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Test: RME ADI-2 DAC FS, Kopfhörerverstärker / DA-Wandler

Edler Kopfhörerverstärker und DAC

22. September 2023
RME ADI 2 DAC FS test

RME ADI-2 DAC FS, Kopfhörerverstärker/DA-Wandler

2006 hatte RME Audio den ersten zweikanaligen Hi-End AD/DA-Wandler aus der ADI-2-Reihe auf den Markt gebracht und seitdem stetig verbessert. Mal geschah das eher „on the fly“ im Verlaufe einer aktuellen Produktion – wie beim hier vorliegenden Testmodell, das ab Juni 2020 mit einem ESS Chip ausgestattet wurde – mal gab es eine neue Version mit einem neuen, meist nur geringfügig geänderten Namen. Heute hier im Test habe ich den RME ADI 2 DAC FS, 2020 erschienen und 2021 leicht modifiziert. Was unterscheidet ihn vom RME ADI-2 Pro, den wir hier 2017 vorgestellt hatten? Was kann er, für wen ist es gedacht und konzipiert? Finden wir es heraus!

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Die RME-ADI-2-Familie

„Urvater“ der ADI-2-Reihe ist der RME ADI-2, der 2005/2006 erschienen war. Der 2-kanalige AD/DA-Wandler steckte in einem schwarzen 9,5 Zoll Gehäuse mit silberner Front und bot AD/DA-Wandlung von/zu S/PDIF, AES und ADAT mit bis zu 192 kHz. Die SteadyClock-Technologie von RME war bereits enthalten. Gut zehn Jahre später folgte der RME ADI-2 Pro (mit silber-blauer Front), der sich als Kopfhörerverstärker und High-End-AD/DA-Wandler erstmals auch an HiFi-Anwender richtete. Der verarbeitete nicht nur PCM-Dateien bis 768 KHz, sondern auch native DSD-Daten (Direct Stream Digital). Seine unglaubliche Feature-Dichte machte die Bedienung aber etwas undurchsichtig.

Im Januar 2018 folgte daher der RME ADI-2 DAC, konzeptionell eng verwandt, aber etwas vereinfacht, ohne integrierten A/D-Wandler (daher vermutlich auch das Kürzel „DAC“, das wohl für „Digital Analog Converter“ steht), mit „nur“ einer Kopfhörer-Amp-Sektion und noch mehr auf den HiFi-Markt zugeschnitten.

Vom Anfang 2018 erschienenen RME ADI-2 DAC FS gab/gibt es drei unterschiedliche Versionen, die sich jeweils durch den DA-Converter /Wandlerchip unterscheiden. So wurde in der ersten Version (von Januar bis November 2019 im Handel) der AKM AK4490 verbaut, in der zweiten (Dezember 2019 bis Juni 2021) der AKM AK 4493 und im aktuellen Modell ADI-2 DAC FS (ESS) der ES9028Q2M von ESS Technology, das seit Juni 2021 auf dem Markt ist. Etwa verwirrend. Auch, weil der ADI-2 DAC in einigen Shops wohl eine Zeit lang auch ohne das Kürzel „FS“ angeboten worden war. Zu erkennen ist die neueste Version an dem „C“ in der Seriennummer. Um die zu finden, muss man allerdings schon das Gerät aus der Verpackung holen. Grund für den Wechsel von AKM (Asahi Kasei Microdevices) zu ESS war ein Feuer im Oktober 2020 in der Fertigung von AKM in Japan.

Neuestes Modell schließlich ist das RME ADI-2/4 PRO SE (erschienen Ende 2022), ein – wie der Name es vermuten lässt – 2-kanaliger Analog-zu-Digital- und 4-kanaliger Digital-zu-Analog-Wandler.

RME ADI-2 DAC FS

Das ist anders am RME ADI-2 DAC FS – und dafür ist er gedacht

RME selber bezeichnet den ADI-2 DAC FS als „die für Heim und HiFi-Nutzer optimierte und angepasste Version des ADI-2 Pro“. Er kommt mit einer erweiterten Fernbedienung, einer nochmals verbesserten DA-Wandlung und angepasster analoger Ausgangsstufe für noch bessere Rausch- und Verzerrungswerte. Einige Studio-Funktionen wurden mit „typischen Merkmalen“ von HiFi-Geräten ersetzt. Welche das genau sind, werden wir noch herausfinden.

RME sieht den ADI-2 DAC FS zum einen als High-End-Kopfhörerverstärker (auch für iPad und iPhone), aber auch als S/PDIF/ADAT/DSD-Wiedergabesystem und als USB DAC. Letzteren versieht der Hersteller mit dem Attribut „der flexibelste und leistungsfähigste überhaupt“. Über S/PDIF empfangene Digitaldaten können nämlich auch über USB ausgegeben werden. Heißt: Der RME ADI-2 DAC FS kann auch als digitales Interface für Aufnahmen am Computer eingesetzt werden.
RME ADI-2 DAC FS

Was gehört zum Lieferumfang des RME ADI-2 DAC FS?

Das Produktfoto auf dem in Schwarz-Weiß gehaltenen irritiert auf den ersten Blick ein wenig: Sind da etwa zwei Geräte enthalten? Oder ist das ein Gerät mit „zwei Ebenen“? Nein, damit will Hersteller RME – etwas unglücklich – nur die Vorder- und die Rückseite des DA-Converters gleichzeitig darstellen. Etwas verwirrend ist auch, dass auf der Verpackung groß „ADI-2 DAC“ steht und lediglich ein kleiner Barcode-Aufkleber auf der Seite verrät, dass es sich hierbei tatsächlich um die upgedatete „FS“-Version handelt, für die man vermutlich nicht extra einen neuen Karton drucken lassen wollte. Wer also vorhat, sich den RME ADI-2 DAC FS zuzulegen, sollte sich vergewissern, dass er auch wirklich das neueste FS-Modell bekommt.

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Das Packungsgewicht von gut 1,8 kg macht neugierig: Was steckt da denn alles drin? So groß sieht der ADI-2 doch gar nicht aus! Schauen wir mal nach. Erste Überraschung: Obenauf liegt ein gedrucktes Handbuch in Englisch und Deutsch mit je 75 Seiten, DIN-A-5-Format, mit Spiralbindung, das zum Schmökern und Nachlesen geradezu einlädt. Gedruckt. Alternativ gibt es das aber auch noch mal als PDF auf der Produktseite. Des Weiteren taucht eine Fernbedienung aus der Verpackung auf. Und zwar nicht das alte 11-Tasten-Modell, sondern die neue 22-Tasten-Ausgabe, eine erweiterte Version also. Die unterscheidet sich dann mit Tasten wie „COAX“, „OPT“ oder „EQ“ deutlich von einer normalen TV-Fernbedienung, auch reichen die Nummerntasten nur von 1 bis 4. Einem Aufkleber auf der Rückseite entnehme ich, dass die sowohl für den ADI-2 DAC als auch für den ADI-2 PRO FS R geeignet sind, wobei man durch eine Button-Kombination zwischen den beiden Modellen wechseln kann. Ganz schön vielseitig. Wer mag, kann auch eine Fernbedienung eines Drittherstellers einsetzen. Die dafür benötigten Codes können auf der ADI-2-Produktseite heruntergeladen werden. Ebenso gehört ein externes Netzteil zum Lieferumfang.

RME ADI-2 DAC FS

Gehäuse, Bedienelemente und ein Blick in die Menüstruktur

Der RME ADI-2 DAC FS kommt im gewohnten 9,5 Zoll Format (halbes Rack-Format), ist also mit seinen Maßen von 215 x 52 x 150 mm zwar extrem kompakt gebaut, aber trotzdem mit 925 g kein Leichtgewicht, was vor allem an dem mattschwarzen Metallgehäuse liegt, das einen vertrauenserweckend stabilen Eindruck macht.

Auf den ersten Blick sieht die Frontplatte aus wie die des ADI-2 Pro FS R. Ganz rechts zwei Multifunktions-Endlos-Decoder mit Push-Funktion, die für Bass und Treble gedacht sind, mit denen sich aber auch die Menüseiten und diverse andere Parameter steuern und einstellen lassen. Daneben das hochauflösende IPS-Display für die grafische Bedienoberfläche, auf dem sich – neben den Menü-Einstellungen – unter anderem das Peak-Level-Meter, ein 30-Band-Analyzer in DIGICheck Biquad Filtertechnik, der 5-Band-Parametric-EQ oder eine Zustandsübersicht mit dem aktuellen Status von S/PDIF, USB und der Clock anzeigen lassen. Und das aus allen Blickrichtungen gut ablesbar ist.

Apropos EQ: Der ADI-2 DAC FS enthält auch die Option „Dual EQ“, um den EQ links und rechts getrennt einstellen zu können. Das kann u. a. bei der Lautsprecher- oder Raumkorrektur hilfreich sein.

Noch einmal eben zurück zum Display: Das lässt sich farblich von gelblich bis bläulich einstellen und so an den persönlichen Geschmack, vielleicht aber auch an das Display der Stereoanlage angleichen. Auch das mal als Beispiel, wie filigran hier RME bis ins letzte Detail geht.

RME ADI-2 DAC FS

Auf dem gut ablesbaren Display hat man alles im Blick

Über vier kleine beleuchtete Taster links neben dem Display habe ich schnellen Zugriff auf oft nachgefragte Abschnitte in der Menüstruktur. Das sind Volume/Balance, I/O (Line Out, Phones, IEM), EQ und generelles Setup. Die zugehörigen Parameter werden dann über die beiden Encoder eingestellt. Das hört sich erst einmal grundsätzlich nach kurzen Wegen und viel Übersicht an, doch muss dann hier und da doch recht weit und lange durch die Untermenüs steppen. Was aber weniger an einer zu komplexen Menüstruktur liegt, sondern viel mehr an den zahlreichen Details und Parametern, die sich hier einstellen und verändern lassen. Als Beispiel hier mal der I/O, der mit folgenden Parametern kommt:

  • Source
  • Ref Level
  • Auto Ref Level
  • Mono
  • Width
  • M/S Proc
  • Polarity
  • Crossfeed
  • DA Filter
  • De-Emphasis
  • Dual EQ
  • Volume
  • Lock Volume
  • Balance
  • Mute
  • Dim
  • Loopback to USB
  • Digital DC Protection

Und das jeweils getrennt für Line Out, Phones und IEM und jeweils wiederum mit mehreren Einstellmöglichkeiten und weiteren Unterseiten. Da ist man mitunter dann schon eine Weile unterwegs auf dem Display. Und freut sich, dass man das gedruckte Handbuch neben sich liegen hat, denn nicht alles ist selbsterklärend. Aber nun gut, das ist nun mal der Preis für die Vielfalt, die der RME ADI-2 DAC FS bietet.

Über den großen Dreh/Push-Regler schließlich wird das Lautstärke von -111,8 bis +6,0 dBu für die Line-Ausgänge eingestellt. Bei Betätigung wechselt das Display automatisch auf das Volume-Fenster, sofern ich nicht gerade das Fenster mit den Line-Ausgangs-Details offen habe. In dem Fall wird der gerade anliegende Wert dort angezeigt, sehr übersichtlich, wenn auch anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Was auch für den Bedienungsmix aus Drehen und Drücken mit den Encodern gilt, der aber nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut übergeht.

Das ansprechend gestaltete Gehäuse ruht auf vier großen, gummierten Füßen mit Alu-Rand, was weit mehr an HiFi-Elemente denn an Studio-Equipment  erinnert. Damit fügt sich das der ADI-2 DAC FS sehr harmonisch im Wohnzimmer neben der Anlage ein.

RME ADI-2 DAC FS

Die Anschlüsse des RME ADI-2 DAC FS: Intelligente Kopfhörerbuchsen

Die Unterschiede zum ADI-2 Pro offenbaren sich (optisch) bei den Kopfhörerbuchsen auf der Frontseite. Hat der Pro dort zwei große Klinkenbuchsen (PH 1/2 und PH 3/4, die auch im „Advanced Balance Mode“ als symmetrischer Kopfhörerverstärker eingesetzt werden können), befinden sich beim ADI-2 DAC FS dort eine große Klinkenbuchse (Phones) und eine Miniklinkenbuchse (IEM – was für „InEarMonitors“ steht). Auf den symmetrischen Kopfhöreranschluss müssen wir hier also zwar verzichten, doch ist ein gesonderter Anschluss für die oft sehr sensiblen IEMs eine feine Sache, übertragen die doch – am „normalen“ Kopfhöreranschluss – bei höheren Lautstärken oft auch das Eigenrauschen eines Verstärkers mit und freuen sich daher über eine spezielle technische Behandlung. Auf die ich gleich noch näher eingehen werde.

Im Menü kann ich jede nur denkbare Quelle auf den Kopfhörer aufschalten (S/PDIF coax, Optical, USB, USB (Rec coax), USB (Rec opt) bzw. per Auto-Funktion aufschalten lassen. Wobei S/PDIF dann Vorrang vor USB hat. Während der Ausgang IEM einen festen Referenzpegel von -3 dBu besitzt, bietet mir PHONES mit +7 dBu (Low Power) und +22 dBu (Hi-Power) deren zwei an. Mit +22 dBu lassen sich selbst extrem hochohmige Kopfhörer mit bis zu 600 Ohm noch zu wahren Höchstleistungen treiben.

Interessant: Die Kopfhörerbuchsen besitzen Sensorkontakte, die dem Gerät mitteilen, wann ein Kopfhörer eingesteckt wird. Ist das der Fall, wird eine halbe Sekunde später das Mute-Relais aktiviert, das die Lautstärke erst einmal auf null stellt und dann langsam wieder hochfährt. So langsam, dass man noch Zeit genug hat, den Kopfhörer abzusetzen, den Stecker wieder zu ziehen oder einfach die Lautstärke so nachzuregeln, dass es keine Probleme für die Ohren gibt.

RME ADI-2 DAC FS

Besonders stolz ist man bei RME auf die neue Extreme-Power-Treiberstufe, die nach Herstellerangaben „eine 6-fach verteilte Leistungstechnik, verbesserte Wärmeableitung sowie ein spezielles Super Low Distortion Treiberdesign besitzt“ und so „kein hörbares Brummen, Rauschen oder Verzerrung“ sowie „vollen transparenten, kristallklaren Klang bei jeder Lautstärkeeinstellung“ verspricht.

Beim IEM-Ausgang wurde auf eine Extreme-Power-Ausgangsstufe verzichtet, da sie generell empfindlicher als normale Kopfhörer (niedrige Impedanz bei hohem Kennschalldruckpegel) sind. Stattdessen wurde hier mit einer optimierten Ausgangsstufe mehr Wert auf extreme Rauschfreiheit und „niedrigem Klirr“ (O-Ton Handbuch) gelegt. RME selber bezeichnet den IEM-Ausgang des ADI-2 DAC FS als den „vermutlich rauschärmsten Kopfhörerausgang der Welt“. Das könnte bei einem Grundrauschen von -121 dBu (A) vermutlich sogar stimmen.

Noch mal eben kurz zurück zum Thema „Intelligente Kopfhörerbuchsen“ – was RME da alles mit eingebaut hat, dürfte wohl fast einzigartig sein. Dazu gehört neben Überstromerkennung, Gleichspannungsschutz und den erwähnten Sensorbuchsen auch eine DSP-Steuerung für automatische Zuweisung des Volume, Volume Ramp-up (wie gerade beschrieben), Hinweise bei Überlast und eine automatische Skalierung der Level-Meter bei niederohmiger Last.
RME ADI-2 DAC FS

Die Anschlüsse des RME ADI-2 DAC FS auf der Rückseite

Da sich der ADI-2 DAC FS auf die DA-Wandlung beschränkt (während der ADI-2 Pro ein AD/DA-Wandler ist), fällt die Anschlussdichte auf der Rückseite ein klein wenig schlanker aus als beim PRO. Augenfällig vor allem, dass es hier keinen DB9-Anschluss für eine Kabelpeitsche für digitale Signale über symmetrische XLR-Verbindungen (AES/EBU) und unsymmetrische Verbindungen (Cinch, SPDIF) gibt.

Digitale Eingänge hat der ADI-2 DAC FS aber natürlich trotzdem: 1x S/PDIF als Coax und 1x als Optical. Allerdings ist immer nur einer nutzbar: Den aktiviert man entweder im Menü oder lässt in der Einstellung „Auto“ das Gerät bei gültigem Signal von alleine tätig werden. Dabei kann der optische Eingang auch ADAT mit bis zu 192 kHz AES und S/PDIF sind ja ohnehin auf 192 kHz beschränkt, höhere Sample-Frequenzen – die hier bis 768 kHz reichen – sind nur analog und mit USB nutzbar. Dabei sind allerdings nur die Kanäle 1/2 des achtkanaligen Formats verfügbar – was aber in den meisten Fällen durchaus ausreichen sollte. Mit dem passenden Adapter (XLR/Cinch) lässt sich schließlich auch AES/EBU anlegen. Wie dieser Adapter verdrahtet sein/werden muss, steht im überaus hilfreichen Handbuch.

An Ausgängen gibt es XLR (symmetrisch) und Cinch (unsymmetrisch) – letztere sicherlich auch ein Zugeständnis in Richtung HiFi-Fraktion, ist Cinch dort doch das gängige Format. Zwar werden sämtliche Ausgänge – auch Phones und IEM – vom selben DAC versorgt und bekommen deshalb auch dasselbe Signal, doch besitzen sie alle eigene Treiberstufen mit unterschiedlichen Ausgangspegeln, wie ich es bereits bei den Kopfhörerausgängen geschildert hatte. Um angeschlossenen Geräten stets einen optimalen Pegel zu bieten, verfügt der Cinch-Line-Ausgang intern über elektronische Schalter zur Pegelanpassung in +6 dB Schritten (-5 dBu, +1 dBu, +7 dBu und +13 dBu). Der Pegel an den XLR-Ausgängen ist 6 dB höher, reicht also von +1 dBu bis +19 dBu. In der Einstellung „Auto Ref Level“ schaltet das Gerät den Line-Ausgang zwecks Optimierung des Dynamikbereiches und für ein optimales Signal-Rausch-Verhältnis automatisch auf den passenden Hardware-Referenzpegel um, da muss man sich also um nichts kümmern.

Ebenfalls noch mit auf der Gehäuserückseite: Der USB-2.0-Anschluss (im Format USB-B. Sieht man in letzter Zeit auch eher selten) und die Buchse für das Netzteil. Die ist recht vielseitig, erlaubt Spannungen von 9 bis 15 V und kommt dank interner Linearregler auch mit preiswerteren Netzteilen klar. Das mitgelieferte akzeptiert jede Netzspannung zwischen 100 und 240 V und gleicht Spannungsschwankungen aus. Clever: Der Stecker des Netzgerätes wird am Gehäuse durch Drehen sicher verriegelt.
RME ADI-2 DAC FS

Leistungsstarke Fernbedienung und die Bauer Binaural Methode

Die – inzwischen gewachsene – Fernbedienung hat neben den Standards (Lautstärke, Wiedergabequelle, Mute und Power) auch vier programmierbare Tasten, denen ich via Remapping 31 verschiedene Funktionen bzw. Aktionen zuweisen kann. Dazu gehören nicht nur Mono, Loudness, AutoDark oder Dim (das sind die vier voreingestellten Tasten), sondern auch eher ungewöhnliche Sachen für eine Fernbedienung, wie etwa DA Filter, Polarity oder Crossfeed, mit dem das Hören über Kopfhörer mit ihrer extremem Links/Rechts-Platzierung des Klangfeldes im Raum dem Hören über Lautsprecher angeglichen werden. Bei Lautsprechern hören wir ja – trotz Stereo – auch mit dem rechten Ohr noch das, was aus der linken Box kommt und umgekehrt, was beim Kopfhörer bauartbedingt ausgeschlossen ist. Um das zu erreichen, bietet der ADI-2 DAC FS fünf Stärken der Verengung des oberen Frequenzbereichs unter zusätzlicher kleiner Verzögerung und Korrektur des Frequenzgangs. „Bauer Binaural Methode“ heißt die hier verwendete Technologie.

Zurück zur Fernbedienung. Die ist mit ca. 15 x 5,5 x 1 cm groß genug, um angenehm in der Hand zu liegen (und nicht in einer Sofaritze zu verschwinden), wird mit einer Standard-CR2025-Knopfzelle betrieben und funktioniert auch aus größerer Entfernung tadellos.

Alternativ zur Hardware-Fernbedienung kann man auch die ADI-2 Remote-Software nutzen. Die bietet eine vollständige Kontrolle über DAC und ADI-2/4 sowohl auf Windows- (augenblicklich noch beta) als auch auf macOS/iOS-Geräten.

RME ADI-2 DAC FS

Installation und Betrieb

Der RME ADI-2 DAC FS läuft unter Windows (ab Win 7), auf dem Mac (10.6.8 oder höher) und auf iOS-Geräten (iPhone oder iPad mit iOS7 oder höher, mit Dock oder Lightning zu USB-Adapter). Unter Windows 10 wird er automatisch erkannt. WDM und WASAPI von 44,1 bis 384 kHz sowie eine DSD-Wiedergabe über DoP (DSD over PCM) bis DSD256 funktioniert auch ohne speziellen Treiber. Installiert man den RME-Treiber, so erhält man auch ASIO und Zugriff auf höhere Sphären, sprich auf 768 kHz per WDM. Außerdem braucht man den RME-Treiber für ein eventuelles Firmware-Update und für die Nutzung des RME Analyse-Tools DIGICheck.

Der Treiber mit dem stimmungsvollen Namen MADIface (Version 0.9.824.0 vom 22.06.23) ist schnell installiert. Dieser ist zu ADI-, Digiface-, Fireface-, MADIface-Geräten kompatibel und findet sich auf der RME Download-Seite. Nach dem Neustart des Win10-PCs erscheint in der Task-Leiste das Symbol des Settings-Dialogs, wo ich Buffer Size (32 – 2.048 Samples) und die Sample-Rate einstellen kann. Voreingestellt sind übrigens 44,1 kHz.

In den Windows-Soundeinstellungen ist „Analog (1+2) (RME ADI-2 DAC)“ als Ausgabegerät und „S/PDIF (RME ADI-2 DAC)“ als Eingabegerät automatisch ausgewählt; eine analoge Alternative besitzt der ADI-2 DAC FS ja nicht.

RME ADI-2 DAC FS

Der Frequenzgang ist überaus linear

Wie klingt der RME ADI-2 DAC FS? DSD und mehr

Ich bin gespannt, was der ADI-2 DAC FS leistet. Hebt er den Klang an meinem Kopfhörer tatsächlich auf eine neue Stufe? Probieren wir es aus. Zum Start lade ich  mir ein paar DSD-Dateien auf mein Notebook. DSD (Direct Stream Digital) ist ein Datenstrom mit 1 Bit Auflösung und mehrfacher Sample-Frequenz einer CD – DSD64 beispielsweise ist übersetzt gleich 64x 44,1 kHz, also 2,8 MHz. Der ADI-2 DAC FS kann DSD-Dateien sowohl über S/PDIF und AES als auch über USB übertragen. Um die Lautstärke digital am Volume-Regler einstellen zu können, müssen die DSD-Daten in PCM konvertiert werden, was automatisch im DA-Konverter-Chip passiert. Stelle ich die PCM-Konvertierung im Setup ab und wähle „DSD Direct“, entfällt die Lautstärkereglung – die ist dann nur noch grob über die vier analogen Referenzpegel möglich. Es hat eben alles seinen Preis.

Erster Testsong: „Short People“ von den New Amsterdam Voices, einem A-Capella-Jazz-Vocal-Ensemble. Als Kopfhörer nutze ich einen AKG K-501, der für seinen extrem neutralen Klang bekannt ist, aber schon etwas Druck benötigt, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Ich beginne vorsichtig mit -4,5 dB und Lo-Power – und bin begeistert. Eine derartige Klarheit der Stimmen, eine so feine klangliche Auflösung, eine dermaßen fast schon fühlbare Räumlichkeit, so als ob ich mit den Sängerinnen und Sängern auf der Bühne stehen würde, habe ich bisher nicht erlebt. Jede Stimme ist einzeln deutlich herauszuhören, kein Detail geht verloren. Der ADI-2 DAC S bringt die Sample-Rate von 352,8 kHz (wie mir die Status-Seite verrät) wunderbar ins Ohr. Erstaunlich auch, was sich der AKG – der sonst eher zu den leiseren seiner Zunft gehört – da ins Zeug legt. Rauschen? Kein Thema, gleichgültig, wie laut oder leise ich höre. Schalte ich auf Hi-Power um (was den Referenzpegel um +15 dB anhebt), geschieht das ohne zu knacksen, der Pegel steigt nicht schlagartig, sondern langsam an. Und auch dann bleibt der Klang klar und durchsichtig. Wer es matschig mag, muss schon nach Wacken fahren.

Mit „Width“ kann ich die Stereobreite von 1.00 (volles Stereo) über 0.00 (Mono) auf -1.00 (vertauschte Kanäle) ändern oder mit „Crossfeed“ die Basisbreite im Höhenbereich reduzieren. Beides ist deutlich hörbar und kann den Höreindruck – je nach Song – nachhaltig verbessern bzw. umschichten. Bass und Treble – die ich per Fernbedienung aktiviere – greifen eher vorsichtig ins Geschehen ein und sind ohnehin auf +/-6 dB begrenzt. „Alles was diese Werte übersteigt sollte von einem EQ bearbeitet werden, und/oder wirft die Frage nach besseren Lautsprechern/Kopfhörern auf“ – merkt das Handbuch dazu gewohnt humorvoll an. Apropos EQ: Dessen Bedienung erweist sich über die Push-Regler dann an dieser Stelle doch ein wenig fummelig und undurchsichtig, es dauert schon eine ganze Weile, bis die 20 Speicherplätze und die drei individuellen EQ-Einstellungen (getrennt nach XLR/RCA, Phones und IEM) gefüllt sind. Was hier auch wieder mal an der Feature-Fülle liegt: Wo sonst hat man schon mal die Möglichkeit, Band 1 und 5 zusätzlich auch als Peak, Shelf oder HighPass/HighCut-Filter zu definieren oder den Quality-Factor eines jeden Bandes einzustellen? Daher: „Leicht zu bedienen und einzustellen?“ Beim EQ eher nicht, weder auf dem grafischen Bildschirm, noch in der Menüstruktur mit Text. Aber die Mühe lohnt, der 5-Band-EQ macht tatsächlich einen guten Job. Und hat man einmal seine bevorzugten Einstellungen gefunden – die man dank der Speicherplätze dann ja auch schön nach Musikstilen einzeln speichern und benennen kann – muss man da ja auch nicht so oft dran.

RME ADI-2 DAC FS

Parametric-5-Band-EQ im Display

Die analogen Stereoausgänge haben beim ADI-2 DAC FS eine Loudness-Funktion, die um zwei Kniffe gegenüber herkömmlichen Loudness-Schaltungen (die einfach Bässe und Höhen bei geringen Lautstärken anheben, um dann fehlenden Druck auszugleichen) erweitert wurde: Zum einen kann man hier die maximale Anhebung von Bässen und Höhen (getrennt) selber bestimmen, zum anderen mit „Low Vol Reference“ auch den genauen Lautstärkepunkt setzen, an dem die Regelung maximal arbeiten soll. Erhöhe ich also (vom gesetzten Tiefpunkt aus) die Lautstärke, werden Bässe und Höhen bei Anhebung des Volumes stufenlos bis hin zu 0 dB verringert. Was sich sehr angenehm auf das Hörerlebnis auswirkt, weil man den Klang besser an die räumlichen und technischen Gegebenheiten anpassen kann.

Nächster Soundcheck: Das Allegretto aus Schostakowitschs fünfter Sinfonie, ebenfalls DSD. Klanglich sehr anspruchsvoll, da sich hier Blech, Holzbläser und Streicher gelegentlich im Fortissimo in den Höhen treffen, da wird es mit einem schwachen Amp schnell mal schrill. Nicht so beim ADI-2 DAC FS. Der trennt auch hier sauber und behält auch die Übersicht bei den Bässen im Keller. Wunderbar. Der ADI-2 DAC FS ist in der Lage, sogar Frequenzen bis runter zu 0 Hz wiederzugeben. Klar, die hören wir selber nicht, doch macht sich diese Fähigkeit mit einer enorm eindrucksvollen (aber nie aufdringlichen) Basswiedergabe bemerkbar.

RME ADI-2 DAC FS

Die Einstellmöglichkeiten sind überragend

Wie klingt der RME ADI-2 DAC FS bei 44,1 kHz?

Runter mit dem AKG und mal den RODE NTH-100 mit seinen schmalen 32 Ohm angeschlossen. Hier ist Lo-Power erste Ohrenpflicht, selbst bei -25 dB hämmert mir Alice Cooper sein „No More Mr. Nice Guy“ via YouTube mit Wucht aufs Trommelfell, ohne dabei aber die Details aus den Augen zu verlieren. So präzise, so schön räumlich hatte ich AC/DCs Thunderstruck noch nie gehört. Schneller A/B-Vergleich, selber Song, selber Kopfhörer, aber über den Kopfhörerausgang meines Mackie 802-Pultes: Da liegen Welten zwischen. Und das nicht, weil der Kopfhörerausgang am Mackie-Pult etwa besonders schlecht wäre – der des RME ist einfach besonders gut. Am ADI-2 sind die Höhen viel sauberer definiert, sind die einzelnen Instrumente viel differenzierter hörbar, sind die Frequenzbereiche weit besser getrennt. Und diese Räumlichkeit – wie auf der Bühne mit dabei. Selbst wenn ich Höhen und Bässen die maximalen +6 dB spendiere, wird es nicht unsauber oder übertrieben.

Während bei den DSD-Audios die Rekonstruktionsfilter eher sanft zu Werke gehen, greifen sie bei der niedrigeren Samplerate – je nach Filtertyp – schon etwas deutlicher zu. Zur Auswahl stehen Short Delay Sharp, Short Delay Slow, Sharp, Slow und NOS. Letzteres ist das flachste der Filter, das dann auch die Höhen besonders beeinflusst. Da kann man gerne etwas rumprobieren, um das Klangerlebnis zu optimieren.

RME ADI-2 DAC FS

Um die D/A-Wandlung und den optischen S/PDIF-Eingang zu testen, schließe ich spaßeshalber meine alte PS4 Pro an den RME ADI-2 DAC FS an. Ich wollte immer schon mal ausprobieren, wie sich digitaler Sound auf der Konsole anhört. Und natürlich ist das Ergebnis auch hier beeindruckend gut, so macht Gaming doppelt Spaß. Auch hier bin ich vom Detailreichtum, der Räumlichkeit und der präzisen Trennung der Frequenzen begeistert. Die Höhen sind mit feiner Feder gemalt, die Bässe knackig, aber trotz allem nie anstrengend oder aufdringlich, sondern trotzdem noch dem Neutralitätsgebot verhaftet.

Weshalb man den RME ADI-2 DAC FS auch gut einsetzen kann, um dem eigenen Mix im Studio mal auf den Zahn zu fühlen, der Einsatzbereich ist nicht unbedingt „nur“ HiFi only. Mit geradezu chirurgischer Präzision kann der RME da den Mix zerlegen und auf Ungereimtheiten und Unsauberkeiten hinweisen. Allerdings muss man sich auch im Klaren sein, dass der – dann bereinigte Mix – auf kaum einem anderen Gerät so gut, so perfekt auf die Ohren kommen wird wie auf dem RME.

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Fazit

Der RME ADI-2 DAC FS macht das Musikhören mit dem Kopfhörer zum beeindruckenden, intensiven Klangerlebnis. Selbst bei Songs, die man schon 100x gehört hat, entdeckt man plötzlich ganz neue Facetten und Feinheiten, mit großartiger Klarheit, Detailfülle und Ausgewogenheit, ohne aber zu beschönigen. Dafür sorgen feinste Technik und unzählige Einstellmöglichkeiten, mit denen man den Sound an eigene Vorlieben und räumliche Gegebenheiten anpassen kann und so auch das Letzte aus einem Track herausholen kann. Unglaublich, was die Ingenieure vom RME da alles in dieser kleinen Kiste untergebracht haben. Klar, um das alles auch bis ins letzte Detail nutzen zu können, muss man sich schon etwas länger mit dem sehr ausführlichen Handbuch beschäftigen, aber die Mühe lohnt sich. Dass die ansonsten gute, wenn auch etwas gewöhnungsbedürftige Bedienung des Geräts hier und da dann doch etwas umständlich ist (Stichwort EQ), ist dann meist auch ein wenig der überbordenden Feature-Fülle geschuldet. Der einzige Haken: Nachdem ich jetzt Musik auf dem Level gehört habe, will ich den RME ADI-2 DAC FS eigentlich gar nicht mehr hergeben.

Plus

  • fantastischer Klang mit großartiger Transparenz und Räumlichkeit
  • holt aus jedem Kopfhörer das Letzte heraus
  • 32 Bit, 768 kHz Konverter
  • absolut rauschfrei in jeder Einstellung (120 dBA Rauschabstand)
  • gewaltiger Funktionsumfang zur Klangoptimierung (Crossfeed, 5-Band-Parametric- EQ, Hi-Power, DA-Filter, Dual-EQ)
  • DSP-Support
  • Phones, IEM und Line Out separat regelbar
  • Als DAC, Kopfhörerverstärker und Vorstufe einsetzbar
  • mit speziell angepasstem IEM-Ausgang
  • eingebauter Bandpass Filter Spectrum Analyzer
  • Volume Ramp-up-Funktion schont Kopfhörer und Ohren
  • DSD zu PCM-Konvertierung
  • auch als Wandler ein Brett
  • praktische Fernbedienung
  • wertige Verarbeitung
  • ansehnliches HiFi-Design
  • ausführliches (auch gedrucktes) Handbuch
  • gutes Display

Minus

  • Bedienung hier und da etwas umständlich und gewöhnungsbedürftig

Preis

  • 1.229,- Euro
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Forum
  1. Profilbild
    SoundForger2000

    Prima Test !

    Liest man das, möchte man meinen, hier das absolute Traumgerät vor sich zu haben, das dann eigentlich auch mindestens 5000 € kosten müßte.

    • Profilbild
      Stephan Merk RED

      @SoundForger2000 Naja, ganz ehrlich: Die ESS-DACs findet man auch in vielen China-Geräten, bspw. SMSL oder Topping DX7s, der klingt auch fantastisch und bietet weniger Spielereien. Aber man könnte sowas nur im Blindtest feststellen. Für mich bedeutet der Wechsel von AKM zu ESS nicht nur einen Kompromiss, sondern ein Zugeständnis an den Fortschritt. Heute muss ein guter DAC nicht mehr teuer sein, bei einem ADC sieht das anders aus. Aber klar, es kommt ja auch auf die Operationsverstärker und Trafos an, so einfach ist es dann auch wieder nicht. ;)

  2. Profilbild
    TomH

    Vielen Dank für den schönen und ausführlichen Test.

    Am Ende bleibt mir wohl nur ein eigner Hörtest übrig.
    Ich nutze ein RME UFX III und frage mich daher, werde ich Nennenswerte Unterschiede hören, da das UFX III ja auch gute Wandler hat. Laut Thomann AK5574 AD- / AK4490 DA-Wandler.
    Ist der sicher bessere Kopfhörer Verstärker am Ende die Investition Wert?
    Die Frage dazu auch, weil ich nicht unbedingt lange mit dem Kopfhörer höre. 🤔

    Es bleibt weiterhin auch die Frage welches Interface?
    Das getestete RME ADI-2 DAC FS
    oder doch
    RME ADI-2 Pro FS R Black Edition
    oder
    RME ADI-2/4 Pro SE
    Die beide zusätzlich AES/EBU bieten.

    Ich denke, da werde ich doch erst einmal ein Schoeps Mono Set MK 4 (oder41) – CMC 1 U kaufen, das steht schon länger auf dem Wunschzettel.😅

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