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Test: Bad Cat Classic Pro 20R PS 112, Gitarrenverstärker

30. Mai 2019

Bad Cat beweist erneut Geschmack

Bad Cat Classic Pro 20R PS 112

Bad Cat Classic Pro 20R PS 112

Nachdem sich mein geschätzter Kollege Johannes „Eddie“ Krayer den Bad Cat Cub 15 R in einem ausführlichen Test vorgenommen hat, bin ich nun mit einem weiteren Combo des amerikanischen Boutique-Herstellers an der Reihe. Im Gegensatz zu dem von Johannes in Augenschein genommenen Amp besitzt der Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 genau 5 Watt mehr Endstufenleistung, die er aber nicht aus zwei EL84, sondern aus einem Paar 6L6 Röhren erzeugt. Somit sollten Sound und Charakter deutlich von dem des kleineren Bruders abweichen. Johannes bescheinigt dem 15 Watt Modell zudem in seinem Test einen Sound, der dem eines VOX AC30 sehr nahekommen soll. Mal schauen, was für einen Unterschied da die beiden 6L6 Glaskolben in der Endstufe unseres Test-Amps machen.

Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 – Facts & Features

Beim Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 haben wir es mit einem einkanaligen Vollröhrenverstärker zu tun, der mit einem 12″ Celestion Lautsprecher ausgestattet ist und über eine Ausgangsleistung von 20 Watt verfügt. Erzeugt wird die Power von zwei 6L6 Endröhren, eigentlich bereits jetzt schon ein Indiz dafür, dass der Sound wohl eher in die amerikanische Richtung abdriften wird. Wie alle übrigen Verstärker von Bad Cat auch, kann man sich den Classic Pro 20R PS 112 ebenso mit optionalen Finessen ausstatten lassen. Dazu gehören beispielsweise ein farbiger Tolex-Überzug, verschiedenfarbige Bespannstoffe der Lautsprecherabdeckung, ein schickerer Tragegriff oder aber Kantenschoner aus verschiedenen Materialien.

Das schlägt sich natürlich auf den Preis nieder, unser Test-Amp ohne weitere Extras kostet übrigens rund 1700,- Euro – da muss eine alte Dame lange für stricken! Aber so ist das nun einmal mit zum Großteil in Handarbeit gefertigten US-Röhrenverstärker und damit liegt die Firma Black Cat noch nicht einmal an der Spitze, schaut man sich etwa mal die Amps von Boogie, Friedman, Fryette & Co an. Ob der Classic Pro 20R PS 112 mit seinem Sound da mithalten kann, werden wir später noch erfahren, zunächst aber betrachten wir uns das, was der Combo uns an Ausstattung bietet und wie sich die Qualität der verwendeten Teile präsentiert.

Heutzutage bekommt man 20 Watt Verstärker schon in der Größe eines Schuhkartons, der hier ist aber noch von der alten Schule und fordert dem Besitzer beim Transportieren ein kräftiges Händchen ab. Satte 23 kg wiegt die Fuhre, das verwendete elfschichtige Birkenholz und natürlich die Röhrenschaltung mit den zwei fetten Trafos fordern eben auch hier ihren Tribut. Auch die Maße sind erwachsen: 610 x 267 x 470 mm misst das von einem schwarzen Tolex überzogene Gehäuse, damit hat aber der Ledergriff auf der Oberseite aber überhaupt keine Probleme. Steht der Verstärker erst mal an der gewünschten Stelle, dann tut er das wie in Blei gegossen, denn dafür sorgen vier auf der Unterseite angebrachte überdimensionale Gummifüße. Bevor wir das Frontpanel betrachten, schauen wir zunächst auf die Rückseite und damit auf die Anschlussmöglichkeiten der bösen Katze.

Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 – rein und raus

Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 rear

Durch die fast komplett offene Rückwand kann man dem Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 bei der Arbeit zusehen

Was ist für einen flexiblen Sound unverzichtbar? Richtig, ein Effektweg! Den gibt es hier, zwar nicht regelbar, aber immerhin. Weiterhin finden wir einen Impedanzwahlschalter zum Anpassen einer externen Lautsprecherbox, eine zusätzliche kann zum internen Celestion angeschlossen werden und darf einen Widerstand von 4, 8 oder auch 16 Ohm haben – der Classic Pro 20R PS 112 zeigt sich da nicht besonders wählerisch. An die Buchse mit der Bezeichnung F/S passt der mitgelieferte Fußschalter mit praxisgerecht langem Kabel und integrierter LED, der die Solo-Funktion des Amps aktiviert, indem er dem Signal einen fetten Boost verpasst. Ohne große Fummelei lässt sich an der Rückseite die Schmelzsicherung wechseln, falls mal etwas schiefgelaufen ist, den Abschluss bilden schließlich die zwei Schalter für Power und für die Stand-by-Funktion. So, jetzt drehen wir die Kiste mal um und blicken von vorne drauf.

Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 – Bedienpanel

Viel mehr werden wir angeblickt – und zwar von zwei Katzenaugen, die im Stand-by-Modus bedrohlich leuchten! Schaltet man den Amp dann schließlich ein, wird zusätzlich noch das Bad Cat Logo illuminiert, mal eine ganz nette Alternative zu den üblichen Funzeln. Am Bedienpanel des Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 finden wir eine Zweiband-Klangregelung mit Bässen und Höhen, einen Volume-Regler, ein Mastervolume-Poti sowie einen Solo-Regler, der die Lautstärke des Boost-Signals steuert. Zur „räumlichen Gestaltung“ wurde dem Amp ein DSP-Hall spendiert, echte Vintage-Freaks hätten sich vielleicht eher eine echte Federhallspirale am Boden des Gehäuses gewünscht. Doch dieser hier kann absolut überzeugen, so viel sei schon mal vorab verraten.

Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 Panel

Über die Qualität der verwendeten Bauteile, angefangen bei den Schaltern bis hin zu den Potis mit ihren Chickenhead-Knöpfen, muss man nicht viele Worte verlieren: Hier wurde nur das Beste verwendet. Die Regler laufen wie in Butter und wurden so weit auf dem Panel von einander weg platziert, dass ein Umgreifen mit zwei oder wenn es sein muss, auch mit allen fünf Fingern, möglich ist. Ach klar, nicht zu vergessen sei natürlich die Anschlussbuchse für unser bestes Stück, die sich ganz links auf dem Frontpanel des Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 befindet. Und da stecken wir doch gleich mal eine Gitarre rein!

Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 – in der Praxis!

Ohne ein Knacken und ohne jegliches Rauschen beginnt der Spaß direkt nach dem Umlegen des Stand-by-Schalters. Der Klang des Amps erinnert unweigerlich an die guten alten Blackface-Amps von Fender: Enorm warm, druckvoll und mit einem fetten Headroom ausgerüstet, der echte Cleansounds in barbarischer Lautstärke ermöglicht. Die Solo-Funktion pusht das Ganze dann noch mal deutlich, obwohl man ganz klar sagen muss, dass der Classic Pro 20R PS 112 kein Verstärker für Fans von High-Gain-Sounds ist. Verzerrung findet nur wenig statt, zumindest dann nicht, wenn die Endstufe in moderaten Lautstärken gehalten wird. Mit einer Humbucker-bestückten Gitarre sind leichte Crunchsounds drin, die zudem mit einer atemberaubend guten und über den gesamten Lautstärkebereich arbeitenden Dynamik glänzen und bei Bedarf mit dem Zweiband-EQ sowie dem sehr geschmackvollen Hall weiter geformt werden können. Darüber hinaus sind abgegebene Lautstärke und der Schalldruck des Combos einfach barbarisch, ohne Weiteres würde ich die Kiste mit auf die Bühne schleppen!

Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 – die Klangbeispiele

Für die folgenden Klangbeispiele habe ich als Gitarre meine Music Man Silhouette Special mit unterschiedlichen Pickup-Konfigurationen benutzt. Vor dem Amp wurde ein AKG C3000 Mikrofon platziert, ehe das Signal in Logic ohne weitere Effekte aufgenommen wurde.

Im ersten Beispiel hören wir einen reinen Cleansound, eingespielt mit den beiden Singlecoils der Silhouette. Der EQ befindet sich in 12-Uhr-Position, das Reverb-Poti auf 9 Uhr.

Im nächsten Beispiel wurde der EQ voll aufgedreht, das Volume-Poti bleibt unangetastet, der Hall wurde nun komplett herausgenommen. Durch den etwas höheren Output der Pickup-Kombination Steg-Humbucker und Singlecoil der Silhouette kann man dem Amp einen wunderbar knackigen Rhythmussound entlocken.

Nun zu den Zerrsounds, im dritten Beispiel hören wir die maximal erreichbare Verzerrung des Solo-Modus mit einem Rhythmus-Track. Zumindest die, die mit meiner Silhou und ihrem Humbucker am Steg zu erreichen ist. Wer mehr braucht, sollte sich einen guten Booster davor schnallen – oder sich nach einem anderen Amp umschauen. Der EQ befindet sich in 2-Uhr-Position, der Hall wurde nur ganz sachte eingesetzt.

Zum Abschluss noch ein Leadsound mit aktivierter Solo-Funktion und dem EQ auf 12 Uhr. Hier wurde der Front-Singlecoil der Gitarre verwendet.

 

Fazit

Fans von High-Gain-Amps sollten besser weghören, Freunde des gepflegten Vintage-Sounds hingegen wäre angeraten, sich mit den Amps von Bad Cat näher zu beschäftigen. Nachdem mein Kollege Johannes Krayer ja seinem Test-Amp die auffällige Nähe zum VOX AC30 bescheinigte, kann man den Bad Cat Classic Pro 20R PS 112 eindeutig in die Fender-Ecke rücken. Hin zu den Amps also, die für ihre charakteristischen Clean- und Crunchsounds einst so berühmt geworden sind. Ein toller Boutique-Amp aus den Staaten, der allerdings auch seinen Preis hat.

Plus

  • Sound
  • Verarbeitung
  • nebengeräuscharm
  • Schalldruck/Dynamik
  • sehr geschmackvoller Hall
  • schaltbarer Booster, Fußschalter mit dabei

Preis

  • Ladenpreis: 1.739,- Euro
Klangbeispiele
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