sechs bis acht gibt’s noch mal ein paar detaillierte Beispiele zu Studio, Optical und Dual mit verschiedenen Attack-, Release-, Ratio- und Threshold-Einstellungen.

Man hört deutlich die schnelle Reaktionszeit des 1176 Clones, sowie die Gleichmäßigkeit des Abbilds des legendären LA2A. Super spannend sind die Möglichkeiten der Dual-Compression-Settings und dem Blenden zwischen den beiden Bändern (unter 333 Hz und über 333 Hz). Hier lassen sich Sounds kreieren, die man nicht oft hört. Gelungenes Pedal zwischen altbewährt und bekannt und innovativ und experimentel. Sollte man unbedingt mal checken …

Alle nachfolgenden Beispiele wurden wie folgt produziert: Fender Stratocaster -> ATLAS Comp -> UAD Apollo Twin -> NeuralDSP Archetype: Cory Wong (Clean Amp, no FX) -> Cubase 12 PRO

 

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Fazit

Alles in allem bekommt man mit dem Source Audio SA 252 ATLAS Compressor ein sehr vielseitiges Kompressorpedal für einen dem Funktionsumfang angemessenen fairen Preis. Die Möglichkeiten der verschiedenen Kompressoren sind in verschiedenen Spielsituationen praktisch, klingen gut und der Editor ermöglicht einen großartigen Eingriff in Detaileinstellungen. Durch die aber sehr begrenzten Potis, ist das Pedal mit den vielen Möglichkeiten ohne Editor nicht sehr intuitiv. Also das perfekte Kompressorpedal für alle, die ihre Sounds „vorbereiten“ und mit Liebe zum Detail an Kleinigkeiten schrauben, eher weniger für alle Purist:innen, die on the fly viel „schrauben“ möchten. Die Qualität der Simulationen ist aber, gerade auch für den, nicht günstigen, aber zahlbaren Preis sehr gut. Sollte man mal ausprobieren.

Plus

  • großartiger Sound
  • hohe Flexibilität
  • guter Editor

Minus

  • nicht sehr intuitiv

Preis

  • 279,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    dflt

    schade, wenn schon studio-kompressoren simuliert werden und das pedal auch noch stereo-anschlüsse hat, wäre es doch schön gewesen auch noch ein paar andere soundbeispiele als eine gitarre durchzujagen… wenn es hardware-effekte nur noch als pedal gibt (ok, konpressoren gibt’s auch noch in 19“) fühlt man sich als synth-nutzer immer etwas ausgeschlossen ;)

    • Profilbild
      mfk

      ja! Ich kann diese Gitarren nicht mehr hören… …bzw. habe schon viele Effektgeräte wieder zurückgeschickt, weil sie mit Synths nicht gut funktionieren.

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