Test: CAD E300S, e70, Groß- und Kleinmembranmikrofon

27. Februar 2017

Zweimal Aufnahme bitte

Heute finden sich das CAD E300S, ein Multi-Pattern Großmembranmikro und das CAD e70, ein Kleinmembraner, zum Test ein. Die beiden Mikrofone gehören der Equitek Linie des Herstellers an.

CAD Audio gehört bei uns nicht unbedingt zu den Big Playern, in Übersee sieht es dagegen etwas anders aus. Die amerikanische Firma aus Ohio existiert seit 1988 und ging aus der schon 1931 gegründeten Astatic Corporation hervor. Während zunächst in den USA produziert wurde, ging die Fertigung Anfang des 21. Jahrhunderts nach Asien. Inzwischen wird auch wieder in Amerika hergestellt, das ebenfalls in der Equitek Linie angebotene E100S wird mit „Engineered an built in the USA“ beworben.

CAD E300S

Das schaltbare Großmembranmikro E300S

Das Großmembranmikro ist eine Neuauflage des von 1998 bis 2001 hergestellten Equitek E300 ohne das “S“. Die aktuelle Version ist seit 2012 erhältlich.

Die goldbedampfte 1,1“ Doppelkapsel ermöglicht die drei Richtcharakteristiken Niere, Kugel und Acht. Ein Low Cut Filter bei 135 Hz, 6 dB/oct ist ebenso vorhanden wie ein PAD-Schalter, der um 20 dB absenkt. Damit erreicht das Mikro eine MAX SPL von 145 dB. Ungewöhnlich ist ein vierter Schalter, der das Mikro einschaltet. Das originale E300 verwendete zur Stromversorgung zwei 9 Volt Akkus, die über die Phantomspeisung geladen wurden. Ob die neue Version ebenso arbeitet oder der Schalter schlicht eine Reminiszenz an das Originaldesign ist, darüber schweigt sich das beiliegende Datenblatt wie auch der Internetauftritt aus.

Also erst einmal weiter mit den verfügbaren Daten. Der Frequenzgang ist mit 20 Hz bis 18 kHz angegeben, die Empfindlichkeit mit -34 dBV (20 mV) @ 1 Pa, die Impedanz mit 220 Ohm. Das Rauschverhalten liegt bei 12 dBA.

Das CAD E300S ist ein ganz schöner Brocken, 190 mm hoch und mit einem Durchmesser von 77 mm. Damit bringt es 1 kg auf die Waage.

Mitgeliefert werden eine schnörkellose, funktionelle Spinne, in der das Mikrofon mittels Rädelschraube befestigt wird. So ist es ganz gut, dass der zugehörige Transportkoffer so mit Formschaum gefüttert ist, dass das Mikro mit angebrachter Spinne verpackt werden kann.

Mit Spinne im Koffer

Der Plastikkoffer trägt mit 27 x 23 x 21 cm ebenfalls dick auf, wobei die ganze obere Hälfte schlicht mit einem Schaumstoffblock gefüllt ist.

Die Verarbeitung ist gut, das zweilagige Einsprechgitter sehr stabil, die Kippschalter laufen gut und rasten sauber ein. Leider sind sie etwas fummelig zu bedienen, da sie teilweise von den Gummis der Mikrofonspinne verdeckt werden. Aber da stellt man ja auch nicht permanent dran herum.

CAD e70

Das Kleinmembran e70

Das Kleinmembranmikrofon CAD e70 bietet einige Besonderheiten. So wird es mit zwei austauschbaren Kapseln geliefert, 1x Niere und 1x Kugel. Ein PAD-Schalter ist vorhanden, der eine zweistufige Pegelabsenkung mit 10 dB und 20 dB bietet. Auch das Low Cut Filter verfügt über zwei Werte, 75 Hz und 150 Hz können geschaltet werden. Die Schiebeschalter sitzen übrigens versenkt im Body und werden mit einem spitzen Gegenstand bedient, so ist ungewolltes Umschalten ausgeschlossen.

Versenkte Schalter

Neben einem Windschutz und einer normalen Mikroklammer liegt auch noch ein Shockmount bei. Das ist doch eine umfangreiche Ausstattung.

Der Lieferumfang

Der Frequenzgang ist mit den üblichen 20 Hz bis 20 kHz angegeben, die Impedanz mit 85 Ohm. Bei den Werten für Empfindlichkeit, Eigenrauschen und Schalldruck unterscheiden sich die beiden Kapseln. Die Niere liefert hier Sensivity -40 dBV (10 mV) @ 1Pa, Self Noise 23 dBA und MAX SPL 160 dB bei geschaltetem PAD mit -20 dB. Die Kugel hat die Werte Sensivity -36 dBV (16 mV)  1 Pa, Self Noise 19 dBA und MAX SPL 156 dB mit PAD.

Mit einer Länge von 156 mm und 22 mm Durchmesser bewegt sich der Kleinkondenser im üblichen Rahmen, recht hoch ist das Gewicht mit 216 Gramm. Die Verarbeitung macht einen guten Eindruck, einen besonderer Augenmerk lege ich auf das Kapselgewinde. Das ist sauber geschnitten, so lässt sich die Richtcharakteristik problemlos ändern.

Praxis

Bevor ich mit dem CAD E300S beginne, möchte ich erst das Powerschalter Rätsel lösen. Dafür entferne ich den unteren Deckel und kann nun in das Innere sehen. Tatsächlich, das Equitek 300S ist nach althergebrachter Weise gefertigt und enthält die bekannten zwei 9 Volt Akkus zur Spannungsversorgung.

Zwei 9 Volt Akkus zur Betriebsspannung

Auf Phantomspeisung kann aber trotzdem nicht verzichtet werden, da diese permanent zum Laden der Akkublöcke benötigt wird. Die ungewöhnliche Stromversorgung erklärt auch die Größe des Mikros, das Ding ist echt riesig. Hier habe ich zum Vergleich ein AKG C414 daneben gepackt.

Der Größenvergleich

Das C414 B-ULS darf auch gleich zur weiteren Beurteilung mit dabei bleiben. Zunächst werden die beiden Mikrofone eingepegelt, hier hat das CAD die Nase vorn. Es werden 5 dB weniger Gain vom Preamp gefordert. Das unterstützt das exzellente Rauschverhalten des CAD E300S.

Zuerst checke ich den Klang des Equitek mit Stimme und der Richtcharakteristik Niere. Entgegen seinem Äußeren liefert das Mikro hier einen recht schlanken, geradezu neutralen Sound. Die oberen Höhen liefern eine deutliche Betonung, was den Klang offen gestaltet, ohne die Sibilanten zu stark in den Vordergrund geraten zu lassen. Die Artikulation ist gut, klingt im oberen Bereich aber nicht ganz so geschmeidig wie das AKG Vergleichsmodell. Auffällig ist beim CAD der extrem geringe Nahbesprecheffekt.

Gute Arbeit leistet auch der Low Cut, der zwar mit 135 Hz recht hoch ansetzt, aber die Stimme trotzdem wenig beschneidet. Dafür werden Popplaute recht gut unterdrückt, so dass ruhig eine Verwendung als Gesangsmikro ohne zusätzlichen Poppschutz-Filter probiert werden kann.

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