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Vergleichstest: Fender, Headrush und Kemper Floorboards im Vergleich

Shootout der Giganten

14. April 2024

Fender, Headrush und Kemper Floorboards - welcher klingt am besten?

Willkommen in der AMAZONA.de Arena. Werden Sie Zeuge einer Schlacht der Giganten! Nehmen Sie Teil an der ultimativ-subjektiven Rallye der Floorboards, hier werden Sie informiert, bis der Ringrichter kollabiert! Drei große Namen steigen in den Ring, um sich die Krone der Modeler, Profiler und Capturer zu sichern. Wer wird der Sieger? Wir haben die Fender, Headrush und Kemper Floorboards im Vergleich und wollen wissen, welches Board die Nase vorn hat. Here we go …

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Fender, Headrush und Kemper Floorboards im Vergleich

Die Zielsetzung des Floorboard-Vergleichs

Kann man denn solche Floorboards überhaupt vergleichen? Sind die nicht alle irgendwie individuell zu betrachten und kann ein solcher Vergleich überhaupt sinnvoll sein? Ja, er kann. Denn wir haben es hier mit drei Geräten zu tun, die sowohl preislich als auch klanglich in der Oberliga spielen. Der nagelneue Fender Tone Master Pro steigt in den Ring und will sich gegen das Headrush Core und den altgedienten Kemper Stage behaupten. Alle drei Geräte hatten wir zu ausführlichen Tests bei unseren Autoren, alle haben gute bis sehr gute Bewertungen bekommen. Der Kollege Kemper ist nun auch schon länger im Dienst und hat mit dem Liquid Profiling ein Update erhalten, das eindrucksvoll bewiesen hat, dass das alte Stück Hardware noch ganz vorn mitspielen kann.

Schauen wir uns also die Kandidaten mal etwas genauer an. Was bieten die einzelnen Geräte, was können sie nicht? Wo liegen Schwächen und Stärken? Das wird ein spannender Kampf. Let’s get ready to ruuuummmmmmble!

Der Kemper Stage – altgedient und trotzdem zeitgemäß

Was wurde über den Kemper nicht schon alles geschrieben? Letztlich ist die Profiling-Technologie von Christoph Kemper wohl der Startpunkt der Clonings. Beschäftigt man sich mit dieser Technologie ein wenig, bekommt man 1:1 den Sound seines Lieblingsamps auf den Kemper. Nach dem letzten Update, mit dem das Liquid Profiling eingeführt wurde, hat Kemper bewiesen, dass auch ein mittlerweile in die Jahre gekommene Hardware noch absolut zeitgemäß sein kann. Die Kemper-Community ist riesig und die Anzahl an kostenfrei zu ladenden Profiles unüberschaubar. Genau das birgt aber auch Risiken, denn in der Rig Exchange, der Tauschplattform für Profiles, ist auch unendlich viel Mist zu hören und man muss schon aufpassen und genau wissen, was man sucht, wenn man einen guten Sound bekommen will.

Floorboards im Vergleich Kemper Profiler Stage

Die Alternative ist der Erwerb eines oder mehrerer Rig Packs, die zu teilweise recht günstigen Konditionen angeboten werden, aber dafür professionell eingetütet wurden. Michael Britt, Guido Bungenstock, Bert Meulendijk oder Top Jimi sind die großen Namen des Profile-Geschäfts, die auch direkt in das Kemper-Universum eingebunden sind. Ein paar externe sehr gute Produzenten von Profiles kommen mir noch in den Sinn, zum Beispiel Liveplayrock oder Boutique Tones.

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Kemper Profiler Stage
Kemper Profiler Stage
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(144)

Der Kemper bringt bereits eine Reihe sehr guter Profiles mit, zudem beinhaltet das Gerät eine Vielzahl qualitativ hochwertiger Effekte, die eigentlich keine Wünsche offenlassen. Wer trotzdem ein externes Effektgerät einschleifen möchte, hat zwei Effektwege zur Verfügung, die beliebig im Signalweg platziert werden können (außer zwischen Amp und Box) und eine Optimierung für Distortion-Pedale bieten. Die regelmäßigen Updates bringen auch immer wieder mal neue Effekte mit sich. Bis zu acht Effekte sind gleichzeitig nutzbar, jeweils vier vor und vier hinter der Verstärker-Sektion. Ein paralleler Signalweg ist mit dem Kemper nur eingeschränkt möglich. Es gibt zwar die Möglichkeit, das Signal hinter den Effektmodulen A und B abzugreifen und direkt auf den Ausgang zu routen, diese Option ist aber eher für die Bassisten interessant.

Floorboards im Vergleich Kemper Profiler Stage

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Die Bedienung des Kempers ist mit „gewöhnungsbedürftig“ wohl recht gut umschrieben. Grund hierfür ist das doch recht sparsame Display. Hier ist zwar alles möglich, aber eben teilweise recht schwer zu verstehen und kryptisch, weil das Display einfach wenig Platz für Informationen bietet. Der mittlerweile auch schon seit geraumer Zeit erhältliche Rig Manager hat die Programmierung und die generelle Bedienung deutlich erleichtert, wer aber auf High-End-Grafiken steht, wird auch hier enttäuscht. Der Rig Manager ist ein professionelles, aber optisch wenig aufregendes Programm. Hier ist Pragmatismus angesagt. Der Vorteil ist, dass das Display sogar unter Sonneneinstrahlung ablesbar ist und die Live-Performance ohnehin eher über die Beleuchtung der Fußschalter erfolgt.

Im Live-Betrieb bietet sich beim Kemper der Performance-Modus an, hier können bis zu fünf Rigs programmiert werden, die jeweils noch mit einem zweiten Sound hinterlegt werden, wenn man die Morphing-Funktion nutzt. Hierbei können beliebig viele Parameter einen zweiten Wert erhalten, der Kemper morpht bei Tastendruck dann unhörbar und im Tempo einstellbar zum modifizierten Sound. Zusätzlich können mittels der vier Stomp-Schalter bis zu acht Effekte an- oder ausgeschaltet werden. Auf der Seite von Michael Britt gibt es eine komplette Performance gratis, die in Zusammenarbeit mit Nico Schliemann entstanden ist. Sie basiert auf dem Profile eines Marshall Plexi und bietet von crispen Cleansound bis zum Highgain-Brett in allen Abstufungen ein wunderbares Gesamtbild von den Möglichkeiten des Kemper. Wie man den Kemper am besten auf der Bühne nutzt, habe ich in diesem Workshop zusammengefasst.

Floorboards im Vergleich Kemper Stage Front

Die Anschlüsse des Kemper Stage

Was die Konnektivität des Kemper angeht, ist hier an alles gedacht, von den Stereo-Returns der beiden Effektwege, über Main-Outs im Klinken- und XLR-Format und Monitor-Outs, bis zu den vier Anschlüssen für externe Controller, S/PDIF, USB und MIDI-Anschlüssen. Datensicherungen, das Installieren neuer Profiles und Updates erfolgen über USB.

Was die Möglichkeiten des Recordings angeht, ist das Kemper Floorboard noch immer auf dem neuesten Stand, seit Kurzem beherrscht der Kemper auch USB-Recording und dient als Audiointerface. Auch das sogenannte Reamping, also das nachträgliche Bearbeiten von „trocken“ eingespielten Gitarrenspuren, ist möglich. Die S/PDIF-Schnittstelle kann dafür ebenso eingesetzt werden wie der USB-Anschluss. Natürlich spricht auch nichts dagegen, einfach die Main-Outs an ein Audiointerface zu stöpseln und aufzunehmen, dann kann der aufgenommene Sound aber später nicht mit dem Kemper nachbearbeitet werden. Der Kemper erzeugt einen eigenen WLAN Access-Point, was gerade auf der Bühne eine stabile Verbindung verspricht. Wer also live mit dem Rig Manager arbeiten möchte, sollte sich ein Tablet zu Hilfe nehmen, auf dem Smartphone ist das alles sehr klein und fummelig.

Floorboards im Vergleich Kemper Editor

Der Rig Manager für Mac und PC

Das Profiling, das früher das Herzstück des Kempers war, ist für einen großen Teil der Anwender ein wenig in den Hintergrund getreten, weil es, wie oben erwähnt, sehr viel Auswahl in ziemlich allen Qualitätsstufen gibt. Jeder, der ein Profile erstellt hat, kann dies in die Rig Exchange laden und anderen Usern zur Verfügung stellen. Somit ergibt es eigentlich nur noch Sinn, ein eigenes Profile zu erstellen, wenn man exakt den Sound, den man zu Hause, im Übungsraum oder im Studio erstellt hat, mit „einkempern“ und mit auf die Bühne nehmen will. Eine explizite Funktion für das Klonen von Effektpedalen gibt es beim Kemper nicht.

Floorboards im Vergleich Kemper at home

Schauen wir uns den Looper an. Dieser wurde von Kemper bislang recht stiefmütterlich behandelt und bietet keinen nennenswerten Komfort. Die Arbeit mit dem Looper macht schlicht und ergreifend keinen Spaß und man müsste, um das Ding live-tauglich zu bekommen, ein externes Looper-Pedal einsetzen. Hier macht sich, neben der sparsamen Programmierung, auch das Fehlen eines großen Displays negativ bemerkbar. Externe Soundquellen wie Drumfiles oder Backings im Looper zu speicher ist auch nicht möglich.

Das Headrush Core/Prime – Bedienungskomfort und moderne Sounds

Headrush hat mit dem Bedienkonzept Neuland betreten und ist bereits 2017 mit einem Floorboard mit hochauflösendem Display und Touch-Funktion auf den Markt gekommen, also schon lange, bevor Neural DSP das Quad Cortex veröffentlicht hat. Diese bedienerfreundliche Lösung hat natürlich einige Vorteile, hier können Signalketten optisch dargestellt werden, grafische Equalizer sind intuitiver zu bedienen und man findet sich, dank der guten Grafiken, schnell im Dschungel der emulierten Effekte und Amps zurecht. Globale Einstellungen, wie das Routing des Signals auf unterschiedliche Ausgänge, ist im Vergleich zum Kemper ein Traum. Auch das Anlegen paralleler Signalketten ist, dank des durchdachten GUI, ein Leichtes.

Floorboards im Vergleich Headrush Core Top

Wer trotzdem seine Sounds gern bequem am Rechner editiert, wird hier allerdings enttäuscht, es gibt für die Headrush Boards keinen Editor. Das Signalrouting ist dafür dem Kemper definitiv überlegen, auch hier kann man schnell sein gewünschtes Ergebnis erzielen, weil einfach alles auf einen Blick sichtbar ist und man nicht durch irgendwelche Untermenüs surfen muss. Die Möglichkeit, an jeder Stelle im Signalweg einen Parallel-Split zu platzieren und das Signal wieder zurück in die Line zu führen, ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

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Headrush Core
Headrush Core
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(9)

Betrachtet man die generelle Benutzerfreundlichkeit, muss das Headrush Core in paar Federn lassen, weil nur eingeschränkt Fußschalter zur Verfügung stehen. Hier muss man dann aber fairerweise auch das große Headrush Prime Floorboard mit berücksichtigen, denn das bietet statt der fünf Schalter des Core gleich zwölf der praktischen Treter und ist somit im Live-Betrieb deutlich flexibler. Das Einbeziehen des Headrush Prime ist auch schon deshalb legitim, weil es die gleichen Sounds bietet wie das Headrush Core, aber preislich eher in der Liga der beiden anderen Testkandidaten spielt. Mir steht hier vor Ort zwar nur die abgespeckte Version zur Verfügung, ich berücksichtige aber natürlich auch die Möglichkeiten des Flaggschiffs. Und das ist flexibel. Es stehen fünf unterschiedliche Modi zur Verfügung: Stomp Mode, Rig Mode, Hybrid Mode, Setlist Mode, oder der Song Mode. Die Bedienung per Fuß ist also dem Kemper überlegen, weil dieser nur den Browser Mode oder den Performance Mode kennt. All das ist aber natürlich in gewisser Weise auch immer Gewöhnungssache.

Floorboards im Vergleich Headrush Core / Prime

Headrush Core und Headrush Prime im direkten Größenvergleich. Klanglich gibt es zwischen beiden Boards keinen Unterschied.

Das Klonen von Amps und, im Fall des Headrush Core oder Prime, auch von Effektpedalen, ist mithilfe des Displays ein Kinderspiel. Hier wird grafisch erstklassig die notwendige Verkabelung aufgeführt und Schritt für Schritt durch den Vorgang geführt. Dabei ist zu beachten, dass die Pedale, die geklont werden können, immer nur Distortion-, Overdrive-, Boost- oder Fuzz-Pedale sein können. Zeitbasierte oder dynamische Effekte wie Modulationseffekte, Delays, Kompressoren und Reverbs oder auch Wahs sind nicht klonbar.

Der Zugriff auf die Headrush Cloud erlaubt es, zusätzliche Rigs zu laden und eigene Kreationen zum Download anzubieten. Die Verbindung erfolgt per eigenem WLAN-Modul, das auf jeden Access-Point zugreifen kann, dessen Passwort man besitzt. Man benötigt also keinen zusätzlichen Rechner, um in den Genuss des Cloud-Dienstes zu gelangen.

Floorboards im Vergleich Headrush Core Back

Die Anschlüsse des Headrush Core

Die Konnektivität der Headrush Boards lässt eigentlich keine Wünsche offen. Ein zusätzliches Expression-Pedal kann angeschlossen werden, falls ein Toe-Switch dran sein sollte, kann dieser extra angeschlossen und konfiguriert werden. Ein Effektweg mit Stereo-Return kann frei im Signalweg platziert werden oder für die Vier-Kabel-Methode genutzt werden. Die MIDI- und USB-Anschlüsse machen, was sie sollen. Neben den Main-Outs mit XLR-Buchsen stehen zusätzliche Stereo-Outputs in Klinkenform zur Verfügung, hier kann zum Beispiel ein Monitorsignal abgegriffen werden. Das interne Routing des Headrush Boards ermöglicht hier auch alternative Signalpfade, so kann etwa das Mikrofonsignal der Vocal-Chain auf diese Ausgänge gelegt und unbearbeitet ausgegeben werden.

Ein kleines Highlight im Headrush Core/Prime ist der Looper. Hier kommt den beiden Headrush Boards die Erfahrung mit dem großen Looperboard zugute und auch der Ed Sheeran Signature Looper setzt auf die handwerkliche Erfahrung von Headrush. Hier ist so gut wie alles möglich und auch externe Soundfiles können via Dropbox oder USB im Looper des Headrush genutzt werden.

Floorboards im Vergleich Headrush Core Looper

Fender Tone Master Pro – modernes Handling meets Old School Sounds

Das Fender Tone Master Pro ist der jüngste Kandidat unter den drei Floorboards im Vergleich. Dieses Board bietet keine Capturing- oder Profiling-Funktion. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass viele User auch gar nicht selbst klonen möchten, ist das auch absolut in Ordnung. Schließlich bietet Fender bereits kurz nach Erscheinen des Tone Master Pro reichlich Amps und Effekte in der eigenen Bibliothek. Der Schwerpunkt bei Amps und Boxen liegt hier natürlich zunächst noch auf den hauseigenen Kreationen, vom ’59 Bassmann über den Twin Reverb bis zum Vibro-King ist alles dabei, außerdem gibt’s die erste offiziell lizenzierte Digitalversion des EvH 5150 III. Dazu sind bereits ein paar britische Klassiker von Marshall und Vox im Gepäck und auch die amerikanischen Edelamps von Mesa/Boogie kommen nicht zu kurz. Die Palette wird hier ständig erweitert.

Floorboards im Vergleich Fender Tone Master Pro Top

Das Bedienkonzept des Fender Tone Master Pro ist dem des Headrush Prime nicht unähnlich. Ein hochauflösendes Display mit Touch-Funktion ermöglicht das intuitive Arbeiten mit Signalketten und ihren Komponenten, parallele Signalwege sind kein Problem, komplexe Setups sind leicht zu realisieren. Im Gegensatz zum Headrush Board gibt es hier aber einen Editor für Mac und PC, der das Display des Boards spiegelt. Alles, was auf dem Display an Änderungen vorgenommen werden kann, kann auch über den Editor erledigt werden und wird in Echtzeit auf dem Tone Master wirksam.

Die Anschlüsse des Tone Master Pro sind umfangreich, neben der Möglichkeit, externe Expression-Pedale anzuschließen und den eventuell vorhandenen Toe-Switch eines Pedals zu konfigurieren, sind vier (!) Effektwege an Bord. Genau wie beim Headrush ist es möglich, die Kanalumschaltung sowie eine weitere Schaltfunktion eines externen Amps in die Programmierung mit aufzunehmen. Auch beim Tone Master stehen Main- und Monitor-Outs zur Verfügung, die im internen Mixer in der Lautstärke geregelt und mit dem per Bluetooth eingespeisten Signal verknüpft werden können. Auch die Lautstärke der einzelnen USB-Kanäle ist hier regelbar, die Kanäle USB 3 & 4 dienen dabei als zusätzliche Kanäle beim Reamping. Bei den USB-Anschlüssen verzichtet Fender auf USB-A und USB-B Anschlüsse und setzt vollständig auf den neuesten Standard USB-C.

Floorboards im Vergleich Fender Tone Master Pro Front

Für den Live-Betrieb kann das Fender Board gewissermaßen frei programmiert werden. Werksseitig ist das Gerät so ausgelegt, dass mit den beiden linken Tastern die Bank gewählt werden kann, in der sich jeweils bis zu sechs Rigs befinden. Ein weiterer Taster aktiviert den Footswitch-Mode, bei dem einzelne Fußtaster jedem beliebigen Parameter zugeordnet werden können. Innerhalb der Werkssounds sind dies meist die Bypass-Funktion der Stomp-Boxen. Die „Scribble Strips“, das sind die kleinen Displays direkt über den Tastern, zeigen dann die jeweilige Funktion an und können sogar selbst umbenannt werden. Diese sind auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen ablesbar und ermöglichen die problemlose Navigation in den Sounds, sodass man das Display getrost in den Gig View schalten kann, wobei dann nur noch Nummer und Name des aufgerufenen Rigs erscheinen.

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Fender Tone Master Pro
Fender Tone Master Pro
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(22)

Ähnlich wie der Konkurrent von Headrush, ermöglicht auch das Fender Board, Song- und Set-Listen anzulegen. Alles in allem wirkt das Tone Master Pro Board von allen drei Kandidaten am durchdachtesten und modernsten. Um für eventuelle zukünftige Erweiterungen gerüstet zu sein, befindet sich an der Frontplatte noch ein SD-Card-Slot. Genau wie Kollege Headrush ist auch beim Fender die Möglichkeit gegeben, ein Mikrofon anzuschließen und diesem eine eigene Signalkette zuzuordnen. Die Vier-Kabel-Methode, bei der ein externer, echter Amp die internen Amps ersetzen kann, wird übrigens auch unterstützt.

Floorboards im Vergleich Fender Tone Master Pro Detail

Einen Looper beinhaltet das Tone Master Board ebenfalls. Dieser ist nicht so umfangreich wie der der beiden Headrush Boards, bietet aber trotzdem alle nötigen Features. Es ist sogar möglich, den fertigen Loop per Fußschalter an Anfang oder Ende der Signalkette zu platzieren.

Floorboards im Vergleich – Zwischenstand

Nachdem ich hoffentlich alle drei Floorboards in Bezug auf ihre Features vergleichbar dargestellt habe, ist es Zeit, ein erstes Fazit zu wagen. Bislang habe ich den Kemper immer gerade wegen seines spartanischen Displays gelobt, das live die Konzentration auf das Wesentliche ermöglicht. Hier grätscht mir der Fender Tone Master Pro nun aber wirklich gekonnt von hinten in die Beine. Die Scribble-Strips, die kleinen, frei programmierbaren Displays über den Fußtastern, machen das große Display im Live-Betrieb überflüssig und das Board bleibt dabei übersichtlich und zuverlässig bedienbar, mit klarer Struktur und gänzlich freier Programmierbarkeit. Beim allgemeinen Handling, der Bedienbarkeit und den Features ist das Fender Tone Master Pro Floorboard gerade mit deutlichem Vorsprung vor dem Kemper und mit immer noch merklichem Vorsprung vor den Kollegen von Headrush auf Platz 1 gelandet.

Nun müssen wir aber ans Wesentliche, den Sound. Egal, ob das Board nun Profiling, Capturing oder nichts davon beherrscht, letztlich entscheidet – neben der Bedienbarkeit – der Sound, ob solch eine Anschaffung infrage kommt. Wir reden hier immerhin von Preisen von rund 900,- Euro (Headrush Core) bis 1.700,- Euro (Fender Tone Master Pro), da darf man ruhig zweimal schauen …

Floorboards im Vergleich – der Soundcheck

Um die drei Floorboards im Vergleich bewerten zu können, muss eine Strategie her. Das Problem, was sich mir stellt, ist, dass ich mit einem bestimmten Sound anders spiele und Töne anders artikuliere, als mit einem vergleichbaren Sound aus einem anderen Gerät. Das hängt mit diesem ominösen „Spielgefühl“ zusammen, von dem immer alle reden. Ein höchst subjektives Gefühl, das sich aus mehreren Faktoren zusammensetzt. Das geht los bei der Eingangsempfindlichkeit des jeweiligen Gerätes, über die A/D-Wandler und die unterschiedlichen Dynamiken, bis zum Ausklang des Tones durch Reverb und Delay. Ich habe jetzt also zwei Möglichkeiten:

  1. Ich programmiere ähnliche Sounds und spiele jeweils ein identisches Riff oder Lead so exakt wie möglich dreimal oder ich
  2. spiele ein neutrales File in die DAW und lasse es dann jeweils mittels Reamping durch die drei Kandidaten laufen.

Um einen objektiven Vergleich zu schaffen, scheint mir Variante Nr. 2 die bessere zu sein. Um das Färben meines Spiels bereits durch eins der Geräte zu verhindern, spiele ich die Files jeweils mit einem Plug-in ein und wähle in diesem einen ähnlichen Sound, wie er mir auch mit den drei Boards vorschwebt. Anschließend wird das Plug-in aus dem Signalweg genommen und ich erzeuge drei Spuren mit identischem Material, das ich dann durch Kemper, Headrush Core und Fender Tone Master Pro schicke.

Wie so oft beginne ich mit einem cleanen Sound. Hier schwebt mir ein Fender Amp vor, der natürlich in allen drei Geräten zur Verfügung stehen muss. Ein Fender Deluxe Reverb scheint mir eine gute Wahl. Um den Sound mit etwas Raum zu füllen, füge ich jeweils etwas schön schepperndes Spring Reverb hinzu. Ihr hört immer zuerst das File, das mit dem Plug-in erzeugt wurde und dann die Varianten der drei Boards. File Nr. 1 stammt aus der Kombination aus Gibson Les Paul mit P90 Hals-Pickup und dem „Custom ’57“ aus Scuffham Amps S-Gear. In dieser Kategorie haben Fender und Kemper die Nase deutlich vorn, das Headrush Board klingt immer ein wenig so, als wäre das DI-Signal noch im Hintergrund zu hören. Und nein, das ist es nicht. Das mag natürlich auch als gewollter Sound ganz gut klingen, es ist jedenfalls schön crispy. Aber meiner persönlichen Vorstellung entspricht das nicht. Das Reamping selbst ist bei Headrush nicht immer problemlos verlaufen, gelegentlich verweigerte der kleine Schlumpf doch tatsächlich die Audioausgabe. Nach einem Neustart war dann alles wieder ok, das sollte aber nicht unerwähnt bleiben.

Wenden wir uns einem crunchigen Ton zu, hier spiele ich mit einer Charvel Marco Sfogli zunächst wieder in S-Gear ein Referenz-File ein und baue meine Soundvorstellung in den drei Testkandidaten nach. An dieser Stelle sei mir der notwendige Hinweis gestattet, dass all das natürlich meinen persönlichen Vorlieben entspricht, ich aber versuche, jedes Gerät vorurteilsfrei zum bestmöglichen Ergebnis zu treiben

Ein Highgain-Rhythmussound mit einem Midgain Marshall und einem Pedal davor? Hier hört man beim Kemper wirklich den übersteuerten Eingang des Plexi. Die beiden anderen Kandidaten klingen gut, aber irgendwie charakterlos.

Und jetzt folgt ein Highgain-Rhythmusbrett mit reiner Amp-Distortion. Fender und Kemper hier meiner Meinung nach fast gleichauf, dem Headrush kann ich die etwas topfige Wiedergabe im Mittenbereich nicht abgewöhnen.

Und zum Schluss der unvermeidliche Leadsound mit fettem Delay und tragfähiger Distortion aus dem Amp. Hier gilt das Gleiche wie bei den Soundfiles davor, das Headrush Core kann mit Kemper und Fender irgendwie nicht mithalten.

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Fazit

Jetzt soll ich also schon wieder einen Sieger küren, hm? Wenn ich das gewusst hätte … Die drei Floorboards im Vergleich haben eins gezeigt: Sie spielen alle oben mit, ob Kemper, Headrush oder Fender. Persönlich bin ich von der Qualität des Fender Tone Master Pro sehr überrascht. Das gilt sowohl für den Sound, als auch für die wirklich durchdachte, praxistaugliche Bedienbarkeit. Da hat Fender wirklich ein heißes Eisen im Feuer, das mit zunehmender Anzahl an Amp-Models nur noch dazu gewinnen kann. Es ist allerdings auch das teuerste Board hier im Vergleich. 1.699,- Euro muss man hinlegen, dafür bekommt man ein stattliches, professionelles Stück Hardware. Wer das Feature des Capturing bzw. Profiling nicht benötigt und ohnehin auf Sounds aus dem Web zurückgreift, dürfte mit diesem Board seine reine Freude haben. Das Headrush Core ist das günstigste der drei Kandidaten, kann allerdings auch klanglich und vom Handling nicht restlos überzeugen. Das Fehlen eines Editors führt genauso zur Abwertung, wie die gelegentliche Arbeitsverweigerung beim Reamping. Aus dem vorhergehenden Test kann ich berichten, dass das Klonen von Amps und Pedalen einwandfrei funktioniert und großartige Ergebnisse liefert. Der Kemper ist, was den Sound angeht, ganz vorn, dafür ist die Bedienbarkeit gelegentlich nicht mehr auf dem neuesten Stand. Der Rig Manager macht allerdings einen tollen, professionellen Job ohne grafischen Schnickschnack. Der Preis des Kemper Stage von derzeit 1.465,- Euro liegt deutlich über dem des Headrush Core und noch immer ordentlich über dem Headrush Prime. Die Qualität der Captures bzw. Profiles habe ich in die Bewertung nicht einfließen lassen, weil der Tone Master Pro über dieses Feature nicht verfügt.

Plus

  • Sound (Kemper & Fender)
  • Preis-Leistungs-Verhältnis (Headrush & Kemper)

Minus

  • fehlender Editor (Headrush)
  • Bedienung ohne Rig Manager mühsam (Kemper)
  • Sound etwas weniger charakterstark als die Konkurrenz (Headrush)
  • noch recht wenige Amp-Models im Angebot (Fender)

Preis

  • 1.699,- Euro (Fender Tone Master Pro)
  • 1.465,- Euro Kemper Stage
  • 1.149,- Euro Headrush Prime
  • 799,- Euro Headrush Core
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    harrymudd AHU

    Schade das wieder alle Amp-Sounds mit Effekten (Delay/Reverb) verkleistert sind – das macht IMHO einen reinen Amp-Sound-Vergleich unmöglich, da Tranienten verschliffen werden und durch die Zeiteffekte bedingte Frequenzänderungen auftreten.

    Trotzdem danke für die Mühe👍

  2. Profilbild
    LostSongs

    Ich vermisse Line6 Helix. Gehört meiner bescheidenen Meinung nach vor Fender und Headrush. Meine Wunsch Vergleichsgruppe wäre AxeFX, Line6 Helix, Kemper, Quad Cortex

    • Profilbild
      Jan Steiger RED

      @LostSongs Ja, und auch der (das?) Quad Cortex. Es kommt halt auch immer drauf an, welche Geräte wir zur Verfügung haben. Headrush und Tone Master Pro waren gerade in der Redaktion unterwegs.

      • Profilbild
        moinho AHU 1

        @Jan Steiger Hehe, ich hätte gesagt der Cortex außer das Ding wählt andere Pronomen ;). Analog: der MPC, der 303. 😂

      • Profilbild
        ctrotzkowski

        @casterTele Jein.

        Mit dem Update des Line6 Helix auf Version 3.5 wurde eine komplett neue CabSim Engine ausgerollt, die (alternativ zur alten) wesentlich dynamischer und mit deutlich weniger Transienten-Verschliff daherkommt. Der Unterschied war so riesig, daß ich viele Stunden investiert habe, um in beiden Playlists meiner beiden Bands alle CabSims auszutauschen und die Dynamik neu einzupassen. Hat sich gelohnt, denn der Unterschied war so, als hätte man sich die nächste Generation des Gerätes gekauft. Aber eben zum Glück kostenlos als Update
        .
        Da das Gerät schon vergleichweise alt ist, dürften die meisten Youtube Videos noch mit den alten CabSims gemacht worden sein, was dann den heutigen Klang nicht mehr widerspiegelt.

  3. Profilbild
    uelef

    „Shoot-out der Giganten“? Den Kemper mag man ja noch als Gigant ansehen, weil er schon so lange unterwegs ist und damals wirklich innovativ war. Aber die anderen beiden? Das sind eher Trittbrettfahrer … ;-) Zu den Giganten würde ich, wenn dann, schon das Original-Helix und natürlich das Axe-FX III zählen …

  4. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Als Sparfuchs und Pedal Fan und Fan echter Amps und Cabinets, Gruß an Axel Ritt, er hat recht! Bin ich mit dem Tonex Pedal im echten Rig und abgeschalteter Cab und dafür echte Speaker und das Mikrofon bekomme ich noch selbst davor gestellt am besten dran. Für mich gesehen zumindest finde ich diese alte Vorgehensweise immer noch die beste wenn auch nicht die praktischste. Dennoch lohnt es sich. Hier kann man wenigstens noch richtig experimentieren und das gute daran ist. Es klingt einfach ehrlich und nie wirklich schlecht. Es muss halt passen. Aber viele Leute wollen glauben, einfach geiler Sound auf Knopfdruck und den gibt es eben nicht oder nur per Zufall. Was ich schon sehr oft gehört habe ist, dass beim Helix die Nutzer das Ding wieder verkauft haben, weil sie mehr Zeit zum editieren der Sounds verbraten haben als dass sie Gitarre gespielt hätten. Das finde ich sehr interessant, denn an meinem Wust an Pedalen gibt es auch viel einzustellen, aber es klingt innerhalb weniger Handgriffe immer geil!

  5. Profilbild
    Markus Wollny

    Langjähriger Headrush-User hier – ursprünglich mit dem Gigboard eingestiegen, jetzt beim Prime gelandet und das MX5 noch als Backup-Unit am Start. Die Bewertung des Core erscheint mir leider zu oberflächlich. Eine Grundkrankheit der Headrush-Units liegt nämlich keineswegs bei den Möglichkeiten oder auch nur den eingebauten Ampsims, sondern bei der Grundausstattung an Patches und Impulse Responses mit denen die Dinger geliefert werden. Allerdings werden mutmaßlich die wenigsten anspruchsvollen User ohne ein gerüttelt Maß an Einarbeitung und Experiment ihre Wunschsounds mit ihren Floorboards zusammenbauen können – ich gebe da gerne zu, dass da beim Kemper und auch beim Fender out of the box bessere Ergebnisse kommen als bei Headrush und das darf bzw. muss man definitiv auch so benennen. Wer allerdings etwas Zeit und ggf. auch etwas Geld für 3rd-Party IRs in die Hand nimmt, bekommt mit allen drei Units sicherlich sehr vergleichbare Ergebnisse.

    Daher ist es irritierend, wenn beim Kemper die Optionen für After Market Profiles explizit erwähnt werden, beim Headrush nicht. Ganz ohne 3rd-Party IRs würde ich die Headrushs in der Tat nicht empfehlen, aber mit ein paar Einkäufen bei SonicDNA, Choptones oder Bogren Digital ändert sich das Bild vom „topfigen“ Sound sehr schnell.

    Touchscreen und nicht zuletzt die Vocal Chain sind weitere Punkte pro HR. Es kommt da sehr auf persönliche Anforderungen an – für mich wären Kemper oder Fender keine Alternativen.

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