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Test: Edirol R-09 HR

Edirol R-09 HR

15. September 2008

Da mir als Radio-Journalist der gute Ton besonders am Herzen liegt, gehört ein gutes Aufnahmegerät zur Grundausstattung im Außeneinsatz. Als ich vor langer Zeit beim Hörfunk anfing, waren noch kiloschwere Kassetten-, später auch DAT-Recorder das Maß aller Dinge. Auf einer Pressekonferenz war das ja noch völlig ok, da konnte man das Teil lässig auf den Boden oder Tisch stellen, auf Messen oder anderen Veranstaltungen wurden die mit zunehmender Zeit doch eine echte Belastung. Später dann kamen die kleinen, handlichen MD-Recorder auf – Sonys legendären MZ-R50, inzwischen 10 Jahre alt, aber bei den Kollegen immer noch beliebt wegen seiner Zuverlässigkeit und einfachen Handhabung, nutze ich heute noch ab und zu. Aber auch diese Geräte sind inzwischen Schnee von gestern und wurden von den technisch besseren und leistungsfähigeren kleinen Wav/mp3-Recordern verdrängt. Edirol hatte da mit dem R-09 schon mal eine viel beachtete und hoch gelobte Marke gesetzt; der Nachfolger R-09 HR will es ihm gleich tun.

Der Recorder mit dem Scherkopf

Der Recorder mit dem Scherkopf

Vorab: Die Technik

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Im Vergleich zum Vorgänger hat Edirol einiges an Technik draufgepackt: Die Samplingrate wurde auf 96 kHz erhöht, es gibt jetzt eine IR-Fernbedienung dazu, außerdem wurde nach Herstellerangaben der Aufnahmeschaltkreis neu entwickelt und bessere Mikrofone eingebaut. Praktisch ist auch der kleine Lautsprecher auf der Rückseite zum schnellen Abhören („Brauche ich den Take noch?“), ohne erst den Kopfhörer aus der Tasche zu kramen. Dazu kommen noch einige überarbeitete Basisfunktionen wie der neue „Finder“-Button zum schnellen Navigieren in den gespeicherten Files oder eine Hold-Funktion, um die übrigen Buttons zu sperren.

Aufgenommen wird entweder mit den beiden eingebauten Mikrofonen oder über ein externes. Da sich die Anschlussmöglichkeit aber auf eine Buchse für Miniklinke beschränkt, sind die Möglichkeiten qualitativ doch limitiert. Gespeichert wird On-the-Fly im WAV (16 bit / 24 bit) oder MP3-Format (von 64 bis 320 kbps) auf SD-Card mit bis zu 8 GB (bei einer maximalen Filegröße von 2 GB), überspielt dann per schnellem USB 2.0 oder per Cardreader am PC. Die Akkus sind übrigens nicht – wie oft üblich – fest verbaut, sondern bestehen aus zwei handelsüblichen AA-Akkus. So hat man da immer Reserve parat, falls mal der Saft ausgeht.

Ausgepackt: Erster Eindruck

Anders als viele Geräte aus der Consumer-Elektronik ist so ein Recorder ein Werkzeug, mit dem man täglich arbeiten muss; und da entscheiden dann oft die Kleinigkeiten über Sieg oder Niederlage. Das fängt schon mit dem äußeren Design an: Der R 09 HR ist in etwas so groß wie die an dieser Stelle auch von militanten Nichtrauchern mangels anderer Vergleichsmöglichkeit so gern zitierte Zigarettenschachtel und liegt deshalb a) gut in der Hand und passt b) bequem in die Hemd- oder Jackentasche. Die gummierte (mattschwarze) Oberfläche sorgt für eine erhöhte Grifffestigkeit und verhindert, dass das Gerät mal im Eifer des Gefechts aus der Hand rutscht. (Wer diesen Punkt übertrieben findet, hat noch nie mit 30 anderen Kollegen und schweißnassen Händen auf engstem Raum um einen Platz direkt vor dem Objekt der Interview-Begierde gekämpft).

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Ebenfalls gut gelöst: Legt man den R 09 HR auf den Tisch, ruht er auf kleinen Gummifüßchen und liegt also nicht mit der ganzen Fläche auf; gerade in Situationen, wo der Interviewpartner zum nervösen Trommeln auf der Tischplatte neigt, wird man diese Kleinigkeit zu schätzen wissen. Schließlich wurden auch Display und die Alu-Bedienelemente etwas in die gummierte Umrandung versenkt: so kann man den R-09 HR auch mal aufs Gesicht legen, ohne dass es da Kratzer gibt.

Viel Technik auch auf der Rückseite

Viel Technik auch auf der Rückseite

Für leichtes Stirnrunzeln bei mir sorgt dagegen die Tatsache, dass der Kopfhörerausgang auf der Gehäuse-Stirnseite untergebracht ist – genau zwischen den Mikrofonen. Das ist einerseits ganz praktisch, will man einen Take auf dem Weg zum nächsten Termin abhören und hat den Recording-R2D2 in der Hemdtasche. Andererseits kann das auch enorm störend sein: Schalte ich nämlich den Mic Gain runter, um nicht sämtliche Außengeräusche mit auf der Aufnahme zu haben, muss ich sehr nah ran an den Mund des Interviewten – und steche ihm dann dabei unter Umständen die Miniklinke des Kopfhörers in die Oberlippe. Natürlich kann man auch ohne Monitoring aufnehmen, doch ist es in der Praxis sinnvoller, gleich zu überprüfen, ob auch alles wie gewünscht im Kasten ist. Ein „Entschuldigung, Frau Bundeskanzlerin, können wir das Interview eben wiederholen, ich hatte den falschen Gain gewählt“ wird wohl niemand wagen wollen.

Mit zum Lieferumfang gehören eine Fernbedienung (dazu später mehr), ein kleiner Plastikständer (dito), USB- und Netzkabel, eine 512 MB SD-Speicherkarte und Cakewalks „Pyro Audio Creator LE“.

Das gibt es alles mit dabei

Das gibt es alles mit dabei

Angeschaut. So sieht’s aus

Im Vergleich zum Vorgänger wurde bei den Bedienelementen und Anschlüssen aufgerüstet; während auf der Vorderseite das gut ablesbare Display und Transportsteuerung übernommen wurden, wurde das einstige Knopftrio aus „Menu, Reverb und Repeat“ um die Buttons für „Speed“ (Geschwindigkeitsänderung im Playback) und „Finder“ (Fileverwaltung) erweitert. Auch auf der Rückseite wurde nachgelegt: Weggefallen ist (aber nur augenscheinlich) der „Mic Type“-Wahlschalter, dafür gibt es jetzt – neben „Limiter/AGC“, „Low Cut“ und „Mic Gain“ auch Schalter für „Hold“ und „Plug-In Power“. Mit dem Hold-Button werden sämtliche anderen Bedienelemente (mit Ausnahme die auf der Rückseite) blockiert, während über „Plug-In Power“ auch weiterhin zwischen Dynamik- und Kondensator-Mikrofon ausgewählt werden; anderer Name, dasselbe Ergebnis.

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Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    ich hab das teil seit einiger zeit und kann mich dem test anschließen!

    nutze es hauptsächlich für proberaummitschnitte
    da ist das mikro zwar an der grenze (sehr laute metalband) aber mit gain auf 1 (von 100) geht das auf jeden fall ohne übersteuern (im gegensatz zum zoom h2)

    und für athmos geht das teil auch sehr gut

  2. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Der R09 ist zwar nicht schlecht. Aber für 195,- gibts den Zoom H2. Von der nicht ganz so hochwertigen Kunststoffwahl abgesehen, bietet er von allen niederpreisigen Recordern das beste Preis-/Leistungsverhältnis. Allein der 4 Kanal Modus des H2 ist genial. Dafür, dass der R09 150 EUR mehr kostet, bietet er weder klanglich noch auf der Feature Liste entscheidend mehr. Kauft den H2.

  3. Avatar
    AMAZONA Archiv

    also das stimmt fast…aber für laute proberäume ist der zoom h2 halt nicht geeignet weil er zu schnell übersteuert und bei lauten lautstärken überfordert ist…ich hab ihn deswegen verkauft und mir den edirol geholt, beim das jetzt gut funzt

  4. Avatar
    AMAZONA Archiv

    Ich besitze den Edirol sowie auch den Olympus LS10. Ich muss mich über die Testergebnisse sehr wundern. Das Hintergrundrauschen ist beim Edirol nach meinen Erfahrungen hoch, viel höher als bei Konkurrenzprodukten. Daher kann ich mich der positiven Klangnote nicht anschließen. Bei ähnlichem Preis hat der Edirol weder bei Klang noch Handhabung oder Verarbeitungsqualität eine Chance gegen den Olympus LS10 – der wird aber beschrieben als nicht robust genug für den Profi-Einsatz, und wegen fehlenden XLR-Buchsen kritisiert. Die Tester scheinen sehr unterschiedliche, subjektive Eindrücke von den Geräten zu haben, daher erscheinen mir die Testergebnisse als wenig aussagekräftig.

  5. Profilbild
    m.steinwachs RED

    Ich hatte den Edirol im Test unter anderem eine Woche mit auf der Games Convention in Leipzig, wo ich für einige Radiosender der ARD unterwegs war. Dort war er täglich im Einsatz, die Ergebnisse waren alle sendetauglich – von einem Hintergrundrauschen habe weder ich noch die TonIngs in den Sendestudios irgendetwas mitbekommen. Auch die Handhabung hatte sich in der Praxis gut bewährt, selbst im dichtesten Gedränge und unter Zeitdruck (etwa bei einem Interview mit dem Leipziger OB in einer vollen Messehalle) ließ sich das gut mit einer Hand bedienen. Insofern bleibe ich bei meiner Note und kann die Beobachtungen in Bezug auf Rauschen oder schlechter Bedienung nicht bestätigen. Und – dass Testergebnisse natürlich immer auch subjektiv sind, ist wohl klar. Wir hören alle anderes, haben einen anderen Background und andere Erfahrungen und Vorlieben – 100% Objektivität wird es da nie geben.

  6. Profilbild
    monokit

    Ich hab auch das R09-HR und damit schon Aufnahmen eines live gespielten Pianos gemacht. Das Ergebnis ist sehr hörenswert und ohne Rauschen.

  7. Profilbild
    AMAZONA Archiv

    Knackst der R 09 auch bei einer Pegeländerung während der Aufnahme per Fernbedienung ?

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