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Test: Waves Factory Trackspacer

10. Dezember 2020

Platz da!

Waves Factory Trackspacer

Waves Factory Trackspacer

Der Waves Factory Trackspacer ist ein Plugin, welches sich seit Jahren großer Beliebtheit erfreut und mehrfach Preise abgeräumt hat. Es wurde zum Beispiel 2017 zum „plugin of the year“ gekürt.
Weil ich nicht glauben konnte, dass diese beliebte Zauberkiste noch nie für Amazona.de getestet wurde, mache ich das jetzt einfach mal, auch wenn meine Schwerpunkt eigentlich beim DJ-Kram liegt.

Doch im Jahr 2020 bedeutet DJ zu sein eben beileibe nicht nur, anderer Leute Produktionen zu spielen. Ohne ein paar Production-Skills kommt man nicht aus, selbst wenn es nur darum geht, die Postproduktion für DJ-Mixe zu machen. Die meisten dürften auch Erfahrung mit eigenen Edits oder Remixen haben, und da kommt der Trackspacer ins Spiel.

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Was ist das Waves Factory Trackspacer Plugin?

Aber erstmal die grundsätzlichen Infos: Was ist der Trackspacer genau?
Das Plugin soll Platz im Mix schaffen, wie der Name schon sagt. Erreicht wird das mittels Sidechaining.
Nun gut, das ist erstmal nichts Besonderes. Kompressoren, Filter und auch dynamische EQs, die genau das versprechen, gibt es wie Sand am Meer. Alleine in Ableton Live versprechen vier der Stock-Plugins, per Sidechaining Platz für andere Spuren zu schaffen, nämlich Compressor, Glue Compressor, Multiband Dynamics und Auto-Filter. Dynamische EQs gibt es zumindest für Ableton Live nur von externen Anbietern. Als Beispiel sei hier iZotopes Neutron 3 genannt.

All diesen Plugins ist zu eigen, dass sie „starr“ auf den Sidechain-Input reagieren, also nur vom Pegel des Inputs gesteuert werden.
Ganz anders der Trackspacer.  Das Plugin ist im Wesentlichen ein dynamischer 32-Band-EQ mit einem Spectrum-Analyzer mit ebenso vielen Bändern. Der Clou: Das Signal im Sidechain-Input wird analysiert. Auf Basis dieser Analyse werden nur die entsprechenden Frequenzbänder abgesenkt. Das alles erfolgt in Echtzeit. So wird erreicht, dass nicht pauschal das ganze Signal oder aber ein vorher ausgewählter Bereich geduckt wird, sondern genau die Frequenzen, die auch im Sidechain-Signal vorkommen. Mit dieser Funktionalität steht der Trackspacer meines Wissens völlig alleine am Markt, was seine Beliebtheit erklären könnte.

Routing

Das Signalrouting ist beim Trackspacer ein wenig komplizierter, als ich es von Abletons Stock-Plugins gewöhnt bin. Man muss das Signal, das den Sidechain triggert, dezidiert an den Trackspacer schicken. Das bedeutet, man benötigt eine Kopie der Spur, die das Ducking triggert, und wählt als Ausgang für diese den Eingang des Trackspacers aus.
Ist ein bisschen unhandlich im Vergleich zur Sidechaining-Funktion der Stock-Plugins, aber auch nur eine Sache von ein paar Klicks.
Wer gern mehr als ein Sidechain-Signal an den Trackspacer schicken will, kann eine Returnspur nutzen.

Für den Trackspacer wird eine eigene Sidechain-Sur benötigt

Bedienung und GUI

Wenn das Routing steht, ist die Bedienung des Trackspacers sehr simpel.  Über einen Low- bzw. Highcut-Regler erlaubt das kleine Helferlein, seinen Arbeitsbereich einzuschränken, während der Amount-Regler bestimmt, wie stark der dynamische EQ zupackt, also die aus dem Triggersignal gewonnenen Frequenzbereiche absenkt. Das wars im Wesentlichen auch schon.

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Klickt man auf den kleinen Button am unteren rechten Rand des „Displays“, kommt das Panel mit den Optionen zum Vorschein, wo sich noch ein paar Dinge einstellen lassen.  Attack und Release werden wohl niemanden überraschen, „Sidechain“ macht das Signal am Triggereingang zu Testzwecken hörbar. Schon eher überraschend ist die Möglichkeit, mit dem Panoramaregler zu entscheiden, wo der Effekt ansetzen soll, und richtig cool ist die Möglichkeit, die Funktion des Trackspacers auf das normale Stereofeld oder aber nur Mitte bzw. die Seitensignale anzuwenden.

Alles, was es am Trackspacer einzustellen gibt.

Stärken des Plugins?

Was ist nun  das bevorzugte Einsatzgebiet des Trackspackers?
Seine große Stärke ist es, Platz für Spuren zu schaffen, die mit wechselnden Frequenzen arbeiten. Das beste Beispiel ist ein gesungenes Vocal oder ein Soloinstrument, wie eine Flöte oder ein Blasinstrument.  Um auf die Anwendung im DJ-Bereich zurückzukommen, bringe ich hier auch  den Klassiker an, nämlich ein Acapella über einen schon ausproduzierten Track zu legen. Da nur die Frequenzen geduckt werden, die im triggernden Signal tatsächlich vorkommen, werden die Spuren, die geduckt werden, weniger stark verändert als beim Sidechaining mit einem pauschal alle Frequenzbereiche anpackenden Sidechain-Kompressor.
Erstaunlich gut funktioniert der Trackspacer auch beim klassischen Redrum. In dem hier drunter eingebetteten Video staucht der Trackspacer von der zusätzliche Kick getriggert den darunter liegenden alten Track sehr sauber weg, ohne dass der Bassbereich des Originals komplett verschwindet. Die neue Kick setzt sich schön durch, klingt mindestens genauso laut wie ohne Trackspacer, aber – wie man an der Masterpegelanzeige schön sehen kann – bei insgesamt deutlich konstanterem Pegel.  Das liegt hauptsächlich daran, dass der Trackspacer auch die hohen Frequenzen des Originaltunes wegdrückt, wo der Klick der neuen Kick sitzt.

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Preis für die Lösung

Der Preis für den Trackspacer beträgt ca. 60,- . Nicht ganz billig, aber für das Gebotene ein fairer Preis, wie ich finde.

Zu guter Letzt noch ein Video, bei dem der Trackspacer benutzt wird, um einer Stimme mehr Durchsetzungskraft gegen ein Piano zu verleihen:

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Fazit

Der Trackspacer von  Waves Factory ist ein dynamischer 32-Band-EQ, dessen Besonderheit in der Analyse des Sidechain-Inputs liegt. Geduckt wird nicht ein vorher festgelegter Frequenzbereich, sondern nur die im Eingangssignal vorkommenden Frequenzen. Dadurch lassen sich schnell und einfach transparentere Abmischungen erzeugen.
Für DJs, die ihre eigenen Mashups, Edits oder Redrums erstellen, ist das Plugin besonders attraktiv, das es sehr intuitiv und einfach zu bedienen ist.

Plus

  • 32-Band-Analyse des Sidechain-Signals
  • sehr schnell und intuitiv zu bedienen

Minus

  • relativ hoher Preis

Preis

  • 59,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    beni

    Wenn du das Plugin als VST3 in Ableton Live nutzt, ist das komplizierte Sidechain-Routing nicht nötig und es klappt dann genauso einfach, wie bei den Stock-Plugins!

    • Profilbild
      Walter Marinelli  RED

      Haha, ich hatte den Test noch unter Ableton Live 9 geschrieben.
      Nach dem Upgrade auf Live 10 hat das Plugin plötzlich einen Sidechain-Eingang. Hurra.

  2. Profilbild
    bluebell  AHU

    Sicherlich ein nettes Spielzeug oder auch ein Tool, um was zu retten, wenn nur noch der fertige Mix vorhanden ist.

    Man sollte sich aber darüber klar sein, dass eine nachträglich ausgetauschte Kick den größten Teil der Hörer nicht interessiert und man besser den Mix richtig baut, statt nachher als Teil des Mastering-Prozesses daran herumzudoktern.

    • Profilbild
      Walter Marinelli  RED

      Die ausgetauschte Kick diente nur als Beispiel aus dem DJ-Alltag.

      Richtig scheinen tut der Trackspacer dann, wenn mehrere Instrumente sich den gleichen Frequenzbereich teilen. Das kannst du auch mit „Mix richtig bauen“ nicht vermeiden. In solchen Situationen hilft Sidechaining enorm und der Trackspacer macht es halt recht intelligent und elegant.

    • Profilbild
      Round Robin  

      Du hast das Prinzip von diesem Plugin nicht verstanden. Es geht nicht um Mastering sondern um die Produktion. Fette Bassline und dazu ein fette Bassdrum. Da beide einen satten Bassanteil haben, funktionieren diese zusammen nicht (wenn man darauf achtet). Man legt den Trackspacer auf die Bassline und die Bassdrum triggert den Trackspacer. Richtig feineingestellt hört man immer die fette Bassline, aber bei der Bassdrum kommen nur die tiefen Frequenzen der Bassdrum durch. Das klingt viel dynamischer und aufgeräumter.

      Das ist nur ein Anwendungsbeispiel von sehr vielen. Inzwischen kommt Trackspacer in all meinen Produktionen zum Einsatz. Das Schweizer Taschenmesser für das Studio

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          Round Robin  

          Mein Beispiel ist ein beliebtes Stilmittel von Erez Eisen, was den Sound von Infected Mushroom entschieden geprägt hat. Anfangs hat sich Erze Eisen ein vergleichbares Tool mit NI Reaktor verwendet und lange eingesetzt. Mit Trackspacer ist ist der Reaktor obsolet.

          Diese Variante funktioniert auch mit Vocals und Pads. Ein Pad wird durch das Vocal in entsprechender Frequenz unhörbar gesenkt. Aber in Wirklichkeit macht sich das Vocal Platz und wirkt in dieser Kombi einfach magisch.

          Wenn Du weitere Fragen hast, kannst Du mir gerne eine PN schicken. Ich kann dir dieses Thema näher beschreiben und dir vielleicht den Horizont etwas öffnen. Dieses Angebot gilt auch für BlueBell.

      • Profilbild
        bluebell  AHU

        Ja sicher, daher entscheidet man sich ja schon beim Mix, ob der Bass oder ob die Kick die fetten Bässe bekommt. Das ist eine Basistätigkeit beim Mischen: mit dem EQ dafür sorgen, dass nicht zwei Instrumente gleichzeitig im selben Frequenzbereich gegeneinander kämpfen.

      • Profilbild
        Enterprising  

        Schade, dass das volle Potential des Plug-Ins im Artikel nicht gewürdigt wurde. Prinzipiell finde ich es gut, dass sich der Autor die Mühe macht Trackspacer mit einem Artikel zu würdigen. Jedoch sehr durch die DJ-Brille betrachtet. Für mich ist Trackspacer ein wertvolles Werkzeug fürs Sounddesign geworden. Wie Round Robin beschrieben hat bringt Trackspacer deutlich mehr Transparenz in die Produktion. Richtig angewendet kickt die Kick und die Bassline wobbelt weiter druckvoll munter vor sich hin, ohne das es zugematscht klingt. Oder unterschiedliche Snares können kombiniert werden. Click von einer Snare + Hallfahne der anderen. Die Vielzahl der Anwendungen und Einfachheit des Plug-Ins sind einzigartig. Alles andere als ein „Schummel-Tool“.

    • Profilbild
      Danny Who  AHU

      Bluebell du übersiehst glaube noch den Anwendungszweck des Edits, bei dem oft nicht mehr als der fertige Mix an Material verfügbar ist.

      • Profilbild
        bluebell  AHU

        Nuja, im ersten Satz habe ich ja geschrieben „um was zu retten, wenn nur noch der fertige Mix vorhanden ist.“

  3. Profilbild
    DrSpan  

    Der Trackspacer is ein wunderbares „modernes mischen schummel“ werkzeug.
    Für romantiker sicher nichts schönes aber wenn man offen auf die vorteile der digitalen welt ist gewinnt man schone eine menge schöne sachen :-)
    Man bekommt mischungen zusammen die man einfach mit statischen Eq nicht hinbekommt.
    Allerdings kann Soothe 2 alles was Trackspacer kann und in transparenterer weise. Ist aber auch erheblich teurer.
    Alles meine persönliche meinung. Versuche hier keinen zu „korrigieren“

    Hoffe alle hier sind gesund und glücklich!

  4. Profilbild
    dirkfwalther  

    Wavesfactory haben immer wieder mal 50% Aktionen, so eben auch Black Friday, ich habe mir das Plugin für 29€ geholt – für den Preis echt gut. Ich setze das Plugin eher chirurgisch ein, um zb Flächen zu sidechainen. Das macht das Plugin gut, und mit „schummeln“ oder retten hat das nichts zu tun – das ist vor allem erweitertes EQing. Natürlich kriegt man das zb mit ableton auch anders über stock Plugins hin, aber trackspacer lässt sich einfach super bedienen.

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