Test: Warwick Rockbass Idolmaker 4, E-Bass

8. Dezember 2019

Neues Idol oder Philosophie mit dem Hammer?

Mit dem Warwick Rockbass Idolmaker stellt die Markneukirchener Bassschmiede dem sündhaft teuren Warwick Idolmaker ein günstigeres Fernost-Modell zur Seite. Günstig ist hier relativ zu sehen, auch für die Rockbass-Version werden immerhin 1099,- Euro aufgerufen, aber im Vergleich zu weit über 6000,- Euro für die bislang verfügbaren exklusiven Custom Shop- und Masterbuilt-Modelle kann man das fast als Schnäppchen bezeichnen. Warwick arbeitet anscheinend weiter daran, die Rockbass-Serie als mittelpreisige Arbeitspferde zu etablieren und die weitgehend vergangenen Einsteigermodell-Tage mit den legendären Jungmetaller-Ads in den einschlägigen Magazinen vergessen zu lassen. Bislang scheint das von Erfolg gekrönt zu sein, die bislang getesteten neueren Rockbass-Modelle waren definitiv vollwertige Instrumente. Ob sich der Trend beim Warwick Rockbass Idolmaker fortsetzt, werden wir sehen – er liegt mir viersaitig und in einem schicken Redburst, das im Handel noch gar nicht erhältlich ist, zum Test vor (es gäbe sonst noch eine klassische Sunburst-Version sowie eine fünfsaitige Ausführung in Schwarz).

Warwick Rockbass Idolmaker

Warwick Rockbass Idolmaker 4 in Redburst

Der Idolmaker basiert auf der gleichnamigen Framus Gitarrenserie, die schon länger verfügbar ist, aber erst 2018 ein Bassmodell zur Seite gestellt bekam. Während die rundliche Reversed-Korpusform bei der Gitarre ehrlich gesagt etwas aussieht wie eine in der Hitze zerlaufene Gibson ES-335, macht sie beim Bass einen weit besseren optischen Eindruck. Irgendwo zwischen Gibson Thunderbird und den Art déco Instrumenten von Duesenberg reiht sich der Idolmaker in die Riege der Edel-Rockgeräte für den hart anpackenden, aber eitlen Anhänger verzerrter Gitarrenklänge ein. Gegenüber dem teuren Modell hat man beim Warwick Rockbass Idolmaker auf eine Reihe von interessanten, aber nicht wirklich notwendigen Kleinigkeiten wie den verbauten Lithium-Ionen-Akku zur Versorgung der Aktivelektronik, zweifarbige Lackierung, Holzflügel an den Mechaniken und den gematchten E-Fach-Deckel aus dem Korpusholz verzichtet. Außerdem hat man eine simplere Elektronik verbaut, und natürlich kommt das Ding von der Stange aus China und nicht aus dem Custom Shop in Markneukirchen.

Facts & Features

Der Warwick Rockbass Idolmaker kommt mit einem anscheinend dreiteiligen Mahagonikorpus daher, welcher anders als beim teuren Modell keine dekorative Decke trägt, aber unter der transparenten Redburst-Lackierung trotzdem sehr ansehnlich wirkt. Darauf sitzt ein vierfach verschraubter Hals aus drei Teilen Ahorn mit zwei Ekanga-Streifen, beim teureren Modell wäre der aus Wenge. Aus Wenge ist allerdings das Griffbrett, in dem keine Inlays, sondern lediglich seitliche Markierungen sitzen. Auch hier hat man also abgespeckt, allerdings nicht so deutlich wie bei der Elektronik. Die Sattelbreite liegt mit 38,5 mm auf Jazzbass-Niveau, der Hals wirkt aber mit ordentlich Fleisch, einem deutlich in Richtung D gehenden Profil und einem mit 20 Zoll Radius deutlich flacherem Griffbrettradius um einiges massiver als der des Klassikers. Der Sattel ist ein Just-A-Nut III aus Tedur (also Kunststoff) und ist mit zwei Madenschrauben einstellbar – das sollte eigentlich überall Standard sein, findet man aber meist nur auf Warwick-Bässen.

Warwick Rockbass Idolmaker

Fette Singlecoils, Aktivelektronik und zweiteilige Bridge auf schicker transparenter Lackierung.

Die verbaute Aktivelektronik ist wie beim „Original“ zweibändig – ein drittes Band halte ich meistens auch für recht überflüssig – ist aber anscheinend eine billigere Ausführung, auch wird sie statt von zwei splitbaren Humbuckern von zwei fetten MEC-Singlecoils versorgt, die optisch ein wenig an die legendären Mudbucker der Gibson EB Bässe erinnern, aber im Gegensatz zu diesen nur eine einzelne Spule aufweisen. Also in etwas ein P90-Äquivalent für den Bass, mit diesem „Downgrade“ kann ich als bekennender Singlecoil-Fan sehr gut leben. An weiterer Hardware finden sich die Warwick-typische zweiteilige Bridge, in die die Saiten von oben eingehängt werden, sowie die ebenfalls standardmäßig verbauten gekapselten Mechaniken im Schaller-Style.

Bedienen lässt sich die Elektronik über vier Potis, Bass, Höhen, Tonabnehmerblende und Volume. Einen passiven Modus gibt es unglücklicherweise nicht. Das Elektronikfach ist über den bei Warwick üblichen Schnappdeckel ohne Werkzeug zugänglich, der Batteriewechsel erfordert allerdings etwas Fingerspitzengefühl, da die Batterie zwischen einem Haufen Elektronikbauteile von einer Metallklammer gehalten wird. Ansonsten gibt es verarbeitungstechnisch rein gar nichts zu meckern, der Warwick Rockbass Idolmaker ist keinesfalls ein billiger „Chinaböller“, sondern eine etwas abgespeckte Standardversion der teuren Customshop-Modelle.

Warwick Rockbass Idolmaker

Warwick Rockbass Idolmaker, Rückseite mit Elektronikfach und klassischer vierfacher Halsverschraubung

Zwischenfazit

Der Warwick Rockbass Idolmaker macht mit seinen Korpus-Shapings und dem schicken durchsichtigen Redburst auf Mahagoni optisch einiges her, wenn auch nicht ganz so sehr wie die opulent designten Customshop-Modelle, deren günstigere Version er ist. Verarbeitungstechnisch gibt es nichts zu meckern, Instrumente bauen können die Chinesen inzwischen genauso gut wie jeder andere. Die Ausstattung ist generell gehobener Standard, eine zweibändige Aktivelektronik in Kombination mit zwei Singlecoils im Soapbar-Format habe ich vorher aber noch nirgends gesehen. Der Reversed-Body lässt zwar ergonomische Einschränkungen befürchten, trotzdem bin ich definitiv gespannt auf den Praxistest.

Praxis

Leider werden die Befürchtungen auch sofort wahr. Mit 3,9 kg ist der Warwick Rockbass Idolmaker zwar nicht so bleischwer wie das Custom Shop Modell, das laut Werksangaben 4,7 kg auf die Waage bringt, dafür bringt die Korpusform aber genau die Probleme mit sich, die jeder Thunderbird-Spieler kennen dürfte. Am Gurt ist der Bass schwer kopflastig, im Sitzen rutscht er einem dafür gerne nach rechts vom Knie. In beiden Positionen hängt bzw. liegt er dazu sehr weit links, was die tiefen Bünde in weite Ferne rücken und die Anschlagposition direkt über dem Stegtonabnehmer zum Weg des geringsten Widerstands werden lässt – nur ist das leider nicht die, die für die meisten Anwendungen klanglich angebracht ist. Diese ergonomischen Probleme sind aber bei Instrumenten mit eben dieser Reversed-Korpusform seit Jahrzehnten bekannt, da kommt man halt nicht drum herum. Wer schön sein will, muss in diesem Fall leider leiden – aber der Gibson Thunderbird, die Definition der Mutter Satans wenn es um Ausgewogenheit geht, nennt eine riesige Fangemeinde sein eigen, also will ich das dem Warwick Rockbass Idolmaker nicht zu sehr nachtragen, es gibt anscheinend mehr als genug Leute, die damit gut leben können.

Warwick Rockbass Idolmaker

Nicht für jedermann: Reversed Body.

Das andere Problem des Thunderbird und ähnlicher Modelle, nämlich am Gurt etwas nach vorne gekippt zu hängen und die Sicht aufs Griffbrett zu versperren, hat man hier immerhin mit einer Bauchfräsung im Korpus umgangen. Mit der Position des Halses weit links und dem damit einhergehenden deutlich gestreckten Arm der Greifhand ist man allerdings über den relativ schmalen, aber recht dicken Hals sehr froh. Nicht auszudenken, wenn man hier noch mit einem Preci-Prügel kämpfen müsste. Generell spielt sich der Warwick Rockbass Idolmaker nach etwas Gewöhnung sehr gut und flüssig. Der Hals ist keine Rennbahn, sondern will eher rockig beackert werden, was mir aber gefällt und wohl auch im Sinne des Erfinders ist. Überhaupt fühlt sich das Instrument überhaupt nicht nach Standard-Warwick an, und auch trocken angespielt lässt sich schon erahnen, dass der Klang auch nicht unbedingt der übliche Warwick HiFi-Sound mit etwas Tiefmitten-Growl sein wird.

Das bestätigt sich am Amp und ich kann dem Warwick Rockbass Idolmaker etwas bestätigen, was meiner Meinung nach einem großen Teil der Warwick-Palette etwas abgeht – Charme. Oder vielmehr ein eigener Charakter. Mit neutralen EQ-Einstellungen ist hier erst mal gar nichts „fein“ oder „HiFi“ und das ist durchaus positiv gemeint.

Fangen wir mal mit dem Halstonabnehmer allein an. Hier regiert weniger das Preci-„Furzen“ (Verzeihung, wie soll man das anders beschreiben, jeder dürfte wissen, was gemeint ist), das man bei einem Singlecoil in der entsprechenden Position erwarten könnte als ein heiseres Grollen, irgendwo zwischen Thunderbird und Jazzbass auf dem Hals-Pickup. Höhen sind nicht im Übermaß vorhanden, aber genug, um zu erwarten, dass man mit der Aktivelektronik noch gut was rauskitzeln kann. Tatsächlich geht das auch gut, übermäßig „zingy“ oder zum Slapmonster wird der Bass nur mit dem Hals-Pickup nicht, aber was Rock angeht, ist man hier schon sehr gut bedient. Mit dem Bassregler kann man die ganze Sache natürlich auch noch unsäglich anfetten und da klingt der Idolmaker dann aufgrund der stets mitschwingenden holzigen Note sehr deutlich nach Gibson EB-0 trotz Aktivelektronik und völlig anderer Konstruktion.

Vor allem bei Singlecoil-bestückten Bässen klingt der Steg-Pickup alleine oft nicht wirklich gut. Wenn es gut läuft, kriegt man den berühmten Jaco-Pastorius-Sound aus seinem Instrument, was aber noch selten irgendjemandem außerhalb der heimischen Übesituation irgendetwas gebracht hat. Die wenigsten Bassisten können spielen wie Jaco und selbst die, die es können, klingen dann halt 1:1 so wie der gute Mr. Pastorius, was auch nicht sonderlich originell ist. Die meisten Bässe kriegen aber selbst das nicht so wirklich hin, in der Regel schlägt die Sternstunde des Stegtonabnehmers in Kombination mit dem Halstonabnehmer und prinzipiell ist das auch beim Warwick Rockbass Idolmaker so. Allerdings klingt der Stegtonabnehmer allein aufgrund seines durch sein großes Format breiteren Abnahmefelds etwas fetter als gewohnt, wobei auch der Mahagonikorpus eine Rolle spielen könnte. Jedenfalls könnte ich mir vorstellen, dass der eine oder andere Bassist außerhalb des Rockbereichs an diesem Sound bei Solos oder schnellen Staccato-Grooves seinen Spaß hätte.

Machen wir uns nichts vor, mit der Formgebung ist der Warwick Rockbass Idolmaker eine Rockmaschine und da fühlt er sich auch am wohlsten. Trotzdem wäre er rein klanglich durchaus auch anders einzusetzen. Flat klingt die 50:50-Kombination beider Tonabnehmer nach angefettetem Jazz Bass, was für schöne Fingersounds sorgt. Das Mittenloch ist weniger tief als beim J, der Sound wird etwas aufgeräumt, ohne hohl zu wirken, gefällt mir sehr gut. Wenn man jetzt die Höhen etwas featuret – die sind nach wie vor da, aber dezent, so lange man den aktiven EQ nicht bemüht – lassen sich sogar nette Slapsounds hervorkitzeln. Die klingen natürlich mehr nach Larry Graham als nach Victor Wooten und das Slappen gestaltet sich in der Position des Basses etwas gewöhnungsbedürftig, aber drin ist das allemal.

Zurück zum eigentlichen Kernthema, mit etwas bis ganz aufgeblasenen Bässen und Höhen lassen sich mit beiden Tonabnehmern zusammen verschiedene fett drückende Rock- und Metalsounds mit Plektrum und Fingern erzielen. Hier kann der Warwick Rockbass Idolmaker seinen Stallgeruch dann doch nicht ganz ablegen, das geht jetzt schon eher in die Richtung, die man von den gängigen Warwick-Modellen kennt. Allerdings sorgen die oldschoolige Pickup-Kombination und der Mahagonikorpus dafür, dass stets ein wenig durchsetzungsfähige Mitten und damit auch Charakter bestehen bleiben. Keine Spur vom „Fünfsaiter-unterm-Kinn-Posersound“, wie es ein befreundeter Musikproduzent kürzlich ausdrückte. Gott sei Dank!

Fazit

Mit einem Verkaufspreis von 1099,- Euro ist selbst die „billige“ Rockbass-Version des Idolmaker noch recht stolz bepreist, vor allem wenn man bedenkt, dass es sich um ein Instrument aus chinesischer Fertigung handelt. Aber macht es wirklich einen Unterschied, wo das Gerät hergestellt wurde, wenn es gut ist? Und gut ist der Warwick Rockbass Idolmaker, wenn auch auf seine ganz eigene Art und Weise. Eine fundamentale Rockmaschine, die aber gerade durch die Kombi aus zwei großformatigen Singlecoils und der Warwick-typischen Zweiband-Aktivelektronik auch eine gewisse klangliche Flexibilität mit einer ganz eigenen Note mitbringt. Fernab ausgetretener Pfade wird der Warwick Rockbass Idolmaker definitiv seine Freunde finden, wenn er auch in seiner Form sicher nichts für die ganz breite Masse ist. Eben die Form sorgt auch für leichte Abzüge in der B-Note – ergonomisch hat man selbst eine Reversed-Korpusform schon besser hinbekommen, siehe der (deutlich billigere und dafür auch weniger flexible) Jackson JS2 Kelly Bird von neulich. Damit bleiben zwei Sterne mit ganz deutlicher Tendenz nach oben – wer die Form mag, sollte den Warwick Rockbass Idolmaker definitiv mal testen. Auch, oder vor allem, wenn man mit den üblichen Warwick-Modellen eigentlich nichts anfangen kann.

Plus

  • Optik
  • Klang
  • Ausstattung
  • Verarbeitung

Minus

  • Ergonomie
  • Preis

Preis

  • 1099,- Euro
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