Test: Epiphone Prophecy Les Paul, E-Gitarre

1. Dezember 2020

Prophecy trifft auf Fishman Fluence - Epiphones neue Serie!

Test: Epiphone Les Paul Prophecy, E-Gitarre

Dass Epiphone mit der Prophecy Serie eine paar echte Neuheiten präsentieren, haben wir euch bereits gezeigt. Man muss in seiner Euphorie vorsichtig bleiben, denn solche Neuankündigungen einer komplett neuen Reihe bedürfen einer gewissen Berechtigung. Um ihrer selbst willen auf den Markt geworfen, geht die Gleichung in den seltensten Fällen auf – und Epiphone hat durchaus in der Vergangenheit zu den Firmen gezählt, die der Meinung waren: Hauptsache Output. Eine klare Vision ist definitiv von Vorteil.

Die Prophecy Reihe soll vor allem einer Sache Rechnung tragen: Die aktiven Fishman Fluence Tonabnehmer treffen auf gewichtsreduzierten Korpus nach Gibson-Vorbild. Rechtfertigt das gleich eine neue Reihe? Ein bisschen schon, denn wie wir sehen werden, besitzt die Prophecy einige tolle Eigenschaften. Hier soll Spielkomfort und Flexibilität geboten werden: Die vielen Möglichkeiten der Fishman Fluence Pickups sollen ausgeschöpft und das traditionelle „Feel“ beibehalten werden. Wir schauen uns genau an, ob das gelingt.

Epiphone Prophecy Les Paul – Mahagoni & Ebenholz

Die Prophecy Serie kommt in vier Ausführungen – Les Paul, Extura, SG-Modell und V-Modell. Für das vorliegende Review verfahren wir traditionell und testen das Les Paul Modell. Der Mahagoni-Korpus ist mit hartgeschnitzter Ahorndecke besetzt, die in bester Flamed-Furnier-Optik daherkommt. Wenn Epiphone eins raus haben, dann ist es, ihren Gitarren diesen formidablen ersten Eindruck zu verpassen. Die AAA-Flame-Tops lösen wohlige Assoziationen aus und man möchte das gute Stück automatisch anfassen. Was zur ersten echten Überraschung führt: In der Tat meinen die das ernst mit „Weight Relief“: Die Gitarre sieht um ein Vielfaches massiver aus als sie ist. Das Mahagoni ist dabei nicht im „Traditional Weight Relief“ mit neun großen, von der Ahorndecke bedeckten Löchern ausgestattet, sondern im modernen Sinne mit mehreren kleineren und elliptischen Löchern.

Test: Epiphone Les Paul Prophecy, E-Gitarre

Das Material am Hals ist ebenfalls Mahagoni. Das cremefarbene Binding schließt am Sockel ein bisschen schlampig auf und verströmt leider den Touch von Massenanfertigung. Ich bin bei Epiphones auch schon eines Besseren belehrt worden – aber der „unplugged“ Sound mutet schon mal ordentlich nasal an. Dürfte sich jedoch mit den aktiven Fishman Humbuckern erübrigen, die hier maßgeblich für das Toneshaping verantwortlich sein werden. Der Hals ist ein asymmetrischer SlimTaper und mit einem Griffbrett aus Ebenholz ausgestattet – 24 Bünde, Ausführung Jumbo-Fret. die sich am Halsende auf eine Breite von 57,35 mm einpendeln. 12,01 Zoll breit ist der Radius von Griffbrett und besitzt also das typische, griffige Singlecut-Feeling. Der Graphtech NuBone Sattel ist vom Reaktionsverhalten der Schwingungen sehr nahe an den beliebten TUSQ, aber auch hier die etwas „günstigere“ Variante.

Test: Epiphone Les Paul Prophecy, E-Gitarre

 

Epiphone Prophecy – Humbucker, Hardware & Elektronik

Wie eingangs erwähnt – die Idee hinter der Prophecy Reihe ist es, das Ausschöpfen der Fishman Fluence-Möglichkeiten mit einem ergonomischem und schonendem Korpus zu verknüpfen. Die Humbucker sind eingebettet und umgeben von einer „Brushed Nickel“-Optik, die meines Erachtens großartig mit der vorliegenden Olive-Variante harmoniert. Das gilt für den LockTone Tune-O-Matic-Steg wie auch für die Grover Locking Mechaniken und die Strap-Buttons. Dieses gebürstete Nickel besetzt auch die Fishman Fluence Humbucker – hat also einen etwas industriellen Touch, das Ganze. Das Truss-Rod-Cover ist mit drei Schraublöchern ausgestattet und kann ggf. entfernt werden.

Test: Epiphone Les Paul Prophecy, E-Gitarre

Die Fishman Fluence Humbucker sind batteriebetrieben. Die Epiphone Prophecy Les Paul besitzt das Batteriefach auf Gesäßhöhe – nicht ideal, vor allem weil das Fach in dem Falle für meinen Geschmack ein bisschen zu leicht aufspringt. Der Toggle-Switch ist an der gewohnten Paula-Position und wie immer dreiwegig ausgerichtet – dies jedoch in einer stabilen Bauweise. Generell wackelt hier tatsächlich nichts. Insgesamt machen die geriffelten Nickel-Regler dann doch einiges her und die Optionen, die sich hier bieten, sind nicht zu unterschätzen.

Jeder Humbucker ist mit einem Volume- und Tone-Poti ansteuerbar und jeder einzelne Regler ist mit einer Push- und Pull-Funktion ausgestattet. Wie erwähnt, besitzt jeder Fishman Fluence Humbucker drei deutlich und klar von einander abgegrenzte Voicings, die frei miteinander kombiniert werden können und insgesamt neun (!) Kombinationsmöglichkeiten in Sachen Gesamt-Voicing erlauben. Im normalen Modus ist der Humbucker im „Hot modern“-Betrieb: moderner, Gain-freudiger Sound, der dann durch die Pull-Funktion des Regler in den Vintage-Modus versetzt wird. Ein etwas rauerer, nicht ganz so glatter Sound mit mehr Mitten und generell höherem Frequenzgang. Zu guter Letzt besitzt man für beide Humbucker die Möglichkeit zum Coil-Splitting, indem man den Volume-Regler in die Pull-Position versetzt. In Kombination mit den Tone-Reglern für die Klangfarbe geht hier also einiges in Sachen Toneshaping. Insgesamt macht das Ganze den Eindruck eines Versuchs, zeitgemäße und spielerfreundliche Modelle zu präsentieren. Steht und fällt also alles mit dem Praxisteil – besteht die Epiphone diesen?

Das ist der Sound Epiphone Prophecy LP E-Gitarre

Gleich vorweg: Auch bei E-Gitarren sollte man stets einen Unplugged-Test für sich durchführen, um die Resonanz des Instruments als solche einzuschätzen. In diesem Falle ist mein Eindruck sehr zwiegespalten: Die Epiphone Prophecy Singlecut Les Paul klingt sehr nasal, sehr höhenlastig. Die Gewichtsreduktion und Aushöhlung des Korpus trägt dazu zweifelsohne bei, aber die einseitige Resonanz und das komplette Fehlen des Bottom-Ends lässt mich befürchten, dass die Fishman Fluence Humbucker mehr stemmen müssen, als sie sollten.

Test: Epiphone Les Paul Prophecy, E-Gitarre

Nichtsdestotrotz: Wir speisen die E-Gitarre in den Revv G20 und den Lunchbox-Amp in das Audient Sono. Nachbearbeitung und EQ lassen wir absichtlich außen vor, um die Vergleichbarkeit der einzelnen Voicings und ihrer Kombinationen nicht unnötig zu verwässern. Was kommt also bei der Prophecy rum?

Tatsächlich besser als erwartet – denn die Fishman Fluence Pickups machen dann doch einiges her. Man kann der Gitarre ihren höhenlastigen, nasalen Ton nicht austreiben – doch damit kämpfen viele Epiphones meines Erachtens. Sie erklingen nicht ganz so geerdet wie ihre Gibson-Brüder und -Schwestern und pressen die Frequenzgänge nicht gleichmäßig. Doch der Sound im Vintage und Modern sind jeweils klar und deutlich abgegrenzt genug: Vintage läuft um einiges heißer, reagiert empfindsamer auf Dynamik im Spiel und ist reaktiver, während Modern einen leichten Midscoop besitzt und zeitgemäßer erklingt.

Tatsächlich funktioniert die Gleichschaltung beider Tonabnehmer in Vintage meines Erachtens besonders gut. Klingt wärmer und runder als die Epiphone Pro Bucker, die bisweilen mit einem ordentlichen Kratzen kämpfen.

Wir bleiben im Vintage-Modus und schalten wieder auf den Bridge-Pickup. Diesmal nutzen wir das Tone-Poti und schalten den Humbucker in den Singlecoil-Modus. Der leichte „Twang“ und „Snap“ geht klar – er ist nichtsdestotrotz weit gefehlt von der Feinheit und Finesse eines Tele-Twangs, kommt aber glaubwürdig genug rüber und zieht meines Erachtens mit vielen Seymour Duncan Splits gleich.

Jetzt schalten wir den Zerrkanal des Revv G20 ein und schalten beide Tonabnehmer ein. Hier verwischen die Unterschiede zwischen Modern und Vintage ein wenig und sei es nur aufgrund der tiefen Frequenzlage. Der Attack der Vintage-Voicing eignet sich für abgedämpftes Riffing besser, aber die Unterschiede sind nicht frappierend.

Bei offenem und dynamischerem Spiel treten die Unterschiede eher zutage: Die Epiphone Les Paul Prophecy ist im Vintage-Bereich durchaus dreckiger und ein ordentliches Stück dynamischer und eignet sich für ein Spiel mit gleichmäßigerem Frequenzgang mehr. Knackt und keift ordentlich, wie es sein soll. Die Fishman Fluence Pickups haben hohen Output, sind nicht ganz so bass- wie höhenbetont und erinnern mich im Vintage-Modus an gewachste, singende Burstbucker.

Wir reizen die Dynamik des Vintage-Voicings in der Bridge-Position noch ein wenig aus. Meines Erachtens scheint die Prophecy Les Paul hier am ehesten: Sie klingt nicht ganz so platt wie die ProBucker und je länger ich spiele, um so mehr setzt sich ein positiver Gesamteindruck durch: Die Fluence besitzen einen Biss, der zwischen P90 und Burstbucker angesiedelt ist. Sie sind kein dynamisches Meisterstück, aber die Klangfarbe ist ausdrucksstark und erledigt den Job verlässlich.

Fazit

Die Prophecy – eine neue Epiphone-Serie mit Daseinsberechtigung. Ein glaubwürdiger Vintage-Sound und modernes Voicing werden von den Fishman Fluence Pickups gleichermaßen abgedeckt und sind vor allem beim mittleren oder niedrigen Gain ordentlich klar und deutlich von einander abgerenzt. Für den Preis gibt es also eine ordentliche Vielfalt, die jedoch am etwas nasalem Grundsound kränkelt. Doch die unterschiedlichen Voicings und das Coil-Splitting ergeben insgesamt eine gute Schnittmenge in Sachen Sound – die Prophecy kann viel, nichts herausragend, aber nichts wirklich schlecht und speziell mit dem heißlaufenden Bridge-Pickup in der Vintage-Position bisweilen richtig gut.

Plus

  • viele unterschiedliche Soundtypen
  • Weight-Relief geht nicht auf Kosten des Sustains

Minus

  • nasaler Grundcharakter

Preis

  • 899,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    ctrotzkowski  

    Hi Dimi,

    gut geschriebener Test.
    Frage: Bei den Soundbeispielen frage ich mich, warum Links und Rechts jeweils unterschiedliche Takes beinhalten. Klingt ja so recht fett, aber ist für einen Testbericht mindestens irritierend.

    Hab ich da was überlesen?

    • Profilbild
      Dimi Kasprzyk  RED

      Hey ctrotzkowski

      Ich bemühe mich bei den Aufnahmen um ein Stereo-Klangbild, um einen volleren Eindruck zu vermitteln. Die Erfahrung zeigt, dass das einmalige Einspielen einer Spur und ihre anschließende Verteilung auf L/R kein echtes Stereo-Feeling erzeugt, daher nehme ich zwei separate Takes auf. Wenn man kein Bass/Schlagzeug für das Fundament hat, können die Unterschiede der Takes manchmal ein bisschen störend zutage treten, da gebe ich dir recht.

      LG

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        Hein Schlau  AHU

        Kein Mensch käme auf die Idee, bei einem monophonen Syntheziser ähnlich zu verfahren. Mono ist bei einer Gitarre völlig OK und für realistische Klangbeispiele zwingend.

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        ctrotzkowski  

        Hi Dimi,

        hm, vollerer Eindruck ok, aber mich irritiert das sehr.

        Wie gesagt, wenn es um einen Song geht ist das Verfahren optimal, u.a. um die Gitarren aus der schon überfüllten Stereo-Mitte herauszubekommen. Handwerklich ist das synchrone Spiel auch hervorrangend gelungen.

        Aber ein Testbericht sollte ja eine möglichst unverfälschte Beurteilung zulassen – die meisten anderen Gitarren-Tester hier und anderswo halten dort alles so trocken und mono wie möglich.

        Um Gitarren aus Tests von Dir und z.B. Axel zu vergleichen (ok, andere Verstärker und Tretminen, aber das kennen wir ja schon etwas abschätzen), müßte ich meine Abhöre in beiden Fällen stark auf einen Kanal pannen – und das ist dann alles andere als eine gewohnte Abhöhrsituation ;-)

        LG Carsten

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