Test: Kawai ES-8, Stagepiano

9. Dezember 2015

Auch Gutes lässt sich verbessern

Mit dem Stagepiano ES-7 ist dem Hersteller Kawai vor rund drei Jahren ein großer Wurf gelungen. Waren die Topplatzierungen im Bereich Mittelklasse Stagepiano bisher den bekannten japanischen Konkurrenten vorbehalten, konnte sich das ES7 mit seinem Erscheinen sehr gut in diesem Feld behaupten. Jetzt hat Kawai den Nachfolger ES-8 präsentiert und wir haben uns das neue Modell gleich mal näher angeschaut. Das Kawai ES-8 im Check.

Kawai ES-8

Kawai ES-8

Optik und Aufbau

Schon bei den ersten Vorabblicken auf der Website von Kawai wird klar, optisch hat sich nicht viel getan. Das Kawai ES-8 ist dem Vorgänger ES-7 zum Verwechseln ähnlich, auch die großen Brüder der MP-Stagepianos lassen optisch grüßen. Ebenfalls gleich geblieben ist die sehr gute Verarbeitung und Materialwahl, der Korpus des ES-8 besteht aus einem Metall/Holzmix. Kunststoff kommt nur bei den Bedienelementen zum Einsatz und da macht es dazu eine sehr gute Figur. Die Drucktaster und der Lautstärkeregler arbeiten einwandfrei und sollten auch langfristig gute Dienste verrichten.

Die Materialwahl lässt natürlich auch gleich auf das vergleichsweise hohe Gewicht von knapp 23 kg schließen. Ein notwendiges Übel, was nun mal mit robusten Materialien einhergeht, kein Grund zur Kritik. Die Maße des Kawai ES-8 belaufen sich auf 136 x 36 x 15 cm. Erhältlich ist das ES-8 in Schwarz und Weiß, optional erhältlich ist ein Unterbau aus Holz, mit dem das Stagepiano zum Home- bzw. Digitalpiano wird, um so auch im heimischen Wohnzimmer zu glänzen. Ebenfalls optional erhältlich ist ein 3-fach Pedal, ein 1-fach Haltepedal gehört bereits zum Lieferumfang. Ebenso findet man im Karton des ES-8 einen ansteckbaren Notenständer, eine mehrsprachige Bedienungsanleitung sowie ein externes Netzteil.

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Die Bedienoberfläche des ES-8 ist klar gegliedert. Das mittig angebracht 2x 16 Zeichen LC-Display hilft beim Navigieren und Auswählen von Sounds und Registrationen. Links davon befinden sich die Drucktaster zur Anwahl der 34 Sounds sowie Lautstärkeregler und Funktionstasten für Transpose, Split und das Menü. Rechts des Displays die Bedienelemente für de Effektabteilung, den Recorder, Styles, Metronom und USB-Funktionen.

Tastatur und Anschlüsse

Vorneweg, die Kawai Tastaturen gefallen mir seit vielen Jahren sehr gut, vorwiegend weil man hier für relativ günstiges Geld bereits ordentliche Holztastaturen bekommt. Allerdings sind diese den Digitalpianos der CA-Serie bzw. dem größeren Stagepiano Bruder MP-11 vorbehalten. Aber auch bei Kunststofftastaturen braucht sich Kawai nicht zu verstecken, dies hat der Hersteller bereits beim ES-7 bewiesen.

Beim ES-8 kommt nun eine Weiterentwicklung mit er Bezeichnung „Responsive Hammer III“, kurz RH III, zum Einsatz. Im Vergleich zum Vorgänger wurden hier kleine Gewichte in die Tasten eingelassen, um so eine noch bessere Balance zwischen Hämmer und Tasten zu erreichen. Letztlich soll dies zu einem besseren und realistischeren Spielgefühl führen. Tatsächlich spielt sich die Tastatur außerordentlich gut. Ein 3-fach-Sensor sorgt dafür, dass schnelles Repetieren richtig und vor allem gut von der intern werkelnden Klangerzeugung erfasst wird, die Druckpunktsimulation sorgt für realistisches Spielgefühl.

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Der Notenständer gehört ebenso wie ein Haltepedal zum Lieferumfang des ES-8

Im direkten Vergleich zum ES-7 ist die Tastatur leiser geworden und offenbart ihre Stärken vor allem in ganz leisen Passagen, die man nun besser kontrollieren kann. Auf alle Fälle eine gute und spürbare Weiterentwicklung, sehr gut. Die Gewichtung könnte für meinen Geschmack etwas härter ausfallen, kommt so allerdings den Spielern zugute, die eben nicht nur Pianos, sondern auch E-Pianos, Orgeln oder Streicher darüber spielen.

Somit haben wir also die erste große Veränderung zum ES-7 kennengelernt, aber das wird ja sicherlich nicht alles sein.

Bei den Anschlüssen hat sich gegenüber dem Vorgänger ES-7 nichts getan. Ein Stereo-Pärchen Line Out und ein Line In im 3,5 mm Klinkenformat zum Einspielen von Playbacks und MP3s sind ebenfalls vorhanden wie Anschlüsse für Haltepedal, Halte-/Soft-Pedal, MIDI und USB. Schön ist die Tatsache, dass sich die internen Lautsprecher des ES8 per Schieberegler abschalten können. Auf der Vorderseite befinden sich dazu zwei Kopfhörerausgänge sowie ein Anschlussport für USB-Sticks.

Optional erhältlich ist ein Unterbau aus Holz samt 3-fach Pedaleinheit

Optional erhältlich ist ein Unterbau aus Holz samt 3-fach Pedaleinheit

Klangerzeugung

Neben der Tastatur hat auch die interne Klangerzeugung „Harmonic Imaging XL Technologie“ einige Neuerungen erfahren. Gegenüber dem ES-7 kommen beim ES-8 neue Samples vom hauseigenen Shigeru-Flügel zum Einsatz. Drei teils sehr unterschiedliche Flügel-Typen wurden dabei gesampelt und das Ergebnis ist wirklich hervorragend. Nicht nur, dass man die Flügel-Typen aufgrund ihrer unterschiedlichen Klangcharakteristik sofort erkennen kann, die Piano Sounds sind dazu extrem brillant und detailreich. Laut Kawai wurden für die Samples übrigens die drei Flügel Shigeru Kawai EX, Shigeru SK-5 und Kawai EX genutzt.

34 Sounds verstecken sich unter der Haube des ES-8

34 Sounds verstecken sich unter der Haube des ES-8

Egal ob man brachiale Hämmerpianos oder sanfte Flügelklänge für die Jazz Ballade braucht, das ES-8 bietet viel Abwechslung und deckt dadurch ein großes Einsatzgebiet ab. Dabei unterscheiden sich die insgesamt zehn Flügel-Sounds wie gesagt sehr gut und sind nicht nur per Equalizer irgendwie an die gängigen Klangrichtungen Bright, Jazz oder Mellow angepasst.

Wie vom Vorgänger und anderen Kawai Digitalpianos bereits bekannt, ist auch wieder der Virtual Technican mit an Bord. Mit dessen Hilfe lassen sich gezielt und vor allem sehr detailliert Eingriffe in den Klang der Flügel vornehmen. Egal ob Saitenresonanz, Hammer- oder Dämpfergeräusche, all dies und noch viel mehr lässt sich hier individuell einstellen. Gegenüber dem ES-7 wurde der Virtual Technican leicht erweitert. Somit lässt sich nun die Intonation pro Taste editieren, nicht mehr nur global.

Aber die A-Pianos sind natürlich nicht alles, was das ES-7 zu bieten hat. Insgesamt 34 Sounds hat das neue Kawai Piano unter der Haube, wovon wie gesagt zehn auf die A-Pianos entfallen. Diese sind in die Kategorien Piano 1 und Piano 2 einsortiert. Danach folgen jeweils vier E-Pianos, Orgeln, Mallets und Bass Sounds, zusätzlich sind acht Streicher/Chor-Presets mit an Bord. Während ich die Mallet und Bass Sounds als nette Zugabe deklarieren würde, überzeugen die E-Pianos, Orgeln und Streicher auf ganzer Linie. Vor allem aufgrund der sehr guten Amp-Simulation für die E-Pianos und dem Leslie-Effekt für die Orgeln kann man hier richtig Gas geben, sehr schön.

Soundsystem und Extras

Wie sein Vorgänger auch, verfügt das Kawai ES-8 über ein internes Lautsprechersystem. Dieses bietet 2x 15 Watt Leistung, was auf zwei Lautsprecher verteilt wird. Unterhalb des Spieltisches sitzen zwei Bassreflexöffnungen, die dem Klang des ES-8 sehr gut tun und ordentlich Bassfundament liefern. Die Platzierung auf einem Tisch sollte somit aber vermieden werden. Ein Keyboardständer bzw. der optional erhältliche Unterbau ist da mit Sicherheit die bessere Wahl. Der Klang ist sehr gut und ausreichend laut. Durch die erwähnten Bassreflexöffnungen schafft es das ES-8, auch bei tiefen bassreichen Klängen ordentlich Dampf zu machen. Insgesamt sehr gut.

Klein, aber große Auswirkung - die Bassreflexöffnung auf der Unterseite

Klein, aber große Auswirkung – die Bassreflexöffnung auf der Unterseite

Ein Sequencer darf bei solch einem Stagepiano, was oft auch nur im Wohnzimmer zum Einsatz kommt, natürlich nicht fehlen. Maximal zehn Songs à zwei Spuren lassen sich intern speichern, das Fassungsvermögen beträgt rund 90.000 Noten. Über den vorderseitig angebrachten USB-Port lassen sich USB-Speichermedien anschließen, auf die man direkt MP3- und WAV-Dateien schreiben kann. Hierüber lassen sich kompatible Dateien auch abspielen, so dass man beispielsweise live zu seinen Lieblingssongs jammen kann. Bei der Aufnahme von Songs bietet das Kawai ES-8 noch eine kleine Neuerung gegenüber dem Vorgänge. Per Overdub lässt sich zu einer bereits bestehenden Aufnahme eine weitere Aufnahme einspielen. Jede zusätzliche Aufnahme wird separat gespeichert und kann auf Wunsch auch rückgängig gemacht werden, sehr schön.

Ebenfalls wieder mit dabei ist die interne Begleitautomatik, die eine Alternative zum Metronom darstellt. Es werden einfache Begleitrhythmen, bestehend aus Drums, Bass und weiteren Spuren geboten, zum Alleinunterhalter-Keyboard mutiert das ES-8 damit allerdings nicht. Heißt, hiermit kann man sich sehr gut und gediegen begleiten lassen, nicht mehr, nicht weniger. 100 Rhythmen stehen hierfür zur Verfügung, auf Wunsch lassen sich die Einzelspuren Schlagzeug, Bass oder das restliche Arrangement stummschalten. Je nachdem wie es dem Spieler beliebt, kann entweder die ganze Tastatur als Akkorderkennung herangezogen werden oder man unterteilt die Tastatur in einen Melodie- und einen Akkorderkennungsbereich.

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Wo wir schon bei Splits sind. Diese Funktion beherrscht das Kawai ES-8 natürlich auch. Maximal zwei unterschiedliche Sounds können nebeneinander auf der Tastatur verteilt werden, der Splitpunkt ist frei bestimmbar. Ebenfalls möglich ist das Layern von zwei Sounds, die dann gleichzeitig erklingen, die Balance lässt sich individuell einstellen.

Das Kawai ES-8 ist auch in weiß erhältlich

Das Kawai ES-8 ist auch in weiß erhältlich


Fazit

Reden wir nicht lange drum herum: Das Kawai ES-8 ist eine gute Weiterentwicklung von einem bereits sehr guten Produkt. Dabei schafft es Kawai an den richtigen Stellen nachzubessern und nicht nur einfach etwas Altes neu aufzulegen. Die neuen Flügel-Sounds bringen das ES8 ein gutes Stück voran, gepaart mit der ebenfalls weiterentwickelten und dadurch auch leiser gewordenen Tastatur macht das viel Spaß. Ansonsten gibt es einige kleinere Weiterentwicklungen, die sich im Bereich des Virtual Technican oder des Sequencers abspielen. Letztlich entscheidend sind aber die verbesserte Klangqualität und die sehr gute Tastatur. Klare Note 1 für ein Top-Produkt.

Plus

  • verbesserte Tastatur
  • neue Flügel-Sounds
  • Virtual Technican
  • Soundsystem

Minus

  • -

Preis

  • Ladenpreis: 1.499,- Euro
Klangbeispiele
Forum
  1. Profilbild
    Aerocity  

    Ich war im Musicstore und wollte mir ein Digitalpiano für Einsteiger holen. Ursprünglich das Kawai ES-100 und direkt dadrüber stand das ES-8. Ich habe natürlich den „Fehler“ gemacht das ES-8 anzuspielen. Bevor ich auf das Preisschild schaute, war mir klar das es 1-2 Nummern zu teuer ist. Nach Hause gegangen bin ich übrigens mit einem Casio PX-300 welches als Retoure noch reduziert war. Zu Hause angekommen und aufgebaut um festzustellen, das es kaputt ist. Ich bin dann einen Tag später wieder in den Store und habe mir das ES-8 gekauft. Wer günstig kauft, kauft 2 mal…. Und zudem möchte ich direkt auf einem hochwertigen Instrument lernen. Als Anfänger mit 2 Jahren Spielpraxis gefallen mir die Sounds sehr gut sowie das Tastengefühl. Es macht einfach Spaß damit zu üben oder einfach nur zu kimpern. Hier gibt es einfach nichts zu bemängeln.Als einziges stört mich nur das Gewicht, transportieren würde ich es nicht, dafür ist es zu schwer. Da ich eh kein Auto und auch keine Band habe, fällt das eh flach ;)

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