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Test: AKG K812 Pro, Kopfhörer

21. Juli 2014

Fangt schon mal an zu sparen.

AKG 812 cut

Foto mit freundlicher Genehmigung von Peter M. Mahr

Wie allseits bekannt, sind Kopfhörer derzeit ja stark im Trend. Egal ob Fußballer, C-Promi oder selbsternannter Hit-Produzent, jeder besitzt nicht nur einen, sondern wirbt möglicherweise noch für einen seiner höchst persönlich entworfenen Kopfhörer. Doch abseits dieses Trends gibt es auch weiterhin hochqualitative Produkte, die vor allem eins ermöglichen sollen: möglichst gut Musik wiederzugeben, so dass man den eigenen Song und Mix abhören und beurteilen kann. Genau dies möchte AKG mit dem K812 ermöglichen, wir haben uns einen der neuen AKG K812 Pro zum Test ins Studio geholt.

AKG K812 Pro

AKG K812 Pro

Info

Die meisten der eingangs erwähnten Firmen lassen ihre Kopfhörer oftmals in Europa oder den USA entwickeln und designen. Zusammengebaut wird dann jedoch aus Kostengründen oftmals im fernen China oder sonstigen südostasiatischen Ländern. Das muss grundsätzlich nicht schlecht sein, aber für viele Kunden haben Worte wie „handgefertigt“ oder „Made in Germany“ eben immer noch eine große Bedeutung. AKG selbst setzt bei vielen Oberklasse-Modellen ihrer Kopfhörer auf genau diese Qualitätsmerkmale und fertig neben dem hier getesteten K812 auch den K712 Pro bei sich zu Hause in Wien.

Aussehen und Verarbeitung

Edel und extrem schick kommt der K812 daher. Im klassischen Schwarz-Silber-Look gehalten und aus hochwertigen Materialen hergestellt, hat man sofort ein sehr wertiges Gefühl, so bald man den Kopfhörer in die Hand nimmt. Kunststoff ist nicht wie bei vielen anderen Herstellern das Hauptmaterial, sondern nur eine kleine Beigabe. Die Rahmenkonstruktion des K812 besteht aus einem doppelstrebigen System aus Federstahl und ist an den Endpunkten mit den Aufhängungen der Ohrmuscheln verschraubt. An diesen Aufhängungen sind die Ohrmuscheln mit einem speziellen System fixiert, so dass sich diese frei nach links und rechts bzw. oben und unten bewegen können. Erstaunlich ist, dass AKG den K812 nicht wie sonst üblich mit dem selbsteinstellenden Kopfband ausgestattet hat. Statt dessen lassen sich beide Seiten durch Drücken eines kleinen Knopfes um rund 2,5 cm ausziehen. Die gewünschte Größe rastet ein und bleibt auch nach mehrmaligem Aufsetzen und Abnehmen erhalten.

Die Innenseiten der Ohrmuscheln sind mit Leder ausgestattet und sitzen sehr weich und angenehm auf. Durch die offene Bauweise des K812 sind auch lange Hörsessions, die bei anderen Kopfhörern gerne mal in Schwitzsessions ausarten, beim K812 kein Problem.

Was erwartet uns beim K812 Pro?

Was erwartet uns beim K812 Pro?

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Die zweite Überraschung ist der Anschluss des K812, der sich am unteren Ende der linken Ohrmuschel befindet. Anstatt auf Mini-XLR oder andere Steckverbindungen zu setzen, hat AKG an dieser Stelle eine Push-Pull-Verbindung von Lemo verbaut. Diese ist mir im Audiobereich bisher noch nie begegnet, doch ein kurzer Besuch auf der Website von Lemo ergab, dass diese Verbindungen vor allem im Bereich des Maschinenbaus, der Medizin oder Messtechnik zum Einsatz kommen. So oder so handelt es sich dabei um eine sehr ordentliche und präzise Verbindungsmöglichkeit, in der das zum Lieferumfang gehörende Kabel sicher und vor allem fest sitzt. Unbeabsichtigtes Lösen der Verbindung ist damit nämlich absolut ausgeschlossen. Erst durch das Zurückziehen des oberen Teils der Steckverbindung löst sich die Verbindung und das Kabel kann abgenommen werden. Das rund 300 cm lange Kabel endet übrigens auf einem vergoldeten 3,5 mm Klinkenstecker.

Zum Lieferumfang gehören ein schraubbarer Adapter auf 6,3 mm Klinke sowie ein edler Kopfhörerständer. Dieser aus Holz gefertigte Ständer sorgt dafür, dass man den K812 nicht nur auf dem eigenen Kopf, sondern auch im Studio gut aufbewahren kann. Es ist eben alles etwas edler beim K812.

Dieser Kopfhörerständer aus Holz gehört zum Lieferumfang des K812 Pro dazu.

Dieser Kopfhörerständer aus Holz gehört zum Lieferumfang des K812 Pro

Klang

AKG gibt das Frequenzspektrum des K812 mit 5 Hz – 54 kHz an. Der extreme Tiefgang soll laut AKG mit der überaus großen Membran aus Verbundmaterial ermöglicht werden. Diese weist einen Durchmesser von 53 mm aus. Normal sind 40 mm. Ebenfalls bemerkenswert ist das zum Einsatz kommende Schwingsystem, das von einem Neodym-Magneten mit einer Feldstärke von 1,5 Tesla angetrieben wird. Neben dem enormen Tiefgang des Bassbereichs soll der AKG K812 aber auch in die obersten Höhenbereich hinein reichen. Ob es wirklich so ist, lässt sich mit dem menschlichen Ohr natürlich nicht beurteilen, aber nach dem Test mit unterschiedlichstem Material lässt sich festhalten, dass der K812 vor allem in den obersten Höhen völlig unspektakulär, unangestrengt und einfach nur brillant klingt. Sehr gelungen ist auch der Übergang in den Bereich der Mitten. Auch hier gibt es keine nennenswerten Klangveränderungen zu reklamieren. Selbst Instrumente, die sich frequenztechnisch sehr nahe stehen und somit in Mixen gerne mal für Durcheinander sorgen, bringt der K812 absolut klar und präzise ans Ohr. Wie die kleineren Brüder K712 und K612 besitzt auch der K812 ein gutes Bassfundament, was jedoch nicht zu stark von unten heraus drückt. Hier schwimmt nichts oder wird auch nichts zusammen gematscht. Kicks und Bässe, tiefe Pads und wabernde Synth Bässe – das kann der K812 richtig gut. Oder einfach mal ein gutes unplugged Album genießen mit richtig schön gezupftem Kontrabass und man weiß, wohin die Reise klanglich geht.

Hinsichtlich der Ortung von einzelnen Instrumenten im Gesamtmix bieten sich klassische Aufnahmen von Orchestern immer gut an. Dazu kommt, dass gerade Klassik-Aufnahmen oftmals mit vielen kleinen Klangdetails gespickt sind, die nur von guten Kopfhörern ans Ohr gebracht werden können. Auch hier kann der K812 auf ganzer Linie überzeugen. Die einzelne Ortung im Stereofeld funktioniert wunderbar und auch die Tiefenstaffelung bringt der neue AKG sehr gut rüber. Im direkten Vergleich mit dem K712 Pro ist das Klangbild deutlich lebendiger und detaillierter. Obwohl auch der K712 Pro schon über eine gute Ortung im Stereofeld verfügt, wird diese vom K812 nochmals übertroffen.

Genau so, wie der AKG K812 gutes Material entsprechend abbilden kann, deckt er aber auch selbst kleine Fehler im Mix ungeniert auf. Natürlich kann man seine Songs auch mit einem guten Kopfhörer weit unterhalb der 1.000 Euro Marke abhören und richtig einschätzen bzw. beurteilen, aber mit dem K812 macht es deutlich viel mehr Spaß und klangliche Defizite deckt dieser deutlich klarer auf als andere Kopfhörer.

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Interessant ist, dass der K812 nur eine Impedanz von 36 Ohm aufweist und sich somit prinzipiell auch für den mobilen Einsatz mit Smartphone und MP3-Player anbietet. Aber wenn man schon einen K812 Pro sein Eigen nennt, sollte man dann sicherlich eher auf einen hochwertigeren Audioplayer umschwenken, denn die herkömmlichen Geräte sind ja nicht unbedingt für die beste Audioqualität bekannt. Ausprobiert habe ich es trotzdem und tatsächlich funktioniert der K812 auch an einem einfachen Smartphone sehr gut und bringt das, was an Qualität vorhanden ist, auch sehr gut rüber.

Zu guter Letzt muss sich der AKG K812 natürlich die Frage gefallen lassen, ob man ihn denn überhaupt braucht. In dem Preisbereich, in dem wir uns hier befinden, überlegt man sich natürlich mehrmals ob sich solch eine Anschaffung für einen selbst rentiert. Die Frage muss natürlich jeder für sich beantworten, aber ich denke, es verhält sich mit dem K812 wie mit guten Autos. Ordentliche Qualität erhält man von vielen Herstellern, unabhängig davon, ob man jetzt ein Cabrio oder Kombi für seine Zwecke benötigt. Von A nach B kommt man letztendlich mit jedem Auto. Soll die Leistung, Ausstattung und Verarbeitung aber etwas höher liegen bzw. nutzt man das Auto (Kopfhörer) auch beruflich, verkleinert sich der Auswahlkreis recht schnell. Gleichermaßen steigt aber auch der Preis, der dafür aufzubringen ist. So oder so ist der AKG K812 ein sensationell guter Kopfhörer, der höchste Audioqualität mit maximaler Verarbeitungsqualität verbindet.

 

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Fazit

Mit dem K812 bringt der Hersteller AKG einen neuen Oberklasse-Kopfhörer auf den Markt. Beste Materialien aus Federstahl und Aluminium, die dazu fest mit einander verschraubt sind, gepaart mit einer sensationellen Audioqualität, charakterisieren den AKG K812. Dieser bietet sich aufgrund dieser Eigenschaften und des hohen Preises allerdings vornehmlich für Liebhaber und Profis an, die für die Qualität des K812 entsprechend zahlen können und möchten. Zum Lieferumfang des neuen AKGs gehört ein edler Kopfhörerhörerständer aus Holz sowie ein Kabel samt Adapter. Eine glatte Eins für den neuen AKG K812.

Plus

  • sensationelle Audioqualität
  • beste Verarbeitung

Preis

  • UVP: 1.590,- Euro
  • Straßenpreis: 1.290,- Euro
Forum
  1. Profilbild
    CommKC

    Interessant wäre gewesen einen Vergleich zu anderen HiEndern, wie STAX Lamda oder Sigma zu lesen?
    (Am besten kommen die STAXe, wenn man sie auf einen mitlaufenden SubWoofer Yamaha YST1500 sitzend, aufhat ;)

  2. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Bei soviel Geldeinsatz sollte man vorher sein Gehör testen lassen.
    Was mir allgemein an den Testberichten zu Kopfhörern fehlt, ist die Angabe des verwendeten Kopfhörerverstärkers. Da wird es doch auch noch Unterschiede je nach Gerät/Kopfhörer geben? Außerdem muss die gesamte Kette hochwertig sein um wirklich die Qualitäten dieses Kopfhörers zu nutzen.
    Noch einen kurzen Hinweis zu Lesern die diesen Kopfhörer mit HiFi-Kopfhörern wie HiFi-Man, Stax etc. vergleichen wollen – das ist ein unmöglicher Vergleich. Warum?
    HiFi-Produkte sind Tonschmeichler, Studiokopfhörer analytische Werkzeuge.
    Ich finde auch die Kunstkopf-Kopfhörertests von SonicSenseProAudio sehr aufschlussreich und dort gibt es damit erstellte Aufnahmen zu hören.

  3. Profilbild
    Franz Walsch  AHU

    Die Zwangsbeglückung in Form des mitgelieferten und mit bezahlten Kopfhörerständers sehe ich kritisch. Im Studio wird er wohl keine Anwendung finden und ohne ihn würde man fast 100 Euro sparen.

  4. Profilbild
    Stephan Merk  RED

    Nein, denn auch wenn einem das die Hersteller suggerieren, sind die Unterschiede im Vergleich zu den Schallwandlern marginal. Bei der geringen Impedanz spielt auch die abzurufende Leistung weniger ins Gewicht, was bei einem Hörer, wie dem Sennheiser HD 800, vor Allem am Smartphone ganz anders aussehen würde. Es ist aber schon richtig, dass man bei hochwertigen Schallwandlern in der Tat noch Unterschiede bei den Zuspielern rausarbeiten könnte, welche einfache Produkte aufgrund mangelnder Präzision verschleiern. Im Gegensatz dazu kann ein guter Kopfhörer mit geringer Impedanz gerade bei einfachen Zuspielern sogar dramatische Klangsteigerungen hervorrufen, was nicht mit der maximal möglichen Qualität gleichzusetzen ist. Was mich aber noch interessiert hätte, ob die Klangsteigerung im Vergleich zum AKG K 702 tatsächlich so dramatisch ist, wie es die aktuell 600 Euro Differenz vermuten lassen. Der K 702 ist klanglich nämlich eine Präzisionsmaschine und fällt einzig im Hochtonbereich etwas ab, ebenso bei der Materialwahl.

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