Test: Hagstrom, F200 TC, E-Gitarre

Die Kopfplatte war bei allen Hagstrom Gitarren schon immer etwas Besonderes, eine Tradition, welche sich auch bei der F 200 nahtlos fortsetzt. Der leicht nach hinten gewinkelte, angeschäftete Headstock verfügt über die leicht ausladende, charakteristische Form, welche allen Hagstroms obliegt. Schwarz lackiert und mit Perloid (oder vielleicht doch Perlmut….) eingefasst kommt sie sehr schmückend daher und sticht aus dem ansonsten sehr schlicht gehaltenen Layout deutlich heraus. Zudem wurde eine stilisierte Lilie zwischen den Stimmmechaniken eingelegt. Sechs Mechaniken, welche dem Außenrand der Kopfplatte folgen, bilden eine weitere optische Eigenart der Hagstrom Gitarren. Die Stimmwirbel erscheinen in drei aufeinander liegenden Wellen, welche in einem Verhältnis von 18:1 laufen. Eine kleine Plastikkappe verdeckt den Eingang zu einem hauseigenen Patent, dem H-Trussrod, einem speziellen Halseinstellstab, welcher aufgrund seiner Formgebung über höhere Verwindungssteifheit als der klassische Rundstab verfügen soll.
Die Mensur ist mit 24,74 Inch angegeben und mit den daraus resultierenden 62,83 cm ganz im Sinne der Gibson Tradition als klassische Shortscale Gitarre zu verstehen. Eine weitere Besonderheit ist das Griffbrett der Gitarre. Von vielen aufgrund von Farbgebung und allgemeinem optischen Erscheinungsbild fälschlicherweise als Ebony interpretiert, handelt es sich um eine hauseigene Erfindung, dem Resinator Griffbrett. Hierbei handelt es sich um mehrere unter Vakuum gegeneinander verleimte Holzblätter, welche über ein gutes Schwingungsverhalten verfügen und Deadspots minimieren sollen.

Als Griffbrettmarkierungen wurden Dots genommen, als Bunddrahr gelangte eine in Höhe und Breite mittelstarke Variante zur Anwendung. Der Sattel ist aus selbst-schmierendem Grafit gefertigt und minimiert so die Reibung der einzelnen Saiten. Die Brücke der F 200 ist mit sechs einzeln verstellbaren Reitern versehen und mittels zwei Schlitzschrauben in Höhe und Neigungswinkel einstellbar. Etwas ungewöhnlich ist das so genannte Block Stop Tailpiece, welches die Saiten in zwei versetzten Dreierreihen zur Brücke leitet. Dieses Tailpiece liegt nochmals auf einem Plexiglas Aufsatz auf, welcher zusammen mit einer relativ großen Chromabdeckung mittels zweier Schrauben auf der Decke der Gitarre verschraubt ist. Eine eher ungewöhnliche Detaillösung, jedoch könnte die somit deutlich größere Auflagefläche zu einer Erhöhung des Sustainverhaltens beitragen. Als Tonabnehmer kommen zwei Custom 60 Alnico 5 zum Einsatz, welche einen etwas höheren Output und einen stärkeren Höhenanteil als der Custom 58 aufweisen. Beide Tonabnehmer sitzen in schwarzen Rähmchen und sind mit je einer Schraube pro Seite justierbar. Die Ausgangsbuchse ist wohl das einzige Merkmal, das an eine Fender-typische Trademark erinnert, handelt es sich doch hierbei um die versenkte Ausführung, welche bei der Stratocaster zu Weltruhm gelangte. Ein Mastervolume- und ein Mastertonregler zuzüglich eines Dreiwegschalters runden das Gesamtbild des Instrumentes ab.

Praxis:

Was einem zunächst in die Augen, respektive Hände beim Erstkontakt fällt, ist der ungewöhnlich stark D-förmige Hals des Instrumentes. Gegenüber dem erwarteten SG Ansatz fährt die F 200 eine völlig eigenständige Schiene. Ich hatte ein eher traditionelles Shaping mit ausgeprägteren Schultern erwartet, statt dessen kommt die Schwedin mit recht modernem, geradezu kräftigem skandinavischen Handling daher. Sowohl das Akkordspiel als auch das Solospiel lässt sich auf diesem Hals problemlos realisieren. Respekt. Das zweite, das nahezu alle Soundnuancen des Instrumentes unterstreicht, ist das ausladende Sustain. Es hat wirklich den Anschein, als ob die im Prospekt mehrfach erwähnte Hinführung zur Schwingungsoptimierung in Sachen Stegkonstruktion und Griffbrettherstellung ihren Sinn erfüllt haben. Jede Note hat einen gleichlauten Ansatz und „verreckt“ nicht in einer konstruktionsbedingten Auslöschung. Alle Töne haben zudem für eine Pure-Mahagony Konstruktion eine unerwartet hohe perkussive Grundauslegung. Funkige Sechzehntel und perlige Pickings lassen sich trotz der mittenlastigen Mahagoni Konstruktion sehr gut umsetzen. Unterstützt wird dies nochmals durch die Custom 60 Pickups, denen man tatsächlich eine gewisse Eigenständigkeit attestieren muss. So wussten die Spulen gerade im cleanen Bereich mit einem Hauch von mangelnder Wärme sehr zu überzeugen, auch im Crunch Bereich konnte die F 200 mit einem hohen Durchsetzungsvermögen punkten. Lediglich im High-Gain wurde schnell klar, dass diese Gitarre ein anderes Spektrum bedient. Trotz der sehr guten Sustain Eigenschaften blieb die Kompression des Tons nur im Mittelfeld, was aber wie gesagt kein Problem darstellt, da die Ausrichtung der Gitarre eine völlig andere ist. Mit einer Gretsch spielt ja auch kein Mensch Metal, oder?

Fazit

Schau an, Hagstrom gelingt es tatsächlich, in der unendlichen Fülle des Marktes eine eigene Nische zu besetzen. Klanglich schafft es die F 200 einer klassischen Humbucker-Konstruktion einen Hauch von „Single-Coil“ zu spendieren, noch dazu zu einem sehr moderaten Preis. Lasst euch nicht von der unscheinbaren Roten in der Ecke täuschen, optisch mag es für den Einen oder Anderen exaltierten Heatseeker an Esprit fehlen, akustisch weiß der Schwedenhappen aber als Allrounder für Pop, Rock und Blues durchaus zu überzeugen.

Plus

  • schlicht und effektiv
  • Sustain
  • Bespielbarkeit
  • Preis-Leistungsverhältnis

Preis

  • UVP: 435,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Avatar
    AMAZONA Archiv

    weisse Schrift auf schwarzem Grund, das muss doch wirklich nicht sein, wir sind doch alle älter als 16…. trotzdem hat mir der Artikel gefallen. Für alle mitleidenden MacUser Control, Badewanne Apfel 8 invertiert die Farben :-)

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