22. Januar 2021

Bose L1 compact: Ich bereue den Kauf nicht

Als ich mir meine Bose L1 compact kaufte, gab es praktisch nichts vergleichbares.
Es gab nur Mini-Anlagen, die auch bei noch so leiser Lautstärke keine Frequenzen unter 150 Hz konnten und bereits für die Wiedergabe von Akustikgitarre einen zu dünnen Sound boten oder Systeme, die mindestens 20 kg wogen.
Dafür gab es geradezu religiöse Diskussionen, wo die „Experten“ denen, die sich eine Bose L1 kauften und von ihren guten Erfahrungen schwärmten, die Welt erklären wollten, vor allem sie für verrückt erklärten, so nach dem Motto „Ich weiß zu 150 %, dass es nicht taugt und muss das System gar nicht erst hören“.
Da damals auch sich etliche Händler weigerten, so etwas anzubieten, ich aber eine Alternative brauchte, mit der ich 100 Leute beschallen kann, die aber nicht größer und schwerer als mein Keyboard-Combo ist und sich genauso schnell aufbauen lässt, fragte ich einen Händler, der mir anbot, zu meinem Auftritt zu kommen und mir zu erlauben, dass ich diesen über die Anlage mache.
Ich war sehr angenehm überrascht. Da ich den Sound der HK Audio LUCAS Serie sehr mag, fand ich es erstaunlich, dass dieses kleine Teil dem sehr ähnlich klang (später konnte ich diesen Eindruck in einem AB Test bestätigen).
Konnte nicht anders, als das Teil zu kaufen.
Ursprünglich sollte es für Auftritte sein, aber es bewährte sich auch an anderen Stellen.
Ein Akustikgitarrist suchte nach einem geeigneten Combo-Verstärker, die meisten waren so abgestimmt, dass die Akustikgitarre in einer Band mit den anderen Instrumenten mithalten kann, aber er wollte solistisch tätig sein. Wir landeten dann irgendwann bei einem Akustikcombo, der gut klang, aber genauso viel kostete, wie die Bose L1 compact. Als der Gitarrist dann erstmalig über meine Bose spielte, war er begeistert und holte sich diese auch.
Eine weitere Anwendung war Open Air an einem See (mit zusätzlicher mobiler Stromversorgung).
Da ich nicht wusste, wie weit der Schall geht, stellte ich die Bose einen Tick zu laut ein, merkte aber in 50 m Abstand, dass es dort noch ziemlich laut war und konnte die Lautstärke reduzieren. Dabei verwendete ich, um die andere Richtung zu beschallen noch eine Akkubox, die normalerweise mit angeschlossenen Mikros einen grottigen Sound macht, aber angeschlossen an den Line Out der Bose, deutlich besser klang.
Die Basswiedergabe hat zwar schon Grenzen, es ist so, wie bei einer 15“ Fullrangebox, die auf einem Stativ steht. Beim Versuch, mit einem Ultrafex die Bässe zu verstärken, merkte ich, dass es nichts bringt.
Aber bei der Wiedergabe von Musik über ein Handy oder einen Mini-Laptop mit eingeschaltetem Bassbooster (der den Klang von Ohrhörern „verbässern“ soll), stellte ich fest, dass die Bose dann doch erstaunliche Bässe konnte.
Sie kam zum Einsatz auf einem großen Platz, um einen Flashmob mit dem Cupid Dance zu unterstützen. Der ganze Platz war gleichmäßig beschallt, es wirkte, als wenn da wer weiß was für Lautsprecher stehen.
Weiterhin setzte ich diese Bose in einem akustisch problematischen Raum ein, in dem die dort installierte PA einfach nicht klang, ich musste an dieser wirklich schrauben. Die Bose dagegen machte den Job wirklich gut, füllte den Raum aus.
Ich denke, dass diese L1 compact als größte Grenze halt den Bass hat. Sehr tief und sehr laut und sehr klein geht nicht zusammen. Auf Dauer werde ich wohl doch meine Vorgabe „maximal 13 kg“ aufweichen und der Bose doch noch einen 20 kg Subwoofer spendieren, da ich persönlich satten Tiefbass mag.
Aber ich verstärkte über diese schon mal eine Band mit Bassgitarrist und es klang gar nicht übel – gut, in dem Raum hätte mir eine große Bassbox auch eher Probleme bereitet.
Ich denke mal, wenn ich einen Subwoofer brauche, dann nur wegen meines Soundgeschmacks und vielleicht noch, wenn ich es lauter möchte, denn beim Publikum hat sich noch keiner beschwert, dass der Sound zu dünn sei.
Ein positiver Nebeneffekt des Systems ist, dass es optisch nicht kommuniziert „Jetzt wird es laut“, auch wenn es laut kann und zwar ohne Verzerrung.
Die Reichweite des Systems ist nicht immer ein Vorteil. Ich spielte mal bei einem Straßenfest, hatte mir eine weitere L1 compact geliehen und bekam aus großer Ferne Beschwerden, dass ich zu laut sei.

Apropos Stereobetrieb, mit einem Bose L1 compact Twinset kann man guten Gewissens das Stereopanorama ausnutzen, ohne die sonst üblichen Nachteile zu haben, dass ein Teil der Zuhörer nur einen Teil der Musik hört. Allerdings kann ich nicht sagen, ob das auch der Fall bei anderen Säulen-Systemen wäre.
Zur Monitorwirkung: Diese habe ich sogar dann, wenn ich hinter dem System bin. Wahrscheinlich sind dann zwar Frequenzen über 12 kHz weg, aber es ist anders, als bei LD Systems MAUI und HK AUDIO LUCAS.
Und nun komme ich zu einem sehr entscheidenden Punkt. Nach Ablauf der Garantie hatte ich eine Fehlfunktion in der digitalen Vorstufe und nahm den Service in Anspruch. Bei diesem gilt, dass das System repariert oder ausgetauscht wird, egal was kaputt ist und zwar für 200 EUR, inclusive Abholung und Zurückbringen. 200 EUR ist ein Preis, der bei Reparaturen sehr schnell passieren kann, genau das relativiert den Kaufpreis noch.

Ansonsten kann ich sagen, ich hatte auch mal Auftritte, die ich mit einer „normalen“ Anlage (2 x 10″ Top mit 15″ Bass) hätte nicht machen können, da der Stellplatz noch nicht mal für ein Boxenstativ gereicht hätte.

Fazit
Ich bereue die Anschaffung nicht, muss aber zugeben, wenn es damals schon die HK Audio LUCAS nano 300 oder LD Systems MAUI 5 gegeben hätte, weiß ich nicht, ob es nicht eher diese geworden wäre, da ich nicht ahnte, dass sich Anwendungen ergeben, für welche diese anderen Systeme weniger gut geeignet sind.

Plus

  • kompakt
  • kann Frequenzen unter 100 Hz
  • geringes Gewicht
  • kann besonders in Räumen punkten, die akustisch problematisch sind
  • auch ideal für den Gitarristen
  • ersetzt Monitore
  • ermöglicht, mit geringerer Lautstärke auszukommen
  • Klinken Ein- und Ausgang symmetrisch
  • geringe Stellfläche (gerade mal wie ein Mikroständer)
  • belegt kaum Platz im Auto
  • ist Handgepäck

Minus

  • hat als kompaktes System Grenzen bei der Basswiedergabe
  • keine Klangregelung für den Gitarreneingang
  • hohe Reichweite kann bei mancher Anwendung von Nachteil sein
  • neigt dazu, die Höhen über zu betonen
  • hat eine leichte Überbetonung der Tiefmitten beim Einsatz eines Mikrofons
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