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Test: Heritage Guitar H-150 VCSB, E-Gitarre

31. Januar 2021

In Kalamazoo brennt noch Licht!

Heritage Guitar H-150 VCSB

Heritage Guitar H-150 VCSB

Für viele Spieler der wohl berühmtesten Singlecut der Welt gelten die Paulas von Heritage Guitar aus Kalamazoo als die bessere Wahl im Vergleich zum Original von Gibson. Zur Erinnerung: Die Firma Heritage entstand 1985 aus ehemaligen Mitarbeitern von Gibson, die ihr gewohntes Lebensumfeld nicht aufgeben wollten, um den Weg zum neuen Gibson-HQ in Michigan/Tennessee anzutreten. So blieb eine Handvoll Gitarrenbauer in den ehemaligen Fabrikhallen zurück und fertigt seit dem in Kleinserien u. a. ihre eigene Variante der guten alten Les Paul. Dabei hält man sich streng an das Original, bis auf die etwas veränderte Kopfplatte ist eine Paula von Heritage rein optisch nicht von einer Les Paul aus dem Hause Gibson zu unterscheiden. Die Unterschiede scheinen wohl in kleinen, aber feinen Details zu liegen, denn nur so erklärt sich die Beliebtheit der Heritage-Instrumente unter den Kennern und Liebhabern dieses Typs Gitarre. Ob nun auch die Heritage Guitar H-150 VCSB diese Attribute besitzt, werden wir im folgenden Review klären.

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Les Paul Alternative – Heritage Guitar vs Gibson

Die Zutaten sind bekannt und bewährt. So wie die Paula von Gibson selbst bedient sich auch die Heritage Guitar H-150 VCSB an den bewährten Zutaten für Korpus und Hals. Basis bildet also ein zweiteiliges Stück Mahagoni, auf das eine geriegelte Ahorndecke aufgeleimt wurde. Das Modell H-150 gibt es in verschiedenen Farben, das Finish unseres Testinstruments trägt die Bezeichnung VCSB für „Vintage Cherry Sunburst“, erhältlich ist die Gitarre darüber hinaus noch in weiteren Sunburst-Lackierungen oder einfach nur in schlichtem Schwarz. Das jedoch in verschiedenen Zuständen, denn neben Hochglanzlackierungen sind einige der angebotenen Modelle auch in einem Aged-Finish zu bekommen und genau ein solches besitzt auch unser Testinstrument. Zum Glück wurde aber mit diesen „künstlich zugefügten Abnutzungserscheinungen“ nicht zu sehr übertrieben, lediglich der Lack wirkt etwas stumpf, von tiefen Kratzern oder gar fehlenden Holzstücken blieb unsere Gitarre verschont. Sie wirkt einfach so wie eine gut erhaltene Paula, die schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, aber dabei stets pfleglich behandelt wurde.

Komplett neu hingegen erstrahlt die Hardware  mit ihrer frischen Chromschicht, bestehend aus dem klassischen Steg/Tailpiece Konstruktion, den Kappen für die Pickups und den Mechaniken an der Kopfplatte, die Grover dem Instrument beisteuert.

Heritage Guitars Paula – Mahagonihals & Humbucker

Wie gewohnt wird die fein geriegelte Decke von einem cremefarbenen Binding umrandet, das sich an den Rändern des Griffbretts fortsetzt. Dicke, trapezförmige Inlays aus Perlmutt, eingesetzt in ein Palisandergriffbrett, weisen den Weg auf dem Hals, der absolut sauber zusammen mit dem Korpus verleimt wurde, aus einem Stück Mahagoni besteht und wie gewohnt 22 Bünde zur Verfügung stellt. Einer der wichtigsten Punkte einer gut verarbeiteten E-Gitarre stellt ja bekanntlich die Bundierung dar, an dieser kritischen Stelle darf einfach nichts überstehen, pieksen oder etwa schleifen. Die Bünde der Heritage Guitar H-150 VCSB wurden perfekt eingesetzt, an den Kanten auf beiden Seiten des Griffbretts sauber abgerichtet und auf ihren Oberflächen blitzblank poliert, da gibt es überhaupt nichts zu kritisieren.

Erfreulich schlank zeigt sich das Halsprofil, sicherlich nicht vergleichbar mit den Flachbrettern der modernen Metal-Maschinen, aber auch nicht zu sehr ausgeprägt, wie sie ja beim Original in diversen älteren Jahrgängen gerne verbaut wurden. Und damit kommen wir zur nächsten kritischen Stelle, nämlich der Lackierung der Halsrückseite. Auch hier wieder die Frage: Klebt es, oder klebt es nicht? Die einfache Antwort lautet: Nein, es klebt ganz und gar nicht, selbst bei feuchter Greifhand zeigt sich der verwendete Nitrolack äußerst resistent gegen das gefürchtete Ankleben der Greifhand, das schon so manchem den Spaß an der Sache verdorben hat. Mich inbegriffen.

In der Form der Kopfplatte unterscheiden sie sich

Gitarre Ausstattung: H-150 VCSB – Hardware & Pickups

Die Tune-o-Matic Brücke sowie das Tailpiece stammen von Tone Pros. Beide Teile, ich erwähnte es bereits, wurden keinem „Aging“ unterzogen, sondern strahlen mit einer frischen, dicken Chromschicht, die sich sicher über viele Jahre gegen aggressiven Handschweiß und sonstige Witterungseinflüsse behaupten sollte. Bei den Tonabnehmern setzt Heritage Guitar  bei der H-150 VCSB auf die Erzeugnisse aus dem Hause Seymour Duncan, hier in Form von zwei ’59 Humbuckern, die wie erwartet über den Dreiwegeschalter im oberen Teil des Korpus sowie je einen Volume- und Tone-Regler ausgewählt bzw. gesteuert werden.

Grundsätzlich arbeiten die Potis gut, sie laufen weich auf ihren Achsen und besitzen zudem so gut wie kein Spiel. Allerdings fällt auf, dass die beiden Volume-Regler nicht ganz „schließen“  bzw. beim Herunterregeln zwar den Sound verstummen lassen, dafür aber ein unschönes Brummen im Signal hinterlassen. So ist es zumindest bei unserem Testinstrument der Fall. Gut möglich, dass es sich hier um einen Einzelfall handelt, was die Serienproduktion nicht betrifft. Unschön ist es aber allemal und bei einem Instrument dieser Preisklasse sollte das eigentlich nicht vorkommen, wir reden hier immerhin über ein Instrument knapp unter der 3000 Euro Schallgrenze.

Heritage Guitar H-150 VCSB Seymour Duncan

Heritage Guitar H-150 VCSB Seymour Duncan ’59 Pickups

Das ist der Sound der Heritage Les Paul H-150

Akustischer Grundsound/Handling

Wenn man die Fans und Spieler der Les Paul danach befragt, welche besonderen Merkmale sie an ihrer Gitarre schätzen, fällt die Antwort oft recht eindeutig aus. An erster Stelle fällt hier der Begriff „Sustain“ und mit dieser Eigenschaft kann auch die Heritage Guitar H-150 VCSB mehr als genug dienen. Sie ist ein wahres Monster diesbezüglich, aber auch die übrigen Werte können sich durchaus sehen bzw. hören lassen. So besitzt ihr Grundsound ein schönes farbiges Obertonspektrum, wirkt kräftig im Mittenbereich und glänzt zudem mit einem seidigen Höhenspektrum. Beste Voraussetzungen also, um sich überall gut durchsetzen zu können.

Die Bespielbarkeit ab Werk könnte kaum besser sein, das Testinstrument erreichte uns mit einer perfekt eingestellten Saitenlage und dank der griffigen Halsrückseite und des nicht zu klobigen Halsprofils ergibt sich ein sehr angenehmes Spielgefühl auf der vollen Länge des Halses. Leben muss man allerdings auch hier wieder mit einem recht hohen Gewicht, da steht die Heritage-Paula ihren Brüdern und Schwestern von Gibson in nichts nach.

Elektrischer Sound

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Nicht jeder Pickup funktioniert in jeder Gitarre, ich habe schon Modelle mit dem ’59er Humbucker von Seymour Duncan gespielt, die mit dem Grundsound so ihre Mühe hatten. Das ist hier absolut nicht der Fall, die beiden Pickups passen wie die berühmte Faust aufs Auge zur Grundkonstruktion der Gitarre und portieren den Grundsound nahezu perfekt an den Amp. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings, denn so ganz ohne Nebengeräusche scheinen sie nicht auszukommen, je nach Stärke der Verzerrung ist ein leichtes Brummen im Signal feststellbar. Nicht übermäßig, aber dennoch hörbar. Bei hohen Gain-Settings verstärkt sich dieser Effekt naturgemäß, obwohl die beiden ’59er durchaus auch mit hoher Verzerrung gut umzugehen wissen und den Klang trotzdem sauber und differenziert halten.

Überraschend und unerwartet gut zeigt sich ihr Klangverhalten bei den Clean-Sounds, die nicht zu stark mittig klingen und die weichen Höhen und den obertonreichen Grundsound der Gitarre erstaunlich gut rüberbringen. Klar, für Funk reicht es natürlich nicht, aber Akkorde und Pickings klingen sehr ausgewogen und zur Not kann man die Strat oder die Tele dafür auch mal in der Ecke stehen lassen.

Heritage Guitar H-150 VCSB – Klangbeispiele

Für die Klangbeispiele habe ich die Heritage-Paula zusammen mit meinem Orange Micro Dark Amp verwendet. Der MD war verbunden mit einer 1×12″ Celestion Vintage 30 Box und wurde abgenommen von einem AKG C3000 Mikrofon. Effekte wurden wie immer keine benutzt.

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Fazit

Eine wirklich tolle Les Paul, die uns Heritage mit der H-150 VCSB bietet! Die Verarbeitung ist perfekt gelungen, sieht man einmal von dem Fehler in der Elektronik ab, die vielleicht sogar nur unser Testinstrument betrifft. Ansonsten aber herrscht eitel Sonnenschein in Form einer exzellenten Bespielbarkeit und einem Klang, der die Les Paul schon seit so vielen Jahren so berühmt und beliebt macht!

Plus

  • sehr gute Verarbeitung
  • ikonischer Les Paul Sound
  • fettes Sustain
  • obertonreicher Klang

Minus

  • Volume-Regler "schließen" nicht korrekt

Preis

  • 2666,- Euro
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Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    bagotrix

    Zwei kleine Anmerkungen darf ich loswerden:

    „…, bis auf die etwas veränderte Kopfplatte ist eine Paula von Heritage rein optisch nicht von einer Les Paul aus dem Hause Gibson zu unterscheiden. “

    Bei genauem Hinsehen ist der Korpusumriss auch nicht ganz gleich. Relativ deutlich ist das noch beim unteren Cutaway, wo das Horn ein Stück kürzer ist als bei Gibson und weniger spitz zuläuft, auch ist die Rundung der oberen Schulter einen Hauch flacher und die Taille dadurch weniger ausgeprägt.

    Der andere Punkt ist die Hardware – die „frische Chromschicht“ ist keine, sondern Nickel, zumindest nach Angabe des Herstellers.

    Inhaltlich kann ich mich aber nur anschließen, tolle Gitarren mit einem reellen Preis-/Leistungsverhältnis für eine US-Gitarre dieser Bauart und Qualitätsklasse.

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