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Test: ESP LTD BARITONE ARCTIC METAL, 7-Saiter E-Gitarre

2. November 2021

Cooles Design und höllisch heiße Sounds

Wow, das ist ein ungewohnter Anblick, der sich mir beim Öffnen des Kartons bietet. Eine schnörkellose Metal-Schönheit mit 7 Saiten in strahlendem Weiß. Die ESP LTD BARITONE ARCTIC METAL ist zweifelsohne eine Gitarre für die ganz harten Jungs. Ob die wohl der Versuchung einer weißen Gitarre erliegen können? Oder wird ihr das Schicksal zuteil, ein Nischendasein im Koffer eines Gitarristen einer White Metal Band zu fristen? Und wer räumt jetzt hier mal die Kiste mit den Vorurteilen auf? Ich? Ooops. Also los!

LTD Baritone Arctic Metal Front

Weiße Schönheit mit böser Attitüde: Die ESP LTD Baritone Arctic Metal

LTD BARITONE ARCTIC METAL – Facts & Features

Wenn man wie ich nicht täglich mit 7-saitigen Gitarren hantiert, fällt beim ersten Halten der Gitarre natürlich sofort der mächtige Hals auf. Erfahrene 7- und 8-Saitenkünstler werden hier natürlich nur müde lächeln. Durch dieses veränderte Handling wirkt die Gitarre aber natürlich erstmal klobig und schwer. Eine erste Kontrolle an der Kofferwaage vermeldete aber sofortige Entwarnung, 3,5 kg empfinde ich angesichts der Masse, die man gefühlt in der Hand hält, nicht als übergewichtig. Der Korpus im Strat-Stil besteht aus Erle, der durchgehende Hals mit seinen 24 Edelstahl X-Jumbo-Bünden auf einem nahezu schwarzen Griffbrett aus Ebenholz dagegen wird aus Ahorn gefertigt. Eine fast schon klassisch zu nennende Kombination aus Hölzern, die sich vielfach bewährt hat. Der Korpus ist an der Oberseite, wo es sich der rechte Unterarm des Spielers gern bequem macht, leicht geformt, die Rückseite verfügt über einen etwas stärker ausgeprägten Corona-Fettschürzen-Spoiler. Die Korpuskanten dagegen sind nicht so stark verrundet, wie man es von einer Strat kennt, das gibt der Gitarre im Zusammenspiel mit der mattweißen, erstklassig ausgeführten Lackierung einen edlen, futuristischen Touch. Dazu trägt auch das Shaping im unteren Korpushorn bei, das die Bespielbarkeit der LTD Baritone Arctic Metal in den hohen Lagen verbessern soll. Der Übergang zwischen Korpus und Hals ist fließend, wie man es von Konstruktionen mit durchgehenden Hälsen kennt und schnell zu schätzen lernt. Mal wieder sind keine Security-Locks verbaut, die ein versehentliches Lösen der Gitarre vom Gurt verhindern würden. Schade, in dieser Preisklasse sollte das obligatorisch sein.

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LTD Baritone Arctic Metal Back

Auch die Rückseite wird vom arktischen Weiß dominiert

Die Mensur der Gitarre entspricht der einer Bariton-Gitarre mit 686 mm, dies dürfte dem Klangverhalten im Bassbereich deutlich zuträglich sein. Die Kopfplatte mit ihrem Reversed-Headstock ist leicht nach hinten abgewinkelt und trägt die 7 Locking-Tuner aus eigenem Hause. Der Übergang zur Kopfplatte wird durch einen Holzkragen stabilisiert. Eine weiße Kunststoffplatte mit dem „Arctic Metal“-Logo verschließt den Zugang zur Trussrod, der LTD-Schriftzug, ebenfalls aus Kunststoff, klebt auf dem Lack und wirkt edel dreidimensional. Allen 7 Saiten einen geraden Saitenverlauf hinter dem Sattel zu ermöglichen, dürfte aus Platzgründen schwierig zu realisieren sein, deshalb läuft auch tatsächlich nur die G-Saite wirklich gerade zum Tuner, alle anderen fächern sich etwas auf. Bei einer Gitarre ohne Vibratosystem ist das allerdings nicht wirklich dramatisch. „Wozu dann aber die Locking-Tuner?“ höre ich den einen oder anderen fragen. Ganz einfach, Locking-Tuner verkürzen die Zeit beim Saitenwechsel erheblich und je weniger Windungen auf den Schaft gewickelt werden, desto stimmstabiler ist die Gitarre, auch bei Non-Vibrato-Gitarren. Die Werksbesaitung erfolgt mit D’Addario XL110-7 Saiten (.010/.013/.017/.026/.036/.046/.059). Das Griffbrett und die Kopfplatte sind von einem mattschwarzen Bindung eingerahmt, in das phosphoreszierende Side-Dots eingelassen sind. Weitere Bundmarkierungen auf dem Griffbrett gibt es nicht.

Folgen wir den Saiten zurück über den Kunststoffsattel und die komplette Länge der Bariton-Mensur, treffen wir am anderen Ende auf eine schnörkellose, schwarze Stegkonstruktion von Hipshot, die die Saiten durch den Korpus führt. Auf der Rückseite der Gitarre sind dementsprechend Hülsen ins Holz eingelassen, um die Ballends der Saiten aufzunehmen. Auf der Rückseite befinden sich dann auch noch zwei ins Holz eingelassene Abdeckplatten, die den Zugang zur Elektronik und zur Batterie ermöglichen.

LTD Baritone Arctic Metal – spartanische Elektronik

Moment mal. Eine Batterie? Ja klar, denn die LTD Baritone Arctic Metal ist zwar mit nur einem, dafür aber aktiven Humbucker ausgerüstet und der möchte nun mal über eine Batterie gespeist werden, sonst überträgt er nichts. Ein klarer Fall für die Puristen-Polizei, nach deren Ansicht gehören Batterien in Taschenlampen und haben in Gitarren nichts zu suchen. Dass aktive Pickups aber durchaus auch ihre Vorzüge haben, beweist die Firma EMG immer wieder aufs Neue und auch andere Hersteller, wie zum Beispiel Fishman, setzen immer mehr auf die kristallklaren Eigenschaften der aktiven Schwingungswandler. Nun, diese Diskussion ist wahrscheinlich so alt wie der erste aktive Pickup und darf an dieser Stelle gern in den Kommentaren ausgetragen werden. Fakt ist, dass sich die EMG Pickups gerade in der Metal-Szene größter Beliebtheit erfreuen. Also Batterie ist Pflicht. Eine Klangregelung sucht man auf der LTD Baritone Arctic Metal allerdings dann vergebens, dafür ist der Volume-Regler aber als Push-Pull-Poti ausgelegt und splittet bei Bedarf den Humbucker zum Singlecoil. Das vom EMG 81-7H Pickup erzeugte Signal wird also ohne große Umwege direkt auf die in der unteren Zarge verbaute Klinkenbuchse geschickt und ist bereit, die Verstärker dieser Welt zum Brüllen zu animieren. Doch zunächst will die White Lady noch zum Trocken-Check.

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LTD Baritone Arctic Metal EMG

Die spartanische Ausstattung trägt viel zur exklusiven Optik der LTD Baritone Arctic Metal bei

Die LTD Baritone Arctic Metal in der Praxis

Wegen des überraschend geringen Gewichts der Gitarre, der langen Mensur und der zahlreichen Locking-Tuner an der Kopfplatte, ist eine gewisse Kopflastigkeit des Instruments zu befürchten. Und richtig, legt man sich die Gitarre auf den Schoß, tut man gut daran, die Hände am Instrument zu lassen. So ergonomisch die Korpusform auch ist, die Kopfplatte zieht das komplette Instrument unerbittlich gen Erdmittelpunkt. Das ist zwar physikalisch sicherlich faszinierend, aber doch recht nervig, wenn man die Gitarre im Studio oder während der Probe auf dem Schoß bedienen möchte und mal eben die Hand zum Mischpult oder zum Verstärker ausstreckt. Am Gurt verliert sich das Phänomen deutlich, hier hängt die Gitarre ausgewogen und gerade vor der Killerplauze. Trocken angespielt zeigt die LTD Baritone Arctic Metal bereits ihre Stärken: straffe, differenzierte Bässe, ein sattes Mittenspektrum und angenehme, zurückhaltende Höhen. Die Bespielbarkeit der Gitarre ist dank des extradünnen U-Profils und des Griffbrettradius von 400 mm exzellent in allen Lagen. Selbst die tiefe H-Saite ist bis zum 24. Bund bespielbar, hier stören eher meine dicken Finger, als irgendwo überstehendes Material. Sehr gut! Bezüglich der generellen Verarbeitung der Gitarre gibt’s  nichts zu meckern, die Bundkanten sind vorbildlich verrundet, lediglich der Sattel ist beim Testmodell nicht ganz sauber mittig eingesetzt und ragt ein kleines bisschen in Richtung der hohen E-Saite über das Griffbrett hinaus. Da ich das nicht als generellen Mangel der Serie ansehe, sondern von einem einmaligen Versehen ausgehe, darf das nicht negativ in die Bewertung eingehen. Wer solch ein Instrument geschickt bekommt, wird es reklamieren. Koreanische günstige Fertigung macht sich eben doch irgendwann das eine oder andere Mal bemerkbar. Schreiten wir zum Sound der LTD Baritone Arctic Metal.

So klingt die LTD Baritone Arctic Metal

Eine solch moderne, spezielle Gitarre bekommt natürlich auch ein modernes, spezielles Umfeld zum Test. Gerade eine 7-Saiter E-Gitarre benötigt bezüglich der tiefen Frequenzen ein gesondertes Ohr. Deshalb entscheide ich mich während des Tests, die Soundfiles über das Neural DSP Gojira Plug-in einzuspielen. Dieses Plug-in hat im Test nahezu ausschließlich Pluspunkte eingeheimst und besticht durch die hohe Qualität bei extrem verzerrten Gitarrensounds und die klare, kompromisslose Wiedergabe der spielerischen Feinheiten des Users. Ich beginne wie immer mit einem cleanen Sound und schalte mich durch die beiden Soundoptionen, die das Push-Pull-Poti bietet. Sofort fällt die für Humbucker typische Kompression auf, der EMG Pickup überträgt knallhart und ohne Rücksicht auf Verluste. Die Höhen halten sich im Humbucker-Betrieb angenehm zurück, treten aber dann im Split-Betrieb umso stärker hervor. Besonders beeindruckend ist der Sound, wenn man einen modernen, effektbeladenen Sound ins Boot holt.

Clean ist natürlich nicht unbedingt die Paradedisziplin solch einer Gitarrenkonstruktion. Die will kesseln in den Ohren und drücken im Gesicht. Deshalb schauen wir mal, was das Gojira Plug-in noch an bösen Sounds im Angebot hat. Zunächst folgt ein angezerrter Sound, der wunderbar mit dem EMG Pickup korrespondiert. Vor allem der gesplittete Humbucker weiß hier zu überzeugen. Der unvermeidliche Highgain-Rhythmus-Sound folgt, abgerundet wird das Klangbild mit einem Leadsound, der sich reichlich an der Effektpalette bedient. Die Gitarre wirkt mächtig im Bass, dabei immer aufgeräumt und selten matschig, aber immer ehrlich und nie beschönigend.

 

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Fazit

Die LTD Baritone Arctic Metal will böse klingen. Dafür wurde sie konstruiert und dieses Ansinnen gelingt ihr vortrefflich. Der EMG-Pickup ist dabei der kongeniale Partner bei der Tonwandlung, er überträgt die Stärken der Konstruktion sauber und ohne Kompromisse. Diese Gitarre macht Spaß und ein kleines bisschen süchtig. Die Optik ist in meinen Augen grandios gelungen, würde ich Metal spielen, wäre diese Gitarre Teil meiner Sammlung. Angesichts des Preises von rund 1.200 Euro gibt das ein klares „Sehr gut“ meinerseits.

Plus

  • Bespielbarkeit
  • Sound
  • straffe, definierte Wiedergabe von Highgain-Sounds
  • Optik

Minus

  • Kopflastigkeit
  • keine Security-Locks im Lieferumfang

Preis

  • 1.179,- Euro
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