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Test: Headrush MX5, Multieffektgerät für E-Gitarre

29. August 2021

Headrushs Antwort auf den HX Stomp

Test Headrush MX5

Wie viele Jahre hat der Line6 HX Stomp auf dem Buckel? Gar nicht mal so viele, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass Line6 hier auch weiterhin irgendwie beim Thema kompaktes Multieffektgerät in der 500,- Euro-Preisklasse die Nase vorne haben. Dass DSP-Sound auch für billig einiges kann, haben wir in diesem Vergleichstest zwischen Mooer und Nux demonstriert. Dennoch war der Eindruck, dass man für 200,- Euro mehr ein Vielfaches mehr an Qualität und Vielfalt rausholen kann – das sollte mitunter unser Vergleichstest des Line6 HX Stomp mit dem Boss GT1000 demonstrieren, wo der HX Stomp wieder als (knapper) Sieger hervorging.

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Ein Name, der bei dieser Konversation ein Stück weit dieses Jahr außen vor war, war der von Headrush. Eine Zeitlang war es still um diese Firma, die mich zuletzt mit dem mit Abstand aufwendigsten und stärksten Looper-Board aller Zeiten beeindruckst. Aber auch das ist zwei Jahre her, und davor hat das kleine Headrush Gigboard zuletzt von sich Reden gemacht hat. Jetzt geht die Firma weiter und präsentiert mit dem Headrush MX5 den bislang direktesten Angriff auf die kompakten Multieffektgeräte der Konkurrenz. Gleich vorweg – das Touchscreen ist nicht das Highlight des Multieffekt-Boards.

Headrush MX5 Multieffektboard mit Touchscreen

Kommen wir zum vielleicht zunächst wichtigsten Aspekt – der Größe. Ein bisschen kleiner als das Gigboard ist der Kleine, aber der wichtigste Unterschied dürfte zweifelsohne das integrierte Expressionpedal sein, das in dem Format eigentlich nur der Mooer GE150 besitzt und eigentlich ein viel häufigerer Anblick bei den Multieffekt-Boards dieses Formates sein sollte. Sei’s drum – das Pedal besitzt also die Maße 295 x 150 x 70 mm und wiegt knapp 1,5 kg. Das ist wenig, vor allem wenn man das äußerst stabile Metallgehäuse berücksichtigt. Kombiniert mit der roten Kunststoffunterseite macht das Gerät optisch definitiv was her. Drei Fußschalter, zwei Potis, ein Expressionpedal – und der Touchscreen. Rundes, kompaktes Ding also.

Test: Headrush MX5, Multieffektgerät

In Sachen Anschlüssen erlaubt sich inzwischen eigentlich kein Hersteller mehr grobe Schnitzer. Stereo und FX-Loop sind inzwischen meistens dabei, auch bei den kompakten Multieffektgeräten. Auch hier – Send und Return für den Loop sind dabei und ermöglichen die Integration des Headrush MX5 in euer Pedalboard per 4-Kabel-Methode oder Hinzunahme für euch unverzichtbarer Stompboxen. Zwei Outputs, wie erwartet, jedoch keine Kombiklinken und nur für TRS. Auch mit dabei: ein Anschluss für ein externes Expressionpedal, Kopfhöreranschluss sowie ein Aux-In für Playback per Handy oder sonstige Klangquelle. Auch schön: MIDI-Anschluss mit (!) Kombikabel von Mini auf 5-Pol im Lieferumfang – so muss das. Hat ja nicht jeder so was bei sich daheim rumfliegen, vor allem nicht das Gitarrenvölkchen. USB für Firmware-Updates oder Verwendung als Audiointerface runden das Ganze ab – auf dem Papier und in Sachen Anschlüssen ist das Headrush MX5 also eine absolut runde und verlässliche Angelegenheit.

Headrush MX5 – Cab Sims, Amp-Modeler & Rigs

Der Inhalt zählt – da sind sich die meisten Modeling-Fans einig. Quantität und Qualität müssen hierbei in einem gewissen Verhältnis zueinander stehen. Was der Headrush MX5 mit sich bringt, was viele Multieffektgeräte nicht haben – es schöpft sein integriertes Expression-Pedal aus und bietet Pitch-Shifting und Harmonizer-Effekte à la Whammy hierüber an. Schauen wir uns die Anzahl der Amp- und Cab-Modelle sowie Effekte mal genauer an:

  • Amp: 46
  • Cabinets: 15
  • Verzerrer-Pedale- 11
  • Dynamic Effekte (Noisegate, EQ) – 9 Effekte
  • Modulation – 21 Effekte
  • Delay/Reverb – 12 Effekte
  • Expression – 10 Effekte

Wie organisiert sich der Headrush MX5? Nicht wesentlich anders als die meisten anderen Multieffekt-Boards. Digitale Signalketten können aus einer breiten Auswahl an Amp-, Cabinet- und Effektmodellen beliebig zusammengestellt werden. Eine solche Signalkette und Effektkombination heißt beim MX5 „Rig“ und kann bis zu elf Elemente beinhalten, die in zwei Reihen dargestellt werden. Insgesamt ist das Editieren ziemlich einfach und übersichtlich, vor allem durch den Touchscreen. In einem Wählmodus könnt ihr zwischen euren Rigs mithilfe des rechten und des mittleren Fußschalters hin und her schalten, während ihr mit linken bestimmte Elemente aus der Signalkette aktivieren und deaktivieren könnt. Nichts Neues an der Front also.

Test: Headrush MX5, Multieffektgerät

Doppelklick auf dem Touchscreen öffnet das jeweilige Modul und ihr könnt mithilfe der Regler durch die Menüs navigieren. Das Einstellen der Parameter erfolgt jedoch am Touchscreen – und das, muss man sagen, klappt tatsächlich äußerst gut. Nicht nur Parameter erhöhen oder absenken, sondern auch das Auflösen und Neusortieren der Signalkette ist hier möglich. Schönes Ding, das sehr flüssig läuft. Neben dem Rig-Modus habt ihr noch die Möglichkeit, wie bei den meisten Multieffektgeräten, in einen sogenannten Stompbox-Modus zu gehen, wo die einzelnen Fußschalter ein Modul dazu- oder wegschalten. Das ist bei drei Pedalen nicht viel. Entsprechend darf davon ausgegangen werden, dass der Rig-Modus weitaus geeigneter für den Liveeinsatz ist: Dieser letzte Modus verteilt auf die drei Fußschalter jeweils ein Rig und quasi mit den drei Fußschaltern eine Bank aus drei Rigs, zwischen denen ihr auch hin und her schalten könnt. Es gibt insgesamt 270 Rigs – 270 Signalketten nach berühmten Vorbildern oder klassischen Nutzungsausrichtung sowie der Möglichkeit, per Scene-Funktion die jeweiligen Module innerhalb der Rigs im On- oder Off-Modus zu speichern. Wie die meisten Multieffektpedale besitzt auch das Headrush MX5 einen eigenen Workflow, hinter den man steigen muss und der, sobald verinnerlicht, eine ganze Menge Spaß machen kann. Vorausgesetzt, man gewöhnt sich an die Tastenkombinationen und damit verbundenen Funktionswechsel.

Der Sound des Headrush MX5 in der Praxis

Auf zwei Wegen überprüfen wir die Sounds des Headrush MX5: Wir speisen in Stereo das Gerät direkt in die DAW (nicht als Audiointerface, sondern über den Sono Audient, um dessen warmen Preamp mitzunehmen) und decken eine Bandbreite der Presets ab, und über den Amp, wo wir überprüfen, wie brauchbar vor allem die Zerren über einen Röhrencombo laufen. Kommen wir zunächst zu den Presets – und dem Grundcharakter des Headrush MX5 und seiner digitalen Amps.

Test: Headrush MX5, Multieffektgerät

Der Eindruck ist gemischt. Klar, früher hätte man für solch eine Sounddichte auf so engem Raum den kleinen Finger hergegeben. Doch in einer Musikwelt, in der das Modeling inzwischen eine große Rolle spielt, ist die Messlatte in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Und gemessen daran fallen die Sounds zum Teil ernüchternd … digital aus.

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Nicht falsch verstehen – vieles funktioniert gut. Und meine Güte – der Headrush MX5 ist vielseitig. Doch der Response, das Klang- und Sustain-Verhalten der Amps, die emuliert werden, befinden sich zwar über dem gängigen „Mooer-Niveau“ (auch wenn ich mir inzwischen anhören darf, Mooer fast schon gewohnheitsmäßig als Negativbeispiel heranzuziehen), aber eben nicht wesentlich. Ob höhenbetonte Klimpersounds, warmes Röhrenschieben, knarzender Fuzz oder bretternder Industrial oder Thrash – man kann so ziemlich alles mit Headrush X5 anstellen. Doch der Verweis auf die Plexi-Emulation zeigt, wo der Hund begraben liegt: Ohne zur Hilfenahme von externen EQs oder IRs wirkt der Sound bemerkenswert starr und kippt vor allem beim Thema Verzerrung schnell in den digitalen Sägezahn. Auch die Cleansounds könnten eine Spur glaubwürdiger und wärmer sein. Wirklich glänzen tut der Headrush MX5 höchstens bei den warmen Crunch-Sounds und auch da wird die Engine vom HX Stomp definitiv abgehängt. Ein bisschen kratze ich mir den Kopf – habe ich die Sounds des Headrush Gigboards wirklich so viel besser in Erinnerung? In Sachen Sample-Length zumindest hat man es hier nicht mit weniger zu tun und auch die Abtastrate zieht gleich mit den Schwestermodellen. Woran es genau liegt, lässt sich nicht genau sagen – aber müsste ich den Headrush MX5 in Sachen purer Klangqualität nebst dem HX Stomp oder dem Boss GT-1000 jetzt spontan einordnen, wäre er definitiv ein dritter Platz.

Ich persönlich empfinde Multieffektgeräte im Bandkontext als schwierig – weshalb ich den Schwerpunkt bei meinen Tests solcher Geräte auch selten auf die Amp-Nutzung lege. Der Grund ist der, dass es klanglich meines Erachtens selten gut klingt, die Amp/Cab-Modelle oder IRs durch echte Röhren zu schieben. Da ist der Nutzen integrierter Effektzerren und Distortion-Pedale durchaus sinnvoller, aber deshalb kauft man sich die Geräte ja nicht. Nichtsdestotrotz nehme ich meinen Laney Lionheart hier mit zwei Mics ab und arbeite mich durch die Verzerrerpedale des Headrush MX5.

Hier tut sich endlich was auf – ein Aspekt des Headrush MX5, auf den man verweisen kann, wenn es um die ganz eigenen Stärken geht. Die Zerrpedale funktionieren äußerst gut und übertragen sich differenziert und wuchtig auf den Röhrenamp. Das Anzerren und Durchblasen des Clean-Kanals mithilfe der Verzerrer-Pedale funktionierte beim Boss GT-1000 beispielsweise bei weitem nicht so organisch. Nicht nur bekommt man seinen typischen Tubescreamer Charakter, wenn man den will – die Headrush MX5 Verzerrer besitzen einen eigenen „Dirt“. Vor allem bei den Fuzz-Emulationen tut sich hier einiges – in der Hinsicht bin ich positiv überrascht. Ein Aspekt, den wir uns noch mal detailreicher und vor allem in Abgrenzung zu analogen Vorbildern noch mal genauer ansehen werden.

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Fazit

Tja – gar nicht so einfach. Ein bisschen enttäuscht bei der Qualität der digitalen Amps war ich schon, zugegebenermaßen. Umso überraschter aber dann, als ich merkte, wie gut der MX5 mit meinem Röhrenamp harmonierte. Dieses Multieffekt-Board verlangt definitiv nicht nach Fullrange-Boxen, sondern ist eher ein schlagkräftiger Kumpane für euer analoges Setup. Selbstverständlich ist die Qualität vieler Sounds über viele Zweifel erhaben, aber eben nicht über alle. Nicht der erhoffte Rundumschlag seitens Headrush, aber nichtsdestotrotz eine mächtige Effektwaffe mit lückenloser Aufstellung in Sachen Features und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Plus

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Looper
  • Features
  • Verzerrerpedale sehr ausdrucksstark

Minus

  • digitale Amps & Cabs durchwachsen

Preis

  • 499,- Euro
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