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Test: Solar Guitars V2.6FBB Baritone, E-Gitarre

Im tiefen Keller des Downtunings!

15. Oktober 2023

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Es ist fraglich, ob es eine andere Gitarrenform als die Flying V gibt, welche mehr mit der Musikrichtung Metal verbunden wäre. Die spitzen Kanten und das eindeutige Zuschneiden auf den Spielbetrieb im Stehen sind so untrennbar mit der aktuell härtesten Musikrichtung verbunden wie keine andere Gitarrenform. In den letzten Dekaden sind zusätzlich zu den ursprünglich in 1958 von Gibson für Tanzmusiker (!) entwickelten Instrumente noch weitere Modellreihen hinzugekommen, welche die aggressive Optik der Modelle zusätzlich unterstützen und das Original mit seinen vergleichsweise weichen Rundungen eher moderat erscheinen lassen. Auch die skandinavische Firma Solar Guitars, welche seine Instrumente überwiegend in Indonesien fertigen lässt, verfügt mit dem Modell Solar Guitars V2.6FBB Baritone über ein solches Modell, wobei uns zum Test die Bariton-Ausführung vorliegt, welche aufgrund ihrer Bauweise mit gleich mehreren interessanten und ungewöhnlichen Details aufwartet.

Die Konstruktion der Solar Guitars V2.6FBB Baritone

Zunächst ein paar grundsätzliche Informationen für den interessierten Bariton-Neuling. Eine Baritongitarre definiert sich vor allem über die Länge ihrer Mensur, welche im Normalfall zwischen der langen Mensur von 648 mm bis hin zur Short Scale Bassmensur von ca. 760 mm liegt. Man kann Baritongitarren allerdings auch mit einer Short Scale Bassmensur bauen, welches ich zum Beispiel in meinem Custom Modell von Framus umgesetzt habe.

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Je länger die Mensur, desto knackiger ist der angeschlagene Ton aufgrund der höheren Seitenspannung, allerdings nimmt auch die Bespielbarkeit mit zunehmender Mensur ab. Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Präferenzen für ihn entscheidend sind. Mit der Solar Guitars V2.6FBB Baritone haben wir ein Instrument vorliegen, welches über eine Mensur von 673 mm verfügt und damit gerade einmal 3 cm über der langen Fender Mensur liegt. Der große Vorteil ist darin zu suchen, dass die Bundstäbchen nur marginal weiter auseinander liegen als bei der langen Mensur, der Nachteil ist, dass man die für eine Baritongitarre moderate Mensurlänge durch einen entsprechenden Seitensatz ausgleichen sollte.

Solar Guitars V2.6FBB Baritone Flame Black
Solar Guitars V2.6FBB Baritone Flame Black
Kundenbewertung:
(2)

Warum ausgleichen? Nun, der Sinn einer Baritongitarre liegt darin, dass man eine tiefere Grundstimmung als das Standardtuning einer E-Gitarre ansetzen kann. Seitdem das Downtuning in den E-Gitarrenbereich Einzug gehalten hat, ist dies keine Besonderheit mehr, aber wie die meisten Downtuner wissen, muss man bei einer regulären Gitarrenmensur die dicksten Saiten aufziehen, die man irgendwo finden kann, um nicht einen total labberigen Ton zu erhalten. Dies wird mit der längeren Mensur einer Baritongitarre abgefedert, wobei auch hier gilt, je länger die Mensur, umso dünner können die Seiten sein, beziehungsweise umso knackiger ist der Attack aufgrund der höheren Seitenspannung. Zudem müssen die Saiten über eine Mindestlänge verfügen, wie zum Beispiel in diesem Fall, wo die tiefste Saite aufgrund des Reversed Headstocks ca. 15 cm bis zum Sattel hat, dann die komplette Mensurlänge und als Abschluß noch über die feste Brücke zwecks besserem Sustain-Verhalten durch den Korpus gefädelt wird, alles in alles knapp 95 cm plus eine bis zwei Wicklungen am Tuner.

Um diese Besonderheit zu kompensieren, verwendet Solar Guitars einen Seitensatz mit umsponnener G-Saite, was die Präferenz eindeutig auf das Akkord- respektive Riffspiel legt. Bekannterweise hat die Saite mit der dünnsten Umwicklung auch den dünnsten Saitenkern und eignet sich zum Bending eher weniger. So muss man zum Beispiel die 3. Saite („G-Saite“ im Standard-Tuning) fast doppelt so weit ziehen wie die 2. Saite („B-String“), um einen entsprechenden Tonschritt zu erzeugen. Um dies auszugleichen, würde ich auf einen speziellen Baritonsatz zugreifen, wie meinem Pyramid Signature Satz, welcher über die dickste, noch sauber schwingende Plain-Saite verfügt, um genau dieses Problem zu kompensieren.

Solar Guitars V2.6FBB Baritone Test

Solar Guitars V2.6FBB Baritone Rückseite

Die Holzauswahl

Sobald man die Solar Guitars das erste Mal in die Hand nimmt, fällt einem sofort das unglaublich geringe Gewicht von gerade einmal 2,7 kg (!) auf und das, obwohl das Instrument über Mahagoni-Korpusflügel, einen durchgehenden Ahornhals und ein Ebenholzgriffbrett verfügt. Offensichtlich wurden sehr leichte Hölzer für die Fertigung ausgewählt, welche sich dann auch in Sachen Gewicht trotz der enormen Abmessungen des Instruments nicht niederschlagen. Aufgrund des sehr geringen Gewichts und des sehr ausladenden Halses ist das Intrument einen Hauch kopflastig, was aber so gering ausfällt, dass man nicht von einer Einbuße im Spielkomfort sprechen kann. Der Korpus wurde auf der Oberseite sowohl im oberen, als auch im unteren Bereich geshapt und erhöht dadurch den Spielkomfort. Die Optik wirkt dadurch auch noch ein wenig eleganter, wenngleich das aufgeleimte Riegelahornfurnier nur sehr dezent wahrnehmbar ist. Der im C-Shaping gehaltene Hals greift sich sehr angenehm und verfügt bei einer Sattelbreite von 43 mm zudem über vergleichsweise geringe Abmessungen, was dem Spielkomfort zugute kommt. Der synthetische Knochensattel aus PPS ist zudem für alle Player geeignet, welche keine Produkte tierischer Herkunft auf ihrem Instrument wissen möchten. Das Griffbrett verfügt über 24 Bünde, womit der Hals-Pickup zwangsweise etwas nach hinten wandern muss und meine persönliche Lieblingsposition unter dem 24. Bund verlässt. Geschmacksache, keine Wertung.
Das Instrument verfügt außerdem über das Solar Guitars Logo im 12. Bund über keine Griffbrettmarkierungen in der Aufsicht, sondern nur über die seitlichen Dots am Griffbrettrand.

Solar Guitars V2.6FBB Baritone Test

Solar Guitars V2.6FBB Baritone ,Profil

Die Hardware der Solar Guitars V2.6FBB Baritone

Gemäß des All-Black-Ansatzes des Instruments ist natürlich auch die gesamte Hardware komplett in Schwarz gehalten, soll heißen: Brücke, Tuner, Master-.Volume-Regler, Master-Tone-Regler und der 3-Wege-Schalter verfügen über nur eine Farbgebung, ein mattes Schwarz. Leider hat Solar Guitars meines Erachtens im Bereich der Stimmmechaniken einen ungünstigen Abstand der Wirbelkörper zueinander gewählt. Die Stimmmechaniken sitzen zu nah beieinander, so dass, wenn zwei Wirbelkörper parallel zueinander in der Flucht der Kopfplatte stehen, es eine ziemliche Fummelarbeit darstellt, die Mechaniken sauber und gleichmäßig zu drehen, was sich zu Lasten des Stimmkomforts auswirkt.

Solar Guitars hat sich bei der Solar Guitars V2.6FBB Baritone dazu entschieden, die Kabelbuchse auf der Rückseite des Korpus zu platzieren. Dies hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist eindeutig in der schöneren Optik und dem gleichmäßigen Erscheinungsbild zu sehen, wenn man von vorne auf das Instrument blickt. Der Nachteil liegt darin, dass die Gitarre bzw. das Kabel je nach Haltung des Instruments am Oberschenkel scheuert und eine unangenehme Druckwirkung ausübt. Zudem muss das Kabel in einer großen Schleife gelegt werden, sofern man es am Gurtpin, wie es in der Regel geführt gemacht wird, kontert und sichert.

Die Pickups

Auf der Solar Guitars V2.6FBB Baritone werden zwei Seymour Duncan Humbucker mit der Bezeichnung „Duncan Solar“ verbaut, welche über die Push/Pull-Funktion des Tone-Reglers gesplittet werden können und angeblich in Korea gebaut werden. Leider konnte ich im Vorfeld keine weiteren Infos über die Messdaten der Pickups in Erfahrung bringen und werde mich daher ausschließlich auf mein Gehör bei den Klangbeispielen verlassen.

Die Solar Guitars V2.6FBB Baritone in der Praxis

Nimmt man die Solar Guitars V2.6FBB Baritone das erste Mal in die Hand, macht sich das sehr geringe Gewicht tatsächlich positiv bemerkbar, zumal sich das geringe Gewicht nicht wie bei vielen anderen Instrumenten negativ auf das Schwingungsverhalten bzw. das Sustain auswirkt. Die für eine Baritongitarre vergleichsweise kurze Mensur lässt sich gut handhaben, zumal das Instrument vom Werk aus sehr gut eingestellt ist und es keinerlei Nachjustierungen bedurfte.

Nach wie vor ist natürlich auch diese Flying V Ausführung im Sitzen faktisch nicht spielbar, es sei denn, man nimmt das untere Horn des Korpus zwischen die Beine und verfällt in die typische Akustik-Nylongitarren-Halteposition, welche von einer amtlichen Heavy-Pose nicht weiter entfernt sein könnte. Im Stehen hingegen lässt sich das Instrument locker spielen, vor allem wenn man seine Präferenzen im Rhythmusspiel hat. Das Instrument ist von der Handhabung her gut und durch die umwickelte dritte Saite auch in erster Linie für das Rhythmusspiel geeignet, siehe auch den Verweis auf zum Beispiel Malcolm Young von AC/DC, welcher ja auch sein Leben lang mit einer umsponnenen G-Seite gespielt hat.

In Sachen Tonabnehmern bin ich ein bisschen ambivalent in meiner Beurteilung. Interessanterweise ist die Singlecoil-Schaltung deutlich hochwertiger, als ich sie von anderen Pickups dieser Bauart her kenne, allerdings ist mir die Humbucker-Schaltung persönlich etwas zu intransparent.

Der für eine Metal-Gitarre vergleichsweise geringe Ausgangspegel hat natürlich auch den Vorteil, dass man bei der Verwendung von zusätzlichen Verzerrer- oder Overdrive-Pedalen eine größere Klangvielfalt hat, ohne dass der Verstärker bereits vom hohen Ausgangspegel des Tonabnehmers überfahren wird. Inwieweit man hier die richtige bzw. optimale Kombination findet, hängt wie immer über weite Strecken vom persönlichen Geschmack ab. Ich persönlich hätte mir ein wenig mehr Charakter bei den Tonabnehmern gewünscht, zumal ich mit einem Hersteller wie Seymour Duncan zwangsweise eine höhere Erwartungshaltung habe.

Summa summarum sollte man sich allerdings immer vor Augen führen, für welch vergleichsweise geringen Preis die Gitarre abgegeben wird und dass man als Gegenleistung ein wirklich gutes Arbeitsgerät bekommt, welches der richtigen Zielgruppe geradezu auf den Leib geschneidert wurde.

Solar Guitars V2.6FBB Baritone Test

Solar Guitars V2.6FBB Baritone im Studio

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Fazit

Mit der Solar Guitars V2.6FBB Baritone hat der skandinavische Hersteller ein Instrument in seinem Portfolio, welches kompromisslos für den Heavy-Bereich gefertigt wurde. Mit sehr guter Verarbeitung und einem guten Klang bietet das Instrument eine Bariton-Alternative für den schmalen bis moderaten Geldbeutel, welche auch noch bei einem F#-Tuning gute Dienste leistet.

Plus

  • Verarbeitung
  • Preis/Leistungs-Verhältnis
  • Bespielbarkeit

Minus

  • Stimmwirbel zu nah beieinander

Preis

  • 899,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    LostSongs

    Hallo Axel,
    muss mal nachfragen:
    Im Fazit steht F#-Tuning. Das entspräche der tiefen Saite meiner 8-Saiter. Die hat allerdings eine 711er Mensur und eine 80er Saite und es ist immer noch grenzwertig. lch kann mir das mit einer 64er Saite auf einer 673er Mensur kaum vorstellen. Selbst A-Tuning finde ich auf meiner PRS 277 mit 704er Mensur und 65er Saite schwierig. Es geht, aber es klingt nicht wirklich toll.

    • Profilbild
      Axel Ritt RED

      @LostSongs Vielen Dank für den Hinweis, das ist natürlich Blödsinn, was ich im Fazit geschrieben habe, ich bin aus Versehen in die 8-Saiter Abteilung abgedriftet.

      Ich meine B-Tuning, sorry.

    • Profilbild
      tenderboy

      @LostSongs Also A-Tuning geht auf meiner Solar 1.6 ATG Baritone mit nur 26,5″ recht gut mit 14 – 68er Saitensatz.

      Wobei ich die Gitarre nachträglich mit Evertune Bridge nachgerüstet habe, was der Stimmstabilität doch sehr zugute kam.

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