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Test: IK Multimedia ToneX Pedal, Verstärkerpedal

Amplitube in a Box und noch viel mehr!

28. Mai 2023

Test: IK Multimedia ToneX

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An der Front der digitalen Gitarrenverstärkerwelt tut sich mittlerweile so einiges! Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich damals die Nase gerümpft habe, als Line6 mit dem Pod um die Ecke kam. Doch spätestens seitdem Fractal mit dem AxeFX und Kemper mit dem Profiler die Gitarrenszene durch ihre revolutionären Konzepte aufmischten, wurde ich hellhörig. Seitdem hat sich viel getan und digitale Gitarren-Amps im Rack-, Pedalboard- oder Stompboxformat finden sich überall! Es gibt kaum noch professionelle Tourproduktionen, die ohne mindestens eine AxeFX- oder Kemper-Unit in ihren Racks unterwegs sind und mit dem Quad Cortex als Konkurrenz wird jetzt auch im sehr kompakten Design ordentlich Dampf gemacht! Die Vorteile gegenüber „normalen“ Gitarren-Amps sind dabei nicht von der Hand zu weisen. Da wäre die Lautstärke auf der Bühne, die Konstanz im Sound, die Größe und das Gewicht und eben die klangliche Flexibilität, mit diesen All-in-one-Geräten alle nur erdenklichen Sounds der neuen Platte aus dem Studio im Nu auf die Bühne zu bringen. Kein Wunder also, dass die italienische Firma IK Multimedia, nachdem sie ToneX schon als Software-Variante auf den Markt gebracht haben, die Technologie nun auch in ein Live-taugliches Pedal stecken.

Unboxing des IK Multimedia ToneX

Das ToneX Pedal kommt ziemlich schlicht verpackt in einem Karton ohne viel Zubehör. Neben dem Gerät an sich befindet sich in der Box ein Netzteil mit diversen Aufsätzen für Steckdosen in allen möglichen Ländern. Eine Bedienungsanleitung sucht man vergebens, man findet dafür zwei Flyer, beide ausgestattet mit QR-Codes und Links, um das Pedal zu registrieren und somit das im Lieferumfang enthaltene Software-Paket zu downloaden (hierzu später mehr) und um die Bedienungsanleitung online aufzurufen. Dieser moderne Ansatz gefällt mir eigentlich ganz gut, da man diese Art von Pedalen eigentlich eh immer in Verbindung mit Laptop oder Smartphone benutzt (die Bedienungsanleitung in Papierform vergilbt bei mir meistens nur auf der Fensterbank). Dem Pedal allerdings nur ein in die Jahre gekommenes USB-A Kabel beizulegen, passt dann wiederum nicht so ganz zur modernen Herangehensweise. Als MacBook User wäre ein weiteres Kabel mit USB-C-Anschluss schon schön gewesen (wird das doch der neue USB Standard …). Dafür bekommt man aber ein zweites Set Gummifüßchen, falls sich die am Pedal angebrachten irgendwann verabschieden sollten. Nett!

Test: IK Multimedia ToneX

Facts & Features des IK Multimedia Pedals

ToneX ist in seiner Urform eine Software-basierte „AI Machine Modeling Technology“. Jeder Hersteller nennt diesen Prozess anders, es geht aber im Prinzip darum, eine Art Fingerabdruck einer Amp-Cabinet-Signalkette zu machen, um so diesen ganz bestimmten und individuellen Sound einzufangen. Dafür bietet ToneX die Möglichkeit, diesen Prozess mit seinen eigenen Amps zu realisieren oder aber auf vorgefertigte Sounds aus der Library (oder eben Sounds von anderen Usern aus der ToneNET Community) zurückzugreifen. Das Neue hier ist jetzt, dass es nun die Möglichkeit gibt, diese Sounds in einem Pedal zu beherbergen und sie somit aus dem Rechner raus in die Welt abseits davon zu bringen. Das Pedal sitzt in einem robusten Stahlgehäuse und erinnert von der Größe her an Strymons Timline und Co. An den Seiten des Gehäuses befinden sich kleine Löcher, welche im Betrieb das Licht einer orangenen LED zu Tage fördern. Das sieht tatsächlich ziemlich cool aus!

Auf der Oberseite befinden sich um das etwas oldschool wirkende einfarbige Display drei gerasterte Drehregler, um verschiedene Parameter einzustellen (MODEL, PRESET, PARAMETER) und neben dran ganz klassische Amp-Regler (GAIN, BASS, MID, TREBLE, VOLUME). Alle Potis sind unterhalb auch noch mit ihren alternativen Funktionen beschriftet. Darunter befinden sich drei Fußschalter, die jeweils mit einer Status-LED versehen sind.  Auf der Rückseite befinden sich die INPUT-Buchse, OUTPUT in Stereo, eine 6,3 mm HEADPHONES-Buchse, MIDI IN+OUT, eine Klinkenbuchse für EXT. CONTROL, der USB-Anschluss sowie der Anschluss für das 9 V Netzteil. Weitere Features:

  • Maße: 176 x 142 x 55 mm
  • Gewicht: 0,90 kg
  • 150 anpassbare Presets
  • Presets können mit zusätzlichen Effekten wie Noise Gate, Kompressor, Tone EQ und Reverb bearbeitet werden
  • ultra-rauscharme 24 Bit, 192 kHz Wandler
  • ToneX MAX und AmpliTube5 Software mit inbegriffen

Test: IK Multimedia ToneX

Das IK Multimedia ToneX Pedal in der Praxis

Was auf den ersten Blick auffällt ist, dass die Oberfläche des ToneX Pedal sehr überschaubar ist. Es gibt (relativ wenig) Regler, keine Knöpfe, ein rudimentäres Display und drei Schalter. Somit lädt das Pedal dazu ein, einfach mal drauflos zu drehen, ohne dass man das Gefühl bekommen könnte, bei der falschen Tastenkombination die ganze Kiste zu formatieren. Man scrollt sich mit dem PRESET-Regler super leicht durch die verschiedenen Factory-Presets, welche alle mit einem Namen versehen sind, der ziemlich leicht auf das Vorbild schließen lässt. Übrigens lässt sich das Gerät beim zweiten Klick auf den Fußschalter vom aktiven Preset direkt in den Bypass-Mode schalten und fungiert so als D.I.

Mit dem MODEL-Regler kommt man per Click in den Bearbeitungsmodus, in dem man in jedem Preset das Amp-Modell und das Cab-Modell ändern kann. Wie sinnvoll es ist, bei einem Mesa Boogie Mark V Preset das zugrundeliegende Amp-Modell zu ändern, hat sich mir nicht erschlossen. Auf der Suche nach dem passenden Sound kann ein Durchschalten der verschiedenen Cabinets jedoch sehr spannend sein! Hier zu hören mit dem besagten Boogie MK V Preset:

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Mit dem PARAMETER-Regler hat man Zugriff auf weitere Volume-Parameter, das Noisegate, den Kompressor, Reverb und einige andere Parameter wie z. B. den Mixanteil des Amp-Signals im Gesamtsignal. Die Navigation ist hier sehr gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber. Sehr spannend, was man hier so für Sounds erzeugen kann, wenn man quasi Amp und „Gitarre ins Pult“-Sound parallel fährt.

Test: IK Multimedia ToneX

Das ToneX Pedal bietet die Möglichkeit, jedem Sound einen von fünf verschieden Reverb-Algorithmen zu verleihen. Über den PARAMETER-Regler gelangt man zur Reverb-Sektion, in der man die verschiedenen Räume anwählen kann. Hält man den Regler eine Weile gedrückt, gelangt man in der alternativen Modus für die Potis und kann so über den GAIN-Regler den Reverb-Mix regeln. Für den Reverb-Test wähle ich ein AC30 Preset. Die Reverbs sind ganz ok, hauen mich aber nicht wirklich vom Hocker. Das können andere definitiv besser. Auch wäre es ganz schön, anstatt drei verschiedenen Spring-Typen vielleicht noch einen etwas ausufernden Hall-Algorithmus zu haben.

Da das ToneX Pedal ja auch als Interface genutzt werden kann, wollen wir hier noch schauen, wie es sich verhält, das Pedal direkt per USB an den Rechner zu hängen oder klassisch über die Stereo-Outputs durch die Eingänge eines Audiointerfaces zu gehen.

Test: IK Multimedia ToneX

Doch wie eingangs schon erwähnt, ist das ToneX Pedal ja nicht nur ein Modeler im Pedalformat, sondern ist nur ein Teil des von IK Multimedia benannten ToneX Ecosystems. Und somit ist die digitale Schnittstelle ein durchaus wichtiger Punkt. Registriert man das Pedal und lädt sich die ToneX Software runter, hat man Zugriff auf den sehr übersichtlichen Librarian, mit dem man kinderleicht zwischen den Presets hin und her schalten kann. Doch soviel nur zum Start. Denn von hier aus kann man die Captures seiner eigenen Amps, welche man mittels der ToneX Software erstellt hat, auf das Pedal laden oder sich aus der ToneX MAX Library oder im riesigen ToneNET an vielen sehr guten Sounds bedienen.

Zum Thema Live-Anwendung wäre zu sagen: Hier sehe ich das Pedal noch nicht so ganz ausgereift, um es gewinnbringend in ein Pedalboard-Setup einzubauen. Die Onboard-Effekte sind dafür ohne das Vorhandensein von z. B. Delay etwas zu dürftig. Das Fehlen eines Effekt-Loops und keine XLR-Ausgänge geben einem keine Möglichkeit, Effekte hinter dem ToneX zu plazieren oder das Pedal am Ende der Effektkette zu betreiben, ohne danach noch eine D.I.-Box oder ähnliches zu verwenden. Somit würde ich das Pedal eher im Studio als haptische Alternative zum in-the-box Arbeiten sehen.

 

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Fazit

Das ToneX Pedal kommt im Gegenzug zu vielen seiner digitalen Kollegen mit einer sehr überschaubaren und dadurch intuitiven Bedienoberfläche daher. Die Navigation ist mitunter gewöhnungsbedürftig, aber dennoch ans Design angepasst und durchdacht. Wie bei vielen Vertretern, die einem ermöglichen eigene Profile oder Captures seiner Signalkette von Zerrpedal über Amp zur Box zu machen, sind die Factory-Sounds ganz ok, das ganze Potential entfaltet man aber durch eigenes Generieren oder eventuell über 3rd Party-Anbieter professioneller Sounds. Die Schwächen in Sachen Pedalboard-Integration machen es für den Live-Bereich weniger flexibel als die Konkurrenz, im gesamten ToneX Ecosystem findet es jedoch einen sehr guten Platz. Vor allem schon, weil die im Paket enthaltene Software einen richtigen Mehrwert bietet.

Plus

  • Übersichtlich
  • sehr gute Integration in der Software
  • eigens kreierte ToneX Sounds z. B. auf die Bühne bringen
  • integriertes Software-Paket
  • Preis-Leistungs-Verhältnis

Minus

  • Anschlüsse für Live-Integration
  • Display könnte ausgefeilter sein
  • Reverb-Qualität

Preis

  • 448,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    mofateam

    Auf diesen Test habe ich mich gefreut und bin gespannt auf die Diskussion.
    Die Effekte des Tonex empfinde ich bloß als nette Beigabe, denn im Normalfall ist man als Gitarristin ja schon mit den Lieblings-Effekten bestückt, wenn man vom Amp ins Modeller-/Profilerlager wechselt. Ich empfinde es nicht als problematisch , meine Strymon-Teile hinter den Tonex zu schalten und mein Overdrive und Fuzz davor.

    Ehrlich gesagt sehe ich auch kein Problem darin, mir zusätzlich eine Stereo-DI-Box zuzulegen, das Gerät ist dann immer noch günstig.
    Der Sound des Gerätes überzeugt mich jedenfalls.

  2. Profilbild
    felixy

    Leider hat der Kopfhörerausgang sehr störende Nebengeräusch, auch bei wenig Gain, unabhängig von den verwendeten Gitarren, Kabeln oder Kopfhörern. Das hat mich vom Kauf abgehalten.

  3. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Da ich gerne mit voller Lotte Bratsound spiele kann mich der Tonex nur dann überzeugen wenn er an einer echten Cab mit Verstärker hängt und dann mit dem Mikro abgenommen wird. Trotzdem bleibe ich bei meiner Pedal und Amp Sammlung, die ist einfach nicht zu toppen. Wenn das Zeug schon da steht. Den größten Klangunterschied erzeugt übrigens die Cabinet! Hier lassen sich ganz verschiedene Charaktere zaubern diese Art der Klangfindung ist zwar anders, aber wenn ich mir überlege wie uninteressant es ist durch 200 Presets zu scrollen bis man das passende gefunden hat, dann langweilt mich das Thema. Trotzdem kann es unglaublich wichtig sein seinen Sound abrufbereit zu haben. Ich zumindest bin einfach gewohnt ihn mir schnell einzustellen und gut ist es.

  4. Profilbild
    TheDarkone1988

    Habe meinen Röhren amp abgegeben und das tonex behalten plus die Harley Benton gpa 100 Endstufe und muss sagen Ich vermisse die alte dicke große Kiste nicht 😅

    Klingt alles sehr amtlich🤘

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